Als ich klein war, gab es nur eines, das mich so stark in den Bann ziehen konnte wie die Musik, und das war der Nachthimmel. Im Alter von acht Jahren kaufte ich mir mein erstes Teleskop und betrachtete stundenlang den Mond und die Sterne. Und ich stellte mir vor, wie es wohl gewesen sein mag, als die Menschheit erkannte, wie winzig sie im Angesicht des großen Ganzen ist.
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Musiker und Autor - Daniel Hope im Intervew mit O. Tischewski "wdr3"
(de), March 2011

Latest album Air
Classic FM Arts Daily (en), September 2009

How do we know that the music we are listening to is being played according to the composers wishes? Fine if the composer is there in person and can direct or correct what he's hearing. But go back to the Baroque and surely it becomes guesswork. Violinist Daniel Hope's latest album Air is a biography of the baroque through the strings of a violin. He outlines the project, and talks also about his parallel writing career.

Ein „europäischer" Geiger
www.br-online.de (de), September 2009

Daniel Hope - ein "europäischer" Geiger. Die biographischen Wurzeln des Briten reichen von Deutschland über Irland bis Südafrika. Schon als Kind wurde er von Yehudi Menuhin gefördert. Ihm zu Ehren spielt Hope heute Abend mit dem Chamber Orchestra of Europe bei den Ingolstädter Sommerkonzerten....

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Daniel Hope liebt die ganz besondere Schwingung
Westfälische Nachrichten (de), February 2014

Steinfurt - Violinvirtuose Daniel Hope hat jetzt zweimal die Bearbeitung von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ von Max Richter in der Bagno-Konzertgalerie gespielt. Mit unserem Redaktionsmitglied Hans Lüttmann sprach er darüber.

Mr. Hope, Sie haben Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ einmal „eines der heiligsten Stücke der Musikgeschichte“ genannt. Was bedeutet das nun für einen Violinisten?
Daniel Hope: Dass er es wie kaum ein anderes Stück in- und auswendig kennt, ja, dass es sich sozusagen in sein Gehirn eingebrannt hat. Ich selber spiele es seit meinem achten Lebensjahr. Und eben hier im Bagno bei der Zugabe, wo wir das original Vivaldi-Presto aus dem Sommer gespielt haben, puh, da hatte ich echte Probleme, nicht wieder in die Richter-Komposition zu rutschen.

 

Als Max Richter Sie gefragt hat, ob Sie seine recomposed, also neu komponierte Fassung aufnehmen wollten, was bedeutete das?
Hope: Vor allem ganz viel üben. Was Richter da komponiert hat, ist zwar annähernd 90 Prozent Richter, aber oft liegt seine Komposition doch nur einen Hauch neben dem Original.


Eröffnet so ein Stück modern interpretierter Klassik eigentlich auch jungen Leuten den Zugang zu einer Musik, die sie oft als altbacken und verstaubt abtun?
Hope: Oh ja, wenn ich an eines unserer Konzerte neulich in London denke, da waren viele 25-, 30- und 35-Jährige, die diesen Vivaldi total toll fanden. Man muss dazu auch wissen, das Max Richter in England sehr populär ist.

Anders ist doch sicher auch dieser kleine Saal, der gerade mal 250 Zuhörern Platz bietet?
Hope: Aber das macht überhaupt keinen Unterschied; ich liebe diese kleinen Säle. Ich möchte natürlich die Carnegie Hall nicht missen, aber hier, wo ich schon zum ich glaube fünften Mal spiele, da spüre ich diese Vibes, ich weiß kein deutsches Wort dafür, diese ganz besondere Schwingung.


Etwas Besonderes klemmt da ja auch auf Ihrem Notenständer, ein Heft ist es nicht.
Hope: Nein, das ist ein iPad. Unten habe ich Fußpedale, mit denen ich die Noten weiterblättern kann. Eine wirklich tolle Sache, eine App für zweifünfzig, aber da stecken ganze Partituren drin.

Das Publikum wird oft unterschätzt
Süddeutsche (de), October 2013

Der Geiger Daniel Hope gehört zu den interessantesten Künstlern seiner Generation. Ein Gespräch über Fleiß, Kommunikation und guten Rotwein

Von Florian J. Haamann

Daniel Hope gehört zu den wichtigen Namen der klassischen Musik. Nicht nur, weil er ein hervorragender Geiger ist, sondern auch, weil er ein charismatischer Botschafter seines Genres ist. Denn die Kommunikation mit den Hörern ist für ihn ein ganz wichtiger Teil seiner Arbeit. Egal ob im Internet, in Interviews oder während seiner Konzerte. In seinem aktuellen Album "Spheres" beschäftigt er sich mit der Idee der Sphärenmusik. Der antiken Vorstellung also, dass Himmelskörper bei ihren Bewegungen Töne produzieren, die einen für den Menschen unhörbaren harmonischen Gleichklang bilden. Am Wochenende gastiert er mit dem Münchner Orchester am Jakobsplatz in der Stadthalle Germering und präsentiert Ausschnitte aus seinem Album sowie eine von Max Richter bearbeitete Version von Vivaldis Vier Jahreszeiten.

Herr Hope, Sie haben einmal die klassische Musik mit einem Glas guten Rotweins verglichen. Was haben Sie denn damit gemeint?
Daniel Hope: Ich wurde damals gefragt, was der Unterschied zwischen Pop- und klassischer Musik ist. Und da habe ich, vielleicht etwas voreilig, die beiden mit Champagner und Rotwein verglichen. Für mich ist es so, dass der Champagner eben sofort wirkt, man bekommt einen leichten Rausch und nach ein paar Tagen oder schon am nächsten Morgen, weiß man nicht mehr genau wie er geschmeckt hat.

Und der Rotwein?
Bei einem tollen Rotwein ist es so, dass es manchmal sehr viel Zeit braucht, bis er schmeckt, bis man versteht, wie komplex er ist. Und wenn man einen wirklich ausgezeichneten Tropfen zu sich nimmt, dann kann es sein, dass man sich noch Jahre später genau an den Geschmack erinnert.

Was ist Ihnen eigentlich lieber? Ein gutes klassisches Konzert oder eine gute Flasche Rotwein zusammen mit Freunden?
Das ist wirklich schwierig. Natürlich ist die Musik für mich das Wichtigste. Aber Musik ohne Freundschaft und ohne eine gewisse Liebe ist auch unvorstellbar für mich. Und ich genieße die Gesellschaft von guten Freunden sehr. Dazu gehört es für mich auch, einen tollen Tropfen Wein zu verkosten. Aber selbst der beste Wein der Welt wäre nichts ohne Musik. Von daher ist für mich immer Musik an erster Stelle.

Setzen Sie sich auch mal zu Hause hin und hören eine CD, oder gehen Sie vor allem in klassische Konzerte?
Das mache ich wirklich wahnsinnig gerne. Nicht so oft, weil ich kaum zu Hause bin. Wenn ich aber tatsächlich mal den Luxus habe, daheim zu sein, dann gibt es für mich nichts Schöneres, als diese alten Aufnahmen. Insbesondere die ganz alten Geiger vom Anfang des 20. Jahrhunderts - und dabei einen wunderbaren Tropfen. Mehr geht nicht.

Erinnern Sie sich an die letzte CD, die Sie gehört haben?
Ich muss sagen ich bin etwas faul und auf MP3 umgestiegen, weil es so einfacher ist, meine gesamte Plattensammlung abzurufen, die Tausende CDs und Platten beinhaltet. Aber ich höre immer sehr gerne die großen Meister wie Fritz Kreisler, Adolf Busch, Mischa Elman und Jascha Heifetz. Also das sind für mich die Sternstunden.

Und auf Ihrem MP3-Player ist nur Klassik, oder auch etwas anderes?
Auf meinem Player ist einfach alles zu finden. Von Popmusik über indische Musik, Jazz, bis hin zu Neuerem, Experimentellem. Und natürlich auch Oldies. Wirklich bunt gemischt eben.

Gibt es auch aktuelle Popmusik, die Ihnen gefällt?
Das ist problematisch. Also es gibt einen sehr interessanten Künstler, den ich relativ oft höre: Devendra Banhart. Der macht eine Art von Popmusik, die ich interessant finde. Das bedeutet, er hat etwas zu sagen. Es ist nicht dieser massenproduzierte Pop, sondern bei ihm sind wirklich sehr viele Gedanken dahinter. Die Texte sind witzig, spritzig und er malt in musikalischen Farben, die mein Ohr aufhorchen lassen. Aus diesem Grund muss ich sagen, dass ich mehr Affinität zu den älteren Popmusikern habe, wie zum Beispiel Prince oder teilweise auch Sting, das ist die Art von Melodien, von Musikaufbau, der mir mehr zusagt als etwas, bei dem es einfach nur um Rhythmus und Klang geht.

Warum gibt es das in den jungen Generationen nicht mehr?
Ich weiß es nicht genau. Also beispielsweise ein Bob Dylan, der seiner Zeit einfach aus der Seele gesprochen hat, der fehlt heute. Manchmal, bei Künstlern wie Lady Gaga zum Beispiel, entdecke ich noch Seiten, die ich tatsächlich sehr spannend finde. Aber das meiste ist einfach im Studio so glattgebügelt, von der Stimme bis hin zur Instrumentierung, dass es mein Gehirn sozusagen völlig kalt lässt, und bei dieser Musik muss ich einfach sofort wegschalten, das kann ich nicht ertragen...

...dann hören Sie wahrscheinlich auch selten Radio?
Manchmal hört man vielleicht ein schönes Lied, aber dann geht's gleich wieder daneben. Und damit ich dann nicht direkt einen Unfall baue, wechsle ich doch lieber den Sender.

Sie sprechen viel von Ihrer Liebe zur Musik. Wie definieren Sie eigentlich ihre Rolle als Musiker?
Es geht mir darum , die Musik dieser gigantischen Komponisten weiterzugeben, ihre Gedanken für das Publikum zu übersetzen. Und dabei einfach zu wissen, dass wir als Interpreten ganz klein gegen einen Mozart oder einen Beethoven sind. Lächerlich klein sozusagen. Aus diesem Grund ist es extrem gefährlich, sich als Interpret zu ernst zu nehmen. Wir haben eine Rolle und wir haben eine eigene Persönlichkeit, das muss natürlich rüber kommen. Aber das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, diese Musik lebendig zu machen.

Ist das klassische Konzert, bei dem ein Musiker im Mittelpunkt steht, dann überhaupt die richtige Form, um Musik zu vermitteln?
Ich denke schon. Man muss die Leute erst einmal in den Saal locken und dort muss man sie dann abholen, sie ein bisschen bei der Hand nehmen. Ich tue das, indem ich meistens ein Programm gestalte, von dem ich das Gefühl habe, dass es eine Geschichte erzählt. Bei Konzerten erzähle ich manchmal etwas über die Stücke, bevor oder während ich sie spiele. Damit das Publikum merkt, dass da mehr dahinter ist, als nur die Musik. Das Publikum wird meines Erachtens nach viel zu oft unterschätzt und man müsste ihm manchmal mehr bieten, als wir es tun.


Was den Publikumskontakt angeht, gehören Sie zu den besonders aktiven klassischen Musikern. Würden Sie sich in dieser Beziehung mehr Kollegen an Ihrer Seite wünschen?
Das ist ein schwieriges Thema. Ich verstehe meine sehr geschätzten Kollegen, die sagen: "Nein, das ist nicht mein Ding. Ich spüre Musik anders, ich möchte sie spielen und nicht darüber sprechen." Das muss man akzeptieren und respektieren. Trotzdem es gibt Künstler, die das wirklich toll können, und ich finde, dass die, die bereit sind diesen Weg zu gehen, noch viel aktiver und energischer sein müssten. Weil man einfach sieht, was für eine Resonanz und was für ein enormer Austausch da stattfindet.

Wie könnte man denn mehr Künstler dazu bringen?
Ich finde, man müsste jungen Künstlern von vorneherein beibringen, wie man mit dem Publikum kommuniziert. Ob sie das dann einsetzen, ist deren Sache. Aber sie sollten wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Da geht es nicht nur darum, zu moderieren oder zu sprechen, sondern auch, Konzertserien zu planen oder ein kleines Festival zu gründen. Oder einfach mal über Programmierung nachzudenken. Wenn sie zurückgehen ins 19. Jahrhundert und sich Josef Joachim, Johannes Brahms oder Felix Mendelssohn anschauen: Was die für Programme konzipiert haben, ist der Wahnsinn. Heutzutage sind wir weit davon entfernt, so erfinderisch zu sein wie diese Künstler damals. Natürlich muss das Technische dabei immer an erster Stelle bleiben.

Sie selbst überraschen ständig mit neuen Projekten. Sind Sie eigentlich ein Mensch, der schnell das Interesse an alten Dingen verliert, oder haben Sie einfach eine unstillbare kindliche Neugier?
Ich sage immer, ich leide an einer Überdosis kreativer Ideen. Mein Problem ist, dass ich überall Dinge finde, die mich neugierig machen. Und das geht eigentlich immer über meine Ohren. Ich höre etwas und dann entstehen Ideen, Projekte, Konzepte in meinem Kopf, und wenn ich mich ihnen widme, dann entsteht nicht nur ein Konzert, sondern ein ganzes Programm, ein Projekt. Manchmal trage ich diese Ideen jahrelang mit mir herum.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Das Spheres-Projekt hatte ich im Kopf, seit ich acht oder neun bin. Nicht in dieser Art und Weise natürlich, aber die Idee mit den Planeten, der Musik, den Sternen. Trotzdem habe ich über 25 Jahre darüber nachgedacht, bis ich irgendwann eine BBC-Radiosendung gehört habe, in der Wissenschaftler darüber gestritten haben, ob es dieses Phänomen überhaupt gibt und wenn ja, wie man es beweisen könnte. Und plötzlich hatte ich die Idee, Stücke zusammenzubauen, die einen sozusagen anderswohin transportieren. Sie sehen, ich verliere das Interesse nicht schnell, ganz im Gegenteil. Es dauert manchmal wahnsinnig lange - und dann lasse ich nicht mehr los.

Wie war das denn damals in der Schule mit Ihrem kreativen Überschuss?
Das war ein Desaster für mich! Ich habe die Lehrer, meine Freunde und meine Eltern in den absoluten Wahnsinn getrieben. Ich wollte immer alles sofort wissen und verstehen. Und so bin ich noch heute. Wenn ich merke, ich kann etwas nicht wirklich gut, dann lasse ich es lieber. Das ist mir geblieben: dieses Ehrgeizige, diese Entdeckerseite.

Hat sich Ihr Verhalten in der musikalischen Ausbildung geändert?
Das war sehr interessant. Als ich angefangen habe, richtig Geige zu lernen, habe ich gemerkt, wie weit ich von anderen Geigern in meinem Alter entfernt war. Ich habe verstanden, dass ich richtig hart arbeiten muss, um auf dieses Niveau zu kommen. Das war eine komplette Umstellung meiner Gedanken, und das war gut so. Weil mich das zurück auf den Teppich gebracht hat, den Teppich der Realität. An dem ich bis heute klebe. Das heißt, ohne tägliche Übung ist es für mich nicht machbar.

Wie lange üben Sie denn am Tag?
Wenn ich die Chance habe, sechs Stunden. Und wenn ich das nicht schaffe, was natürlich beim Reisen sehr oft passiert, dann sind es mindestens vier Stunden. Aber ohne das ist es einfach nicht machbar, ein Berg-Violinkonzert, ein Strawinski-Violinkonzert oder einen Schostakowitsch zu bringen. Auf der Geige wird dir kein einziger falscher Ton verziehen. Dann steht es gleich in den Zeitungen und ist am nächsten Tag bei Youtube zu sehen und wird kommentiert von Menschen, die auf einmal die besten Kritiker sind.

Sie sind also jemand, der sehr hart und intensiv arbeitet. Wie war das bei Ihrem aktuellen Album?
Ich habe mich an den Computer gesetzt und angefangen zu recherchieren. Welche Stücke könnte man für eine sphärische CD verwenden? Schnell hatte ich ungefähr 3500 zusammen und mir war klar, dass das niemals auf eine CD passt. Also habe ich alles verworfen und mir einen neuen Ansatz überlegt.

Und zwar?
Ich habe darüber nachgedacht, ob es möglich wäre, in relativer kurzer Zeit Komponisten zu beauftragen, etwas zu schreiben. Dann habe ich mich hingesetzt, mir Komponisten angehört und die ersten Anfragen gestartet. Und plötzlich war da die Idee einer Reise mit kürzeren Stücke, Mosaiksteinchen quasi. Zusätzliche habe ich dann Stücke genommen, die es schon gab und von denen ich das Gefühl hatte, sie treffen die Idee von außerweltlicher Musik. Das ist natürlich immer eine ganz persönliche Idee. Es mag Leute geben, die sagen, das alles hat mit Sphärenmusik nichts zu tun. Für mich hat es das.

Was war für Sie besonders wichtig bei der Konzeption des Albums?
Die Dramaturgie. Wie ein Stück ins andere übergeht, wie die Tonart ist, wie es sich verändert. Ich versuche, den Hörer dazu zu bringen, dass er auf diese Reise mitgeht. So habe ich alles über lange, lange Zeit immer wieder zusammengepuzzelt.

Haben Sie aus der Beschäftigung mit diesem Thema auch eine persönliche Erkenntnis gezogen?
Der Kern dieses ganzen Prinzips ist für mich folgender: Was Musik ist, kann man nicht messen, nicht beschreiben. Die Emotionen, die sie aus den Leuten herauskitzelt. Dennoch, so die mathematische Aussage, ist die Schwingung berechenbar. Dieser Gegensatz fasziniert mich. Und er zeigt mir, dass die Musik über allem steht.

Am Wochenende spielen Sie gemeinsam mit dem Orchester Jakobsplatz aus München. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
Ich bin schon vor einiger Zeit auf dieses Orchester aufmerksam geworden, weil die Programme, die es gemacht hat, in meinen Augen sehr spannend waren. Und ich habe nach einem Orchester gesucht, das Zeit und Lust hätte, das Projekt zu machen. Dann haben wir das zusammen geprobt und im März in München zum ersten Mal gespielt. Das hat große Freude gemacht. Und daraus ist die Idee einer weiteren Aufführung gekommen.

Wie würden Sie das Orchester beschreiben?
Ich finde, der Zugang zum Repertoire ist etwas, was das Orchester ausmacht. Der Chefdirigent Daniel Grossmann macht das in meinen Augen sehr gut, indem er verschiedene Musikepochen miteinander kombiniert und natürlich auch indem er das Repertoire mit dem Jüdischen verbindet. Außerdem finde ich, dass es ein sehr energiegeladenes Ensemble ist, das aus sehr guten Musikern besteht. Solche Kammerorchester mag ich einfach gerne, mit denen man offen kommunizieren kann.

Haben Sie eigentlich schon einmal in der Stadthalle Germering gespielt?
Nein, noch nie. Es ist immer schön, nach so langer Zeit - ich stehe seit 25 Jahren auf der Bühne - noch eine neue Stadt entdecken zu dürfen, eine neue Halle, ein neues Publikum. Das ist wunderbar. Es gefällt mir, dass ich mit 40 Jahren sozusagen noch mein Debüt geben kann.

Aber bestimmt haben Sie sich schon umgehört, wie die Akustik ist.
Ich habe tatsächlich schon seit langem immer wieder von diesem Saal gehört. Die Leute haben ihn mir sehr ans Herz gelegt, nur leider hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit dort zu spielen. Deswegen freue ich mich sehr auf das Konzert.

Neuer Film, neues Buch, neue CD
Die Welt (de), August 2013

Schwerin - Stargeiger Daniel Hope ist unter die Filmemacher gegangen. Wieder eine neue Rolle für den 40-Jährigen.


Sein Publikum kennt ihn als herausragenden Interpreten klassischer wie neuer Musik, ferner als Buchautor, Moderator und Festival-Organisator. Der Dokumentarfilm, der im Herbst auf DVD erscheint und den Hope mitproduziert hat, erzählt die Geschichte des KZ Theresienstadt aus der Sicht zweier Überlebender.


Die beiden sind Musiker. Die inzwischen 109-jährige Pianistin Alice Herz-Sommer interviewte Hope in ihrer Londoner Wohnung, mit dem Jazz-Gitarristen Coco Schumann (89) fuhr er nach Theresienstadt. Dort war Schumann als junger Mann interniert, ehe er nach Auschwitz deportiert wurde. «Das war ein sehr groß angelegtes Projekt», erzählt Hope über den Film, bei dem Benedict Mirow Regie führte. Zum Projekt gehörte auch ein Konzert mit Musik aus Theresienstadt mit der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter in München. Die DVD soll in Schulen im Musik- und Geschichtsunterricht gezeigt werden.


Hope arbeitet zudem an einem neuen Buch, das nächstes Jahr erscheinen soll. Bisher hat der Brite zwei launige Bände über den klassischen Konzertbetrieb («Wann darf ich klatschen?») und über kleine und größere Katastrophen auf den Konzertpodien dieser Welt («toi toi toi») veröffentlicht. In «Familienstücke» erzählte er die Geschichte seiner weit verzweigten Vorfahren in Europa. Jetzt recherchiert Hope über Komponisten, die in den 1930er Jahren vor den Nazis flohen und in Hollywood landeten. «Dazu gehört auch ein CD-Projekt», sagt er. Mehr soll noch nicht verraten werden.


«Ich möchte gerne Neues erleben», bekennt Daniel Hope. Dafür gibt er anderes auf. So legt er in Kürze sein Amt als Künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern nieder, das er seit 2010 an der Seite von Intendant Matthias von Hülsen innehatte. Der Antritt des neuen Intendanten Markus Fein im Herbst 2013 ist für Hope der richtige Zeitpunkt. «Man ist im Sommer viel gebunden, wenn man bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern in der Planung engagiert ist», sagt er. «Die Festspiele sind ein Riesenbetrieb geworden.» Mehr als 100 Konzerte finden jährlich statt.


Der bestens vernetzte Musiker hatte seinerzeit den Auftrag erhalten, das Klassikfestival internationaler zu machen. Hope organisierte einen Brückenschlag nach Amerika, wo er seit zehn Jahren das Savannah Music Festival im US-Staat Georgia als Künstlerischer Direktor maßgeblich prägt. Eine Kooperation mit dem Lincoln Center und der Carnegie Hall-Academy in New York brachte junge und etablierte Spitzenkünstler aus den USA nach Mecklenburg-Vorpommern. «Es sind zwei völlig verschiedene Welten, die wollten wir zusammenbringen», erklärt Hope. Wunderbare Freundschaften seien entstanden. Ende August und Anfang September gibt es noch einmal drei Konzerte des «Lincoln-Center-Projekts» in Fürstenhagen, Kotelow und Schwerin.


Als Violinist bleibt Hope den Festspielen erhalten, versichert er. Sein Publikum würde ihn auch schmerzlich vermissen, man kennt sich seit 15 Jahren. 1998 gewann Hope mit dem London International Piano Trio den Ensemblepreis der Festspiele, 2006 war er der erste «Künstler in Residence». Eine Saison ohne den charmanten Rotschopf mit der immer höher werdenden Stirn ist für viele schlichtweg undenkbar. «Daniel Hope ist das künstlerische "Urgestein" unserer Festspiele», sagt Festivalgründer von Hülsen. «Er hat uns wie kein Zweiter als Preisträger, Preisträger in Residence und künstlerischer Direktor zu internationalem Profil verholfen.»


Seit er seinen Abschied aus der Führungsriege der Festspiele verkündete, habe er jeden Monat ein Angebot bekommen, ein neues Festival zu gründen oder eines zu übernehmen, erzählt Hope. Er hat sie aber alle ausgeschlagen. Das liegt einerseits an den vielen neuen musikalischen Projekten, die er vorhat. Dazu gehört ein Violinkonzert, das Gabriel Prokofjew, der Enkel von Sergej Prokofjew, für ihn komponiert. Andererseits wartet im Herbst eine Rolle auf ihn, die den Musiker, Organisator und Weltmann ganz neu herausfordern wird: Ende November wird Daniel Hope zum ersten Mal Vater.

press articles

What's Still Timeless About 'Seasons'
The Wall Street Journal (en), August 2013

By DANIEL HOPE - I first experienced Vivaldi as a toddler at Yehudi Menuhin's festival in Gstaad, Switzerland, in 1975. One day I heard what I thought was birdsong coming from the stage. It was the opening solo of "La Primavera" from the "Four Seasons." It had such an electrifying effect that I still call it my "Vivaldi Spring." How was it possible to conjure up so vivid, so natural a sound, with just a violin?

Opinions of Vivaldi divide between those who adore and those who despise him. Ask the average person if he recognizes a classical melody, however poorly hummed, and he will probably nod enthusiastically at the second theme of "Spring" from the "Four Seasons." On the other hand, Igor Stravinsky summed up the case for the other side when he quipped, "Vivaldi wrote one concerto, 400 times."

Yes, Vivaldi was incredibly prolific. Nonetheless, his most famous work remains his "Four Seasons." To understand this masterpiece, it helps to shed a little light on the rise and fall of one of the greatest violinists of the 18th century. Born in Venice in 1678 into a desperately poor family, Vivaldi chose the priesthood early on—it offered good chances of advancement. But his plans were scuppered when his severe asthma meant that he was unable to conduct long masses and because, gossip has it, he would nip out for a glass of something during the sermon.

What changed his life forever was an unusual job offer. In 1703 a Venetian orphanage, the Ospedale della Pietà, which provided musical training to the illegitimate and abandoned young daughters of wealthy noblemen, asked Vivaldi to direct its orchestra. Vivaldi understood immediately that he had a unique ensemble at his disposal. Many of his greatest works were written for these young ladies to perform. Very soon, all Europe was enthralled.

He remained there for 12 years and, after an itinerant period working in Vicenza and Mantua, returned to Venice in 1723. The 1720s were a difficult time. The bursting of the "South Sea Bubble" triggered a recession that spread across Europe. Vivaldi needed an income. So in 1723 he set about writing a series of works he boldly titled "Il Cimento dell' Armonia e dell'invenzione" ("The trial of harmony and invention"), Opus 8. It consists of 12 concerti, seven of which—"Spring," "Summer," "Autumn" and "Winter" (which make up the "Four Seasons"), "Pleasure," "The Hunt" and "Storm at Sea"—paint astonishingly vivid, vibrant scenes. In "Storm at Sea," Vivaldi reached a new level of virtuosity, pushing technical mastery to the limit as the violinist's fingers leap and shriek across the fingerboard, recalling troubled waters.

In the score, each of the four seasons are prefaced by four sonnets, possibly Vivaldi's own, that establish each concerto as a musical image of that season. At the top of every movement, Vivaldi gives us a written description of what we are about to hear. These range from "the blazing sun's relentless heat, men and flocks are sweltering" ("Summer") to peasant celebrations ("Autumn") in which "the cup of Bacchus flows freely, and many find their relief in deep slumber." Images of warmth and wine are wonderfully intertwined. When the faithful hound "barks" in the slow movement of "Spring," we experience it just as clearly as the patter of raindrops on the roof in the largo of "Winter." No composer of the time got music to sing, speak and depict quite like this.

Vivaldi's fame spread. He received commissions from King Louis XV of France and Rome's Cardinal Pietro Ottoboni. When Prince Johann Ernst returned to his court at Weimar from an Italian tour, he brought with him a selection of Vivaldi's earlier, 12-concerto "L'Estro Armonico" ("Harmonic Inspiration") and presented it to the young organist Johann Sebastian Bach. Bach was so taken with the music that he rearranged several of the concertos for different instrumentation. A legend was born. Johann Friedrich Armand von Uffenbach exclaimed: "Vivaldi played a solo accompaniment—splendid—to which he appended a cadenza which really frightened me, for such playing has never been nor can be: he brought his fingers up to only a straw's distance from the bridge, leaving no room for the bow—and that on all four strings with imitations and incredible speed."

But Vivaldi's fame was eventually to become his greatest enemy. People said that "Il Prete rosso" ("the red priest," due to his flowing red locks) was surely in league with the devil—seducing those poor defenseless orphans, whose corsets he untied with a mere flick of his bow. The pope threatened him with excommunication. Suddenly, he was out of fashion. Once again he was broke. In May 1740, he headed to Vienna, where Emperor Charles VI had once offered him a position. He died there a year later, and was buried in a pauper's grave.

Centuries passed. Dust gathered on the red priest's music. A revival of sorts began when scholars in Dresden began to uncover Vivaldi manuscripts in the 1920s. But what really redeemed him was the record industry. Alfredo Campoli released a live recording of the "Four Seasons" in 1939. But, at least indirectly, the greatest revival of the "Seasons" occurred thanks to Hollywood. Louis Kaufman, an American violinist and concertmaster for more than 400 movie soundtracks, including "Gone With the Wind" and "Cleopatra," recorded the "Four Seasons" for the Concert Hall Society. It won the 1950 Grand Prix du Disque.

Today the "Four Seasons," with more than 1,000 available recordings, are not just rediscovered—they are being reimagined. Astor Piazzolla, Uri Caine, Philip Glass and others have all created their own versions. In Spring 2012, I received an enigmatic call from the British composer Max Richter, who said he wanted to "recompose" the "Four Seasons" for me. His problem, he explained, was not with the music, but how we have treated it. We are subjected to it in supermarkets, elevators or when a caller puts you on hold. Like many of us, he was deeply fond of the "Seasons" but felt a degree of irritation at the music's ubiquity. He told me that because Vivaldi's music is made up of regular patterns, it has affinities with the seriality of contemporary postminimalism, one style in which he composes. Therefore, he said, the moment seemed ideal to reimagine a new way of hearing it.

I had always shied away from recording Vivaldi's original. There are simply too many other versions already out there. But Mr. Richter's reworking meant listening again to what is constantly new in a piece we think we are hearing when, really, we just blank it out. The album, "Recomposed By Max Richter: Four Seasons," was released late last year. With his old warhorse refitted for the 21st century, the inimitable red priest rides again.

 
article appeared August 23, 2013, on page C13 in the U.S. edition of The Wall Street Journal






Wien ist ein Rückzugsort
Wiener Zeitung (en), April 2013

Stargeiger und Entertainer Daniel Hope ist weltweit unterwegs und in Wien zu Hause

Von Daniel Wagner

Was dem Stargeiger und Wahlwiener Daniel Hope an seinem Wohnsitz gefällt.

Wien. Frühstück im Dritten. Kann eine Stadt inspirieren? Daniel Hope stimmt zu. Hier kann er alles aufsaugen, die Vergangenheit ist so gegenwärtig wie nirgendwo anders. Wobei die Besonderheit für den Stargeiger die Mischung macht. Wien sei eindeutig ein Schmelztiegel, mitten in Europa, die Nähe zum Balkan, die türkische Vergangenheit. Bei allen Unterschieden verwenden dennoch alle irgendwie die gleiche Sprache. "Abgesehen davon bin ich wahrscheinlich der weltgrößte Fan von Jugendstil", sagt Hope und lacht.

Natürlich kann Wien für einen Musiker das Zentrum der Welt sein. Allein wenn er durch die City geht und Gedenktafeln von Mozart, Haydn, Beethoven bis zurück zu Vivaldi seinen Weg kreuzen, kann er nur staunen.

Journalistische Triebkräfte
 Hat Wien für ihn nicht zu musealen Charakter? Der medial erfahrene Publikumsliebling schüttelt den Kopf. Durch das Wissen um die kulturelle Vergangenheit habe gerade hierzulande die Kultur einen besonderen Stellenwert inne. Denn in der gegenwärtigen Krise wird weltweit bekanntlich zuerst an der Kultur gespart. Zwei Ausnahmen fallen nach Hope hier auf: Deutschland und besonders Österreich, wo die Wertschätzung den Kunstschaffenden gegenüber vorbildlich sei.

Apropos Deutschland: Die Fernsehlandschaft der Nachbarn erkor ihn in den letzten Jahren gerne zum moderierenden Musiker. Klassik erklärt aus dem Mund des Praktikers. Wie wurde man auf seine Entertainer-Qualitäten aufmerksam? Dass er journalistische Triebkräfte hat, wurde ihm schon als Herausgeber der Schulzeitung im südafrikanischen Durban bewusst. Dann das eigentliche Geschäft: Yehudi Menuhin förderte ihn während und nach dem Studium am Londoner Royal College of Music. 2002 folgte er dem Ruf des immer umtriebigen Menahem Pressler (unlängst gab der 89-jährige Pianist sein Wiener Solodebüt). Hope wurde der letzte Geiger des legendären Beaux Arts Trios. Woran er bei dem Ensemblegründer denkt? "Wenn Pressler spielt, ist er einfach Musik. Dieses Gefühl kann nur er verbreiten." Daneben die internationale Solokarriere. Zum Fernsehen kam er aus purem Zufall. Ein Regisseur bei Arte bat ihn während Dreharbeiten, nicht nur zu spielen, sondern auch zu moderieren. Und es hat Spaß gemacht.

Immer wieder Wien. Auch persönliche Gründe zogen ihn hierher, lebt doch die Mutter seit 20 Jahren mit ihrem zweiten Mann, dem Sänger Benno Schollum, in der Stadt. So schließt sich der Kreis zur komplexen Familienhistorie, Hope bezieht sich väterlicherseits auf katholisch-irische Vorfahren, mütterlicherseits führen die Wurzeln ganz deutlich nach Wien. Genauso wie nach Berlin. Die deutsch-jüdische Provenienz wurde der Familie zum Verhängnis. Ribbentrop persönlich enteignete einen Urgroßvater und machte dessen Berliner Villa zur Dechiffrierstation der Nazis. Der andere, seines Zeichens erfolgreicher Journalist, begrüßte den Machtwechsel. Bis er merkte, dass er "Volljude" war und Selbstmord beging. Der Urenkel feiert im heutigen Deutschland große Erfolge. Gibt es Schatten der Vergangenheit? "Ich liebe das Land, arbeite gerne dort, aber Wien gibt mir die nötige Distanz zur Familiengeschichte."

"Ich habe das Gefühl, dass oft 300 verschiedene Projekte gleichzeitig durch meinen Kopf schwirren. Ich schnappe etwas auf, manches liegt Jahrzehnte, vieles wird verwirklicht." Beispielsweise sein unlängst veröffentlichten Album "Spheres": Schon als Kind liebt er sein Teleskop, über Yehudi Menuhin lernte er den US-Astronomen Carl Sagan kennen und erfuhr von Sphärenmusik, neulich hörte er eine Radiosendung darüber, und währenddessen entstand das Konzept für die Aufnahmen. Es ist Musik zum Ausspannen, fernab des tagtäglichen Wahnsinns. "Wo wir doch so klein in der Milchstraße sind, müssen wir uns die begründete Frage stellen, was es noch da draußen gibt."

Mit Daniel Hope in den Kosmos schweben
Salzburger Nachrichten (de), March 2013

von Ernst Strobl

Im Fernsehprogramm wird er so angekündigt: „Einer der besten Geiger der Welt ist Daniel Hope. Bereits mit elf Jahren trat der britische Musiker mit Yehudi Menuhin auf, der ihn einmal als seinen musikalischen Enkel bezeichnete. Über 100 Konzerte gibt Daniel Hope jedes Jahr, immer mit dabei ist seine Guarneri-Geige von 1742 . . .“ Okay, er ist Geiger, aber das ist längst nicht al les. Daniel Hope ist wohl so etwas wie ein Tausendsassa. Neben der weltumspannenden Konzerttätigkeit ist er seit zehn Jahren Künstlerischer Leiter des Savannah Musical Festivals in Georgia, sein Amt als Künstlerischer Direktor des Festivals Mecklenburg-Vorpommern legt er heuer nach vielen Jahren nieder.

Und natürlich nimmt Hope CDs auf. Soeben ist eine der faszinierendsten Aufnahmen der jüngeren Zeit erschienen, mit denen Hope die Hörer wahrhaft in höhere Sphären entführt. Ihn an seinem neuen Wohnsitz Wien anzutreffen, ist nicht einfach. Vor ein paar Tagen passte es. Hope kam eben von Konzerten aus den USA zurück, wo er auch den 89-jährigen Pianisten Menahem Pressler besuchte, der ihn vor Jahren zum Beaux Arts Trio geholt hatte. Es folgte ein Abend mit Klaus Maria Brandauer in Zürich, Wien diente zum Umsteigen nach Göteborg, wo er am Donnerstag mit dem Britten-Violinkonzert bejubelt wurde. Heute, Samstag, ist Hope im SWR Fernsehen zu sehen.

„Spheres“ ist der Titel der CD, ist das was für Esoteriker? Ja, das habe er gern, sagt Hope. Es sei eine schöne Vorstellung, dass Planeten bei ihrer „Begegnung“ Sphärenklänge erzeugten. Hörbarer funktioniert das auf der Geige, wo Reibung Töne erzeugt. Und was für welche! Hope achtete auf die Dramaturgie bei der Auswahl der 18 Stücke. Begleitet vom Dirigenten Simon Hal sey, Kammerorchester, Chor oder Klavier zieht er fragile, innige oder glänzende Fäden über fast filmische Musik vom Barock über Phil Glass bis zu Arvo Pärt, Lera Auerbach und Ludovico Einaudi. Eine intensive, geglückte Entdeckungsreise – auch ohne Sternenhimmel zum Rauf- und Runterhören schön.

CD. Daniel Hope, „Spheres“, u. a. mit Jacques Ammon, Klavier, Deutsches Kammerorchester Berlin, Rundfunkchor Berlin. Deutsche Grammophon. TV. Daniel Hope zu Gast bei Frank Elstner. SWR, Samstag, 21.50 Uhr.

concert reviews

Ein Konzert-Abend der Extraklasse mit Star-Geiger Daniel Hope in Erfurt
Thüringer Allgemeine (de), April 2014

Erfurt. Der Geiger Daniel Hope verzauberte das Publikum am Ostersonntag im Theater in Erfurt.

Zwei musikalische Sternstunden bescherten die Thüringer Bachwochen am Ostersonntag dem Publikum in der Erfurter Oper. Zu Gast waren der britische Geigenvirtuose Daniel Hope und das Orchester L'arte del mondo. Daniel Hope, Brite mit südafrikanischen Wurzeln, begnadeter Musiker, ist dekoriert mit zahllosen Preisen und weltweit als Solist gefragt.

"Wir haben über viele Jahre versucht, ihn hierher zu holen, es hat terminlich nie geklappt", sagte Christoph Drescher, einer der Organisatoren des Thüringer Musikfestivals. Umso schöner, dass es nun ein Ostergeschenk wurde. Mit einem Programm der Meisterklasse, das mit Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen in d-Moll, gespielt von Daniel Hope und Andrea Keller, begann und hundertfach Emotionen weckte. Ebenso wie Hopes Interpretation von "Fratres", der Komposition des estnischen Komponisten Arvo Pärt.

Hopes Spiel ist eine Entdeckungsreise und eine Offenbarung, ebenso sein Mienenspiel. Schmunzeln, Trotz, Fragen, Verzückung und Vergnügen spiegeln sich, während er die Geige spielt, mit seinen Musikerkollegen kommuniziert und die Noten auf seinem iPade-Pult im Blick hat.

Es sei, sagte Daniel Hope, eine große Freude und Ehre für ihn und seine Freunde, bei einem so tollen Festival spielen zu dürfen.

Ein Werk, das inzwischen international Furore machte, war im zweiten Teil des Abends zu erleben: "Vivaldi recomposed". "Die vier Jahreszeiten" in heutigem Gewand stammen aus der Feder des deutsch-britischen Komponisten Max Richter, er schuf sie eigens für Daniel Hope.

Inzwischen hat Hope die neue Fassung mit L'arte del mondo auf der ganzen Welt gespielt und damit eine völlig neue Welt für sich geöffnet. Auch den Musikpreis Echo gab es dafür.

Hopes Vergnügen an seinem Erfurt-Auftritt war auch das des Publikums, es war ein Abend mit angehaltenem Atem und Beifallsstürmen, der in minutenlangen stehenden Ovationen endete. Ein Abend aus einem Guss. Und mit einem Orchester, das dem berühmten Solisten in nichts nachstand.

Birgit Kummer

Daniel Hope in Erfurt: Der Homo ludens mit der Teufelsgeige
Ostthüringer Zeitung (de), April 2014

Erfurt. Ein Teufelsgeiger, der dem Homo ludens in sich einen breiten Raum gibt - das ist der Brite Daniel Hope: ausgestattet mit ins Artistische weisenden spieltechnischen Voraussetzungen, kann er seine Interpretationen allein auf formidablem Temperament aufbauen und das Tempo derart exakt forcieren, dass dem Hörer der Atem stehen bleibt.

Dieser Daniel Hope war mit seinem ganz auf ihn fixierten Kammerorchester "L'arte del mondo" bei den Thüringer Bachwochen im Erfurter Theater zu Gast und begeisterte mit seinem unkonventionellen Zugang zur Musik. Im Zentrum stand "Recomposed: Vivaldi's Four seasons" von Max Richter. Wie ein Koreferat ist es zu erleben - ohne die Absicht, irgendwie in Konkurrenz zu treten mit dem weitverbreiteten Original.

Die altbekannten Themen wurden durcheinander gewirbelt, in neue Zusammenhänge gestellt, doch blieb der Charakter der originalen Sätze erhalten. Die Kunst des Zusammenspiels erreichte hier einsame Spitze, besser kann gemeinsames, vom Stil her empfundenes Musizieren nicht abgestimmt sein.

Und dann der große, alte Meister Bach: mit dem Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll (die Solisten Daniel Hope und Andrea Keller) und dem Violinkonzert a-Moll (Daniel Hope) stand er auf einmal mitten unter uns. Unser Zeitgenosse schien er geworden zu sein, mit all seinen Ecken und Kanten dem Tempo der Neuzeit verpflichtet und dem kurzen Atem heutiger Lebensweise. Nicht wir wurden zu ihm geführt, er kam zu uns und der Effekt durch die an unserer Zeit orientierte Spielpraxis war ungleich stärker als sonst.

Irritationen gab es dann mit "Fratres" von Arvo Pärt und "Imitazione della campana" für Solovioline von Johann Paul von Westhoff (sensibel bearbeitet für Streicher von Christian Badzura). Ohne Pause in einander übergehend, war die Übersicht bald verloren, da sich die beiden koloristisch durchdrungenen Werke in Machart, solistischer Spieltechnik und Orchesterfarben wie ein Ei dem anderen glichen.

Hans-Jürgen Thiers

Korngold Piano Quintet gleams in Chamber Music Society program
New York Classical Review (en), April 2014

Strict chronological programming, as the Chamber Music Society of Lincoln Center have done in their 45th season, is a tricky business. There is a risk of concerts becoming “one-note,” and the restriction leaves artists in something of a bind as far as coming up with creative, intelligent and challengingly contrasted programs.

“Destination America,” the title of CMS’s Sunday evening program imposed a didactic tone on a concert that needed none. The works presented, quite apart from making any revealing statement about America’s musical culture or influence, showcased four remarkable composers who, despite having close biographical dates, brought from their differing backgrounds and experiences a startlingly diverse range of musical expression.

Violinist Daniel Hope curated the program, and picked a virtuosic piece to close out the first half with Prokofiev’s Violin Sonata in D-major. Originally for flute and piano, the composer prepared this arrangement for the legendary David Oistrakh, and it has been cherished by violinists since. We hear both the lyricism and the chirping of a flute, but with the hard, gritty edge that Prokofiev often brought to his writing for the violin, as in the two concerti and the solo sonata. Hope played the sonata brightly, but not gently, while Wu Han kept an aptly heavy foot on the sustaining pedal, giving a fleshy, stewing feel to the music.

Charles Ives had a bite-sized role in the program, in his ephemeral Largo for violin, clarinet and piano. It is an intimate piece, but despite its brevity and small scale there is a charge running through its searching lines, underlined with tender grace by Hope, Han, and clarinetist Romie de Guise-Langlois.

De Guise-Langlois provided some sensational playing in the performance in Bartók’s Contrasts. The composer wrote the piece with Benny Goodman in mind, and the result is a spectacularly taxing, occasionally jazz-infused clarinet part. De Guise-Langlois tackled the piece with confidence, virtuosity, and sensitivity. She brought charming humor to the first movement’s limping theme every time it resurfaced, and was matched with tugging sorrow from Hope.

Eyes glued to each other, the trio were completely open to each other in the wandering, empty Pihenő, which featured limpid, spacious playing from pianist Gloria Chien. Hope switched violins for the scordatura opening of Sebes, the ferocious, spirited finale. Even in the midst of the movement’s fury, the players managed to find fierce joy in the music.

Korngold’s Piano Quintet in E major anchored the program, with the additions of violinist Yura Lee and violist Paul Neubauer. Anyone curmudgeonly enough to write off Korngold as a “mere” film scorer would surely have been convinced by this piece, rich and big-hearted in its writing, but complex and truthful in its expression.

The first movement opens with a grand sweep but quickly morphs into discrete individual lines, no less warm for their searching loneliness. The five musicians dug into the stomping finale with heft that transformed into shining energy, forcing rapt attention to the movement’s skittering figures.

The highlight, though, both of the quintet and of the whole program, was the second movement. Based on the composer’s own song Mond, so gehst du weider auf, it is a smoky, summery adagio, and the group’s rapt and focused playing conveyed the intense, aching emotion in Korngold’s lyricism. The music has at once the souped-up texture of Hollywood writing and the sincere individuality of Korngold’s contemporaries, combining free, modernist tonality with a romantic sonority. The strings pined their way through the emotive lines while Chien seemed to pluck the piano like a harp.

Eric C. Simpson

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Daniel Hope is interviewed on Bloomberg TV's "Muse" Programme

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Daniel Hope live at DAS! (D / german TV).


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Daniel Hope on BBC Radio 4 "Front Row", September 2009

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Daniel Hope on Mendelssohn, Gramophone Magazine March 2009