audio interviews
/ Musiker und Autor - Daniel Hope im Intervew mit O. Tischewski "wdr3"
(de), March 2011
/ Latest album Air
Classic FM Arts Daily (en), September 2009
How do we know that the music we are listening to is being played according to the composers wishes? Fine if the composer is there in person and can direct or correct what he's hearing. But go back to the Baroque and surely it becomes guesswork. Violinist Daniel Hope's latest album Air is a biography of the baroque through the strings of a violin. He outlines the project, and talks also about his parallel writing career.
/ Ein „europäischer" Geiger
www.br-online.de (de), September 2009
Daniel Hope - ein "europäischer" Geiger. Die biographischen Wurzeln des Briten reichen von Deutschland über Irland bis Südafrika. Schon als Kind wurde er von Yehudi Menuhin gefördert. Ihm zu Ehren spielt Hope heute Abend mit dem Chamber Orchestra of Europe bei den Ingolstädter Sommerkonzerten....
interviews
/ Die erste Geige
Mercedes Magazin (de), July 2012
Daniel Hope ist ein begnadeter Violinist mit missionarischem Eifer: Als Musiker,
Autor und auch als künstlerischer Leiter der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern
setzt er sich dafür ein, den Menschen die klassische Musik näherzubringen.
Interview: susanne benda LINK
/ Festival international de musique Rencontre avec Daniel Hope - Soliste et chef d’orchestre
DNA.fr (fr), July 2012
Le chef d’orchestre Daniel Hope participait hier pour la 3 e fois au festival international de musique de Colmar
Au 2 e jour du festival international de musique, le Britannique Daniel Hope dirigeait l’orchestre de chambre de Stuttgart, hier soir, à l’église St-Matthieu. Réputé être un des meilleurs violonistes du monde, il se produisait également en tant que soliste.
Le musicien présente sa vision de la musique et du festival, auquel il participe pour la troisième fois. Sa première apparition au festival colmarien date de 1993, lors de l’hommage à Yehudi Menuhin, il avait 19 ans.
Pourquoi avez-vous tenu à participer à ce festival hommage à Karl Münchinger ?
http://www.dna.fr/edition-de-colmar/2012/07/05/soliste-et-chef-de-orchestre
J’ai accepté l’invitation, d’abord parce que c’est un festival que j’adore. C’est une telle expérience en tant que musicien. Il y a une combinaison entre le lieu magique, les bons musiciens et le sérieux de la programmation.
Ensuite l’hommage à Karl Münchinger me touche car j’ai déjà joué de nombreuses fois avec l’orchestre de chambre de Stuttgart (Ndlr : orchestre créé en 1945 par Karl Münchinger, et dirigé par lui-même jusqu’en 1988).
Aviez-vous déjà eu l’occasion d’entendre Münchinger en direct ?
Malheureusement non, je ne l’ai entendu que sur CD. Mais certains des musiciens de l’orchestre de chambre de Stuttgart en font partie depuis 30 ans et connaissaient Münchinger. Et ils m’ont raconté tellement d’histoire sur lui que j’ai l’impression de le connaître.
Pour ce concert, vous étiez chef d’orchestre mais également soliste.Comment est-ce que vous arrivez à combiner les deux en même temps ?
En fait je n’étais pas chef d’orchestre à proprement dit. Je n’avais pas de baguette, juste mon violon et mon archer, et je dirigeais avec mon violon. On joue tous ensemble. On communique beaucoup avec les yeux, mais surtout avec les oreilles. Et puis on est plus rapprochés les uns des autres.
Comme une fontaine de jouvence
Pendant le festival, vous jouez les morceaux de compositeurs réputés comme Bach, Mendelssohn ou encore Vivaldi, en hommage à un autre musicien qui les a joués. Est-ce qu’il reste de la place pour votre touche personnelle ?
C’est vrai qu’il s’agit de la musique de compositeurs extraordinaires. Elle existe depuis 200 ou 300 ans mais malgré tout, on peut toujours la redécouvrir, il y a parfois des surprises.
C’est un peu comme une fontaine de jouvence, qui fournit toujours de nouvelles inspirations. Par exemple à l’époque de Bach, les morceaux se jouaient plus lentement, avec des gros sons, très romantiques. Aujourd’hui la façon de jouer est différente, plus rapide et légère. Mais ce n’est pas moins bien. En musique il n’y a pas de bien ou de mal, seulement des regards différents.
/ Der Druck auf junge Künstler wächst
Lëtzebuerger Journal, Luxemburg (de), June 2012
Star-Violinist Daniel Hope im "Journal" Gespräch
press articles
/ Wien ist ein Rückzugsort
Wiener Zeitung (en), April 2013
Stargeiger und Entertainer Daniel Hope ist weltweit unterwegs und in Wien zu Hause
Von Daniel Wagner
Was dem Stargeiger und Wahlwiener Daniel Hope an seinem Wohnsitz gefällt.
Wien. Frühstück im Dritten. Kann eine Stadt inspirieren? Daniel Hope stimmt zu. Hier kann er alles aufsaugen, die Vergangenheit ist so gegenwärtig wie nirgendwo anders. Wobei die Besonderheit für den Stargeiger die Mischung macht. Wien sei eindeutig ein Schmelztiegel, mitten in Europa, die Nähe zum Balkan, die türkische Vergangenheit. Bei allen Unterschieden verwenden dennoch alle irgendwie die gleiche Sprache. "Abgesehen davon bin ich wahrscheinlich der weltgrößte Fan von Jugendstil", sagt Hope und lacht.
Natürlich kann Wien für einen Musiker das Zentrum der Welt sein. Allein wenn er durch die City geht und Gedenktafeln von Mozart, Haydn, Beethoven bis zurück zu Vivaldi seinen Weg kreuzen, kann er nur staunen.
Journalistische Triebkräfte
Hat Wien für ihn nicht zu musealen Charakter? Der medial erfahrene Publikumsliebling schüttelt den Kopf. Durch das Wissen um die kulturelle Vergangenheit habe gerade hierzulande die Kultur einen besonderen Stellenwert inne. Denn in der gegenwärtigen Krise wird weltweit bekanntlich zuerst an der Kultur gespart. Zwei Ausnahmen fallen nach Hope hier auf: Deutschland und besonders Österreich, wo die Wertschätzung den Kunstschaffenden gegenüber vorbildlich sei.
Apropos Deutschland: Die Fernsehlandschaft der Nachbarn erkor ihn in den letzten Jahren gerne zum moderierenden Musiker. Klassik erklärt aus dem Mund des Praktikers. Wie wurde man auf seine Entertainer-Qualitäten aufmerksam? Dass er journalistische Triebkräfte hat, wurde ihm schon als Herausgeber der Schulzeitung im südafrikanischen Durban bewusst. Dann das eigentliche Geschäft: Yehudi Menuhin förderte ihn während und nach dem Studium am Londoner Royal College of Music. 2002 folgte er dem Ruf des immer umtriebigen Menahem Pressler (unlängst gab der 89-jährige Pianist sein Wiener Solodebüt). Hope wurde der letzte Geiger des legendären Beaux Arts Trios. Woran er bei dem Ensemblegründer denkt? "Wenn Pressler spielt, ist er einfach Musik. Dieses Gefühl kann nur er verbreiten." Daneben die internationale Solokarriere. Zum Fernsehen kam er aus purem Zufall. Ein Regisseur bei Arte bat ihn während Dreharbeiten, nicht nur zu spielen, sondern auch zu moderieren. Und es hat Spaß gemacht.
Immer wieder Wien. Auch persönliche Gründe zogen ihn hierher, lebt doch die Mutter seit 20 Jahren mit ihrem zweiten Mann, dem Sänger Benno Schollum, in der Stadt. So schließt sich der Kreis zur komplexen Familienhistorie, Hope bezieht sich väterlicherseits auf katholisch-irische Vorfahren, mütterlicherseits führen die Wurzeln ganz deutlich nach Wien. Genauso wie nach Berlin. Die deutsch-jüdische Provenienz wurde der Familie zum Verhängnis. Ribbentrop persönlich enteignete einen Urgroßvater und machte dessen Berliner Villa zur Dechiffrierstation der Nazis. Der andere, seines Zeichens erfolgreicher Journalist, begrüßte den Machtwechsel. Bis er merkte, dass er "Volljude" war und Selbstmord beging. Der Urenkel feiert im heutigen Deutschland große Erfolge. Gibt es Schatten der Vergangenheit? "Ich liebe das Land, arbeite gerne dort, aber Wien gibt mir die nötige Distanz zur Familiengeschichte."
"Ich habe das Gefühl, dass oft 300 verschiedene Projekte gleichzeitig durch meinen Kopf schwirren. Ich schnappe etwas auf, manches liegt Jahrzehnte, vieles wird verwirklicht." Beispielsweise sein unlängst veröffentlichten Album "Spheres": Schon als Kind liebt er sein Teleskop, über Yehudi Menuhin lernte er den US-Astronomen Carl Sagan kennen und erfuhr von Sphärenmusik, neulich hörte er eine Radiosendung darüber, und währenddessen entstand das Konzept für die Aufnahmen. Es ist Musik zum Ausspannen, fernab des tagtäglichen Wahnsinns. "Wo wir doch so klein in der Milchstraße sind, müssen wir uns die begründete Frage stellen, was es noch da draußen gibt."
/ Mit Daniel Hope in den Kosmos schweben
Salzburger Nachrichten (de), March 2013
von Ernst Strobl
Im Fernsehprogramm wird er so angekündigt: „Einer der besten Geiger der Welt ist Daniel Hope. Bereits mit elf Jahren trat der britische Musiker mit Yehudi Menuhin auf, der ihn einmal als seinen musikalischen Enkel bezeichnete. Über 100 Konzerte gibt Daniel Hope jedes Jahr, immer mit dabei ist seine Guarneri-Geige von 1742 . . .“ Okay, er ist Geiger, aber das ist längst nicht al les. Daniel Hope ist wohl so etwas wie ein Tausendsassa. Neben der weltumspannenden Konzerttätigkeit ist er seit zehn Jahren Künstlerischer Leiter des Savannah Musical Festivals in Georgia, sein Amt als Künstlerischer Direktor des Festivals Mecklenburg-Vorpommern legt er heuer nach vielen Jahren nieder.
Und natürlich nimmt Hope CDs auf. Soeben ist eine der faszinierendsten Aufnahmen der jüngeren Zeit erschienen, mit denen Hope die Hörer wahrhaft in höhere Sphären entführt. Ihn an seinem neuen Wohnsitz Wien anzutreffen, ist nicht einfach. Vor ein paar Tagen passte es. Hope kam eben von Konzerten aus den USA zurück, wo er auch den 89-jährigen Pianisten Menahem Pressler besuchte, der ihn vor Jahren zum Beaux Arts Trio geholt hatte. Es folgte ein Abend mit Klaus Maria Brandauer in Zürich, Wien diente zum Umsteigen nach Göteborg, wo er am Donnerstag mit dem Britten-Violinkonzert bejubelt wurde. Heute, Samstag, ist Hope im SWR Fernsehen zu sehen.
„Spheres“ ist der Titel der CD, ist das was für Esoteriker? Ja, das habe er gern, sagt Hope. Es sei eine schöne Vorstellung, dass Planeten bei ihrer „Begegnung“ Sphärenklänge erzeugten. Hörbarer funktioniert das auf der Geige, wo Reibung Töne erzeugt. Und was für welche! Hope achtete auf die Dramaturgie bei der Auswahl der 18 Stücke. Begleitet vom Dirigenten Simon Hal sey, Kammerorchester, Chor oder Klavier zieht er fragile, innige oder glänzende Fäden über fast filmische Musik vom Barock über Phil Glass bis zu Arvo Pärt, Lera Auerbach und Ludovico Einaudi. Eine intensive, geglückte Entdeckungsreise – auch ohne Sternenhimmel zum Rauf- und Runterhören schön.
CD. Daniel Hope, „Spheres“, u. a. mit Jacques Ammon, Klavier, Deutsches Kammerorchester Berlin, Rundfunkchor Berlin. Deutsche Grammophon. TV. Daniel Hope zu Gast bei Frank Elstner. SWR, Samstag, 21.50 Uhr.
/ Ist da draußen irgendetwas? Daniel Hope verzaubert mit seiner Geige: CD „Spheres“
The Epoch Times (de), February 2013
"Komponisten und Werke aus verschiedenen Jahrhunderten zusammenbringen, die man normalerweise nicht in derselben Galaxie findet“, so umschrieb Daniel Hope das Konzept seines neuen Albums, das jüngst bei der Deutschen Grammophon erschienen ist. Der verbindende Gedanke hinter der Musik von „Spheres“ sei die Frage: „Ist da draußen irgendetwas?“
Astronomie fasziniert den britischen Geiger Daniel Hope seit Kindheitstagen und Sternenbeobachtung war neben der Musik seine große Leidenschaft. Da konnte es nicht ausbleiben, dass Hope ein „zeitgemäßes Statement“ zur Sphärenmusik abgeben wollte, jenem seit Urzeiten beschriebenen, selbsterzeugten Klang der Planeten.
Dass „Spheres“ als Konzeptalbum kein Marketing-Gag, sondern eine echte Entdeckungsreise ist, merkt der Hörer spätestens am filigranen Tonfall der CD und ihrer eigenwilligen Zusammenstellung. „Spheres“ vereint musikalische Organismen aus vier Jahrhunderten, ohne nach dem „E“ oder „U“ ihrer Herkunft zu fragen. Und „Spheres“ ist eine jener Sammlungen geworden, die man sehr oft hören kann, ohne dass sie ihren Glanz verliert. Das liegt vor allem an der Qualität der Stücke und ihrer Interpretation, fünf davon sind Weltersteinspielungen, andere speziell neu arrangiert. Sogar Filmmusiken wurden ihrem Entstehungskontext entführt und fanden auf dem Planeten „Kammermusik“ ein neues Zuhause; wegen der Hingabe aller Beteiligten ein künstlerisch glaubwürdiges zumal.
Zu Hopes superbem Geigenspiel gesellen sich Jacques Ammon am Klavier, das Deutsche Kammerorchester Berlin unter Simon Halsey mit kongenialen und ebenbürtigen Streichersolisten, sogar Mitglieder des Rundfunkchores Berlin. Das Klangspektrum, das Daniel Hope seiner Guaneri entlockt, ist faszinierend: Er haucht, singt, schwelgt, spricht mit den Anderen oder ist einsamer Sucher, täuscht Sordinoklänge an, um im nächsten Moment zu vollem Sound aufzublühen, ist Seele der Handlung ohne je selbstgefälliger Virtuose zu sein.
Die CD „Spheres“ hat eine intelligente Dramaturgie, die von einer Ausnahme abgesehen, nahtlos fließt. Sie beginnt mit Bach-Vorläufer Johann Paul von Westhoff („Imitazione delle campane“, ca.1690) in geheimnisvollem Arpeggio-Geflüster und schließt im Heute mit dem fragenden Monolog einer Geige vor dunkler Orchester-Wolkenwand (Karsten Gundermanns „Faust – Episode 2 – Nachspiel“). Zwischen die vielen kurzen Stücke fügt sich „Fratres“, ein rund zwölfminütiger und atemberaubender Arvo Pärt. Ludovico Enaudis „I giorni“ und „Passaggio“ entpuppen sich als wahre Perlen. Karl Jenkins „Benedictus“ wird zum rührenden Dialog von Geige und Chor, der in großem Pathos gipfelt, das hier jedoch zarter und zerbrechlicher als im Original erklingt. Das dreieinhalbminütige Herzstück „Spheres“ von Gabriel Prokofiev behandelt als atonalste Komposition das Thema der Planetenbewegung als sich mechanisch verschiebende Stimmen, zwischen denen Harmonie und Dissonanz entsteht.
Alles ist wunderbar stimmig, bis auf ein Kuschelklassik-Ei, das sich Hope laut Booklet mit voller Absicht selbst gelegt hat: Es ist der „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré, den er während seiner Schulzeit öfter gesungen hat und ereilt den Hörer auf Track 4: Nachdem die Gehörgänge gerade mit minimalistischen Achtelbewegungen von Philip Glass massiert wurden und man langsam in die subtile Klangwelt der CD hineingeschwebt ist, wirkt das spätromantische Chorwerk mit seinen Schmelzklängen und weihnachtlichem Charakter süßlich triefend und wie Creme Bruleé auf nüchternen Magen – obwohl es beispielhaft gesungen ist! Zu allem Überfluss schweigt hier die erwartete Solovioline, mit deren ätherischen Flageoletts es danach weitergeht, als wäre nichts gewesen. Der einzige Ausreißer auf der sonst sehr schlüssigen CD „Spheres“.
„Spheres“ dürfte ein Verkaufserfolg werden, weil das Album Heiterkeit ausstrahlt, die sanft vitalisierend wirkt und sich für alle Lebenslagen eignet. Und auch besonders für Menschen, die nachts absichtlich wachbleiben um Sterne zu beobachten oder Musik zu hören.
Rosemarie Frühauf
concert reviews
/ Besuch aus der ersten instrumentalen Liga
Rheinische Post Nr. 100 - Ausgabe Viersen (de), April 2013
In der Viersener Festhalle war mit Daniel Hope ein weltbekannter Geiger zu Gast.
Viersen Das dürfte nicht oft vorkommen: Der Dirigent eines Kammerorchesters, der vom Konzertmeisterpult aus leitet, ist ein gefragter Sologeiger, und der Solist des Konzertes führt besagtes Orchester auch gelegentlich als
Konzertmeister.
So geschehen beim 4. Sinfoniekonzert in der wieder ausverkauften Festhalle. Der berühmte Geiger Daniel Hope, sein Kollege am ersten Pult, Gregory Ahss, und die „Camerata Salzburg" sind angesichts der geschilderten Konstellation eine im besten Sinne verschworene Musiziergemeinschaft – und das auf höchstem Niveau. Das von Bernhard Paumgartner 1952 gegründete Ensemble, dem Sándor Végh und Roger Norrington die entscheidenden Impulse gaben, spielt in der ersten instrumentalen Liga. Die exzellenten Streicher und die handverlesenen Bläser sind vermutlich für jeden Solisten wahre Traumpartner. Daniel Hope, sich wie immer werkdienlich und zurückhaltend integrierend, genoss die ihn vorbildlich tragenden, anschmiegsamen Klänge zunächst bei Felix Mendelssohn Bartholdy. Dessen im zarten Alter von 13 Jahren komponiertes d-Moll-Violinkonzert interpretierte der Künstler auf seiner traumhaft klingenden Guarneri del Gesù von 1742 mit festem, in den Ecksätzen sogar manchmal harschem Zugriff recht entromantisiert. Der letzte Satz, hoch virtuos und makellos gemeistert, erschien im Tempo gar ein wenig überzogen.
Der Höhepunkt des Abends erwartete die Zuhörer am Schluss: Wolfgang Amadeus Mozarts G-Dur-Violinkonzert KV 216. Hope verstand es, den unerschöpflichen Melodienreichtum und die kompositorische Vielfalt des 1775 in Salzburg entstandenen Werkes mit glutvoller Tonschönheit darzustellen und in nahtlosem Miteinander mit dem Orchester zu teilen. Im „Adagio", das Mozart-Biograph Albert Einstein als „wie vom Himmel gefallen" beschrieb, gelang das Duett der Solovioline mit der 1. Oboe vollendet. Auch ohne Solist bestach die „Camerata": Zum Auftakt des Programms in der fantasievoll gestalteten 6. Sinfonie F-Dur des 11-jährigen Mozart und nach der Pause in einer „Fantasia concertante nach einem Thema von Arcangelo Corelli" aus der Feder des Engländers Michael Tippett (1905-1998). Konzertmeister Gregory Ahss, eine weitere Geigerin und ein Cellist übernahmen hier kompetent die Soloparts, während die übrigen Streicher in ein „Concerto grosso" und ein „Concerto terzo" aufgeteilt waren.
Für den überwältigenden Jubel nach jedem Programmpunkt und vor allem nach dem abschließenden Mozart-Konzert dankten Hope, Ahss und die Streicher der Salzburger mit dem Finalsatz des Doppelkonzertes von Johann Sebastian Bach.
von Heide Oehmen
/ Camerata Salzburg und Daniel Hope in der Kölner Philharmonie
General-Anzeiger (de), April 2013
Köln. Die Kontrabassistin schrammelte im Trio virtuos über die Saiten, die Hörner johlten dazu, und plötzlich startete ein kleines Flötenkonzert im Finale von "Le Midi".
In den Sinfonien des jungen Haydn sind Überraschungen und Täuschungen eingeplant. Wie beim gesamten Konzert der Meisterkonzerte mit der Camerata Salzburg und ihrem noblen Gast Daniel Hope: Das Team veredelte ein harmlos anmutendes Programm, neben Haydn mit Jugendwerken von Mozart und Mendelssohn, zu einem spannenden Konzertabend.
Sándor Végh wäre heute 100 Jahre alt. Der Geiger mit seiner Stradivari "Paganini" prägte über Jahrzehnte dieses Kleinod unter den Salzburger Ensembles. Mit Daniel Hope hatte sich das international besetzte Kammerorchester einen viel gepriesenen, weil charismatischen Geigensolisten zur aktuellen Tournee geladen.
Der Brite, der in Wien lebt, verkörpert geradezu den Leitgedanken Véghs, wahrhafte Musik beginne erst jenseits des Notenblattes. Das vermittelte Hope an Mendelssohns d-Moll Violinkonzert, das sein Lehrer Yehudi Menuhin einst wiederentdeckte. "Ein unglaubliches Stück" nennt Hope dieses Jugendwerk des 13-jährigen Mendelssohn.
Und tatsächlich bietet dieses Konzert alles, worin sich ein Geiger sonnen kann. Neben virtuosem Laufwerk im Allegro laden Kadenzeinschübe zu individuellen Kommentaren ein, die die Musiker der Camerata mit Grinsen goutierten.
Eine traumhafte Kantilene schmückte den Mittelsatz, und schulmäßig im Zaubergeiger-Galopp ging Hopes Guarneri-"Ex-Lipinski" geschmeidig ins Ziel. Der begeisterten Gemeinde schenkte Hope gemeinsam mit Konzertmeister Gregory Ahss den Mittelsatz aus Bachs Doppelkonzert als Zugabe vor der Pause: Die Wege Daniel Hopes sind unberechenbar wundervoll.
Von Olaf Weiden
/ Der Geiger als Straßenplaner
Dresdner Neueste Nachrichten (de), April 2013
Daniel Hope und Camerata Salzburg in der Frauenkirche
Man muss gar kein regelmäßiger Konzertgänger sein, ein bisschen Anstand tut es auch, um einzusehen: Spätestens dann, wenn das Orchester vorn begonnen hat zu musizieren, könnte das raschelnde Sortieren der Einkaufstüten unter der Kirchenbank fehl am Platze sein. Den Musikern der Camerata Salzburg wie Arvo Pärts "Trisagion" für Streichorchester war am Sonnabend in der Frauenkirche erst nach rund drei Minuten endlich die nötige
Aufmerksamkeit vergönnt. Pärts Klänge schreien nicht mit Paukenschlägen "Hört her!", man muss sich ihnen bewusst öffnen, ihnen Raum geben, ihren Puls annehmen, ihre Stille mitleben - und zulassen. Dann sind sie ungemein
faszinierend, und zumindest gen Ende hin durfte man das dann auch erfahren.
Pärts auf einen alten orthodoxen Hymnus auf die Heilige Dreifaltigkeit zurückgehender, in sich ruhender Musik folgte impulsive jugendliche Frische mit Felix Mendelssohn Bartoldys erstem Violinkonzert. Jenes d-Moll-Konzert ist Werk eines 13-Jährigen und längst nicht so präsent in den Konzertsälen wie das reichlich zwei Jahrzehnte später entstandene Schwesterwerk in e-Moll. Doch scheint die Meisterschaft des Komponisten allenthalben durch, und dank der Musizierlust und Ernsthaftigkeit, mit der sich sowohl Daniel Hope als auch die Camerata Salzburg des Werkes annahmen, entfaltete es all seine Reize. Die lagen nicht nur in den sprühenden Ecksätzen, sondern ebenso im langsamen Mittelsatz, in dem Orchester und Solist - die ohne vermittelnden Dirigenten musizierten - mit ausgesprochen sorgsamen, subtilen Phrasierungen glänzten.
Mit Mozarts Violinkonzert G-Dur KV 216 legte der brillante Daniel Hope nach der Pause gleich noch einmal nach. Seine Guaneri mit ihrem großen, blumigen Ton wurde quasi eins mit dem Kirchenraum, den sie spielend leicht erfüllte und erfühlte. Ein charmantes Allegro mit einer vom Solisten in tiefer, überlegener Ruhe vorgetragenen Kadenz, ein fast entrückt wirkendes Adagio und ein Schloss-Rondo voller Esprit rundeten sich zu einer stimmigen, begeistert aufgenommenen Interpretation. Das forderte eine Zugabe, in der der britische Geiger eine Lanze für den 1656 in Dresden geborenen Johann Paul von Westhoff brach. Der Geiger und Komponist, u.a. auch Mitglied der Dresdner Hofkapelle, sei Wegbereiter für Bachs berühmte Violin-Sonaten und -Partiten gewesen - "Es sollte in Dresden eine Von-Westhoff-Straße geben", meinte Hope, bevor er gemeinsam mit dem Orchester die wirkungsvolle "Imitazione delle campane" in einer Bearbeitung von Christian Badzura zum Besten gab.
Joseph Haydns Sinfonie Nr. 7 C-Dur - "Le Midi" - wurde am Ende noch einmal Spielwiese für ein hervorragendes Orchester, das mit Lust und Hochspannung und im besten Sinne gemeinsam ein großes Ganzes formt. Hatte schon in den Violinkonzerten jeder einzelne Tuttist förmlich so musiziert, als wäre er mindestens Trio-Partner des Solisten, so zeichnete die gleiche Aufmerksamkeit auch das reine Orchesterspiel aus. Angeführt von Konzertmeister Gregory Ahss zauberte das Ensemble eine technisch wie gestisch genau ausgefeilte Aufführung, was allein noch nicht zwingend reichen muss, um den Hörer tatsächlich zu fesseln, hier aber dank Stringenz, Energie und Tiefenschärfe höchste Güte erlangte.
Sybille Graf









