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2016


Hope speaks about Menuhin’s influence on his life and career
The Strad, 11.05.2016

Yehudi Menuhin always let the student find their own voice, says violinist Daniel Hope

Hope speaks about Menuhin’s influence on his life and Career

 

The following is an extract from The Strad’s Memories of Menuhin article, featuring interviews with friends, family and colleagues of the great violinist and published in the May 2016 issue – download on desktop computer or through The Strad App.

Yehudi Menuhin was the reason I became a violinist. Neither of my parents had a musical background, but my mother was Menuhin’s secretary for 24 years and my earliest memories are of being surrounded by music, particularly the violin – whether it was Menuhin playing or one of the many violinists who came to his house. He had a huge collection of musical memorabilia, including Paganini concert posters and portraits, and of course violins. So when I announced, aged four, that I wanted to be a violinist, my parents weren’t all that surprised. I remember hearing artists such as Robert Donington and Mstislav Rostropovich at Menuhin’s houses – I even recall trying to pull Slava’s cello spike out from under him while he rehearsed. I heard Menuhin play alongside Stéphane Grappelli and Ravi Shankar, for whom he had huge admiration, particularly for their ability to improvise, something with which he struggled. He was an inveterate learner as well as an inveterate teacher – constantly searching for answers to life and music. I encountered this side of him first hand after I’d started studying with Zakhar Bron. Menuhin wanted to know all about Bron’s teaching, and we talked for several hours, during which he asked me to play for hours – he’d jump in with fascinating insights, suggestions and comparisons.

While I was still studying with Bron, Menuhin said, ‘I can’t teach you myself because I don’t have the time; but if we go on the road together, I could coach you while we’re on tour.’ We gave around 60 concerts together and it was a very steep learning curve for me; I was the soloist while he conducted, and often he would literally instruct me on the concert platform. During one performance of the Beethoven Concerto, he beckoned to me at the end of the first movement and whispered, ‘At the start of the second movement, try beginning on the D string, not the A string,’ and I had to work out the fingerings then and there. It was as if he was playing vicariously through me, trying the experiments he’d perhaps have made if he were the soloist. At the end of the concert he might say, ‘Well, that wasn’t the best idea, was it?’ But it meant that every concert was certainly special.

Menuhin would always try to let the student find their own voice, but there were certain things that he believed very strongly. If you played the solo entry at the start of the Brahms Concerto in a wayward manner, he’d definitely object. I don’t mean that it had to be metronomic, but if you pulled it about too much, he’d put his foot down. On the other hand, if you came up with spontaneous suggestions, that might fire his imagination and he’d come back with even more ideas. In that sense, he was the most original musician I’ve ever met.

The complete Memories of Menuhin article, featuring contributions from Menuhin’s eldest daughter Zamira Menuhin Benthall, Menuhin School head of music Malcolm Singer, violinist Tasmin Little, Live Music Now founder Ian Stoutzker, Menuhin biographer Humphrey Burton, EMI Classics producer John Fraser and violin maker Joseph Curtin, is published in The Strad’s May 2016 issue

«Toll, kommen Sie nochmals!»
Neue Zürcher Zeitung , 14.04.2016

Daniel Hope spürt in Zürich geballte Energie – sie will er mit dem Kammerorchester nutzen

Ab Herbst wird das Zürcher Kammerorchester erstmals von einem Instrumentalsolisten geleitet. Der Stargeiger Daniel Hope will das Orchester international wieder etablieren.
Herr Hope, seit 25 Jahren touren Sie als gefeierter Violinvirtuose rund um die Welt. Warum kommen Sie nun ausgerechnet nach Zürich?
Ich habe eine sehr lange Verbindung zum Zürcher Kammerorchester. Ich bin quasi mit dem Klang dieses Orchesters gross geworden. 1975, noch als Kleinkind, habe ich das ZKO zum ersten Mal gehört. Meine Mutter, die Managerin von Yehudi Menuhin war, hat mich jeden Sommer nach Gstaad zu den Proben des Orchesters mitgenommen. Menuhin und das ZKO unter der Leitung des damaligen Chefdirigenten Edmond de Stoutz haben in Gstaad insgesamt fast hundert Konzerte gegeben, und etwa achtzig davon habe ich miterlebt.
Was bedeutet Ihnen das Zürcher Kammerorchester?
Es ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich habe mit dem ZKO unter Edmond de Stoutz, Howard Griffiths, Muhai Tang und Roger Norrington musiziert. Ich kenne also die ganze Geschichte dieses Orchesters mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner bisherigen Leiter. Es ist hochspannend, in dieser Situation nun meinen eigenen Input zu geben.
Wie beurteilen Sie die Qualität des ZKO?
Was mich immer überwältigt, ist sein Klang. Das ist für mich als Geiger das Wichtigste. Ich staune auch, wie sich der Klang im Lauf der Zeit gewandelt hat, angefangen beim satten, schönen Klang bei de Stoutz bis zum extrem reduzierten Klang bei Norrington. Nicht jedes Orchester ist so flexibel. Beim ZKO spielen extrem talentierte Vollblutmusiker, die das einfach können.
Wie kam es zum Vertrag?
Ich war hier 2014/15 Artist in Residence. Als Direktor Michael Bühler mich dann anfragte, als Nachfolger von Norrington die künstlerische Leitung zu übernehmen, habe ich keine Sekunde gezögert.
Roger Norrington war «Principal Conductor», Sie tragen nun den Titel «Music Director». Was ist der Unterschied?
Ich bin kein Dirigent und werde es auch nie sein. Ich bin Geiger und agiere von der Geige aus. Ich leite das Orchester vom ersten Pult aus, oder ich spiele als gewöhnlicher Geiger mit. Zudem laden wir natürlich auch Gastdirigenten ein. Was ich will, ist, Kammermusik im grossen Stil zu machen. Und das Orchester ist es gewohnt, ohne Dirigenten zu spielen.
Wie sieht die Rollenverteilung zwischen Ihnen und Konzertmeister Willi Zimmermann aus?
Willi Zimmermann ist ein sehr wichtiger Bestandteil dieses Ensembles. Es wird Programme geben, die ich als Solist leite, in denen aber Zimmermann als Konzertmeister beispielsweise eine ganze Sinfonie selber leiten wird. Es wird auch Programme geben, die Zimmermann in eigener Regie konzipiert. Wir sind ein tolles Gespann, und ich liebe es, mit ihm zusammen zu spielen. Dies gilt auch für die anderen Musiker, etwa den Cellisten Nicola Mosca oder den Cembalisten Naoki Kitaya, mit denen ich auch ausserhalb des Orchesters zusammen spiele.
Wie soll sich das Profil des Orchesters in den kommenden Jahren entwickeln?
Ich möchte, dass es sich internationalisiert. Das ist ein Teil meines Lebens; ich bin viel unterwegs. Meine Engagements bei Kammerorchestern werden künftig auf das ZKO gebündelt. Statt mit 20 oder 30 verschiedenen Kammerorchestern Konzerte zu machen, werde ich mit dem ZKO in Zürich und anderswo auftreten. Schon in diesem Sommer machen wir eine Residenz beim Schleswig-Holstein-Festival und spielen am Prague Festival, in Südkorea und in China. Ich möchte das Orchester auf der Weltbühne wieder neu etablieren, so wie dies zur Zeit von de Stoutz der Fall war.
Wie werden sich die Programme ändern?
Ich mische gern die verschiedenen Genres miteinander. Deshalb habe ich für die Saison 2016/17 Klaus Maria Brandauer als Artist in Residence angefragt. Auch das neue Format «Director’s Cut» folgt dieser Idee. Zudem ist das ein Gefäss, in dem ich ganz kurzfristig etwas programmieren kann. Da werden Gäste auftreten, die über Zürich etwas sagen können. Ich spüre, dass in dieser Stadt eine geballte Energie vorhanden ist, die ich nutzbar machen möchte.
Wie wollen Sie das ZKO neben den beiden grossen Orchestern – Tonhalle und Philharmonia – positionieren?
Wir sind in einer eigenen Nische. Wir konkurrieren nicht mit diesen Orchestern; das können wir schon vom Repertoire her gar nicht. Wir machen etwas ganz anderes. Ich möchte mit Freunden musizieren. Und ich möchte den Zürchern zeigen, dass die Kammermusik eine Musikform der Zukunft ist.
Glauben Sie, dass Sie neue, jüngere Publikumsschichten gewinnen können?
Daran arbeite ich von morgens bis abends. Dazu habe ich mehrere Bücher geschrieben. Ich produziere jede Woche eine Radiosendung für den WDR, in der ich über Musik spreche. Nach jedem Konzert kommen Menschen zu mir, die mir anvertrauen, dass sie zum ersten Mal in einem klassischen Konzert waren. Sie kamen, weil sie ein Buch von mir gelesen oder etwas von mir gehört haben. Dann sage ich immer: «Toll, kommen Sie nochmals!» Beim ZKO gibt es ein breit gestreutes Angebot an Formaten. Damit können wir ganz unterschiedliche Menschen erreichen.
Interview: Thomas Schacher

Kein Geiger der Welt kann ihn erreichen
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 30.03.2016

Daniel Hope über seinen Mentor Yehudi Menuhin, der vor 100 Jahren geboren wurde
Herr Hope, Yehudi Menuhin gilt als einer der größten Musiker des 20. Jahrhunderts. Was unterscheidet ihn denn eigentlich von anderen guten Geigern?
Natürlich gibt es ähnliche Musikerkarrieren, selbst wenn man bedenkt, dass Menuhin ein unglaubliches Wunderkind war. Aber was er nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht hat, ist einmalig: Auf der humanitären und sozialen Ebene hat er ungeheuer viel bewegt. Von vielen Dingen, die er angeregt hat, profitieren wir als Menschen und Musiker bis heute. Sein Vermächtnis ist gigantisch, selbst wenn man seine vielen tollen Aufnahmen gar nicht berücksichtigt. Er hat Musik für seine Ideale eingesetzt – und das Jahrzehnte, bevor andere das gewagt haben.

Sehen Sie heute, wo die Konfliktlinien ganz anders verlaufen als nach dem Krieg, Nachfolger von Menuhin, die noch in diesem Sinn arbeiten?
Ich finde, es fehlt drastisch an klassischen Musikern, die bereit sind, sich zu engagieren. Daniel Barenboim ist sicher jemand, der viel bewegt hat, auch wenn er einen ganz anderen Charakter hat als Menuhin. Er kämpft unermüdlich für die Versöhnung – in diesem Fall zwischen Israelis und Arabern. Das entspricht stark Menuhins Gedanken. Der ist 1945 nach Deutschland gekommen und hat für die Überlebenden von Bergen-Belsen gespielt. Andererseits hat er die damals heftig umstrittenen Konzerte mit Wilhelm Furtwängler gegeben, um den Deutschen die Hand zu reichen. Das war vom Grundgedanken seiner Zeit sehr weit voraus.

Glauben Sie denn, dass man mit klassischer Musik überhaupt noch eine Symbolkraft entfalten kann, die wirklich etwas bewegt?
Daran glaube ich fest. Wir haben die Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Natürlich kann Musik nicht die Welt verändern. Aber sie kann Menschen dazu bringen, zuzuhören und einen Dialog eröffnen. Gerade die klassische Musik zwingt die Zuhörer, über längere Zeit innezuhalten und über etwas nachzudenken. Deshalb darf man die Macht dieser Musik keinesfalls unterschätzen.

Sie waren schon als Kind im engen persönlichen Kontakt mit Menuhin. Wie kam es dazu?
In Südafrika war mein Vater, der Schriftsteller ist, ein entschiedener Apartheid-Gegner. Darum wurden wir auf eine schwarze List gesetzt. Meine Eltern haben sich damals entschlossen, das Angebot des Regimes anzunehmen, das Land innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Wir sind dann über Umwege nach Paris und letztendlich nach London gekommen. Dort haben meine Eltern irgendeine Arbeit gesucht. Schließlich ist meine Mutter jemandem begegnet, der jemanden kannte, der jemand kannte. Und der leitete eine ziemlich exklusive Arbeitsvermittlung. So konnte sie sich plötzlich zwei Teilzeitjobs aussuchen: Sekretärin des Erzbischofs von Canterbury oder von Yehudi Menuhin. Sie hat sich für Menuhin entschieden. Der Job sollte sechs Monate dauern. Er dauerte dann 24 Jahre.

Was hat das für Sie bedeutet?
Die ersten sieben, acht Jahre bin ich eigentlich in seinem Haus aufgewachsen. Dort war das Büro meiner Mutter, und sie hat mich jeden Tag mitgenommen. So hat sich unsere familiäre Beziehung entwickelt. Das Professionelle kam erst später, nachdem ich bereits begonnen hatte, bei Zakhar Bron Geige zu studieren. Menuhin wollte wissen, was Bronbewirken konnte und war positiv überrascht, dass ich die Geige so ernst genommen habe. Seither hat er mich unterrichtet – und zwar auf Tourneen: Er hat in mehr als 60 Konzerten auf der ganzen Welt dirigiert, und ich habe gespielt. Während dieser Zeit war ich auch in der Lage, etwas mehr von diesem Menschen zu verstehen. Er war eine Schlüsselfigur in meinem Leben, weil er sich politisch positioniert und mich immer ermutigt hat, eine Haltung zu haben.

Bei welchen Gelegenheiten haben Sie das zu spüren bekommen?
In den Neunzigerjahren haben wir zum Beispiel ein Konzert in Wunsiedel gespielt, wo damals das Grab von Rudolf Heß war. Um diese Zeit gab es dort gerade eine Versammlung von Neonazis. Bei unserer Ankunft sagte uns der Bürgermeister, es habe Drohungen gegeben und er rate uns, das Konzert abzusagen, weil er nicht für unsere Sicherheit garantieren könne. Ich werde nie vergessen, wie Menuhin darauf reagiert hat. Man hat ihn sehr selten wütend erlebt. Aber in dem Moment ist er regelrecht explodiert. Er hat gesagt, er werde niemals ein Konzert wegen so etwas absagen. Dann hat er sich zu mir umgedreht und gesagt, ich könne mich frei entscheiden. Natürlich habe ich dann auch gespielt. Das war ein Moment, in dem man ihn in seinem Element erleben konnte.

Die menschliche Größe von Menuhin ist kaum umstritten. Bei seinen geigerischen Fähigkeiten sieht das ganz anders
aus. Wie lautet Ihre Bestandsaufnahme?
Es gibt eine ganze Reihe von Aufnahmen, die bezeugen, dass wir es hier mit einem der besten Geiger der ganzen  Musikgeschichte zu tun haben: Das Elgar-Konzert unter Leitung des Komponisten, sein Schumann-Konzert mit John Barbirolli, sein Paganini-Konzert mit Pierre Monteux: Kein Geiger der Welt kann das nur ansatzweise erreichen. Es gab aber eine große Krise in Menuhins Leben. Danach musste er die Geige ganz neu lernen. Viele sagen, er ist dabei nicht auf das gleiche Niveau zurückgekommen. Ich sehe das nicht ganz so schwarz-weiß. Ich finde, es gibt auch fantastische Aufnahmen aus dieser Zeit, und ich habe ihn vor allem sehr oft live gehört: Das war fast bis zu seinem Tod unglaublich schön.

Sie sind kein großer Freund von Gedenkjahren. Was hat Sie jetzt bewegt, mit vielen Konzerten und einer CD an
Menuhin zu erinnern, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre?
Ich finde tatsächlich, man braucht keinen Anlass, um an große Musiker zu erinnern. Aber in diesem Fall sind 100 Jahre Menuhin auch 25 Jahre von mir. Da musste ich etwas machen. Die CD enthält meine persönlichen Erinnerungen an Menuhin. Ich versuche auch, die Arbeit seiner Initiative Live Music Now weiter zu unterstützen, die Musik zu Menschen bringt, die sonst keine Gelegenheit haben, so etwas zu hören. Ich habe während meines Studiums in Krankenhäusern und für schwerstbehinderte Kinder gespielt. Das sind Erinnerungen, die ich nie vergessen werde: Da sieht man, was man mit Musik bewirken kann.
Interview: Stefan Arndt

Daniel Hope ist 1973 in Südafrika geboren. Seine Eltern sind der Schriftsteller Christopher Hope und die Musikmanagerin Eleanor Hope-Klein. Er begann mit vier Jahren, Geige zu spielen. Seine Lehrer waren unter anderem Zakhar Bron und Yehudi Menuhin, der am 22. April 100 Jahre alt geworden wäre. Hope war von 2002 bis  2008 Mitglied des Beaux Arts Trios. Seine jüngste CD ” My Tribute to Yehudi Menuhin” ist bei Deutsche  Grammophon erschienen. Damit tritt Daniel Hope unter anderem am 14. April in Zürich, am 12. Mai in Tuttlingen, am  14. Mai in Dresden, am 16. Mai in Basel und am 17. Mai in Baden-Baden auf.



2015


«Yehudi Menuhin rettete meine Familie»
SonntagsBlick, 08.11.2015

Dem legendären Violin­virtuosen verdankt Daniel Hope alles, auch seine Karriere. Jetzt führt sie ihn nach Zürich.

Zeitungsinterview

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Tutti-magazine
Tutti-Magazine, 24.06.2015

Nous rencontrons le violoniste Daniel Hope lors de son bref passage à Paris le mois dernier. Tout juste arrivé de Suisse où il interprétait à la fois la version originale des Quatre saisons de Vivaldi et celle recomposée par Max Richter, il se préparait à jouer dès le lendemain, à Paris, le Concerto d’Elgar avec l’Orchestre Symphonique de la Garde républicaine. Un concert qui fera date pour les spectateurs rassemblés en la cathédrale Saint-Louis des Invalides le 25 juin, tant l’interprétation de Daniel Hope se hissait à des sommets de musicalité et d’engagement rarement atteints. Son “ex-Lipinski” faisant fi de la réverbération, portait de façon magique la moindre nuance avec une poésie et une maîtrise de chaque phrase. Un tel dialogue avec l’orchestre et le public est si intense et si rare qu’on se demande pourquoi la France n’accueille pas plus souvent cet interprète unique auquel la Fondation Européenne de la Culture “Pro Europa” vient tout juste de décerner le Prix Culturel Européen pour la Musique…

LINK

Le Son d’Hollywood
The Good Life, 05.06.2015

Le Son d’Hollywood – LINK

Das Vitamin zum Leben
Schleswig-Holstein am Sonntag, 31.05.2015

Welchen Stellenwert hat die Kammermusik für Sie? LINK



2014


Geigenforscher
Letzebuerger Journal, 12.12.2014

Russian magazine Music Life № 9. 2014
Music Life, 13.11.2014

Daniel Hope, explorateur de la mémoire
ResMusica, 29.09.2014

Le violoniste Daniel Hope peut s’enorgueillir d’un parcours impressionnant : membre du légendaire Beaux-Arts Trio, il a partagé la scène avec Yehudi Menuhin.

Ce musicien, virtuose de l’archet et des réseaux sociaux ne se contente pas des chevaux de bataille. Il recherche et il explore à l’image de l’indispensable DVD consacré aux musiques composées au camp de concentration de Terezín auquel un International Classical Music Awards (ICMA) 2014 a été décerné.

 

Le violoniste Daniel Hope peut s’enorgueillir d’un parcours impressionnant : membre du légendaire Beaux-Arts Trio, il a partagé la scène avec Yehudi Menuhin.

Ce musicien, virtuose de l’archet et des réseaux sociaux ne se contente pas des chevaux de bataille. Il recherche et il explore à l’image de l’indispensable DVD consacré aux musiques composées au camp de concentration de Terezín auquel un International Classical Music Awards (ICMA) 2014 a été décerné.

Interview par Pierre-Jean Tribot
ResMusica : Vous êtes à l’aise dans tous les répertoires du baroque au contemporain. Cette flexibilité stylistique est-elle l’ADN des musiciens du XXIe siècle ?
Daniel Hope : Chaque musicien est différent. J’aime envelopper tous les styles car j’aime la belle musique et les compositeurs composent de la belle musique depuis plus de 500 ans ! J’apprécie de jouer les musiques avec les meilleurs spécialistes de chaque époque. Cet aspect est très important pour moi car j’apprends d’eux. Je ne peux pas faire de généralisation, mais pour moi jouer des musiques baroques, classiques, romantiques, modernes ou contemporaines est important car je les aime !

RM : Vous avez remporté  un ICMA pour ce superbe documentaire consacré aux musiques composées à Terezín. Pouvez-vous nous expliquer l’origine de ce documentaire ?
DH : Je mène des recherches sur les musiques composées à Terezín depuis 15 ans. Je les ai déjà jouées à maintes reprises et même parfois déjà enregistrées. Lors de ces recherches, j’ai rencontré des survivants du camp de concentration. L’idée du film s’est développée tout naturellement comme une suite logique de ce travail de découverte et de recherche. Avec l’aide d’une fondation allemande, nous avons trouvé des fonds pour financer le documentaire. J’ai décidé de centrer la narration du film autour de deux musiciens qui ont survécu à Terezín : Alice Herz-Sommer et Coco Schuman. Cependant, mon souhait était de raconter l’histoire du camp à travers les yeux et la vie de ces musiciens. Il y avait déjà de nombreux et excellents documentaires sur le sujet, mais toujours centrées sur l’aspect purement historique. Je ne voulais pas refaire un documentaire historique, mais faire un documentaire musical. Je suis très heureux d’avoir pu mener à bien ce documentaire.

RM : Quel est votre lien personnel avec ces musiques ?
DH : J’ai découvert les musiques composées à Terezín par chance ! Je conduisais après un concert tout en écoutant la radio. J’entendis alors une musique absolument incroyable. J’ai naturellement attendu la désannonce : c’était un trio de Gideon Klein. Une pièce magistrale ! Ce fut le début d’un cheminement de 15 ans à travers ces musiques. J’ai aussi un lien personnel avec cette époque, ma famille maternelle, de confession juive, a du s’enfuir de l’Allemagne nazie pour se réfugier en Amérique ou en Afrique du Sud. Cependant, je ne connaissais pas l’histoire de cette musique avant de la découvrir par chance.

« J’ai découvert les musiques composées à Terezín par chance ! »

RM : Vous avez également conçu un concert mémoriel à Berlin autour de la Nuit de Cristal (8 novembre 2008). Ce travail de mémoire est-il un devoir pour un musicien ?
DH : Oui, mais je pense surtout que la mémoire est un devoir pour chacun d’entre nous en tant que citoyen. Pour un musicien, le devoir de mémoire est facilement réalisable car il nous suffit de jouer la musique de ces compositeurs pour la garder vivante. Il n’y a pas besoin non plus d’un concert commémoratif spécialement dédié, il nous suffit de programmer l’une ou l’autre pièce lors de nos concerts. Ce que je fais autant que possible car j’aime de tout cœur ces musiques. Cependant, le concert berlinois auquel vous faîtes allusion était une volonté politique de ma part car j’ai été profondément choqué que le gouvernement allemand ne propose aucune action pour commémorer la Nuit de Cristal.

RM : Vous avez enregistré une version recomposée des Quatre saisons de Vivaldi. Pourquoi ?
DH : Max Richter me disait qu’il était décontenancé par l’utilisation systématique de cette musique absolument n‘importe où ! Des messageries téléphoniques aux centres commerciaux en passant par les parkings et les ascenseurs ! Au fur et à mesure, il lui était impossible d’entendre la musique de Vivaldi, d’où cette idée de recomposer l’œuvre. Quand j’ai reçu son manuscrit j’ai été séduit par son respect et son amour pour Vivaldi. Il a su garder l’essence de l’esprit du compositeur pour la réintroduire dans sa recomposition. Vous savez, j’aime particulièrement jouer les deux versions lors d’un même concert.

RM : Vous êtes aussi un auteur de livre et l’un d’eux est même dédié aux catastrophes musicales [Toi, toi, toi!, Hambourg, 2011-non traduit à l’heure actuelle en français]. Quelle est la concept de ce projet ?
DH : J’ai écrit 3 livres et je travaille actuellement sur un quatrième. Cependant, pour ce livre, l’idée m’est venue suite à des conversations avec mes amis musiciens toujours prompts à raconter l’aventure ou l’évènement extraordinaire, inattendu et catastrophique qui venait de leur arriver sur scène. Le livre raconte, à travers l’histoire et les styles, de la renaissance au contemporain, tout ce qui est arrivé en termes de catastrophe(s) dans le monde de la musique et toutes ces histoires sont totalement véridiques !

RM : Quelles sont les personnalités qui ont marqué votre carrière artistique ?
DH : Tout d’abord Yehudi Menuhin ! J’ai joué à de nombreuses reprises avec lui. Ce fut une chance extraordinaire de le rencontrer et de partager avec lui des moments musicaux. Ensuite, il y a eu Menahem Pressler, à mon sens le plus grand musicien vivant. J’ai joué avec lui au sein du Beaux-Arts Trio de 2002 à 2008, ce fut une expérience magique. Enfin, je dois mentionner Zakhar Bron, mon professeur, un maître absolu du violon.

RM : Suite au succès du documentaire sur Terezín primé aux ICMA, avez-vous d’autres projets films ?
DH : Oui tout à fait, je publie cette rentrée un nouveau disque intitulé « Escape to Paradise » chez DGG. Il est centré sur des compositeurs européens exilés aux USA suite aux tensions en Europe dans les années 1930  et aux musiques cinématographiques qu’ils ont ensuite composées. Pour réaliser ce programme de cet enregistrement, je me suis rendu dans archives des studios de cinéma à Hollywood. J’ai rencontré Ronald Schoenberg, le fils d’Arnold Schoenberg et Walter Arlen, un compositeur d’origine autrichienne, qui a fuit l’Europe en 1939. J’ai déjà de la matière pour un nouveau documentaire, et je recherche actuellement des financements.

Musik hat überlebt
Augsburger Allgemeine Zeitung, 30.08.2014

Exil „Beide Urgroßväter haben im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft.“
Süddeutsche Zeitung (de), 25.08.2014

DANIEL HOPE ÜBER
Exil „Beide Urgroßväter haben im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft.“ „Das Letzte, was ich wollte, war Champagner trinken. Aber es gab kein Entrinnen…“ „Ich habe mir eine Zeitmaschine verschafft, damit ich die Musik besser verstehe.“ Zur Person

Interview: Gabriela Herpell

SZ: Sie sind in Südafrika geboren, in London aufgewachsen, leben in Wien. Wo gehören Sie hin?

Daniel Hope: Wenn ich meine Zugehörigkeit wirklich definieren müsste, würde ich mich wohl als Europäer bezeichnen. Aber meine ersten 20 Jahre habe ich in London verbracht, habe also die klassische englische Erziehung genossen. Ich spreche wie ein Brite, ich verfolge die englischen Nachrichten, gucke BBC, obwohl ich lange schon nicht mehr in London lebe.

In der deutschen Sprache gibt es das Wort Heimat, das sich auf ein reales Zuhause genauso beziehen kann wie auf ein geistiges.

In diesem Sinn wäre eben Europa und nicht England meine Heimat. Ich fühle mich genauso wohl in Deutschland, England oder Österreich – wo ich jetzt wohne – wie in Spanien oder Frankreich. Obwohl man natürlich auf große Unterschiede zwischen den Ländern trifft. Gerade das finde ich schön. Das fehlt mir in Amerika, so gern ich auch dort bin.

Das klingt fast zu vernünftig. Spüren Sie keine Zugehörigkeit durch die frühen Prägungen? Sie haben dieselben Fernsehserien geschaut, die gleichen Kinderbücher gelesen wie andere Engländer, nicht wie die Franzosen.

Ich habe in vielen Ländern gelebt und die jeweiligen Eigenarten schnell adaptiert. Ich habe in Lübeck studiert, das Norddeutsche ist mir sehr vertraut. Durch das erste Buch, das ich geschrieben habe, „Familienstücke“, habe ich die Verbindung zu Deutschland erst richtig wahrgenommen.

In dem Buch beschreiben Sie die Suche nach Ihren Urgroßeltern in Berlin. Was ist passiert?

Mein Großvater wurde Anfang 1934 von der SS in Berlin zusammengeschlagen. Er arbeitete am Deutschen Theater als Lichtregieassistent bei Max Reinhardt. Er hat sofort gewusst, was los war, hat seinen Koffer gepackt und Deutschland verlassen. Max Reinhardt sagte noch zu ihm, kommen Sie nach Hollywood, ich werde einen schönen Film machen. Den „Sommernachtstraum“. Mein Großvater sagte, dass er sich geehrt fühlte, aber so weit wie möglich weg wollte von Hitler. Hollywood hat ihm nicht gereicht, darum ging er nach Südafrika.

Ging er allein?

Seine Eltern haben nicht geglaubt, dass es so schlimm kommen würde. Seine Mutter ist 1939 in letzter Minute aus Deutschland weg. Mein Urgroßvater konnte sich nicht vorstellen, Deutschland zu verlassen, und nahm sich lieber das Leben, als das aufzugeben. Das Buch ist vor sechs Jahren erschienen. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem mein Leben nicht in irgendeiner Weise zu diesem Buch in Beziehung gesetzt wird.

Wie meinen Sie das?

Neulich, nach einem Konzert in Düsseldorf, stand mir ein Mann gegenüber, dessen Vater der Anwalt meiner Urgroßmutter war. Er ist im Buch erwähnt, aber ich kannte ihn nicht. Das stärkt natürlich meine deutschen Wurzeln sehr.

Haben Sie durch die Arbeit an dem Buch Heimat dazu gewonnen?

Eine seelische Heimat, genau. Ich kann die schmerzhaften Erfahrungen, die meine Familie gemacht hat, spüren. Seit 1930 sind in unserer Familie alle Exilanten. Ich verstehe jetzt, was das heißt. Und habe Frieden damit geschlossen. Ich freue mich, in Deutschland zu sein, in Deutschland zu spielen, in Deutschland Musik zu machen. Meine Urgroßeltern waren ja auch ungeheuer patriotisch.

Das macht die Geschichte besonders tragisch.

Beide Urgroßväter haben im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft, beide waren hochdekoriert und liebten die deutsche Musik, die Literatur. Sie haben sich mit dem Judentum gar nicht identifizieren können. Ihre Familien sind Mitte des 19.Jahrhunderts konvertiert. Allerdings geht unser Stammbaum zurück bis zum ersten Rabbiner von Potsdam. Dazu kommen irisch- römisch-katholische Vorfahren. Sie sehen, ich kann mich nur als Europäer fühlen.

Wenn man so viel unterwegs ist wie Sie, hat man nicht das Bedürfnis nach einem Platz, der so etwas wie eine Heimat ist?

Das ist im Prinzip Wien. Die Musikstadt. Ich liebe es, an den Häusern vorbeizugehen, in denen Mozart oder Dvořák oder sogar Vivaldi gelebt haben. Ständig an die Musik erinnert zu werden, die ich täglich spiele. Obwohl – seit wir ein Kind haben, seit acht Monaten also, ist meine Heimat bei ihm. Wir sind sehr viel zusammen gereist. Und er hat das sehr gut weggesteckt. Das wird nicht immer so bleiben.

Die Österreicher können auch ganz schön abweisend sein, oder erleben Sie das nicht?

Oh ja. Die Wiener sind speziell. Aber ich bin genauso direkt wie sie. Man darf sich nicht einschüchtern lassen.

Darf man in London auch nicht, oder?

Absolut nicht. Aber dort beruht die Distanz auf Zurückhaltung, nicht auf Konfrontation. In der U-Bahn in London sagt niemand etwas. Doch wenn man den Menschen näherkommt, stößt man auf eine sehr freundliche Welt. Die Engländer gehören zu den höflichsten Menschen überhaupt.

Glauben Sie eigentlich, dass man das Exilantentum in der DNA hat? Und dass Sie sich deshalb leicht anpassen können?

Ich glaube, dass der Krieg die Nachkommen derer, die geflohen sind, genauso nachhaltig geprägt hat und immer noch prägt wie die Nachkommen derer, die umgekommen sind oder die sich schuldig gemacht haben. Meine Mutter ist in Südafrika aufgewachsen, mit Englisch als Muttersprache. Deutsch wurde nie mehr gesprochen in der Familie. Über Deutschland wurde auch nicht mehr gesprochen. Dieser Teil der Vergangenheit existierte nicht.

In letzter Zeit haben Sie viele Konzerte mit Musik aus Theresienstadt gegeben.

Ich bin, zusammen mit den Sängern Anne Sofie von Otter und Christian Gerhaher, auch nach Theresienstadt gefahren, wir haben Zeitzeugen getroffen und einen Film dort gedreht. Wenn man sich nur vorstellt, was aus der Musik geworden wäre, wenn diese vielen jüdischen Musiker damals überlebt hätten… Es fehlt einfach eine ganze Musikrichtung im 20. Jahrhundert.

Sie selbst leben ja, weil Ihre Vorfahren geflohen sind und überlebt haben.

Genau. Nach den vielen Jahren, in denen ich die Musik der Menschen gespielt habe, denen die Flucht nicht geglückt ist, wollte ich mich mit der Kehrseite beschäftigen. Also fing ich an zu lesen, ich habe Klaus Manns Exilliteratur gelesen, besonders wichtig war natürlich „Escape to Life“. Ich habe Thomas Mann gelesen, Hanns Eisler, und ich flog nach Los Angeles, um mich mit der Schönberg-Familie zu treffen, die immer noch in Arnold Schönbergs Haus lebt. Ich habe sie besucht, es wurde Wiener Schnitzel serviert, Sachertorte und Kaffee mit Schlag. Da stand immer noch der Stuhl von Arnold Schönberg, auf dem er saß, wenn er unterrichtete. Ich hatte das Gefühl, im Los Angeles von 1940 zu sitzen. Und wieder spürte ich, was es heißt, sich im Exil zu befinden.

Wie lang recherchieren Sie für ein solches Album?

Zwei, drei Jahre. Es war eine sehr intensive Zeit. Ich habe mich durch die Archive der Paramount Studios gewühlt. Und mit Leuten aus der Zeit gesprochen, mit 95-Jährigen, die erzählt haben, was Los Angeles bedeutet hat damals.

Wer war dabei?

Walter Arlen. Er ist 94, Komponist, floh 1939 aus Wien nach Los Angeles und wurde dann Kritiker der Los Angeles Times. Er war in jedem Konzert, er kannte all die Komponisten, die auf dieser Platte sind, persönlich. Der Pianist Menahem Pressler wiederum kannte noch Franz Waxman, der 1934 aus Deutschland geflohen war und in Hollywood Filmmusiken komponierte. Ohne diese persönlichen Informationen hätte ich mich nicht getraut, die Musik aus der Zeit nachzuspielen. Ich habe mir eine Zeitmaschine verschafft, damit ich die Musik besser verstehe.

Was ist an der Musik schwer zu verstehen?

Es gibt so viele Vorurteile der Filmmusik gegenüber. Man hält sie für banal. Aber das könnte nicht weiter entfernt von der Wahrheit sein. Ich habe ja nicht „Fluch der Karibik“ oder „Transformers“ aufgenommen. Sondern wirklich die Musik aus jener Zeit. Und die Komponisten mussten diese Musik schreiben, um zu überleben. Dabei waren gerade sie damals musikalisch auf einem ganz anderen Weg.

Auf welchem Weg?

Weg von der großen Symphonie. Denken Sie nur an Schönberg. Oder Korngold. Sie empfanden sich als Vertreter der musikalischen Moderne. Aber die Studiobosse wollten die große Symphonie von ihnen, und so wurden sie festgehalten in ihrer Entwicklung. Der Tonfilm war neu. Man brauchte einen Soundtrack. Der Hollywoodklang der Dreißiger- und Vierzigerjahre kam im Grunde aus Europa, das finde ich so spannend. Korngold hat komponiert, um Geld zu verdienen, mit dem er seine Verwandten aus Europa nachholen konnte.

Waren die meisten der Filmkomponisten jüdische Emigranten aus Europa?

Nicht nur die. Die Instrumentalisten auch. Das vervollständigte natürlich den europäischen Klang. Die Studioorchester damals in Hollywood waren mit den besten Musikern besetzt, viele von ihnen europäische Juden. Wenn man ein Violinsolo von 1935, 36, 38 hört, ist das oft Toscha Seidel. Oder Louis Kaufman. Kaufman allerdings wurde in Amerika als Sohn rumänischer Juden geboren. Ein schlauer Hund. Er hat die „Vier Jahreszeiten“ wiederentdeckt und populär gemacht. Vivaldi war vollkommen in Vergessenheit geraten. Louis Kaufman spielte die „Vier Jahreszeiten“ mit dem Klavier ein und machte daraus einen Riesen-Schallplattenhit. Da ging das Vivaldi-Fieber los, in Hollywood.

Aber das ist eine andere Geschichte. Einer der bekannteren Komponisten auf Ihrem Album ist Erich Wolfgang Korngold, geboren in Wien. Er galt schon mit elf Jahren als Wunderkind.

Und er ist für mich die Schlüsselfigur hier. Ohne ihn sind viele Filmkomponisten gar nicht denkbar. Und sein Violinkonzert ist eine alte, große Liebe von mir, weil Jascha Heifetz das so unglaublich gespielt hat, für mich der größte Geiger. Auch er hat Hollywood ja sehr geprägt.

Perfektes Zusammenspiel, wie bei Glenn Gould und den Goldberg-Variationen?

So ähnlich, ja. Ich habe das Stück schon gespielt, weil ich es so liebte, aber nur für mich, privat. 25 Jahre lang. Jetzt bin ich älter geworden und etwas mutiger. Da dachte ich, ich fange mal an, es auf Konzerten zu spielen. Und habe gemerkt, wie genial dieses Stück ist. Wie es spiegelt, was in Korngolds Leben los war: die Zerrissenheit. Ihm war immer klar, dass er Musik für Filme genauso lang komponieren würde, wie Hitler an der Macht sein würde. Dann würde er anknüpfen an die Musik, die er vorher komponiert hatte. Das Violinkonzert sollte sein Comeback werden.

Sie spielen auf dem Album auch eine Filmmusik von Ennio Morricone, die Musik von „Schindlers Liste“ und die von „American Beauty“. Wie passt das zu Ihrem Konzept?

Mich hat interessiert, wie groß der Einfluss der emigrierten Musiker auf den Hollywood-Sound war. Da kam ich auf Alfred Newman, amerikanischer Jude aus Brooklyn, der als der Pate der Hollywoodmusik gilt. Er komponierte die Musik für „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Sturmhöhen“. Von ihm war es nicht weit zu seinem Sohn, Thomas Newman, der die Musik für „American Beauty“ komponiert hat, für mich eine der besten Filmmusiken überhaupt. So ging ich weiter, zu Ennio Morricone. Er war auch nach Amerika gegangen, zwar nicht im Krieg, sondern später. Aber er kam als unbekannter Orchestermusiker aus allerärmsten Verhältnissen. Und hat den Hollywoodklang ganz neu definiert.

Haben Sie ihn auch kennengelernt?

Ja, aber in einem anderen Zusammenhang. Das war hier, im Palace Hotel, ganz zufällig. Ist schon ein paar Jahre her. Hier steigen ja traditionell viele Musiker ab. Ich kam todmüde hier an, sah nur, dass nebenan der Raum voll mit Champagner trinkenden Menschen war. Das Letzte, was ich wollte, war Champagner trinken. Da stand auch schon Mstislaw Rostropowitsch vor mir, der russische Cellist, und sagte: „Mein Freund, komm rüber.“ Da gab es kein Entrinnen.

Sie haben doch Champagner getrunken.

Klar! Und er hat mich seinem Freund Ennio Morricone vorgestellt. Ich dachte, mein Gott, so was kann nur hier im Palace Hotel in München passieren. Dann hielt Rostropowitsch eine Rede, wie nur er sie halten kann, mit tausendmal zuprosten und anstoßen. Und sagte, mein großer Freund Morricone, ich freue mich jetzt schon darauf, dass du mir ein Cello-Konzert schreibst. Alle applaudierten. Es war klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis er das bekam. Denn er hat immer alles bekommen, was er wollte. Daniel Hope wurde am 17. August 1973 in Durban, Südafrika, geboren. Bald schon zog seine Familie nach Paris, dann nach London. Dort arbeitete seine Mutter bei Yehudi Menuhin. Der vierjährige Sohn begann, Violine zu spielen, und wurde später von Yehudi Menuhin unterrichtet. Mit elf führte Hope zusammen mit Menuhin Bartók-Duos für das Deutsche Fernsehen auf. Heute arbeitet er mit den großen internationalen Orchestern und Dirigenten, dirigiert viele Ensembles von der Geige aus und ist berühmt für seine Vielseitigkeit. So verbindet er oft Text und Musik, wie bei den Konzerten mit Musik aus Theresienstadt. In seinem Buch „Familienstücke“ (2007) ergründete er die Geschichte seiner Urgroßeltern in Berlin. Am 29. August erscheint sein neues Album: „Escape to Paradise – The Hollywood Album“.

So many strings to his bow…
www.stgeorgesbristol.co.uk/so-many-strings-to-his-bow/ (en), 18.08.2014

From bestselling albums and intoxicating live performances, to books, films and charitable projects, Daniel Hope is so much more than a violinist. His appearances at the Bristol Proms have left audiences breathless and charmed in equal measure, for Daniel’s exquisite skill with the violin is matched by his warm stage presence and ability to really connect with an audience. It is some twelve years since Daniel was last on stage at St George’s, so his return is long overdue; and it is in these interim years that the musician, writer, producer and activist has truly made his name.

In October St George’s becomes the focus of four nights of live broadcasts by BBC Radio 3 as the Brahms Experience unfolds. With concerts by Skampa Quartet, the BBC Singers and pianist Stephen Kovacevich, not to mention a sojourn to Colston Hall with the BBC National Orchestra of Wales, it’s a week-long celebration of one of classical music’s more misunderstood and underestimated composers. Brahms is so much more than a magnificent beard, or that lullaby…

Daniel’s contribution takes in one of Brahms’ closest friends and greatest muses, the violinist Joseph Joachim; with music by both, alongside works by Mendelssohn and Schumann.

We caught up with Daniel last month to discuss who Joseph Joachim was, why he’s so important to Brahms’ music and what audiences can expect from the concert in October.

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Daniel, we’re so looking forward to having you with us in October; when was the last time you performed at St George’s?

It was quite a while ago; it was with Paul Watkins and Philip Dukes, we did a Theresienstadt programme. This was probably twelve years ago… at least.

What can you tell us about this long awaited next visit?

It’s an homage to Joseph Joachim, who was the most instrumental and important violinist I think of the nineteenth century. He was somebody that, in so many ways, defined what the violin meant. Firstly he taught over five hundred students, he created the Royal Conservatory in Berlin; he famously introduced the young Brahms to the Schumann family and he was the one who rediscovered the Beethoven Violin Concerto. He made a very conscious decision, having studied Mendelssohn, when Mendelssohn died he moved in a sense to the other side, to Liszt – he became his concert master – and broke very famously with Liszt and crossed again to the other side and that was Schumann, Brahms and Dvořák, all of whom wrote violin concertos for him, including Max Bruch, and that’s why we have those concertos and we don’t have a violin concerto by Wagner, by Liszt. So he was really a forerunner in so many ways, his programming was exceptional; it was what we call ‘cutting edge’ nowadays, mixing genres, putting in symphonies next to chamber music, next to solo stuff, two hundred years before anybody else was doing it and he was a composer in his own right. So the concert looks at all these different influences; it looks at his composition, it looks at pieces that were written for him and it looks at his friends, so Mendelssohn, Brahms, Edvard Grieg…

But despite all of that, it’s a name that not many people would actually recognise? Is Joachim overlooked or forgotten?

I think, you know, at the end of the day it is composers whose names go down in history not interpreters, and that’s the way it is; and I think that’s the right thing because, you know, the composers write things that stay and we’re there to interpret them and share them. There was a time where everybody knew Joachim, but times have changed and his style of playing, his way of doing things I think fell out of fashion at the beginning of the twentieth century – even though he was the first violinist to actually record. There are rolls from 1904 of him, wax rolls, you can actually hear him, it’s amazing. So he was actually pretty advanced, but he belonged to the old guard and he was superseded by glittering violinists like Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin, Mischa Elman… It became more about the personality and the brilliance and the perfection, and less about the communication and the feeling of the music. So I think it was just time that took its toll on his name really. And yet there are so many hundreds of pieces that we have because of him, thanks to him.

And this concert is of course part of a five night celebration of Brahms… Is he a composer you enjoy performing?

I absolutely adore Brahms, I just couldn’t live without Brahms… I mean, his chamber music is just incredible; the piano quartets, the piano trios, the piano quintets, the sextets… where do you start and where do you stop? I just can’t get enough of it and I play a lot of his music; I’m touring two piano quartets next year. It’s got something which is so personal and so emotional, and yet it’s controlled as well; that’s the thing about Brahms, he’s a master of control and there’s just nothing quite like it. And, you know, Joachim was – for the most part of his life – his closest musical friend and they broke, split, and then at the end of their lives got back together and the present he gave Joachim was the Double Concerto. I mean what a present! So Joachim really accompanied his whole life and when Brahms thought of the violin, he was thinking of Joachim.

Do you think that Brahms is underestimated as a composer?

I think maybe he’s not everybody’s cup of tea, although he never was, funnily enough. Menahem Pressler, of the Beaux Art Trio, the pianist, he told me he went to play for Darius Milhaud back in the early forties and Mihaud asked him what he’d like to play. He said ‘I have some Debussy’ and Milhaud said ‘Great’, and then he said ‘I have some Brahms…’ and Mihaud said ‘Brahms?! Ha, that Beerhouse composer?!’ I’d never heard Brahms referred to as a Beerhouse composer, but there were people who thought he was unsophisticated and I think some of his works are overlooked; and yet look at the symphonies, look at the violin concerto, look at the piano concertos, to name a few.. incredible. He was such a perfectionist; it was once said that he threw a number of his works into the fire, apparently another four of five violin sonatas, cello sonatas, all the rest of it… he was never happy. But for me, if I had to really choose a genre it’s the chamber music; the chamber music is so incredibly broad, from the sonatas – violin, piano, cello sonatas – the clarinet trio, the horn trio, piano quartets, piano quintets… it’s one piece after the next, every single one is a masterpiece, every one, and that’s amazing.

You’re doing this concert with Sebastian Knauer, with whom you’ve worked a lot – are those kinds of ongoing collaborations important to you?

Very. I’ve worked with Sebastian for twenty years now, we’re very close friends and we travel a lot around the world and he’s a phenomenal pianist and a great musician, great partner. We devise these programmes ourselves, we sit down and work out what we want to do and how we want to do it. Particularly for Brahms you need to have a fine pianist, because these sonatas really the emphasis is on the piano; Brahms was a master pianist himself and so the piano in a sense controls the pieces. So you need to have somebody who has weight and who has real knowledge and also an empathy to it. Brahms was born in Hamburg and Sebastian comes from Hamburg as well; it’s a particular place and he feels very close to him, so I wouldn’t want to do this programme with anyone else.

St George’s of course has a fantastic acoustic; how important is a venue to your performance? Can it inspire you?

Absolutely, I mean there’s nothing nicer than when it all connects; the venue, the audience, the programme and the connection between the audience and what you get back from them – it’s a two-way conversation that’s going on. I do remember the concert we did at St George’s and I remember this magnificent acoustic, and it being very flattering for string players; you have this resonance there, but not too much, so the instruments can really sing and I think for this programme it will be just ideal.

You’re well known for a kind of ‘Musical Activism’… what other issues are out there which would benefit from a bit of musical activisim?

A lot, I mean where do you start? One thing that I think is fascinating and which is extremely important is music therapy, and what music can actually do… That’s not activism, that’s just helping, in a sense; disabled people, autistic children, senile people, alzheimers. It’s incredible the effect that music can have. People who literally don’t know anything anymore – who they are, who their loved ones are – will suddenly recite a song for you with perfect lyrics. There’s something about the connection between the brain and music which I think is amazing; the same with Autistic children, it’s had an incredibly beneficial effect on their peace of mind and on their development. So I think that’s something which needs to be pushed, actually; we need more soloists to get in on it and help and use their names to do things like that. I would link that to music education, as the next biggest problem around the world because it’s just been cut from most curriculums. So that’s a major thing that I spend a lot of time on, working for other children’s charities at children’s concerts or a number of different organisations within Europe that give instruments to kids, or give them the chance to come into contact with music – and not just classical music, music in general, music, dance, singing. Those sorts of things I’m involved with and I do a lot for the music of the composers that were murdered by the Nazis; for example, I made a film about Theresienstadt that came out last year and just this week I did a concert in Munich – a benefit concert – fundraising for families of these composers, to support them. The list is long and there are a lot of very worthy causes and I think it doesn’t take all that much actually to give a bit of help here and there.

And away from that, what’s coming next for you?

I’m about to launch a big new album for Deutsche Gramophon, it’s called Escape to Paradise and it’s about the composers who fled Europe and went to Hollywood and created the ‘Hollywood Sound’. It starts in fact before they were forced out, so it starts with the eleven year old Korngold, with bits of his Pantomime and then it goes into his Violin Concerto and then it goes into the film music of the thirties and forties, so there’s things like Ben-Hur, there’s Suspicion the Hitchcock film, then it also looks at Hanns Eisler and Kurt Weill and Franz Waxman, and I have a couple of very special guests on the album. Sting is singing a song by Hans Eisler and there’s a German chanson singer called Max Raabe who is singing a Kurt Weill song. So it’s a very broad mosaic of, in a sense, a search for the Hollywood Sound – where did it come from, and this whole European tradition which was forced out and created something very special. So that comes out in September and there’s lots of projects linked to that, touring, recording, writing, producing, filming… all sorts.

We understand you also play the Saxophone… are we likely to see you at St George’s doing a Sax recital any time soon?

(laughs) I did at some point, when I was about thirteen or fourteen. You wouldn’t want to hear it, put it that way!

Distant Drum
Classic Feel (en), 01.05.2014

While Daniel Hope was recently on a short visit to Cape Town, Lore Watterson caught up with this multifaceted artist and talked to him about the many different projects he is involved with, including A Distant Drum, which he is preparing together with his father (the South African author Christopher Hope). This portrays the musical history of a dark time for South Africa, but one lit by defiance, music, wit and style.

“I think any musician can learn an enormous amount from a great actor through the way they deliver a phrase, and he really manipulates his voice in the most extraordinary way”

Lore Watterson: You are celebrated in the media as a British violinist, looking at your history, how do you see yourself?

Daniel Hope: That’s a very good question actually. I see myself as European. Of course I’m South African born, so my soul is here, it always has been. But I spend so little time here, you know we left when I was a baby, I grew up in England so I sound English and I went to school there, so my earliest influences and musical abilities are all associated with London. But I’ve lived out of the UK for so many years. When I was 18 or 19 I went to Lübeck to study, and then to Hamburg. Then I went to Amsterdam, and now I live in Vienna so I’ve always had this peripatetic existence, but Europe is where I really feel at home. I don’t tend to differentiate between where that is, I just love Europe. I love travelling, I love coming back here and I love travelling to other places but my old soul is Europe. And certainly German-speaking Europe because, on my mother’s side, there is such a strong German connection.

LW: You have published books in German about a Jewish family living in Germany. Is it about your mother’s family?

DH: Yes, it was a very strong Jewish family going back to the 15th century in Potsdam and Berlin, and they converted to Christianity in the 19th century, as many did, and were fiercely patriotic Germans until the Nuremburg Gazette where they were no longer Germans. As a result they lost everything and had to flee, so most of them came to South Africa, some to America, but my grandmother came here.

LW: How important is the ‘Jewishness’ in your family?

DH: For me personally, it is very important because it’s at least half of my identity. On the other hand I’m an extremely unusual mixture; my father is Roman Catholic, my mother is Protestant, although she has this very strong Jewish background. On the Jewish side, in particular my mother’s family, and the first book I’ve written is about the family and the house in Berlin, which is a fascinating house and the story of what happened to this house. It took me on a journey to discover more of my Jewish roots and they go back so far, back to the first rabbi of Potsdam. We were actually related, so there’s no escape from my Jewish roots. I don’t identify myself as Jewish although I have great empathy towards the Jewish religion and to that genetic makeup in me.

LW: There are lovely traditions that are part of celebrations…

DH: Absolutely, and the music of course: the violin is one of the ultimate instruments. The whole idea of children singing with their mothers, the accompanying violin is always present. It’s something very close to the Jewish soul and I identify greatly with that.

LW: Besides writing, I see you’ve done some very interesting projects with Klaus Maria Brandauer, for example, you performed Dietrich Bonhoeffer’s letters together.

DH: They’re amazing, they are the letters from Aus der Haft as he was in the prison in Tegel and awaiting his execution. They are the most extraordinary documents, because on the one hand, they are the letters home to his family where he maintains this angelic reverence; and then there are his diaries where he speaks his feelings and his mind, which are of course terrifying. The juxtaposition of course with Brandauer, who is such a great actor, is that we do performances together where he will read and I will play, and the emotions within the letters and the diaries, I try to match in the music that I play. We have music and text, and we try to bring these genres together. There are moments where I will improvise to his voice, as his voice has the most amazing colours, and then there are moments of pure music and pure text. He is one of my closest friends, we’ve worked together for the last 15 years, and for me he’s one of the greatest actors in the world. I think any musician can learn an enormous amount from a great actor through the way they deliver a phrase, and he really manipulates his voice in the most extraordinary way.

LW: You did Goethe’s Faust as well? Of course Brandauer being such a famous Mephisto.

DH: Yes, we did, and the Soldier’s Tale of Stravinsky. We also did a wonderful evening called Böhmen liegt am Meer, which is a story of the Czech Republic from the middle ages up to present day, with texts by Czech poets and music by Dvořák and Janáček. We’ve also done a Don Juan evening together. We usually meet four or five times a year to do one or two projects. I admire him enormously and he was one of the first great actors I worked with, and the first one to try new forms of presentation and trying to find a hybrid. That’s actually why I’m here in Cape Town for this new project I’m doing with my father, which is also going to be a totally new form of music and visual presentation.

It’s a project for Carnegie Hall, they’re doing a big South African festival in October this year, which will be 18 or 19 days with an amazing collection of South African artists, musicians, dancers etc. They’re all being shipped over to Carnegie Hall. Carnegie came to me about a year ago and asked me to come up with something, whatever I wanted, as long as it was big. So the first person I called was my dad, and I told him it was time we did something together. I’ve always admired his writing and I’ve always wondered if there was a way for us to get together. He was thrilled at the idea, so I told him to come up with the story and then we’d piece it together from there. He came back and told me there was someone he wanted to write about, and that was Nat Nakaza. He was one of the great literary voices of the 60s. He was with Drum magazine, and was forced out of this country and went to New York, but he became disillusioned with America and killed himself. So my dad had always been fascinated by Nakaza’s story and wanted to find a way to tell the story. I was only too pleased and said I’d get the music together. I went to Carnegie Hall, they loved it. I told them I’d love to, in a sense, create a modern day South African soldier’s tale. You take the idea of a piece to be sung, danced, semi-staged, so it’s not music theatre, or an opera or a concert – it’s a tale that’s told and somehow illustrated with music. All of this based on Nat Nakaza. Carnegie took it like a shot, so I called Andrew Tracey and asked him to be a musical guide, as I needed help to get the sounds of that time. We decided we needed two actors, so we chose John Kani’s son, Atandwa Kani, who is very talented – he will play Nat Nakaza. The second actor is a fantastic young Afrikaans actor named Christiaan Schoombie and he will be the counterpart, almost like the devil quality. We have a wonderful theatre producer, Mannie Manim, and it will be played in Bloemfontein on the 13th and 14th of October this year, and the Carnegie Hall performance will be the 28th of October. After that I’d like it to go around the world as I think it has the potential to be something very special. I believe Nakaza is not as well known as he should be, perhaps even forgotten about, and yet his wit, energy, rhythm and take on life and apartheid was so singular. His humour and his restraint, was yet so biting. My father has written this beautiful, poignant, dramatic play, and it’s my job to bring these people together. I have some fantastic musicians as well, such as Jason Marsalis, brother of Wynton Marsalis, as well as a young French cellist, François Sarhan, who works a lot with Sting. So that’s the reason I’m here; My father turned 70 yesterday, and I’m meeting up with Mannie.

LW: Why did you choose Bloemfontein?

DH: We have an excellent director, Jerry Mofokeng, and one of his main gigs is at the theatre in Bloemfontein. Tom Morris, who also did War Horse, is very interested in taking it.

LW: I’ve interviewed a lot of musicians, and what I found very interesting about you is that you manage to do it with your music and you are breaking out doing other things as well. Is that something you feel, that you need different outlets other than playing the violin?

DH: Yes I do, and we were raised that way by my father, to always have an opinion. He encouraged us to write, and I started at the age of 14 or 15 (writing for school papers), and I quickly realised writing was an extension of music for me. When I made my first few CDs I interviewed the composers and wrote the booklet text, which at the time was very unusual. Early in my 20s I started the Theresienstadt Project (also known by its Czech name as Terezín), a garrison town 60 km north of Prague, the central collection point or ghetto for between 50 000 and 60 000 Czech Jews) and interviewing survivors. This all led to what I do now, I am now writing my fourth book, which is about composers who fled Europe and went to Hollywood. I’ve just completed a new album which is coming out at the end of the year, featuring those composers from the 1930s and 40s. I’m going to LA next month to interview some surviving composers from that time.

LW: When you were young, was it your desire to play an instrument, or your parents?

DH: Yes it was me. My parents didn’t know much about music other than that they loved it. We left South Africa because my father’s books were banned here, so we went to England. My father took teaching jobs to make ends meet, but we ran out of money. My mother had trained as a secretary in SA, and she went to an agency who had two job offers, one being the secretary to Yehudi Menuhin. It was meant to be just for six months but six months became 26 years, and so in a split second our lives changed. Had that not happened we’d be living in South Africa and things would be very different. So my mom would take me with her to work everyday, which was Yehudi’s house, and I would listen to the music all day, and not just Menuhin’s – it was the people who came there, like Ravi Shankar. At the age of four, it was probably not a great surprise when I said I’d like to be a violinist. My mom found a lady nearby who specialised in teaching young kids and I started with her and that’s what ignited that spark. Then when I was about 15, Menuhin took an interest as he realised I was actually serious about this. Then when I was 18, I realised I didn’t just want to be a violinist, I wanted to be a musician.

LW: …and so much more than ‘the British violinist Daniel Hope’. CF

Daniel Hope liebt die ganz besondere Schwingung
Westfälische Nachrichten, 21.02.2014

Steinfurt – Violinvirtuose Daniel Hope hat jetzt zweimal die Bearbeitung von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ von Max Richter in der Bagno-Konzertgalerie gespielt. Mit unserem Redaktionsmitglied Hans Lüttmann sprach er darüber.

Mr. Hope, Sie haben Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ einmal „eines der heiligsten Stücke der Musikgeschichte“ genannt. Was bedeutet das nun für einen Violinisten?
Daniel Hope: Dass er es wie kaum ein anderes Stück in- und auswendig kennt, ja, dass es sich sozusagen in sein Gehirn eingebrannt hat. Ich selber spiele es seit meinem achten Lebensjahr. Und eben hier im Bagno bei der Zugabe, wo wir das original Vivaldi-Presto aus dem Sommer gespielt haben, puh, da hatte ich echte Probleme, nicht wieder in die Richter-Komposition zu rutschen.

 

Als Max Richter Sie gefragt hat, ob Sie seine recomposed, also neu komponierte Fassung aufnehmen wollten, was bedeutete das?
Hope: Vor allem ganz viel üben. Was Richter da komponiert hat, ist zwar annähernd 90 Prozent Richter, aber oft liegt seine Komposition doch nur einen Hauch neben dem Original.
Eröffnet so ein Stück modern interpretierter Klassik eigentlich auch jungen Leuten den Zugang zu einer Musik, die sie oft als altbacken und verstaubt abtun?
Hope: Oh ja, wenn ich an eines unserer Konzerte neulich in London denke, da waren viele 25-, 30- und 35-Jährige, die diesen Vivaldi total toll fanden. Man muss dazu auch wissen, das Max Richter in England sehr populär ist.

Anders ist doch sicher auch dieser kleine Saal, der gerade mal 250 Zuhörern Platz bietet?
Hope: Aber das macht überhaupt keinen Unterschied; ich liebe diese kleinen Säle. Ich möchte natürlich die Carnegie Hall nicht missen, aber hier, wo ich schon zum ich glaube fünften Mal spiele, da spüre ich diese Vibes, ich weiß kein deutsches Wort dafür, diese ganz besondere Schwingung.
Etwas Besonderes klemmt da ja auch auf Ihrem Notenständer, ein Heft ist es nicht.
Hope: Nein, das ist ein iPad. Unten habe ich Fußpedale, mit denen ich die Noten weiterblättern kann. Eine wirklich tolle Sache, eine App für zweifünfzig, aber da stecken ganze Partituren drin.



2013


Neuer Film, neues Buch, neue CD
Die Welt, 23.08.2013

Schwerin – Stargeiger Daniel Hope ist unter die Filmemacher gegangen. Wieder eine neue Rolle für den 40-Jährigen.

Sein Publikum kennt ihn als herausragenden Interpreten klassischer wie neuer Musik, ferner als Buchautor, Moderator und Festival-Organisator. Der Dokumentarfilm, der im Herbst auf DVD erscheint und den Hope mitproduziert hat, erzählt die Geschichte des KZ Theresienstadt aus der Sicht zweier Überlebender.

Die beiden sind Musiker. Die inzwischen 109-jährige Pianistin Alice Herz-Sommer interviewte Hope in ihrer Londoner Wohnung, mit dem Jazz-Gitarristen Coco Schumann (89) fuhr er nach Theresienstadt. Dort war Schumann als junger Mann interniert, ehe er nach Auschwitz deportiert wurde. «Das war ein sehr groß angelegtes Projekt», erzählt Hope über den Film, bei dem Benedict Mirow Regie führte. Zum Projekt gehörte auch ein Konzert mit Musik aus Theresienstadt mit der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter in München. Die DVD soll in Schulen im Musik- und Geschichtsunterricht gezeigt werden.

Hope arbeitet zudem an einem neuen Buch, das nächstes Jahr erscheinen soll. Bisher hat der Brite zwei launige Bände über den klassischen Konzertbetrieb («Wann darf ich klatschen?») und über kleine und größere Katastrophen auf den Konzertpodien dieser Welt («toi toi toi») veröffentlicht. In «Familienstücke» erzählte er die Geschichte seiner weit verzweigten Vorfahren in Europa. Jetzt recherchiert Hope über Komponisten, die in den 1930er Jahren vor den Nazis flohen und in Hollywood landeten. «Dazu gehört auch ein CD-Projekt», sagt er. Mehr soll noch nicht verraten werden.

«Ich möchte gerne Neues erleben», bekennt Daniel Hope. Dafür gibt er anderes auf. So legt er in Kürze sein Amt als Künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern nieder, das er seit 2010 an der Seite von Intendant Matthias von Hülsen innehatte. Der Antritt des neuen Intendanten Markus Fein im Herbst 2013 ist für Hope der richtige Zeitpunkt. «Man ist im Sommer viel gebunden, wenn man bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern in der Planung engagiert ist», sagt er. «Die Festspiele sind ein Riesenbetrieb geworden.» Mehr als 100 Konzerte finden jährlich statt.

Der bestens vernetzte Musiker hatte seinerzeit den Auftrag erhalten, das Klassikfestival internationaler zu machen. Hope organisierte einen Brückenschlag nach Amerika, wo er seit zehn Jahren das Savannah Music Festival im US-Staat Georgia als Künstlerischer Direktor maßgeblich prägt. Eine Kooperation mit dem Lincoln Center und der Carnegie Hall-Academy in New York brachte junge und etablierte Spitzenkünstler aus den USA nach Mecklenburg-Vorpommern. «Es sind zwei völlig verschiedene Welten, die wollten wir zusammenbringen», erklärt Hope. Wunderbare Freundschaften seien entstanden. Ende August und Anfang September gibt es noch einmal drei Konzerte des «Lincoln-Center-Projekts» in Fürstenhagen, Kotelow und Schwerin.

Als Violinist bleibt Hope den Festspielen erhalten, versichert er. Sein Publikum würde ihn auch schmerzlich vermissen, man kennt sich seit 15 Jahren. 1998 gewann Hope mit dem London International Piano Trio den Ensemblepreis der Festspiele, 2006 war er der erste «Künstler in Residence». Eine Saison ohne den charmanten Rotschopf mit der immer höher werdenden Stirn ist für viele schlichtweg undenkbar. «Daniel Hope ist das künstlerische “Urgestein” unserer Festspiele», sagt Festivalgründer von Hülsen. «Er hat uns wie kein Zweiter als Preisträger, Preisträger in Residence und künstlerischer Direktor zu internationalem Profil verholfen.»

Seit er seinen Abschied aus der Führungsriege der Festspiele verkündete, habe er jeden Monat ein Angebot bekommen, ein neues Festival zu gründen oder eines zu übernehmen, erzählt Hope. Er hat sie aber alle ausgeschlagen. Das liegt einerseits an den vielen neuen musikalischen Projekten, die er vorhat. Dazu gehört ein Violinkonzert, das Gabriel Prokofjew, der Enkel von Sergej Prokofjew, für ihn komponiert. Andererseits wartet im Herbst eine Rolle auf ihn, die den Musiker, Organisator und Weltmann ganz neu herausfordern wird: Ende November wird Daniel Hope zum ersten Mal Vater.

Das Publikum wird oft unterschätzt
Süddeutsche, 04.10.2013

Der Geiger Daniel Hope gehört zu den interessantesten Künstlern seiner Generation. Ein Gespräch über Fleiß, Kommunikation und guten Rotwein

Von Florian J. Haamann

Daniel Hope gehört zu den wichtigen Namen der klassischen Musik. Nicht nur, weil er ein hervorragender Geiger ist, sondern auch, weil er ein charismatischer Botschafter seines Genres ist. Denn die Kommunikation mit den Hörern ist für ihn ein ganz wichtiger Teil seiner Arbeit. Egal ob im Internet, in Interviews oder während seiner Konzerte. In seinem aktuellen Album “Spheres” beschäftigt er sich mit der Idee der Sphärenmusik. Der antiken Vorstellung also, dass Himmelskörper bei ihren Bewegungen Töne produzieren, die einen für den Menschen unhörbaren harmonischen Gleichklang bilden. Am Wochenende gastiert er mit dem Münchner Orchester am Jakobsplatz in der Stadthalle Germering und präsentiert Ausschnitte aus seinem Album sowie eine von Max Richter bearbeitete Version von Vivaldis Vier Jahreszeiten.

Herr Hope, Sie haben einmal die klassische Musik mit einem Glas guten Rotweins verglichen. Was haben Sie denn damit gemeint?
Daniel Hope: Ich wurde damals gefragt, was der Unterschied zwischen Pop- und klassischer Musik ist. Und da habe ich, vielleicht etwas voreilig, die beiden mit Champagner und Rotwein verglichen. Für mich ist es so, dass der Champagner eben sofort wirkt, man bekommt einen leichten Rausch und nach ein paar Tagen oder schon am nächsten Morgen, weiß man nicht mehr genau wie er geschmeckt hat.

Und der Rotwein?
Bei einem tollen Rotwein ist es so, dass es manchmal sehr viel Zeit braucht, bis er schmeckt, bis man versteht, wie komplex er ist. Und wenn man einen wirklich ausgezeichneten Tropfen zu sich nimmt, dann kann es sein, dass man sich noch Jahre später genau an den Geschmack erinnert.

Was ist Ihnen eigentlich lieber? Ein gutes klassisches Konzert oder eine gute Flasche Rotwein zusammen mit Freunden?
Das ist wirklich schwierig. Natürlich ist die Musik für mich das Wichtigste. Aber Musik ohne Freundschaft und ohne eine gewisse Liebe ist auch unvorstellbar für mich. Und ich genieße die Gesellschaft von guten Freunden sehr. Dazu gehört es für mich auch, einen tollen Tropfen Wein zu verkosten. Aber selbst der beste Wein der Welt wäre nichts ohne Musik. Von daher ist für mich immer Musik an erster Stelle.

Setzen Sie sich auch mal zu Hause hin und hören eine CD, oder gehen Sie vor allem in klassische Konzerte?
Das mache ich wirklich wahnsinnig gerne. Nicht so oft, weil ich kaum zu Hause bin. Wenn ich aber tatsächlich mal den Luxus habe, daheim zu sein, dann gibt es für mich nichts Schöneres, als diese alten Aufnahmen. Insbesondere die ganz alten Geiger vom Anfang des 20. Jahrhunderts – und dabei einen wunderbaren Tropfen. Mehr geht nicht.

Erinnern Sie sich an die letzte CD, die Sie gehört haben?
Ich muss sagen ich bin etwas faul und auf MP3 umgestiegen, weil es so einfacher ist, meine gesamte Plattensammlung abzurufen, die Tausende CDs und Platten beinhaltet. Aber ich höre immer sehr gerne die großen Meister wie Fritz Kreisler, Adolf Busch, Mischa Elman und Jascha Heifetz. Also das sind für mich die Sternstunden.

Und auf Ihrem MP3-Player ist nur Klassik, oder auch etwas anderes?
Auf meinem Player ist einfach alles zu finden. Von Popmusik über indische Musik, Jazz, bis hin zu Neuerem, Experimentellem. Und natürlich auch Oldies. Wirklich bunt gemischt eben.

Gibt es auch aktuelle Popmusik, die Ihnen gefällt?
Das ist problematisch. Also es gibt einen sehr interessanten Künstler, den ich relativ oft höre: Devendra Banhart. Der macht eine Art von Popmusik, die ich interessant finde. Das bedeutet, er hat etwas zu sagen. Es ist nicht dieser massenproduzierte Pop, sondern bei ihm sind wirklich sehr viele Gedanken dahinter. Die Texte sind witzig, spritzig und er malt in musikalischen Farben, die mein Ohr aufhorchen lassen. Aus diesem Grund muss ich sagen, dass ich mehr Affinität zu den älteren Popmusikern habe, wie zum Beispiel Prince oder teilweise auch Sting, das ist die Art von Melodien, von Musikaufbau, der mir mehr zusagt als etwas, bei dem es einfach nur um Rhythmus und Klang geht.

Warum gibt es das in den jungen Generationen nicht mehr?
Ich weiß es nicht genau. Also beispielsweise ein Bob Dylan, der seiner Zeit einfach aus der Seele gesprochen hat, der fehlt heute. Manchmal, bei Künstlern wie Lady Gaga zum Beispiel, entdecke ich noch Seiten, die ich tatsächlich sehr spannend finde. Aber das meiste ist einfach im Studio so glattgebügelt, von der Stimme bis hin zur Instrumentierung, dass es mein Gehirn sozusagen völlig kalt lässt, und bei dieser Musik muss ich einfach sofort wegschalten, das kann ich nicht ertragen…

…dann hören Sie wahrscheinlich auch selten Radio?
Manchmal hört man vielleicht ein schönes Lied, aber dann geht’s gleich wieder daneben. Und damit ich dann nicht direkt einen Unfall baue, wechsle ich doch lieber den Sender.

Sie sprechen viel von Ihrer Liebe zur Musik. Wie definieren Sie eigentlich ihre Rolle als Musiker?
Es geht mir darum , die Musik dieser gigantischen Komponisten weiterzugeben, ihre Gedanken für das Publikum zu übersetzen. Und dabei einfach zu wissen, dass wir als Interpreten ganz klein gegen einen Mozart oder einen Beethoven sind. Lächerlich klein sozusagen. Aus diesem Grund ist es extrem gefährlich, sich als Interpret zu ernst zu nehmen. Wir haben eine Rolle und wir haben eine eigene Persönlichkeit, das muss natürlich rüber kommen. Aber das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, diese Musik lebendig zu machen.

Ist das klassische Konzert, bei dem ein Musiker im Mittelpunkt steht, dann überhaupt die richtige Form, um Musik zu vermitteln?
Ich denke schon. Man muss die Leute erst einmal in den Saal locken und dort muss man sie dann abholen, sie ein bisschen bei der Hand nehmen. Ich tue das, indem ich meistens ein Programm gestalte, von dem ich das Gefühl habe, dass es eine Geschichte erzählt. Bei Konzerten erzähle ich manchmal etwas über die Stücke, bevor oder während ich sie spiele. Damit das Publikum merkt, dass da mehr dahinter ist, als nur die Musik. Das Publikum wird meines Erachtens nach viel zu oft unterschätzt und man müsste ihm manchmal mehr bieten, als wir es tun.

Was den Publikumskontakt angeht, gehören Sie zu den besonders aktiven klassischen Musikern. Würden Sie sich in dieser Beziehung mehr Kollegen an Ihrer Seite wünschen?
Das ist ein schwieriges Thema. Ich verstehe meine sehr geschätzten Kollegen, die sagen: “Nein, das ist nicht mein Ding. Ich spüre Musik anders, ich möchte sie spielen und nicht darüber sprechen.” Das muss man akzeptieren und respektieren. Trotzdem es gibt Künstler, die das wirklich toll können, und ich finde, dass die, die bereit sind diesen Weg zu gehen, noch viel aktiver und energischer sein müssten. Weil man einfach sieht, was für eine Resonanz und was für ein enormer Austausch da stattfindet.

Wie könnte man denn mehr Künstler dazu bringen?
Ich finde, man müsste jungen Künstlern von vorneherein beibringen, wie man mit dem Publikum kommuniziert. Ob sie das dann einsetzen, ist deren Sache. Aber sie sollten wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Da geht es nicht nur darum, zu moderieren oder zu sprechen, sondern auch, Konzertserien zu planen oder ein kleines Festival zu gründen. Oder einfach mal über Programmierung nachzudenken. Wenn sie zurückgehen ins 19. Jahrhundert und sich Josef Joachim, Johannes Brahms oder Felix Mendelssohn anschauen: Was die für Programme konzipiert haben, ist der Wahnsinn. Heutzutage sind wir weit davon entfernt, so erfinderisch zu sein wie diese Künstler damals. Natürlich muss das Technische dabei immer an erster Stelle bleiben.

Sie selbst überraschen ständig mit neuen Projekten. Sind Sie eigentlich ein Mensch, der schnell das Interesse an alten Dingen verliert, oder haben Sie einfach eine unstillbare kindliche Neugier?
Ich sage immer, ich leide an einer Überdosis kreativer Ideen. Mein Problem ist, dass ich überall Dinge finde, die mich neugierig machen. Und das geht eigentlich immer über meine Ohren. Ich höre etwas und dann entstehen Ideen, Projekte, Konzepte in meinem Kopf, und wenn ich mich ihnen widme, dann entsteht nicht nur ein Konzert, sondern ein ganzes Programm, ein Projekt. Manchmal trage ich diese Ideen jahrelang mit mir herum.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Das Spheres-Projekt hatte ich im Kopf, seit ich acht oder neun bin. Nicht in dieser Art und Weise natürlich, aber die Idee mit den Planeten, der Musik, den Sternen. Trotzdem habe ich über 25 Jahre darüber nachgedacht, bis ich irgendwann eine BBC-Radiosendung gehört habe, in der Wissenschaftler darüber gestritten haben, ob es dieses Phänomen überhaupt gibt und wenn ja, wie man es beweisen könnte. Und plötzlich hatte ich die Idee, Stücke zusammenzubauen, die einen sozusagen anderswohin transportieren. Sie sehen, ich verliere das Interesse nicht schnell, ganz im Gegenteil. Es dauert manchmal wahnsinnig lange – und dann lasse ich nicht mehr los.

Wie war das denn damals in der Schule mit Ihrem kreativen Überschuss?
Das war ein Desaster für mich! Ich habe die Lehrer, meine Freunde und meine Eltern in den absoluten Wahnsinn getrieben. Ich wollte immer alles sofort wissen und verstehen. Und so bin ich noch heute. Wenn ich merke, ich kann etwas nicht wirklich gut, dann lasse ich es lieber. Das ist mir geblieben: dieses Ehrgeizige, diese Entdeckerseite.

Hat sich Ihr Verhalten in der musikalischen Ausbildung geändert?
Das war sehr interessant. Als ich angefangen habe, richtig Geige zu lernen, habe ich gemerkt, wie weit ich von anderen Geigern in meinem Alter entfernt war. Ich habe verstanden, dass ich richtig hart arbeiten muss, um auf dieses Niveau zu kommen. Das war eine komplette Umstellung meiner Gedanken, und das war gut so. Weil mich das zurück auf den Teppich gebracht hat, den Teppich der Realität. An dem ich bis heute klebe. Das heißt, ohne tägliche Übung ist es für mich nicht machbar.

Wie lange üben Sie denn am Tag?
Wenn ich die Chance habe, sechs Stunden. Und wenn ich das nicht schaffe, was natürlich beim Reisen sehr oft passiert, dann sind es mindestens vier Stunden. Aber ohne das ist es einfach nicht machbar, ein Berg-Violinkonzert, ein Strawinski-Violinkonzert oder einen Schostakowitsch zu bringen. Auf der Geige wird dir kein einziger falscher Ton verziehen. Dann steht es gleich in den Zeitungen und ist am nächsten Tag bei Youtube zu sehen und wird kommentiert von Menschen, die auf einmal die besten Kritiker sind.

Sie sind also jemand, der sehr hart und intensiv arbeitet. Wie war das bei Ihrem aktuellen Album?
Ich habe mich an den Computer gesetzt und angefangen zu recherchieren. Welche Stücke könnte man für eine sphärische CD verwenden? Schnell hatte ich ungefähr 3500 zusammen und mir war klar, dass das niemals auf eine CD passt. Also habe ich alles verworfen und mir einen neuen Ansatz überlegt.

Und zwar?
Ich habe darüber nachgedacht, ob es möglich wäre, in relativer kurzer Zeit Komponisten zu beauftragen, etwas zu schreiben. Dann habe ich mich hingesetzt, mir Komponisten angehört und die ersten Anfragen gestartet. Und plötzlich war da die Idee einer Reise mit kürzeren Stücke, Mosaiksteinchen quasi. Zusätzliche habe ich dann Stücke genommen, die es schon gab und von denen ich das Gefühl hatte, sie treffen die Idee von außerweltlicher Musik. Das ist natürlich immer eine ganz persönliche Idee. Es mag Leute geben, die sagen, das alles hat mit Sphärenmusik nichts zu tun. Für mich hat es das.

Was war für Sie besonders wichtig bei der Konzeption des Albums?
Die Dramaturgie. Wie ein Stück ins andere übergeht, wie die Tonart ist, wie es sich verändert. Ich versuche, den Hörer dazu zu bringen, dass er auf diese Reise mitgeht. So habe ich alles über lange, lange Zeit immer wieder zusammengepuzzelt.

Haben Sie aus der Beschäftigung mit diesem Thema auch eine persönliche Erkenntnis gezogen?
Der Kern dieses ganzen Prinzips ist für mich folgender: Was Musik ist, kann man nicht messen, nicht beschreiben. Die Emotionen, die sie aus den Leuten herauskitzelt. Dennoch, so die mathematische Aussage, ist die Schwingung berechenbar. Dieser Gegensatz fasziniert mich. Und er zeigt mir, dass die Musik über allem steht.

Am Wochenende spielen Sie gemeinsam mit dem Orchester Jakobsplatz aus München. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
Ich bin schon vor einiger Zeit auf dieses Orchester aufmerksam geworden, weil die Programme, die es gemacht hat, in meinen Augen sehr spannend waren. Und ich habe nach einem Orchester gesucht, das Zeit und Lust hätte, das Projekt zu machen. Dann haben wir das zusammen geprobt und im März in München zum ersten Mal gespielt. Das hat große Freude gemacht. Und daraus ist die Idee einer weiteren Aufführung gekommen.

Wie würden Sie das Orchester beschreiben?
Ich finde, der Zugang zum Repertoire ist etwas, was das Orchester ausmacht. Der Chefdirigent Daniel Grossmann macht das in meinen Augen sehr gut, indem er verschiedene Musikepochen miteinander kombiniert und natürlich auch indem er das Repertoire mit dem Jüdischen verbindet. Außerdem finde ich, dass es ein sehr energiegeladenes Ensemble ist, das aus sehr guten Musikern besteht. Solche Kammerorchester mag ich einfach gerne, mit denen man offen kommunizieren kann.

Haben Sie eigentlich schon einmal in der Stadthalle Germering gespielt?
Nein, noch nie. Es ist immer schön, nach so langer Zeit – ich stehe seit 25 Jahren auf der Bühne – noch eine neue Stadt entdecken zu dürfen, eine neue Halle, ein neues Publikum. Das ist wunderbar. Es gefällt mir, dass ich mit 40 Jahren sozusagen noch mein Debüt geben kann.

Aber bestimmt haben Sie sich schon umgehört, wie die Akustik ist.
Ich habe tatsächlich schon seit langem immer wieder von diesem Saal gehört. Die Leute haben ihn mir sehr ans Herz gelegt, nur leider hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit dort zu spielen. Deswegen freue ich mich sehr auf das Konzert.



2012


Der Druck auf junge Künstler wächst
Lëtzebuerger Journal, Luxemburg, 21.06.2012

Star-Violinist Daniel Hope im “Journal” Gespräch

Artikel

Festival international de musique Rencontre avec Daniel Hope – Soliste et chef d’orchestre
DNA.fr, 05.07.2012

Le chef d’orchestre Daniel Hope participait hier pour la 3 e fois au festival international de musique de Colmar
Au 2 e jour du festival international de musique, le Britannique Daniel Hope dirigeait l’orchestre de chambre de Stuttgart, hier soir, à l’église St-Matthieu. Réputé être un des meilleurs violonistes du monde, il se produisait également en tant que soliste.
Le musicien présente sa vision de la musique et du festival, auquel il participe pour la troisième fois. Sa première apparition au festival colmarien date de 1993, lors de l’hommage à Yehudi Menuhin, il avait 19 ans.
Pourquoi avez-vous tenu à participer à ce festival hommage à Karl Münchinger ?
http://www.dna.fr/edition-de-colmar/2012/07/05/soliste-et-chef-de-orchestre
J’ai accepté l’invitation, d’abord parce que c’est un festival que j’adore. C’est une telle expérience en tant que musicien. Il y a une combinaison entre le lieu magique, les bons musiciens et le sérieux de la programmation.
Ensuite l’hommage à Karl Münchinger me touche car j’ai déjà joué de nombreuses fois avec l’orchestre de chambre de Stuttgart (Ndlr : orchestre créé en 1945 par Karl Münchinger, et dirigé par lui-même jusqu’en 1988).

Aviez-vous déjà eu l’occasion d’entendre Münchinger en direct ?
Malheureusement non, je ne l’ai entendu que sur CD. Mais certains des musiciens de l’orchestre de chambre de Stuttgart en font partie depuis 30 ans et connaissaient Münchinger. Et ils m’ont raconté tellement d’histoire sur lui que j’ai l’impression de le connaître.
Pour ce concert, vous étiez chef d’orchestre mais également soliste.Comment est-ce que vous arrivez à combiner les deux en même temps ?
En fait je n’étais pas chef d’orchestre à proprement dit. Je n’avais pas de baguette, juste mon violon et mon archer, et je dirigeais avec mon violon. On joue tous ensemble. On communique beaucoup avec les yeux, mais surtout avec les oreilles. Et puis on est plus rapprochés les uns des autres.

Comme une fontaine de jouvence
Pendant le festival, vous jouez les morceaux de compositeurs réputés comme Bach, Mendelssohn ou encore Vivaldi, en hommage à un autre musicien qui les a joués. Est-ce qu’il reste de la place pour votre touche personnelle ?
C’est vrai qu’il s’agit de la musique de compositeurs extraordinaires. Elle existe depuis 200 ou 300 ans mais malgré tout, on peut toujours la redécouvrir, il y a parfois des surprises.
C’est un peu comme une fontaine de jouvence, qui fournit toujours de nouvelles inspirations. Par exemple à l’époque de Bach, les morceaux se jouaient plus lentement, avec des gros sons, très romantiques. Aujourd’hui la façon de jouer est différente, plus rapide et légère. Mais ce n’est pas moins bien. En musique il n’y a pas de bien ou de mal, seulement des regards différents.

Die erste Geige
Mercedes Magazin , 15.07.2012

Daniel Hope ist ein begnadeter Violinist mit missionarischem Eifer: Als Musiker,
Autor und auch als künstlerischer Leiter der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern
setzt er sich dafür ein, den Menschen die klassische Musik näherzubringen.

Interview: susanne benda   LINK



2011


History’s most influential violinist?
Time Out, 02.03.2011

Le violon romantique de Daniel Hope
Le Soir, Belgium, 16.03.2011

Daniel Hope et le violoniste du moment.

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Le Violon romantique de Daniel Hope
Le Soir, 16.03.2011

Entretien Daniel Hope est le violoniste du moment. Il accompagne l’Orchestre national de Belgique en tournée en Allemagne. Il consacre un album à Joseph Joachim. Et il joue ces vendredi et dimanche à Bruxelles.

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Il a reçu le Prix Caecilia pour son enregistrement de la version originale du concerto pour violon de Mendelssohn. Il publie un CD consacré à la personnalité de Joseph Joachim (DG). Il accompagne l’Orchestre national de Belgique (ONB) dans sa tournée allemande en avril. Et il joue le concerto de Max Bruch à Bruxelles ce week-end. Le violoniste Daniel Hope est le musicien du moment.

Votre parcours est très original.
J’aime faire des choses très différentes. C’est vrai que je ne suis pas le prototype des élèves de Zakhar Bron, mais j’ai pour lui une profonde gratitude car il a, comme personne, la capacité de vous ouvrir aux contraintes physiques et techniques qui vous attendent dans votre carrière. Et ensuite, j’ai joué six ans et demi avec le Beaux Arts Trio dont j’ai été le dernier violoniste : une cohabitation quotidienne avec Haydn, Beethoven, Schubert, Brahms et le bonheur de faire de la musique de chambre avec Menahem Pressler.

Pourquoi consacrez-vous un disque entier à Joachim ?
Parce que c’est un immense violoniste et un visionnaire. À une époque où triomphent les acrobaties à la Paganini, Joachim, lui, s’intéresse aux sonates de Bach. Il programme des concerts inédits : Bach au violon, Beethoven ou Brahms au piano, des sonates pour les deux instruments et, ensuite, un quatuor à cordes. C’est la musique à l’état pur

Est-il vraiment l’homme des grands classiques ?
Dès ses débuts. À 12 ans, il joue le concerto de Beethoven avec Mendelssohn à Londres. Il côtoie tout ce que l’Allemagne compte de compositeurs et, à un moment, choisi Brahms et Schumann par rapport à Liszt et Wagner. Et il inspirera quasiment tous les grands concertos : ceux de Brahms, mais aussi ceux de Dvorak ou de Max Bruch. Mais c’était aussi le premier grand soliste romantique : non pas au sens de l’exubérance fatale d’un ténébreux ravagé mais comme l’expression la plus intense de ce que l’on a de plus fort en soi.

Joachim effectuait ses propres transcriptions, notamment des « Danses hongroises » de Brahms.
Joachim adorait réaliser des transcriptions : je trouvais donc normal de lui en offrir une dans ce disque d’hommage. J’ai donc transcrit un lied de Schubert. Jeune, j’écoutais en boucle son enregistrement de trois Danses hongroises de Brahms. Mais pour ce disque, j’ai préféré un accompagnement de cordes parce que je trouve que l’on y retrouve davantage l’esprit hongrois qu’avec le seul piano. Joachim se sentait profondément hongrois. Au seuil de la mort, il a demandé qu’on lui joue des czardas.

Quand on entend votre attaque du premier concerto de Bruch, on est frappé par le souffle et le sens de grande ligne de votre interprétation. C’est cela l’héritage de Joachim ?
Bruch ouvre un grand champ de vision. Dès son entrée, le violon crée les fondements de la pièce et on le suit dans la ferveur, sachant que l’on a besoin d’espace. La grande ligne soutient tout l’édifice. Vous ne savez pas encore où conduit ce chemin mais vous percevez que vous allez au-devant de découvertes. Je trouve cela fascinant. On sait que Joachim a participé de très prêt à l’écriture violonistique de ce concerto, comme ce fut également le cas pour Dvorak et Brahms.

C’est ce concerto que vous allez jouer en tournée avec l’ONB. Connaissez-vous l’orchestre ?
Je n’ai jamais joué avec lui mais je le connais bien car j’étais dans le jury de l’épreuve finale du Concours Reine Elisabeth et j’ai été impressionné par leur concentration et leur endurance. Ce fut un superbe travail.

Romantik begeistert die Jugend
Düsseldorfer WZ, 09.04.2011

Der Violinist Daniel Hope widmet sich dem Musiker Joseph Joachim und findet ihn modern.

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Eine Welt ohne Klassik wäre tödlich
Aargauer Zeitung, 28.04.2011

Intervew alässlich derKonzerttournee in der Schwez im April 2011

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Musik ist stärker als Worte
Hannoversche Allgemeine, 08.09.2011

Wie klingt der 11. September? Ein Gespräch mit dem Geiger Daniel Hope überverstummte Komponisten, zukünftige Komponisten und Joseph Joachim in Hannover.

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Musik ist stärker als Worte
Hannoversche Allgemeine, 08.09.2011

Wie klingt der 11. September? Ein Gespräch mit dem Geiger Daniel Hope überverstummte Komponisten, zukünftige Komponisten und Joseph Joachim in Hannover.

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Mecklenburg-Vorpommern Festival and its memorial concert for the victims of 9/11
BBC / Classical-Music.com, 08.09.2011

The violinist and artistic director of the Mecklenburg-Vorpommern Festival (Festival MV) talks about this year’s programme and its memorial concert for the victims of 9/11

Violinist Daniel Hope met the director of Festival MV when he was just eight years old. Since then, Hope has been one of the festival’s prize-winners and closely connected with the event throughout its 22-year history. Now in his first year as artistic director, Hope talks to us about this year’s festival and the 9/11 memorial concert he’s programmed on 10 September.

Tell us how you first became involved in the festival.
I’ve been connected with the festival now for almost 20 years and I was one of the first artists to start playing here when it started. The province of Mecklenburg is in the former East Germany, which at the time of the first festival was just recovering after the collapse of Communism, and I’ve seen it grow to the most extraordinary heights. I was a prize-winner and one of the young artists in the early days, and my involvement grew until one day they asked me if I’d consider taking on the position of artistic director.

Was the decision to take on the role an easy one?
I love the opportunity of inviting friends and colleagues to perform and creating programmes, whether I’m a part of that in terms of performance or whether I just get to listen. I am performing at Festival MV but I try not to programme myself too much because I don’t think it’s the job of a music director to be always on the stage. But the festival did want me to have a musical presence as well as a programming one.

You’ve overseen the 124 concerts for this year’s programme – including a remembrance concert for the victims of the 9/11 terrorist attacks. How did you go about choosing the music for that concert?
It was quite a challenge because something like that demands music which is solemn, but at the same time the choice of music needed to have some kind of significance. The first piece that came to mind was Strauss’s Metamorphosen because it’s a work that’s about war, destruction and it touches people very deeply. For the rest of the programme I asked the other musicians (from the New York-based Ensemble ACJW) to come up with solo pieces and they chose Stravinsky’s Elegy for Viola, a piece by a young American composer, Adam Schoenberg, called Ayudame and I will play the Kaddisch, by Ravel, which is the Jewish prayer for the dead. The Rabbi of the province, a man called William Wolffe, will be speaking at the concert as well. He’s almost 90 and was born in Germany but escaped the Nazis and fled to Holland and then Hendon. He’s back in Germany now and I thought he was the ideal figurehead for the concert.

What about the future?
I will certainly be working as the festival’s artistic director for the next three years and we’re discussing things after that. The people of the province are so proud of the festival and we feel we’ve really accomplished so much here, so I’m certainly staying around.

Interview by Elizabeth Davis

Wie klingt der 11. September?
Hannoversche Allgemeine, 08.09.2011

Interview mit Daniel Hope

„Musik ist stärker als Worte“: Ein Gespräch mit dem Geiger Daniel Hope über verstummte Komponisten, zukünftige Sinfonien und die therapeutische Wirkung von Musik.

Herr Hope, Sie veranstalten bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern ein Gedenkkonzert zum 11. September. Wie kann Musik auf so ein Ereignis reagieren?

Wir haben Künstler aus New York eingeladen, die zum „Academy“-Programm der Carnegie Hall gehören. Die Musiker werden auch berichten, wie sie den Tag damals erlebt haben und was er für sie bedeutet. Ich denke aber, dass der stärkere Eindruck von der Musik kommen wird. Denn so bewegend viele Reden sein werden: Ich habe es oft erlebt, dass in dem Moment, in dem die Musik anfängt, alles andere in den Hintergrund tritt. Musik hat mehr Kraft als das gesprochene Wort. So war es beispielsweise, als ich ein Konzert in Dachau für 500 Überlebende des Konzentrationslagers gespielt habe. Erst als wir gespielt haben, kamen die Emotionen der Menschen richtig hoch. Musik trifft einen direkt, unabhängig davon, was gesagt wird.

Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts haben großen Einfluss auf die Kunst gehabt. Die Musik hat sich nach dem Krieg radikal verändert. Glauben Sie, dass 9/11 auch ein künstlerischer Wendepunkt ist?

Ich denke, dass dieser Schock, der noch immer so tief sitzt, die Psyche nicht nur der Amerikaner verändert hat. Und was die Psyche verändert, verändert auch die Kunst. Ob man hier aber schon jetzt direkte Verbindungen zum 11. September herstellen kann, weiß ich nicht. Aber wenn man als Kind etwas Schreckliches erlebt, hat das oft gravierende Folgen: Den Werken der Musiker, die in den kommenden 20 Jahren Sinfonien schreiben, wird man das anhören.

Sie haben oft musikalische Projekte zu historischen Tragödien initiiert. Glauben Sie, dass Musik eine Art therapeutische Wirkung haben kann?

Es geht nicht nur um Schockerlebnisse. Ich versuche auch, die historische Erinnerung wachzuhalten. Sei es die Reichspogromnacht oder die Musik von Theresienstadt – es geht darum, Stimmen von Komponisten und Menschen erklingen zu lassen, die umgekommen sind. Fast die gesamte tschechische Musikwelt ist ja damals ausgelöscht worden. Und das hat für die Musikgeschichte entscheidende Folgen gehabt. Wir haben auf der einen Seite Webern und Schönberg, die einen fundamentalen Richtungswechsel eingeschlagen haben. Was aber gefehlt hat, ist die Musik von Komponisten wie Erwin Schulhoff oder Gideon Klein, die eine eigene tonale Stimme hatten.

Das heißt, die Musikgeschichte hätte Ihrer Meinung nach ganz anders ausgesehen, wenn einige Komponisten den Holocaust überlebt hätten?

Das ist zumindest mein Gefühl. Wenn ich mir überlege, was allein aus Klein hätte werden können, der mit Anfang 20 umgekommen ist, dann bin ich sicher, dass wir eine parallele tonale zeitgenössische Musikentwicklung hätten. Viele Komponisten kommen jetzt im 21. Jahrhundert zurück zur Tonalität.

Und die meisten davon kommen ausgerechnet aus Amerika…

Das war tatsächlich lange der Fall, aber wenn ich jetzt die wirklich jungen europäischen Komponisten beobachte, dann sehe ich auch dort einen Hang zur Tonalität. Ich finde es faszinierend, dass es gerade jetzt passiert. Es ist eine spannende Zeit.

Das klingt sehr optimistisch: Oft heißt es ja, die klassische Musik wäre vom Aussterben bedroht.

Ich denke, es gibt immer noch sehr, sehr viele Menschen, die klassische Musik hören wollen. Man muss sie aber so zugänglich machen, damit jemand, der noch keinen Zugang zur Klassik hat, es versteht. Dabei darf man aber niemals auf höchste Qualität verzichten. Es geht darum, die Ernsthaftigkeit der klassischen Musik und der Botschaften eines Komponisten so ernsthaft und zeitgemäß wie möglich rüberzubringen.

Wie kann man das erreichen?

Man muss dort beginnen, wo man etwas verändern kann. Es ist schon ein Anfang, wenn ein Lehrer mit seiner Schulklasse singt, wenn ein Laienchor eine eigene kleine Serie in der Kirche veranstaltet und so weiter. Es geht um die eigene Initiative. Ich habe aber überhaupt keine Zweifel, dass sich die klassische Musik halten wird, das hat sie schon länger als 500 Jahre getan. Man braucht jetzt trotzdem Menschen mit Ideen, die dieses Erbe weitergeben.

Sie selbst haben genug Ideen. Ein Projekt beschäftigt sich etwa mit dem Geiger Joseph Joachim. Der hat lange in Hannover gewirkt…

Als er dort ankam, hatte er gerade in Weimar mit Liszt gebrochen. Die Musikwelt war danach eine andere: Aus diesem Grund gibt es kein Violinkonzert von Liszt und keins von Wagner. In seinen Hannover-Jahren hat Joachim auch angefangen, selbst zu komponieren. Deshalb verbinde ich Hannover und Joachim sehr stark miteinander – die Stadt hat ihn beflügelt. Ich weiß, dass es dort heute den Violinwettbewerb mit seinem Namen gibt, aber meines Erachtens könnte es in Hannover noch viel mehr geben, denn Joachims Einfluss ist nicht zu unterschätzen.

Interview: Stefan Arndt

Daniel Hope wurde 1974 im südafrikanischen Durban geboren und ist einer der führenden Geiger seiner Generation. Er gehörte zum legendären Beaux Arts Trio und wurde für seine Einspielungen bislang viermal mit dem Klassik-Echo ausgezeichnet. Er veröffentlichte unter anderem das Buch „Wann darf ich klatschen?“ – eine Art Gebrauchsanweisung für Konzertbesuche. Hope entwickelt immer wieder ungewöhnliche Konzertformate wie etwa sein „Kristallnacht-Projekt“. Er ist seit diesem Jahr künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Das 9/11-Konzert ist am 10. September in Schwerin zu erleben.



2010


Barock ist fetzig und revolutionär
Schleswig Holstein am Sonntag, 28.02.2010

Barock ist sein Thema, nicht die latente Steifheit des Protestantischen, sondern das Lustvolle und Unterhaltsame, das diese musikalische Ära zu bieten hat “air-A Baroque Journey” nennt der Stargeiger Daniel Hope sein aktuelles Programm mit künstlerischen Höhepunkten von Händel über Telemann bis Pachelbel und Falconieri…

Der englische Gentleman vom Kap
Münchener Abendzeitung, 10.03.2010

Der Geiger Daniel Hope über Vivaldi, Vibrato und seine Leidenschaft für den Fußball
Er ist der geborene Vermittler und ein exzellenter Geiger dazu. Im Herbst hat Daniel Hope ein Buch für Konzert-Anfänger veröffentlicht. Nun kommt er mit einem Barock-Programm ins Prinzregententheater. Begleitet wird er vom Zürcher Kammerorchester….

“Konzerte für Kinder sind das Allerschönste”
Zeit Online, 14.09.2010

Von Corina Kolbe

Der Stargeiger Daniel Hope möchte Jugendlichen die Klassik näher bringen. Warum das in einer digitalen Welt wichtig ist und wie cool Bach ist, erzählt er im Interview.

ZEIT ONLINE: Herr Hope, In Axel Brüggemanns Jugendbuch Wie Krach zu Musik wird. Die etwas andere Musikgeschichte beschreiben Sie sehr einfühlsam Ihr Instrument. Was fasziniert Sie an der Geige?

Daniel Hope: Der singende Klang, der einer menschlichen Stimme sehr nahe kommt. Er kann mich beruhigen und im nächsten Moment aufrütteln. Als Musiker kann ich mit der Geige genau das ausdrücken, was ich fühle. Die Vielfalt und die Brillanz des Klangs haben mich immer fasziniert.

ZEIT ONLINE: Als Sie ihr erstes Instrument bekamen, waren Sie wahrscheinlich nicht mehr zu bremsen.

Hope: Mein Enthusiasmus war riesig, allerdings muss es am Anfang grauenvoll geklungen haben. Bis man einen Ton richtig spielen kann, vergehen oft Monate. Zu meinem ersten Unterricht fällt mir eine kleine Anekdote ein. Die Lehrerin wollte mich eigentlich noch nicht als Schüler annehmen, weil ich zu jung war. Da hatte ich bei ihr aber schon all die kleinen Geigen an der Wand gesehen und bekam augenblicklich einen Wutanfall. Um mich zu beruhigen, gab mir die Lehrerin schließlich ein Instrument in die Hand. Ich habe einfach drauflosgespielt. In dem Moment hatte ich das erreicht, was ich wollte.

ZEIT ONLINE: Sie engagieren sich auch für Initiativen, die möglichst viele Menschen an Musik heranführen wollen. Was hat Sie besonders dazu motiviert?

Hope: Konzerte für Kinder sind für mich das Allerschönste. Beim Savannah Music Festival in den USA geben wir 20.000 Kindern die Möglichkeit, kostenlos Konzerte zu hören. Wir holen sie auch auf die Bühne, wo sie bei Proben mitdirigieren können und mitten unter den Musikern sitzen. Sie erleben also unmittelbar, wie es sich anfühlt, Teil eines Orchesters zu sein. Man sieht ihnen die Begeisterung an, das finde ich fantastisch. Wir Künstler müssen auf eine verständliche Art vermitteln können, was das Besondere an Musik ist.

ZEIT ONLINE: Kinder bewegen sich oft spontan zu klassischer Musik, während Erwachsene im Konzert still sitzen. In früheren Zeiten war das anders.

Hope: Denken Sie nur an die Barockzeit, da wurde oft zu Musik getanzt. Die Geige wurde früher auf Volksfesten gespielt und galt sogar als subversives Instrument. Erst seit etwa 150 Jahren wird uns erklärt, dass wir in Konzerten ruhig und andächtig sein müssen. Junge Leute haben dagegen noch keine Hemmungen, auch zu klassischer Musik zu tanzen und mit dem Fuß zu wippen. Sie empfinden eine Gigue von Bach als sehr lebendig.

ZEIT ONLINE: Was hat Ihrer Ansicht nach dazu geführt, dass sich unsere Gesellschaft so weit von klassischer Musik entfernt hat?

ZEIT ONLINE: Sie engagieren sich auch für Initiativen, die möglichst viele Menschen an Musik heranführen wollen. Was hat Sie besonders dazu motiviert?

Hope: Konzerte für Kinder sind für mich das Allerschönste. Beim Savannah Music Festival in den USA geben wir 20.000 Kindern die Möglichkeit, kostenlos Konzerte zu hören. Wir holen sie auch auf die Bühne, wo sie bei Proben mitdirigieren können und mitten unter den Musikern sitzen. Sie erleben also unmittelbar, wie es sich anfühlt, Teil eines Orchesters zu sein. Man sieht ihnen die Begeisterung an, das finde ich fantastisch. Wir Künstler müssen auf eine verständliche Art vermitteln können, was das Besondere an Musik ist.

ZEIT ONLINE: Kinder bewegen sich oft spontan zu klassischer Musik, während Erwachsene im Konzert still sitzen. In früheren Zeiten war das anders.

Hope: Denken Sie nur an die Barockzeit, da wurde oft zu Musik getanzt. Die Geige wurde früher auf Volksfesten gespielt und galt sogar als subversives Instrument. Erst seit etwa 150 Jahren wird uns erklärt, dass wir in Konzerten ruhig und andächtig sein müssen. Junge Leute haben dagegen noch keine Hemmungen, auch zu klassischer Musik zu tanzen und mit dem Fuß zu wippen. Sie empfinden eine Gigue von Bach als sehr lebendig.

ZEIT ONLINE: Was hat Ihrer Ansicht nach dazu geführt, dass sich unsere Gesellschaft so weit von klassischer Musik entfernt hat?

ZEIT ONLINE: Musik ist in unserem Alltag durch neue Technologien ständig verfügbar. Wie hat das unser Hören verändert?

Hope: Ich glaube, wir können uns allgemein nicht mehr so gut konzentrieren wie früher. Das wirkt sich nicht nur auf unser Hören aus. Wenn wir in ein klassisches Konzert gehen und uns ganz auf die Musik einlassen, können wir endlich einmal abschalten von einer Welt, die pausenlos online ist. Ein Streichquartett von Beethoven gibt uns die Chance, unseren Alltag vorübergehend zu verlassen und frei zu atmen.



2009


Daniel Hope spielt bei den Audi Sommerkonzerten
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2009

Ingolstadt – Er ist beinahe so leger gekleidet wie seine jungen Zuhörer. Weiße Turnschuhe, ausgewaschene Bluejeans. Gerade mal das schwarze Hemd und das Jacket lassen den großen klassischen Violinisten erahnen, der auf den Bühnen dieser Welt zu Hause ist. Daniel Hope sitzt 35 Lehrlingen der Firma Audi gegenüber in einem Konferenzraum des Bildungszentrums der Autofirma. Hope soll den Azubis klassische Musik näher bringen. „Rhapsody in school“ heißt das bundesweite Projekt, das das Unternehmen als Begleitprogramm seiner Sommerkonzerte vergangenen Dienstag nach Ingolstadt geholt hat.

Die jungen Leute werden bei Audi zum Kfz-Mechatroniker und zum Industriekaufmann ausgebildet. Manche erlernen einen IT-Beruf, einige studieren an der Fachhochschule. Der 20-jährige Lothar Bauer hätte an diesem Mittag normalerweise Stromlaufpläne erstellt, erzählt er. Anne Satzke, ebenfalls 20, hätte eine Klimaanlage reparieren müssen. Stattdessen ist Musik angesagt. Hope spielt zur Einstimmung eine Bach-Suite auf seiner Geige. Bach habe so viel komponiert, dass man 100 Jahre brauchen würde, um alle Stücke abzuschreiben, sagt der Violinist. Und nebenbei habe er auch noch 13 Kinder gezeugt. Die Auszubildenden lachen. Hope hat das Eis schon nach wenigen Minuten gebrochen. Er spiele auch andere Musik, sagt er und stimmt ein indisches Stück von Ravi Shankar an. „Eine Art Rhapsodie, eine Improvisation, ein ganz anderer Charakter”, erklärt er. Plötzlich schließt Hope seine Augen und füllt den Raum mit einem schnellen Tongewirbel. Lothar Bauer schaut gebannt auf die Finger des Musikers, die anders als bei der getragenen Bach-Suite raue, wilde Klänge erzeugen. „Mich überrascht total, dass so etwas auf einer Geige möglich ist“, sagt er. Was Hope eigentlich von Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ halte, will ein junger Mann mit blondem, hochstehendem Haar wissen. „Die Idee ist witzig“, sagt Hope. Nur blieben die meisten Künstler eben One-Hit-Wonder. Generell sei er der Popmusik gegenüber sehr offen. Viele klassische Künstler hätten Angst vor Pop, weil sie sich nicht damit auseinandersetzten. Das sei schade, denn die Klassik könne vom Pop viel lernen. Von Sting, den er schon als Kind bewundert habe, gebe es zum Beispiel ein tolles Klassik-Album.

Hope spricht mit leichtem englischen Akzent. Er wurde 1974 in Südafrika geboren, wuchs in London auf und lebt heute in Hamburg. Die Fragen der Azubis beantwortet der Musiker mit den rötlichen Haaren und der hohen, schon etwas kahlen Stirn sehr humorvoll. Er sucht den Kontakt zu jungen Menschen. Jemand fragt, wie er den Unterschied zwischen Pop und Klassik sehe. Wie Champagner und Rotwein, antwortet Hope. „Champagner wirkt sofort. Aber am nächsten Tag erinnert man sich nicht mehr an viel.“ Beim Rotwein sei das anders. „Er wirkt erst nach und nach, aber wenn es ein edler Tropfen war denke ich noch ein Jahr später daran.“ Die Azubis sind auf das Treffen mit dem Musiker gut vorbereitet. Zwar hören sie in ihrer Freizeit eher Rock, HipHop oder Reggae. Einige von ihnen spielen jedoch ein Instrument oder besuchen zumindest an Weihnachten ein klassisches Konzert, erzählen sie. Die Fragen an Hope gehen den jungen Leuten während einer vollen Stunde nicht aus. Sie wollen ganz genau wissen, was im Kopf des Geigers vorgeht. Etwa ob er sich beim Improvisieren wirklich jedes Mal etwas Neues einfallen lasse. Es gebe einige feste Punkte, bei denen er „lande“ , sagt Hope, dazwischen spiele er jedoch frei. Der Musiker ist dafür bekannt, immer wieder in andere Stilrichtungen einzutauchen. Hope hat bereits mit indischen Sitar- und Tabla-Spielern gearbeitet und mit Stewart Copeland, früher Schlagzeuger der Band The Police.

Klassik sei für junge Leute wichtig, sagt Hope. „Sie stimuliert etwas, das die Seele aufbaut.“ In ihrem Alter könnten die Azubis noch an der Phantasie arbeiten, ihre Sinne entfalten. Wenn man erst einmal voll im Berufsleben mit all dem Stress stecke, sei das schwieriger. Den Austausch mit dem jungen Publikum findet Hope auch für sich interessant. So könne er direkt erfahren, wie seine Musik bei den Hörern ankommt. Auch wenn sie sich nicht zum ersten Mal mit Klassik befasst haben – so persönlich haben die Azubis einen Klassikstar noch nie kennengelernt. Am Abend wollen sie fast vollzählig ins Konzert gehen, wenn der Geiger mit dem Chamber Orchestra of Europe im Ingolstädter Festsaal auftritt. Hope hat an diesem Tag viele neue, junge Fans gewonnen.

Wann darf man im Konzert klatschen?
bild.de, 19.09.2009

Was soll ich anziehen?

Bei Premieren-Feiern kommen die Damen meist im Abendkleid, die Herren im Smoking oder dunklen Anzug. Für einen normalen Opern- oder Konzertbesuch gibt es keinen bestimmten Dresscode. Viele Besucher machen sich aber fein: Kleid oder Kostüm für die Dame, Anzug für den Herren. In Berlin sind die Gäste oft legerer gekleidet, zum Beispiel mit Jeans und Sakko. Shorts, T-Shirts und Turnschuhe sind nichts für Oper oder klassisches Konzert, aber für Open-Air-Abende.

Wie bereite ich mich vor?

Wenn möglich, sollte man die Stücke, die aufgeführt werden, vorher von einer CD gehört haben, um einen Eindruck von der Musik zu haben. Informationen über den Komponisten gibt es oft in beigefügten Booklets. Es macht Sinn, sich vor Oper oder Konzert anzusehen, wer der Komponist war, was für ein Typ, wie er lebte, welche Probleme er hatte. Außerdem werden oft vor Konzert oder Oper Einführungsveranstaltungen angeboten, bei denen Musikwissenschaftler, Dirigenten oder andere Beteiligte die Musik und die Hintergründe erklären. Wichtig: Rechtzeitig losfahren, eine halbe Stunde im Theater einplanen, um einen Blick ins Programmheft zu werfen. Auch darin gibt es viele Informationen zum Stück.

Wo sitze ich am besten?

Das kommt darauf an, wen man sehen möchte: Will man Geiger oder Klavierspieler direkt vor sich haben, empfiehlt sich ein Platz auf der linken Parkettseite. Auf den Mittelplätzen im vorderen Parkett und im ersten Rang hat man ungehinderte Sicht auf die Bühne und meist auch das optimale Klangerlebnis. Aber natürlich zahlt man dafür auch die höchsten Preise. Je weiter Sie nach außen gehen, desto verzerrter kann der Klang werden. Generell gilt: Je größer und opulenter besetzt das Ensemble, desto größer das Klangvolumen, das den Saal füllt – und desto besser hört man auch noch hoch oben auf den billigeren Plätzen.

Darf ich ein Getränk mit in den Saal nehmen?

Essen und trinken während der Vorstellung sind tabu! Früher wurde im Publikum fröhlich getrunken, geraucht oder sogar geplaudert wurde – aber das ist vorbei. Alle Aufmerksamkeit soll der Musik und dem Spiel und Gesang der Künstler gelten.

Was tun, wenn ich husten muss?

Husten stört Publikum und Musiker. Wenn Sie stark husten müssen, verlassen Sie besser den Saal. Gut: Ein Hustenbonbon sicherheitshalber in der Tasche zu haben – aber ohne knisterndes Papier. Wer stark erkältet ist, sollte den Konzert- oder Opernbesuch besser verschieben.

Was bedeuten die Armbewegungen des Dirigenten?

Sie lenken und steuern das Orchester und die Sänger, geben Einsätze und Signale, regeln Tempo und Balance, treiben an und dämpfen. Der Dirigent ist wie ein Kapitän, der den Kurs des Schiffes festlegt und während der Fahrt die einzelnen Manöver bestimmt.

Meist hält der Dirigent einen Stab in der rechten Hand, mit ihm gibt er Tempo, Taktart und Dynamik an. Weite Bewegungen verlangen einen lauten Ton, kleine einen leisen. Die linke Hand ist mehr fürs Modellieren zuständig, liefert Anweisungen zur Intensität des Ausdrucks.

Wann darf ich klatschen?

Eine alte Streitfrage, auf die es keine einheitliche Antwort gibt: Der Begrüßungsapplaus zum Auftritt der Künstler und der Beifall am Ende eines Stücks oder eines Aktes in der Oper sind allgemein üblich. Über das Klatschen zwischen einzelnen Sätzen oder nach einer Arie gehen die Meinungen auseinander. Viele Musiker freuen sich, wenn sie auch zwischendurch anerkennenden Beifall erhalten; manche Zuhörer fühlen sich dadurch allerdings gestört. Wenn Sie sichergehen möchten, nicht durch alleiniges Klatschen aufzufallen, dann klatschen Sie am besten am Ende – und dafür laut und lange.

Darf ich zwischendurch „Buh!“ rufen?

Das Publikum in südlichen Ländern, vor allem in den Opernhäusern, hat da keine Hemmungen. Bei uns spart man sich das „Buh“ meist für den Schluss auf. Aber unter Künstlern gilt: Wer sich über spontanen Szenenapplaus freut, der muss auch das Gegenteil akzeptieren.

Ich zische zurück
Szene Hamburg, 25.09.2009

Daniel Hope liebt klassische Musik. Und da er möchte, dass es möglichst vielen Menschen ebenso geht, hat der berühmte Geiger einen Wegweise für Konzertgänger geschrieben, in dem auch Fragen geklärt werden wie …

Mit vielen starken Saiten
Welt am Sonntag, 28.09.2009

Daniel Hope ist einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation. Heute gastiert er in Hamburg

Geigenvirtuosen drehen dem Publikum nie den Rücken zu. Normalerweise. Als das Barockorchester Concerto Köln beim Kempen Musik Festival 2001 Beethovens Violinkonzert aufführte, war nichts normal: Das Ensemble musizierte im Stehen, ohne Dirigent. Der Solist Daniel Hope, er hatte seine Geige zwecks Anpassung an den Barockklang ausnahmsweise mit Darmsaiten bezogen, spielte beim Anfangstutti mit dem Rücken zum Auditorium. Erst drei Minuten später drehte er sich um und begann mit den Solo-Oktaven.

Zart und fest, fahl und farbenfroh wechselt sein Ton von leise zu laut, von stark timbriert zu inbrünstig zitternd. Er kann geigend Katastrophen erzeugen und delikate Erlösungen, Wohlklang und Wahrheit. Nach Ende des ersten Satzes platzte – offenbar wird bei Daniel Hope auch dem Publikum immer ganz unnormal – begeisterter Beifall in die Stille.

Dem Ausnahmemusiker Hope steht der ganz große internationale Durchbruch allerdings noch bevor. Mit vier begann er Violine zu spielen. Der Zwölfjährige geigte Bartoks Duos im deutschen Fernsehen mit Yehudi Menuhin. Seitdem gilt er hier zu Lande als Menuhins Meisterschüler.

„Falsch“, sagt der heute 27-Jährige und schüttelt lächelnd die rote Mähne. „Meine Mutter war eine von Menuhins Sekretärinnen, sie hatte mich als Baby bei Proben, Konzerten und Reisen immer dabei. Meine ersten Erinnerungen an Musik verbinde ich also mit ihm.“ Aber Daniels Lehrer war Menuhin nie. Im Gegenteil. „Als ich sechs war“, erzählt Hope, teilte ihm mein Vater mit, dass ich Geiger werden wollte. Er sagte nur: „Der Arme“.

Der ließ sich indes nicht entmutigen. „Ich studierte und übte wie blöde“, sagt er. Als er mit 17 bei seinem Lehrer Zakhar Bron in Lübeck gerade gelernt hatte, wie man geigerisch Farben erzeugt („Damals habe ich wirklich gemerkt, was es heißt, Geiger zu sein“), bat ihn Menuhin, ihm vorzuspielen. „Ich habe vier Stunden für ihn gespielt“, erinnert sich Hope. „Er war überrascht und betroffen.“ Das war 1996. Der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit: Hope war der Solist. Der alte Mann dirigierte.

So war es auch bei Menuhins letztem Konzert im März 1999 in Düsseldorf, vier Tage, bevor der große Musiker an einer Lungenentzündung starb. Mit ihm, meint der junge Geiger traurig, sei der „letzte Löwe des vergangenen Jahrhunderts“ gegangen. „Es ist ehrenvoll, aber auch schrecklich, wenn man Teil des Endes von etwas ist, das eigentlich nie zu Ende gehen sollte.“

Es gab fünf oder sechs solcher Löwen. Heute ist der Markt randvoll mit ehrgeizig-perfekten Virtuosen. „Es ist heute leichter, den Karriere- Anfang zu schaffen“, meint Hope. „Aber sehr schwer, sich zu halten.“ Der große Geiger Jascha Haifetz tourte noch sechs Wochen durch Japan und gab an die 50 Konzerte. „Wir dagegen können, wenn wir durchhalten, jeden Tag in jedem Land auftreten, heute Tokio, morgen Melbourne, übermorgen London – und überall müssen wir auf die Minute in Hochform sein, egal wie wir gerade drauf sind.“

Anders als die Giganten der Vergangenheit sieht Daniel Hope ein Existenzproblem für heutige Geiger: „Was wird 2020 sein?“, fragt er sich manchmal. „Welche Art Orchester wird es noch geben? Werden die Platten- Labels bleiben oder wird alles übers Internet laufen?“ Einige seiner Konzerte wurden bereits im Internet übertragen. „Die Verbindung war noch schlecht, die Bilder wacklig“, meint er. „Aber das wird sich ändern.“

Übers Internet informiert er sich auch in Minuten über Werke, die ihn interessieren. Das ganz besonders Unnormale an Daniel Hope ist nämlich, dass er es „sturzlangweilig“ findet, „150 Mal pro Saison immer wieder die drei Bs zu spielen“. Auch auf seinen ersten drei CDs (bei Nymbus Records) fehlen sie, die Konzerte von Beethoven, Bruch oder Brahms. „So viel Musik wird heute gedankenlos gemacht. Ich muss einen persönlichen Bezug haben zu den Sachen, die ich spiele, muss sie lieben, das hört man dann.“

Er hat darum schon den alten Menuhin dazu bewogen, mit ihm zwar auch Konventionelles wie Mendelssohn, Tschaikowsky oder Brahms zu spielen. Aber eben auch Schnittke, Takemitsu oder Gubaidulina – oder sogar gänzlich Unbekannte wie den Amerikaner Lowell Liebermann.

Daniel Hope hat bei all seiner wunderbaren Unnormalität nichts Messianisches. Auf seiner Homepage im Internet findet man auch Wein- Tipps; er liebt besonders teure Riojas. Statt mit den für Geiger obligatorischen täglichen Dehnübungen lockert er seinen Bogenarm mit Badminton, Squash oder Tennis: „Ich mag alles, was mit Schläger gespielt wird.“ Wenn er mit Freunden Fußball spielt, ist er der geborene Mittelstürmer. „Das liegt mir im Blut“, lacht er. „Auch bei der Arbeit bin ich oft viel zu stürmisch.“

Seit er in Lübeck bei Zakhar Bron studierte, hat er seine Liebe zu Hamburg entdeckt. Aber nicht allein Alster, Kunsthalle oder Oper faszinieren den Londoner an der „kleineren Ausgabe von Weltstadt“ – seine schöne blonde Freundin, sie ist Kontrabassistin, lebt hier. Und ergo verbringt er von den monatlich vier Tagen, die er nicht irgendwo in der Welt konzertiert, zwei an der Themse und zwei in der Hansestadt. Sein Deutsch ist perfekt. „Ich war gezwungen, es zu lernen“, sagt er und lacht. „Die Hamburger sprechen zwar alle Englisch. Aber nicht gern.“

Konzert: Heute, 20 Uhr, Liebermann Studio des NDR.
Mit Brandauer auf Tour 1974 in Südafrika geboren, musste Daniel Hope mit seiner Familie bereits als sechs Monate altes Baby nach London emigrieren, weil der Vater als Schriftsteller Anti-Apartheid-Positionen vertreten hatte. Hope besitzt allerdings bis heute einen irischen Pass, da sein Vater aus Irland stammt. Als einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation nimmt er sich vorwiegend ungewöhnlichen Repertoires und neuer Präsentationsformen an. Im kommenden Sommer geht er mit Klaus Maria Brandauer und einem jungen Spitzenensemble mit Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ auf Tournee.

Von Stefan Siegert

Alle Rechte vorbehalten. (c) Die Welt, 2001

Wann darf ich im Konzert klatschen?
Westfalenpost, 01.10.2009

Der Geiger Daniel Hope erzählt im WESTFALENPOST-Interview von Freud und Leid des alltäglichen Musikbetriebes …

Subversive Saiten
Rheinischer Merkur, 09.10.2009

DANIEL HOPE – Der Geiger über gefürchtete Fiedler,
gottesfürchtige Komponisten und furchtbare Konzerte…

In Wahrheit ist Rock reaktionär
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2009

Der Universalmusiker Sting und der Geigenvirtuose Daniel Hope über musikalische Missverständnisse und die Perfektion der Stille


Foto: Holde Schneider

FRAGE: Herr Hope, Sie wollen die Klassik populär machen. Sie, Sting, suchen Inspiration für den Pop in der Klassik – gerade haben Sie ein Album in der Tradition von Schuberts “Winterreise” aufgenommen. Was ist Klassik: etwa die Mutter aller Musik?

Sting:
ANTWORT: Das habe ich auch einmal gedacht. Inzwischen glaube ich aber, dass die Wurzel der Musik im Folk liegt. Folk und Pop gehören zur gleichen Familie, die Klassik hat vielleicht dieselbe DNA – aber sie funktioniert anders.

Hope:
ANTWORT: Na ja, die Klassik hat sich auch aus der Folkmusik heraus entwickelt. Das beste Beispiel ist die Geige: Vor vielen hundert Jahren galt sie noch als Teufelsinstrument und animierte die Menschen zum wilden Tanz. Letztlich hat Sting aber recht: Jede Musik greift auf die Folkmusik zurück. Auf eine Musik, die von Menschen für Menschen gemacht wurde. Ihre Aufgabe war die Direktheit der Emotion.

FRAGE: Direktheit würde man heute allerdings eher der Popmusik zuordnen. Klassik dagegen windet sich in Tiefen, um einer übergeordneten Wahrheit auf den Grund zu kommen, oder?

Sting:
ANTWORT: Sie stellen die Frage nach der Authentizität der Musik. Ich glaube, dass es in unserer postmodernen Welt ein grundsätzliches Problem jeder Kunst ist, authentisch zu sein. Was ist schon wahr? Nichts mehr! Alles hat einen doppelten Boden. Und ich gelange allmählich zu der Überzeugung, dass nichts mehr authentisch ist – auch nicht die Musik.

Hope:
ANTWORT: Da würde ich widersprechen. Ich habe mein ganzes Leben mit der Klassik verbracht – und meine Erfahrung ist, dass sie mich noch immer tief berührt. Für mich ist die Musik in einer Zeit, in der so vieles Schein ist, eine letzte Konstante von Authentizität. Sowohl der Pop als auch die Klassik können uns ein Gefühl von dem geben, was sich jenseits der Dinglichkeit abspielt. Die Wahrhaftigkeit deiner Musik liegt für mich in deinem Umgang mit Rhythmus.

Sting:
ANTWORT: Tatsächlich ist der Rhythmus für mich eine Frage der Ambivalenz. Sie stellt die Wahrheit unserer Gegenwart in Frage. Das Gehirn lässt sich auf eine Komposition ein, und in dem Moment, in dem es sich an einen Rhythmus oder eine Melodie gewöhnt, ist es spannend, in eine ganz andere Richtung zu steuern.

FRAGE: Sie meinen den kalkulierten Bruch der Form? Für die Klassik scheint der Klang immer eine Form zu brauchen, wohingegen der Rock daran arbeitet, bestehende Formen zu sprengen . . .

Sting:
ANTWORT: Der Rock trägt doch nur noch die Kostümierung der Rebellion. In Wahrheit ist er zutiefst konservativ – fast schon reaktionär. Es ist unmöglich, den Rock zu verändern – ich habe das selbst ja immer wieder versucht. Ein klassischer Musiker wie Strawinsky ist sicherlich revolutionärer gewesen als der Rock ‘n’ Roll oder der ebenfalls festgefahrene Heavy Metal.

FRAGE: Vielleicht ist es ein Problem des Rocks, dass die Revolution in ihm eine Normalität ist.

Sting:
ANTWORT: Die Frage ist, wo geht es hin? Ich weiß es nicht! Unsere Geschichte ist an einem Punkt der unendlichen Erneuerung angekommen. Wir leben in einer Zeit, in der niemand vorhersagen kann, wie wir in fünf Jahren leben. Diese Entwicklung kann nur in der Aufwertung des Einzigartigen münden. Aber ich habe keine Idee, was dieses Einzigartige sein könnte.

Hope:
ANTWORT: Findet die Popmusik darauf keine Antwort? Wohin geht sie?

Sting:
ANTWORT: Sie geht nirgendwohin. In einer bewegten Welt wird sie immer statischer.

FRAGE: Dann müsste die Klassik in dieser Zeit doch eine willkommene Konstante sein.

Hope:
ANTWORT: Das ist sie ja auch. Es ist interessant zu beobachten, dass die Klassik mehr Anhänger gewinnt. In dem Moment, an dem wir gegen eine Wand laufen, schauen wir noch einmal zurück – und das ist großartig.

Sting:
ANTWORT: Ich stimme dir vollkommen zu. In einer chaotischen Zeit brauchen wir Fixpunkte. Und die Klassik kann sie uns geben. Ich glaube, dass die Krise des Pops letztlich auch die Krise des Zuhörers ist. Die meisten jungen Leute, die Pop oder Rock hören, sind wohlfeile Akkorde gewöhnt, Terzen oder Quinten. Das ist aber die Harmonik von Kinderliedern. Diese Musik spricht nur einen Teil des Gehirns an. Der Teil, der Missklänge und musikalische Reibungen verarbeitet, bleibt unterentwickelt. Das Problem ist, dass viele Zuhörer durch die Konvention so lange abgestumpft wurden, dass sie komplexe Musik gar nicht mehr wahrnehmen können. Jazz oder Klassik sind für viele keine Musik mehr, sondern komplizierte akustische Signale, die sie nicht verstehen. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Hörfähigkeit meiner Zuhörer und damit die andere Seite ihrer Gehirne zu entwickeln.

FRAGE: Wenn man Ihre Gedanken konsequent zu Ende denkt, wäre die Stille vielleicht die beste Musik in einer lauten Zeit.

Sting:
ANTWORT: Stille ist die perfekte Musik. Und letztlich machen wir Musiker ja nichts anderes, als ein Ornament der Stille zu schaffen. Ich bin sicher, dass wir aus der Stille kommen und der Stille gerade wieder sehr sehnsuchtsvoll entgegenstreben. Da fällt mir ein, wie überrascht ich war, als ich den Anfang der Fünften Sinfonie von Beethoven angeschaut habe: Die Sinfonie beginnt nicht auf Eins, sondern mit – Stille. Das Orchester spielt auf den ersten Schlag nicht! Mich hat das an Miles Davis erinnert, bei dem auch wichtiger ist, was er nicht spielt, als das, was er spielt. Das Gelaber ist der Tod, die Stille muss das Ziel sein.

FRAGE: Herr Hope, ist es ein Irrtum, dass Klassik-Künstler noch immer denken, Pop sei den Menschen näher als Beethoven?

Hope:
ANTWORT: Das ist leider der Fall, denn wir haben unsere eigenen Wurzeln aus dem Auge verloren. Sting hat ja recht: Der Kern der Klassik ist die Revolution. Beethoven ist das beste Beispiel. Es ist absurd, dass wir der Klassik heute einen plüschigen Tempel bauen.

Sting:
ANTWORT: Aber diese Mauer bröckelt. Ich habe festgestellt, dass viele junge Klassik-Musiker vom Pop lernen wollen – und ich genieße es, von ihnen zu lernen. Wenn die Klassik etwas vom Pop lernen kann, dann ist es nicht die glänzende Vermarktung, sondern die Fähigkeit zur Spontaneität. Euer Problem ist, dass ihr im Schatten von Giganten aufwachst. Warum soll man noch komponieren, wenn man Bach, Beethoven und Schostakowitsch spielt? Meine Helden waren die Beatles, die kannten nur vier Akkorde! Da musste ich keine große Angst haben.

Hope:
ANTWORT: Natürlich spielen wir immer im Schatten der Legenden. Das führt dazu, dass wir keine Songwriter sind. Wir spielen nicht unsere eigenen Noten, sondern interpretieren Dinge, die alle großen Geiger schon einmal interpretiert haben. Wir haben leider vergessen, klassische Musik aus unserer Zeit zu spielen.

Sting:
ANTWORT: Dieses Problem existiert auch im Pop. Wer schreibt denn noch eigene Songs? Es gibt sieben Archetypen von Popsongs, und einen von denen sucht man sich aus. Aber wer macht etwas Neues? Niemand!

FRAGE: Klassisch bedeutet ja auch: zeitlos. Was wird in, sagen wir, hundert Jahren klassisch sein? Sting oder Stockhausen?

Hope:
ANTWORT: Ich hoffe, dass einige der klassischen Gegenwartskünstler die Chance haben, klassisch zu werden. Aber Popstars können auch klassisch sein. Sting hat sicherlich eine gute Chance. Warum ein Großteil der Popmusik eher nicht klassisch wird, liegt für mich daran, dass ich bei den meisten Künstlern, die ich höre, nicht einmal ins Zuhören komme – sie laufen nebenbei. Doch das Zuhören ist eines der wichtigsten Kriterien dafür, ob etwas klassisch sein wird.

FRAGE: Sind Sie ein Klassiker, Sting?

Sting:
ANTWORT: Ich frage mich, ob Bach sich je überlegt hat, ob er 2009 klassisch sein würde, oder ob es eher sein Problem war, jeden Sonntag eine Messe fertig zu komponieren.

Hope:
ANTWORT: Aber warum berührt Bach unsere Nerven noch heute?

Sting:
ANTWORT: Ich schaue mir jeden Morgen eines seiner Stücke an, spiele eine Partita und komme mir vor, als würde ich mit dem Meister persönlich dasitzen. Was ist es, das diese Faszination ausübt? Die Vorstellung seines Intellekts? Nein! Er hatte so viele Kinder, hat im Kaffeehaus gespielt . . .

Hope:
ANTWORT: Er wurde sogar angegriffen, weil er in einem Gottesdienst gesoffen hat. Einmal hat er einem Musiker auf die Schnauze gehauen, weil ihm sein Spiel nicht gefiel.

Sting:
ANTWORT: Er war ein Genie der Struktur, seine Musik war eine Kathedrale! Und vielleicht beschäftigt er uns noch immer, weil wir sein Geheimnis nicht lüften können.

Hope:
ANTWORT: Bach bewegt! Aber wie ist das denn nun: Kann Musik die Welt verändern?

Sting:
ANTWORT: Sorry, ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht. Aber es wäre schon toll, wenn das so wäre, oder? Musik kreiert auf jeden Fall Emotionen – und das ist ein Anfang der Weltveränderung. Was denkst du?

Hope:
ANTWORT: Ich glaube, dass Musik einen Menschen verändern kann. Und sie übt einen Einfluss auf die Menschen aus.

FRAGE: Haben Sie die Menschen durch Ihre Musik beeinflusst?

Hope:
ANTWORT: Als ich vor 500 AuschwitzÜberlebenden gespielt habe, hat mich das auf jeden Fall verändert. Ich habe die Macht der Musik gespürt. Ob andere durch meine Musik verändert wurden? Ich weiß es nicht.

Sting:
ANTWORT: Ich habe für Amnesty International in Chile und Argentinien gespielt – an Orten mit repressiven Systemen. Auch wenn das größenwahnsinnig klingt: Ja, in diesen Momenten habe ich den Eindruck gehabt, durch Musik die Welt verändern zu können. Allein bei dem Gedanken, dass ich vor jungen Leuten spiele, die morgen zur politischen Klasse gehören. Vielleicht konnte ich die Saat von Freiheit und Schönheit bei ihnen säen. Natürlich kann Musik auch das Gegenteil bewirken, sie kann Hass und Krieg provozieren. Musik ist ja nicht per Definition gut.

Mit Sting und Daniel Hope sprach Axel Brüggemann.



2008


Daniel Hope and Berlin’s Yellow Lounge
The Guardian, 09.01.2008

Cool young clubbers in Berlin are flocking to a night with a twist: all the music is classical, and orchestras play live. Helen Pidd larges it at Yellow Lounge…

Nur die Musik hat überlebt
Bonner General-Anzeiger, 27.08.2008

Der Geiger Daniel Hope, der im September beim Beethovenfest und heute Abend mit dem Beaux Arts Trio in Rolandseck gastiert, über Komponisten in Theresienstadt und seinem Mentor Yehudi Menuhin

Gleich zweimal gastiert Daniel Hope in der nächsten Zeit in der Region. Heute Abend gibt er als Geiger des Beaux Arts Trios einen Kammermusikabend im ausverkauften Bahnhof Rolandseck. Am 20. September stellt er unter anderem mit dem Schauspieler Ulrich Matthes sein Programm „Musik war Hoffnung“ mit Kompositionen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt im Rahmen des Beethovenfests vor. Mit Hope sprach Bernhard Hartmann.

GA: Sie nennen Ihre Programm „Musik war Hoffnung“. Drückt die Musik aus dem Konzentrationslager Theresienstadt wirklich Hoffnung aus oder vielleicht doch eher Trauer und Resignation?

DANIEL HOPE: Wenn man die Geschichte der Komponisten kennt, entsteht natürlich beim Hören eine große Trauer und Melancholie. Ohne dieses Wissen ist es jedoch anders. Das Streichtrio von Gideon Klein habe ich einmal zufällig im Autoradio gehört, ohne vorher die Ansage mitbekommen zu haben. lch war beeindruckt von der Stärke und der Energie dieses Stückes. Erst hinterher habe ich erfahren. was das war. Ich kannte den Namen Gideon Klein nicht und habe dann angefangen zu recherchieren. Im Nachhinein, mit dem Wissen um das tragische Schicksal des Komponisten, verändert sich das Gefühl für diese Musik. Die Musik der Komponisten aus Theresienstadt, sei es von Klein, Hans Krása oder Erwin Schulhoff, besitzt eine unglaubliche Kraft. Und diese Kraft ist alles andere ist als sentimental. Ich finde es ganz erstaunlich, dass diese Männer unter solch extremen Lebensumständen dazu in der Lage waren, so großartige Werke zu erschaffen.

GA: Sie haben sich ja intensiv mit den Biografien dieser Komponisten beschäftigt. Wie fließt das in Ihre Interpretationen ein. wenn sie etwa von Schulhoff die Sonate für Violine solo spielen?

HOPE: Für mich ist es unmöglich, nachdem ich von den Umständen weiß, wie die Werke entstanden sind, mich völlig davon zu lösen. Gerade an einem solchen Abend, an dem zusätzlich Texte gelesen werden, die das verdeutlichen. ist das einfach eine sehr emotionale Geschichte. Dafür kann ich garantieren. Die Musik und die Texte, die um diese Musik herum entstanden sind, vermitteln einerseits einen tragischen Abend, andererseits aber auch einen hoffnungsvollen. Weil diese Musik letztendlich überlebt hat, auch wenn die Komponisten sterben mussten.

GA: Yehudi Menuhin ist ihr wichtigster Mentor gewesen. Er hat sich bereits unmittelbar nach dem Krieg für die Versöhnung eingesetzt, während viele andere jüdische Musiker wie Isaac Stern oder Artur Rubinstein nie mehr in Deutschland auftreten wollten. Hallen Sie jemals Zweifel, ob Menuhins Haltung wirklich die richtige war?

HOPE: Die Haltung von Menuhin zu kommentieren, ist sehr schwierig. Man müsste sich auch in diese Zeit hineinversetzen. Das kann ich und das darf ich auch nicht machen. Ich kann es nur als Beobachter aus dem 21. Jahrhundert tun. Und da muss ich sagen, dass dazu unglaublich viel Mut gehörte. Ich kann auch verstehen, warum er das gemacht hat. Er sagte damals, dass sein Deutschland dasjenige von Mendelssohn und von Goethe sei und nicht das von Hitler. Gerade weil es so grauenvoll war, was damals passiert ist, musste man schnellstmöglich handeln, um eine Versöhnung in Gang zu bringen. Zum Teil ist das sicher ein bisschen naiv gewesen. Natürlich erntete er Kritik von vielen Seiten. Menuhin war jemand, der immer versucht hat, die Hand zu reichen. Wenn man das in unseren heutigen Kontext überträgt, folge ich ihm. Ich versuche, Verständigung zu fördern. Als ich Zusammen mit Menuhin in Deutschland aufgetreten bin, habe ich immer wieder den Satz gehört: „Danke, dass Sie zu uns zurückgekommen sind.“ Oder: „Danke, dass Sie uns Mendelssohn zurückgebracht haben.“ Das hatte schon eine unglaubliche Wirkung in Deutschland.

GA: In Ihrem Buch „Familienstücke“, aus dem Sie am Tag nach dem Konzert auch lesen werden, spielt die Zeit des Nationalsozialismus ebenfalls eine zentrale Rolle. Hat Ihre eigene Familiengeschichte das Interesse an der Musik aus Theresienstadt befördert?

HOPE: Ich beschäftige mich mit dieser Thematik schon seit mehr als zehn Jahren. Das Buch hat da nicht so einen großen Einfluss speziell auf diese Thematik gehabt. Ich habe mehr über mich selbst erfahren, welche „Mischung“ ich bin. Und hier hat mich vor allem die Verbindung zur jüdischen Seite interessiert, von der ich vorher nicht so viel wusste. Das Thema war bei mir als Kind nie präsent. Erst als ich meine Familiengeschichte zurückverfolgt habe, sozusagen bis zum ersten Rabbiner von Potsdam, da habe ich gesehen, wie umfassend diese Religion in meinen Wurzel ist.

GA: Sie sind derzeit mit dem Beaux Arts Trio auf Abschiedstour. Dann löst sich dieses Ensemble nach mehr als einem halben Jahrhundert auf. Was haben Ihnen die fünf Jahre bedeutet, in denen Sie an der Seite des Pianisten Menahem Pressler, der von der Gründung an dabei war, Geige gespielt haben?

HOPE: Allein Pressler kennen zu dürfen, gehört zu den glücklichsten Fügungen meines Lebens. Einem solchen Musiker, der sich 70 Jahre mit den großen Klassikern auseinandergesetzt hat, zuzuhören, geschweige mit ihm auf der Bühne zu sein und zu spielen, ist ein unglaubliches Glück und eine Freude für mich. Wir haben in den sechs Jahren fast 400 Konzerte auf der ganzen Welt gespielt.

GA: Werden Sie auf irgendeine Weise, vielleicht mit einer komplett neuen Klaviertrio-Besetzung, die Tradition des Beaux Arts Trios fortsetzen?

HOPE: Nein. Für mich ist es nicht Möglich, mir ein Beaux Arts Trio ohne Menahem Pressler vorzustellen. Wir sind nur seine Wegbegleiter, aber für mich ist das Beaux Arts Trio noch immer die Besetzung mit Menahem Pressler, dem Cellisten Bernard Greenhouse und dem Geiger lsidor Cohen. Nachdem ich sechs Jahre in einem festen Ensemble war, möchte ich jetzt erst einmal meine anderen Kammermusikprojekte, die in der Besetzung flexibler sind, ausleben.

GA: Ihr Repertoire reicht von Vivaldi bis zu Uraufführungen neuer Musik. Sie treten als Solist wie als Kammermusiker, dirigieren sogar und machen gemeinsame Projekte mit Popmusikern wie dem Police-Schlagzeuger Stewart Copeland. Wie bringt man das alles unter einen Hut?

HOPE: Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich bin einfach besessen von Musik! Musik infiziert jeden Tag meines Lebens.

Zur Person
Daniel Hope kam 1974 in Durban (Südafrika) zur Welt. Ein halbes Jahr später zog die Familie zunächst nach Paris, dann nach London, wo Daniels Mutter Eleanor von Yehudi Menuhin als Sekretärin und später als Managerin engagiert wurde. Zu Daniel Hopes wichtigsten Lehrern zählen Sheila Nelson. Itzhak Rashkovsky und Zakhar Bron. Seit 1985 bis zu Menuhins letztem öffentlichen Auftritt 1999 in der Düsseldorfer Tonhalle, wo Hope unter dessen musikalischer Leitung Alfred Schnittkes Violinkonzert spielte, arbeitete er regelmäßig mit seinem Mentor zusammen. Hope wirkte bei Anne Sofie von Otters Album „Theresienstadt“ mit, das Musik jüdischer Komponisten aus dem Konzentrationslager vorstellt. Zuletzt veröffentlichte er, ebenfalls bei der Deutschen Grammophon, ein Album mit Konzerten von Antonio Vivaldi.

ga

Wenn jemand klatschen möchte, dann sollte er es tun
klassik.com, 10.10.2008

Daniel Hope gehört zu den profiliertesten Geigern der Welt. Der Engländer mit südafrikanischen, deutschen und irischen Wurzeln begeistert Kritik und Publikum gleichermaßen durch raffinierte Interpretationen und durchdachte Konzertformen, die oft über die Klassik weit hinausgehen. Thomas Vitzthum sprach mit Daniel Hope während einer kleinen Konzertreise durch Italien über Vivaldi und Mozart, Raschelnde Zuhörer, Zivilcourage und den Abschied des Beaux Arts Trios.

Ach, Italien, Herr Hope Sie haben es gut!

Allerdings, es ist ein tolles Erlebnis hier in Mantua Vivaldi zu spielen. Vor allem in einem Saal, den Mozart seinerzeit eröffnet hat. Wir spielen im Angesicht einer Büste von Mozart. Früher war das hier ein anatomisches Theater, die Studenten konnten von den Rängen auf den Professor schauen, der dort Leichen obduziert hat. Dann wurde es umgebaut und Mozart hat dort ein Konzert dirigiert, das vier Stunden gedauert hat. Das muten wir unserem Publikum nicht zu (lacht).

Vivaldi hat Mozart wohl nicht gespielt. Der rote Priester gilt manchen ja als Vielschreiber und ziemlicher Langweiler.

Das kann ich nicht verstehen. Ich bin verrückt nach Vivaldi. Gerade in Italien Vivaldi zu spielen, ist etwas ganz besonderes. Gestern Abend bin ich lange durch die Stadt gewandert. Orte, an denen Komponisten gewirkt haben, kennen zu lernen, ihre Atmosphäre und Aura aufzunehmen, wirkt sich positiv auf meine Interpretationen aus. Venedig etwa feuert meine Vorstellung beim Spielen eines Vivaldi-Konzerts an, das Wasser, die alten Palazzi, die Brücken, der Geruch – gerade in den italienischen Städten kann man sich leicht in die Vergangenheit zurückversetzen. Aber auch wenn ich das Violinkonzert von Alban Berg spiele, denke ich mich in seine Wohnung in Wien, die noch heute erhalten ist. All diese Impressionen gehen in mein Spiel ein, dadurch wird etwas schwer zu Beschreibendes ausgelöst. Es fühlt sich echter an.

Wie ist das italienische Publikum?

Fantastisch. Kein Publikum reagiert so unmittelbar, wenn es ihm gefallen hat oder auch wenn es ihm nicht gefallen hat. Am Ende eines Satzes gibt es oft spontan Applaus…

…wofür man ja hierzulande als Dummkopf ausgezischt wird…

…und das ist sehr schade. Ich merke genau, wenn jemand aus Versehen oder aus Überzeugung zwischen den Sätzen klatscht. Wenn das aus Überzeugung passiert, ist das für mich ein wunderbares Gefühl. In früheren Jahrhunderten war das doch normal, hatten Konzerte mehr den Charakter eines Jazz-Events.

Vermissen Sie Direktheit?

Manchmal Ja. Ich kann doch niemandem verbieten, seine Emotionen zu zeigen. Wenn jemand klatschen möchte, dann sollte er es tun.

Besser Applaus als das Zwischen-den-Sätzen-Gehuste.

Es geht noch schlimmer. Das langsame Auswickeln von Hustenbonbons ist entsetzlich, aber alles wird vom Läuten von Handys getoppt. Einmal habe ich ein Konzert wegen Störung abgebrochen. Es war in New York, ich trat mit dem Beaux Arts Trio auf. In der ersten Reihe saß ein Herr und war offensichtlich mit seinem Sitz nicht zufrieden. Wir spielten schon. Plötzlich stand er auf und beschwerte sich laut, schließlich habe er viel Geld bezahlt. Ich bat ihn dann, den Saal zu verlassen oder sich endlich wieder hinzusetzen. Er ging und das ganze Publikum hat laut applaudiert. Ich merke genau, wenn ich ein Publikum habe oder eben nicht. Und das faszinierende ist, dass es oft nur einer Sekunde bedarf, um diesen Kontakt zu gewinnen oder komplett zu verlieren.

Am 26. Oktober spielen Sie mit dem Konzerthausorchester Mozarts G-Dur-Konzert. Haben Sie auch den Eindruck, dass sich die Musik der Komponisten vor Beethoven aus den Konzertsälen zurückzieht?

Es kommt sehr darauf an, wo man hinsieht. In den USA sind die Klassiker noch sehr präsent. In Europa werden sie nicht mehr so häufig gespielt wie früher. Bach etwa scheint heute nur noch den Ensembles der historischen Aufführungspraxis zu gehören. Kaum ein modernes Orchester spielt das noch. Ein Stück weit gilt das auch schon für Mozart. In der vergangenen Woche hat das Orchester der Metropolitan Opera ein Bach-Stück gespielt. Die Presse hat lange darüber geschrieben, wie ungewöhnlich es sei, wieder einmal Bach von einem Symphonieorchester zu hören. Das ist eine Mode. Das wird sich wieder ändern.

Muss man als Interpret die Aufführungspraxis der Mozart-Zeit kennen?

Ich glaube, es gibt Musiker und Geiger, die so viel zu sagen haben, dass sie seine Werke auch ohne dieses Wissen vollgültig spielen können. Für mich gilt, dass ich möglichst viel wissen will, nicht nur über Mozart, sondern auch darüber, wie er von anderen vor mir gespielt wurde.

Hat sich ihr Mentor Yehudi Menuhin viele Gedanken über die Artikulation der Mozart-Zeit gemacht?

Nein, darum ging es nicht. Kaum einer hat Mozart individueller gestaltet als er. Wenn er gespielt hat, ging es um Menuhin, da war sein unglaublicher Klang und Ausdrucksgehalt. Heute denken wir die Komponisten und ihre Stücke immer aus ihrer Zeit heraus. Das macht die Interpretationen aber manchmal leider austauschbar. Bei Heifetz, bei Menuhin oder Milstein brauche ich dagegen nur zwei Töne zu hören und weiß, wer der Interpret ist. Ich habe gerade Menuhins Aufnahme des G-Dur-Konzerts aus den 30ern gehört. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der die ersten fünf Töne des Violinsolos im langsamen Satz so spielt wie er. Man könnte sagen, das ist zu romantisch oder es passt angeblich nicht zu Mozart. Aber das ist mir egal, denn wie es gespielt ist, ist es zum Weinen schön. Das ist ehrlicher und natürlicher als das Spiel anderer, die mit Absicht davon absehen etwas zu machen, was nicht in ein Regelwerk passt. Es kann doch nicht sein, dass Jahrhunderte von Musikern falsch gespielt haben.

Wie haben Sie Menuhin kennen gelernt?

Unbewusst schon mit sechs Monaten. Ich bin ihm quasi in den Schoß gefallen. Meine Eltern sind aus Südafrika geflüchtet, weil mein Vater Anti-Apartheid-Schriftsteller ist. Da war ich ein halbes Jahr alt. Sie gingen nach England und weil das Geld knapp wurde, suchte sich meine Mutter einen Job. Durch Zufall kam sie über eine Teilzeitagentur an den Posten als Sekretärin bei Menuhin. Sie sollte das eigentlich bloß ein halbes Jahr machen, daraus wurden aber 26 Jahre. Die ersten sieben Jahre hat sie mich jeden Tag in sein Haus mitgebracht, ich bin mit ihm groß geworden. Er hat sich als mein musikalischer Großvater verstanden.

Haben Sie noch einen Bezug zu Südafrika?

Ich fühle mich überhaupt nicht als Südafrikaner. Für mich ist es nicht entscheidend, wo jemand geboren wurde, sondern wo sich jemand zuhause fühlt. Ich bin Engländer und dazu Europäer, auch kulturell. Meine Familie hatte aus verschiedenen Gründen Europa verlassen, meine jüdische Hälfte kam aus Deutschland, meine katholische Seite aus Irland. Sie sind alle nach Südafrika geflüchtet, aber im Herzen doch Europäer geblieben. Südafrika war eine Teilzeitheimat für ihre Seelen. Deshalb war die Rückkehr nach Europa auch eine Art Heimkehr. Aber ich verfolge genau, was in Südafrika passiert. Das Land hat riesige Probleme. Ich bin schockiert, wie Politiker dort über das Drama Aids reden, es herunterspielen. Dabei ruiniert Aids die ganze Gesellschaft in diesem wunderschönen Land.

Viele Künstler haben Südafrika während der Apartheid boykottiert, würden Sie im Iran auftreten?

Das ist eine spannende Frage, die mir noch nie gestellt wurde (überlegt lange). Ich würde keine offizielle Einladung durch den Präsidenten annehmen. Wenn ich dort auftreten würde, dann würde ich versuchen ein Zeichen zu setzen, ich würde jüdische, sowie iranische Musik aufs Programm setzen. Wenn ein Land sagt, dass Israel nicht das Recht hat zu existieren, dann ist das eine inakzeptable Äußerung. Man würde mich wahrscheinlich verhaften, bevor ich die Bühne betrete.

Sie sind katholisch getauft und praktizierender Protestant. Wie wichtig sind Ihnen Ihre jüdischen Wurzeln?

Sehr, sehr wichtig. Diese Wurzeln reichen zurück bis zum ersten Rabbiner von Potsdam. Für mich gehört das Judentum zu mir und zu meiner Musik. Die Geschichte meiner Familie hat mich tief bewegt und ich versuche das auch in den Konzerten zu zeigen. Am 9. November veranstalte ich im Flughafen Tempelhof ein Benefizkonzert anlässlich des 70. Jahrestags der Reichsprogromnacht. Diese Nacht hat meine Familie direkt betroffen. Danach haben sie alles verloren, vor allem haben sie gemerkt, dass sie falsch waren. Meine Urgroßväter Clemens Klein und Wilhelm Valentin waren lange begeisterte Anhänger der Nazis und das obwohl sie Juden waren. Beide waren getaufte Christen, fühlten sich als Deutsche, kämpften im 1. Weltkrieg und waren hoch dekoriert. Doch spätestens ab dem 9. November hat Clemens Klein gemerkt, dass ihn keiner mehr will. Er hat das nicht verwunden und sich einige Monate später das Leben genommen. Er konnte es nicht ertragen Deutschland zu verlassen und alles aufzugeben. Das Konzert ist mir deshalb sehr wichtig und das gerade in Tempelhof.

Was bedeutet der Ort?

Er ist auf Grund seiner Architektur eine Erinnerung an die Nazi-Zeit, aber es ist auch der Ort der Luftbrücke, ein Ort der Zivilcourage. Einen besseren Erinnerungsort gibt es gar nicht in Berlin. Dass der Flughafen nun geschlossen wird, ist ein großes Drama. Das ist ein Markenzeichen für Berlin.

Gibt es so etwas wie Normalität im Umgang mit dem Judentum in Deutschland?

Nein, ich fürchte nicht. Wenn man allein an die vielen Sicherheitsvorkehrungen denkt, die immer noch nötig sind. Aber als Musiker will ich doch zur Normalität beitragen. Ich kann mich da an ein prägendes Erlebnis erinnern. Es war 1996, da gaben Yehudi Menuhin und ich ein Konzert in Wunsiedel. Dort liegt der Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess auf dem Friedhof und jedes Jahr Ende August findet ein von Neonazis veranstalteter Gedenkmarsch statt. Die Stadt konnte lange nichts dagegen machen. Nun, ausgerechnet am Tag unseres Konzerts war es wieder soweit und der Bürgermeister kam zu Menuhin entschuldigte sich dafür und meinte, dass es wohl besser sei, das Konzert abzusagen, weil am Ende noch die Neonazis kommen könnten, um es zu stören. Menuhin sagte: Nur über meine Leiche. Dieses Konzert findet statt. Wenn sie kommen wollen, sollen sie kommen. Im Gegenteil machen sie die Türen weit auf. Und wir haben das Konzert gespielt. Das hat mich sehr bewegt.

Sie waren nun einige Jahre Mitglied des Beaux Arts Trios. Gerade haben Sie Ihre Abschiedstournee gegeben. Was ist in Ihnen vorgegangen?

Es war ein wahnsinnig emotionaler Abschied. Aber die Tournee ging ein Jahr lang, das erste Konzert war wohl das schwerste. Nach 80 Konzerten bekam ich es besser in Griff, obwohl sich die Gefühle des jeweiligen Publikums ja immer wieder sehr stark äußerten.

Ich stelle mir das kurios vor, ein Mitte 30-Jähriger auf Abschiedstournee…

…(lacht), genau, vor allem in Amerika kamen Leute und fragten mich ratlos, was ich denn nun für den Rest meines Lebens tun werde. Sogar Menahem Pressler, immerhin weit über 80, hat im nächsten Jahr über 100 Konzerte. Auch wir beide werden weiterhin zusammenspielen. Aber für die Leute war das dennoch wie die Beerdigung von uns drei Musikern. Auch ich bin mit dem Beaux Arts Trio groß geworden, ein Leben ohne ist schon sehr seltsam.

Gab es die Überlegung, das Trio ohne Menahem Pressler mit einem neuen Pianisten weiterzuführen?

Ja, aber da habe ich mich dagegen gewehrt. Pressler sagte, dass er uns das Beaux Arts Trio irgendwann gerne überlassen hätte. Aber meiner Meinung nach hätte das nicht funktioniert, denn für mich ist Pressler die schillernde Persönlichkeit des Beaux Art Trios, mehr als alle Streicher, die in den Jahren mit ihm gespielt haben. Ich habe mich immer ein wenig wie ein Gast gefühlt, ganz dabei, aber gleichzeitig sehr geehrt, Teil dieses legendären Ensembles zu sein. Im Nachhinein bin ich über diese Form des Abschieds dankbar, es fühlt sich richtig an.

Wie gut kennen Sie das Konzerthausorchester, mit dem Sie am 26. Oktober spielen werden?

Sehr gut, ich habe in den vergangenen Jahren sicher sechsmal mit ihnen gespielt. Ich mag auch diesen neuen alten Saal extrem gerne. Immerhin steht er auf dem Grundstück, wo schon Paganini aufgetreten ist. Die ganze Ecke der Stadt mag ich und wohne dort auch immer, wenn ich in Berlin bin. Mich erinnert das immer an eine sehr wichtige Phase meines Lebens. Ich habe vor Jahren mit dem Orchester Schumanns Violinkonzert gespielt und während dieser Tage das Haus meiner Urgroßeltern in Berlin wieder besucht. So habe ich begonnen, mich mit den deutschen Wurzeln meiner Familie zu beschäftigen.

Vor dem Konzert können die Zuhörer im Konzerthaus frühstücken. Ich könnte mir vorstellen, dass ihnen so eine kulinarische Musikvermittlung gefällt…

…(lacht). Ich finde das toll. Alles, was Publikum und Musiker zusammen bringt, ist gut. Was gibt es schöneres als gut zu essen und dann gute Musik zu hören, so sollte jeder Morgen anfangen.

Klassikstars engagieren sich gegen das Vergessen
Die Welt, 11.10.2008

Den 9. November würdig zu begehen, ist eines der größten Probleme der deutschen Gedächtniskultur. Nicht etwa, weil auf dieses Datum gleich vier Großereignisse fallen: die Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918, der 1923 niedergeschlagene Putsch von Hitler und Ludendorff in München, die Pogromnacht von 1938 und die Öffnung der Berliner Mauer 1989. Nein, allein die Vorgänge von 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht machen den 9. November zu einem äußerst schwierigen Gedenktag.

Denn die damaligen Ereignisse sind nicht entrückt in eine unwiederholbare Vergangenheit. „Es gibt in der ganzen Welt Rassismus und rassistische Sprüche, die nicht akzeptabel sind”, sagt Daniel Hope. „Jeder muss für sich überlegen, wie er darauf reagiert, was er dagegen tun kann.” Sein Engagement gegen das Vergessen und für Zivilcourage findet am 9. November 2008 einen neuen Höhepunkt im Benefizkonzert aus Anlass der 70. Wiederkehr dieses furchtbaren Tages. Bereits der Titel deutet an, dass es hier um mehr geht als eine Gedenkfeier: „Tu was!” nennt Hope das Konzert. Als Schirmherr fungiert Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Die Idee dazu verdankt sich einem Zufall. Hope suchte am Flughafen Singapur nach Urlaubslektüre, stieß aber auf Martin Gilberts Buch „Kristallnacht” – und verschlang es in zwei Stunden. „Ich war total schockiert über das Ausmaß der Gewalt, die 1938 unter den Augen der internationalen Presse zum Ausbruch gekommen war, über die vielen Augenzeugen, die einfach nur zugesehen und nichts getan haben.”

Binnen weniger Wochen stellten Hope und einige Helfer das Benefizkonzert im Flughafen Tempelhof auf die Beine. Er fragte Freunde, ob sie ohne Gage daran teilnehmen würden, und erhielt positive Antworten, unter anderen von Sol Gabetta, Thomas Quasthoff, Till Brönner, Max Raabe und Klaus Maria Brandauer. Die Einnahmen kommen der Freya von Moltke Stiftung zugute, die alljährlich 5000 Jugendliche aus Ost- und Westeuropa in Kreisau zusammenführt, einem Zentrum des Widerstands gegen Hitler. Helmuth James von Moltke versammelte auf dem schlesischen Gut bürgerliche Intellektuelle um sich, die Deutschlands künftige Rolle in einem demokratischen Europa planten. Moltke wurde Anfang 1945 in Plötzensee ermordet, seine Witwe Freya ging zunächst nach Südafrika, dann in die USA. Dort lernte sie eine Großtante von Daniel Hope kennen. Der britische Geiger mit deutschen Großeltern hat also auch eine fast familiäre Beziehung zur Familie Moltke.

Insofern ist er prädestiniert für ein Gedenkkonzert wie das am 9. November in Tempelhof. Den Ort wählte er mit Bedacht, der Flughafen symbolisiert sowohl nazistische Architektur wie die Freiheit Berlins. Hope bedient sich auch des problematischen Begriffs „Kristallnacht“, der eigentlich die Pogrome als eine Art Silvestervergnügen interpretiert. Vorsichtshalber fragte er bei der Jüdischen Gemeinde an, die fand nichts einzuwenden.

„Auch Menahem Pressler verwendet diese Bezeichnung”, so Hope. Der legendäre Gründer des Beaux Arts Trios hatte als 15-jähriger die Pogromnacht in Leipzig erlebt, er konnte mit seiner Familie im letzten Moment aus Deutschland fliehen. Der Auftritt des mittlerweile 85-jährigen Pressler dürfte der Höhepunkt des Konzerts werden.

Ein musikalischer Nachtflug in die Vergangenheit
mz-web.de, 13.10.2008

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn sich die ältere Dame am Fenster der Dahlemer Villa damals freundlicher verhalten hätte. Vielleicht hätte Daniel Hope dann für den kommenden Sonntag ein Konzert in New York angenommen oder in Wien, in Amsterdam oder London. Überall dort wird der Geiger in den kommenden Monaten zu Gast sein. Doch am 9. November hat er nun die Abflughalle des eben erst stillgelegten Airports in Berlin-Tempelhof für ein Konzert mit Freunden gebucht, mit denen er unter dem Motto “Tu was!” an den 70. Jahrestag der Pogromnacht erinnern will.

Zwei Wochen vor dem großen Auftritt sitzt Daniel Hope – nach einer Mozart-Matinee im Berliner Konzerthaus – bei Lutter & Wegner. Das Restaurant am Gendarmenmarkt ist als Altberliner Institution die perfekte Kulisse für ein Gespräch, das weit hinter das Leben des 34-Jährigen zurückreicht. Sein jüdischer Ururgroßvater Julius Valentin betrieb mit dem späteren AEG-Gründer Emil Rathenau in der Chausseestraße eine Maschinenfabrik, die Nachkommen lebten wohlhabend in einer Vorort-Villa – bis sie 1935 von den Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen wurden.

Warum Daniel Hope auch irische Wurzeln hat und 1974 in Südafrika geboren wurde, aber in London aufwuchs, ist in seinem Buch „Familienstücke” nachzulesen – ebenso wie die Geschichte seiner Spurensuche, die mit dem abweisenden „Verschwinden Sie!” und dem zugeschlagenen Fenster am einstigen Besitz der Familie begonnen hatte. Warum er als getaufter Katholik und praktizierender Protestant nun an das Schicksal deutscher Juden erinnert, erzählt er selbst.

Auf einer Konzerttournee nach Asien suchte er im Mai dieses Jahres nach Flugzeug-Lektüre – und fand ein Buch des Historikers Martin Gilbert, der die Ereignisse vom 9. November 1938 akribisch rekonstruierte. Nachdem Hope – der als Mitglied des Beaux Arts Trios in dem Pianisten Menahem Pressler einen Augenzeugen der Zerstörungen kennengelernt hatte – auf den runden Jahrestag des Geschehens aufmerksam wurde, entschloss er sich zum Handeln.

Binnen weniger Wochen hatte er nicht nur Weltstars wie den Bassbariton Thomas Quasthoff und die Cellistin Sol Gabetta, die Pianistin Heléne Grimaud und den Schauspieler Klaus Maria Brandauer, die Band Polarkreis 18 und den Trompeter Till Brönner gewonnen. Er hatte in Tempelhof zudem den Rahmen für sein spektakuläres Vorhaben gefunden – und in Außenminister Frank-Walter Steinmeier den passenden Schirmherrn.

So zupackend ist der Weltbürger Daniel Hope immer – egal, ob er mit Brandauer ein Programm zur Erinnerung an den Theologen Dietrich Bonhoeffer konzipiert oder mit einem Streich-Trio und dem Sprecher Ulrich Matthes als Sprecher an „Verbotene Musik” erinnert. Dabei könnte er sich längst auf sein klassisches Repertoire sowie sein Management verlassen und ansonsten sein Leben genießen. Warum tut er das alles? „Eben weil ich dabei mein Leben genieße”, sagt er lachend. “Gute Musik mit guten Freunden für einen guten Zweck – was gibt es Schöneres?”

Es ist, als spräche in diesem Moment auch sein „musikalischer Großvater” Yehudi Menuhin, bei dem Daniel Hope die Kindheit und die erste Ausbildung genoss, während seine Mutter als Sekretärin für den Star arbeitete. Ihm verdankt er zudem seine Liebe zu Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen Violinkonzert das erste Stück war, das Daniel Hope hörte und später selbst spielte. Unlängst hat er mit der Aufnahme der Urfassung seinen vierten Echo-Klassik-Award gewonnen. Und was wird er selbst am Sonntag in Tempelhof spielen? Ganz klar: Mendelssohn! Weil er ein jüdischer Komponist war, der tief im deutschen Erbe wurzelt – und weil seine Musik einfach unmittelbar zu Herzen geht.

Geiger Daniel Hope im Gespräch über populäre und unpopuläre Musik
Berliner Zeitung, 16.10.2008

Daniel Hope ist einer der vielseitigsten und besten Geiger seiner Generation. 1974 in Südafrika geboren, nahm er seinen ersten Unterricht mit 4 Jahren und trat im Alter von elf zum ersten Mal mit Yehudi Menuhin auf, Beginn einer langen Partnerschaft. Er war Mitglied des Beaux Arts Trio und ist Künstlerischer Direktor beim Savannah Music Festival, wo er regelmäßig Werke junger Komponisten in Auftrag gibt. Für Aufsehen sorgte 2007 sein Buch „Familienstücke”, in dem er die Geschichte seiner irisch-deutsch-jüdischen Familie erzählt.

Herr Hope, spielen Sie gerne Hits?

Wie meinen Sie das?

Ich meine die üblichen Verdächtigen, Dauerbrenner der Klassik wie Mozart, Tschaikowsky, Vivaldi.

Der größte Hit für die Geige sind natürlich die „Vier Jahreszeiten”, es gibt kein anderes Violinkonzert, das sich so gut verkauft und so sehr gewünscht wird. Danach kommt das erste Violinkonzert von Max Bruch, was zum Beispiel in den Charts von Classic FM immer weit vorne ist. Ja, wenn Sie das meinen: Ich spiele die „Vier Jahreszeiten” gerne und genauso auch das Violinkonzert von Bruch. Andererseits denke ich: Man kann auch Hits machen. Man kann Musik spielen, die nicht so bekannt, aber trotzdem genial ist und auch mit dieser Musik viel bewegen.

Ist Ihnen das schon mal gelungen, einen Hit zu machen?

Nicht nur mir. Viele Künstler haben Musik gespielt, die sie als wichtig und toll empfunden haben und die beim Publikum großen Erfolg hatte. Das ist auch schon ein Hit. Es muss sich ja nicht gleich zigtausendmal verkaufen. Dabei spielen auch die Medien eine Rolle, insbesondere der Rundfunk. Wenn die das unterstützen, kann es dieses Hit-Phänomen auch geben. Das war zum Beispiel der Fall bei Henryk Góreckis dritter Symphonie (ein Auftragswerk des SWR), die wurde ein unglaublicher Hit. Oder die Sarabande aus der Cembalo-Suite von Händel, die für Cello bearbeitet und dann in einer Werbung für Levi’s-Jeans gespielt wurde – das hat sich auch millionenfach verkauft.

Sie haben gerade eine CD mit Vivaldi-Konzerten aufgenommen, von denen keines so populär geworden ist wie die „Vier Jahreszeiten”. Lässt sich das musikalisch begründen?

Nein. Natürlich sind die „Vier Jahreszeiten” geniale Werke, sie sind brillant geschrieben und berühren ein Publikum – das braucht man für einen Hit. Aber ich behaupte, wenn genügend Geiger auch die anderen Vivaldi-Konzerte spielen und aufnehmen würden, unterstützt durch ein breites Medium, würde man sehr schnell auch andere Hits haben. Man sieht das zum Beispiel bei der Händel-Arie „Lascia la spina”, die Cecilia Bartoli vor ein paar Jahren eingespielt hat. Die gibt es seit 300 Jahren – plötzlich wurde sie zu einer weltweiten Sensation.

Wenn ein Konzertveranstalter nun das Tschaikowsky-Konzert oder Mendelssohn E-Moll auf Ihr Programm setzen will, sagen Sie dann sofort Ja – oder versuchen Sie, ein anderes Werk vorzuschlagen, das noch nicht diese Popularität hat?

Es gibt Veranstalter, die sagen: „Wir hätten gerne ein großes, romantisches Violinkonzert. Wie wäre es zum Beispiel mit Bruch?” – Klar, es gibt ja drei Violinkonzerte von Bruch, und oft kann ich einen Veranstalter überreden, eins der weniger bekannten zu machen. Im Programmheft steht dann trotzdem „Bruch-Violinkonzert”, und die Leute wollen es auch hören. Man schafft es natürlich nicht bei allen. Manchmal wollen Veranstalter einfach das Mendelssohn-Konzert haben. Weil es ja auch ein Ereignis ist, diese tolle Musik zu hören. Und wie könnte ich da dagegen sein? Das wäre einfach falsch.

Sie vergeben regelmäßig Kompositionsaufträge – wie werden die finanziert?

Manchmal bezahle ich das privat, manchmal wird es auch durch mein Festival in den USA finanziert. Beim Savannah Music Festival haben wir ein Budget für so etwas. Oder ich versuche, Stiftungen und Banken zu überreden.

Bekommen die Komponisten von Ihnen bestimmte Vorgaben?

Nein, das wäre doch blöd von mir. Ich frage natürlich nach der Dauer und der Besetzung. Klar, wenn so ein Stück 60 Minuten geht, mit 15 Posaunen, muss man schon fragen, ob das realisierbar ist. Ich will das ja nicht nur ein einziges Mal spielen. Aber musikalisch, also in welchem Stil einer etwas komponiert, da würde ich mich nie einmischen – das ist doch kein Wunschkonzert.

Schreiben die beauftragten Komponisten heute mehr atonale oder tonale Musik?

Früher war es mehr atonal, aber inzwischen gibt es eine Tendenz, davon weg zu kommen. Es gibt eine ganz neue Generation von fantastischen, jungen Komponisten, Leute wie Thomas Adès, Mark-Anthony Turnage, oder Magnus Lindberg – diese Musik kann man zwar nicht unbedingt als tonal bezeichnen, aber atonal ist sie auch nicht. Sie hat eine Sprache, die sehr dynamisch ist, die einen direkt trifft. Das ist für mich wichtig.

Mögen Sie eigentlich die Atmosphäre eines Konzertsaals, die Distanz zum Publikum?

Ich bin lieber nah an den Hörern. Als ich das erste Mal bei der „Yellow Lounge” in einem Berliner Club aufgetreten bin, da hatten wir 300 bis 400 Leute, alle um die 20, die standen um uns herum, saßen unter dem Klavier und überall – ich persönlich finde das ganz toll. Es ist ja auch so, dass zum Beispiel Vivaldis Musik für solche Ereignisse geschaffen wurde, für Abendessen oder Hofkonzerte, Musik war Bewegung, das war lebendig. Das hat nicht in starrer Konzertsaal-Atmosphäre stattgefunden, wo erst jemand spielt und danach wird applaudiert.

Haben Sie mal Straßenmusik gemacht?

Ja, früher als Student habe ich oft in London auf der Straße gespielt, an Weihnachten auf der Bond Street. Da konnte man eine Menge Geld verdienen. Gerade an Weihnachten waren die Leute sehr großzügig.

Haben Sie viele Hits gespielt?

Ja, meistens die gängigen Sachen. Aber nicht nur – es ist erstaunlich, womit man die Leute ablenken kann. Natürlich muss man eine gewisse Balance halten, aber ich denke, die Leute, die auf der Straße vorbeigehen, die wollen einfach nur schöne Musik hören. Und wenn Sie mich fragen: Für mich ist jedes Stück von Bach oder Vivaldi schöne Musik.

Und wenn Sie heute Straßenmusiker hören, bleiben Sie stehen?

Wenn die gut sind, klar. Und wenn sie wirklich gut sind, gebe ich auch ein bisschen Geld.

Hope’s “Kristallnacht“ Tempelhof Concert to recall Nazi rampage
bloomberg.com, 13.11.2008

Shop windows were smashed, 200 synagogues were destroyed, and some 30,000 Jews were deported. People were murdered, businesses and homes ransacked. “Kristallnacht“, one of the most shameful events in German history, hardly seems an event to celebrate. But when British violinist Daniel Hope realized that this year marks the 70th anniversary of the Nov. 9-10 “Night of Broken Glass“ he resolved to organize a concert in Berlin.

“I think celebration is the wrong word“, he said in an interview last month. “It’s a commemoration. I’m not planning a party. But there needs to be some kind of event to mark the 70th anniversary of one of the most significant days in terms of hatred against the Jews that Germany has witnessed. Because it was from that day everything went downhill.“

Hope, at 34 one of the most strong-minded and individual violinists on the international solo circuit, was at Singapore airport in May when he found historian Martin Gilbert’s book “Kristallnacht: Prelude to Destruction“. He took it with him on a beach holiday, read it in two hours, and resolved to take action. What disturbed him most about Gilbert’s book, he said, was the fact that although war had not yet begun, so many witnesses remained passive observers. “The international press was still in Germany“, Hope said. “The New York Times and the London Times were reporting. And there are calm, chilling eyewitness accounts of large groups standing in the streets watching as Jews were beaten up and dragged from their apartments.“

Symbolic Setting

Hope has titled his concert “Tu was!“ or “Do something!“ and chosen the unusual venue of Berlin’s Tempelhof airport, a place notable not only for its striking Nazi architecture but also for its seminal role in the lifesaving airlifts during the 1948-49 Berlin Blockade.

For the concert, Hope has assembled a lineup which includes actor Klaus Maria Brandauer, pianist Helene Grimaud, singers Max Raabe and Thomas Quasthoff, popular artists Patrice and Polarkreis 18, and 84-year-old pianist Menahem Pressler, himself a victim and survivor of Kristallnacht.

Proceeds of the concert will be donated to the Freya von Moltke Foundation, which supports a center for international understanding in Kreisau, now in Poland. Freya von Moltke is the widow of Helmuth James Graf von Moltke, a leading anti-Nazi intellectual who was executed for treason in 1945. The two fought for the Resistance during World War II from their Kreisau base. She escaped to the U.S. via South Africa, where she became friends with Hope’s great-aunt.

Quixotic venture

Planning and financing an event of this magnitude in five months was a quixotic venture in an industry which generally plans five years in advance. “People often tell me that I’m mad, because I come up with projects which seem to be not possible“, said Hope, laughing. “That just fires me up even more. This is a significant date for me, 70 years at this time means that it’s possibly one of the last commemorations where survivors can be there. To be here together, in a united Berlin, in a new century, that’s an amazing thing.“

Hope, with his tousled red hair, towering physique, and aura of intensity, sips a coffee in the shabby cafe at Tempelhof. The airport, which hunches over its ambivalent past with a moth-eaten grandeur, will close two weeks after our interview but Hope has persuaded its new owner to rent him the space. A host of sponsors, including Germany’s Foreign Ministry, Daimler AG, Bayerische Motoren Werke AG and Hyatt Corp., are backing the event.

Polished Shoes

For now, our interview is still punctuated by forlorn flight announcements and the ring of a few pairs of polished shoes making the long journey through the cavernous departure hall. Berlin at the time was the center of Nazi Germany, and today it is the new future“, says Hope, who was born in South Africa, travels on an Irish passport, and lives in Amsterdam with his German wife. “It matters enormously to me. I have always felt a connection to Berlin.“

That link is more than mere sentiment. Hope’s grandparents and great-grandparents came from Berlin. As Jews, they were forced to flee, some dying along the way. The Dahlem villa of his great-grandfather, a steel magnate, was confiscated by the German foreign office, which still owns it today. The house was, at various times, a Jewish school and a Nazi center for cryptography, and now houses the German Archaeological Institute. Hope’s book about the house, “Familienstuecke: Eine Spurensuche“ or “Family Album: Following the Trail“ was published in German last year.

Comfortable Hindsight

“I have to say that I don’t know any other country as open about its past as Germany is“, Hope said. “That’s something I salute. I don’t know what I would have done back in 1938. I would like to have opened my mouth and shouted. But I can’t know that. It’s easy to sit here with the comfort of hindsight and make judgments. “This is about looking forward“, he said. “Every day we have racism, every day there are neo-Nazis, in many countries we have a rising far right, and people who don’t tolerate the views of others. This is about what we can do to try and make things a little better.“

“Music has an incredible power, because no matter what language you speak, you will respond to it. You can’t change the world, but you can change minds. I’m a great believer in dialogue. If you can persuade three people to start talking, that’s already a start.“

A new context for the Holocaust
Newsweek, 15.11.2008

With far-right anti-immigrant parties strengthening in Austria, and growing opposition to the mosques and minarets shooting up from Berlin to Cologne, xenophobia is in the air in Europe. Pending job losses from the financial fallout may soon make matters worse. That’s why, when violinist Daniel Hope got the idea of hosting a 70th anniversary concert for Kristallnacht in Berlin, he wanted it to be more than a remembrance of the Holocaust and World War II. “It’s also about now, about violence against foreigners and any kind of racism,” he said. “We’re at a time, in an unstable atmosphere, where we can’t afford to be looking away and watching again.”

“Tu Was!”, or “Do Something!”, which takes place Nov. 9 at the recently closed Tempelhof Airport of Nazi pride and Berlin Airlift fame, pays homage to the infamous Night of Broken Glass in 1938 when Nazis destroyed thousands of Jewish homes, businesses and synagogues, and deported 30,000 to concentration camps, in a prelude to the Holocaust. Joining the Emmy-nominated Hope – a South Africa-born, London-raised musician who studied under Yehudi Menuhin and won Britain’s 2004 Young Artist of the Year among other accolades – is a star-studded cast that includes legendary German actor Klaus Maria Brandauer (“Mephisto”), cabaret celebrity Max Raabe and the Beaux Arts Trio pianist Menahem Pressler, who himself witnessed Kristallnacht as a 15-year-old boy in Berlin. Blending music with readings, video and discussion, the multi-genre performance features songs by the so-called “Entarte” composers of the 1930s whom the Nazis deemed degenerate and subsequently destroyed.

In the current context of tensions over Europe’s Muslim population, the concert takes on an added significance. “Germany has accepted its role within this 20th century nightmare. Daniel is only able to do this concert because Germany is so open to examining its past,” said John Axelrod, the conductor of the Lucerne Symphony Orchestra who similarly played a concert at Auschwitz last year to raise awareness about the risks of racism and xenophobia. “It’s not just about Jews and Germans. It’s about Jews and Arabs. Americans and Arabs. Germans and Muslims. Americans and Russians. Music has a humanitarian purpose; it has the ability to resonate in the souls of all people regardless of culture, language or borders,” he added.

The concert, which boasts an eclectic range of jazz, rock, classical and other genres, may mark a turning point for German-Jewish relations. That, at least, is what Hope hopes. But for the grandson of German Jews who fled Berlin before the war, most important is that it serves as “a catalyst to jumpstart people’s feelings so they start thinking, start acting, so that they don’t sit by ever again and watch while unacceptable things happen.” 70 years after Kristallnacht, with tensions mounting between Europe and its Muslims, Berlin is the ideal venue for this show. It is the place where it all began.

Concert to mark 70s since Nazi pogrom
Herald Tribune, 16.11.2008

BERLIN: The question troubles officials, academics and rabbis alike: how to commemorate a night of terrible carnage and fear that became known as “Kristallnacht,” or “Night of the Broken Glass”?

It vexed British star violinist Daniel Hope six months ago, and slowly an idea unfolded: a concert of world-class classical, pop and jazz musicians donating their time and energy to honor the victims and send a message of hope for civil courage. The concert takes place Sunday night on the 70th anniversary of the of the Nazi-incited mass riots that left more than 91 Jews dead, damaged more than 1,000 synagogues and left some 7,500 Jewish businesses ransacked and looted.

The idea was sparked by a book that Hope happened upon in a Singapore airport bookshop detailing the organized destruction of Jewish lives, property and history across Germany that began Nov. 9, 1938, and lasted two days. “It became very clear to me that I had not really grasped the full horror of Kristallnacht,” Hope, 34, told The Associated Press. “I thought it was just about smashed glass. I hadn’t realized on that day there had been so much carnage.” After reading the book, Hope, who lives in Amsterdam, Netherlands, began making calls to find out what kinds of events were planned in Germany to mark the anniversary. “I was amazed to find out that there was nothing. Nothing other than the official ceremony,” he said.

Within three months, Hope had secured support for his concert from German Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier. “Something just had to be done,” said Hope, who has German Jewish roots.

Hermann Simon, the director of Berlin’s restored, gold-domed Neue Synagogue, firmly believes acts of commemoration are crucial to preventing a repeat of the destruction that gutted the city’s landmark, central Jewish house of worship. Yet he acknowledges the how remains a challenge. “It’s difficult to know how to commemorate a day of tragedy,” Simon said. “We have to find a way, we need a new approach, but what is the right way?”

German children begin learning in the middle-school years about the Nazis’ attempt to destroy European Jewry that effectively began with Kristallnacht and culminated in the systematic murder of 6 million Jews by 1945. Some 30,000 Jewish men and boys were arrested in the Kristallnacht pogrom and sent to concentration camps.

One of the most effective teaching tools is survivor testimony. Yet these special teachers are slowly dying out, taking with them their unique ability to make history “real” for future generations.

A main commemoration ceremony attended by Chancellor Angela Merkel and Charlotte Knobloch, head of the Central Council of Jews in Germany – herself a Kristallnacht survivor – is to be held on Sunday in a restored Berlin synagogue. Other cities and Jewish communities across the country also have plans to mark the day.

Yet some worry that these events fail to reach younger generations. “There are speeches and exhibitions, but we have to think about how to make the young people learn,” Simon said. “We need something new, something thrilling. Knowing that traditional concert halls would be long booked out, Hope sought a more interesting space and on Sunday night will play the first-ever concert in the former departure area of Berlin’s recently closed Tempelhof Airport He has commitments from a dozen leading artists, ranging from 83-year-old German-born pianist Menahem Pressler, who lived through Kristallnacht, to chart-topping pop group Polarkreis 18, to big band crooner Max Raabe.

All proceeds will go toward the Freya von Moltke Foundation to promote international exchange in Krzyzowa, Poland – formerly in Germany and the site of the Kreisau Circle that resisted the Nazis.

“I’m thrilled that we can commemorate and remember the victims of one of the most horrendous acts in world history,” Hope said. “It is a wonderful chance for everybody to think about things, about the situation we are in, to keep talking about things….not doing something is the worst thing anyone can do.”

Kristallnacht anniversary: Hope comes to Berlin’s Tempelhof
The Guardian, 21.11.2008

It is an enduring symbol of the Nazi regime and once Europe’s largest airport – so what do you do with the empty relic of Berlin’s Tempelhof? British violinist Daniel Hope thinks he may have the answer. Tomorrow evening, Hope will fill the airport – which was closed just 10 days ago – with some of the world’s world-renowned musicians and actors to mark the 70th anniversary of Kristallnacht, one of the most monumental acts of racism Europe has ever witnessed.

Inspired by a book on the subject by British historian Martin Gilbert, Hope resolved to observe the occasion in the best way he knew: music. “It’s a commemoration, not a party, which is not to say it won’t be a fulfilling experience”, he told guardian.co.uk. Tempelhof, he said, came to mind as being a highly appropriate location for his Tu Was! (Act) concert, given its controversial history. “It’s a potent symbol, being both a Nazi-era building and, with its inextricable link to the legendary airlift after the war, a unique act of civil courage,” said Hope, whose own family was forced to flee Nazi Berlin.

The 35-year old, who is ranked one of the world’s leading solo violinists, quickly gathered an impressive crowd. Among them will be German bass baritone Thomas Quasthoff, pianist Helene Grimaud, the actor Klaus Maria Brandauer, pop artists Patrice and Polarkreis 18; and – arguably the most impressive figure of all – pianist Menahem Pressler, 84, himself a Kristallnacht survivor. Foreign minister Frank Walter Steinmeier agreed to act as patron to the project, which helped Hope to persuade airport authorities to let him use the departures lounge and fill it with seating for a paying audience of 800. Profits will go to the Freya von Moltke Foundation, a centre for international understanding, in Poland.

Menahem Pressler said he was delighted with the idea. “Daniel is sweet man and when he asked me if I’d take part, I reorganised my schedule to do so,” he said to guardian.co.uk yesterday. Pressler, who founded the Beaux Arts Trio chamber ensemble before disbanding it earlier this year, Kristallnacht remains an integral part of his personal history.

The state-sanctioned violence, which took place on the nights of November 8 and 9 1938, led to Pressler’s family fleeing their home in Magdeburg. Four months later they arrived in Palestine, a day before war broke out. While the pianist’s immediate family were saved from the Holocaust, his grandparents, numerous uncles, aunts and cousins perished in the concentration camps. “That night is certainly something to remember,” he said. “It obviously reminds me of the horrific persecution, but in a way, being able to take part in the concert makes me feel very, very fortunate. I had the luck to go to Israel, which saved my life, while many others didn’t and still now, at the age of 84, I’m relishing music more than ever.” It was, Pressler said, partially the suffering he experienced that made him the acclaimed musician he has become. “You get wrinkles not just on your face, but also in your heart – they reflect your experience, your suffering and your pleasure. I learned the depths of my emotions through music and channelled them into music making. I doubt I’d have become the pianist I am if I’d stayed in Magdeburg.”

The evening’s programme largely reflects the cultural riches of Germany, including music by the great composers who were banned or misused, artists whose works were considered degenerate or composers who were persecuted and murdered. Thomas Quasthoff will perform Four Serious Songs by Johannes Brahms, while Argentine-born cellist Sol Gabetta will play a work by Ernest Bloch, the Swiss composer who was inspired by Jewish liturgical and folk music. Hélène Grimaud, as famous for her love of wolves as her musical abilities, will play works by JS Bach, while Max Raabe, who has made a huge name for himself as a singer of songs from the 1920s and 30s, will revive some of the popular music from the Weimar Republic. Hope himself has opted for Lieder by Felix Mendelssohn-Bartholdy. A musician close to Hope’s heart, Mendelssohn was banned by the Nazis, who ordered linen covers to be sewn over his scores and stamped them with a warning that they were not to be played. The highlight of the evening, however, is set to be Pressler’s performance of Beethoven’s penultimate Sonata No. 31 in A-flat Major, Op. 110. He chose it, he said, because it was the piece of music which helped give expression to his experience.

“It has everything,” Pressler says. “It has idealism, it has hedonism, it has regret and it has something that builds like a fugue and at the very end – something very rare in Beethoven’s last sonatas – it ends triumphantly.”

“It says: ‘yes – my life was worth living’. That’s what I feel.”



2007


When good musicianship is no longer enough
The Telegraph, 02.02.2007

“Today’s classical musicians need to be plugged in to technology“, says Adam Sweeting News that the gifted British violinist Daniel Hope has signed a recording contract with Deutsche Grammophon, with the Mendelssohn Violin Concerto lined up as his first release, is an encouraging omen for classical listeners weary of being fobbed off with thinly-disguised pop music.

Daniel Hope: ‘You’ve got to be really plugged in to technology’

Nevertheless, despite his impeccable classical credentials – which include bar-raising recordings of Bach, Berg, Britten and Shostakovich – it’s Hope’s musical range and ambition which make him especially desirable.

His 2004 album East Meets West (for Warner Classics) picked up a gauntlet thrown down 40 years ago by Yehudi Menuhin and Ravi Shankar, when they recorded the West Meets East album together. Where Menuhin’s playing still sounded like Menuhin, Hope studied with Shankar’s disciple, Gaurav Mazumdar, and dramatically remodelled his technique to approximate an authentic Indian sound.

In 2002 he became the youngest ever member of the Beaux Arts Trio, the vintage Rolls-Royce of chamber ensembles, but he also pursues music-drama projects with actors Klaus Maria Brandauer and Mia Farrow, has collaborated with jazz vocalist Bobby McFerrin and former Police drummer Stewart Copeland, and has forged close links with contemporary composers including Turnage, Penderecki and Gubaidulina.

Following in the footsteps of his father, novelist Christopher Hope, he will also be publishing his own book, The Music of Time, to coincide with his DG debut. You might say he’s a man of parts.

“Just being a good musician is no longer enough,“ points out Matthew Cosgrove, who brought Hope aboard in his role as Deutsche Grammophon’s vice-president of A&R. Cosgrove knew exactly what he was taking on, because he had previously signed Hope to Warner Classics.

“Preaching to the converted in concert halls is fine if that’s all you want, but if you want to be bigger and spread the word further, then you’ve got to be really plugged in to modern technology and media.“

“We need to understand that classical music is part of people’s entertainment mix, so we have to learn from pop music, from computer games, from online newspapers – everyone’s having to adapt to get their message across. Daniel is one of classical music’s most persuasive exponents and ambassadors.“

A handful of other artists display similarly chameleonic abilities – for instance the off-roading cellist Yo-Yo Ma, violinist Joshua Bell or buccaneering baritone Bryn Terfel. But, as Cosgrove suggests, the biggest challenge facing classical music is to embrace new technology, and to do so profitably.

The concept of downloading has finally dawned on the major classical recording labels – Sony BMG have announced that Yo-Yo Ma’s new album Appassionato is the first Sony Masterworks release to “sell more digital copies than CDs in its first week“, for instance – but the digital revolution is being hindered by a rash of shootings in the foot.

Last year Warner Classics wowed the industry by creating a download site for its entire catalogue. Sadly, the company instantly restored the clever-dumb balance by abandoning all plans for new recordings. Universal Classics & Jazz has just launched its own online store, but – as with Warner Classics – downloads are only available in rights-protected Windows Media Audio format and can’t play on iPods, which account for a vast proportion of digital music players sold.

Yet with boldness and lateral thought, the digital era could still prove to be the salvation of the classical industry. Classical downloads enjoyed a sales surge in 2006, and fresh opportunities are there for the taking.

“Downloading could be a fantastic tool to promote young artists,” argues James Jolly, editor-in-chief of Gramophone magazine. “I said to EMI Classics, ‘Why don’t you scrap your Debut series [one-off CD recordings by new artists] and migrate it to the net?’

“They could put them up on the EMI site, but as part of the deal customers would have to provide feedback about the recordings. The more feedback you provide, maybe the cheaper your next download becomes. This sort of thinking goes on in the pop world all the time.”

It goes on in the independent classical labels, too. If the big companies can’t drag themselves out of first gear, they’ll soon find themselves out of the race altogether.

Daniel Hope’s recording of the Mendelssohn Violin Concerto will be released by DG in the autumn.

Savannah Music Festival Interview: Daniel Hope
Connect Savannah, 30.03.2007

One of the world’s most in-demand concert violinists, Daniel Hope has also served as associate artistic director of the Savannah Music Festival since 2004.

At 32, the energetic young performer represents the fresher, busier, more global face of classical music’s future. Born in South Africa, raised in the U.K., currently residing in the Netherlands and helping manage a music festival in the southern U.S., Hope also tours constantly all over the world, playing in a variety of genres from classical to Indian to jazz — while still finding time to follow the cricket scores.

Hope spoke with us recently from his home in Amsterdam, as he finished up a German tour and prepared to come stateside for the Savannah Music Festival, in which he will make several concert appearances of his own.

The single most ambitious event in this year’s Festival is Bach’s St. Matthew Passion. What was the genesis behind bringing that to town?

Daniel Hope: I met Martin Haselböck, who directs the Musica Angelica, four or five years ago when we played a Mendelssohn concerto together. I found in him the most extraordinary musician. The sound he’s able to get from a period instrument ensemble is amazing. I’m fascinated by the way he develops phrases and makes the music sing. When I heard he was doing this tour of the Matthew Passion, I got in touch and asked if we could find a way to get this to Savannah.

With two period orchestras and a large choral ensemble, it’s a massive undertaking. How did you and Director Rob Gibson decide the Festival could handle the logistics?

Daniel Hope: It’s not a natural choice for a city like this. It’s usually only seen in major American cities, so I was very keen to have it come here so people here can have a chance to hear one of the great masterpieces of Bach. I put the idea to Rob, and he didn’t need much convincing. He has for a long time admired Martin, and like all of us he loves the Matthew Passion. He went back to the board and his personal team and found out how it could work. I was thrilled they decided to do it.

It’s obviously a risk to have this kind of big-scale event put on. But I maintain that it really helps to give a face to the Festival when you have certain key events that happen throughout. It’s important to the Festival to have these kinds of things that are unique. It’s all very well to program a complete cycle of Beethoven string quartets. But by bringing in special events that are hard to find even in major cities in the U.S., it will help propel the Festival to another level, to reinforce the fact that people who come to the Festival are able to really enjoy seeing something special.

On the other end of the spectrum, people seem to really love the intimate chamber music concerts in the Telfair.

Daniel Hope: I’m still getting feedback via my website about how pleased so many people are to have chamber music back in Savannah. I’m very keen to establish a corps of players to continue to chamber music in Savannah.

With violist Philip Dukes and Josephine Knight, a great cellist, those are two key players we already have. And of course I’m pleased for a number of reasons that my wife Annika can come play bass. It gives us a chance to see each other and also to play some music together. We met playing music, that’s what connected us. We also have a number of great American artists we want to continue to spotlight. One of course is Benny Kim, not only a great musician and violinist but a great guy to have around. Then there’s Sebastian Knauer, Kristian Bezuidenhout, Mark Padmore, David Winkel, Wu Han and many many more…

These are all close friends of mine, and I think if people like each other and enjoy spending time together, that comes across in performances. What I think is important is to give a face to chamber music. Not necessarily the same players every time, but a stable group of veteran players that the audience will recognize. And all the musicians I’ve selected are all incredibly communicative people. Music is about communication, and we want more people to realize that an evening of chamber music is one of the finest art forms you can have.

In this year’s finale you’re soloing in the Brahms Violin Concerto with the Atlanta Symphony Orchestra, who accompanied Andre Watts in last year’s Festival. Is the plan for the ASO to have a yearly presence?

Daniel Hope: I’m very much hoping it’s a relationship that will continue. First of all, because it’s important to have the major orchestra in the state actually associated with the Festival. It makes a very important statement. And it’s great also for the ASO to be getting out of Atlanta and making in Savannah what I would hope to be a regular stop. I know Rob is very keen on that as well.

How did you decide on the Brahms?

Daniel Hope: It was a combination of consultation with the orchestra and with Mr. Spano, the ASO’s fine director. The Brahms concerto is one of the greatest works for violin ever written. It’s up there with the Beethoven and Mendelssohn concertos. It’s a monumental piece, full of passion, with some of the greatest melodies ever written. We certainly wanted to offer a popular piece as well as a great piece. We become spoiled as violinists, because there are so many wonderful works written for the instrument. But this in particular seemed to me to be a really great romantic work by Brahms to offer. There are a lot of romantic works throughout this year’s Festival, actually. So in a sense having the Brahms at the very end will be a fitting statement.

Brahms seems to be consistently underrated.

Daniel Hope: I’m not so sure about that. I would say there’s probably a big difference between the audience in Europe and the U.S. Certainly in Europe, Brahms is very appreciated and remains one of the composers best rooted in tradition. I think perhaps in the States there may be  less of that. If anyone is hesitant about the value of the Brahms concerto, all you have to do is listen to that opening melody. It gets me every time. And the second movement has this amazing oboe solo, itself with one of the most beautiful melodies. A lot of violinists in the day, including the great Spanish virtuoso Sarasate, refused to play the Brahms concerto. He said, “How can you expect me to stand around and watch the oboe player steal the show?” Of course, the violin is an essential part of the piece, but there is definitely the sense that he’s a part of the orchestra.

Doomsayers have long predicted the demise of classical music, but musicians such as yourself seem to be in extraordinarily high demand. Is the problem as bad as it’s been portrayed?

Daniel Hope: We have this wonderful audience now for classical music, and we need and rely upon that audience, but where the classical music industry is not paying enough attention is to the audience of tomorrow. That is a worry.  I think we certainly do have a problem in terms of audiences which, to be frank, are not getting younger.

As classical musicians we’re lucky enough to have a full cultural life offered to us so we can play every day of the year. In many concert halls in Europe, it used to be that people had to sometimes stand in line for tickets for hours. Now we see that the same halls may be 50-70 percent full.

There are phenomena out there that are different, like in Holland where I live, where the Amsterdam Concertgebouw has something like a 98 percent attendance record, often doing 5 or 6 concerts a day. There are scores of young people in their audiences.

It gets back to education in classical music. In many parts of Europe, the schools teach classical music and attendance at concerts is compulsory. At school concerts often you’ll see some of the very youngest kids actually sitting amongst the players while they’re playing. They learn what classical music is about firsthand, up close.
But if we don’t address that issue in the next 10 or 15 years we will be facing a problem. The predicted death of classical music is often overdramatized, but I certainly believe we can’t afford to be complacent about that.

What specifically is the Festival doing to address this?

Daniel Hope: One of the first things Rob Gibson said to me was, “We have to have children’s concerts. We have to offer free events.” I’ve agreed to take part in a children’s concert, and I insist all of my friends that come to the Festival appear in that concert. And they all do and they do it with pleasure. These free events are very, very important — I don’t think that people who don’t have the funds to afford a classical music concert should be excluded. The Savannah Music Festival 2007 will educate some 20,000 children. In these concerts we’ll often ask how many kids are taking strings or playing an instrument, and scores of hands go up. It’s a great thing to see.

Daniel Hope performs in various concerts in the Savannah Music Festival, including the Sensations chamber music series in the Telfair and the Brahms Violin Concerto with the Atlanta Symphony Orchestra at 3 p.m. April 1 in the Lucas Theatre.

For tix and info go to www.savannahmusicfestival.org

By Jim Morekis

Der besessene Geiger
Berliner Morgenpost, 04.08.2007

Daniel Hope spielt bei den Jüdischen Kulturtagen und veröffentlicht seine Biografie

Was hört eigentlich ein Stargeiger im Radio, während er sein Auto durch den Straßenverkehr steuert? Daniel Hope wusste es einmal selber nicht. Aber die Musik aus dem Autoradio fesselte ihn derart, dass er extra an den Straßenrand fuhr und anhielt. “Ich wollte keinesfalls die Absage verpassen”, erinnert er sich. Dann kam die Auflösung: Es handelte sich um ein Streichtrio des Komponisten Gideon Klein. Hope ging es wie den meisten, die den Namen hören – er hatte keine Ahnung, wer das ist. “Aber seine Musik hatte so viel innere Energie”, sagt der 33-Jährige. “Jedenfalls habe ich angefangen, im Internet zu recherchieren. Ich wollte einfach mehr wissen über diese Geschichte.”

Das Ergebnis seiner persönlichen Erkundungen ist am 6. September einer der Höhepunkte der Jüdischen Kulturtage in Berlin. Der Geiger wird gemeinsam mit Philip Dukes (Viola), Josephine Knight (Cello) und Schauspieler Gustav Peter Wöhler “Verbotene Musik” aus Theresienstadt wieder beleben. Es handelt sich dabei um Streichtrios von Gideon Klein, Erwin Schulhoff und Hans Krása. Kleins Streichtrio wurde neun Tage vor seinem Abtransport nach Auschwitz vollendet. Auch die beiden anderen Komponisten haben den Naziterror nicht überlebt. Hope hält es für ungeheuerlich, dass diese bedeutenden Komponisten beinahe von der Musikgeschichte vergessen worden wären. Deshalb hat er sich eingereiht in eine Riege aus Musikforschern und Interpreten, die seit Jahren versucht, deren Musik wieder im Markt zu platzieren. Denn nur wer gespielt wird, lebt im Bewusstsein der Menschen weiter.

Ein getriebener Mendelssohn

Hope ist zweifellos das, was man gut im Geschäft nennt. Der britische Geiger gehört zur jüngeren Virtuosen-Generation, die ein wenig verrückt in ihren Projekten und zugleich seriös in ihren künstlerischen Ansprüchen sind. Der kommende September ist sein großer Monat, denn dann erscheint sein erstes Album bei der Deutschen Grammophon. Der neue Exklusiv-Künstler spielt Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, darunter natürlich das populäre Violinkonzert op. 64. Aber selbst bei dem Standardwerk hat ihn gemeinsam mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock wieder die Besessenheit erfasst: Die beiden Musiker wälzten vorhandene Partituren und entschieden sich schließlich für den Urtext, jene Fassung, die nicht die vom Geiger Ferdinand David geforderten virtuosen Glättungen enthält. “Bei der Einspielung haben die Unterschiede selbst die Musiker im Orchester irritiert”, erzählt Hope. Wenn beispielsweise eine allen vertraute Dur-Wendung plötzlich im Moll auftaucht. Auch ist das Allegro im ersten Satz bei Hope noch einen Zacken schneller geworden. Mendelssohn wirkt insgesamt vorantreibender, aber auch getriebener. “Die meisten Leute sehen in Mendelssohn zuerst den Romantiker”, erklärt Hope: “Aber für mich steht er den Klassikern näher.”

Womöglich verbindet Hope und Mendelssohn sogar mehr als nur das übliche Komponisten-Interpreten-Verhältnis? Mendelssohn war nach außen hin der strahlende, der gemachte Mann, innerlich aber ein ewiger Selbstzweifler.

Hope fühlt sich ihm auch biografisch nahe, einer seiner jüdischen Berliner Vorfahren war ein Mendelssohn-Anhänger, hat er herausgefunden. In einem anderen Zweig ist Hope verwandt mit der Familie von Carl Friedrich Zelter, der die Sing-Akademie zu Berlin zur großen Blüte brachte und dessen Schüler Felix Mendelssohn Bartholdy war.

Auf Spurensuche in Berlin

Mit der Detailbesessenheit von Genealogen hat Hope die Autobiografie zusammengestellt: Das Buch “Familienstücke” erscheint ebenfalls im September (Rowohlt, 318 Seiten). Darin ist er seinen irischen, südafrikanischen, seinen berlinischen, aber auch seinen musikalischen Spuren – seine Mutter begann als Sekretärin beim Stargeiger Yehudi Menuhin – in die Vergangenheit gefolgt. Seine Lebensgeschichte lässt er aber in Berlin beginnen – als er in Dahlem die großbürgerliche Villa seiner Urgroßeltern besuchen will und zunächst abgewiesen wird.

Ob das Buch ein Stück Psychotherapie ist?, will ich wissen. Hope lacht. Ein wenig schon, meint er, aber er habe es für sich und für seine Familie geschrieben. Und dann wird er ernsthafter. “Ich habe durchaus auch einiges an mir selbst verstanden”, sagt er. Zum Beispiel hat er erfahren, dass es in seiner Familie schon immer Workaholics gab. Besessene eben…

Von Volker Blech

Gespenster der Vergangenheit
Berliner Morgenpost, 29.08.2007

Daniel Hope wird auf den Bühnen der Welt gefeiert. Seit Jahren beschäftigt sich der Stargeiger auch mit seiner Familiengeschichte. Die Spurensuche führte nach Berlin

Der gebürtige Südafrikaner wuchs in England auf, besitzt einen irischen Pass und lebt in Amsterdam. „Aber meine eigentliche, meine spirituelle Heimat ist Berlin“, erklärt der international gefragte Geiger Daniel Hope. In den letzten Jahren hat sich der dreifache Echo-Klassik-Preisträger intensiv mit der Geschichte seiner Vorfahren befasst. „Familienstücke. Eine Spurensuche“ heißt sein Buch, das am 21. September bei Rowohlt erscheint und gleichzeitig auch als Hörbuch auf vier CDs herauskommt.

„Meine Familiengeschichte spiegelt repräsentativ wider, was im 20. Jahrhundert passiert ist“, meint Daniel Hope. Sein irischer Urgroßvater wanderte als mittelloser Abenteurer nach Südafrika aus, wo er es bis zum Hotelbesitzer und Bürgermeister brachte. Hopes Ahnen mütterlicherseits sind jüdische Fabrikanten. Die Urgroßmutter wuchs wohl behütet in einer Dahlemer Villa auf, in der große Gesellschaften gegeben wurden und jedes Kind im Park zwischen Schwimmbad und Tennisplatz auf seinem eigenen Pferd ritt. Früh wurde die Familie von den Nazis enteignet. Nach Angriffen von Schlägertrupps entschloss sie sich 1935 zur Flucht nach Südafrika. Aus der Berliner Grande Dame wurde eine Näherin, die später eine Hühnerfarm bewirtschaftete, um ihre Kinder durchzubringen. Daniel Hope wollte die „Gespenster der Vergangenheit“, über die in seiner Familie nicht viel geredet wurde, unbedingt kennen lernen. Er ist ein neugieriger Künstler mit einem ungewöhnlich weiten Horizont. Vielleicht, weil er einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend in Yehudi Menuhins Wohnzimmer verbrachte. Seine Mutter war die Managerin des Jahrhundertgeigers und brachte ihren kleinen Sohn täglich zur Arbeit mit. Früh beeindruckten ihn die Anekdoten des Cellisten Mstislaw Rostropowitsch, die Jazzgeige von Stéphane Grappelli und Ravi Shankar, der indische Sitar-Spieler, der in seinen bunten Gewändern im Lotossitz auf dem Fußboden saß.

Der Geiger interessiert sich nicht nur für klassische Werke, sondern auch für Jazz und indische Musik. Er liebt Neue Musik und hat Mendelssohns beliebtes Violinkonzert gerade in der Urtextfassung eingespielt. Mit Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer und Mia Farrow hat er sich musikalisch-literarische Projekte ausgedacht. 130 Konzerte gibt er jährlich als Solist und mit dem Beaux Arts Trio zwischen New York, Tokio, Wien und London. Zwischendurch hat er im Internet oder im Telefonbuch entfernte Verwandte aufgetrieben. Jedes Mal, wenn er in Berlin ein Konzert gab, ging er auch auf Spurensuche.
Das Gebäude der „Valentin Röhren und Eisen GmbH“, das seiner Familie gehörte, existiert noch in der Kreuzberger Großbeerenstraße. In der Dahlemer Villa fand er noch eine Truhe und einen Schrank seiner Urgroßeltern, auch ein Fenster mit dem Familienwappen. Drei Jahre lang war in dem Haus eine jüdische Privatschule untergebracht, dann wurde es von Reichsaußenminister Ribbentrop okkupiert. Viele kriegswichtige Entscheidungen wurden dort getroffen. Neue Chiffriermethoden hat man hier entwickelt und fremde Nachrichten entziffert. Heute ist das Auswärtige Amt noch immer Eigentümer: Es hat die Eurasien-Abteilung des Archäologischen Instituts in der Villa untergebracht.

Daniel Hope hat sein Buch auf Deutsch geschrieben. „Es ist doch ein deutsches Thema“, sagt der Musiker. Die Sprache spricht er perfekt, seit er in Lübeck studiert und eine deutsche Kontrabassistin geheiratet hat. Bei seiner Suche ist er nicht nur auf Opfer gestoßen, sondern auch auf einen Großcousin, der sich an einen Kindergeburtstag erinnerte, zu dem sein Patenonkel Adolf Hitler Sandkuchen mitbrachte. Und auf die Großeltern, die zu seiner großen Enttäuschung in Südafrika zu Unterstützern des Apartheid-Regimes wurden.

Schon als Kind, als er zum ersten Mal in Berlin war, spürte er deutlich: Hier liegen seine Wurzeln. „Ich fühle mich extrem wohl. Auch deshalb, weil man hier – anders als in Österreich – offen über die Vergangenheit diskutiert.“

von Martina Helmig

Der Geniestreicher
Süddeutsche Zeitung, 01.09.2007

Daniel Hope wuchs im Haus eines legendären Geigenvirtuosen auf. Dort lernte er, wie man die Welt der Klassik erobern kann: mit eigenem Stil.

Alles wäre ganz anders gekommen, wenn Daniel Hopes Mutter damals die Stelle beim Erzbischof von Canterbury angenommen hätte. Stattdessen wurde sie Privatsekretärin von Yehudi Menuhin. Wenn der kleine Daniel seine Mutter besuchte, wanderte er durch eine Villa, in der die Bilder berühmter Geiger an den Wänden hingen und Menuhins Stradivari offen herumlag – wenn sie nicht, was wahrscheinlicher war, unter dem Kinn des Besitzers klemmte. Musik, große Musik, war in diesem Haus so allgegenwärtig wie die Luft zum Atmen. »Bis zum Alter von sieben Jahren kam ich fast jeden Tag dorthin«, erzählt Daniel Hope. Die Besuche haben nachhaltige Wirkung gehabt.

Inzwischen ist Daniel Hope einer der markantesten Geiger seiner Generation. Dreimal in Folge hat er den Echo gewonnen, den wichtigsten deutschen Klassik-Preis. Die Zeit nannte ihn »fantastisch«, die Times feierte seine »Leidenschaft und Intelligenz«. Nach einem Dutzend CDs für andere Labels erscheint Mitte September sein erstes Album bei der Deutschen Grammophon, eine Aufnahme von Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-Moll. Die angesehene Firma hat große Erwartungen an Hope; sie sieht in dem 33-jährigen Rotschopf einen jener schwer zu findenden Charismatiker, dessen Wirkung über den begrenzten Hörerkreis der Klassik hinausreicht. Bekannt ist er schon – nun soll er ein Star werden.

Viel muss zusammenkommen – Begabung, Glück, Arbeitseifer – um sich in diesem engen Markt absetzen zu können. Forscht man nach, wie es Hope gelang, kommt man irgendwann wieder in jener Villa in Nord-London an, in welcher der einzigartige Ton von Yehudi Menuhin durch die Räume hallte. Obwohl Daniel Hope in den Neunzigern mehr als sechzig Konzerte mit Menuhin spielte, war er kein Schüler des 1999 verstorbenen Meisters. Was er von ihm mitbekam, war nicht der Fingersatz beim Geigenspiel, sondern eher die Herzensbildung, aus der heraus ausdrucksstarke Musik überhaupt erst entstehen kann.

In Menuhins Haus saß an einem Abend der Cellist Rostropowitsch auf dem Sofa, am nächsten der indische Sitar-Virtuose Ravi Shankar; es wurde über Musik und Philosophie diskutiert, über Yoga und den Weltfrieden. »Besonders Menuhins Originalität und Spontanität haben mich immer wieder inspiriert«, erzählt Hope. Außerdem erkannte Hope am Beispiel Menuhins, der nach frühen Erfolgen als Wunderkind in eine Schaffenskrise geraten war, wie wichtig in der klassischen Musik der Zusammenklang von technischen Fähigkeiten und interpretatorischen Ideen ist. »Meine Empfindung für die Musik war schon da, als ich als kleines Kind mit dem Geigenspiel angefangen habe«, erzählt er. »Mit 15 habe ich jedoch gemerkt, dass ich weit entfernt war vom technischen Niveau anderer 15-Jähriger. Ich musste dann extrem hart an der Technik arbeiten.«

Dabei war Hope jedoch bewusst, dass Virtuosität kein echtes Distinktionsmerkmal mehr ist in einer Zeit, in der die Musikhochschulen so viele technisch exzellente Geiger entlassen wie nie zuvor. »Es geht doch vor allem darum, was man zu sagen hat«, erklärt er. »Wir spielen Stücke von Bach, von Beethoven, von Mendelssohn, die schon unglaublich oft gespielt wurden. Was gibt es, das ich persönlich dazu beitragen kann? An dieser Idee arbeitet man ein ganzes Leben lang.«

Tatsächlich liegt hier Hopes große Stärke. Gleichermaßen von Empfindung und intellektueller Neugier geleitet, kann er auch bekannte Stücke immer wieder auf zeitgemäße, überraschende Weise interpretieren. Bachs Violinkonzerte in E-Dur und a-Moll spielte Hope in einer ungewohnt energiegeladenen Version und für Mendelssohns Violinkonzert, das nun bei der Deutschen Grammophon erscheint, sichtete er sämtliche Versionen der Partitur und griff schließlich auf die noch nie zuvor aufgenommene Urfassung zurück.

Hope beherrscht das klassische Repertoire, verfügt jedoch über einen musikalischen Verstand, der der Tatsache Rechnung trägt, dass die Klassik irgendwann nicht mehr überlebensfähig sein wird, wenn sie nur aus entrückten Virtuosen besteht, welche den Alten Meistern huldigen. So findet Hope in vielen Bereichen Anregungen: Er hat zahlreiche Stücke zeitgenössischer Komponisten aufgeführt, getreu dem Vorbild seines Mentors Menuhin mit indischen Musikern gespielt und schon mit Stewart Copeland und Andy Summers von Police gejammt. »Sting hat sogar Menuhins Haus in London gekauft«, erzählt er. »Das Haus, in dem ich groß geworden bin.«

Wie um zu bezeugen, dass der Klassik-Star von heute mehr sein muss als ein exzellenter Musiker, hat Hope nun noch ein Buch geschrieben. In Familienstücke, das Ende September bei Rowohlt erscheint, geht es um die Geschichte seiner verzweigten Sippe und um den alten Stammsitz der Familie, eine Villa in Berlin-Dahlem, welche die Urgroßeltern in der Nazi-Zeit verlassen mussten; danach zog dort Hitlers Außenminister Ribbentrop ein.

Unberechenbar wie Billardkugeln haben sich die Mitglieder seiner Familie quer durch die Zeiten und Kontinente bewegt, Zufälle zogen weitreichende Wirkungen nach sich, wie zum Beispiel jene Kettenreaktion, die sich ergab, als Daniel Hopes Eltern kurz nach seiner Geburt wegen der Apartheid-Politik aus Südafrika nach England emigrierten, wo seine Mutter dann, als das Geld knapp wurde, zwei Stellenangebote bekam: bei einem Bischof – und bei einem Geiger…

Von Johannes Waechter

Getrieben vom Wissenwollen
Berliner Zeitung, 06.09.2007

Verbotene Musik: Der Geiger Daniel Hope gibt heute ein Konzert bei den Jüdischen Kulturtagen

In Berlin hat man dieses Jahr zuletzt am 16. Januar bemerken können, was für ein Künstler gegenwärtig in dem 33-jährigen Geiger Daniel Hope heranreift. Er trat im Kammermusiksaal der Philharmonie mit dem Beaux Arts Trio auf und wischte alles weg, womit Musiker – welcher Generation auch immer – gern das „Heutige“ und „Aktuelle“ der kompositorischen Überlieferung Europas herausstellen möchten: druckvolles Spiel, Draufgängertum, fesche Sportlichkeit im Auftreten. Bei Hope dagegen heißt Musizieren mehr und mehr: still sein; ein Sprechen zulassen, das von anderswoher kommt; das einem nicht nur Angenehmes sagt; das einen zwingt, sich vom Neongeflacker des Aktuellen wegzudrehen und das eigene Hören und Denken neu zu fokussieren.

Hope engagiert sich für die Musik des Russland-Deutschen Alfred Schnittke (1934-1998), auch für Dmitrij Schostakowitsch (dessen Violinkonzerte er im vergangenen Jahr mit Schostakowitschs Sohn Maxim als Dirigent aufnahm). Darin – und in seinem Furor, über das bloß Geigerische hinauszukommen – schlägt Hope immer mehr den Weg einer Existenz ein, die der lettisch-jüdische Geiger Gidon Kremer (Jahrgang 1947) in den vergangenen Jahrzehnten bereits vorgelebt hat. Und so wie Kremer mit dem Buch „Kindheitssplitter“ sich an eine literarische Archäologie seiner Persönlichkeit wagte, unternimmt jetzt auch Hope mit dem Ende September (bei Rowohlt) erscheinenden Buch „Familienstücke“ eine Spurensuche.

Hope wurde 1974 in Durban (Südafrika) geboren. Väterlicherseits stammt er von irischen Exilanten ab, die deren Armut dorthin trieb. Mütterlicherseits hat er deutsche Wurzeln: Die Familien Valentin und Klein waren Juden aus Berlin, die der Rassenhass der Nationalsozialisten nach Afrika gehen ließ. Julius Valentin hatte im Berlin der Kaiserzeit eine Stahl- und Röhrenfabrik, deren Teilhaber Emil Rathenau war, der Vater des späteren deutschen Außenministers Walther Rathenau. Die Kontakte zur kaiserlichen Familie waren eng, fast freundschaftlich. Clemens Klein hingegen gehörte 1918 zur außerparlamentarischen Opposition von rechts, scharte sich um den Flottenadmiral Tirpitz, um Deutschland aus den Wirren von Krieg und Revolution zu retten, notfalls auch gegen den Kaiser. Er begründete die Deutschnationale Volkspartei mit, begrüßte 1933 den Machtantritt Hitlers und nahm sich im April 1939 das Leben, als er merkte: Dieses Deutschland will ihn nicht – weil er Jude und nicht Deutscher war.

Diese Trennung zwischen Juden und Deutschen schuf erst der Nationalsozialismus mit solchem Nachdruck. Wer Hopes Buch liest, merkt einmal mehr, wie tragisch verzwirnt das Schicksal der Deutschen mit jenem der Juden war und ist. Der Holocaust wird immer unbegreiflicher und rätselhafter, wenn einem – wie in diesem Buch – die weitgehend gelungene Integration der Juden im alten Preußen (das in dieser Frage einer der fortschrittlichsten Staaten Europas war) vor Augen geführt wird.

Hope treibt das Wissenwollen und das Vergnügen an der eigenen Recherche: Surfen im Internet, Zeitzeugengespräche, Besuche in Archiven und Bibliotheken. Auch für sein Konzert „Verbotene Musik – Musik aus Theresienstadt“, das er heute Abend in der neu eröffneten Synagoge in der Berliner Rykestraße bei den Jüdischen Kulturtagen gibt, ist er viel gereist, hat eine Menge gelesen und sich mit Überlebenden des Konzentrationslagers getroffen: mit Zuzana Justman etwa oder mit dem Geiger Thomas Mandl.

In Theresienstadt, heute Terezin, 60 Kilometer nördlich von Prag, wurde ab Herbst 1941 von der SS ein Ghetto für etwa 60 000 Juden eingerichtet. Um die internationale Öffentlichkeit über die eigentlichen Motive dieser Maßnahme zu täuschen, förderte man das kulturelle Leben im Lager mit Nachdruck, ließ Konzerte, Opern- und Schauspielaufführungen zu, durch die sich auch das Internationale Rotkreuz-Komitee bei seinem Besuch am 23. Juni 1944 täuschen ließ. Im gleichen Jahr wurde der jüdische Komiker und Lagerhäftling Kurt Gerron gezwungen, den Film „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ zu drehen und Theresienstadt damit propagandistisch zu verherrlichen.

Es gab feine, hoch kultivierte Musiker in Theresienstadt und in anderen Gefängnissen der damals besetzten Tschechoslowakei, starke kompositorische Begabungen waren darunter. Fast alle starben entweder an den Folgen der Haft, oder sie wurden ermordet.

Vor wenigen Wochen erschien bei der Deutschen Grammophon eine neue CD mit Musik aus Theresienstadt, an der neben Daniel Hope auch die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, der Bariton Christian Gerhaher und der Pianist Bengt Forsberg beteiligt sind.

Bei dem Konzert heute Abend führt Daniel Hope gemeinsam mit Philip Dukes und Josephine Knight Streichtrios von Gideon Klein, Erwin Schulhoff und Hans Krasa auf. Klein etwa – ein charismatischer Pianist, der bei seiner Ankunft in Theresienstadt erst 21 Jahre alt war – wird von der Überlebenden Charlotte Opfermann so beschrieben: „Gideon war phantastisch, ein unheimlich schöner Mensch – in jeder Beziehung, musikalisch, physisch, persönlich – eine Figur wie aus der romantischen Literatur entstiegen“. Neun Tage, nachdem Klein sein heute zu hörendes Streichtrio (von mährischer Volksmusik, Bartók und Strawinsky inspiriert) fertiggestellt hatte, wurde er nach Auschwitz deportiert. Ein Duo für Violine und Violoncello blieb unvollendet. Hans Krasa, durch seine Kinderoper “Brundibar” bis heute berühmt, wurde 1944 unmittelbar nach seiner Ankunft in Auschwitz vergast. Erwin Schulhoff, Schüler von Max Reger und Claude Debussy, starb im Gefängnis von Wülzburg bei Weißenberg.

An sie alle wird heute ab 20 Uhr Gustav Peter Wöhler durch Lesungen von Texten erinnern. Daniel Hope liebt diese Form der Darbietung , weil es ihm manchmal nicht reicht zu sagen: „Die Musik spricht für sich.“

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Jüdische Kulturtage in Berlin

Do, 6. September

18 Uhr, Kunststiftung Poll: Vernissage zur Ausstellung „Krieg und Gewalt – Götz Loepelmann“

20 Uhr, Synagoge Rykestraße 53: Musik aus Theresienstadt (Kammerkonzert mit Daniel Hope u. a.)

von Jan Brachmann

Wir sind alle Preussen
Vanity Fair, 30.09.2007

Daniel Hope ist einer der besten Geiger der Welt. Der Brite lebt in Amsterdam und hat Berliner Vorfahren. Als Juden mussten sie vor Hitler fliehen, obwohl einer von ihnen die Nazis sogar unterstützte. Jetzt hat Hope ein Buch über seine deutschen Wurzeln geschrieben.

von Jan Brachmann



2006


Hope springs eternal
Connect Savannah, 01.03.2006

An interview with Daniel Hope, associate artistic director of the Savannah Music Festival

Most of us lead busy lives and don’t have the luxury of closely following classical music.

But whether you’re an aficionado or not, one thing you should know is that having Daniel Hope serve as associate artistic director of the Savannah Music Festival is a big, big deal.

It’s like Kobe Bryant running a basketball camp at the Islands YMCA, or George Clooney managing the Savannah Film Festival or Kanye West organizing an open-mic night at the Sentient Bean.

Really — it’s that big a deal. He may move in smaller circles, but Daniel Hope is just as hot and in-demand in his field as the above-mentioned names are in theirs.

The youngest-ever member of the renowned Beaux Arts Trio, with whom he tours often, the violinist received two Grammy nominations in 2005.

As a musician, Hope breathes new life into old standards. As a prolific and award-winning composer, he combines deep respect for form with an almost childlike whimsy — as well as daring to bring new works into some often staid environments.

Since Executive & Artistic Director Rob Gibson brought Hope onboard in 2004, the Savannah Music Festival has become a major playground for this gifted artist. Indeed, many of his works have seen their world premieres at the festival.

Hope specializes in conceptual, collaborative efforts with other performers. These works often combine words with music, such as “War and Pieces“ and “Mozart Unplugged!” with Oscar-winning actor Klaus Maria Brandauer; “An Audience with Beethoven” with Mia Farrow; “Forbidden Not Forgotten“ with chamber music and poetry from the Theresienstadt Ghetto; and “Music To Die For!“, a play written by his father, prize-winning novelist Christopher Hope, who was an early critic of apartheid in Daniel’s native country of South Africa.

Despite his comparatively young age of 32, Hope has deep roots. After appearing on British TV playing Shostakovich at age ten, Hope was invited by the violin legend Yehudi Menuhin to perform on German TV. It was the beginning of a long association with the great Menuhin. Hope’s homage to his mentor was the award-winning 2004 CD East meets West, a collaboration with sitarist Gaurav Mazumdar in the mode of Menuhin’s own historic collaboration with Ravi Shankar in the ‘60s.


We spoke to Hope by cellphone, as he waited in LAX for a flight taking him to yet another concert.



Connect Savannah: First off, I have to ask if many classical musicians have the same incredibly hectic touring schedule you do.



Daniel Hope: Some of us do, some don’t. But it’s certainly been pretty crazy these days. It’s been wonderfully diverse. There are so many different types of things going on, different styles, whether it be world music or other forms. Life is certainly not boring.

Connect Savannah: I’m intrigued by the symbiosis you’ve been able to achieve with the Savannah Music Festival. In addition to performing your work and the work of others at the festival, you also have a key management role. How does all that work, exactly?



Daniel Hope: One is thrilled but at the same time terrified! I have the privilege this year of playing with Edgar Meyer and with his colleagues. For me they’re some of the greatest musicians on the planet, and it’s an incredible opportunity to take part and work with these guys. I have such an incredible respect for the music they do, and also who they are and how they play. I’m thrilled with the way these guys perform together and that they agreed to let me come on board for just a few numbers. Edgar Meyer has the most versatile, brilliant mind. And the music is new to me. I’ve known the music, but never played it before. So I’ve been studying now for weeks and months.

Then there’s The Soldier’s Tale program — it’s so much a human tale of morality, like all the old fables. I’m thrilled we have one of most exciting young stage directors, Jonathan Moore, who’s done many things with the Royal Shakespeare Company and opera houses across Europe. It’s music theatre, I guess you’d call it. It’s a tremendous challenge. It’s full of jazz, ragtime, a most incredible range of music.



Connect Savannah: How do you plan and manage the festival’s mix of musical styles?



Daniel Hope: Well, we have the great fortune of Rob Gibson’s experience in jazz. The jazz word is his oyster, and he’s got fantastic connections there. And of course I’m lucky enough in the classical world to have a lot of world-wide contacts because I travel so much.

We have all these radical brainstorms and thrash out ideas together. But all that is useless unless you have an audience who can take it in. We need the audience just as much as we need the music. That’s part of whether these projects succeed. That’s what Savannah’s about.



Connect Savannah: Tell us more about how you and Rob initially got together to work on the festival.



Daniel Hope: Rob contacted me first. I got an e-mail from him — I guess this was late 2003 or early 2004. Rob had been to a concert of mine in Atlanta and I guess he liked it. He said he was leaving the Lincoln Center in New York and going back to Savannah and creating a new festival. He asked if I would come help on the classical side. I was intrigued by the way he wrote the e-mail. So I called him and we had conversation and basically hit it off straight away on the phone. I got the real sense that here was someone really worth talking to.

So I came in to do concerts in 2004 as more of an artist-in-residence. It was a trial for me, and a trial for the audience to see how we got on with each other. It was an unusual way to start.

With “An Audience With Beethoven,“ for example, we wrote the script for that, and there was a cancellation. Mia Farrow was able to get here on short notice. That says a lot about this festival — that we were able to pull off that sort of spontaneous coming-together of two different worlds.

That first year I did a number of concerts in that role as artist-in-residence. And in, 2005 Rob asked me to take on more formal role.

Connect Savannah: Describe for us the progress of the Festival since you first came onboard in 2004.



Daniel Hope: It’s really grown from the last two years, in the kinds of things we’ve been doing and the risks we’ve been taking. You never know if it’s going to work or gel. There can be the most exciting results that stem from that. We’re always looking for fascinating projects to challenge the audience. I’m thrilled to see the reaction from Savannah audiences, how open they are, and how willing to listen to new styles.

We’ve got a long way to go. But it’s amazing what’s been accomplished so far, in the profile of the festival. So many people all over the world are starting to write about it and talk about it. Now we’re at a point of seeing what are the things that work and what are the things we’d like to do better. But overall I’d have to say that participating in the festival is as exciting as the first time, and my intentions are to keep doing it.



Connect Savannah: Where do you see the festival in five years?



Daniel Hope: We want to keep it, in a sense, small. Not “small“ by any measurement, but in producing very high quality in a limited period of time. That’s extremely important as far as I’m concerned. I just don’t see it turning into some gigantic festival. I see it as cutting-edge, providing world-class music, dance, drama, and fine arts across the board. Producing crossover that matters, crossover with quality — not things thrown together. You need real quality to ignite the audience. And I’m happy with the way it’s sort of slowly consolidating.



Connect Savannah: You mention dance. Many people say they want the Savannah Music Festival to feature more dance.



Daniel Hope: Personally I would love to see more dance at the festival. It’s a question of the right venue. I for one would love doing it, but I’m not 100 percent convinced we have the right venue for dance. There are so many great venues and alternative venues — and alternative venuing is important. It’s important to get people out and into venues they wouldn’t necessarily associate with the concept. All of that helps the festival, and I’d love to see dance come in a big way. It’s a fundamental part of art and music.

Then of course, it’s always about planning and how many openings we have and the budget and so forth. Luckily, that’s not my department — it’s Rob’s headache (laughs). I get to just work on the creative side.

Connect Savannah: How much of a role has the Savannah Music Festival’s location played in its success?



Daniel Hope: I’ve played in literally hundreds of festivals all over the world. I’ve seen some wonderful festivals, major festivals from Salzburg to Ravinia. And I have to say something’s completely unique in Savannah. To have such a mixture of styles at such a high level is pretty much unique. I’d like to see that transport, but it will take some time. Word of mouth is spreading and we’re getting feedback. I’d say the next five years is crucial to get that word out.

Savannah has become a very special place for me. When Rob contacted me, I didn’t know much about Savannah apart from that sort of Gone With the Wind thing and Midnight in the Garden of Good and Evil. But now I’ve spent a lot of time there and it’s taken on a very special place for me. I’m very happy to be a part of something in that location. It’s a very unique town, and you have something very special in this festival.



In addition to his role as assistant artistic director, Daniel Hope performs in the Savannah Music Festival in the following ensemble concerts:



March 22, 5:30 & 7:30 p.m., Telfair –

Beethoven: Piano Quartet in E-flat Major; De Falla: Seven Popular Spanish Folk Songs for Violin and Guitar; Piano Quintet in A Major, Op. 81



March 26, 5:30 & 7:30 p.m., Telfair –
Mozart: String Quintet in C Major, 
K515 Brahms: String Quintet No. 2 in G Major, Op. 111

March 28, 5:30 & 7:30 p.m., Telfair —
Schubert: Auf dem Strom
Schubert: Octet, D803



March 31, 7:30 p.m., Lucas Theatre –

Sam Bush, Mike Marshall, Edgar Meyer with special guest Daniel Hope



April 1, 7:30 p.m., Telfair –

Katia and Marielle Labeque, Daniel Hope and Friends



April 2, 3 p.m., Lucas Theatre –
Stravinsky: L’histoire du Soldat (The Soldier’s Tale), Jonathan Moore, Director

For tickets and schedule, go to www.savannahmusicfestival.org

by Jim Reed

Melancholisch bis zur Verstörung
Welt am Sonntag, 12.03.2006

Daniel Hope – Hemmungslos, überschwenglich und eigenwillig: Daniel Hope ist der neue Star unter den Violinisten und setzt den ersten Höhepunkt im Schostakowitsch-Jahr

Wenn Daniel Hope Geige spielt, schließt er gern die Augen. Er stehe dann irgendwie „neben sich“, so als sehe er im Geist seine Kunst aus einer anderen Perspektive, erzählt er. Das sei kein Blick auf ein Griffbrett, vier kleine Saiten und vier flinke Finger. Vielmehr fühle er sich dann als außenstehender Beobachter aus einer Art Zwischenwelt. Nur in technisch anspruchsvollen Passagen komme er kurz in die Realität zurück, um sich der handwerklichen Substanz seiner Töne zu vergewissern.

Das hört sich erst mal abgehoben an, aber so bodenständig wie der 32jährige Brite im wirklichen Leben auftritt, wäre es auch ein Wunder, wenn er für seine Musik nicht noch eine andere Welt erschaffen müßte.

Daniel Hope und das Londoner BBC Symphony Orchestra haben vor kurzem die beiden Violinkonzerte von Dmitri Schostakowitsch eingespielt, mit dessen Sohn Maxim am Dirigentenpult. So umwerfend wie diese CD geworden ist, setzt Hope damit das erste nachhaltige Zeichen im Schostakowitsch-Jahr 2006.

Der komponierende Sowjetkritiker hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Bei aller Mozart-Hysterie (jetzt) und Schumann-Andacht (demnächst) wird das gelegentlich schon mal vergessen.

Glücklicherweise versucht Hope gar nicht erst, in äußerlichen Extremen wie Tempo oder Dynamik andere in den Schatten zu stellen. Sondern er spielt Schostakowitsch, wie es aus ihm herausströmt: hemmungslos, überschwenglich, manchmal sogar fiebrig, aber immer eigenwillig… spannend bleibt es bis zur letzten Sekunde. Um Hope zu folgen, muß man seine Interpretationen immer als ein Ganzes annehmen. Denn erst dann entfalten sie eine eigene und faszinierende Kraft.

Es erschließt sich ein Spannungsbogen, der die Extreme zwischen Garstigkeit, Melancholie und Verstörung in Schostakowitschs Partitur deutlich macht… Wer sich dem aussetzt, sollte es mit voller Hingabe tun und zu emotionalen Achterbahnfahrten bereit sein.

Ohne Geige in der Hand ist Hope dagegen ein sehr unkomplizierter Zeitgenosse. Allüren sind ihm fremd. Für Foto und Interview in einem Pariser Hotel nimmt er sich viel Zeit und lädt alle Umstehenden gleich zu einem Kaffee ein. Keine Selbstverständlichkeit für jemanden, der Abend für Abend von Tausenden Menschen gefeiert wird, und dem die internationale Musikkritik eine glänzende Zukunft prophezeit.

Hope sitzt mit einem Lächeln am Tisch, redet gern über seine Musik und den Klassik-Betrieb – in perfektem Deutsch. Daß der Brite das so gut kann, liegt nicht zuletzt an seiner deutschen Frau. Auch ein Teil seiner Großeltern kam aus Deutschland. Von denen hat er das rotblonde Haar geerbt, und nicht von den irischen Vorfahren des Vaters.

Nur einmal an diesem Nachmittag entwickelt sich in seinem sonst so besonnenen Redefluß ein Hauch von Rage. „Merke ich im Konzert, daß sich meine Mitmusiker nicht richtig reinhängen – dann könnte ich explodieren!“ Wenn man sich beispielsweise anhört, mit welcher Intensität, ja Impulsivität Daniel Hope die Kadenz in Schostakowitschs erstem Violinkonzert angeht, glaubt man ihm das aufs Wort. Er ist offensichtlich ein Mann, der die Konflikte dieser Welt lieber mit Musik als mit Worten austrägt.

Daß er überhaupt Geiger geworden ist, war nicht zuletzt ein Zufall. Denn als die Eltern kurz nach seiner Geburt in die Metropole London zogen, wurde seine Mutter Sekretärin – bei Yehudi Menuhin. Hier lauschte der kleine Daniel, wenn Gäste wie der Sitar-Großmeister Ravi Shankar oder der Jazz-Geiger Stephane Grapelli im Wohnzimmer spielten. Die perfekte musikalische Früherziehung, auch wenn Menuhin von seinen ersten Versuchen an der Geige wenig begeistert war. Doch das änderte sich. Hope studierte an der renommierten London Royal Academy of Music und wurde Meisterschüler bei der russischen Lehrer-Legende Zakhar Bron. Nicht zuletzt ihm verdankt er seinen Zugang zu Schostakowitsch.

So unverfänglich der Gentlemen Hope auch daherkommt – was musikalische Belange angeht, ist er stur und unduldsam. Das war anfangs nicht immer hilfreich. Eine große Plattenfirma fragte an, ob er für sein Debüt nicht einen der üblichen Verdächtigen wie Bruch oder Beethoven aufnehmen wolle. Hope lehnte ab. „Ich mache keine Aufnahmen – nur damit man sie später einfach unter B einordnen kann. Ich verfolge immer ein bestimmtes Konzept!“ Er ging zum kleinen Label Nimbus, daß keine Probleme mit seinen unkonventionellen Programmen hatte. So fanden sich auf seiner ersten CD nicht vielgespielte Klassiker, sondern die unbequemen Neutöner Takemitsu und Schnittke.

Hope blieb sich auch treu, als später der finanzkräftige Warner-Konzern an ihn herantrat. Der willigte ein, als Hope ihm die wenig massentauglichen Berg und Britten vorschlug. Offensichtlich verkaufte man auch davon genug, um Hope jährlich ein paar Tantiemen auszuzahlen und seine neuen Ideen zu finanzieren, die unter anderem zum äußerst gelungenen Projekt „East meets West“ letztes Jahr führten.

Ganz nebenbei ist Hope auch noch erster Geiger beim weltberühmten Beaux Arts Trio. Auch das geschah zufällig. Sein Vorgänger erlitt kurz vor einer bereits gebuchten Europa-Tournee einen Unfall und konnte fortan nicht mehr spielen. Die Agentur hielt Krisensitzung. Hope machte gerade Ferien, da fragte die Chefin an: „Ich sagte ihr: ‘Geben Sie mir zehn Minuten zum Nachdenken.’ Sie sagte: ‘Sie haben drei!’ Zehn Tage später waren wir auf Tournee. Mir hat es Spaß gemacht – und den anderen beiden offensichtlich auch.“

Wie es sich für einen jungen Solisten seiner Güte gehört, ist Hope gerade auf Welt-Tournee. An diesem Abend wird er im Radio-France-Konzertsaal bezeichnenderweise Bernsteins wenig bekannte Serenade spielen. Nicht nur das Publikum, auch das Orchester feiert ihn.

Hope hat die Noten zu den Menschen sprechen lassen und Augenblicke der Magie erzeugt. Mehr kann man sich von einem Musiker nicht wünschen.
*Daniel Hope: „Schostakowitsch Violinkonzerte 1 &
2, Romanze aus ‘Die Hornisse’“ erscheint Freitag den 17.März bei Warner Classics;



Konzerte: 18. und 19.3, Philharmonie Dresden; 17.Mai bei den Festspiele Mecklenburg Vorpommern; 21.Juni im Konzerthaus Berlin.
726337, WELT , 12.03.06; Words: 956, NO: 46240107

Ein Querkopf stürmt die Konzertsäle
Berliner Morgenpost, 30.06.2006

Stargeiger Daniel Hope sprengt mit seinen Programmen alle Konventionen

Immer neugierig, immer auf der Suche. Wenn Daniel Hope nicht als Geigenstar zwischen New York und Tokio unterwegs ist, ertüftelt er spannende musikalisch-literarische Projekte, sucht im Internet nach vergessenen Komponisten, gibt neue Werke in Auftrag oder schreibt an seinem Buch. Der verrückte Querkopf spielt mit dem Beaux Arts Trio und Bobby McFerrin, engagiert sich für Jazz und indische Musik. Seit Jahren hält er die Musikwelt in Atem, weil er immer wieder für eine Überraschung gut ist.

Ein quirliges Nervenbündel? Keineswegs. Der britische Rotschopf mit Berliner Wurzeln strahlt im Gespräch viel freundliche Gelassenheit, Humor und Nachdenklichkeit aus. Sympathisch und offen ist er geblieben, auch wenn der 31jährige als einer der hoffnungsvollsten Sterne am hektischen Saitenhimmel gehandelt wird. Heute feiert er mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester den 80. Geburtstag des Komponisten Hans Werner Henze.

In der Neuen Musik fühlt er sich zu Hause. Dabei war ihm mit fünfzehn die zeitgenössische Musik noch völlig fremd. Bei einem Meisterkurs hörte er die erste Violinsonate von Alfred Schnittke. Sie überfiel ihn wie eine alles überrollende Klanglawine. Er kopierte die Noten und löcherte seinen Lehrer über Wochen und Monate, bis er das Stück einstudieren durfte. Eines Tages klingelte er bei dem Komponisten in Hamburg an der Haustür – Beginn einer langen Freundschaft.

Eine große Plattenfirma schlug dem Hochbegabten vor, seine Debüt-CD mit Beethoven, Brahms oder einem der anderen üblichen Verdächtigen herauszubringen. Hope lehnte ab und nahm lieber seine Lieblinge Schnittke, Takemitsu und Weill bei einer kleinen Firma auf. Inzwischen hat man sich in den Chefetagen des konservativen Musikbusineß damit abgefunden, daß der unglaubliche Mister Hope jeden Programmrahmen sprengt und mit seinen Außenseiterprojekten die internationale Preise einstreicht. Mit Schauspielstars wie Klaus Maria Brandauer und Mia Farrow gestaltet der Sohn des Schriftstellers Christopher Hope Themenabende. „Die Verbindung zwischen Lesung und Musik fand ich früher oft langweilig. Erst durch Brandauer erfuhr ich, wie eine Kunst die andere befruchten kann.

Als Kind tollte Daniel Hope durch Yehudi Menuhins Londoner Wohnhaus. Seine Mutter war Privatsekretärin des großen Geigers und durfte ihren Sohn jeden Tag mit in den kinderfreundlichen Haushalt bringen. So lernte der kleine Daniel nicht nur Menuhins Enkel als Spielkameraden kennen, sondern auch Ravi Shankar in seinen farbenfrohen, indischen Gewändern, Stéphane Grappelli mit seiner Jazzgeige und den russischen Cello-Altmeister Mstislav Rostropowitsch. Bis zu Menuhins Tod 1999 gab Hope etwa 60 Konzerte mit ihm. Die technische Perfektion hat er allerdings von seinem großen Lehrer Zaghar Bron: „Er hat mich wie ein Sparringspartner immer hochgepusht. Danach habe ich mich oft gefühlt, als hätte ich zehn Runden mit Mike Tyson geboxt.“

Daß Hope fast akzentfrei deutsch spricht, liegt vor allem an seiner deutschen Frau, die er während seines Studiums in Lübeck kennenlernte. Aber auch an seiner Familiengeschichte, über die er gerade ein Buch schreibt. Es ist die spannende Story einer Fabrikantendynastie, die vor den Nazis aus Berlin nach Südafrika fliehen mußte. Das alte Wohnhaus in der Dahlemer Podbielskiallee steht noch. Der Geiger wurde in Südafrika geboren, wuchs in London auf und lebt heute als Weltstar in Amsterdam. Berlin ist mindestens seine zweite Heimatstadt. „Vielleicht auch meine erste, meine eigentliche“, überlegt er.

Von Martina Helmig

Aus der Berliner Morgenpost vom 21. Juni 2006

Gegen den Strich
Rheinischer Merkur, 30.09.2006

DANIEL HOPE – Der Violinvirtuose über Neue Musik, alte Saiten und kuschelige Klassik

Er ist weder Wunderkind noch Teufelskerl, sondern Entdecker und Vermittler. Jetzt erforscht er einen Musikrevolutionär: Johann Sebastian Bach.

Rheinischer Merkur:
Wenn Sie Johann Sebastian Bach treffen könnten, was würden Sie ihn fragen?

Daniel Hope:
Ich hätte es sehr schwer, überhaupt ein Wort herauszubringen. Denn ich stände vor dem größten Meister der Musik, den es je gab. Er ist der modernste von allen. Seine Musik ist so lebendig, so erfinderisch wie keine andere. Wenn ich doch eine Frage formulieren könnte, dann die, wie er seine Musik gern hätte, was dahintersteckt, wie ich was interpretieren sollte.

Rheinischer Merkur:
Sie spielen auf Ihrer neuen CD Bachs Violinkonzerte so, als seien sie Neue Musik..

Daniel Hope:
Ja, genau. Bach ist Neue Musik, er ist zeitgenössisch. Er hat die Musik revolutioniert. Jedesmal, wenn ich zurück zu Bach komme, bin ich erstaunt. Bachs Musik kann so viele verschiedene Interpretationen tolerieren, von der historischen Aufführungspraxis bis zu Glenn Gould ist alles möglich.

Rheinischer Merkur:
Stichwort historische Aufführungspraxis. Halten Sie die Diskussion, zum Beispiel über Darmsaiten, für fruchtbar?

Daniel Hope:
Diskussionen sind immer fruchtbar, aber Fanatismus kann ich nicht ausstehen. Wir haben inzwischen sehr viel Wissen über die Aufführungspraxis vergangener Jahrhunderte. Wir müssen entscheiden, was wir davon mitnehmen und was wir an der modernen Aufführungspraxis schätzen. Ich halte eine Kombination für das Beste, die sogenannte historisch informierte Aufführungspraxis. Ich habe es sehr genossen, mit dem Concerto Köln auf Darmsaiten zu spielen und dadurch sehr viel über mein Instrument gelernt. Auf dieses Wissen möchte ich nicht verzichten. Für die Bach-Aufnahme habe ich trotzdem moderne Saiten genommen, weil ich ein Geiger bin, der im 21. Jahrhundert lebt.

Rheinischer Merkur:
Das 5. Brandenburgische Konzert ist das erste populäre Werk, das Sie aufgenommen haben. Ihre früheren CDs haben Sie eher unbekannten Stücken gewidmet. Warum haben Sie so lange gewartet?

Daniel Hope:
Die Mainstream-Stücke habe ich in Konzerten immer gespielt. Aber eine CD ist für die Ewigkeit. Ich habe mit Bachs Meis – terwerken gelebt, seit ich sieben Jahre bin. Ich brauchte die Zeit, um zu sagen: Das ist jetzt in mir so herangereift, dass ich es aufnehmen kann.

Rheinischer Merkur:
Ist bei einem Stück, von dem es mehrere hundert verschiedene Einspielungen gibt, der Interpret wichtiger als das Werk?

Daniel Hope:
Wenn man sich den Klassikmarkt anschaut, muss man sagen: ja. Das ist jedoch eine Überschätzung des Künstlers. Der Interpret vermittelt zwischen dem Komponisten und dem Publikum. Interpreten sind dafür verantwortlich, dass Musik lebendig bleibt. Ich halte mich nicht für wichtiger als das Werk. Bach und Vivaldi, das sind Giganten, Interpreten sind Mittelsmänner.

Rheinischer Merkur:
Warum hat es die Musik unserer Zeit so schwer?

Daniel Hope:
Weil es nicht reicht, ein modernes Stück nur vorzuspielen. Man muss als Interpret bereit sein, ein Stück zu erklären, und wenn es nur zwei, drei Sätze sind. Dann hört ein Publikum ganz anders zu. Das heißt nicht, dass die Leute das Stück sofort lieben, aber sie werden zumindest nicht abgeschreckt. Viele junge Komponisten haben verstanden, dass es nicht reicht, tolle Musik zu schreiben, sondern dass man auch in den Medien als Vermittler präsent sein muss.

Rheinischer Merkur:
Wer wird von den heute lebenden Komponisten in 100 Jahren in die Liga von Beethoven, Brahms, Schubert aufgestiegen sein?

Daniel Hope:
Ich möchte keine Namen nennen, aber einige haben eine sehr große Zukunft. Sehen Sie sich an, wie lange Schostakowitsch gebraucht hat, um akzeptiert zu werden. Heute wird er in der ganzen Welt gespielt. Man darf allerdings nicht vergessen: Die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ist ganz anders als die vorherige. Beethoven, Brahms, Schubert – das ist sehr tonale Musik, die man sich gut anhören kann, auch ohne Vorbildung. Das funktioniert mit Neuer Musik nicht.

Rheinischer Merkur:
Steckt das Tonale im Menschen oder ist es ein Ergebnis der Erziehung?

Daniel Hope:
Das Tonale liegt in der Natur des Singens, eine Melodie ist wichtig. In den Sechziger-, Siebziger-, Achtzigerjahren waren Melodien bei den Komponisten verpönt, es ging um die intellektuelle Analyse. Aktuelle Komponisten wie Thomas Adès oder Mark- Anthony Turnage schreiben große lyrische Melodien, aber auf ihre sehr spezielle Art und Weise.

Rheinischer Merkur:
Sie spielen beim Beethovenfest das Stück „Horizont Architektur Kern“ von HP Platz , eine Uraufführung. Laut Pressetext geht es darum, den „Blick für eine Entwicklung zu weiten, die letztlich aus dem Konzertsaal führt.“ Was heißt das?

Daniel Hope:
Was meinen Solopart anbetrifft, so sehe ich ein hochinteressantes Stück, sehr diszipliniert strukturiert und voller Klangvorstellungen. HP Platz hat, wie er mir sagte, mich als Geiger ausgewählt, weil er an meinem Spiel die Vielseitigkeit des Klanges mag. Ich sehe in dem Stück eine Botschaft des Klanges. Ich werde der Geige nicht nur die üblichen Töne entlocken, sondern zum Beispiel auf dem Steg spielen.

Rheinischer Merkur:
Wann ist das Konzert gelungen? Wenn es mehr als die Uraufführung gibt?

Daniel Hope:
Man hofft immer, dass es mehrere Aufführungen gibt. Doch wenn man merkt, dass die Musik sich überträgt, wenn sie Empathie beim Publikum hervorruft, dann kann auch eine einzige Aufführung ein Erfolg sein. Ob es ein kommerzieller Erfolg wird, hängt oft vom Zufall ab. Wer hätte gedacht, dass Goreckis Dritte Sinfonie millionenfach verkauft würde? Er war ein Komponist, der jahrzehntelang ohne kommerziellen Erfolg sehr komplizierte Orchesterwerke geschrieben hat. Plötzlich greift ein Werbespot eine Stelle aus seiner Sinfonie heraus – und wegen dieser Sekunden wird das ganze Stück zum Bestseller.

Rheinischer Merkur:
Wären Sie enttäuscht, wenn Ihr langsamer Satz des Violinkonzertes in a-Moll von Bach auf einer Kuschelklassik-CD landen würde?

Daniel Hope:
Nein. Das ist Vermarktung. Ich kann mich darüber nicht aufregen. Es ist großartige Musik, und wenn die Leute das eben auf einer Kuschelklassik-CD hören möchten, dann sollen sie das tun. Das war doch zu Bachs, Beethovens und Mozarts Zeiten nicht anders. Auch da wurden nur wenige Werke vollständig gespielt, es wurde zwischen den Stücken oder währenddessen gegessen, getrunken, gefeiert.

Rheinischer Merkur:
Wird es das bürgerliche Konzert, bei dem man zwei Stunden andachtsvoll lauscht, in 20 Jahren noch geben?

Daniel Hope:
Wenn wir Interpreten nichts für das Publikum von morgen tun, werden klassische Konzerte aussterben. Im Moment kommen bei Festivals kürzere Konzerte ohne Pause sehr gut an. Aber wie ein Abend im Einzelnen abläuft, finde ich nicht so wichtig. Ich mag komische Konzerte, ich mag seltsame Kombinationen aus verschiedenen Künsten. Hauptsache, es gibt Live-Musik auf höchstem Niveau.

von Christiane Florin

Auf der ständigen Suche nach Musik
Concerti Magazin, 30.12.2006

Welche Inspirationsquellen dem Geiger Daniel Hope, der im Dezember als Mitglied des Beaux Arts Trios in der Laeiszhalle auftritt, am wichtigsten sind, erzählt er bei einem englischen Frühstück in einem Hamburger Café.

concerti:
Herr Hope, Sie sind es gewohnt, mit Legenden zu arbeiten – erst Yehudi Menuhin, mit dem Sie in 60 Konzerten auftraten, jetzt als Mitglied des Beaux Arts Trios mit Menahem Pressler. Was kann man als junger Musiker von solchen Persönlichkeiten lernen?

Daniel Hope:
Zwischen Pressler und Menuhin sind riesige Unterschiede. Was Pressler angeht – bei ihm ist jedes Konzert, jede Probe, jedes Mal wenn er sich an ein Klavier setzt eine neue Inspiration. Es ist wunderbar zu beobachten, wie er die Töne und die Musik aufsaugt und weiter gibt. Man ist Teil eines Entstehungsprozesses und die Musik ist bei ihm genauso frisch, als wäre er 25. Es gibt selten Musiker, die im positiven Sinne so von Musik besessen sind wir Pressler. Bei ihm geht es nicht allein um das Konzert, es geht vielmehr um die Beschäftigung mit Musik, um das Proben. Das ist beim Beaux Arts Trio sehr intensiv, obwohl wir uns immer seltener für Konzerte treffen. Wenn wir aber auf Tournee sind, ist die Zeit unglaublich intensiv angefüllt mit sehr vielen Proben, Diskussionen über Musik und schließlich den Konzerten selbst. Pressler erfindet sich dabei immer wieder neu. Obwohl er einen Beethoven, Schubert oder Haydn vielleicht schon zum fünftausendsten Mal spielt, ist es bei jeder Probe so, als ob er zum ersten Mal diese Noten anschauen würde. Das habe ich noch nie bei einem Musiker gesehen.

concerti:
Ist das eine außergewöhnliche, genialische Begabung…

Daniel Hope:
Genau das ist es. Man wird fast verrückt, weil man sich sagt, man hat als Trio eine Interpretation zusammen erarbeitet aber es ist trotzdem nicht genug. „Es ist nicht genug“ ist ein typischer Satz von Pressler. Er wird von Musik nie satt. Es ist wunderbar, dass sich jemand von Musik so inspirieren lassen kann. Und das mit 83. Was Menuhin betrifft – er hat überall die Leute allein durch seine Erscheinung schon begeistert. Es ist kein großes Geheimnis, dass er viel zu lang gespielt hat, was wirklich schade war, denn für mich war er der größte Geiger überhaupt. Wenn man seine frühen Aufnahmen anhört, seine Paganini-Aufnahme mit Monteux, seinen Elgar mit Elgar, seinen Bartók mit Furtwängler, dann hört man sein erstaunliches Talent und seine große Begabung, an die zu seiner Zeit niemand herangekommen ist. Es macht mich wütend, wenn Leute meiner Generation sagen, er sei kein guter Geiger gewesen, denn die haben ihn einfach nicht erlebt. Auch wenn er gegen Ende technische Probleme hatte, trotzdem gab es in jedem Konzert Momente, die unvergleichlich waren und die ich nie vergessen werde. Ein paar Takte in einer Sonate oder ein Satz hier und da – das gehört für mich zu den größten musikalischen Momenten meines Lebens.

concerti:
Ist es nicht generell so, dass diese wenigen magischen Momente, das Wesentliche eines Konzert- oder Musikerlebnisses ausmachen und ist ein Menuhin nicht so sehr Botschafter der Musik gewesen, dass es wert war, auch die technischen Mängel in Kauf zu nehmen?

Daniel Hope:
Absolut. Das ist der Grund, wieso man das macht. Man spielt nicht, um reich zu werden oder weil es einem gefällt, ein Bild von sich in einer schönen Zeitschrift zu haben. Man tut es, weil man denkt, etwas über Musik zu sagen zu haben. Komponisten wie Beethoven, Brahms, Schubert oder Schnittke kann man nicht das Wasser reichen. Aber man ist überzeugt, dass man etwas zu sagen hat über diese Musik und als eine Art Medium zwischen dieser Musik und den Menschen fungiert. Wenn das gelingt und man die Zuhörer auf irgendeine Art und Weise zu berühren vermag, dann hat man fast eine Pflicht, das auch zu tun. So hat es Menuhin getan und so tut es Pressler. Da spielen technische Mängel für mich absolut keine Rolle. Ein Publikum, das in ein Konzert von Menuhin gegangen ist, kam, um ihn zu sehen und zu hören. Und sie haben diese magischen Mo-mente erleben dürfen.

concerti:
Gibt es für Sie andere Kollegen, die eine mit Menuhin oder Pressler vergleichbare Führungsrolle einnehmen, oder ist das eine Sache, die mit dieser Generationen verloren geht?

Daniel Hope:
Teils, teils. Es gibt schon etwas ganz besonderes an dieser alten Generation. Wenn man das Glück hat, einen Menuhin, Pressler, Badura-Skoda oder anderen großen Musiker dieser Generation zu erleben, ist man ganz nah an einer Art Quelle angekommen. Der erste Geiger des Beaux Arts Trios, Daniel Guilet, war einer der besten Freunde von Ravel. Wenn man das Klaviertrio von Ravel spielt und Pressler berichtet, was ihm Guilet dazu gesagt hat, dann ist es, als ob Ravel neben einem säße. Mit Menuhin gab es diese Verbindung zu Brahms, denn Menuhin hat bei George Enescu studiert, der wiederum mit Brahms dessen Violinkonzert einstudiert hat. Sicher ist das ein wichtiger Bestandteil dieser Generation der „großen Löwen“, wie man sie nennt und die leider allmählich ausstirbt. Trotzdem, was die heutige Zeit betrifft, es gibt viele phantastische Künstler, die etwas zu sagen haben. Ob man sie miteinander vergleichen kann, das weiß ich nicht. Wenn man die Generation anschaut, die jünger ist als ich, wenn man in die Konservatorien und Musikhochschulen geht, dann findet man dort große Talente. Ob wir jedoch die Individualität solcher Persönlichkeiten wie Pressler, Menuhin, Klemperer, Furtwängler, Toscanini etc. wieder bekommen, das weiß ich, ehrlich gesagt, nicht.

concerti:
Sie beschäftigen sich intensiv mit zeitgenössischer Musik und suchen den direkten Kontakt zu den Komponisten – liegt darin für Sie eine Kernaufgabe für Musiker, eine solche Brücke als Informationstransport über die Zeiten hinweg herzustellen?

Daniel Hope:
Für mich ist es das A und O. Ich habe nicht die Möglichkeit, einen Beethoven oder Brahms zu befragen, so gern ich das täte. Wenn man einen guten zeitgenössischen Komponisten, der viel zu sagen hat, befragen kann und dabei zusehen darf, wie ein Stück entsteht, dann versteht man auch viel mehr über ein Brahms-Konzert. György Kurtág habe ich z.B. über das Trio kennen gelernt, denn er hat für uns ein Stück geschrieben und auch mit uns gearbeitet. Das war faszinierend. Noch faszinierender aber war, mit ihm über Beethoven zu sprechen. Ich würde behaupten, Menahem Pressler kennt diese Trios ganz gut. Als Kurtág uns jedoch einen Unterricht über ein Beethoven-Klaviertrio gab, war es, als ob wir alle, Pressler inklusive, wie Schüler wären. Ich muss sagen, das gehörte zu den spannendsten zweieinhalb Stunden meines Lebens. Das, was ein Komponist über einen anderen Komponisten sagen kann, das geht weit über das hinaus, was ein Lehrer oder ein Pianist oder ein Pädagoge sagen würde. Das war ein Komponisten-Bezug, den Kurtág gefunden hatte, er hat über die Musik-Sprache als Komponist gesprochen. Er besitzt eine exzellente Kenntnis vom Streicherspiel, vom Klavier, vom Klang – es war, als ob er unsere Ohren weit aufgemacht hätte. Pressler war gleichzeitig schockiert und begeistert, denn er sagte, es wäre für ihn gewesen, wie wenn er das Stück zum ersten Mal gehört hätte. Wie gesagt, das versucht er immer zu tun, und diesmal hat ihm jemand anderes das so vor Augen geführt – es war faszinierend.

concerti:
Sie haben sich im Aufnahmestudio bisher nicht an die großen Violinkonzerte von Beethoven, Brahms und Konsorten herangewagt – was hält Sie davon ab?

Daniel Hope:
Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen dem, was man im Konzertsaal spielt und spielen soll und dem, was man aufnimmt. Die großen Violinkonzerte von Beethoven, Brahms, Mendelssohn, Tschaikowsky oder Schumann sind für uns Geiger das Fundament unseres Repertoires. Auf der Bühne habe ich mich sehr intensiv mit diesen Werken beschäftigt. Als die erste Anfrage kam, eine Aufnahme zu machen, habe ich mir den Katalog angeschaut und nicht nur gesehen, wie viele Aufnahmen es von diesen großen Konzerten gibt, sondern vor allem, wer sie alles aufgenommen hat. Menuhin, Heifetz, Oistrach, Busch, Szeryng, Perlman, Zukerman, Mutter, immer mit hervorragenden Orchestern und legendären Dirigenten. Schnell wurde mir klar, dass ich mich fragen musste, ob ich bereit bin, mich für die Ewigkeit festzulegen, denn darum geht es im Endeffekt. Beim ersten Angebot für eine Aufnahme, da war ich Anfang 20 und einfach noch nicht so weit, das Violinkonzert von Brahms aufzunehmen, denn wahrscheinlich wird es das einzige Mal sein, dass ich es in meinem Leben aufnehmen kann. Da ich mich zu der Zeit intensiv mit zeitgenössischer Musik beschäftigte, dachte ich mir, eine Aufnahme zu machen, die sich um meinen persönlichen Zugang dreht und zudem zu versuchen, eine Beziehung herzustellen zwischen den Stücken, die man aufnimmt und eine Geschichte zu erzählen. Ich wollte einfach Musik spielen von Komponisten, von denen ich weiß, was sie haben wollen. Natürlich muss man eine eigene Interpretation aufbauen, trotzdem war mir dieser persönliche Kontakt zu den Komponisten Schnittke und Takemitsu, deren Werke ich schließlich bei meiner Debüt-CD zusammen mit dem Konzert von Kurt Weill aufnahm, sehr wichtig. Erst haben alle den Kopf geschüttelt und gesagt, das Album wird sich sowieso nicht verkaufen. Doch es wurde ein großer Erfolg und hat sich sehr gut verkauft. Meine kleine englische Plattenfirma nimbus records war begeistert und hat gesagt, okay, was machen wir als nächstes? Ein Rezital-Programm mit Schnittke, Pärt und Penderecki war meine Antwort. Das war eine ähnliche Geschichte und wurde ein vergleichbarer Erfolg. Ab diesem Moment war mir auch klar, dass es auch Platz in dieser Welt gibt, ein Konzept zu präsentieren.

concerti:
Kann das auch ein Weg sein, ein neues Publikum zu erreichen?

Daniel Hope:
Man kann ein neues Publikum nur dadurch erreichen, indem man vor allem zu den sehr jungen Menschen einen Zugang sucht. Da der Musikunterricht in den Schulen immer mehr gestrichen wird, wissen die jungen Leute gar nicht mehr, was ein Instrument, was ein Satz oder eine Saite ist. Die haben einfach überhaupt keine Ahnung. Ich habe das deutlich gemerkt, als ich neulich bei dem Projekt „Rhapsody in School“ mitgemacht habe, das der Pianist Lars Vogt initiiert hat. Bei diesem Projekt geht es darum, Kinder und Jugendliche „anzustecken“ und an die Musik heranzuführen. Die Musiker sind alle Freunde von Lars Vogt und gehen in der Stadt, in der sie gerade auftreten in eine Schule. Ich habe das kürzlich in Berlin in einer Schule gemacht und wurde mit 90 bis 100 Schülern im Alter von 5 bis 9 Jahren konfrontiert. Da merkte ich schnell, dass die offensichtlich viel mehr Ahnung von „50 Cent“ (ein amerikanischer Rap-Musiker, Anm. d. Red.) haben, als von Mozart. Wenn es darum ging, eine Melodie zu singen, dann haben sie alle Pop-Melodien gesungen, nicht etwa Melodien von Bach, Mozart oder Beethoven. Nach eineinhalb Stunden Spielen, Singen und Tanzen konnten sie eine Gigue von Bach anhören und sagen: „Hey, das war ganz cool!“ Ich erwarte nicht, dass die sofort nachhause gehen und zu ihren Eltern sagen: „Lass uns eine Bach-Platte kaufen.“ Wenn sie aber zumindest die Möglichkeit haben, zu sehen, dass es auch andere Musik auf der Welt gibt, dass es Musik gibt, die einen berühren kann, dass durch klassische Musik andere Emotionen erweckt werden können als durch Pop, wenn sie lernen, auch einmal eine zeitlang still zu sitzen und etwas, das länger dauert als ein Lied, ruhig anzuhören, dann ist das schon ein Erfolg. Der Erfolg der Popmusik liegt sicherlich auch darin, dass unsere Konzentrationsfähigkeit heutzutage so abgenommen hat. Es gibt viele Pop-Künstler, die etwas zu sagen haben und viele andere, die musikalisch nichts zu sagen haben.

concerti:
Sie kennen sich anscheinend sehr gut bei der Pop-Musik aus…

Daniel Hope:
Ja, ich kenne die Pop-Musik sehr gut. Man sollte sie nicht unterschätzen, ihr aber auch nicht zuviel Bedeutung geben, denn es ist eine einfache Musik. Was nicht, heißt dass sie nicht großartig sein kann. Ob die Beatles, Jimi Hendrix oder Sting, es gibt Meilensteine auch in der Pop-Musik. Man darf die Pop-Musik nicht unter den Teppich kehren, denn erstens gibt es eine riesige Anhängerschaft und zweitens muss man verstehen, wieso die Pop-Musik so beliebt ist. Das liegt vor allem daran, weil sie so zugänglich ist, kurz und einfach zu verstehen. Die klassische Musik soll nicht so sein wie Pop, auch nicht so erfolgreich. Unsere Aufgabe heute ist es, den Zugang zur klassischen Musik zu erhalten und uns nicht vom Publikum zu entfernen. Das ältere Publikum ist uns Gott sei Dank erhalten geblieben, aber über die neuen Generationen müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen, denn sie sind nicht nachgekommen.

concerti:
Sie haben sich viel mit indischer Musik beschäftigt, inwiefern befruchten und verändern solche Crossover-Erfahrungen Ihr Geigen-Spiel?

Daniel Hope:
Das sind zwei Fragen. Ja, es verändert unglaublich das Spiel. Welche Auswirkungen das darauf hat, wie man Brahms spielt, ist eine andere Frage. Die Musik von Ravi Shankar hat für mich keine direkte Auswirkung auf meine Interpretation klassischer Werke. Indem man sein Spiel verändert, spielt man Brahms dennoch anders, ohne dass das Spiel direkt anders ist. Was mir solche Grenzüberschreitungen vor allem bringen, sind Energie und Inspiration. Sich mit einem Musiker einer anderen Kultur auseinander zu setzen, der sowohl musikalisch wie linguistisch eine andere Sprache sprich und trotz aller Unterschiede festzustellen, dass man letztlich doch dieselbe Sprache spricht, wenn also dieser „Cross-Over“ im Sinne einer echten „Grenzüberschreitung“ gelingt, man sich verständigt und einen gemeinsamen Weg findet, musikalische Kulturen zu verbinden, dann ist man danach ein anderer Mensch, ein anderer Musiker. Alles, was man über die Jahre aufsaugt, ob es von Shankar , Menuhin oder anderen ist, bewegt sich in einem und man fängt an, damit zu arbeiten. Es ist sehr schwer zu sagen, wie sich solche Erfahrungen auf Brahms auswirken. Man ist aber für die Musik offen, das ist im Endeffekt das Entscheidende, das definiert uns.

concerti:
Ist das für einen Musiker der heutigen Zeit eine Grundbedingung, sich diese Inspirationsquellen, die ein Pressler vielleicht noch selbstverständlicher aus sich selbst heraus zu entwickeln vermag, in solchen musikalischen Grenzerfahrungen zu suchen?

Daniel Hope:
Ich kann da nur für mich sprechen. Egal welche Musik ich höre, es gibt immer wieder Punkte, die mich reizen. Deswegen bin ich ständig auf der Suche nach Musik. Musik lässt uns nicht los, überall ist Musik, aber irgendwann hört man etwas, das einen mitreißt. Ob das heute notwendig ist, sich auf diese Weise mit Musik zu beschäftigen – ich weiß es nicht. Ich würde jedem raten, sich der Musik zu öffnen. Ich bin gegen jede Art von Fundamentalismus. Gerade, was Musik angeht, sollte man für alles offen sein. Nur dann können wir verstehen, was wir hier tun.

concerti:
Herr Hope, wir danken Ihnen für das Gespräch.

von Gregor Burgenmeister



2005


Meetings with remarkable men
The Independent, 03.01.2005

In the beginning – 1967, to be precise – Yehudi Menuhin made a record named West Meets East with the sitar-master Ravi Shankar, during London’s rush of love for the sounds of Rajasthan. Three decades later, Nigel Kennedy released East Meets East, in homage to that initial foray by the violinist who was his mentor. Now, a young violinist named Daniel Hope has put out a record called East Meets West and brought the story full circle.

Garlanded last year with Classical Brit and Gramophone awards, the 30-year-old Hope is one of nature’s explorers. It’s thanks to his championing that the true version of Berg’s “love-code” concerto is now in the shops, and that a noble but forgotten work by the British composer John Foulds is back in the repertoire. And, since Hope’s collaborators include mavericks such as Uri Caine and Bobby McFerrin, it’s no surprise to find him teaming up with Ravi Shankar; what does surprise is the extent to which he has transformed his style in the process. Menuhin’s playing retained its characteristic sheen on that original record with Shankar; Hope has managed to shed all traces of his Western training, and replaced it with an authentically Indian sound.

Moreover, with its additional pieces of Orientalism by Western composers, East Meets West – Shankar jokingly suggested they call it West Eats Meat – represents an epic musical journey that was entirely Hope’s idea. Now seems the moment to catch this shooting star and see what makes him tick. The answer, I find, lies in a remarkable succession of father figures.

His actual father – the South African novelist Christopher Hope – played little part in this musical story, but his indirect influence was crucial. Exiled to London and strapped for cash after publishing a book that the apartheid regime hated, Hope senior sent his wife out to work, and she landed a job as Yehudi Menuhin’s secretary. “As my father needed peace and quiet to write, she took me with her,” says Hope junior. “And Menuhin loved having children around. Every day of my first four years was spent in his house, and all my memories are of what I saw there, and the people who came to visit – the politicians, the Stéphane Grappellis, the Shankars. All that ignited a spark.”

His manner is bright and eager, and you sense the drive that was clearly there from the start. When he was three, he says, he announced to his parents that he was going to become a violinist. “Their reaction was complete and utter shock. And when my father told Menuhin, he simply replied: ‘Poor chap.’ He was very discouraging – he basically washed his hands of me. The last thing he wanted was to get involved.”

Hope persuaded his parents to take him to a local violin teacher, Sheila Nelson, but she was rather discouraging too. “Her first comment was: ‘He’s too small. Come back in a couple of years.’ Yet hanging on the walls all round were tiny violins. I had the most incredible tantrum in front of her, so to quieten me she took one down and said, ‘Here you are. I’m not making any promises, but we’ll try.’ And I just grabbed it – and the moment I had it in my hands, I knew that was my future.”

When he was eight, though his parents were against it, he decided to go to the Menuhin school. “Menuhin himself didn’t comment. I guess he just thought I’d grow out of this obsession.” His parents’ doubts about the school proved justified. “The problem was that it had a blanket rule for all students, whether eight or 18 – everyone had to practise a set amount each day. That worked brilliantly for some people, but not for me. So at nine I decided to leave.”

You yourself decided? “Yes. From the age of four I’ve basically run my own life. I’ve always known within a few minutes whether something I’ve done is good or not.” The one positive legacy he took from the Menuhin school was a tutorial invitation from a Russian-Israeli teacher named Felix Andrievsky, who also taught at the Royal College of Music. “And thus began my induction into the Russian way of playing, which is in a way how I play now.”

What is that way? He thinks for a moment, then gives a short lecture. “It’s an approach to the violin, and to the way sound is produced on it. Russian musicians all have the ability to create a certain type of sound, using a certain kind of pressure on the bow, with a certain hand position that is unique to them. This started from the time of the great Leopold Auer, and continued with gods like David Oistrakh and Leonid Kogan – extraordinary musicians. And there’s an approach to colour which goes with that – many layers of colour. I’d been used to playing loud and soft, and then somebody tells you there are five types of loud and five types of soft, and between them an enormous spectrum. And it’s all done technically, yet the goal is an aesthetic one.”

At 16, Hope met another Russian violin teacher, named Grigory Zhislin, who broadened his horizons further. “Felix’s way was to talk, but Grigory’s was to play. And with his right arm and hand he was able to create a hundred times more colour than I’d even then thought possible. By tilting the bow, by a variety of tricks with the right hand, he unlocked something else. I was in a state of shock.”

Hope uses that same phrase to describe his reaction to his coeval Maxim Vengerov’s Wigmore debut that year. “That was one of the greatest experiences I’d ever had – to hear this 16-year-old boy playing the Bach Chaconne amazingly, as his opening piece. I knew he’d been taught by Zakhar Bron – and I knew I had to go and study with him.”

He did, and became addicted to his style of teaching. “It was totally different from my other Russian tutors, but it had the same thread. Bron is like a sports coach, with a big presence and big voice, who holds up an enormous mirror in front of you – exaggerating what you’re doing. He doesn’t let a single phrase pass without comment. A lesson with him is like going 10 rounds with Mike Tyson. You just feel shattered.”

All his other tutorial relationships had ended with an angry cut-off: “With most Russian teachers, when you leave, the drawbridge comes up – they think you’ve rejected them. After three failed relationships, I decided not to have that break with Bron. So I still sometimes go back to him.”

Menuhin, too, had heard about Bron, and one day he rang Hope to ask how he was getting on. “So I went and played for him, and he was absolutely horrified.” Why? “Because I’d taken it all so seriously. He was genuinely shocked – he never thought my violin-playing would be anything serious – yet I’d gone on and done it. He realised that during all those years the violin had meant absolutely everything to me. He became very emotional, and asked me to play more, so I played the first Schnittke sonata, which he didn’t know, and then he said, keep going, so I did the Mendelssohn, the Bach Chaconne. Three hours later he stood up and said, ‘I had no idea, and I’m so happy. Would you like to play for me regularly?’

“When I said I’d love to, he said, ‘I can go one better than that – would you like to play concertos with me conducting?’ So we started with the Mendelssohn, and eventually we did 60 concerts together, up till his final one in Düsseldorf – he died three days later. But I was so happy it had all worked out like this. Because I hadn’t learnt from him as a teacher but as a colleague who knew those pieces probably better than anybody else in the world.”

East Meets West begins and ends with ragas by Ravi Shankar, which Hope’s liner-note describes as being “In memoriam Yehudi Menuhin” (which is right, since they were composed for him). But first – after two years’ retraining, sitting cross-legged on the floor with Shankar’s anointed successor, Gaurav Mazumdar – Hope had to get the Indian master’s blessing. “I wanted to play to convince him, and for almost three hours he listened with his wife and daughter and a student. When I’d finished I asked if he would permit me to take it into the studio, and he agreed. But he also said that – much as he admired Yehudi’s playing – they’d never had time to do it as he wished, and he wanted me to remedy a few faults. He gave me a detailed list – things to do with the way one uses the bow and a very sparing use of vibrato. He wanted a pure sound.”

Next week, Daniel Hope will premiere a John Casken piece at the Barbican, and the week after that he’ll be helping the Beaux Arts Trio celebrate their 50th anniversary at the Wigmore Hall. When I ask how on earth he came to join that august ensemble, I get another strange tale, involving a suddenly incapacitated player in New York, a call on Hope’s mobile as he left the stage in Brussels, and a hurried but searching audition…

Daniel Hope, Barbican, London EC2 (020-7638 8891) 15 January, and Wigmore Hall, London W1 (020-7935 2141) 27 January. ‘East Meets West’ and ‘Foulds: Mirage’ are on the Warner label

Michael Church meets a rising star

Music Minstrel – Daniel Hope’s Eclectic Universe
Muso, 02.03.2005

It’s a grey December afternoon when violinist Daniel Hope bounds down the stairs of his Amsterdam apartment to greet me. He’s dressed in casual trousers and an open-neck shirt, his mane of blazing red hair swept back aristocratically.

The word ‘leonine’ springs to mind and somehow it seems appropriate not just for his physical presence. Hope’s prize male in the pride of British string players, one whose appetite for artistic journeying has led him across musical savannahs as diverse as Indian ragas and contemporary concertos. There’s something of the big cat’s wanderlust in him, too, a sense of musical curiosity that’s almost ferocious. Yet personally he’s a pussy-cat, softly-spoken, gracious and generous with his time and ideas.

It’s some of those qualities that marked him out at the 2004 Classical Brit Awards, where he was named young artist of the year. At an event formerly famed for celebrating crossover crooners, Hope’s success was a quiet triumph of musical substance over superficial style.

A man with impeccable artistic credentials, until then he’d been a relatively minor name in the UK. Known to the concert-going and record-buying cognoscenti, he’d eschewed the classical party circuit, concentrating instead on what he does best – playing great violin.

The results – beautiful and focused playing, coupled with an adventurous sense of programming – make Hope out as one of the great prospects in British music. Yet he may never have held a violin at all if it hadn’t been for a extraordinary life story that yourneys from the dehumanising world of apartheid South Africa to genteel north London.

Hope’s father Christopher, an award-winning novelist and poet, was a vociferous critic of the Pretoria regime and was placed under house arrest for his anti-government views. In 1974, when Daniel was six months old, his parents left almost everything behind and fled to England.

“We have a history of travelling in our family“, Hope smiles ironically. “My mother’s family was expelled by the Nazis in the 1930s and my father’s family were Irish. Dad had the particular stress of seeing his books banned in South Africa. There was really no choice but to leave“.

Forced to find a job to help the family survive, his mother Eleanor applied for three secretarial posts. One was to work for a stockbroker, another to help the Archbishop of Canterbury and the third to assist legendary violinist Yehudi Menuhin. With the threat of deportation hanging over them, Mrs. Hope got the Menuhin job.

“My earliest memories are of growing up in Highgate and while I had it good I know now that there were times when my parents did not know where the next meal was coming from,“ he recalls. “I can remember Mum getting the Menuhin job as the last hope. It’s one of those tweaks of fate that is almost bizarre – especially as my parents were not musical. But Mum knew of Menuhin and remembered him coming to South Africa. And although my father is not a musician he is a great music lover.“

For the next few years, Hope grew up in the shadow of Menuhin although there was little musical contact with him.

“On a personal level Menuhin was always very warm but musically there was very little contact, until I was 16,“ Hope points out. “It was a curious thing. I would be playing with his grandchildren and Ravi Shankar or Mstislav Rostropovich would walk in. And I was very much on the outside while Menuhin was omnipresent in our lives“.

Menuhin’s impact on his secretary’s son was immediate: “I remember going to concerts in the early 1970s and I can remember grabbing two knitting needles and imitating the violin. I guess it must have sparked something.“

It was evident to Hope’s parents that their son had a talent so they sought out a local instructor. Serendipitously, one of the country’s top teachers of children – Sheila Nelson – lived around the corner from the family’s Highgate home.

“It was Sheila who was responsible for the violin becoming something really serious for me,“ Hope points out. “I had just turned four and I can remember everything about that first lesson. I was in Sheila’s living room and saw all these violins hanging on the wall and I went absolutely awol.“

What Nelson imparted in her lessons Hope says he carries with him to this day: “If I look at pictures of myself at three, I had exactly the same position and bow hold then as now. I still carry certain rhymes in my head that Sheila taught us to help remember notes and other musical elements. She was so great at organising our minds about music. For instance, we would sing notes and I would learn to improvise as well. I had no inhibitions about learning. I remember later going into incredible detail about music, about the phrasing, everything.“

Hope’s musical appetite even then was voracious and at the age of 10 he found himself on national TV alongside double bassist Gary Karr. They’d first met at Menuhin’s Gstaad Festival in Switzerland, when Hope had been turning pages for Karr’s pianist.

Determined to pursue a professional career in music, Hope went on to study with Itzhak Rashkovsky, Felix Andrievsky and Grigory Zhislin at the Royal College of Music. A pupil at Highgate School in London, from 1992 to 1998 he was a student of the great Russian teacher Zakhar Bron (Maxim Vengerov’s mentor) in Hamburg. He also graduated from the Royal Academy of Music in London, where he holds the DipRAM and ARAM.

It was Hope’s studies in Germany that piqued Menuhin’s curiosity about his young acquaintance, whom he realised was now seriously committed to his instrument. It was the start of a lasting friendship, Hope even played at what was to be Menuhin’s final public concert.

The Menuhin influence is reflected in Hope’s musical curiosity and intellectual probing. Like Menuhin, Hope has a strong interest in contemporary music and in reaching out to new audiences. He’s even paid tribute to one of Menuhin’s legendary ventures in his recent Warner Classics recording East meets West. In a re-imagining of Menuhin’s 1960 musical explorations with sitarrist Ravi Shankar, Hope performs with sitarrist and Shankar disciple Gaurav Mazumdar as well as tabla player Asok Chakraborty.

The rest of the musical journey emcompasses gypsy and folk music but the highlight is the world-premiere recording of Alfred Schnittke’s Sonata 1955, a piece unknown until it was unearthed by chance.

Hope’s relationship with Schnittke – he was entrusted with the 1955 sonata by the composer’s widow, Irina, and has edited the violin part for a Sikorski edition – was one of the most important of the violinist’s life. A a teenage student in Hamburg, Hope developed a fascination for the Russian giant’s music. In another stroke of good fortune, Hope discovered Schnittke lived near him in Hamburg and decided to pay him a visit. It led to a friendship that was to last until Schnittke’s death in 1998.

Hope’s been equally supportive of the next generation of composers and has actively commissioned new works. Jan Müller-Wieland’s violin concerto Ballad of Ariel is a strong case in point, premiered by Hope in Berlin in 2002. He is “particularly proud“ of a piece by young British composer Huw Watkins:
“He wrote a quintet based on Schubert’s “Trout“ Quintet and it’s a stunning piece.“ Hope is also delighted with a new violin concerto commissioned from Roxanna Panufnik. He will premiere the work in March at the Savannah Music Festival, of which he recently became associate artistic director.

“Roxanna’s violin concerto is called Abraham and it’s a totally different style. She has a real feel for lyricism – that’s something that interests me in contemporary music. It also helps if there’s a rhythmicality; that’s what drew me to the music of Schnittke and of Britten.“

Hope gives short shrift to those who avoid modern music.

“If you really can’t play it then OK but a lot of people use that excuse as a cop-out,“ he moans. “That’s something I do not accept. A lot of people are just not experimental enough. Young composers need to have people of their own age who can tell them what they think of their work. There’s enough great music out there, which can be interpreted by young artists today. And it’s not an excuse to say audiences don’t like it. I often give a three – or four-minute introduction to a modern piece. Ninety-nine per cent of people thank you for that – it’s like giving them a little map of the piece. As a result, I’ve had very warm reactions to very abstract pieces. Most composers appreciate it, too. You can’t expect an audience just to take what you give them. If Menachem Pressler can sit down and learn a piece by Mark-Anthony Turnage, younger musicians have no excuse.“

The reference to Pressler, pianist with the legendary Beaux Arts Trio, flags up one of the most significant musical relationships in Hope’s life.

“I was playing in Brussels at the Palais de Beaux Arts, coincidentally enough, when I had a call from one of my European agents who asked me what piano trios I could play,“ Hope recalls. “She rattled off a list that started with the complete Beethoven trios and went through Schubert, Mozart, Schnittke and Brahms. It transpired the Beaux Arts Trio was looking for a violinist to join on a tour. “But,“ my agent said, “it’s next week!“ It was 17 February 2002. I was still in shock but the first thing I said was, “I’m free.“

Hope finished his Brussels concerts, went to a local music shop to buy all necessary music and – after calling assorted friends and acquiantances for advice – flew to Basel to meet Beaux Arts cellist Antonio Meneses.

“The Schubert E flat trio was the most difficult piece I had ever seen in my life,“ Hope laughs, “but I met this most wonderful cellist, with this amazing background and so much experience with Karajan. For two days, we went through everything – bowings, fingerings, everything. He called Menachem Pressler and I then flew to Lisbon where we rehearsed for nine hours a day for two days.“

“Just to get through a tour you have to be able to get on with people“, Hope points out pragmatically. “I was dazzled by Pressler and I had all these names to live up to – but you also have to play your own instrument in your own way. We did the tour and it was a different programme every night. We got to the final concert – at the Musikverein in Vienna – and Menachem took me to one side and said that the next month the trio had a 15-concert tour of the US but that it was only with two programmes.“

“I explained that I had lots of my own projects that I wasn’t prepared to give up but Menachem explained that the trio now plays 60-70 concerts a year in block tour, twice in Europe and twice in the US. “If you’re clever enough to organise your diary“, he hinted… that was an enormous incentive so I decided to stay.“

Hope was determined to reflect his and Pressler’s age difference (half a century separates them) in the ensemble’s programming: “I felt that if I was going to join the trio, was there not some chance to explore some modern repertoire for the trio ? Having a third of a trio that’s so interested in new music, can we not look at commissioning some composers ?“

Hope has since commissioned works by György Kurtág, Turnage and Müller-Wieland to mark the Beaux Arts ‘ 50th anniversary this year. There’s also a new piano trio by Uri Caine, who also makes an appearance at the 2005 Savannah Festival.

Savannah is typical of Hope’s musical inquisitiveness, as he makes clear: “What I’m trying to do with Savannah is bring over a European tradition but I don’t want to make it a European festival. I think it’s nice – and important – to look further than the natural boundaries you have. There are some very strong voices in American contemporary music, particularly in jazz and some elements of rock. There are some very interesting developments over there.“

“Take the music of John Adams, for instance, whose violin concerto I love, Hope enthuses. “His music is a very healthy continuation of the minimalist movement. It’s the sort of music that’s going to survive. Minimalism had a huge impact but in a sense it’s done. I really think people are going to come back to melody. If you can mix the melodic side of the American school and the theory and emotional content of the European tradition, it will be interesting to see what comes out of that.“

“All you can do if you start to combine different styles or cultures is be a serious and respectful as you can, to be as loyal as you can to the practises, whether it’s gypsy music or Bach. I think you can do whatever you want, but do not dabble. You have to find a way of qualifying it and to be wholly versed in it. It’s the discipline that’s required of you.“

No doubt it’s just such a committed attitude that has attracted some of the stellar names in the arts to collaborate with Hope on his own projects. He’s gained particular acclaim in German-speaking territories for his collaboration with Oscar-winning actor Klaus Maria Brandauer, performing Stravinsky’s The Soldier’s Tale.

“I had admired Klaus Maria Brandauer ever since I saw the film Mephisto. Pianist Lars Vogt is a friend of mine and had worked with Brandauer but it’s almost impossible to get hold of the man! Five months after contacting him I’ heard nothing. Then one day I got home to a message from him saying he was interested in my ideas. I rang him back and went straight to Vienna to see him. We had the most raucous evening in a Chinese restaurant and ended up with about six projects that we wanted to do. That’s what led to our project War and Pieces, where we perform The Soldier’s Tale and a transcription by Müller-Wieland of Beethoven’s Egmont Overture for the same instrumentation.“

With such a busy life – not to mention a burgeoning recording schedule for Warner Classics – it’s a wonder the violinist has time for private life. But last summer he tied the knot with his long-term partner Annika Pigorsch, a double bass player with the Radio Symphony Orchestra in Amsterdam.

“We first met at the Schleswig-Holstein Music Festival in 1992,“ Hope explains. “We were in the same masterclass – I was with Zakhar Bron and she was with Ludwig Streicher. We met in a Schubert “Trout“ Quintet and it has remained “our“ piece. We married at the Schloß Schönbronn in Vienna. The wedding, unsurprisingly, featured some high-profile guests playing lots of music by Bach – but we had a soul and funk band for the party!“

Married life is “why Amsterdam is where I base myself“, says Hope, “but home is basically a suitcase. I’m lucky if I’m here for four or five days a month. But it is an incredible charmed life I have – to play with the sorts of people I play with or at a festival where you and your friends can be creative.“

“At Savannah, I get to meet some of the greatest jazz artists because the festival’s founder established the Jazz at Lincoln Center series. To be involved in those sorts of projects is a wonderful thing. And as an artist you never know how long it’s going to last so I’m grateful for every record that comes out and I keep playing on.“

“But then I could never do only one thing,“ he muses. “We were always on the move as a family and life has always been like that. I guess if I was a book I’d be Gulliver’s Travels!“

by Paul Cutts

© Muso Magazine 2005, all rights reserved

Herr Schnittke saß auf dem Sofa und schaute Fernsehen
Classix Zeitschrift, 29.03.2005

„Das westliche Notensystem ist eindimensional, indische Musik hingegen von einer ungeheuren Vielfalt.“ Sagt Daniel Hope, einer der aufregendsten Geiger seiner Generation. Er arbeitet mit Ravi Shankars Meisterschüler Gaurav Mazumdar zusammen und konzipiert mit Klaus Maria Brandauer Literatur-/Musik-Projekte. Was treibt ihn an? „Eine Überdosis an Neugier!“ Mit seiner neuen CD „East meets West“ will der neugierige Brite nun den westlichen Hörern den Zugang zum Osten öffnen.

classix:
Ist Crossover in der Klassik nicht ein ausgetretener Pfad?

Daniel Hope:
Meine Idee bei dieser Aufnahme war, den historischen Weg der Geige nachzuzeichnen. Ihre Ursprünge liegen im Fernen Osten. Von dort ist sie nach Westeuropa gekommen, hat sich hier zu einem zentralen Instrument in der klassischen Musik entwickelt und ist dann als westliches Instrument wieder in den Osten zurückgekehrt – um einen festen Platz in der indischen Musik zu finden.

classix:
Was fasziniert Sie an der Kultur des Ostens?

Daniel Hope:
Wenn ich mich mit der indischen Musik beschäftige, bin ich immer wieder erstaunt, wie eindimensional unser westliches System der Notation und Notenwiedergabe ist. Es gibt dort eine ungeheure Vielfalt, etwa durch die Mikrotöne, die hochkomplexen Rhythmen oder die spezielle Bedeutung eines jeden Tons. Als feststehende Tonskala in der klassischen indischen Musik hat jede Raga ihre eigene Geschichte und wird zu einer bestimmten Tageszeit gespielt. Insgesamt sind das fast 6000 Ragas, hinter denen meist eine Erzählung oder religiöse Geschichte steht – und all diese Ragas haben die indischen Musiker im Kopf! Als eindimensionaler westlicher Musiker bin ich da immer wieder sprachlos.

classix:
Ihre erste Begegnung mit dieser Musik liegt inzwischen mehr als 25 Jahre zurück.

Daniel Hope:
Ja, ich hatte das große Glück, quasi im Hause Yehudi Menuhins aufzuwachsen, wo meine Mutter als Sekretärin arbeitete. Eines Tages kam Ravi Shankar für ein gemeinsames Projekt zu Menuhin, packte seine Sitar aus, die beiden setzten sich auf den Boden und begannen für mehrere Stunden miteinander diese unglaubliche und wirklich packende Musik zu spielen. Das war mein erster Eindruck – und der blieb auch bestehen. Ich war damals vier Jahre alt, ein prägendes Erlebnis für mein Leben.

classix:
Und das hat bei Ihnen den Wunsch zur Nachahmung geweckt…

Daniel Hope:
Angefangen, ernsthaft über indische Musik nachzudenken, habe ich mit 13 oder 14 Jahren – aber erst mit 25 habe ich mich an dieses Projekt getraut. Und die Entstehung war dann wiederum ein langer Prozess. Denn meinen Vorschlag an Ravi Shankar, sein altes Projekt mit Menuhin neu zu beleben, konnte er aufgrund eines Herzinfarktes nicht umsetzen. Stattdessen hat er mir seinen Meisterschüler Gaurav Mazumdar vermittelt, der mich zweieinhalb Jahre in der indischen Musik unterrichtet hat. Erst danach haben wir die ersten Konzerte gespielt und uns an die Aufnahme gewagt.

classix:
Die Komponisten des Abendlandes tun sich schwer mit musikalischen Einflüssen aus anderen Kulturkreisen. Woran liegt das?

Daniel Hope:
Viele Komponisten haben eine gewisse Hemmung gegenüber fremden Kulturen – ja, sie fühlen sich bedroht von Musik aus anderen Ländern, weil sie diese nicht sofort verstehen. So bleibt ihnen das Wesen dieser Musik nicht nur unbekannt, sondern erscheint ihnen auch ohne Richtung und nicht kontrollierbar.

classix:

Musiker aus dem Osten haben da weit weniger Berührungsängste, wie die zahlreichen Talente aus Japan und China zeigen.

Daniel Hope:
Deren Mentalität ist eine ganz andere. So wie sie im Berufsalltag geradezu besessen von ihrer Arbeit sind, konzentrieren sich die jungen Musiker einzig und allein auf ihr Instrument und nehmen dafür auch eine gewisse Art von Drill in Kauf.

classix:

Eine Mentalität, der in Westeuropa eher mit Skepsis oder Unverständnis begegnet wird.

Daniel Hope:

Um es ins Politische zu übertragen: Diesen Punkt des Nichtverstehens haben wir hinsichtlich der Kulturen längst erreicht. Und in der Musik droht sicher die Gefahr, dass man sich nicht mehr verstehen wird, weil neben dem fehlenden Kontakt auch gar keine Bereitschaft zur Verständigung vorhanden ist.

classix:

Gibt es in der Kultur des Ostens eine größere Offenheit?

Daniel Hope:

Musik spielt in Asien traditionell eine wichtige Rolle. In Indien etwa repräsentieren die Ragas auch Götter und besitzen religiöse Funktionen. Musik dient dort nicht nur zur Unterhaltung oder als Hobby, sondern ist ein ganz wesentlicher Teil der Alltagskultur. Jeder Junge auf der Straße kann Hunderte von Ragas singen. Hier hingegen wird in den Schulen immer weniger Musik unterrichtet – und die Popmusik der westlichen Jugend schlägt keine Brücken zwischen Musik, Glauben und Alltagsleben wie in Indien.

classix:

Alfred Schnittke war einer der wenigen Komponisten, die Brücken zur östlichen Musik geschlagen haben. Auf Ihrer aktuellen CD spielen Sie auch seine Musik.

Daniel Hope:

Schnittke hat mich einfach von der ersten Minute an gefesselt. Ich war damals noch sehr unerfahren in puncto zeitgenössischer Musik und hatte meine Vorurteile. Doch als ich seine erste Sonate hörte, war ich einfach überwältigt von ihrer Kraft und Emotion, von der Kompromisslosigkeit seiner Werke.



classix:

Sie haben sogar seine Bekanntschaft gesucht – auf einem eher ungewöhnlichen Weg.



Daniel Hope:

Ja, ich bin eines Abends bei ihm in Hamburg vorbeigegangen und habe einfach geklingelt! Ich hatte eine Liveaufnahme eines Konzerts dabei, bei dem ich einige seiner Werke gespielt hatte. Seine Frau öffnete die Tür und er bat mich herein, obwohl er mich nicht kannte… Wenn ich heute darüber nachdenke, wird mir noch im Nachhinein schlecht ob meiner damaligen Frechheit.

classix:

Warum dieser „Überfall“?

Daniel Hope:

Mein Ziel war, ihn irgendwie kennen zu lernen, denn ich wollte wissen, wie man seine Musik zu interpretieren habe. Ich hatte seine Werke schon von vielen Musikern gehört und mit anderen Kollegen wie Gidon Kremer darüber gesprochen, aber das war mir nicht genug. Wahrscheinlich war ich besessen von der Idee, ihn zu treffen. Den Live-Mitschnitt hatte ich als „Beweismaterial“ mitgenommen, um zu zeigen, dass ich seine Musik tatsächlich spielte – nicht dass er dächte, ich sei verrückt! Und plötzlich stand ich in der Wohnung und Herr Schnittke saß auf dem Sofa und schaute Fernsehen. Es war absurd!

classix:
Eher kurios verlief auch Ihr Weg ins berühmte Beaux Arts Trio.

Daniel Hope:
Vor einer großen Tournee fiel deren langjähriger Geiger Young Uck Kim aus. Pianist und Gründer Menahem Pressler wollte die Konzerte schon absagen. Da hat ihm seine Agentur, die auch mich in Deutschland vertritt, den Vorschlag gemacht, es doch mit mir als Einspringer zu versuchen. Unmöglich, hat Pressler gesagt – und dann doch einem Versuch zugestimmt. Drei Tage vor dem ersten Konzert haben wir uns getroffen, jeden Tag 10 Stunden gearbeitet. Im Ergebnis war es vielleicht nicht das Beaux Arts Trio, das man kannte, aber das Beste, was sich in der Kürze auf die Beine stellen ließ.

classix:

Wie schwer ist es für einen jungen Künstler, sich gegenüber so einer Legende zu behaupten?

Daniel Hope:

Am Anfang war es unglaublich schwierig. Ich bin aufgewachsen mit den Aufnahmen des Beaux Arts Trios und hatte einen ungeheuren Respekt, allein schon durch Presslers Präsenz. Und das Trio ist – gerade in den USA – wirklich eine Institution. Da musste ich sehen, wo ich blieb, um nicht alles aus der Balance zu bringen. Aber ich bin mit solch einer Wärme und Offenheit aufgenommen worden, dass wir jetzt, nach bald drei Jahren, zu einer absoluten Einheit gewachsen sind.

classix:
Was lernt der junge Hope vom weisen Pressler?

Daniel Hope:

Wahnsinnig wichtig für mich ist seine Verbindung zur Musikgeschichte: über seine ersten Mitstreiter gab es Beziehungen zu Ravel und Fauré – das reicht also fast bis an Brahms heran. Das sind Kontakte, von denen man als junger Musiker nur träumen kann. Zudem ist Presslers ernsthafter Zugang zu den Werken einfach beispielhaft für einen Musiker. Auch auf Stücke, die er zigmal in seinem Leben gespielt hat, bereitet er sich immer wieder vor, als seien sie neu für ihn. Das zu erleben ist unbezahlbar.

classix:

Und wo kann der erfahrene Pianist von dem jungen Geiger profitieren?

Daniel Hope:

Was sollte ein Mensch, der alles kann und erreicht hat, noch lernen? Ich weiß es nicht… Vielleicht den Zugang zur zeitgenössischen Musik, mit der Pressler sich recht wenig beschäftigt hat. Durch meinen Kontakt mit vielen modernen Komponisten eröffnen sich ihm vielleicht andere Wege, sich einem Stück zu nähern, er bekommt eine andere Perspektive. Durch mein Spiel bringe ich auch einen anderen Ton ins Trio. Pressler ist einen sehr lyrischen, satten Streicherklang gewohnt – von mir indes und dem Cellisten Antonio Meneses bekommt er das Gegenteil, einen sehr schlanken, dezenten Ton.

classix:

Woher rührt Ihr Engagement für die Moderne?

Daniel Hope:

Ich finde es unglaublich spannend, unmittelbar mit dem Komponisten zusammenarbeiten zu können. Manchmal wünschte ich mir, mit Mozart oder Beethoven kommunizieren zu können und sie zu fragen, was sie wirklich mit ihren Stücken wollten. Wenn ich heute mit Komponisten über ihre Werke spreche, eröffnet mir das ganz andere Möglichkeiten. Als ich jüngst zusammen mit John Casken sein Violinkonzert erarbeitet habe, glich das dem Spiel in einem Duo. Ohne seinen Input hätte ich dieses Stück nicht spielen können: Ich hätte vielleicht Töne wiedergegeben, aber sie hätten nichts bedeutet




Biografie
„Nachwuchskünstler des Jahres“, „Klassischer Künstler 2001“, Classical Brit Award 2004: Zahlreich sind die Preise, die Daniel Hope (31) in seiner jungen Karriere schon gesammelt hat. Ein Ausnahmekünstler, der im Hause Yehudi Menuhins aufwuchs, ohne jemals der Schüler des großen Geigers gewesen zu sein. Und doch spielten sie später zusammen: Hope als Solist, Menuhin als Dirigent. Seit 2002 ist Hope festes Mitglied des berühmten Beaux Arts Trios. Er lebt in Amsterdam und Hamburg und ist mit einer hanseatischen Kontrabassistin verheiratet: „Ich liebe die deutsche Sprache, die Literatur – und die Musik sowieso.“

von Christoph Forsthoff

Daniel Hope – vom Notenumblätterer zu einem eigenwilligen Violin-Star
Die Welt, 01.04.2005

„Der Arme!“ So soll Yehudi Menuhin ausgerufen haben, als er vom Wunsch des kleinen Daniel (vier) erfuhr, Violine zu lernen. Menuhin hielt nicht viel von Wunderkindern, er war selbst eines gewesen. Heute, 27 Jahre später, ist Daniel Hope der wohl produktivste CD-Geiger seiner Generation. Menuhin hat sich geirrt.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der kleine Daniel Hope war der Sohn von Menuhins Sekretärin. Die ersten Kindheitserinnerungen von Daniel Hope: Ravi Shankar sitzt im Wohnzimmer auf dem Teppich, Menuhin kreuzt die Beine im Lotussitz, Jazz-Geiger Stephane Grappelli schenkt Whiskey ein. Viele Jahre danach ereilte Menuhin der Erkenntnisschock: Im Schatten seiner selbst, unbeobachtet und nicht ernst genommen, war da ein Weltklassemusiker herangereift. „Menuhin wollte die Welt retten“, sagt Daniel Hope über sein Vorbild, „und ließ darüber manches Talent unsanft fallen.“

Das Schicksal des schockgeförderten, rasch wieder abstürzenden Shooting-Stars blieb Hope so erspart. Gerettet hat er sich langsam – und aus eigener Kraft. Mit Konzept-Alben wie „Forbidden Music“ (von internierten Komponisten wie Schulhoff, Krasa, Klein), Uraufführungen von Schnittke und seiner neuen CD „East meets West“. Mit diesem Familien-Crossover, bei dem Ravi Shankar ebenso vertreten ist wie Ravel, de Falla und Bartók, zeigt sich Hope als Neudenker und origineller Querläufer der Klassik. Daniel Hope präsentiert sie als eine Art zeitüberschreitende Weltmusik, als Folkore-Echo, als sublimen Volksmusik-Relaunch.

Am Küchentisch seiner Wohnung in Amsterdam explodiert der Rotschopf vor Ideenreichtum und Erzählfreude. Mit Mia Farrow habe er eben beim Savannah Music Festival einen Beethoven-Abend improvisiert – und die Ex-Ehefrau Woody Allens als Beethovens Haushälterin auftreten lassen. Das Violin-Kernrepertoire spielt er in jährlich 130 Konzerten weltweit – und hat es durch Brittens Violinkonzert (auch auf CD) jüngst bereichert. Damit geht er in diesem Monat auf Deutschlandtournee.

Hope erfindet neue Programme, schreibt Booklet-Texte und „googelt“ nach verlorenen Stücken. Seit 2002 ist er, ganz nebenbei, auch noch Primarius beim berühmten Beaux Art Trio. Hope ist ein Unermüdlicher, rastlos Umherfahrender. Seine Heimat sieht er in der russisch-jüdischen Geigenschule – in der Nachfolge von David Oistrach.

Dabei stammt die Familie eigentlich aus Berlin. Der Urgroßvater besaß eine (von den Nazis konfiszierte) Metallfabrik in der Kreuzberger Großbeerenstraße. Die Großeltern flohen 1933 nach Südafrika. Hier wurde der Großvater zum Unterstützer ausgerechnet des Apartheidregimes. Der Vater, Schriftsteller Christopher Hope, mußte das Land verlassen. Die Großeltern blieben – eine Familienodyssee. In London fand die Familie schließlich ein Zuhause und den Job bei Yehudi Menuhin.

Daniel Hopes vorurteilslose Neugier ist Spiegel dieser Familiengeschichte. Belustigt erzählt er, wie er bei einem Besuch der Familienvilla in der Dahlemer Podbielskiallee mißtrauisch von den Berlinern beäugt worden sei. Hope kann darüber nur lachen. Er, der bei Menuhins Musikfestival in Gstaad nicht als Musiker, sondern als Umblätterer debütierte, ist dünkelfrei offen geblieben. Ein Anti-Star, den man dafür bewundern darf, daß er mit Ideen und Konzepten im ansonsten auf Stars fixierten Klassikbetrieb reüssiert hat. Man muß gut sein, um das zu schaffen.

Mit Daniel Hope erscheint der zur Zeit intelligenteste Weltenpendler jetzt massiv auch am CD-Markt. Innerhalb eines halben Jahres hat Hope fünf CDs aufgenommen. Allen voran die großartig langsame Erstaufnahme des Violinkonzertes von Alban Berg (in der um fünfzig Korrekturen bereinigten Originalfassung). Sie ist sinnlicher, trauriger, schöner als alle vor ihr – und präsentiert im Beiprogramm das hier erstmals prominent besetzte Britten-Konzert. Hope hat mit schlank-kühlem Ton den Engländer John Foulds wiederentdeckt und bereitet die Uraufführung eines neuen Trios von György Kurtág vor. „Ich muß entdecken, anders kann ich nicht“, meint er.

Musikalisch „durch Tränen lachen“, das findet er besonders gut – und hört es bei Vorbildern wie Rubinstein, Horowitz, Heifetz heraus. „Der Kern des jüdischen Musizierens war immer schon Melancholie“, meint er. Und verbindet mit Ravels ungarisierender „Tzigane“ prompt strukturelle Klarheit. Er injiziert Ravi Shankars Geigen-Ragas westliche Emotionen und findet in Schnittkes neu entdeckter „Sonate 1955“ Spuren von Schostakowitsch. Das alles kann man auf seiner neuen CD „East meets West“ nachhören. Hope hat das altbacken-ausgediente Crossover durch ein lustiges All-over-the-Place ersetzt. Es war höchste Zeit dafür.

Termine:
28. April Lörrach,
29. April Dachau,
13. Mai Hof,
2.,3. und 5.Juni Kozerthaus Berlin

von Kai Luehrs-Kaiser

Britain’s top violinist
BBC Music Magazine, 28.05.2005

The brilliant young violinist is already recognised as one of today’s greats. He tells us about his rapid rise.

Daniel Hope has two particular gifts: one, is the gift of music; two, is the gift of the stranger who knocks at the palace door and is greeted with open arms. He has other more prosaic gifts, such as dreaming up ideas (easy) and bringing them to the market place (difficult); and tackling each new project with a rare enthusiasm and thoroughness.

Take one of his recent CDs, East Meets West. Here, for the first time since the 1960s, Ravi Shankar’s music composed for Yehudi Menuhin can be heard again, laboriously reconstructed by Hope from Menuhin’s idiosyncratic jottings. That on its own would have provided enough marketing interest. Not for Hope. The ‘West’ of the album’s title is, in part, represented by Ravel’s Tzigane. ‘On the cover of each copy of the music it says “for violin and piano or piano-luthéal”’, Hope points out. ‘I was intrigued about the piano-luthéal. I learnt that Ravel had developed this instrument with an engineer and that the only surviving one had been destroyed in a fire in the ‘60s in a museum. Then I found a Dutch piano technician who had found the plans and reconstructed it in Utrecht. I tracked him down, rang him and I asked him if it was true he had built a luthéal and he said yes. I said could I come round and he said yes, so I went to visit him and he demonstrated it and I couldn’t believe what he was able to achieve. So I said could we use it for the recording and he said yes.’ That’s how Hope operates. The results, by the way, are a revelation. The luthéal, sounding like a combination of cimbalom, fortepiano and harp, brings a palette of colours to Tzigane only matched by the orchestral score.

The luthéal story is, as we shall see, typical of Hope’s insatiably inquisitive mind. He will be thirty this year. It looks like being a busy one. The evening before we met in London, he had played the Sibelius concerto in Düsseldorf. After that, he had driven back to his home in Amsterdam which he shares with his wife, Annika Pigorsch, a double-bass player in the Netherlands Radio Symphony Orchestra. 8.00 flight from Schiphol for our photo shoot and interview. Fly back home. Fly to Berlin 36 hours later to promote the East Meets West album, just released in Germany. Concert of music from East Meets West in the evening. Fly back to Düsseldorf (again) next day, collect car, drive to Eindhoven to meet Menahem Pressler to begin a tour playing the complete Beethoven piano and violin sonatas. They started playing them in New York over a period of three years. Now it’s Europe’s turn.

In one way, it’s an unlikely combination: a young British violinist, not yet a household name, and the octogenarian Pressler, one third of the most famous trio in the world (and its only founding member still playing). It is even more unlikely – risky even – that a young British violinist with a burgeoning solo career should want to become the violinist of a trio, even one as distinguished as the Beaux Arts. How did it come about? ‘By a very curious coincidence, I was playing at the Palais des Beaux Arts in Brussels when I got a call asking if I would stand in for Young Uck Kim the Trio’s violinist who had to have an operation and couldn’t do a tour. By another strange coincidence, I had three free weeks due to a recording project being cancelled. It just slotted in. On the other hand I had the most extraordinary amount of music to learn – the complete Beethoven Piano Trios, for example, the Schubert E flat, Haydn, Mozart, Brahms, Schnittke – every night a different programme and in some of the most important venues in Europe, including the Concertgebouw and the Musikverein, Vienna. Most of my colleagues said “You’re crazy!”. Very few people said “What a chance!”.’

Later, the offer came to become a permanent member of the Trio with Pressler and cellist Antonio Meneses. For the first two tours, Hope admits, it was a question of just fitting in, which he did almost instinctively. ‘There’s a tremendous weight of history there. The very first violinist of the Trio, Daniel Guilet was a very close friend of Ravel’s. So when you’re playing the Ravel Piano Trio, for example, you’re playing with Pressler who has worked with a man who went on tour with Ravel! So you have to be pretty sure of your facts if you’re going to start questioning. At the same time, the wonderful thing about Pressler is that he’s so open to suggestions because he approaches every work from a new standpoint every time.’ Open, too, to contemporary music. Now, due largely to Hope, there are a number of commissions for the Trio, from Mark-Anthony Turnage, György Kurtág and Uri Caine the jazz pianist, to Jan Müller-Wieland (whose Schlaflied the Trio premiered at the Wigmore Hall in January this year), and the American Alexandra Dubois.

How Hope came to take up the violin is a good story involving the history of his immediate family, an alliance that resembles the Montagues and Capulets. Hope’s mother comes from a distinguished Prussian family of powerful industrialists. His maternal great-grandfather was a vastly wealthy steel magnate in Berlin. Despite being Christian and proudly pro-German, he was deemed by the Third Reich to be non-German because of his Jewish connections and distant Jewish ancestry. In 1936, the whole family was uprooted, more or less overnight, the factories were confiscated, and the house commandeered by the Gestapo, turned first into a brothel and then into a hospital. Though great-grandfather did not survive the journey, the family sold everything to get out of Germany, and took the first boat they could. It happened to be going to South Africa. Hope’s maternal grandfather, one of Max Reinhardt’s lighting assistants, escaped in 1938. He, too, came from Berlin where, by a strange coincidence, he lived one street away from his maternal grandmother. The two met for the first time in South Africa. Ironically, though having been persecuted by the Nazis, the grandfather became an apologist for the apartheid regime, creating the Anglo-German Flying Club and a little colony of similarly sympathetic Germans.

The paternal side of Hope’s family were politically active Irish Catholics and all members of Sinn Fein. His great-grandfather ran away from home to escape further abuse at the hands of his parents, jumped on a boat and landed in South Africa. His son became an South African fighter pilot in the Second World War and died fighting the Germans. His widow remarried a South African named Hope. Their son, Daniel’s father, is the award-winning novelist and poet Christopher Hope who became a vociferous anti-apartheid activist. His books were banned; he was held under house arrest; finally, in 1974, he was offered an exit visa on condition that he never returned to the country. It was an offer Hope and his wife Eleanor could not refuse. They left almost everything behind and fled first to Paris, then London with Jasper, aged five, and Daniel, just six months old. Money was scarce, but Eleanor was a highly qualified secretary with shorthand and six languages at her command. She applied for many jobs when, with the threat of deportation hanging over them, three posts presented themselves: secretary to a stockbroker, another to the Archbishop of Canterbury and a third as assistant to the violinist Yehudi Menuhin. She didn’t get the first two, but she did get the last. The Hopes took a flat in Highgate, London, paid for by the Church of England, to be near the Menuhins. It developed into a life-changing relationship for both families. A few years later, Mrs Hope became Lord Menuhin’s manager. It was a position she held for twenty-five years until his death.

And that is how Durban-born Daniel Hope came to spend much of the first four years of his life crawling round the floor of the home of one of the world’s most revered musicians: the parade of famous names, the constant music, the international elite of the musical and political worlds. It was almost bound to spark something, but whilst almost every member of Hope’s family had some creative streak, be it as artist, photographer, writer or stage designer, there was no one with any musical talent. Another knock at the palace door: ‘I came up with this crazy idea at the age of three of becoming a violinist and we found that just round the corner from us in Highgate lived Sheila Nelson, probably the greatest ever music teacher of children.’ Though his parents were convinced it was a fad, Hope was given his first violin when he was three-and-a-half. At eight., he decided to go to the Menuhin School – Hope seems always to have made his own life choices – but a year later, finding it uncongenial, decided to leave. The Menuhin School, however, led to lessons with the Russian-Israeli teacher Felix Andrievsky who also taught at the Royal College of Music. This was Hope’s introduction to the Russian school of violin playing, which continued with further lessons from Itzhak Rashkovsky and Grigory Zhislin.

At the age of ten, Hope appeared on British television playing Shostakovich with the double bassist, Gary Karr. The following year he was invited by Yehudi Menuhin to perform Bartok Duos for German television. It was some years later that Menuhin and Hope began regularly appearing together, but this was the beginning of a long association that culminated in over sixty concerts, including Lord Menuhin’s final concert, on 7 March 1999 at the Tonhalle in Düsseldorf. By then, Hope had completed his studies with the last of the four Russian violin teachers who shaped his playing – Zakhar Bron, student of David Oistrakh and the mentor of Maxim Vengerov and Vadim Repin. ‘The reason I am now the way I am and the way I play now,’ states Hope, ‘is thanks to Zhakar Bron.’

There will, unsurprisingly, be no Hope recording of The Four Seasons – ‘I do indeed play them and they’re great fun to perform, but I just don’t see the point of recording the eightieth version’. His first CD, for Nimbus, came out in 1999 and set the pattern for those that have followed: Schnittke, Takemitsu and Kurt Weill concertos with the English Symphony Orchestra. A debut album without any standard repertoire. Against the odds, it attracted a huge amount of interest and sold well. So what next? ‘Well, I did the same, this time with piano. I took Schnittke again, Penderecki, Arvo Part and Shostakovich, and I tried to tell a story with these pieces, where there was a connection between them and where the composers knew each other.’ While a student in Hamburg, Hope discovered that he lived near Schnittke’s home. Another knock on the palace door: The visit he made led to a friendship that lasted till the composer’s death in 1998. His widow entrusted Hope with the premiere of Schnittke’s 1955 Sonata. And another: Hope’s admiration for the Austrian actor Klaus Maria Brandauer led him to contact the elusive Oscar-winner, suggesting a collaboration. Five months later, Brandauer contacted Hope, they met up and their project War and Pieces, which includes Stravinsky’s The Soldier’s Tale, has been acclaimed throughout German-speaking territories.

Hope is hungry for information and anxious to get to the urtext of a piece. The Berg Concerto was a case in point, and yet another knock on the palace door. ‘I was asked to perform the work and started to research it. I contacted the Berg Foundation and asked them if they could tell me anything at all about its history. They asked me if I knew that a revised version was being prepared. I said no. It was by Douglas Jarman, they said, a professor in Manchester – this was back in 1995 – here’s his number, why don’t you give him a ring? So I rang him and told him I was learning the work. Would it be possible for me to have a look at his new version? He said “of course” and sent me a list of 150 changes to the score rectifying errors made by the copyist and which had gone unnoticed for nearly sixty years. Now this was staggering in a work in which every note has a significance – there’s a code running through the whole piece which is linked to musical terminology and to events in Berg’s life. So my next question was “may I give the new version its world premiere”? And they wrote back and said yes!’

Nearly a decade later, Hope achieved his dream of recording the Berg with the Britten Concerto. It was nominated for a Grammy earlier this year. More connections: not only did Britten attend the premiere of the Berg (in Barcelona in 1936) but the younger man’s work can be said to be both an hommage to and deeply influenced by the Berg. Hope’s latest release is a Mozart recording with Sir Roger Norrington, the pianist Sebastian Knauer and the Camerata Salzburg. Of course, being Hope the programme is unexpected. Apart from Knauer in one of the composer’s least played piano concertos, there is the charming little G major sonata, K379 which, it is said, Mozart tossed off in hour, and Philip Whilby’s recent completion of the Double Concerto for violin and piano (K.App.56 / K315f for the musicologists among you). I urge you to hear it. After that, another world premiere: John Fould’s Apotheosis – in memoriam Joseph Joachim with the City of Birmingham Symphony Orchestra conducted by Sakari Oramo.

The next few months look equally exhausting for the indefatigable Hope. By the time you read this he will have premiered Abraham, Roxanna Panufnik’s new violin concerto, at the Savannah Music Festival for which Hope is associate artistic director; here, he will also have played with the Beaux Arts the new work by Uri Caine. Then there’s the Ligeti Concerto (in Sweden), the 60th anniversary of the liberation of the Dachau Concentration Camp (in Dachau), John Casken’s Violin Concerto (in Manchester), and further performances of the complete Beethoven Sonatas with Pressler. At the end of May, Hope will give another world premiere – the Violin Concerto No.4 by Hans Cox – before performances of Schumann’s Violin Concerto (of which Menuhin gave the American premiere, albeit in his revised version) and the 50th anniversary celebrations of the Beaux Arts at the Feldkirch and Ravinia Festivals.

With his two particular gifts, it doesn’t take any gift of prophecy to predict that Hope is destined for a glittering and important career. Hopefully, he’ll still be playing and surprising us fifty years hence, when he’ll be the same age as Menahem Pressler is now.

  • / 1974 Born, Durban, South Africa
  • / 1974 Meets Yehudi Menuhin
  • / 1977 First violin
  • / 1984 Studies with Itzhak Rashkovsky, Felix Andrievsky and Grigory Zhislin at the Royal College of Music
  • / 1992-98 Student of Zhakar Bron
  • / 1998 Graduates from the Royal Academy of Music
  • / 2001 Classical Performer 2001 (Evening Standard)
  • / 2002 17 January receives call to help out the Beaux Arts Trio
  • / 2004 Young Artist of the Year (Classical Brit Awards)
  • / 2004 Wins the ECHO Klassik Prize
  • / 2004 Berg/Britten CD wins ‘Deutsche Schallplatten’ Prize
  • / 2005 Nominated for two Grammies

By Jeremy Nicholas

© JEREMY NICHOLAS, BBC MUSIC MAGAZINE 2005, All rights reserved

Zirkusmusik hat mich nie interessiert
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2005

Zirkusmusik hat mich nie interessiert. Mehr als nur die kugelsicheren Klassiker spielen: Der britische Geiger Daniel Hope ist an die Spitze gelangt…

Der Einspringer
Berliner Morgenpost, 30.11.2005

Der britische Geiger Daniel Hopeist ein Ausnahmekünstler, der imHause Yehudi Menuhins aufwuchs, ohne jemals sein Schüler gewesen zu sein. Hopes künstlerische Neugier stieß auch bei Menahem Pressler, Nestor des Beaux Arts Trios, auf solch offene Ohren, daß der 31-Jährige mittlerweile seit drei Jahren Mitglied des berühmten…



2004


The day Menuhin said sorry
The Daily Telegraph, 27.05.2004

Last night, violinist Daniel Hope won Best Young Performer at the Classical Brits. He talks to Peter Culshaw about growing up around the inspirational – and infuriating – Yehudi Menuhin.
by Peter Culshaw

The young violinist Daniel Hope is being touted as one of the most exciting British instrumentalists to emerge for many years. The Boston Globe went so far as to suggest that he might be the most important string player since Jacqueline du Pre. His recent record of Berg and Britten violin concertos, hardly the easiest of listens, was record of the week in nearly all the broadsheets, and last night he won a Classical Brit award for best young classical performer of the year at a glossy event at the Albert Hall.

He explains to me, when I meet him in New York before a concert of the revered Beaux Arts Trio (of which he is the youngest ever member) that he owes much of his success to being brought up in the household of Yehudi Menuhin. Hope’s mother was successively his secretary, agent and then manager.

In fact, it was an unlikely twist of fate that his mother ended up working for Menuhin at all . “It was just complete luck. She had three interviews that day. One was to work for the Archbishop of Canterbury, one was for a stockbroker and one was for Menuhin. She didn’t get the first two, so she went to the other one. I’m absolutely sure I wouldn’t have become a musician if that hadn’t happened.“

Surrounded by “the most beautiful music“ from infancy, it was not entirely surprising that Hope, now 29, announced at the age of three that he wanted to be a violinist. “Apparently, I kicked and shouted until they gave in and arranged some lessons, although they thought it was a crazy whim. My mother wanted me to do anything else – at one point she suggested I might become a plumber.“

Menuhin himself also thought his enthusiasm was nothing serious, as Hope explains. “It took many years for him to change his opinion. It was only when I started studying with Zakhar Bron, whom Menuhin admired a lot, that he started to get interested. When I was 16 he asked me to come and play for him, having not heard me for perhaps six years.“ Menuhin, he says, apologised for ignoring him and suggested they work together. “I think it was a mixture of shock and, I think, pride as well. When he said we could work together I thought he meant take some lessons, but he wanted me to perform some concertos, which we took on tour. It was unbelievable.“

And how did he find Menuhin as a person? “He was generous, warm-hearted and original. Not to mention infuriating. He had opinions on everything from electric cars to world peace.“

Hope’s next major project is an album called East Meets West, which will include compositions by Ravi Shankar that were performed originally by Mehuhin in the 1960s. While Hope is too young to recall their original recordings, he was there when the two men met and performed subsequently, often when Menuhin was in Switzerland for the summer.

“It was quite a sight to see them performing sitting on the lawn in full dress with the mountains in the background. I have never forgotten listening to the music they made“.

Hope is keen to assure me East Meets West is no cross-over gimmick, but something he has prepared for over a considerable period.

“I’d asked Menuhin whether he would mind if someone did this music again and he said, on the contrary, but you are really going to have to work at it. I ended up doing a crash course in Indian music for two and a half years.“

The demos of the album suggest an effective interplay of idioms, particularly between the sitar of Gaurav Mazumdar (whom Shankar recommended) and Hope’s sinuous violin. The rest of the album features other cultural collisions between the orient and the West – from Ravel’s gypsy Tzigane to Bartok’s Romanian folk dances.

A curiosity of the album is the reintroduction of an instrument developed by Ravel in the 1920s called the lutheal: “It’s a bizarre-looking thing halfway between a typewriter and an organ which is attached to the strings of a piano and enables you to get unbelievable sounds that you would never normally get on a piano – from harp sounds to something between a harpsichord and a fortepiano.“

Hope’s own violin-playing also shows a mixture of styles – there’s a lyricism reminiscent of Menuhin but also a more passionate, Russian-tinged element that he got from his teachers Felix Andrievsky at the Royal College and Zakhar Bron. “Bron was a student of David Oistrakh, who to me was the god of violinists. I became fascinated by that approach to playing that goes back to a very old tradition in Russia.“

A characteristic of Hope’s is a love of an idea or intellectual concept as a peg for a recording, which he enjoys researching. An earlier disc, Forbidden, Not Forgotten, featured music composed by the doomed musicians in the Theresienstadt ghetto in the Second World War. He has experimented with music and the spoken word, having set a play of his father’s to music and recently produced and written the text for an evening of Beethoven that included Mia Farrow as the composer’s maid.

What next? The Four Seasons, perhaps? “I play it in concert, but can’t see any point in recording it.“ This is his chance, I tell him, to dethrone Nigel Kennedy, that other Menuhin protege. “I wouldn’t want to do that. I mean, I have a lot of respect for the things he’s done, like the Walton Concerto.

“On the other hand,“ he says, “he may have become trapped in his punk persona. And I certainly can’t see any point in doing the Four Seasons twice.”

He tells me that, every time he gets in a cab in London with his violin, the driver asks him if he knows Kennedy. “But hats off to him. He’s an extremely talented fiddle player.“

So it may not be duelling violins at dawn just yet, but would Hope like Kennedy’s level of fame? “I’m happy if I can play Beethoven one day and something like Ravi Shankar’s music the next.“

Daniel Hope’s recording of the Berg and Britten violin concertos is on Warner Classics. “East Meet West“ will be released in September. The Beaux Arts Trio plays at the Bath Assembly Rooms on June 6.

Die betörende Macht großer Vorbilder
Die Presse, 25.08.2004

Der Geiger Daniel Hope über seine tönende Krabbelstube, Yehudi Menuhin und die Macht des Zufalls.

Zimmer 446. Ein Probenraum im Großen Festspielhaus in Salzburg. Daniel Hope und Pianist Sebastian Knauer haben die letzte Probe vor dem Debüt beendet. Neben Beethovens Kreutzer-Sonate und Brahms’ d-Moll Sonate stehen Alfred Schnittkes erste Violinsonate und Ausschnitte aus György Kurtágs „Zeichen, Spiele und Botschaften“ auf dem Programm. „Panische Angst und tierische Freude. Salzburg ist ein Olymp“, beschreibt der britische Geiger südafrikanischer Herkunft seine Gefühle vor dem Konzert: „Das ist etwas, wovon man träumt. Salzburg, die Mozartstadt, ist – mit Wien – die Stadt, wo die Musik ihre Wurzeln hat.“

Hope (29) kam in Durban, Südafrika, zur Welt. Der Vater, Schriftsteller Christopher Hope, engagierte sich gegen das Apartheid-Regime. Seine Bücher wurden verboten. Die vierköpfige Familie musste flüchten. Daniel war sechs Monate alt. Zuerst nach Frankreich und schließlich nach Großbritannien. „Das ist das Fundament meiner Geschichte“, erzählt der Musiker, „daraus haben sich so viele entscheidende Zufälle ergeben.“

Der erste Zufall: Ohne feste Anstellung, ohne Geld, die Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen, sah es aus, als ob die Familie weiterziehen müsste. Am Tag vor der Ausreise aus Großbritannien hatte die Mutter drei Vorstellungsgespräche. Sie bewarb sich als Sekretärin beim Bischof von London, bei einem Börsenmakler und bei Yehudi Menuhin. „Bei Menuhin hat es geklappt.“ Die Mutter nahm den einjährigen Daniel zur Arbeit mit. „Ich war ständig von Musik umgeben“, so Hope: „Ob Stephane Grappelli oder Mstislav Rostropowitsch – täglich kam jemand, immer wurde musiziert.“ Mit dreieinhalb erklärte der Bub, er wolle Geige spielen. „Meine Eltern waren überfordert. Menuhins erste Reaktion war: ,Der Arme!’“

Der zweite Zufall: Sheila Nelson – damals eine Nachbarin, die unterrichtete, heute eine der wichtigsten Kinderpädagoginnen Englands – festigte Hopes Freude an der Musik: „Sie hat mich das Kommunizieren und das Improvisieren mit Musik gelehrt.“

Das Üben war trotzdem hart. Das zeigte sich einige Jahre später an der Menuhin- Schule. Das Internatsleben setzte dem Achtjährigen arg zu. „Das Beste war, dass ich den russischen Geiger Felix Andrievsky getroffen habe. Ich wusste, bei dem will ich studieren.“ Mit einer Sondergenehmigung wechselte Hope an die Londoner Royal Academy of Music. „Spricht man von der russischen Schule, denkt man immer nur an einen großen saftigen Ton. Aber es gibt auch die Art, ohne Vibrato zu spielen. Man spricht von der ,note blanche’. So habe ich gelernt, auf der Geige Farben zu erzeugen.“

David Oistrach wurde das große Vorbild. „Man sagt, Jascha Heifetz sei der König unter den Geigern. Aber Oistrach ist der Kaiser“, so Hope ehrfurchtsvoll. Die russische Geigenschule ist dem Briten musikalische Heimat. Bei Zakha Bron, Lehrer von Maxim Vengerov und Vadim Repin, bekam er den letzten Schliff. „Menuhin rief mich an. Er fragte, ob ich ihm nicht vorspielen wolle. Bei seinem Festival in Gstaad habe ich mich über über drei Stunden durch die Geigenliteratur gespielt. Er war fassungslos.“

Es folgte eine intensive Zusammenarbeit, die bis zum letzten Konzert, das Menuhin drei Tage vor seinem Tod im März 1999 gab, andauerte. „Sein Tod war ein Schock. Durch meine Mutter war er ein Familienmitglied. Er nannte sich meinen musikalischen Großvater. Er fehlte mir natürlich als Ratgeber.“

Eine Lücke, die wieder der Zufall schloss. 2002 suchte das Beaux Arts Trio einen Geiger, der kurzfristig für eine Tournee einspringen könnte. „14 Konzerte in 16 Tagen, ich hatte die meisten Werke noch nie gespielt, und ich hatte 10 Tage zur Vorbereitung“, erzählt Hope, noch heute schaudernd. Das Wagnis hat sich gelohnt. Heute ist Hope ständiges Mitglied des Trios. Menahem Pressler, Pianist und Gründungsmitglied des Ensembles, das 2005 sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, hat die Rolle des musikalischen Ratgebers übernommen.

Bei seinen Programmen braucht der junge Brite keinen Rat. Der persönliche Zugang und die musikalische Verbindung sind der Schlüssel. Zum Salzburger Programm erläutert er noch abschließend: „Kurtág und Schnittke sind beide wie eine Zeitbombe, die wahnsinnig lange ruhig ist, dynamisch kaum hörbar, bis es zur Explosion kommt.“

von Petra Haiderer

Hope rises
Billboard Magazine, 25.09.2004

British violinist Daniel Hope’s star just keeps rising. On Sept. 14, Warner Classics released his cross-cultural “East Meets West“ disc, featuring the world-premiere recording of Schnittke’s 1955 Violin Sonata, as well as the music of Ravel, de Falla, Bartok and Ravi Shankar. Along with his solo career, Hope is now a member of the famed Beaux Arts Trio (Classical Score, Aug. 14, 2004), which on the same date releases the Dvorak and Mendelssohn Piano Trios (also on Warner).

“We’re co-promoting these two releases,“ says Adam Crane, manager of classics and jazz for Warner Strategic Marketing Group. “Our sales team will target the world-music market as well as classical, and we’ll focus on online media as well as doing radio buys.“

by Anastasia Tsioulcas

Roaming the Planet Wirelessly, Young Artist Erases Boundaries
New York Observer, 13.10.2004

When two players of different age, nationality and temperament join forces to make music together, achieving true intimacy can be a struggle. In the case of Daniel Hope, a 29-year-old English violinist, and Menahem Pressler, an 80-year-old American pianist of Israeli upbringing, the struggle is inspiring—or so it seemed the other night when the two men opened a program of chamber music at the MetropolitanMuseumwith Beethoven’s Sonata in A minor, Opus 23. The work is often scorned as Beethoven lite—a cat-and-mouse game between the two instruments that seldom rises above sweet geniality. But with a cat like Mr. Pressler at the keyboard and a mouse like Mr. Hope on the fiddle, the game was exhilarating.

Mr. Pressler, a round cherub of a man, has been the spark plug of the world’s most celebrated chamber threesome, the Beaux Arts Trio, for half a century. (The group, whose only surviving original member is Mr. Pressler, is currently celebrating its 50th anniversary with an international tour that includes two more concerts at the Met, on Dec. 10, 2004, and April 1, 2005.) His playing—muscular, direct, bursting with expression—harks back to that of the legendary virtuoso Ferruccio Busoni, who taught Mr. Pressler’s teachers. As he enters his ninth decade, he’s still a pianist of irrepressible élan whose life has been fiercely committed to keeping vibrant the trio music of the classical mainstream—Mozart, Beethoven, Schubert, Mendelssohn, Brahms and so on. He’s a pedagogue with international clout, the éminence grise of the piano department at the Indiana University’s Music School, jurist at countless piano competitions and a formidable soloist in his own right.

A lanky, freckled fellow with a lion’s mane of red hair, Mr. Hope is in the forefront of a new breed of young musicians who roam wirelessly in a world without borders. He’s equally at home with Schumann, Schnittke and Shankar. The latter two are represented on the violinist’s new multinational album for Warner Classics, East Meets West, which finds rich common ground among the Russian and Indian composers—and also takes in Ravel, de Falla and Bartók.)

Mr. Hope loves good rock. He commissions unknown composers to write pieces for him. He maintains a Web site (www.danielhope.com) that’s a model of friendly self-promotion. He’s a global boy-next-door. Two years ago, he joined the Beaux Arts Trio as an emergency fill-in for an injured Young Uck Kim. When Kim didn’t return, he stayed on, supplementing a fast-rising solo and recording career with the trio’s 60 concerts a year. The Beaux Arts, with its unprecedented age spread between violinist and pianist (in the middle is the superb Brazilian cellist Antonio Meneses), has never been better, as they showed later in the program with a sensationally spooky performance of Beethoven’s “Ghost“ Trio in D major.

What Mr. Hope and Mr. Pressler demonstrated during the violin and piano sonata wasn’t so much chemistry as curiosity—a delight in each other’s differences. Where the older man was bold to the point of aggression, the younger man was delicate almost to a fault. Both got their point across. If Mr. Pressler seemed determined to project the game into the listeners’ laps, Mr. Hope asked that we savor its fleeting reflectiveness… but they were on the same journey, energized by the sheer joy of crossing generations and making some kind of music together. After the concert, when I congratulated Mr. Pressler on the astonishing vigor of his playing, his face broke out in a grin. “It’s Daniel,“ he said “He has made me young again.“

A few days later, I met Mr. Hope at a press conference held to announce plans for the 2005 season (March 18-April 3) of a remarkable music festival in Savannah, Ga. (www.savannahmusicfestival.org) of which the young violinist is the associate artistic director. The executive and artistic director, Rob Gibson, laid out a program, much of it chosen by Mr. Hope. Consider the blend of styles and periods: a violin concerto entitled Abraham that entwines the music of Christianity, Judaism and Islam, by the young Polish composer Roxanna Panufnik; a new work by the jazz pianist and composer Uri Caine for the Beaux Arts Trio; mainstream classical symphonic, choral and chamber works; music from Bali; blues and bluegrass; an 80th-birthday celebration of the jazz giant James Moody; American marching-band music. This is classical music breaking out of its ivory tower with a vengeance.

Which is exactly how Mr. Hope described his mission over lunch: “I see the Savannah festival as a great contemporary Schubertiade—a real exchange of ideas and people.”

Where, I asked, did he acquire his love of boundary hopping? “It’s in my genes,“ he said, smiling. “I was born in South Africa, where I lived until my father“—that’s Christopher Hope, author of A Separate Development, Kruger’s Alp, The Hottentot Room and other novels—“was forced to leave after he wrote what was considered a seditious poem, ‘Learning to Fly,’ attacking apartheid. He was all-Irish—my great-great grandfather had settled in the Cape. My mother’s family were Christians with a Jewish heritage. They were a wealthy family in Berlin until they were uprooted to South Africa in the 1930’s. During the war, their mansion was turned into a brothel.“

Mr. Hope told me that he was 6 months old when his family left South Africa to resettle in London. “We were about to run out of money when my mother got a job as secretary to [the violinist] Yehudi Menuhin. A few years later, she became his manager, which she did for 30 years. I grew up playing with Menuhin’s grandchildren, and though I wasn’t encouraged by him, I fell in love with the violin when I was 3 and a half. I immediately tried to imitate playing the instrument with a pair of knitting needles.“

Menuhin—who died in 1999—had been the most celebrated violin prodigy of the last century. He first listened to Daniel play when he was 9. “I wasn’t good, but I had a lot of energy and I loved music. Menuhin didn’t think I was special until I turned 16. After that we became very close, and during the last eight years of his life, he conducted me in 60 concerts all over Europe. He taught me incredibly valuable things: not just about different fingerings and how to work a phrase, but also about how to create on the spur of the moment—to ‘conjure up your soul,’ as he put it. Menuhin was always in perfect equilibrium with himself, and toward the end of his life he liked to say that he saw himself as an airplane, becoming lighter as he flew higher and higher. He wanted to see everything; he was always open to new things, to other people’s point of view. That’s how I am. My ears have always been everywhere. I’ll never shut them off.“

by Charles Michener

O Lucky Man, British violinist Daniel Hope has the music world on a string
Strings Magazine, 28.10.2004

Destiny—or just plain luck—plus a lot of talent and a searching intellect has helped the young British violinist Daniel Hope make a relatively effortless rise to the top of the violin world.

Or so it would seem.

One thing is clear: Hope collects new accolades at an impressive rate. In May, he won a coveted Classical Brit Award for best young classical performer of the year; in March, his recent Berg/Britten CD, his Warner Classics debut, won a Deutsche Schallplatten award and wowed the critics (“I do not think I have heard a finer account of the Berg Concerto,“ wrote one); and, two years ago, he became the newest member—and the youngest member ever—of the venerable Beaux Arts Trio.

I catch up with the congenial Hope, 30, a day before he’s due to play with the Trio in the Bath Music Festival in southwest England. It’s a lovely June afternoon and the sun is shining brightly as we sit at a wooden table underneath an umbrella in the extensive gardens behind the Royal Crescent Hotel. Bird calls and the gentle clatter of waiters moving plates punctuate our conversation. The red-haired Hope is dressed casually and his manner is equally relaxed; he laughs frequently and uninhibitedly.

If Hollywood ever decides to make a movie about Hope, his terrific back-story will be irresistible. His novelist father, Christopher Hope, was a critic of the apartheid regime in South Africa and was placed under house arrest for his dissident political views. In 1974 the family, including six-month-old Daniel, fled to England. Getting established as a writer in a new country took Daniel’s father some time, so his mother, Eleanor, began looking for work as a secretary. “She had three job interviews on the day we were to go back [the day before the family’s visas were to expire]: One was for the Archbishop of Canterbury, one was for a stockbroker, and one for Yehudi Menuhin,“ he recounts.

She took the job with Menuhin, eventually becoming his manager. Hope laughs when I suggest that but for the success of that last interview, he may well have ended up as a stockbroker: “My mother always says that’s what I could have done!“

The family moved to Highgate in north London to be near the Menuhin household. Daniel grew up playing with the Menuhin grandchildren, and seeing (and hearing) such musical visitors as Ravi Shankar, Stéphane Grappelli, and Mstislav Rostropovich. In this kind of environment, it was hardly surprising when at age four he announced his intention of becoming a violinist: “I knew that was it, absolutely, and nobody was going to tell me to the contrary.“

Menuhin, however, did not encourage this passion at first. “He was very much at arm’s length in regards to my wanting to play the violin,“ Hope says. “He’d never really taken a great interest in it and did his best to keep a distance—quite a significant distance.“

Hope began his violin study with Sheila Nelson, one of the UK’s most prominent teachers of young children—she, of course, just happened to live near the family home. Hope remembers his lessons with her fondly. “One of my best memories was something we did from the age of four called ‘Cowboy Chorus,’ which is where we all stood in a circle and she would play a theme,“ he says. “And you would take the same theme, in the same key, and improvise and pass it on to your neighbor. That was just amazing training, because it got rid of all inhibitions of playing.“

At age 10, Hope achieved instant fame through his appearance on British television with classical bassist Gary Karr. They’d met at the Menuhin Festival in Gstaad, Switzerland, where Hope was turning pages for Karr’s pianist. “What do you do?“ Karr asked the young Hope one day.

“I play the fiddle,“ Hope replied.

“All right, let’s hear it.“

Hope ended up playing with Karr in the great bassist’s own arrangement of Shostakovich’s two violin duos, which they later performed on TV.

After studying with Itzhak Rashkovsky and Felix Andrievsky, Hope came to David Oistrakh student Zakhar Bron, who would have a major influence on his playing. (Bron was also Maxim Vengerov’s teacher.) Of his six years with Bron, Hope says, “It was the most incredible, rewarding, hard-working, infuriating, exasperating time.“

Unlike many teachers, Bron demonstrated on his own violin, producing what Hope describes as “an amazing, huge sound. The two of us would play together and people would run away screaming.“

Bron was an impeccable, and critical, judge of technique.

“I found the most rewarding times with him were when I gave as much as I got and questioned what he was doing,“ Hope recalls. “Because once he got over the shock of somebody who’d dare to actually ask a question, you saw the brilliance of his mind.“

Around the same time, the then-16-year-old Hope reconnected with Menuhin: “Menuhin was very curious about Bron and admired him. He also wanted to hear me—he probably hadn’t heard me properly in about ten years. I think he was quite shocked that I had actually taken the violin seriously and that it wasn’t just a childish whim.“

From this moment until Menuhin’s death in 1999, the two became close, frequently playing together in concert.

Menuhin figures prominently in articles written about Hope, and it’s easy to see parallels between the intellectually voracious Menuhin and Hope. Despite the Menuhin legacy, and with an impressive international career already established, it appears that Hope may be ready to find a new perspective about the role his mentor has in his life.

As a teenager, Hope became fascinated with the music of Russian composer Alfred Schnittke, who, in yet another stroke of luck, happened to live around the corner from him in Hamburg. The 16-year-old Hope decided to pay a visit. “I don’t think I’d have the audacity to do that now,“ Hope laughs. He found Schnittke in a receptive mood and got to know him, later becoming the liaison when the Royal Academy of Music decided to put on a festival for Schnittke’s 60th birthday in 1994.

Hope has since recorded much of Schnittke’s music for violin.

Hope’s penchant for finding points of congruence—and for linking past and present—is demonstrated on his latest CD, East Meets West, in which he revisits Menuhin’s famous 1960s collaboration with Indian sitar player Ravi Shankar. When he decided to tackle the music, he contacted Shankar for his blessing. The Indian master gave him the name of one his best pupils, Gaurav Mazumdar.

It was, by Hope’s account, a challenging time. “I spent the first nine months just getting to grips with the rhythmical aspects of Indian music,“ he says.

Sitting cross-legged on the floor in South Indian fiddle style also took some getting used to. “The problem is standing up at the end,“ he explains. “After you play for a couple of hours, your legs fall asleep!“

The technique is substantially different from that used by Western classical players, as Hope discovered. “You’ve only got this much of the bow [he indicates about a third of the bow] that you can really use,“ he says, “the way you use it changes completely. You have a different point of contact.“

Playing the Shankar pieces got him thinking about “the connections between Indian music and Western music and the bridges between them. Then I came across this extraordinary instrument that Ravel designed, the luthéal.“

The luthéal, which Hope describes as “a cross between a typewriter and an organ in brass,“ attaches to a piano. Ravel’s Tzigane was specially written for the instrument. “We played Tzigane with the luthéal and I saw the kinds of things Ravel had achieved in color: the overtones, the natural harmonics, the harp sound, the flute sound, the cimbalom sound. It’s really extraordinary.“

From the cimbalom sounds of the luthéal it was a short leap to including Bartók’s Romanian Folk Dances, and from Ravel but a stroll to the Impressionist-like Sonata Op. 8 (1954–55) by Schnittke, which was given its world premiere by Hope. This lovely, gentle work, written shortly after Stalin’s death in the Soviet Union when French music was forbidden, lay neglected in a drawer for decades.

Championing forgotten music of the past is another Hope specialty. Last year he made a disc devoted to the music of three Theresienstadt concentration camp composers, Gideon Klein, Erwin Schulhoff, and Hans Krasa (he interviewed concentration camp survivors for the booklet notes). In 1995, as he was learning the Berg Violin Concerto, he phoned the Alban Berg Center in Vienna and found out that the British Berg scholar Douglas Jarman was preparing a new edition of the concerto. Berg, who died before his concerto was performed, never saw the proofs and as a result the standard edition contains many copyist errors—including a missing octave leap at the start of the second movement—that Jarman’s scholarship has gone some way toward rectifying. Hope gave the world premiere of the new edition and recorded it last year, along with the Britten concerto.

Hope has participated in several spoken-word projects—he is the son of a novelist, after all. With German actor Klaus Maria Brandauer and a crack chamber orchestra, he performed Stravinsky’s The Soldier’s Tale. Brandauer took all the speaking parts, directed, and insisted that Hope both play and conduct. Says Hope, “[Brandauer] doesn’t really have musical training and there are several bits in the piece where the actor has to speak in rhythm together with instruments, so I had to give him a nod with my head and my eyes. But we found a way of conveying signals to each other, which is really fun, and actually I think the piece is better without a conductor.

“Musicians have a lot to learn from actors about presentation.“

Until two years ago, it would have seemed that Hope was heading for the life of an international soloist, albeit one with an interest in trying new things. But then, in another twist of fate, he was asked to step in as a last-minute replacement for the Beaux Arts Trio’s ailing violinist Young Uck Kim on a European tour.

Hope still seems amazed by the turn of events.

“Nobody believes this story but it’s true: I was playing at the Palace of the Beaux Arts in Brussels on the 17th of January, 2002. I was playing the Prokofiev Second Violin Concerto and I walked outside, backstage, with the ‘Beaux Arts’ sign within view, and my mobile phone rang. It was my agent, and she said, ‘What piano trios do you play?’“

Several minutes of grilling later, Hope discovered what he was being offered. “At first, I thought it was a joke,“ he says. “I couldn’t even grasp the concept of what that meant. But the amazing thing was that [after returning to London] I discovered I had five weeks free because Nimbus Records had gone bankrupt [the company is now back in business] and I had two recording projects cancelled at the last minute.“

He got back on a plane to Brussels to meet and work with Beaux Arts cellist Antonio Meneses. The two hit it off. The next step was a plane to Lisbon for rehearsals with the 80-year-old living legend and the trio’s founder, pianist Menahem Pressler, for the 14-day tour. “It was a punishing tour,“ Hope recalls. “Literally every day we were flying somewhere, rehearsing a new program for another night, and that night playing some of the greatest literature written for the trio.“

Young Uck Kim’s poor health ultimately forced him to bow out of the trio, paving the way for Hope’s permanent installment in the violinist’s chair. Pressler and Meneses reassured him the trio’s schedule would allow him to continue his other work, and he was able to wrest a commitment for the inclusion of more contemporary music on the trio’s programs. Alongside Beethoven, Schubert, Brahms, and other staples of the trio’s repertoire, audiences can expect to hear new works from prominent Hungarian composer György Kurtág, British composer Mark-Anthony Turnage, and others.

Listening to the Beaux Arts in concert in the humid Bath Assembly Rooms on the evening after our first interview, I’m struck by the effortless communication among three players despite the wide difference in their ages. A Haydn trio is well-received, as is the Schubert B flat Trio, but it is Shostakovich’s Trio, No. 2, that electrifies the audience—even though Hope breaks a string in the first movement.

As I watch the trio, I find myself thinking that in choosing Hope, a young man very conscious of his musical heritage, Pressler has passed on the Beaux Arts legacy. It’s a legacy of which Hope is clearly aware.

“That’s something that’s very emotional, to still be part of that,“ he says. “To play the Ravel trio with Pressler and for him to talk about the way that Ravel describes the opening—it’s a direct link to the past, in the same way that Menuhin, if you asked him why he did a certain bowing in the Brahms Concerto, he’d say, ‘Well, I know Enescu played it because Brahms liked it that way.’ You realize we’re one step away from that.“

His respect for the past does extend to his 1769 Gagliano violin, though you might have some doubts from the way he’s blithely tossing it in the air in the photo on the back of his Berg/Britten disc.

Not to worry: That’s a stunt violin.

The Beaux Arts Trio tours the United States September 27-October 12; and from December 7–14, 2004.

Selected Discography

For his third recording for Warner Classics, due in early 2005, Daniel Hope joins forces with German pianist Sebastian Knauer on Mozart’s Concerto for Violin, Piano, and Orchestra, in the completion by British musicologist and Mozart specialist, Dr. Philip Wilby. Hope and Knauer also have recorded chamber music by Mozart on the same disc. They will be joined by Sir Roger Norrington and the Camerata Salzburg. The recording is being produced by John West, who also produced Hope’s award-winning disc of Berg and Britten concertos. In addition, the Beaux Arts Trio has just released a new recording of piano trios, celebrating its 50th anniversary. The disc features Dvorák’s “Dumky“ trio and the Mendelssohn D-minor trio, the first works ever recorded by the Beaux Arts.

Meanwhile, Hope springs eternal on these other noteworthy recordings:

East Meets West. Hope revisits the legendary Menuhin/Shankar collaboration with Gaurav Mazumdar, Asok Chakraborty, Gilda Sebastian, and Sebastian Knauer. (Warner Classics, 2564613292)

Berg: Violin Concerto; Britten: Violin Concerto. BBC Symphony Orchestra conducted by Paul Watkins. (Warner Classics, 2564602912)

Forbidden Music. Music by Klein, Krasa, Schulhoff, and Ravel with Philip Dukes, viola, and Paul Watkins, cello. (Nimbus, NI5702)

Daniel Hope Plays Schnittke, Takemitsu and Weill. English Symphony Orchestra conducted by William Boughton. (Nimbus, NI5582)

Shostakovich, Penderecki, Pärt, Schnittke Violin Sonatas. (Nimbus, NI5631)

What Daniel Hope Plays
Daniel Hope’s violin is a 1769 Gennaro Gagliano. He uses a Dominique Peccatte bow and Pirastro Olive strings.

Excerpted from Strings magazine, October 2004, No. 122.

By Inge Kjemtrup



2003


Hope Springs Eternal
Billboard Magazine, 26.04.2003

Two short years ago, the young British violinist Daniel Hope seemed on the brink of a major breakthrough in the U.S. Hope already enjoyed tremendous acclaim abroad on the strengths of a busy concert schedule and two critically acclaimed recordings on Nimbus, one of the U.K.’s most respected independent labels.

In spring 2001, Allegro, Nimbus’ American distributor, mounted an aggressive campaign for Hope’s third disc, a sumptuous pairing of sonatas by Elgar and Walton. Unfortunately, things soon took a turn for the worse: Nimbus succumbed to market pressures and internal difficulties, ceasing operation and entering receivership in October 2001.

At the risk of cliché, however, it quickly proved unwise to give up Hope. The violinist joined the venerable Beaux Arts Trio in 2002, embarking upon a series of concert tours that brought still greater worldwide attention, particularly in the U.S. Hope made his American orchestral debut with the Detroit Symphony Orchestra in March and returned this month for a Beaux Arts tour that concludes with dates in New York (April 18-19), Philadelphia (April 25), and Rockville, Md. (April 26-27). In May, the recently rejuvenated Nimbus will at last issue Hope’s latest CD, which features chamber music by Gideon Klein, Hans Krasa, and Erwin Schulhoff, much of it composed in the Theresienstadt internment camp during World War II.

“The first time I heard this music, it was Klein’s String Trio,“ Hope says. “I was so taken by it; it has such an amazing spirit. I didn’t know the background or history, and I tried to place it: There are elements of Bartok, Stravinsky, and Janacek, yet it’s very distinctive.“ Joined by violist Philip Dukes and cellist Paul Watkins, Hope recorded the trio, as well as solo and duo works by Krasa and Schulhoff, both of whom also perished at the hands of the Nazis. Hope concluded the disc with his own solo arrangement of Ravel’s Kaddish, a setting of a traditional Hebrew liturgical chant. (Adding to the considerable gravity of the recording, the sessions were interrupted by the tragic events of Sept. 11, 2001.)

In writing the notes for the disc, Hope sought out Theresienstadt survivors to provide firsthand testimony of both the hardships and the flourishing of art that took place side by side in that camp. He plans to present the music in a live setting next season to ensure it reaches new audiences, much as conductor James Conlon has done in recent weeks (Classical Score, Billboard, March 29).

Meanwhile, Hope’s future plans also include a number of recording projects for other labels. Next year, the Beaux Arts Trio will mark its 50th anniversary by recording the complete Schubert piano trios for Philips. On his own, the violinist will record the concertos of Berg and Britten with the BBC Symphony Orchestra for Warner Classics next year. With such a marked upturn in his activities worldwide, there’s no doubt that Hope has arrived at last!

By Steve Smith

Hope For The Opressed
Gramphone Magazine, 28.10.2003

In the unimaginable hell of a Nazi Concentration camp, composers still found a reason to write music. Now violinist Daniel Hope wants it to be heard, reports Peter Quantrill.

October 16, 1944. Gideon Klein is being shoved aboard a train that will take him to his death. (‘Is there anything sadder than a train that leaves on time?’ asked Primo Levi.) He has left behind the manuscript of a string trio, his latest work, at the ghetto of Theresienstadt (Terezín, in today’s Czech Republic) where he has been confined for the past three years. In just as many months he will be dead.

July 25, 2003. Daniel Hope is sitting in a Manhattan apartment, talking about Klein and two others, Hans Krása and Ervin Schulhoff, who boarded different trains but met the same fate. ‘I think about those times a lot,’ says the young violinist.

‘Forbidden Music’ is the result of those thoughts: a new disc from Nimbus on which Hope is joined by violist Philip Dukes and cellist Paul Watkins. This, though, was Hope’s project long before he sat in front of a microphone. It was Hope who contacted and interviewed survivors of Theresienstadt before writing the disc’s booklet notes. And it is Hope’s eloquent violin that seals the musical memory of a powerful recording with a solo performance of Ravel’s Kaddish, the Jewish prayer for the dead. But if the personal traumas behind the music and the monumental Gothic lettering on the disc’s cover cast looming shadows, they are comprehensively banished by the music. This may be forbidden music, but it’s certainly not forbidding. “I think that’s probably the most extraordinary thing in all of this,” remarks Hope. “This is doomed music, but it’s not in any way sentimental; Klein’s String Trio has this incredible lyric quality. These composers’ artistic minds and temperaments were not at all challenged by circumstances.”

Decca’s groundbreaking series of ‘Entartete Musik’ has already made listeners familiar with the creative ferment which built and found its expression under the pressure of confinement within Theresienstadt’s fortress walls. The resulting wave of interest in composers like Klein, Krása and Pavel Haas no doubt accounted for the broadcast of Klein’s String Trio that Hope heard late one night, driving home after a concert, that led him to investigate this repertoire in the first place. At the same time, the focus on the camp’s unique cultural activity – established and promoted by a short-lived form of self-rule – has perhaps overshadowed the appalling conditions endured by 60,000 Czech Jews in a garrison built to house 6,000 soldiers. In his research, Hope discovered ‘a curious paradox: this terrible place, these terrible conditions and yet you had this redeeming grace that kept people sane. Some of the composers did actually say that had they not been at Theresienstadt they would not have composed so well or in that way. I just think that they were thrown into a situation that no-one could imagine and they made the best they could out of it.’

Twenty years later, on the other side of the Iron Curtain, and composers found themselves oppressed and in fear of their lives once more – and Hope wants to tell their stories too. Not just through the works of Shostakovich and Prokofiev, who, as Hope puts it, “found ways around the repression”, but those who “just hit the wall and carried on writing what they wanted to” – like Edison Denisov, Galina Ustvolskaya and Nikolai Korndorf. London audiences heard all these names and more at ‘Fifty Years after Stalin’, an absorbing discovery day on the South Bank in March. Hope contributed the world première of an early – and subversively French-sounding – violin sonata by Alfred Schnittke and some pithy insights at a round-table discussion before bringing the day to a restful close with Korndorf’s spare and haunting trio, 0 Brother, where art thou?

This kind of contextual event gets Hope excited. “I’ve always been interested in themes. I think you can put absolutely anything together if you give enough explanation to the audience or the record buyer. And audiences expect it now, especially in the US. There are fantastic fiddle players that come on with a Bach chaconne and finish with Wienawski or something, but that’s never been me: I want to get to the core behind everything.”

Hope plans to enthuse the concert goers of next year’s Savannah Music Festival, in Georgia, USA, where he has become artistic consultant. He’d certainly like to record some more of it for Nimbus, but he’s wary of announcing anything definite – and with good reason. ‘Forbidden Music’ was recorded over two years ago – the recording dates of September 10-12, 2001 give the idea of music composed ‘in time of war’ a further contextual edge – but it had to be shelved when Nimbus went into receivership. “The most frustrating feeling for any artist,” is how Hope describes the unexpected impasse, “when you’ve done all this work.” Nimbus’s recovery is heralded by the release of ‘Forbidden Music’, but in any case, Hope continues, “The age of real record contracts is dead – you don’t know if the company is going to go belly up the next day. Nowadays the business is all about single deals – and actually, I think that’s quite healthy, because you assess each project for what it’s going to be. This idea of having one record company that sticks with you for 20 years is over. Of course it helps to have distribution, but if you’re active and you’re able to use the internet and get your product out there, you can do an enormous amount of it on your own.”

Fighting talk – and Hope has got ‘out there’, not just with his own www.danielhope.com , but with a new association with Warner Classics. Two months ago he dragged the BBC Symphony Orchestra away from their stifling summer residence that is the Royal Albert Hall during the BBC Proms season, into the studio for the violin concertos by Berg and Britten. But isn’t Hope edging dangerously close to the mainstream, even – dare it be said – core repertoire? Not a bit of it. When he started to learn the Berg in 1996, Hope phoned the Alban Berg Institute in Vienna to find out more about the musical and personal stories that swirl beneath the composer’s adieu. They put him in touch with Berg scholar Douglas Jarman, who was making a new edition of the concerto: Hope gave Jarman’s version its first performance, and now its first recording, and he still can’t believe how history has turned the piece his way.

“Because Berg died before the first performance, he never got to check the proofs. And the copyist who made the printed edition made lots and lots of mistakes, and until now, no one bothered to compare the edition with the manuscript. There are over fifty changes. And of course in this kind of serial music, it might be a note here and a note there. But the “secret” programme to Berg’s concerto is so dense that if you’re not actually following it to the letter then what’s the point?”

Hope asked his friend and chamber music partner Paul Watkins to conduct him through Berg’s maze: a decision the BBC SO were doubtless happy with, given the seven years Watkins spent in the 1990s as the orchestra’s principal cellist. Some readers may not be familiar with Watkins’s work on the podium, but Hope is unequivocal in his assessment of his colleague: “One of the most irritatingly talented musicians I have ever worked with.” He was also keen to have an all-British team to record Britten’s concerted memorial to victims of the Spanish Civil War. As for future projects with Warner, Hope is confident; “We want to do unknown repertoire, and we want to do 20th-century composers. I’m not going to play Piazzolla, I’m not going to put on a wet tee-shirt and I’m certainly not going to record the Four Seasons.” And Amen to that.

By Peter Quantrill

© Gramophone Magazine, October 2003, All rights reserved

Auf neuen Pfaden
crescendo das klassikmagazin, 29.10.2003

Der Geiger Daniel Hope von Katharina Honke

Mit zehn Jahren trat der britische Geiger Daniel Hope zum ersten Mal im Fernsehen auf. Seitdem hat er mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammengearbeitet, vom Alte-Musik-Spezialisten Concerto Köln bis zu Bobby McFerrin. Mit Yehudi Menuhin trat er in über 60 Konzerten auf. 2002 wurde er Mitglied im legendären Beaux Arts Trio.

Crescendo: Sie gelten als ein Geiger, der im 20. Jahrhundert zu Hause ist.Welche Bedeutung hat für Sie Neue Musik?

Hope: Ich versuche immer, einen Zugang zur Musik zu finden. Neue Musik ist für mich die Musik, die ich fühle, die ich versuche zu verstehen und die mich auf jeden Fall berühren muss. Eben genau das tut die Musik von Alfred Schnittke und Alban Berg.

Crescendo: Macht es das einfacher, wenn man sich so wie Sie auf Pfaden bewegt, auf denen sich andere Musiker nicht bewegen? Wenn Anne-Sophie Mutter Beethoven spielt, dann richtet sich das Augenmerk wie selbstverständlich auf sie. Wenn jemand Schnittke spielt, achtet man vielleicht mehr auf das Werk und weniger auf den Interpreten?

Hope: Ja und das ist das Schöne dabei. Sicherlich gibt es große grandiose Interpreten, die diese Stücke spielen, doch die Zeiten haben sich geändert, heute wird man nicht sofort erkannt. Grund dafür sind sicherlich die fantastischen Aufnahmemöglichkeiten, die es damals noch nicht gab. Ich finde,dass eine Aufführung wirklich hervorragend ist, wenn im Endeffekt die Essenz der Musik nachwirkt, selbst wenn die Kritik den Interpreten sehr lobt.

Crescendo: Sie setzen sich ja sehr intensiv im Voraus mit der Musik auseinander, die sie spielen werden, sprechen dabei auch häufig mit den zeitgenössischen Komponisten über ihre Werke. Hilft Ihnen das später bei der Interpretation der Stücke?

Hope: Es kommt ganz auf den Komponisten an. Man hat nicht mehr die Möglichkeit, Beethoven nach seinen Kompositionen zu fragen, doch jungen Komponisten kann man etwas vorspielen, und meistens habe ich da positive Erfahrungen gemacht. So gibt es auf der einen Seite Komponisten, die wirklich jeden Ton hören. Zum Beispiel Jan Müller-Wieland, ein Komponist, den ich sehr schätze. Er hat ein Konzert für mich geschrieben, und wir haben lange daran gearbeitet.

Beim ersten Durchlauf habe ich dann manche Stellen minimal anders gespielt, als er es notiert hatte, und er hat es sofort gehört. Das ist wirklich erfrischend. Es gibt auch Komponisten, die bemerken gar keine Fehler. Bei manchen war ich sehr gespannt, ob sie die Abweichungen im Spiel erkennen, doch es kam keine Reaktion. Durch diesen Prozess lerne ich viel, sowohl über die Musik als auch darüber, was ein Komponist hört. Sie hören anders als die Musiker.

Crescendo: Sie haben sehr viel mit Yehudi Menuhin gearbeitet. Ich habe aber gelesen, dass Sie David Oistrach für den größten Geiger des 20. Jahrhunderts halten…?

Hope: Ja, aber ich glaube, Menuhin hätte das Gleiche gesagt! Dazu muss ich sagen, dass in den ersten 15 Jahren meines Lebens mein musikalisches Verhältnis zu Menuhin schwierig war. Er war überhaupt nicht dafür, dass ich Geiger werden wollte, hat es absolut nicht ernst genommen. Erst als ich bei Zakhar Bron studierte, da wurde er neugierig. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Mal für ihn gespielt. Ich denke, dass er schockiert war, als er nun sah, dass ich ernsthaft Geige spielen wollte, und dann tat ihm sein Desinteresse in der Vergangenheit leid. Direkt im Anschluss machte er mir das Angebot, mit ihm gemeinsam Konzerte zu geben. 60 Mal standen wir zusammen auf der Bühne. Darüber könnte ich stundenlang erzählen. Um es kurz zu sagen: Allein dafür hat es sich gelohnt, 15 Jahre zu warten. Ich hätte 50 Jahre gewartet, um das erleben zu dürfen. Im Nachhinein ist es auch gut, dass ich erst meinen eigenen Weg gehen musste, dabei

„Komponisten hören anders als Musiker“

die Möglichkeit hatte, die russische Schule kennenzulernen, die ich für hervorragend halte. Bei Menuhin gab es später dann pure Inspiration, und das war das Beste, was er überhaupt geben konnte.

Crescendo: Auf Ihrer Repertoireliste fehlen die Bachsonaten…

Hope: Bach ist das Schwierigste überhaupt. Ich habe großes Interesse an der historischen Aufführungspraxis, gleichzeitig aber auch großen Respekt davor. Bach ist ein Ziel für mich, das in weiter Ferne liegt, dem ich mich aber irgendwann voll widmen möchte. Doch es ist wie mit der Bibel und dem Everest. Es ist etwas, das ich gern eines Tages tun möchte. Jetzt traue ich mich noch nicht.

Crescendo: Sie bekamen das Angebot, mit dem Beaux Arts Trio zu spielen. Das ist vermutlich eine Herausforderung gewesen, zu der man nicht hätte nein sagen können.

Hope: Man hätte nein sagen können, doch die Begegnung mit Menahem Pressler war so überwältigend. Am Anfang kam alles für mich sehr überraschend, da ich einfach eingesprungen bin, um eine Tournee zu retten. Ich habe nicht gedacht, dass es zu einer weiteren Zusammenarbeit führen würde und meine Kollegen, glaube ich, haben es auch nicht gedacht. Doch die Kontakte zu Pressler und Antonio Meneses, die Möglichkeit, die großen Komponisten regelmäßig zu spielen und zu analysieren, das war eine große Chance – im Nachhinein kann ich bestimmt sagen, dass man da nicht nein sagen sollte, da darf man nicht nein sagen.

Crescendo: War es eigentlich wirklich nur Zufall, dass sie auf Sie gestoßen sind?

Hope: Absolut. Die Generalvertretung vom Beaux Arts Trio hat meine deutsche Vertretung. Pressler sagte „dammned luck“, ein schöner amerikanischer Ausdruck, der alles sagt. Zudem suchten sie nicht nur einen Geiger, sondern auch jemanden, der verrückt genug war, um 14 Konzerte in 16 Tagen zu spielen, u.a. die gesamten Beethoven-Klaviertrios. Ich habe es gewagt, und als die Tournee vorbei war kam das Angebot, als festes Mitglied im Ensemble zu spielen. Da habe ich nicht gezögert.



2002


British newcomer cherish harmonious fit
Palm Beach Daily News, 13.03.2002

Daniel Hope is a rising star in Europe, but less well-known in the United States. London’s Evening Standard named him Classical Performer of 2001. A review in The Independent in London advised readers to “remember the name.“ The 28-year-old violinist has acquired a reputation for championing contemporary composers such as Alfred Schnittke, Arvo Part and Toru Takemitsu. He has cut three records of 20th-century music.

Hope and the other trio members, pianist-founder Menahem Pressler, 78, and cellist Antonio Meneses, 44, will perform 7:30 tonight at the Henry Morrison Flagler Museum.

The trio, founded in 1955, focuses on the standard repertoire, with occasional forays into new work. It has recorded the entire piano trio repertory. The group performs more than 100 concerts a year, including annual series at the Metropolitan Museum of Art in New York and the Library of Congress in Washington, D.C. Hope received the call from the trio Jan. 17, less than three weeks before the first performance of a European tour.

The group wanted Hope to play with them for that tour, an American tour and summer festivals stretching into July. “I thought long and hard about it,“ Hope said recently from Bloomington, Ind., where he was performing with the trio. “I thought the chance to work with such wonderful musicians at so many great venues across Europe and the United States would be too good to miss.“ Hope had a gap in his schedule because a recording project that was to have taken up most of February fell through when Nimbus Records ran into financial problems. He canceled or rescheduled other commitments. “People were understanding, because it was such a terrific opportunity,“ he said.

The violinist has performed a couple of times in the United States, but this is his first American tour. Most of Hope’s performing has been as a soloist, although he has done some chamber-music concerts with his group, the London International Quintet, and has worked on other ensemble projects. What recommended him to the trio was his dedication to music, Pressler said. “He is what the Beaux Arts Trio cherishes — everything he does is done in the service of the music. It’s beautiful how he fitted himself to us.“

Although Hope’s recordings have been of contemporary music, he includes more familiar pieces in his concerts. “Every violinist has had to play the standard repertoire,“ he said. “They should not get away with not playing that music.“ Hope’s first step after rearranging his professional schedule was to cancel all his social engagements. “I practiced like hell,“ he said. “It’s one thing to play these kinds of works. It’s another thing to play them with the Beaux Arts Trio and with only a couple weeks’ notice.“ On Jan. 27, he met Meneses in Germany to go over the string portions of the repertoire. On Feb. 2, he and Meneses met Pressler in Lisbon, where they rehearsed seven to eight hours a day until their first concert on Feb. 5. “I learned so much from the rehearsals and the concerts,“ the violinist said. “That hasn’t happened to me before. The concerts became extensions of the rehearsals, not just something one puts together quickly. It’s a real eye-opener.“

At the Flagler, the trio will play Robert Schumann’s Trio No. 1 in D minor and Ludwig van Beethoven’s Trio in B-flat major, the Archduke. “I don’t think anyone needs to explain the Archduke,“ Pressler said. “That’s the HOPE I don’t think anyone needs to explain the Archduke,“ Pressler said. “That’s the Mount Everest — the highest emotionally and technically you can go as a trio.“ The Schumann piece “is one of the most passionate and underplayed works,“ he said. “It needs to be heard.“ Pressler said the trio should know whether Kim can rejoin them by the time the American tour ends Monday, March 25. If the verdict is no, the trio will probably ask Hope to remain. “If there is a need or a chance, I think he will stay,“ Pressler said. Hope said he has not made up his mind what he would do. “It’s a huge decision,“ he said… “Until now, most of the things I’ve done have been solo or ad hoc chamber things. The Beaux Arts Trio is such an established chamber body. I would need to see how that would fit in with the rest of my career. “For now,“ the important thing is to see how these concerts go and hope for the best.“

By JAN SJOSTROM

(c) 2002 The Philadelphia Inquirer. All rights reserved.

A violinist’s ‘mission impossible’
Philadelphia Inquirer, 20.03.2002

Hope can arrive in the least-expected forms.

The venerable Beaux Arts Trio has long been a haven for some of the world’s greatest violinists and cellists; they’ve come and gone for 45 years under the considered guidance of veteran pianist Menahem Pressler. Then, days before touring, a new violinist was needed when the group’s regular player, Young Uck Kim, suffered the recurrence of an old neck injury.

Given the intensive nature of playing chamber music – chemistry is everything – this was the musical counterpart to an emergency liver transplant. Daniel Hope, who stepped in and will perform with the trio tonight at the Kimmel Center for the Performing Arts, calls it “my mission impossible.“

“I was first contacted on the 17th of January, and the first concert was on the 5th of February,“ the 28-year-old British violinist said from his hotel in Bloomington, Ind., where the trio rehearses. “There was an enormous variety of repertoire. There was the complete Beethoven piano trios, Haydn, Mozart and Schnittke. By an enormous stroke of luck, I had most of February reserved for a recording that was canceled.“

On the surface, the match couldn’t be more odd. Though not well known in the United States, Hope is one of Europe’s most enterprising young violinists, big on cutting-edge repertoire and innovative programs involving music and literature. Imagewise, he could pass for a descendant of Britain’s popular punk/classical violinist Nigel Kennedy – though with infinitely better hygiene – with composer names spelled out in graffiti on his album covers. Considering that the Beaux Arts Trio existed for decades before Hope was even born, would the two be mentioned in the same sentence – much less occupy the same stage – in less-than-emergency circumstances?

Only because Hope and the Beaux Arts Trio share the same management did they connect at all.

“It can be hard to find a mutual language,“ Pressler said. “I can tell you that we played two-thirds of a Beethoven [piano trio] cycle just now in Geneva, and – I hate to use the word – it was a triumph.“

One explanation for this chemistry: Hope finds something refreshingly radical in recordings of great violinists of the past. He’s inspired, in other words, by those whom pianist Pressler, who is 79 this year, grew up listening to. Maybe that’s why Pressler’s reputation for toughness hasn’t been Hope’s experience with him.

“He [Pressler] knows exactly what he wants and knows what he wants to do,“ the violinist said. “We didn’t waste time with pleasantries. We got straight down to work – and boy did we work. [With cellist Antonio Meneses], it’s three totally different versions of music making, yet there’s a connecting line going through it. If everybody does what they want, the boat is going to sink.“

Hope has a history of trafficking with strong minds. Even before attending and graduating from the Royal Academy of Music in London, Hope played, at age 11, Bartok’s violin duos with the legendary Yehudi Menuhin. The association lasted over 60 concerts, ending only in Menuhin’s final performance in 1999 in Düsseldorf. Hope’s Web site, www.danielhope.com, is full of photos of him with musical titans such as Mstislav Rostropovich and Yuri Bashmet.

His father, Christopher Hope, is an acclaimed novelist; his most recent, Heaven Forbid, came out last month published by Macmillan. And then there’s his great-aunt, Marlene Maertens, whom he frequently visited after she fled Germany and settled in Philadelphia, where she lived until her death in 1987. He particularly remembers meals at the now-closed Old Original Bookbinder’s, which auntie would start with Diet Coke and end, incongruously, with lemon meringue pie.

“Her wartime work for German refugees was recognized by the German government… with the result that in Philadelphia she became known as Frau Deutschland,“ he recalls. “She lived on a small pension from the Germans.“ And she still found money to send to Hope’s father when he was struggling to write his first novel.

Such regular visits to Philadelphia may resume if he stays on with the Beaux Arts Trio, which has been presented here by the Philadelphia Chamber Music Society every season since 1986. Whether that happens has to do with Kim’s injury and Hope’s availability. Kim is recovering, but playing concerts every night on tour – which concerto soloists don’t have to cope with – “can be a strain [on old injuries],“ Pressler says.

Since the trio’s 80 concerts per season tend to be clustered rather than dispersed, Hope could conceivably continue outside activities, which include his U.S. orchestral debut next season in Detroit. “It’s doable planning-wise,“ he says. “I’d have to see what happens. I have a lot of projects to do.“

(c) 2002 The Philadelphia Inquirer. All rights reserved.

Hope and glory
Time Out New York, 21.03.2002

British violin sensation Daniel Hope makes an overdue return to New York with the Beaux Arts Trio

Over coffee at a Lincoln Center-area cafe last summer, violinist Daniel Hope detailed his ambitious upcoming plans with relish. One of the most highly respected young musicians in Europe, Hope had just released a gorgeous new disc of violin sonatas by Elgar and Walton, and one concept that flew across the table was a new recording project featuring music by composers who had been interned by the Nazis in the Theresienstadt ghetto prior to their execution. He also enthused about a chamber music series he would be presenting at a New York art gallery in September, his first performances here since the Young Concert Artists competition at the 92nd Street Y in 1992.

Unfortunately, things didn’t turn out as planned. The performances, originally scheduled September 14-16, were postponed well before the unthinkable events of that week. Soon afterward, just as sessions for the Theresienstadt disc were completed, Nimbus, the respected British independent label to which Hope was signed, went out of business.

Luckily, Hope didn’t have to wait long for a change of fortune. In January 02, the 27-year-old violinist received an invitation to join the Beaux Arts Trio — an American chamber-music institution for almost five decades — for a spring tour of Europe and the U.S., filling in for the injured Young Uck Kirn. The tour brings Hope to the Metropolitan Museum of Art on Friday 22nd March, to perform Schumann’s Trio in D minor and Schubert’s Trio in E-flat.

“ I got the call on the 17th of January, and the first concert was on the 5th of February,” Hope recalls, on the phone from a tour stop in Miami. “I can’t imagine anything more crazy than doing this on such short notice with this kind of a group: Every chamber musician knows the legendary Philips recordings of the Beaux Arts Trio. Some people felt I was mad, but I think I’d have been mad not to do it!”

Though he is still best known for recording 20th-century music – which provided opportunities to work closely with such composers as Takemitsu, Schnittke and Penderecki – Hope has played standard repertoire ever since beginning his violin studies at age four. He has enjoyed an active performance in Europe and Asia for more than a decade, collaborating with leading musicians and orchestras as well as actor Klaus Maria Brandauer and jazz pianist Uri Caine. The invitation to work with the Beaux Arts Trio arose because they share a European booking agent— though it didn’t hurt that the young violinist had previously performed Schnittke’s Piano Trio, a difficult work that the group was scheduled to play during the European leg of the tour. Hope flew to Basel to work on particulars of technique with cellist Antonio Meneses; the two then joined pianist Menahem Pressler in Lisbon for two grueling days of rehearsal prior to embarking on the tour of Europe’s most prestigious venues. “It was a different program almost every night,” Hope says. “We did the complete Beethoven piano trios, Schnittke, Schumann, Mozart and Haydn, all in the space of ten concerts. The nice thing about the American tour is that we have only two programs, so we’re able to establish continuity and play the same pieces every night.”

After the Beaux Arts tour is completed, Hope still intends to present the New York concert series he’d been planning last summer at some point in the not-too-distant future. He recently heard encouraging news about the fate of his Theresienstadt recording – it’s now due for release in Spring of 2003. Right now, though, the ambitious modernist is reveling in an opportunity to perform the standards with musicians he clearly reveres.

“I’ve been able to devote these weeks to the real traditional repertoire,” he says, “which I’ve always loved doing, but I’ve had a different approach to it because of all the 20th-century music that I’ve done. This way, I’m getting to focus on the vitamins of classical musicians’ diets, but to do it with the best people possible.”

By Steve Smith



2001


Komponistenlehrgut
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2001

Querstand zum hastigen Musikbetrieb: Der Geiger Daniel Hope

„Wir Interpreten haben die Aufgabe, mit allen Mitteln des Marktes diese (zeitgenössische) Musik bekannt zu machen. Ich finde es unverantwortlich, wenn Künstler sagen: Wir haben damit nichts zu tun.“ So mutig wie der 1974 geborene englische Geiger Daniel Hope, von Yehudi Menuhin gefördert und von Zakhar Bron unterrichtet, sind nicht viele Nachwuchsmusiker. Die Pianisten, Geiger, Cellisten oder Sänger, die zahlreich wie nie zuvor auf den schrumpfenden Klassikmarkt drängen, versuchen lieber, ihre Überlebenschancen mit Grenzgängen zu Filmmusik, Tango, Neuen Medien, Klassikhäppchen oder Crossover vermeintlich zu verbessern. Vielen nutzt auch dieses Zugeständnis nichts: Von Labels und Promotionfirmen als lukrative „Shooting Stars“ auf eine Umlaufbahn im überhitzten Musikbetrieb geschossen, stürzen sie oft jäh – und sind vergessen.

In seiner fast verqueren Gegenposition hat sich Hope schon erstaunlich lang gehalten. Sein Rezept klingt einfach, fast salopp: Wenn Musik nicht bloß „zugänglich“, also seicht sei, sondern schlichtweg gut, und sie entsprechend gespielt und präsentiert werde, werde sie sich durchsetzen. Von Resignation ist dieser Optimismus noch keineswegs angekränkelt, und Hope tut sein möglichstes, um sein Programm einzulösen. Ein gewisser Gradmesser sind seine bislang drei Einspielungen, für die er die Werkfolgen sorgfältig ausgewählt hat. In seiner Debüt-CD aus dem Jahr 1999 blickt er in Schlüsselwerken von Kurt Weill, Alfred Schnittke und Toru Takemitsu auf das zwanzigste Jahrhundert zurück und geht zugleich Einflüssen auf den Grund: von Jazz und Strawinskys „L’historie du soldat“ in Weills kontrastreichem Violinkonzert (1924), von Schostakowitsch auf Schnittke, vom Impressionismus, japanischer Landschaft und Andrej Tarkowskis Film „Nostalghia“ (1983) auf Takemitsus gleichnamiges meditative Stück für Violine und Streicher von 1987.

Seine zweite CD versammelt osteuropäische Musik der letzten dreißig Jahre, die sich vom russischen Übervater Schostakowitsch abzusetzen sucht. Zugleich thematisiert Hope Gegensätze – dynamisch wie stilistisch, etwa im Kontrast zwischen Schostakowitschs grandios schroffer, spieltechnisch höchst anspruchsvoller G-Dur-Sonate op. 134 und Schnittkes schmerzzerrissener dritter Sonate für Violine und Klavier (1998) einerseits und Arvo Pärts schlicht wie suggestiv gestricktem „Spiegel im Spiegel“ andererseits. Auf der jüngsten CD frönt er nun seiner Heimat. Obwohl Edward Elgar mit seinen “Enigma-Variationen” und den „Pomp and Circumstance“-Märschen auch auf dem Festland einer der populärsten englischen Komponisten ist, gehört seine Kammermusik immer noch zu den Raritäten im Musikbetrieb. Für eine gewisse Wende, zumindest auf der Schallplatte, sprechen neue, fulminante Einspielungen des Streichquartetts op. 83 und des Klavierquintetts op. 84 durch den Pianisten Ian Brown und das 1990 gegründete englische Sorrel Quartet und Hopes nicht minder ausdrucksintensive Aufnahme der Sonate für Violine und Klavier e-Moll op. 82, an der Elgar 1918 gleichzeitig mit den beiden anderen Werken arbeitete. Wie Elgars Sonate ist William Waltons Gegenstück von 1949 in seiner romantischen Grundhaltung ein musikgeschichtlicher Spätling, obschon rhythmisch und dynamisch eine gewaltige Erregung in ihr rumort.

Hope läßt also Werke so miteinander dialogisieren, daß sie sich gegenseitig im geschichtlichen Kontext erläutern. Den Eindruck von gegenwartsbezogenen Zeitpanoramen verstärkt er durch seine leger hingeplauderten Ansichten zu den eingespielten Stücken in den Beiheften. Mehr aufführungspraktische Erfahrungsberichte oder Gefühlsmitteilungen als Einblicke in die Werkarchitektur, ziehen sie den Hörer gerade auf diese unprätentiöse Art unmittelbar in die Musik der jüngsten Vergangenheit hinein. Zudem teilt der Künstler seine Begegnungen mit den Komponisten Pärt, Penderecki, Schnittke und Takemitsu so erfrischend offenherzig mit, daß sie in den Prozeß der Wiedergaben eingehen, ihn so gleichsam autorisieren. Besonders aufschlußreich ist dieser Werkstatt- Rapport bei Schnittkes erster Violinsonate (in der Kammerorchesterfassung von 1967) durch die Diskussion mit dem Komponisten über den Einsatz von Cembalo oder Klavier und bei Schnittkes Concerto grosso Nummer 6 wegen der Diskrepanzen zwischen Druckfassung und Schnittkes handschriftlicher Partitur.

Es ist also Hopes Absicht, gerade scheinbar unbequeme Musik dem Hörer nahezu bringen, den Abstand zwischen traditioneller Hörerwartung und unkonventioneller Werkaussage zu verringern. Dies gilt auch für die kommunikativen Wiedergaben. Das Handwerk funktioniert bei Hope so selbstverständlich perfekt, reaktionsrasch und geistesgegenwärtig, daß es fast zur Nebensache wird im Dienst von Stil und Ausdruck. Der ganz persönliche Einsatz des Künstlers ist überall zu spüren – ob Hope Weills Violinkonzert rasant auflädt, Takemitsus Klangmeditation in feinster Farbfächerung Innenspannung gibt, Schostakowitschs Sonate op. 134 katastrophisch zuspitzt, Schnittkes dritte Violinsonate risikoreich auf Messers Schneide setzt oder Elgars Sonate impulsiv aufglühen läßt. In solchem Enthusiasmus ist Hope einig mit seinem ebenso anpassungsfähigen wie eigenständigen Londoner Klavierpartner Simon Mulligan (Jahrgang 1972), der auch als Komponist für Film und Fernsehen und in seinem eigenen Jazzquartett hervorgetreten ist.

Hope, der einen irischen Paß und Zweitwohnsitz in Hamburg hat, möchte als überzeugter Europäer auch anspruchsvolle Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen – (noch) ohne Zugeständnisse an popularisierende Marktstrategien. Ob er seinen kreativen Außenseiterstatus auf dem immer engeren Markt durchhält, muß die Zukunft zeigen. Einstweilen plant er für das Menuhin-Festival in Gstaad im August ein „magisches musikalisches Theaterstück“ rund um Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“, ergänzt durch Musik und Texte über Krieg und Frieden, dargeboten von dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer und sieben jungen Musikern aus sechs Nationen.

ELLEN KOHLHAAS

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main, 2001

Mit vielen starken Saiten
Welt am Sonntag, 09.12.2001

Daniel Hope ist einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation. Heute gastiert er in Hamburg

Geigenvirtuosen drehen dem Publikum nie den Rücken zu. Normalerweise. Als das Barockorchester Concerto Köln beim Kempen Musik Festival 2001 Beethovens Violinkonzert aufführte, war nichts normal: Das Ensemble musizierte im Stehen, ohne Dirigent. Der Solist Daniel Hope, er hatte seine Geige zwecks Anpassung an den Barockklang ausnahmsweise mit Darmsaiten bezogen, spielte beim Anfangstutti mit dem Rücken zum Auditorium. Erst drei Minuten später drehte er sich um und begann mit den Solo-Oktaven.

Zart und fest, fahl und farbenfroh wechselt sein Ton von leise zu laut, von stark timbriert zu inbrünstig zitternd. Er kann geigend Katastrophen erzeugen und delikate Erlösungen, Wohlklang und Wahrheit. Nach Ende des ersten Satzes platzte – offenbar wird bei Daniel Hope auch dem Publikum immer ganz unnormal – begeisterter Beifall in die Stille.

Dem Ausnahmemusiker Hope steht der ganz große internationale Durchbruch allerdings noch bevor. Mit vier begann er Violine zu spielen. Der Zwölfjährige geigte Bartoks Duos im deutschen Fernsehen mit Yehudi Menuhin. Seitdem gilt er hier zu Lande als Menuhins Meisterschüler.

„Falsch“, sagt der heute 27-Jährige und schüttelt lächelnd die rote Mähne. “Meine Mutter war eine von Menuhins Sekretärinnen, sie hatte mich als Baby bei Proben, Konzerten und Reisen immer dabei. Meine ersten Erinnerungen an Musik verbinde ich also mit ihm.” Aber Daniels Lehrer war Menuhin nie. Im Gegenteil. „Als ich sechs war“, erzählt Hope, „teilte ihm mein Vater mit, dass ich Geiger werden wollte. Er sagte nur: ,Der Arme’“.

Der ließ sich indes nicht entmutigen. „Ich studierte und übte wie blöde“, sagt er. Als er mit 17 bei seinem Lehrer Zakhar Bron in Lübeck gerade gelernt hatte, wie man geigerisch Farben erzeugt („Damals habe ich wirklich gemerkt, was es heißt, Geiger zu sein“), bat ihn Menuhin, ihm vorzuspielen. „Ich habe vier Stunden für ihn gespielt“, erinnert sich Hope. „Er war überrascht und betroffen.“ Das war 1996. Der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit: Hope war der Solist. Der alte Mann dirigierte.

So war es auch bei Menuhins letztem Konzert im März 1999 in Düsseldorf, vier Tage, bevor der große Musiker an einer Lungenentzündung starb. Mit ihm, meint der junge Geiger traurig, sei der „letzte Löwe des vergangenen Jahrhunderts“ gegangen. „Es ist ehrenvoll, aber auch schrecklich, wenn man Teil des Endes von etwas ist, das eigentlich nie zu Ende gehen sollte.“

Es gab fünf oder sechs solcher Löwen. Heute ist der Markt randvoll mit ehrgeizig-perfekten Virtuosen. „Es ist heute leichter, den Karriere- Anfang zu schaffen“, meint Hope. „Aber sehr schwer, sich zu halten.“ Der große Geiger Jascha Haifetz tourte noch sechs Wochen durch Japan und gab an die 50 Konzerte. „Wir dagegen können, wenn wir durchhalten, jeden Tag in jedem Land auftreten, heute Tokio, morgen Melbourne, übermorgen London – und überall müssen wir auf die Minute in Hochform sein, egal wie wir gerade drauf sind.“

Anders als die Giganten der Vergangenheit sieht Daniel Hope ein Existenzproblem für heutige Geiger: „Was wird 2020 sein?“, fragt er sich manchmal. „Welche Art Orchester wird es noch geben? Werden die Platten- Labels bleiben oder wird alles übers Internet laufen?“ Einige seiner Konzerte wurden bereits im Internet übertragen. „Die Verbindung war noch schlecht, die Bilder wacklig“, meint er. „Aber das wird sich ändern.“

Übers Internet informiert er sich auch in Minuten über Werke, die ihn interessieren. Das ganz besonders Unnormale an Daniel Hope ist nämlich, dass er es „sturzlangweilig“ findet, „150 Mal pro Saison immer wieder die drei Bs zu spielen“. Auch auf seinen ersten drei CDs (bei Nymbus Records) fehlen sie, die Konzerte von Beethoven, Bruch oder Brahms. „So viel Musik wird heute gedankenlos gemacht. Ich muss einen persönlichen Bezug haben zu den Sachen, die ich spiele, muss sie lieben, das hört man dann.“

Er hat darum schon den alten Menuhin dazu bewogen, mit ihm zwar auch Konventionelles wie Mendelssohn, Tschaikowsky oder Brahms zu spielen. Aber eben auch Schnittke, Takemitsu oder Gubaidulina – oder sogar gänzlich Unbekannte wie den Amerikaner Lowell Liebermann.

Daniel Hope hat bei all seiner wunderbaren Unnormalität nichts Messianisches. Auf seiner Homepage im Internet findet man auch Wein- Tipps; er liebt besonders teure Riojas. Statt mit den für Geiger obligatorischen täglichen Dehnübungen lockert er seinen Bogenarm mit Badminton, Squash oder Tennis: „Ich mag alles, was mit Schläger gespielt wird.“ Wenn er mit Freunden Fußball spielt, ist er der geborene Mittelstürmer. „Das liegt mir im Blut“, lacht er. „Auch bei der Arbeit bin ich oft viel zu stürmisch.“

Seit er in Lübeck bei Zakhar Bron studierte, hat er seine Liebe zu Hamburg entdeckt. Aber nicht allein Alster, Kunsthalle oder Oper faszinieren den Londoner an der „kleineren Ausgabe von Weltstadt“ – seine schöne blonde Freundin, sie ist Kontrabassistin, lebt hier. Und ergo verbringt er von den monatlich vier Tagen, die er nicht irgendwo in der Welt konzertiert, zwei an der Themse und zwei in der Hansestadt. Sein Deutsch ist perfekt. „Ich war gezwungen, es zu lernen“, sagt er und lacht. „Die Hamburger sprechen zwar alle Englisch. Aber nicht gern.“

Konzert: Heute, 20 Uhr, Liebermann Studio des NDR.
Mit Brandauer auf Tour

1974 in Südafrika geboren, musste Daniel Hope mit seiner Familie bereits als sechs Monate altes Baby nach London emigrieren, weil der Vater als Schriftsteller Anti-Apartheid-Positionen vertreten hatte. Hope besitzt allerdings bis heute einen irischen Pass, da sein Vater aus Irland stammt. Als einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation nimmt er sich vorwiegend ungewöhnlichen Repertoires und neuer Präsentationsformen an. Im kommenden Sommer geht er mit Klaus Maria Brandauer und einem jungen Spitzenensemble mit Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ auf Tournee.

Von Stefan Siegert

Alle Rechte vorbehalten. (c) Die Welt, 2001



2000


Cricket und Neue Musik
Rondo, 28.02.2000

Der junge Geiger Daniel Hope ist in einer beneidenswerten Lage: Er kennt viele der Komponisten, deren Werke er spielt, persönlich.
Von Thomas Schulz

Herr Hope, viele Interpreten sagen: Lasst mich in Ruhe mit zeitgenössischer Musik. Meist mit der Begründung, diese Musik spreche nur den Verstand an, nicht die Seele. Warum spielen Sie so viel Neue Musik?

Daniel Hope: (lacht) Solche Aussagen sind Unsinn. Wir müssen uns mit der Musik unserer Zeit beschäftigen. Wie Beethoven zu seiner Zeit modern war, komponieren Schnittke oder Turnage die Musik von heute. Wir Interpreten haben die Aufgabe, mit allen Mitteln des Marktes diese Musik bekannt zu machen. Ich finde es unverantwortlich, wenn Künstler sagen: Wir haben damit nichts zu tun.

Es wird in letzter Zeit viel darüber geredet, dass neue Musik „zugänglich“ sein solle. Was hat man darunter zu verstehen?
Ich finde das Wort „zugänglich“ ziemlich schrecklich, was Musik betrifft. Es gibt schlechte und gute Musik, und wenn sie gut ist und gut gespielt wird, wird sie hoffentlich Erfolg haben. Aber Komponisten, die Musik ausschließlich zu dem Zweck schreiben, dass das Publikum sie sofort versteht, die gehören nicht zu unserem Bereich. Es mag ruhig Crossover und dergleichen geben, aber Komponisten sollten vor allem schreiben, um auszudrücken, was sie fühlen. Wir haben heute die Geduld verloren und sind nicht mehr bereit, mehr als nur kurze Ausschnitte eines Werks konzentriert anzuhören. Aber da geht es eben auch um die Präsentation. Und das ist unsere Aufgabe als Interpreten.

Auf Ihrer neuen CD spielen Sie Werke von Schostakowitsch, Schnittke, Penderecki und Pärt. Was hat es mit dieser Kombination auf sich?
Es ist Musik aus Osteuropa der letzten dreißig Jahre. Es fängt an mit der Violinsonate von Schostakowitsch, 1969 geschrieben, ein unglaublich großes und dunkles Werk. Er hat dieses Stück für David Oistrach geschrieben, der für mich der größte Geiger dieses Jahrhunderts ist. Durch meinen Lehrer Zakhar Bron habe ich das Glück, noch ein wenig an dieser Tradition teilzuhaben. Schnittke, Penderecki und Pärt haben direkten Bezug zu Schostakowitsch. Deshalb war es mir sehr wichtig, seine Sonate zu spielen; auf der anderen Seite hatte ich unglaubliche Angst, weil die größte Einspielung von Oistrach stammt. Deshalb habe ich lange überlegt, ob ich es wagen dürfte, dieses Stück aufzunehmen.

Sie kannten Alfred Schnittke persönlich. Was war er für ein Mensch?
Er war ein hoch intelligenter, empfindsamer Mensch, auch sehr freundlich. Als ich eines Tages, mit siebzehn oder achtzehn, ohne Anmeldung an seiner Tür geklingelt habe, hat er mich empfangen — und er war sehr nett und zuvorkommend. Leider hat er schon zwei Schlaganfälle gehabt und war nicht mehr in allerbester Verfassung. Ich weiß noch, wie wir über seine Werke gesprochen haben, und es war traurig zu sehen, dass er sich manchmal nicht direkt an diese Stücke erinnern konnte. Auf der anderen Seite war er voller Leben. Einmal hat er mich im Konzert gehört — das war für mich das größte Erlebnis. Schnittkes dritte Sonate, das Stück, das ich auf meiner CD spiele, entstand 1994, ungefähr zu der Zeit, als ich ihn kennen lernte. Insofern ist das für mich eine sehr persönliche Angelegenheit.

Und was bedeutet Ihnen Schnittkes Musik?
Erstens ist sie technisch brillant geschrieben. Zweitens wirkt Schnittkes Musik emotional für mich wie eine Bombe, eine Zeitbombe. Sie hat diese unglaublichen Extreme, von beinahe banal bis unglaublich gewaltsam. Und diese Momente kommen immer völlig überraschend, man weiß vorher nie, wann es soweit ist. Eine sehr spannende Musik voller Gegensätze. Das ist übrigens auch ein Thema meiner CD: Gegensätze. Das Stück von Arvo Pärt ist extrem simpel und damit das genaue Gegenteil von Schostakowitsch und Schnittke.

Kennen Sie Part und Penderecki auch näher?
Penderecki habe ich getroffen, bevor ich sein Stück aufgenommen habe; es war mir sehr wichtig, dass er meine Interpretation hört, bevor ich es einspiele. Er war zufrieden und ich konnte beruhigt ins Studio gehen. Mit Pärt hat es vor der Aufnahme leider nicht geklappt, weil er zu beschäftigt war. Aber als ich die ersten Takes hatte, bin ich nach Berlin gefahren, um sie ihm vorzuspielen, und er hat mir noch wichtige Anregungen gegeben.

Ich darf vermuten, dass Sie außer Musik andere Interessen haben…
(lacht) Ich spiele sehr gerne Tennis, laufe gerne Ski – alles Sachen, die man als Geiger eigentlich nicht machen sollte. Als Engländer liebe ich natürlich besonders Cricket…

… das Spiel, das bei uns kein Mensch versteht…
Überhaupt keiner! (lacht) Es gibt eine Mannschaft die Neville Marriner aufgestellt hat. Er lädt junge Künstler ein, in dieser Mannschaft zu spielen, und dann gibt es ein Turnier gegen die Mitglieder der Konzertagentur Harold Holt. Ich bin eingeladen im Sommer mitzuspielen, und freue mich schon, ein paar Bälle gegen die Holts zu werfen.

Sie betreiben auch eine eigene Website…
Als junger Künstler muss man modern sein. Und einer dieser Wege ist das Internet, man kann die ganze Welt erreichen und ist immer aktuell. Man kann mich direkt über diese Seite erreichen (www.danielhope.com). Sie erzählt auch ein bisschen über meine Musik; ich habe einen Artikel über Schnittke geschrieben, der da zu finden ist.

Thomas Schulz

Alle Rechte vorbehalten. (c) Rondo, 2000

High Hope
Amazon.co.uk, 28.05.2000

By Warwick Thompson
An Interview with Daniel Hope

Will the real Daniel Hope please stand up? On listening to this powerfully exciting young violinist’s recordings of contemporary music (recently released to universal critical acclaim and gratifying commercial success) it is hard to believe that he is just one player, so dramatic is his approach. It is as if he combines three or four very different musical personalities in one performer, and the result is that his playing teems with an almost Shakespearean sense of variety. He was born in London in 1974, and at an early age began studying at the Menuhin school, where he established an important relationship with Yehudi Menuhin which was to last until the latter’s death. (Menuhin once signed a photograph of the two of them “with love from your musical grandfather”.) His recordings have so far concentrated on the music and musical influences of Alfred Schnittke.

Amazon.co.uk: What is it about Schnittke’s music that attracts you?

Daniel Hope: It’s like a time bomb ticking and waiting to explode. One thing he taught me was always to keep a sense of tension, of suspense — to make the most of any moment without giving it all away too soon.

Amazon.co.uk: The reviews of both discs have all commented on the fascinating and successful combination of unlikely pieces.

Hope: On the second disc (Shostakovich Violin Sonata, Schnittke Violin Sonata No.3a and shorter works by Pärt and Penderecki) the pieces represent works by some of the composers Schnittke saw as his influences. And they were surprising choices. Penderecki is much more overtly romantic, and Pärt is completely different again; deconstructive, abstract. But they all shed light on Schnittke’s music, on the different sides of his personality. I think just before he died, he was about to discover a whole new style, less magpie-ish, less serial. But I’ve done two big explorations of him now and I think it’s time for a break.

Amazon.co.uk: When you were just 18, you turned up unannounced at the notoriously reclusive Schnittke’s apartment to discuss his work, and thus established an important musical relationship with him. It seems remarkably self-assured and resourceful. Is that how you approach music as well?

Hope: I have a kind of stamina that won’t accept defeat–whether it’s tracking down a piece of music, or solving a musical problem, it becomes a burning passion. My mind goes into overdrive. But of course, there are never enough hours in the day to do everything.

Amazon.co.uk: Have you had to sacrifice anything to music?

Hope: I’ve been playing continuously since I was four, so of course some things have had to go–but they were never as important as what I really wanted to do.

Amazon.co.uk: You have written that Yehudi Menuhin was your greatest inspiration. How did he inspire you?

Hope: One very important thing he gave me is the feeling of being connected to the past. He had been taught by violinists who had worked with Brahms, it made me feel I was only two generations away from Brahms myself. He had also worked with Bruno Walter and Toscanini–I felt the weight of his legacy. And in the last years of his life he began working with young children from broken homes, and violent backgrounds. He believed that by teaching them music–not necessarily an instrument–but dance, or rhythm–he could point them away from violence. Perhaps he was naïve, but actually the results were very encouraging. The world of music is poorer without him.

Amazon.co.uk: Has playing contemporary music had an effect on your approach to the romantic and classical repertoire?

Hope: In contemporary music you are more or less free to do what you want. The first debt is to be exact to the composer’s markings, but you are not confined by a school of playing like, say, baroque period practice. You can experiment more. You can then apply that approach to playing romantic music– and add the possibilities into your musical repertoire. For example, where Schnittke asks for a particularly bleak effect without vibrato–this can also be used when playing Bach.

Amazon.co.uk: You’re now based in Hamburg. Do you miss London?

Hope: I love London and like it all the more when I go back to visit my brother, and for the sports–I’m a big, big sports fan! But the trek to Heathrow makes travelling more difficult, and there is so much work on the continent for young artists. Also the Germans seem to have a romantic and quaint view of the English–a sort of drinking-tea-and-eating-After-Eights view–so I’m treated rather favourably.



1999


Hoffnung nach Menuhin
Fono Forum, 28.05.1999

Ein Portrait von Jörg Hillebrand

» Schon in frühester Kindheit lernte er Yehudi Menuhin kennen, als Elfjähriger trat er gemeinsam mit ihm im Fersehen auf, und am 7. März 1999 war er der Solist in jenem denkwürdigen Düsseldorfer Konzert, das Menuhins letztes sein sollte. Gut gerüstet durch die Zuwendung des Mentors und ein Studium bei Zakhar Bron steht der britische Geiger Daniel Hope, dessen CD-Debüt soeben erschien, nunmehr am Beginn einer vielversprechenden Laufbahn. «

Früh und zufällig kreuzten sich ihre Wege: Kurz nachdem Daniel Hope 1974 Südafrika als Sohn eines Schriftstellers und Regimekritikers das Licht der Welt erblickt hatte, beantragten seine Eltern in England Asyl. Dort bewarb sich die Mutter, die bis zu diesem Zeitpunkt nie etwas mit Musik zu tun gehabt hatte, auf eine Annonce als Sekretärin bei Yehudi Menuhin und bekam den Job. Sechs Monate des Jahres 1975 verbrachte sie im schweizerischen Gstaad, der Sommeresidenz des Geigers. Daniel mußte mit, und so war es unvermeidlich, daß er mit Menuhin in Kontakt kam. „Er hat immer gesagt, ich sei ihm in den Schoß gefallen“, erinnert er sich an die gleichsam familiäre Atmosphäre, die zwischen ihnen herrschte. Gleichwohl unternahm Hope seine ersten violinistischen Gehversuche im Alter von vier Jahren unabhängig von dem berühmten Bekannten: „Er fand es sehr schön, daß ich Geige spielte, aber mehr war da nicht, und ich sollte erst einmal meinen eigenen Weg finden und wissen, ob ich es auch wirklich wollte. Mit acht Jahren bin ich dann in sein Londoner Internat gegangen, was leider nicht die beste Entscheidung war – nicht wegen der Schule, sondern weil es einfach zu früh für mich war.“

Ausgerechnet in dem Moment, als Hope das Internat wieder verließ, wurde Menuhin, auf die Fähigkeiten des Hochbegabten aufmerksam und lud ihn zu gemeinsamen Konzerten in Deutschland ein, in welchem Zusammenhang auch der besagte Fernsehauftritt stattfand. „Er begann, mir ein bißchen über die Schulter zu gucken und meine Fortschritte zu fördern“, berichtet Hope. Regelmäßigen Unterricht erhielt er von seinem Mentor erst ab dem Zeitpunkt, da er anfing, als Solist mit Menuhin zusammenzuarbeiten. Das war 1991. Ein Jahr später nahm er parallel dazu sein Studium bei dem Oistrach-Schüler Zakhar Bron auf – Konflikte waren vorprogrammiert: „Von Menuhin“, sagt Hope, „habe ich gelernt, wie man den Ton produziert, wie man mit Farben spielt. Sein Prinzip basiert auf sehr viel Bogen. Das ist genau das Gegenteil von Zakhar Brons Klangideal. Ich schätze beide Aurfassungen und mußte irgendwie eine eigene Richtung finden, weil ich vor Bron als Lehrer genauso viel Respekt habe wie vor Menuhin. Ich verdanke Bron fast alles an meinem Spiel, denn er hat es von Grund auf umgekrempelt. Wir haben ganz von vorne angefangen. Die russische Schule, die von Oistrach ausgeht, ist meiner Meinung nach die umfassendste. Bron ist fast wie ein Sport-Trainer. Man ist nach dem Unterricht immer völlig fertig, aber auch völlig sauber. Es ist ein sehr, sehr harter, aber erfolgreicher Prozeß.“

Ein Aspekt verdeutlicht exemplarisch Hopes Position zwischen zwei Stühlen: das Portamento, von Menuhin geliebt und meisterhaft beherrscht, von Bron kategorisch abgelehnt. „Das war der eine Punkt,“ erzählt er, „an dem ich manchmal mit Menuhin Probleme hatte, weil er, am Anfang wenigstens, darauf bestand, daß man fast jede Phrase mit Portamenri gestaltete. In romantischen Stücken war das nicht so ein Problem, aber bei Mozart oder Bach. Das Problem war, daß die Portamenti, die er haben wollte, nur er ausführen konnte, weil er Menuhin war, und wenn man eine Aufnahme von Menuhins Mozart hört, weiß man sofort, daß es Menuhin ist – wegen dieser Portamenti. Nur er konnte sie geschmackvoll spielen. Wenn jemand das nachmacht, hört man erstens, daß er versucht, wie Menuhin zu spielen, was sowieso niemand schafft, und zweitens paßt es auch nicht in seinen eigenen Stil. Insofern hatten wir oft ziemlich lebhafte Diskussionen über dieses Thema.“

Wichtiger noch als alle musikalischen Anregungen und tausend Tricks aus acht Jahrzehnten Bühnenerfahrung war für Hope Menuhins menschliches Vermächtnis, sein Respekt gegenüber dem Komponisten und seinem Werk, der in einer beispielhaften Bescheidenheit wurzelte. „Als er einmal darum gebeten wurde,“ erinnert sich Hope, „einen Grundsatz seines Lebens als Geiger, Musiker und Mensch zu formulieren, hat er gesagt; „ I know my place“. Das fand ich erstaunlich, daß jemand, der so wahnsinnig viel geschafft hat, trotzdem sagt: „Ich weiß, wo ich hingehöre“, und ich glaube, diese Bescheidenheit – daß ein Künstler sich völlig seiner Kunst aufopfern muß – hat er mir vermittelt. Und an noch einen Ausspruch von ihm erinnere ich mich. Er sagte, daß, wenn man etwas wirklich liebt, man dies jeden Tag tun müsse. Ein Vogel könne nie sagen: „Heute bin ich müde. Ich werde heute nicht fliegen. Das war Menuhin für mich.“

Ungefahr 60 Konzerte gaben sie gemeinsam, die großen Werke für Geige und Orchester, quer durch alle Epochen, von barock bis zeitgenössich. Das erste war 1991, das Konzert von Felix Mendelssohn Bartholdy: „Das war eine ganz große Hürde für mich, denn es war eines von Menuhins Paradestücken. Er ist berühmt dafür, nicht nur, weil er es so phantastisch gespielt hat, sondern auch, weil er nach dem Krieg mit Mendelssohn nach Deutschland zurückgekehrt ist. Es war natürlich sehr schwierig, das mit ihm zu spielen, aber er war unglaublich herzlich und hat mir sehr viele Tips gegeben. Ich besitze noch die Stimme, in die er seine Fingersätze und Notizen geschrieben hat, und jedesmal, wenn ich dieses Stück spiele, komme ich darauf zurück.“

Der letzte gemeinsame Aurtritt war zugleich Menuhins letzter überhaupt: Am 7. März 1999 spielte Hope in der Düsseldorfer Tonhalle die erste Sonate von Alfred Schnittke, Menuhin begleitete mit der Sinfonia Varsovia. Hope über den Dirigenten Menuhin: „Er verfügte zwar nicht immer über eine ausgefeilte Technik, aber er hatte eine genaue Vorstellung von dem, was er erreichen wollte, und es war ihm möglich, dies zu zeigen durch Sprache und durch Emotionen. Ich habe gelernt, seine Zeichen zu verstehen. Wenn er mich während eines Konzertes angeschaut hat, wußte ich, was falsch war, was er mir mit diesem Blick bedeuten wollte.“

Künstlerisch wird Daniel Hope das Loch, das sich nach dem plötzlichen Tod des Freundes vor ihm auftut, überwinden können. Dafür bürgt nicht nur die mittlerweile abgeschlossene Ausbildung bei Zakhar Bron, sondern auch die Tatsache, daß er im Netzwerk des internationalen Musikbetrieb längst Fuß gefaßt hat. Er arbeitete bereits mit Dirigenten wie Rostropovitch, Kent Nagano, Jeffrey Täte, Michel Plasson, Alexander Lazarev, Philippe Entremont und Hans Graf zusammen und spielte u. a. mit den Rundfunksinfonieorchestern aus Berlin, Wien, Madrid und Leipzig, dem Philharmonia und dem Royal Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden, dem Orchestre National du Capitole de Toulouse oder dem Orchestre de Chambre de Lausanne.

Das Programm seiner jüngst veröffentlichten Debüt-CD reflektiert einen wichtigen Schwerpunkt seiner interpretatorischen Tätigkeit: die Hinwendung zu und Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten. Zu Alfred Schnittke pflegte Hope, der seinen Zweitwohnsitz in Hamburg hat und fließend deutsch spricht, eine Art nachbarschaftlicher Beziehung. Gemeinsam überarbeiteten sie die Instrumentation seiner ersten Sonate dahingehend, daß der Cembalist gegen Ende des zweiten Satzes zu einem Flügel hinüberwechselt, um einen bestimmten Klangeffekt mit von Hand abgedämpften Saiten zu ermöglichen sowie eine bessere Balance mit der Geige zu gewährleisten. Toru Takemitsu lernte Hope 1995 in Gstaad kennen, als er dessen „Nostalghia“, ein einsätziges, dem Filmregisseur Andrei Tarkovskij gewidmetes Werk für Violine und Streicher, mit William Boughton und dem English Symphony Orchestra aufführte. Wenige Tage nachdem der Komponist ihre Darstellung gehört und als gänzlich seinen Vorstellungen entsprechend autorisiert hatte, nahmen sie es im Konzertsaal der Nimbus Foundation auf.

Hope steht noch mit mehreren anderen Komponisten in Kontakt: Cristöbal Halffter besucht er jedes Jahr auf seinem Schloß in Spanien und spielt auf seinem kleinen Festival. Mit Mitgliedern des von ihm gegründeten London International Quintet, das 1998 mit dem Ensemblepreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet wurde, wird Hope ein Klavierquartett von Jan Müller-Wieland aus der Taufe heben. Und das Huddersfield Festival für zeitgenössische Musik hat ihn gebeten, einen Kompositionsauftrag zu vergeben. Sein Wunschkandidat wäre HK Gruber, dessen zweites Konzert er letztes Jahr im Wiener Musikverein aufführte und der ihm damals spontan versprach, ein Werk für ihn zu schreiben.

Doch wird Grubers Terminkalender ein Einlösen dieses Versprechens wohl in näherer Zukunft nicht zulassen, so daß die Suche andauert. Eine zweite Platte soll möglichst noch in diesem Sommer aufgenommen werden. Fest steht bisher nur, daß es sich um ein Recital handeln wird. „Aber ich überlege,“ so Hope weiter, „nicht nur mit Klavier zu musizieren, sondern auch mit anderen Instrumenten, weil ich wegkommen möchte von dieser Standardvorstellung von einem Recital. Was das Programm betrifft, so verhandele ich zur Zeit noch intensiv mit Nimbus. Es gibt so viel Repertoire, das ich gerne aufnehmen möchte, auch so viel zeitgenössisches. Die Reaktion der englischen Presse auf mein Debüt war sehr positiv: Champion der zeitgenössischen Geige’ hat man mich da schon genannt. Solchen Komplimenten muß ich natürlich irgendwie gerecht werden.“

Aktuelle Informationen über Daniel Hope im Internet unter: www.danielhope.com

Alle Rechte vorbehalten. (c) Fono Forum, Mai 1999

Hope for the future
Gramophone Magazine, 28.05.1999

Michael Quinn meets up-and-coming violinist Daniel Hope

Daniel Hope first encountered Schnittke’s music at the age of 15. Now 24, he describes his subsequent and continuing relationship with the late Russian’s oeuvre as “a love-affair“. Not surprising, then, to find he has chosen two Schnittke works – the early Sonata for Violin and Chamber Orchestra and the late Concerto Grosso No. 6 – as the bedrock repertoire of his debut album for Nimbus.

“It is music of extraordinary passion written with extraordinary velocity, power and contrast. Listen to the Sonata, which starts out with a bleak, almost bland and pathetic sound world and then, at the flick of a switch, despite being deeply anti-romantic, explodes into amazing energy and passion. Just glorious stuff!“

At 15, it was, Hope remembers, “a tremendously affective piece; brilliant, wild, passionate. I’d never heard anything like it; it completely grabbed me. It was only later when I started looking at what was beneath its surface that I began to really appreciate it was much more than that.“

More than enough for the now older but still youthful violinist to regard the Schnittke of the early 1960s (when the original version of the Sonata was written), as being “way ahead of his Soviet contemporaries in terms of his musical ideas, certainly on a par with what was happening elsewhere in Europe.“ That may be less true of the 1967 orchestral version but Hope still considers Schnittke’s use of a harpsichord in the piece a radical rather than reactionary gesture.

“It was such a serialist piece in its original version – very dry, very angular – but the harpsichord’s anachronistic quality turns it into a more exciting work and led him, harmonically speaking at least, to go a step further, particularly in the third and fourth movements.“ For the recording, Hope substituted a modern piano for the harpsichord in those concluding movements, having first consulted the composer. “We tried it, he liked it, that was the end of the argument for me.“

The Concerto Grosso No. 6, a sparser, more concentrated piece than its title might imply, shows how far Schnittke had travelled musically in the intervening quarter of a century. Composed in 1993, during Hope’s four-year-long friendship with Schnittke, it was a work he also wanted to do for reasons other than the purely musical, his longtime accompanist, Simon Mulligan, being one of them. “I wanted him to be heard and the first violin-free movement of the Concerto certainly gives him that opportunity.“

The problem both men share with the William Boughton-led English Symphony Orchestra is, he admits, ‘how to interpret the music once you’ve learned how to play it. That’s a different matter altogether. You’re very free to do whatever you want; experiment with colours, play it romantically (which Schnittke wouldn’t have liked) or totally non-vibrato, totally dry. He leaves it up to you a lot of the time.

This generosity encouraged Hope to think more freely about what other works to include on the disc. Recorded in 1995, Takemitsu’s Nostalghia, a wistful tribute to the Russian film director, Tarkovsky – “and a very similar sound world harmonically and emotionally to the Berg Concerto“ – seemed an obvious choice, the decision to include Kurt Weill’s jazz-tempered Op.12 Concerto less so. ‘Having had three “heavy“ works, why not do something completely different? Its inclusion was deliberately perverse.

Not quite as perverse as Hope cheekily suggests, however. (He’s clearly too musically erudite and intuitive for reckless self-indulgence.) ‘The way the violin interacts with different instruments in it is a central “theme“ of the disc. For people to sit down and listen to Schnittke you have to make it open. Not “accessible“, that’s an awful word. You have to identify and be clear about certain aspects of the music because not everybody is going to have the inclination or the patience to sit and persevere if they don’t initially understand it. If things come out of it that maybe motivate people to listen to what they wouldn’t otherwise, then that’s a victory. Not for me, but for contemporary music.

Clearly a star for the future of the future!

© Gramophone, May 1999

He is young and “very British“
Klassik Radio, 25.06.1999

Daniel Hope…

“He always used to say that I fell into his lap“, says Hope of his mentor, Yehudi Menuhin. At the age of eleven the two musicians performed together for television; from 1991 onwards the violin instruction intensified. Hope misses his teacher and friend.

He knows, however, how much he learned from Menuhin, and attempts to convey this in his own concerts – and on his Debut CD, recently released by NIMBUS with works by Weill, Schnittke and Takemitsu. A sensational entrance into such a saturated CD market, so full of “easy listening“.

In interview Hope is as positive a character as his name suggests … one asks oneself: why are there such constant complaints about the lack of young talent able to carry on the work of “legends“ such as Menuhin.

They do exist. There is Hope. We have HOPE!



Print Interviews

2016


Hope speaks about Menuhin’s influence on his life and career
The Strad, 11.05.2016

Yehudi Menuhin always let the student find their own voice, says violinist Daniel Hope

Hope speaks about Menuhin’s influence on his life and Career

 

The following is an extract from The Strad’s Memories of Menuhin article, featuring interviews with friends, family and colleagues of the great violinist and published in the May 2016 issue – download on desktop computer or through The Strad App.

Yehudi Menuhin was the reason I became a violinist. Neither of my parents had a musical background, but my mother was Menuhin’s secretary for 24 years and my earliest memories are of being surrounded by music, particularly the violin – whether it was Menuhin playing or one of the many violinists who came to his house. He had a huge collection of musical memorabilia, including Paganini concert posters and portraits, and of course violins. So when I announced, aged four, that I wanted to be a violinist, my parents weren’t all that surprised. I remember hearing artists such as Robert Donington and Mstislav Rostropovich at Menuhin’s houses – I even recall trying to pull Slava’s cello spike out from under him while he rehearsed. I heard Menuhin play alongside Stéphane Grappelli and Ravi Shankar, for whom he had huge admiration, particularly for their ability to improvise, something with which he struggled. He was an inveterate learner as well as an inveterate teacher – constantly searching for answers to life and music. I encountered this side of him first hand after I’d started studying with Zakhar Bron. Menuhin wanted to know all about Bron’s teaching, and we talked for several hours, during which he asked me to play for hours – he’d jump in with fascinating insights, suggestions and comparisons.

While I was still studying with Bron, Menuhin said, ‘I can’t teach you myself because I don’t have the time; but if we go on the road together, I could coach you while we’re on tour.’ We gave around 60 concerts together and it was a very steep learning curve for me; I was the soloist while he conducted, and often he would literally instruct me on the concert platform. During one performance of the Beethoven Concerto, he beckoned to me at the end of the first movement and whispered, ‘At the start of the second movement, try beginning on the D string, not the A string,’ and I had to work out the fingerings then and there. It was as if he was playing vicariously through me, trying the experiments he’d perhaps have made if he were the soloist. At the end of the concert he might say, ‘Well, that wasn’t the best idea, was it?’ But it meant that every concert was certainly special.

Menuhin would always try to let the student find their own voice, but there were certain things that he believed very strongly. If you played the solo entry at the start of the Brahms Concerto in a wayward manner, he’d definitely object. I don’t mean that it had to be metronomic, but if you pulled it about too much, he’d put his foot down. On the other hand, if you came up with spontaneous suggestions, that might fire his imagination and he’d come back with even more ideas. In that sense, he was the most original musician I’ve ever met.

The complete Memories of Menuhin article, featuring contributions from Menuhin’s eldest daughter Zamira Menuhin Benthall, Menuhin School head of music Malcolm Singer, violinist Tasmin Little, Live Music Now founder Ian Stoutzker, Menuhin biographer Humphrey Burton, EMI Classics producer John Fraser and violin maker Joseph Curtin, is published in The Strad’s May 2016 issue

«Toll, kommen Sie nochmals!»
Neue Zürcher Zeitung , 14.04.2016

Daniel Hope spürt in Zürich geballte Energie – sie will er mit dem Kammerorchester nutzen

Ab Herbst wird das Zürcher Kammerorchester erstmals von einem Instrumentalsolisten geleitet. Der Stargeiger Daniel Hope will das Orchester international wieder etablieren.
Herr Hope, seit 25 Jahren touren Sie als gefeierter Violinvirtuose rund um die Welt. Warum kommen Sie nun ausgerechnet nach Zürich?
Ich habe eine sehr lange Verbindung zum Zürcher Kammerorchester. Ich bin quasi mit dem Klang dieses Orchesters gross geworden. 1975, noch als Kleinkind, habe ich das ZKO zum ersten Mal gehört. Meine Mutter, die Managerin von Yehudi Menuhin war, hat mich jeden Sommer nach Gstaad zu den Proben des Orchesters mitgenommen. Menuhin und das ZKO unter der Leitung des damaligen Chefdirigenten Edmond de Stoutz haben in Gstaad insgesamt fast hundert Konzerte gegeben, und etwa achtzig davon habe ich miterlebt.
Was bedeutet Ihnen das Zürcher Kammerorchester?
Es ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich habe mit dem ZKO unter Edmond de Stoutz, Howard Griffiths, Muhai Tang und Roger Norrington musiziert. Ich kenne also die ganze Geschichte dieses Orchesters mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner bisherigen Leiter. Es ist hochspannend, in dieser Situation nun meinen eigenen Input zu geben.
Wie beurteilen Sie die Qualität des ZKO?
Was mich immer überwältigt, ist sein Klang. Das ist für mich als Geiger das Wichtigste. Ich staune auch, wie sich der Klang im Lauf der Zeit gewandelt hat, angefangen beim satten, schönen Klang bei de Stoutz bis zum extrem reduzierten Klang bei Norrington. Nicht jedes Orchester ist so flexibel. Beim ZKO spielen extrem talentierte Vollblutmusiker, die das einfach können.
Wie kam es zum Vertrag?
Ich war hier 2014/15 Artist in Residence. Als Direktor Michael Bühler mich dann anfragte, als Nachfolger von Norrington die künstlerische Leitung zu übernehmen, habe ich keine Sekunde gezögert.
Roger Norrington war «Principal Conductor», Sie tragen nun den Titel «Music Director». Was ist der Unterschied?
Ich bin kein Dirigent und werde es auch nie sein. Ich bin Geiger und agiere von der Geige aus. Ich leite das Orchester vom ersten Pult aus, oder ich spiele als gewöhnlicher Geiger mit. Zudem laden wir natürlich auch Gastdirigenten ein. Was ich will, ist, Kammermusik im grossen Stil zu machen. Und das Orchester ist es gewohnt, ohne Dirigenten zu spielen.
Wie sieht die Rollenverteilung zwischen Ihnen und Konzertmeister Willi Zimmermann aus?
Willi Zimmermann ist ein sehr wichtiger Bestandteil dieses Ensembles. Es wird Programme geben, die ich als Solist leite, in denen aber Zimmermann als Konzertmeister beispielsweise eine ganze Sinfonie selber leiten wird. Es wird auch Programme geben, die Zimmermann in eigener Regie konzipiert. Wir sind ein tolles Gespann, und ich liebe es, mit ihm zusammen zu spielen. Dies gilt auch für die anderen Musiker, etwa den Cellisten Nicola Mosca oder den Cembalisten Naoki Kitaya, mit denen ich auch ausserhalb des Orchesters zusammen spiele.
Wie soll sich das Profil des Orchesters in den kommenden Jahren entwickeln?
Ich möchte, dass es sich internationalisiert. Das ist ein Teil meines Lebens; ich bin viel unterwegs. Meine Engagements bei Kammerorchestern werden künftig auf das ZKO gebündelt. Statt mit 20 oder 30 verschiedenen Kammerorchestern Konzerte zu machen, werde ich mit dem ZKO in Zürich und anderswo auftreten. Schon in diesem Sommer machen wir eine Residenz beim Schleswig-Holstein-Festival und spielen am Prague Festival, in Südkorea und in China. Ich möchte das Orchester auf der Weltbühne wieder neu etablieren, so wie dies zur Zeit von de Stoutz der Fall war.
Wie werden sich die Programme ändern?
Ich mische gern die verschiedenen Genres miteinander. Deshalb habe ich für die Saison 2016/17 Klaus Maria Brandauer als Artist in Residence angefragt. Auch das neue Format «Director’s Cut» folgt dieser Idee. Zudem ist das ein Gefäss, in dem ich ganz kurzfristig etwas programmieren kann. Da werden Gäste auftreten, die über Zürich etwas sagen können. Ich spüre, dass in dieser Stadt eine geballte Energie vorhanden ist, die ich nutzbar machen möchte.
Wie wollen Sie das ZKO neben den beiden grossen Orchestern – Tonhalle und Philharmonia – positionieren?
Wir sind in einer eigenen Nische. Wir konkurrieren nicht mit diesen Orchestern; das können wir schon vom Repertoire her gar nicht. Wir machen etwas ganz anderes. Ich möchte mit Freunden musizieren. Und ich möchte den Zürchern zeigen, dass die Kammermusik eine Musikform der Zukunft ist.
Glauben Sie, dass Sie neue, jüngere Publikumsschichten gewinnen können?
Daran arbeite ich von morgens bis abends. Dazu habe ich mehrere Bücher geschrieben. Ich produziere jede Woche eine Radiosendung für den WDR, in der ich über Musik spreche. Nach jedem Konzert kommen Menschen zu mir, die mir anvertrauen, dass sie zum ersten Mal in einem klassischen Konzert waren. Sie kamen, weil sie ein Buch von mir gelesen oder etwas von mir gehört haben. Dann sage ich immer: «Toll, kommen Sie nochmals!» Beim ZKO gibt es ein breit gestreutes Angebot an Formaten. Damit können wir ganz unterschiedliche Menschen erreichen.
Interview: Thomas Schacher

Kein Geiger der Welt kann ihn erreichen
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 30.03.2016

Daniel Hope über seinen Mentor Yehudi Menuhin, der vor 100 Jahren geboren wurde
Herr Hope, Yehudi Menuhin gilt als einer der größten Musiker des 20. Jahrhunderts. Was unterscheidet ihn denn eigentlich von anderen guten Geigern?
Natürlich gibt es ähnliche Musikerkarrieren, selbst wenn man bedenkt, dass Menuhin ein unglaubliches Wunderkind war. Aber was er nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht hat, ist einmalig: Auf der humanitären und sozialen Ebene hat er ungeheuer viel bewegt. Von vielen Dingen, die er angeregt hat, profitieren wir als Menschen und Musiker bis heute. Sein Vermächtnis ist gigantisch, selbst wenn man seine vielen tollen Aufnahmen gar nicht berücksichtigt. Er hat Musik für seine Ideale eingesetzt – und das Jahrzehnte, bevor andere das gewagt haben.

Sehen Sie heute, wo die Konfliktlinien ganz anders verlaufen als nach dem Krieg, Nachfolger von Menuhin, die noch in diesem Sinn arbeiten?
Ich finde, es fehlt drastisch an klassischen Musikern, die bereit sind, sich zu engagieren. Daniel Barenboim ist sicher jemand, der viel bewegt hat, auch wenn er einen ganz anderen Charakter hat als Menuhin. Er kämpft unermüdlich für die Versöhnung – in diesem Fall zwischen Israelis und Arabern. Das entspricht stark Menuhins Gedanken. Der ist 1945 nach Deutschland gekommen und hat für die Überlebenden von Bergen-Belsen gespielt. Andererseits hat er die damals heftig umstrittenen Konzerte mit Wilhelm Furtwängler gegeben, um den Deutschen die Hand zu reichen. Das war vom Grundgedanken seiner Zeit sehr weit voraus.

Glauben Sie denn, dass man mit klassischer Musik überhaupt noch eine Symbolkraft entfalten kann, die wirklich etwas bewegt?
Daran glaube ich fest. Wir haben die Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Natürlich kann Musik nicht die Welt verändern. Aber sie kann Menschen dazu bringen, zuzuhören und einen Dialog eröffnen. Gerade die klassische Musik zwingt die Zuhörer, über längere Zeit innezuhalten und über etwas nachzudenken. Deshalb darf man die Macht dieser Musik keinesfalls unterschätzen.

Sie waren schon als Kind im engen persönlichen Kontakt mit Menuhin. Wie kam es dazu?
In Südafrika war mein Vater, der Schriftsteller ist, ein entschiedener Apartheid-Gegner. Darum wurden wir auf eine schwarze List gesetzt. Meine Eltern haben sich damals entschlossen, das Angebot des Regimes anzunehmen, das Land innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Wir sind dann über Umwege nach Paris und letztendlich nach London gekommen. Dort haben meine Eltern irgendeine Arbeit gesucht. Schließlich ist meine Mutter jemandem begegnet, der jemanden kannte, der jemand kannte. Und der leitete eine ziemlich exklusive Arbeitsvermittlung. So konnte sie sich plötzlich zwei Teilzeitjobs aussuchen: Sekretärin des Erzbischofs von Canterbury oder von Yehudi Menuhin. Sie hat sich für Menuhin entschieden. Der Job sollte sechs Monate dauern. Er dauerte dann 24 Jahre.

Was hat das für Sie bedeutet?
Die ersten sieben, acht Jahre bin ich eigentlich in seinem Haus aufgewachsen. Dort war das Büro meiner Mutter, und sie hat mich jeden Tag mitgenommen. So hat sich unsere familiäre Beziehung entwickelt. Das Professionelle kam erst später, nachdem ich bereits begonnen hatte, bei Zakhar Bron Geige zu studieren. Menuhin wollte wissen, was Bronbewirken konnte und war positiv überrascht, dass ich die Geige so ernst genommen habe. Seither hat er mich unterrichtet – und zwar auf Tourneen: Er hat in mehr als 60 Konzerten auf der ganzen Welt dirigiert, und ich habe gespielt. Während dieser Zeit war ich auch in der Lage, etwas mehr von diesem Menschen zu verstehen. Er war eine Schlüsselfigur in meinem Leben, weil er sich politisch positioniert und mich immer ermutigt hat, eine Haltung zu haben.

Bei welchen Gelegenheiten haben Sie das zu spüren bekommen?
In den Neunzigerjahren haben wir zum Beispiel ein Konzert in Wunsiedel gespielt, wo damals das Grab von Rudolf Heß war. Um diese Zeit gab es dort gerade eine Versammlung von Neonazis. Bei unserer Ankunft sagte uns der Bürgermeister, es habe Drohungen gegeben und er rate uns, das Konzert abzusagen, weil er nicht für unsere Sicherheit garantieren könne. Ich werde nie vergessen, wie Menuhin darauf reagiert hat. Man hat ihn sehr selten wütend erlebt. Aber in dem Moment ist er regelrecht explodiert. Er hat gesagt, er werde niemals ein Konzert wegen so etwas absagen. Dann hat er sich zu mir umgedreht und gesagt, ich könne mich frei entscheiden. Natürlich habe ich dann auch gespielt. Das war ein Moment, in dem man ihn in seinem Element erleben konnte.

Die menschliche Größe von Menuhin ist kaum umstritten. Bei seinen geigerischen Fähigkeiten sieht das ganz anders
aus. Wie lautet Ihre Bestandsaufnahme?
Es gibt eine ganze Reihe von Aufnahmen, die bezeugen, dass wir es hier mit einem der besten Geiger der ganzen  Musikgeschichte zu tun haben: Das Elgar-Konzert unter Leitung des Komponisten, sein Schumann-Konzert mit John Barbirolli, sein Paganini-Konzert mit Pierre Monteux: Kein Geiger der Welt kann das nur ansatzweise erreichen. Es gab aber eine große Krise in Menuhins Leben. Danach musste er die Geige ganz neu lernen. Viele sagen, er ist dabei nicht auf das gleiche Niveau zurückgekommen. Ich sehe das nicht ganz so schwarz-weiß. Ich finde, es gibt auch fantastische Aufnahmen aus dieser Zeit, und ich habe ihn vor allem sehr oft live gehört: Das war fast bis zu seinem Tod unglaublich schön.

Sie sind kein großer Freund von Gedenkjahren. Was hat Sie jetzt bewegt, mit vielen Konzerten und einer CD an
Menuhin zu erinnern, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre?
Ich finde tatsächlich, man braucht keinen Anlass, um an große Musiker zu erinnern. Aber in diesem Fall sind 100 Jahre Menuhin auch 25 Jahre von mir. Da musste ich etwas machen. Die CD enthält meine persönlichen Erinnerungen an Menuhin. Ich versuche auch, die Arbeit seiner Initiative Live Music Now weiter zu unterstützen, die Musik zu Menschen bringt, die sonst keine Gelegenheit haben, so etwas zu hören. Ich habe während meines Studiums in Krankenhäusern und für schwerstbehinderte Kinder gespielt. Das sind Erinnerungen, die ich nie vergessen werde: Da sieht man, was man mit Musik bewirken kann.
Interview: Stefan Arndt

Daniel Hope ist 1973 in Südafrika geboren. Seine Eltern sind der Schriftsteller Christopher Hope und die Musikmanagerin Eleanor Hope-Klein. Er begann mit vier Jahren, Geige zu spielen. Seine Lehrer waren unter anderem Zakhar Bron und Yehudi Menuhin, der am 22. April 100 Jahre alt geworden wäre. Hope war von 2002 bis  2008 Mitglied des Beaux Arts Trios. Seine jüngste CD ” My Tribute to Yehudi Menuhin” ist bei Deutsche  Grammophon erschienen. Damit tritt Daniel Hope unter anderem am 14. April in Zürich, am 12. Mai in Tuttlingen, am  14. Mai in Dresden, am 16. Mai in Basel und am 17. Mai in Baden-Baden auf.



2015


«Yehudi Menuhin rettete meine Familie»
SonntagsBlick, 08.11.2015

Dem legendären Violin­virtuosen verdankt Daniel Hope alles, auch seine Karriere. Jetzt führt sie ihn nach Zürich.

Zeitungsinterview

LINK zu VIDEO

Tutti-magazine
Tutti-Magazine, 24.06.2015

Nous rencontrons le violoniste Daniel Hope lors de son bref passage à Paris le mois dernier. Tout juste arrivé de Suisse où il interprétait à la fois la version originale des Quatre saisons de Vivaldi et celle recomposée par Max Richter, il se préparait à jouer dès le lendemain, à Paris, le Concerto d’Elgar avec l’Orchestre Symphonique de la Garde républicaine. Un concert qui fera date pour les spectateurs rassemblés en la cathédrale Saint-Louis des Invalides le 25 juin, tant l’interprétation de Daniel Hope se hissait à des sommets de musicalité et d’engagement rarement atteints. Son “ex-Lipinski” faisant fi de la réverbération, portait de façon magique la moindre nuance avec une poésie et une maîtrise de chaque phrase. Un tel dialogue avec l’orchestre et le public est si intense et si rare qu’on se demande pourquoi la France n’accueille pas plus souvent cet interprète unique auquel la Fondation Européenne de la Culture “Pro Europa” vient tout juste de décerner le Prix Culturel Européen pour la Musique…

LINK

Le Son d’Hollywood
The Good Life, 05.06.2015

Le Son d’Hollywood – LINK

Das Vitamin zum Leben
Schleswig-Holstein am Sonntag, 31.05.2015

Welchen Stellenwert hat die Kammermusik für Sie? LINK



2014


Geigenforscher
Letzebuerger Journal, 12.12.2014

Russian magazine Music Life № 9. 2014
Music Life, 13.11.2014

Daniel Hope, explorateur de la mémoire
ResMusica, 29.09.2014

Le violoniste Daniel Hope peut s’enorgueillir d’un parcours impressionnant : membre du légendaire Beaux-Arts Trio, il a partagé la scène avec Yehudi Menuhin.

Ce musicien, virtuose de l’archet et des réseaux sociaux ne se contente pas des chevaux de bataille. Il recherche et il explore à l’image de l’indispensable DVD consacré aux musiques composées au camp de concentration de Terezín auquel un International Classical Music Awards (ICMA) 2014 a été décerné.

 

Le violoniste Daniel Hope peut s’enorgueillir d’un parcours impressionnant : membre du légendaire Beaux-Arts Trio, il a partagé la scène avec Yehudi Menuhin.

Ce musicien, virtuose de l’archet et des réseaux sociaux ne se contente pas des chevaux de bataille. Il recherche et il explore à l’image de l’indispensable DVD consacré aux musiques composées au camp de concentration de Terezín auquel un International Classical Music Awards (ICMA) 2014 a été décerné.

Interview par Pierre-Jean Tribot
ResMusica : Vous êtes à l’aise dans tous les répertoires du baroque au contemporain. Cette flexibilité stylistique est-elle l’ADN des musiciens du XXIe siècle ?
Daniel Hope : Chaque musicien est différent. J’aime envelopper tous les styles car j’aime la belle musique et les compositeurs composent de la belle musique depuis plus de 500 ans ! J’apprécie de jouer les musiques avec les meilleurs spécialistes de chaque époque. Cet aspect est très important pour moi car j’apprends d’eux. Je ne peux pas faire de généralisation, mais pour moi jouer des musiques baroques, classiques, romantiques, modernes ou contemporaines est important car je les aime !

RM : Vous avez remporté  un ICMA pour ce superbe documentaire consacré aux musiques composées à Terezín. Pouvez-vous nous expliquer l’origine de ce documentaire ?
DH : Je mène des recherches sur les musiques composées à Terezín depuis 15 ans. Je les ai déjà jouées à maintes reprises et même parfois déjà enregistrées. Lors de ces recherches, j’ai rencontré des survivants du camp de concentration. L’idée du film s’est développée tout naturellement comme une suite logique de ce travail de découverte et de recherche. Avec l’aide d’une fondation allemande, nous avons trouvé des fonds pour financer le documentaire. J’ai décidé de centrer la narration du film autour de deux musiciens qui ont survécu à Terezín : Alice Herz-Sommer et Coco Schuman. Cependant, mon souhait était de raconter l’histoire du camp à travers les yeux et la vie de ces musiciens. Il y avait déjà de nombreux et excellents documentaires sur le sujet, mais toujours centrées sur l’aspect purement historique. Je ne voulais pas refaire un documentaire historique, mais faire un documentaire musical. Je suis très heureux d’avoir pu mener à bien ce documentaire.

RM : Quel est votre lien personnel avec ces musiques ?
DH : J’ai découvert les musiques composées à Terezín par chance ! Je conduisais après un concert tout en écoutant la radio. J’entendis alors une musique absolument incroyable. J’ai naturellement attendu la désannonce : c’était un trio de Gideon Klein. Une pièce magistrale ! Ce fut le début d’un cheminement de 15 ans à travers ces musiques. J’ai aussi un lien personnel avec cette époque, ma famille maternelle, de confession juive, a du s’enfuir de l’Allemagne nazie pour se réfugier en Amérique ou en Afrique du Sud. Cependant, je ne connaissais pas l’histoire de cette musique avant de la découvrir par chance.

« J’ai découvert les musiques composées à Terezín par chance ! »

RM : Vous avez également conçu un concert mémoriel à Berlin autour de la Nuit de Cristal (8 novembre 2008). Ce travail de mémoire est-il un devoir pour un musicien ?
DH : Oui, mais je pense surtout que la mémoire est un devoir pour chacun d’entre nous en tant que citoyen. Pour un musicien, le devoir de mémoire est facilement réalisable car il nous suffit de jouer la musique de ces compositeurs pour la garder vivante. Il n’y a pas besoin non plus d’un concert commémoratif spécialement dédié, il nous suffit de programmer l’une ou l’autre pièce lors de nos concerts. Ce que je fais autant que possible car j’aime de tout cœur ces musiques. Cependant, le concert berlinois auquel vous faîtes allusion était une volonté politique de ma part car j’ai été profondément choqué que le gouvernement allemand ne propose aucune action pour commémorer la Nuit de Cristal.

RM : Vous avez enregistré une version recomposée des Quatre saisons de Vivaldi. Pourquoi ?
DH : Max Richter me disait qu’il était décontenancé par l’utilisation systématique de cette musique absolument n‘importe où ! Des messageries téléphoniques aux centres commerciaux en passant par les parkings et les ascenseurs ! Au fur et à mesure, il lui était impossible d’entendre la musique de Vivaldi, d’où cette idée de recomposer l’œuvre. Quand j’ai reçu son manuscrit j’ai été séduit par son respect et son amour pour Vivaldi. Il a su garder l’essence de l’esprit du compositeur pour la réintroduire dans sa recomposition. Vous savez, j’aime particulièrement jouer les deux versions lors d’un même concert.

RM : Vous êtes aussi un auteur de livre et l’un d’eux est même dédié aux catastrophes musicales [Toi, toi, toi!, Hambourg, 2011-non traduit à l’heure actuelle en français]. Quelle est la concept de ce projet ?
DH : J’ai écrit 3 livres et je travaille actuellement sur un quatrième. Cependant, pour ce livre, l’idée m’est venue suite à des conversations avec mes amis musiciens toujours prompts à raconter l’aventure ou l’évènement extraordinaire, inattendu et catastrophique qui venait de leur arriver sur scène. Le livre raconte, à travers l’histoire et les styles, de la renaissance au contemporain, tout ce qui est arrivé en termes de catastrophe(s) dans le monde de la musique et toutes ces histoires sont totalement véridiques !

RM : Quelles sont les personnalités qui ont marqué votre carrière artistique ?
DH : Tout d’abord Yehudi Menuhin ! J’ai joué à de nombreuses reprises avec lui. Ce fut une chance extraordinaire de le rencontrer et de partager avec lui des moments musicaux. Ensuite, il y a eu Menahem Pressler, à mon sens le plus grand musicien vivant. J’ai joué avec lui au sein du Beaux-Arts Trio de 2002 à 2008, ce fut une expérience magique. Enfin, je dois mentionner Zakhar Bron, mon professeur, un maître absolu du violon.

RM : Suite au succès du documentaire sur Terezín primé aux ICMA, avez-vous d’autres projets films ?
DH : Oui tout à fait, je publie cette rentrée un nouveau disque intitulé « Escape to Paradise » chez DGG. Il est centré sur des compositeurs européens exilés aux USA suite aux tensions en Europe dans les années 1930  et aux musiques cinématographiques qu’ils ont ensuite composées. Pour réaliser ce programme de cet enregistrement, je me suis rendu dans archives des studios de cinéma à Hollywood. J’ai rencontré Ronald Schoenberg, le fils d’Arnold Schoenberg et Walter Arlen, un compositeur d’origine autrichienne, qui a fuit l’Europe en 1939. J’ai déjà de la matière pour un nouveau documentaire, et je recherche actuellement des financements.

Musik hat überlebt
Augsburger Allgemeine Zeitung, 30.08.2014

Exil „Beide Urgroßväter haben im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft.“
Süddeutsche Zeitung (de), 25.08.2014

DANIEL HOPE ÜBER
Exil „Beide Urgroßväter haben im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft.“ „Das Letzte, was ich wollte, war Champagner trinken. Aber es gab kein Entrinnen…“ „Ich habe mir eine Zeitmaschine verschafft, damit ich die Musik besser verstehe.“ Zur Person

Interview: Gabriela Herpell

SZ: Sie sind in Südafrika geboren, in London aufgewachsen, leben in Wien. Wo gehören Sie hin?

Daniel Hope: Wenn ich meine Zugehörigkeit wirklich definieren müsste, würde ich mich wohl als Europäer bezeichnen. Aber meine ersten 20 Jahre habe ich in London verbracht, habe also die klassische englische Erziehung genossen. Ich spreche wie ein Brite, ich verfolge die englischen Nachrichten, gucke BBC, obwohl ich lange schon nicht mehr in London lebe.

In der deutschen Sprache gibt es das Wort Heimat, das sich auf ein reales Zuhause genauso beziehen kann wie auf ein geistiges.

In diesem Sinn wäre eben Europa und nicht England meine Heimat. Ich fühle mich genauso wohl in Deutschland, England oder Österreich – wo ich jetzt wohne – wie in Spanien oder Frankreich. Obwohl man natürlich auf große Unterschiede zwischen den Ländern trifft. Gerade das finde ich schön. Das fehlt mir in Amerika, so gern ich auch dort bin.

Das klingt fast zu vernünftig. Spüren Sie keine Zugehörigkeit durch die frühen Prägungen? Sie haben dieselben Fernsehserien geschaut, die gleichen Kinderbücher gelesen wie andere Engländer, nicht wie die Franzosen.

Ich habe in vielen Ländern gelebt und die jeweiligen Eigenarten schnell adaptiert. Ich habe in Lübeck studiert, das Norddeutsche ist mir sehr vertraut. Durch das erste Buch, das ich geschrieben habe, „Familienstücke“, habe ich die Verbindung zu Deutschland erst richtig wahrgenommen.

In dem Buch beschreiben Sie die Suche nach Ihren Urgroßeltern in Berlin. Was ist passiert?

Mein Großvater wurde Anfang 1934 von der SS in Berlin zusammengeschlagen. Er arbeitete am Deutschen Theater als Lichtregieassistent bei Max Reinhardt. Er hat sofort gewusst, was los war, hat seinen Koffer gepackt und Deutschland verlassen. Max Reinhardt sagte noch zu ihm, kommen Sie nach Hollywood, ich werde einen schönen Film machen. Den „Sommernachtstraum“. Mein Großvater sagte, dass er sich geehrt fühlte, aber so weit wie möglich weg wollte von Hitler. Hollywood hat ihm nicht gereicht, darum ging er nach Südafrika.

Ging er allein?

Seine Eltern haben nicht geglaubt, dass es so schlimm kommen würde. Seine Mutter ist 1939 in letzter Minute aus Deutschland weg. Mein Urgroßvater konnte sich nicht vorstellen, Deutschland zu verlassen, und nahm sich lieber das Leben, als das aufzugeben. Das Buch ist vor sechs Jahren erschienen. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem mein Leben nicht in irgendeiner Weise zu diesem Buch in Beziehung gesetzt wird.

Wie meinen Sie das?

Neulich, nach einem Konzert in Düsseldorf, stand mir ein Mann gegenüber, dessen Vater der Anwalt meiner Urgroßmutter war. Er ist im Buch erwähnt, aber ich kannte ihn nicht. Das stärkt natürlich meine deutschen Wurzeln sehr.

Haben Sie durch die Arbeit an dem Buch Heimat dazu gewonnen?

Eine seelische Heimat, genau. Ich kann die schmerzhaften Erfahrungen, die meine Familie gemacht hat, spüren. Seit 1930 sind in unserer Familie alle Exilanten. Ich verstehe jetzt, was das heißt. Und habe Frieden damit geschlossen. Ich freue mich, in Deutschland zu sein, in Deutschland zu spielen, in Deutschland Musik zu machen. Meine Urgroßeltern waren ja auch ungeheuer patriotisch.

Das macht die Geschichte besonders tragisch.

Beide Urgroßväter haben im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft, beide waren hochdekoriert und liebten die deutsche Musik, die Literatur. Sie haben sich mit dem Judentum gar nicht identifizieren können. Ihre Familien sind Mitte des 19.Jahrhunderts konvertiert. Allerdings geht unser Stammbaum zurück bis zum ersten Rabbiner von Potsdam. Dazu kommen irisch- römisch-katholische Vorfahren. Sie sehen, ich kann mich nur als Europäer fühlen.

Wenn man so viel unterwegs ist wie Sie, hat man nicht das Bedürfnis nach einem Platz, der so etwas wie eine Heimat ist?

Das ist im Prinzip Wien. Die Musikstadt. Ich liebe es, an den Häusern vorbeizugehen, in denen Mozart oder Dvořák oder sogar Vivaldi gelebt haben. Ständig an die Musik erinnert zu werden, die ich täglich spiele. Obwohl – seit wir ein Kind haben, seit acht Monaten also, ist meine Heimat bei ihm. Wir sind sehr viel zusammen gereist. Und er hat das sehr gut weggesteckt. Das wird nicht immer so bleiben.

Die Österreicher können auch ganz schön abweisend sein, oder erleben Sie das nicht?

Oh ja. Die Wiener sind speziell. Aber ich bin genauso direkt wie sie. Man darf sich nicht einschüchtern lassen.

Darf man in London auch nicht, oder?

Absolut nicht. Aber dort beruht die Distanz auf Zurückhaltung, nicht auf Konfrontation. In der U-Bahn in London sagt niemand etwas. Doch wenn man den Menschen näherkommt, stößt man auf eine sehr freundliche Welt. Die Engländer gehören zu den höflichsten Menschen überhaupt.

Glauben Sie eigentlich, dass man das Exilantentum in der DNA hat? Und dass Sie sich deshalb leicht anpassen können?

Ich glaube, dass der Krieg die Nachkommen derer, die geflohen sind, genauso nachhaltig geprägt hat und immer noch prägt wie die Nachkommen derer, die umgekommen sind oder die sich schuldig gemacht haben. Meine Mutter ist in Südafrika aufgewachsen, mit Englisch als Muttersprache. Deutsch wurde nie mehr gesprochen in der Familie. Über Deutschland wurde auch nicht mehr gesprochen. Dieser Teil der Vergangenheit existierte nicht.

In letzter Zeit haben Sie viele Konzerte mit Musik aus Theresienstadt gegeben.

Ich bin, zusammen mit den Sängern Anne Sofie von Otter und Christian Gerhaher, auch nach Theresienstadt gefahren, wir haben Zeitzeugen getroffen und einen Film dort gedreht. Wenn man sich nur vorstellt, was aus der Musik geworden wäre, wenn diese vielen jüdischen Musiker damals überlebt hätten… Es fehlt einfach eine ganze Musikrichtung im 20. Jahrhundert.

Sie selbst leben ja, weil Ihre Vorfahren geflohen sind und überlebt haben.

Genau. Nach den vielen Jahren, in denen ich die Musik der Menschen gespielt habe, denen die Flucht nicht geglückt ist, wollte ich mich mit der Kehrseite beschäftigen. Also fing ich an zu lesen, ich habe Klaus Manns Exilliteratur gelesen, besonders wichtig war natürlich „Escape to Life“. Ich habe Thomas Mann gelesen, Hanns Eisler, und ich flog nach Los Angeles, um mich mit der Schönberg-Familie zu treffen, die immer noch in Arnold Schönbergs Haus lebt. Ich habe sie besucht, es wurde Wiener Schnitzel serviert, Sachertorte und Kaffee mit Schlag. Da stand immer noch der Stuhl von Arnold Schönberg, auf dem er saß, wenn er unterrichtete. Ich hatte das Gefühl, im Los Angeles von 1940 zu sitzen. Und wieder spürte ich, was es heißt, sich im Exil zu befinden.

Wie lang recherchieren Sie für ein solches Album?

Zwei, drei Jahre. Es war eine sehr intensive Zeit. Ich habe mich durch die Archive der Paramount Studios gewühlt. Und mit Leuten aus der Zeit gesprochen, mit 95-Jährigen, die erzählt haben, was Los Angeles bedeutet hat damals.

Wer war dabei?

Walter Arlen. Er ist 94, Komponist, floh 1939 aus Wien nach Los Angeles und wurde dann Kritiker der Los Angeles Times. Er war in jedem Konzert, er kannte all die Komponisten, die auf dieser Platte sind, persönlich. Der Pianist Menahem Pressler wiederum kannte noch Franz Waxman, der 1934 aus Deutschland geflohen war und in Hollywood Filmmusiken komponierte. Ohne diese persönlichen Informationen hätte ich mich nicht getraut, die Musik aus der Zeit nachzuspielen. Ich habe mir eine Zeitmaschine verschafft, damit ich die Musik besser verstehe.

Was ist an der Musik schwer zu verstehen?

Es gibt so viele Vorurteile der Filmmusik gegenüber. Man hält sie für banal. Aber das könnte nicht weiter entfernt von der Wahrheit sein. Ich habe ja nicht „Fluch der Karibik“ oder „Transformers“ aufgenommen. Sondern wirklich die Musik aus jener Zeit. Und die Komponisten mussten diese Musik schreiben, um zu überleben. Dabei waren gerade sie damals musikalisch auf einem ganz anderen Weg.

Auf welchem Weg?

Weg von der großen Symphonie. Denken Sie nur an Schönberg. Oder Korngold. Sie empfanden sich als Vertreter der musikalischen Moderne. Aber die Studiobosse wollten die große Symphonie von ihnen, und so wurden sie festgehalten in ihrer Entwicklung. Der Tonfilm war neu. Man brauchte einen Soundtrack. Der Hollywoodklang der Dreißiger- und Vierzigerjahre kam im Grunde aus Europa, das finde ich so spannend. Korngold hat komponiert, um Geld zu verdienen, mit dem er seine Verwandten aus Europa nachholen konnte.

Waren die meisten der Filmkomponisten jüdische Emigranten aus Europa?

Nicht nur die. Die Instrumentalisten auch. Das vervollständigte natürlich den europäischen Klang. Die Studioorchester damals in Hollywood waren mit den besten Musikern besetzt, viele von ihnen europäische Juden. Wenn man ein Violinsolo von 1935, 36, 38 hört, ist das oft Toscha Seidel. Oder Louis Kaufman. Kaufman allerdings wurde in Amerika als Sohn rumänischer Juden geboren. Ein schlauer Hund. Er hat die „Vier Jahreszeiten“ wiederentdeckt und populär gemacht. Vivaldi war vollkommen in Vergessenheit geraten. Louis Kaufman spielte die „Vier Jahreszeiten“ mit dem Klavier ein und machte daraus einen Riesen-Schallplattenhit. Da ging das Vivaldi-Fieber los, in Hollywood.

Aber das ist eine andere Geschichte. Einer der bekannteren Komponisten auf Ihrem Album ist Erich Wolfgang Korngold, geboren in Wien. Er galt schon mit elf Jahren als Wunderkind.

Und er ist für mich die Schlüsselfigur hier. Ohne ihn sind viele Filmkomponisten gar nicht denkbar. Und sein Violinkonzert ist eine alte, große Liebe von mir, weil Jascha Heifetz das so unglaublich gespielt hat, für mich der größte Geiger. Auch er hat Hollywood ja sehr geprägt.

Perfektes Zusammenspiel, wie bei Glenn Gould und den Goldberg-Variationen?

So ähnlich, ja. Ich habe das Stück schon gespielt, weil ich es so liebte, aber nur für mich, privat. 25 Jahre lang. Jetzt bin ich älter geworden und etwas mutiger. Da dachte ich, ich fange mal an, es auf Konzerten zu spielen. Und habe gemerkt, wie genial dieses Stück ist. Wie es spiegelt, was in Korngolds Leben los war: die Zerrissenheit. Ihm war immer klar, dass er Musik für Filme genauso lang komponieren würde, wie Hitler an der Macht sein würde. Dann würde er anknüpfen an die Musik, die er vorher komponiert hatte. Das Violinkonzert sollte sein Comeback werden.

Sie spielen auf dem Album auch eine Filmmusik von Ennio Morricone, die Musik von „Schindlers Liste“ und die von „American Beauty“. Wie passt das zu Ihrem Konzept?

Mich hat interessiert, wie groß der Einfluss der emigrierten Musiker auf den Hollywood-Sound war. Da kam ich auf Alfred Newman, amerikanischer Jude aus Brooklyn, der als der Pate der Hollywoodmusik gilt. Er komponierte die Musik für „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Sturmhöhen“. Von ihm war es nicht weit zu seinem Sohn, Thomas Newman, der die Musik für „American Beauty“ komponiert hat, für mich eine der besten Filmmusiken überhaupt. So ging ich weiter, zu Ennio Morricone. Er war auch nach Amerika gegangen, zwar nicht im Krieg, sondern später. Aber er kam als unbekannter Orchestermusiker aus allerärmsten Verhältnissen. Und hat den Hollywoodklang ganz neu definiert.

Haben Sie ihn auch kennengelernt?

Ja, aber in einem anderen Zusammenhang. Das war hier, im Palace Hotel, ganz zufällig. Ist schon ein paar Jahre her. Hier steigen ja traditionell viele Musiker ab. Ich kam todmüde hier an, sah nur, dass nebenan der Raum voll mit Champagner trinkenden Menschen war. Das Letzte, was ich wollte, war Champagner trinken. Da stand auch schon Mstislaw Rostropowitsch vor mir, der russische Cellist, und sagte: „Mein Freund, komm rüber.“ Da gab es kein Entrinnen.

Sie haben doch Champagner getrunken.

Klar! Und er hat mich seinem Freund Ennio Morricone vorgestellt. Ich dachte, mein Gott, so was kann nur hier im Palace Hotel in München passieren. Dann hielt Rostropowitsch eine Rede, wie nur er sie halten kann, mit tausendmal zuprosten und anstoßen. Und sagte, mein großer Freund Morricone, ich freue mich jetzt schon darauf, dass du mir ein Cello-Konzert schreibst. Alle applaudierten. Es war klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis er das bekam. Denn er hat immer alles bekommen, was er wollte. Daniel Hope wurde am 17. August 1973 in Durban, Südafrika, geboren. Bald schon zog seine Familie nach Paris, dann nach London. Dort arbeitete seine Mutter bei Yehudi Menuhin. Der vierjährige Sohn begann, Violine zu spielen, und wurde später von Yehudi Menuhin unterrichtet. Mit elf führte Hope zusammen mit Menuhin Bartók-Duos für das Deutsche Fernsehen auf. Heute arbeitet er mit den großen internationalen Orchestern und Dirigenten, dirigiert viele Ensembles von der Geige aus und ist berühmt für seine Vielseitigkeit. So verbindet er oft Text und Musik, wie bei den Konzerten mit Musik aus Theresienstadt. In seinem Buch „Familienstücke“ (2007) ergründete er die Geschichte seiner Urgroßeltern in Berlin. Am 29. August erscheint sein neues Album: „Escape to Paradise – The Hollywood Album“.

So many strings to his bow…
www.stgeorgesbristol.co.uk/so-many-strings-to-his-bow/ (en), 18.08.2014

From bestselling albums and intoxicating live performances, to books, films and charitable projects, Daniel Hope is so much more than a violinist. His appearances at the Bristol Proms have left audiences breathless and charmed in equal measure, for Daniel’s exquisite skill with the violin is matched by his warm stage presence and ability to really connect with an audience. It is some twelve years since Daniel was last on stage at St George’s, so his return is long overdue; and it is in these interim years that the musician, writer, producer and activist has truly made his name.

In October St George’s becomes the focus of four nights of live broadcasts by BBC Radio 3 as the Brahms Experience unfolds. With concerts by Skampa Quartet, the BBC Singers and pianist Stephen Kovacevich, not to mention a sojourn to Colston Hall with the BBC National Orchestra of Wales, it’s a week-long celebration of one of classical music’s more misunderstood and underestimated composers. Brahms is so much more than a magnificent beard, or that lullaby…

Daniel’s contribution takes in one of Brahms’ closest friends and greatest muses, the violinist Joseph Joachim; with music by both, alongside works by Mendelssohn and Schumann.

We caught up with Daniel last month to discuss who Joseph Joachim was, why he’s so important to Brahms’ music and what audiences can expect from the concert in October.

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Daniel, we’re so looking forward to having you with us in October; when was the last time you performed at St George’s?

It was quite a while ago; it was with Paul Watkins and Philip Dukes, we did a Theresienstadt programme. This was probably twelve years ago… at least.

What can you tell us about this long awaited next visit?

It’s an homage to Joseph Joachim, who was the most instrumental and important violinist I think of the nineteenth century. He was somebody that, in so many ways, defined what the violin meant. Firstly he taught over five hundred students, he created the Royal Conservatory in Berlin; he famously introduced the young Brahms to the Schumann family and he was the one who rediscovered the Beethoven Violin Concerto. He made a very conscious decision, having studied Mendelssohn, when Mendelssohn died he moved in a sense to the other side, to Liszt – he became his concert master – and broke very famously with Liszt and crossed again to the other side and that was Schumann, Brahms and Dvořák, all of whom wrote violin concertos for him, including Max Bruch, and that’s why we have those concertos and we don’t have a violin concerto by Wagner, by Liszt. So he was really a forerunner in so many ways, his programming was exceptional; it was what we call ‘cutting edge’ nowadays, mixing genres, putting in symphonies next to chamber music, next to solo stuff, two hundred years before anybody else was doing it and he was a composer in his own right. So the concert looks at all these different influences; it looks at his composition, it looks at pieces that were written for him and it looks at his friends, so Mendelssohn, Brahms, Edvard Grieg…

But despite all of that, it’s a name that not many people would actually recognise? Is Joachim overlooked or forgotten?

I think, you know, at the end of the day it is composers whose names go down in history not interpreters, and that’s the way it is; and I think that’s the right thing because, you know, the composers write things that stay and we’re there to interpret them and share them. There was a time where everybody knew Joachim, but times have changed and his style of playing, his way of doing things I think fell out of fashion at the beginning of the twentieth century – even though he was the first violinist to actually record. There are rolls from 1904 of him, wax rolls, you can actually hear him, it’s amazing. So he was actually pretty advanced, but he belonged to the old guard and he was superseded by glittering violinists like Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin, Mischa Elman… It became more about the personality and the brilliance and the perfection, and less about the communication and the feeling of the music. So I think it was just time that took its toll on his name really. And yet there are so many hundreds of pieces that we have because of him, thanks to him.

And this concert is of course part of a five night celebration of Brahms… Is he a composer you enjoy performing?

I absolutely adore Brahms, I just couldn’t live without Brahms… I mean, his chamber music is just incredible; the piano quartets, the piano trios, the piano quintets, the sextets… where do you start and where do you stop? I just can’t get enough of it and I play a lot of his music; I’m touring two piano quartets next year. It’s got something which is so personal and so emotional, and yet it’s controlled as well; that’s the thing about Brahms, he’s a master of control and there’s just nothing quite like it. And, you know, Joachim was – for the most part of his life – his closest musical friend and they broke, split, and then at the end of their lives got back together and the present he gave Joachim was the Double Concerto. I mean what a present! So Joachim really accompanied his whole life and when Brahms thought of the violin, he was thinking of Joachim.

Do you think that Brahms is underestimated as a composer?

I think maybe he’s not everybody’s cup of tea, although he never was, funnily enough. Menahem Pressler, of the Beaux Art Trio, the pianist, he told me he went to play for Darius Milhaud back in the early forties and Mihaud asked him what he’d like to play. He said ‘I have some Debussy’ and Milhaud said ‘Great’, and then he said ‘I have some Brahms…’ and Mihaud said ‘Brahms?! Ha, that Beerhouse composer?!’ I’d never heard Brahms referred to as a Beerhouse composer, but there were people who thought he was unsophisticated and I think some of his works are overlooked; and yet look at the symphonies, look at the violin concerto, look at the piano concertos, to name a few.. incredible. He was such a perfectionist; it was once said that he threw a number of his works into the fire, apparently another four of five violin sonatas, cello sonatas, all the rest of it… he was never happy. But for me, if I had to really choose a genre it’s the chamber music; the chamber music is so incredibly broad, from the sonatas – violin, piano, cello sonatas – the clarinet trio, the horn trio, piano quartets, piano quintets… it’s one piece after the next, every single one is a masterpiece, every one, and that’s amazing.

You’re doing this concert with Sebastian Knauer, with whom you’ve worked a lot – are those kinds of ongoing collaborations important to you?

Very. I’ve worked with Sebastian for twenty years now, we’re very close friends and we travel a lot around the world and he’s a phenomenal pianist and a great musician, great partner. We devise these programmes ourselves, we sit down and work out what we want to do and how we want to do it. Particularly for Brahms you need to have a fine pianist, because these sonatas really the emphasis is on the piano; Brahms was a master pianist himself and so the piano in a sense controls the pieces. So you need to have somebody who has weight and who has real knowledge and also an empathy to it. Brahms was born in Hamburg and Sebastian comes from Hamburg as well; it’s a particular place and he feels very close to him, so I wouldn’t want to do this programme with anyone else.

St George’s of course has a fantastic acoustic; how important is a venue to your performance? Can it inspire you?

Absolutely, I mean there’s nothing nicer than when it all connects; the venue, the audience, the programme and the connection between the audience and what you get back from them – it’s a two-way conversation that’s going on. I do remember the concert we did at St George’s and I remember this magnificent acoustic, and it being very flattering for string players; you have this resonance there, but not too much, so the instruments can really sing and I think for this programme it will be just ideal.

You’re well known for a kind of ‘Musical Activism’… what other issues are out there which would benefit from a bit of musical activisim?

A lot, I mean where do you start? One thing that I think is fascinating and which is extremely important is music therapy, and what music can actually do… That’s not activism, that’s just helping, in a sense; disabled people, autistic children, senile people, alzheimers. It’s incredible the effect that music can have. People who literally don’t know anything anymore – who they are, who their loved ones are – will suddenly recite a song for you with perfect lyrics. There’s something about the connection between the brain and music which I think is amazing; the same with Autistic children, it’s had an incredibly beneficial effect on their peace of mind and on their development. So I think that’s something which needs to be pushed, actually; we need more soloists to get in on it and help and use their names to do things like that. I would link that to music education, as the next biggest problem around the world because it’s just been cut from most curriculums. So that’s a major thing that I spend a lot of time on, working for other children’s charities at children’s concerts or a number of different organisations within Europe that give instruments to kids, or give them the chance to come into contact with music – and not just classical music, music in general, music, dance, singing. Those sorts of things I’m involved with and I do a lot for the music of the composers that were murdered by the Nazis; for example, I made a film about Theresienstadt that came out last year and just this week I did a concert in Munich – a benefit concert – fundraising for families of these composers, to support them. The list is long and there are a lot of very worthy causes and I think it doesn’t take all that much actually to give a bit of help here and there.

And away from that, what’s coming next for you?

I’m about to launch a big new album for Deutsche Gramophon, it’s called Escape to Paradise and it’s about the composers who fled Europe and went to Hollywood and created the ‘Hollywood Sound’. It starts in fact before they were forced out, so it starts with the eleven year old Korngold, with bits of his Pantomime and then it goes into his Violin Concerto and then it goes into the film music of the thirties and forties, so there’s things like Ben-Hur, there’s Suspicion the Hitchcock film, then it also looks at Hanns Eisler and Kurt Weill and Franz Waxman, and I have a couple of very special guests on the album. Sting is singing a song by Hans Eisler and there’s a German chanson singer called Max Raabe who is singing a Kurt Weill song. So it’s a very broad mosaic of, in a sense, a search for the Hollywood Sound – where did it come from, and this whole European tradition which was forced out and created something very special. So that comes out in September and there’s lots of projects linked to that, touring, recording, writing, producing, filming… all sorts.

We understand you also play the Saxophone… are we likely to see you at St George’s doing a Sax recital any time soon?

(laughs) I did at some point, when I was about thirteen or fourteen. You wouldn’t want to hear it, put it that way!

Distant Drum
Classic Feel (en), 01.05.2014

While Daniel Hope was recently on a short visit to Cape Town, Lore Watterson caught up with this multifaceted artist and talked to him about the many different projects he is involved with, including A Distant Drum, which he is preparing together with his father (the South African author Christopher Hope). This portrays the musical history of a dark time for South Africa, but one lit by defiance, music, wit and style.

“I think any musician can learn an enormous amount from a great actor through the way they deliver a phrase, and he really manipulates his voice in the most extraordinary way”

Lore Watterson: You are celebrated in the media as a British violinist, looking at your history, how do you see yourself?

Daniel Hope: That’s a very good question actually. I see myself as European. Of course I’m South African born, so my soul is here, it always has been. But I spend so little time here, you know we left when I was a baby, I grew up in England so I sound English and I went to school there, so my earliest influences and musical abilities are all associated with London. But I’ve lived out of the UK for so many years. When I was 18 or 19 I went to Lübeck to study, and then to Hamburg. Then I went to Amsterdam, and now I live in Vienna so I’ve always had this peripatetic existence, but Europe is where I really feel at home. I don’t tend to differentiate between where that is, I just love Europe. I love travelling, I love coming back here and I love travelling to other places but my old soul is Europe. And certainly German-speaking Europe because, on my mother’s side, there is such a strong German connection.

LW: You have published books in German about a Jewish family living in Germany. Is it about your mother’s family?

DH: Yes, it was a very strong Jewish family going back to the 15th century in Potsdam and Berlin, and they converted to Christianity in the 19th century, as many did, and were fiercely patriotic Germans until the Nuremburg Gazette where they were no longer Germans. As a result they lost everything and had to flee, so most of them came to South Africa, some to America, but my grandmother came here.

LW: How important is the ‘Jewishness’ in your family?

DH: For me personally, it is very important because it’s at least half of my identity. On the other hand I’m an extremely unusual mixture; my father is Roman Catholic, my mother is Protestant, although she has this very strong Jewish background. On the Jewish side, in particular my mother’s family, and the first book I’ve written is about the family and the house in Berlin, which is a fascinating house and the story of what happened to this house. It took me on a journey to discover more of my Jewish roots and they go back so far, back to the first rabbi of Potsdam. We were actually related, so there’s no escape from my Jewish roots. I don’t identify myself as Jewish although I have great empathy towards the Jewish religion and to that genetic makeup in me.

LW: There are lovely traditions that are part of celebrations…

DH: Absolutely, and the music of course: the violin is one of the ultimate instruments. The whole idea of children singing with their mothers, the accompanying violin is always present. It’s something very close to the Jewish soul and I identify greatly with that.

LW: Besides writing, I see you’ve done some very interesting projects with Klaus Maria Brandauer, for example, you performed Dietrich Bonhoeffer’s letters together.

DH: They’re amazing, they are the letters from Aus der Haft as he was in the prison in Tegel and awaiting his execution. They are the most extraordinary documents, because on the one hand, they are the letters home to his family where he maintains this angelic reverence; and then there are his diaries where he speaks his feelings and his mind, which are of course terrifying. The juxtaposition of course with Brandauer, who is such a great actor, is that we do performances together where he will read and I will play, and the emotions within the letters and the diaries, I try to match in the music that I play. We have music and text, and we try to bring these genres together. There are moments where I will improvise to his voice, as his voice has the most amazing colours, and then there are moments of pure music and pure text. He is one of my closest friends, we’ve worked together for the last 15 years, and for me he’s one of the greatest actors in the world. I think any musician can learn an enormous amount from a great actor through the way they deliver a phrase, and he really manipulates his voice in the most extraordinary way.

LW: You did Goethe’s Faust as well? Of course Brandauer being such a famous Mephisto.

DH: Yes, we did, and the Soldier’s Tale of Stravinsky. We also did a wonderful evening called Böhmen liegt am Meer, which is a story of the Czech Republic from the middle ages up to present day, with texts by Czech poets and music by Dvořák and Janáček. We’ve also done a Don Juan evening together. We usually meet four or five times a year to do one or two projects. I admire him enormously and he was one of the first great actors I worked with, and the first one to try new forms of presentation and trying to find a hybrid. That’s actually why I’m here in Cape Town for this new project I’m doing with my father, which is also going to be a totally new form of music and visual presentation.

It’s a project for Carnegie Hall, they’re doing a big South African festival in October this year, which will be 18 or 19 days with an amazing collection of South African artists, musicians, dancers etc. They’re all being shipped over to Carnegie Hall. Carnegie came to me about a year ago and asked me to come up with something, whatever I wanted, as long as it was big. So the first person I called was my dad, and I told him it was time we did something together. I’ve always admired his writing and I’ve always wondered if there was a way for us to get together. He was thrilled at the idea, so I told him to come up with the story and then we’d piece it together from there. He came back and told me there was someone he wanted to write about, and that was Nat Nakaza. He was one of the great literary voices of the 60s. He was with Drum magazine, and was forced out of this country and went to New York, but he became disillusioned with America and killed himself. So my dad had always been fascinated by Nakaza’s story and wanted to find a way to tell the story. I was only too pleased and said I’d get the music together. I went to Carnegie Hall, they loved it. I told them I’d love to, in a sense, create a modern day South African soldier’s tale. You take the idea of a piece to be sung, danced, semi-staged, so it’s not music theatre, or an opera or a concert – it’s a tale that’s told and somehow illustrated with music. All of this based on Nat Nakaza. Carnegie took it like a shot, so I called Andrew Tracey and asked him to be a musical guide, as I needed help to get the sounds of that time. We decided we needed two actors, so we chose John Kani’s son, Atandwa Kani, who is very talented – he will play Nat Nakaza. The second actor is a fantastic young Afrikaans actor named Christiaan Schoombie and he will be the counterpart, almost like the devil quality. We have a wonderful theatre producer, Mannie Manim, and it will be played in Bloemfontein on the 13th and 14th of October this year, and the Carnegie Hall performance will be the 28th of October. After that I’d like it to go around the world as I think it has the potential to be something very special. I believe Nakaza is not as well known as he should be, perhaps even forgotten about, and yet his wit, energy, rhythm and take on life and apartheid was so singular. His humour and his restraint, was yet so biting. My father has written this beautiful, poignant, dramatic play, and it’s my job to bring these people together. I have some fantastic musicians as well, such as Jason Marsalis, brother of Wynton Marsalis, as well as a young French cellist, François Sarhan, who works a lot with Sting. So that’s the reason I’m here; My father turned 70 yesterday, and I’m meeting up with Mannie.

LW: Why did you choose Bloemfontein?

DH: We have an excellent director, Jerry Mofokeng, and one of his main gigs is at the theatre in Bloemfontein. Tom Morris, who also did War Horse, is very interested in taking it.

LW: I’ve interviewed a lot of musicians, and what I found very interesting about you is that you manage to do it with your music and you are breaking out doing other things as well. Is that something you feel, that you need different outlets other than playing the violin?

DH: Yes I do, and we were raised that way by my father, to always have an opinion. He encouraged us to write, and I started at the age of 14 or 15 (writing for school papers), and I quickly realised writing was an extension of music for me. When I made my first few CDs I interviewed the composers and wrote the booklet text, which at the time was very unusual. Early in my 20s I started the Theresienstadt Project (also known by its Czech name as Terezín), a garrison town 60 km north of Prague, the central collection point or ghetto for between 50 000 and 60 000 Czech Jews) and interviewing survivors. This all led to what I do now, I am now writing my fourth book, which is about composers who fled Europe and went to Hollywood. I’ve just completed a new album which is coming out at the end of the year, featuring those composers from the 1930s and 40s. I’m going to LA next month to interview some surviving composers from that time.

LW: When you were young, was it your desire to play an instrument, or your parents?

DH: Yes it was me. My parents didn’t know much about music other than that they loved it. We left South Africa because my father’s books were banned here, so we went to England. My father took teaching jobs to make ends meet, but we ran out of money. My mother had trained as a secretary in SA, and she went to an agency who had two job offers, one being the secretary to Yehudi Menuhin. It was meant to be just for six months but six months became 26 years, and so in a split second our lives changed. Had that not happened we’d be living in South Africa and things would be very different. So my mom would take me with her to work everyday, which was Yehudi’s house, and I would listen to the music all day, and not just Menuhin’s – it was the people who came there, like Ravi Shankar. At the age of four, it was probably not a great surprise when I said I’d like to be a violinist. My mom found a lady nearby who specialised in teaching young kids and I started with her and that’s what ignited that spark. Then when I was about 15, Menuhin took an interest as he realised I was actually serious about this. Then when I was 18, I realised I didn’t just want to be a violinist, I wanted to be a musician.

LW: …and so much more than ‘the British violinist Daniel Hope’. CF

Daniel Hope liebt die ganz besondere Schwingung
Westfälische Nachrichten, 21.02.2014

Steinfurt – Violinvirtuose Daniel Hope hat jetzt zweimal die Bearbeitung von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ von Max Richter in der Bagno-Konzertgalerie gespielt. Mit unserem Redaktionsmitglied Hans Lüttmann sprach er darüber.

Mr. Hope, Sie haben Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ einmal „eines der heiligsten Stücke der Musikgeschichte“ genannt. Was bedeutet das nun für einen Violinisten?
Daniel Hope: Dass er es wie kaum ein anderes Stück in- und auswendig kennt, ja, dass es sich sozusagen in sein Gehirn eingebrannt hat. Ich selber spiele es seit meinem achten Lebensjahr. Und eben hier im Bagno bei der Zugabe, wo wir das original Vivaldi-Presto aus dem Sommer gespielt haben, puh, da hatte ich echte Probleme, nicht wieder in die Richter-Komposition zu rutschen.

 

Als Max Richter Sie gefragt hat, ob Sie seine recomposed, also neu komponierte Fassung aufnehmen wollten, was bedeutete das?
Hope: Vor allem ganz viel üben. Was Richter da komponiert hat, ist zwar annähernd 90 Prozent Richter, aber oft liegt seine Komposition doch nur einen Hauch neben dem Original.
Eröffnet so ein Stück modern interpretierter Klassik eigentlich auch jungen Leuten den Zugang zu einer Musik, die sie oft als altbacken und verstaubt abtun?
Hope: Oh ja, wenn ich an eines unserer Konzerte neulich in London denke, da waren viele 25-, 30- und 35-Jährige, die diesen Vivaldi total toll fanden. Man muss dazu auch wissen, das Max Richter in England sehr populär ist.

Anders ist doch sicher auch dieser kleine Saal, der gerade mal 250 Zuhörern Platz bietet?
Hope: Aber das macht überhaupt keinen Unterschied; ich liebe diese kleinen Säle. Ich möchte natürlich die Carnegie Hall nicht missen, aber hier, wo ich schon zum ich glaube fünften Mal spiele, da spüre ich diese Vibes, ich weiß kein deutsches Wort dafür, diese ganz besondere Schwingung.
Etwas Besonderes klemmt da ja auch auf Ihrem Notenständer, ein Heft ist es nicht.
Hope: Nein, das ist ein iPad. Unten habe ich Fußpedale, mit denen ich die Noten weiterblättern kann. Eine wirklich tolle Sache, eine App für zweifünfzig, aber da stecken ganze Partituren drin.



2013


Neuer Film, neues Buch, neue CD
Die Welt, 23.08.2013

Schwerin – Stargeiger Daniel Hope ist unter die Filmemacher gegangen. Wieder eine neue Rolle für den 40-Jährigen.

Sein Publikum kennt ihn als herausragenden Interpreten klassischer wie neuer Musik, ferner als Buchautor, Moderator und Festival-Organisator. Der Dokumentarfilm, der im Herbst auf DVD erscheint und den Hope mitproduziert hat, erzählt die Geschichte des KZ Theresienstadt aus der Sicht zweier Überlebender.

Die beiden sind Musiker. Die inzwischen 109-jährige Pianistin Alice Herz-Sommer interviewte Hope in ihrer Londoner Wohnung, mit dem Jazz-Gitarristen Coco Schumann (89) fuhr er nach Theresienstadt. Dort war Schumann als junger Mann interniert, ehe er nach Auschwitz deportiert wurde. «Das war ein sehr groß angelegtes Projekt», erzählt Hope über den Film, bei dem Benedict Mirow Regie führte. Zum Projekt gehörte auch ein Konzert mit Musik aus Theresienstadt mit der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter in München. Die DVD soll in Schulen im Musik- und Geschichtsunterricht gezeigt werden.

Hope arbeitet zudem an einem neuen Buch, das nächstes Jahr erscheinen soll. Bisher hat der Brite zwei launige Bände über den klassischen Konzertbetrieb («Wann darf ich klatschen?») und über kleine und größere Katastrophen auf den Konzertpodien dieser Welt («toi toi toi») veröffentlicht. In «Familienstücke» erzählte er die Geschichte seiner weit verzweigten Vorfahren in Europa. Jetzt recherchiert Hope über Komponisten, die in den 1930er Jahren vor den Nazis flohen und in Hollywood landeten. «Dazu gehört auch ein CD-Projekt», sagt er. Mehr soll noch nicht verraten werden.

«Ich möchte gerne Neues erleben», bekennt Daniel Hope. Dafür gibt er anderes auf. So legt er in Kürze sein Amt als Künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern nieder, das er seit 2010 an der Seite von Intendant Matthias von Hülsen innehatte. Der Antritt des neuen Intendanten Markus Fein im Herbst 2013 ist für Hope der richtige Zeitpunkt. «Man ist im Sommer viel gebunden, wenn man bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern in der Planung engagiert ist», sagt er. «Die Festspiele sind ein Riesenbetrieb geworden.» Mehr als 100 Konzerte finden jährlich statt.

Der bestens vernetzte Musiker hatte seinerzeit den Auftrag erhalten, das Klassikfestival internationaler zu machen. Hope organisierte einen Brückenschlag nach Amerika, wo er seit zehn Jahren das Savannah Music Festival im US-Staat Georgia als Künstlerischer Direktor maßgeblich prägt. Eine Kooperation mit dem Lincoln Center und der Carnegie Hall-Academy in New York brachte junge und etablierte Spitzenkünstler aus den USA nach Mecklenburg-Vorpommern. «Es sind zwei völlig verschiedene Welten, die wollten wir zusammenbringen», erklärt Hope. Wunderbare Freundschaften seien entstanden. Ende August und Anfang September gibt es noch einmal drei Konzerte des «Lincoln-Center-Projekts» in Fürstenhagen, Kotelow und Schwerin.

Als Violinist bleibt Hope den Festspielen erhalten, versichert er. Sein Publikum würde ihn auch schmerzlich vermissen, man kennt sich seit 15 Jahren. 1998 gewann Hope mit dem London International Piano Trio den Ensemblepreis der Festspiele, 2006 war er der erste «Künstler in Residence». Eine Saison ohne den charmanten Rotschopf mit der immer höher werdenden Stirn ist für viele schlichtweg undenkbar. «Daniel Hope ist das künstlerische “Urgestein” unserer Festspiele», sagt Festivalgründer von Hülsen. «Er hat uns wie kein Zweiter als Preisträger, Preisträger in Residence und künstlerischer Direktor zu internationalem Profil verholfen.»

Seit er seinen Abschied aus der Führungsriege der Festspiele verkündete, habe er jeden Monat ein Angebot bekommen, ein neues Festival zu gründen oder eines zu übernehmen, erzählt Hope. Er hat sie aber alle ausgeschlagen. Das liegt einerseits an den vielen neuen musikalischen Projekten, die er vorhat. Dazu gehört ein Violinkonzert, das Gabriel Prokofjew, der Enkel von Sergej Prokofjew, für ihn komponiert. Andererseits wartet im Herbst eine Rolle auf ihn, die den Musiker, Organisator und Weltmann ganz neu herausfordern wird: Ende November wird Daniel Hope zum ersten Mal Vater.

Das Publikum wird oft unterschätzt
Süddeutsche, 04.10.2013

Der Geiger Daniel Hope gehört zu den interessantesten Künstlern seiner Generation. Ein Gespräch über Fleiß, Kommunikation und guten Rotwein

Von Florian J. Haamann

Daniel Hope gehört zu den wichtigen Namen der klassischen Musik. Nicht nur, weil er ein hervorragender Geiger ist, sondern auch, weil er ein charismatischer Botschafter seines Genres ist. Denn die Kommunikation mit den Hörern ist für ihn ein ganz wichtiger Teil seiner Arbeit. Egal ob im Internet, in Interviews oder während seiner Konzerte. In seinem aktuellen Album “Spheres” beschäftigt er sich mit der Idee der Sphärenmusik. Der antiken Vorstellung also, dass Himmelskörper bei ihren Bewegungen Töne produzieren, die einen für den Menschen unhörbaren harmonischen Gleichklang bilden. Am Wochenende gastiert er mit dem Münchner Orchester am Jakobsplatz in der Stadthalle Germering und präsentiert Ausschnitte aus seinem Album sowie eine von Max Richter bearbeitete Version von Vivaldis Vier Jahreszeiten.

Herr Hope, Sie haben einmal die klassische Musik mit einem Glas guten Rotweins verglichen. Was haben Sie denn damit gemeint?
Daniel Hope: Ich wurde damals gefragt, was der Unterschied zwischen Pop- und klassischer Musik ist. Und da habe ich, vielleicht etwas voreilig, die beiden mit Champagner und Rotwein verglichen. Für mich ist es so, dass der Champagner eben sofort wirkt, man bekommt einen leichten Rausch und nach ein paar Tagen oder schon am nächsten Morgen, weiß man nicht mehr genau wie er geschmeckt hat.

Und der Rotwein?
Bei einem tollen Rotwein ist es so, dass es manchmal sehr viel Zeit braucht, bis er schmeckt, bis man versteht, wie komplex er ist. Und wenn man einen wirklich ausgezeichneten Tropfen zu sich nimmt, dann kann es sein, dass man sich noch Jahre später genau an den Geschmack erinnert.

Was ist Ihnen eigentlich lieber? Ein gutes klassisches Konzert oder eine gute Flasche Rotwein zusammen mit Freunden?
Das ist wirklich schwierig. Natürlich ist die Musik für mich das Wichtigste. Aber Musik ohne Freundschaft und ohne eine gewisse Liebe ist auch unvorstellbar für mich. Und ich genieße die Gesellschaft von guten Freunden sehr. Dazu gehört es für mich auch, einen tollen Tropfen Wein zu verkosten. Aber selbst der beste Wein der Welt wäre nichts ohne Musik. Von daher ist für mich immer Musik an erster Stelle.

Setzen Sie sich auch mal zu Hause hin und hören eine CD, oder gehen Sie vor allem in klassische Konzerte?
Das mache ich wirklich wahnsinnig gerne. Nicht so oft, weil ich kaum zu Hause bin. Wenn ich aber tatsächlich mal den Luxus habe, daheim zu sein, dann gibt es für mich nichts Schöneres, als diese alten Aufnahmen. Insbesondere die ganz alten Geiger vom Anfang des 20. Jahrhunderts – und dabei einen wunderbaren Tropfen. Mehr geht nicht.

Erinnern Sie sich an die letzte CD, die Sie gehört haben?
Ich muss sagen ich bin etwas faul und auf MP3 umgestiegen, weil es so einfacher ist, meine gesamte Plattensammlung abzurufen, die Tausende CDs und Platten beinhaltet. Aber ich höre immer sehr gerne die großen Meister wie Fritz Kreisler, Adolf Busch, Mischa Elman und Jascha Heifetz. Also das sind für mich die Sternstunden.

Und auf Ihrem MP3-Player ist nur Klassik, oder auch etwas anderes?
Auf meinem Player ist einfach alles zu finden. Von Popmusik über indische Musik, Jazz, bis hin zu Neuerem, Experimentellem. Und natürlich auch Oldies. Wirklich bunt gemischt eben.

Gibt es auch aktuelle Popmusik, die Ihnen gefällt?
Das ist problematisch. Also es gibt einen sehr interessanten Künstler, den ich relativ oft höre: Devendra Banhart. Der macht eine Art von Popmusik, die ich interessant finde. Das bedeutet, er hat etwas zu sagen. Es ist nicht dieser massenproduzierte Pop, sondern bei ihm sind wirklich sehr viele Gedanken dahinter. Die Texte sind witzig, spritzig und er malt in musikalischen Farben, die mein Ohr aufhorchen lassen. Aus diesem Grund muss ich sagen, dass ich mehr Affinität zu den älteren Popmusikern habe, wie zum Beispiel Prince oder teilweise auch Sting, das ist die Art von Melodien, von Musikaufbau, der mir mehr zusagt als etwas, bei dem es einfach nur um Rhythmus und Klang geht.

Warum gibt es das in den jungen Generationen nicht mehr?
Ich weiß es nicht genau. Also beispielsweise ein Bob Dylan, der seiner Zeit einfach aus der Seele gesprochen hat, der fehlt heute. Manchmal, bei Künstlern wie Lady Gaga zum Beispiel, entdecke ich noch Seiten, die ich tatsächlich sehr spannend finde. Aber das meiste ist einfach im Studio so glattgebügelt, von der Stimme bis hin zur Instrumentierung, dass es mein Gehirn sozusagen völlig kalt lässt, und bei dieser Musik muss ich einfach sofort wegschalten, das kann ich nicht ertragen…

…dann hören Sie wahrscheinlich auch selten Radio?
Manchmal hört man vielleicht ein schönes Lied, aber dann geht’s gleich wieder daneben. Und damit ich dann nicht direkt einen Unfall baue, wechsle ich doch lieber den Sender.

Sie sprechen viel von Ihrer Liebe zur Musik. Wie definieren Sie eigentlich ihre Rolle als Musiker?
Es geht mir darum , die Musik dieser gigantischen Komponisten weiterzugeben, ihre Gedanken für das Publikum zu übersetzen. Und dabei einfach zu wissen, dass wir als Interpreten ganz klein gegen einen Mozart oder einen Beethoven sind. Lächerlich klein sozusagen. Aus diesem Grund ist es extrem gefährlich, sich als Interpret zu ernst zu nehmen. Wir haben eine Rolle und wir haben eine eigene Persönlichkeit, das muss natürlich rüber kommen. Aber das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, diese Musik lebendig zu machen.

Ist das klassische Konzert, bei dem ein Musiker im Mittelpunkt steht, dann überhaupt die richtige Form, um Musik zu vermitteln?
Ich denke schon. Man muss die Leute erst einmal in den Saal locken und dort muss man sie dann abholen, sie ein bisschen bei der Hand nehmen. Ich tue das, indem ich meistens ein Programm gestalte, von dem ich das Gefühl habe, dass es eine Geschichte erzählt. Bei Konzerten erzähle ich manchmal etwas über die Stücke, bevor oder während ich sie spiele. Damit das Publikum merkt, dass da mehr dahinter ist, als nur die Musik. Das Publikum wird meines Erachtens nach viel zu oft unterschätzt und man müsste ihm manchmal mehr bieten, als wir es tun.

Was den Publikumskontakt angeht, gehören Sie zu den besonders aktiven klassischen Musikern. Würden Sie sich in dieser Beziehung mehr Kollegen an Ihrer Seite wünschen?
Das ist ein schwieriges Thema. Ich verstehe meine sehr geschätzten Kollegen, die sagen: “Nein, das ist nicht mein Ding. Ich spüre Musik anders, ich möchte sie spielen und nicht darüber sprechen.” Das muss man akzeptieren und respektieren. Trotzdem es gibt Künstler, die das wirklich toll können, und ich finde, dass die, die bereit sind diesen Weg zu gehen, noch viel aktiver und energischer sein müssten. Weil man einfach sieht, was für eine Resonanz und was für ein enormer Austausch da stattfindet.

Wie könnte man denn mehr Künstler dazu bringen?
Ich finde, man müsste jungen Künstlern von vorneherein beibringen, wie man mit dem Publikum kommuniziert. Ob sie das dann einsetzen, ist deren Sache. Aber sie sollten wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Da geht es nicht nur darum, zu moderieren oder zu sprechen, sondern auch, Konzertserien zu planen oder ein kleines Festival zu gründen. Oder einfach mal über Programmierung nachzudenken. Wenn sie zurückgehen ins 19. Jahrhundert und sich Josef Joachim, Johannes Brahms oder Felix Mendelssohn anschauen: Was die für Programme konzipiert haben, ist der Wahnsinn. Heutzutage sind wir weit davon entfernt, so erfinderisch zu sein wie diese Künstler damals. Natürlich muss das Technische dabei immer an erster Stelle bleiben.

Sie selbst überraschen ständig mit neuen Projekten. Sind Sie eigentlich ein Mensch, der schnell das Interesse an alten Dingen verliert, oder haben Sie einfach eine unstillbare kindliche Neugier?
Ich sage immer, ich leide an einer Überdosis kreativer Ideen. Mein Problem ist, dass ich überall Dinge finde, die mich neugierig machen. Und das geht eigentlich immer über meine Ohren. Ich höre etwas und dann entstehen Ideen, Projekte, Konzepte in meinem Kopf, und wenn ich mich ihnen widme, dann entsteht nicht nur ein Konzert, sondern ein ganzes Programm, ein Projekt. Manchmal trage ich diese Ideen jahrelang mit mir herum.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Das Spheres-Projekt hatte ich im Kopf, seit ich acht oder neun bin. Nicht in dieser Art und Weise natürlich, aber die Idee mit den Planeten, der Musik, den Sternen. Trotzdem habe ich über 25 Jahre darüber nachgedacht, bis ich irgendwann eine BBC-Radiosendung gehört habe, in der Wissenschaftler darüber gestritten haben, ob es dieses Phänomen überhaupt gibt und wenn ja, wie man es beweisen könnte. Und plötzlich hatte ich die Idee, Stücke zusammenzubauen, die einen sozusagen anderswohin transportieren. Sie sehen, ich verliere das Interesse nicht schnell, ganz im Gegenteil. Es dauert manchmal wahnsinnig lange – und dann lasse ich nicht mehr los.

Wie war das denn damals in der Schule mit Ihrem kreativen Überschuss?
Das war ein Desaster für mich! Ich habe die Lehrer, meine Freunde und meine Eltern in den absoluten Wahnsinn getrieben. Ich wollte immer alles sofort wissen und verstehen. Und so bin ich noch heute. Wenn ich merke, ich kann etwas nicht wirklich gut, dann lasse ich es lieber. Das ist mir geblieben: dieses Ehrgeizige, diese Entdeckerseite.

Hat sich Ihr Verhalten in der musikalischen Ausbildung geändert?
Das war sehr interessant. Als ich angefangen habe, richtig Geige zu lernen, habe ich gemerkt, wie weit ich von anderen Geigern in meinem Alter entfernt war. Ich habe verstanden, dass ich richtig hart arbeiten muss, um auf dieses Niveau zu kommen. Das war eine komplette Umstellung meiner Gedanken, und das war gut so. Weil mich das zurück auf den Teppich gebracht hat, den Teppich der Realität. An dem ich bis heute klebe. Das heißt, ohne tägliche Übung ist es für mich nicht machbar.

Wie lange üben Sie denn am Tag?
Wenn ich die Chance habe, sechs Stunden. Und wenn ich das nicht schaffe, was natürlich beim Reisen sehr oft passiert, dann sind es mindestens vier Stunden. Aber ohne das ist es einfach nicht machbar, ein Berg-Violinkonzert, ein Strawinski-Violinkonzert oder einen Schostakowitsch zu bringen. Auf der Geige wird dir kein einziger falscher Ton verziehen. Dann steht es gleich in den Zeitungen und ist am nächsten Tag bei Youtube zu sehen und wird kommentiert von Menschen, die auf einmal die besten Kritiker sind.

Sie sind also jemand, der sehr hart und intensiv arbeitet. Wie war das bei Ihrem aktuellen Album?
Ich habe mich an den Computer gesetzt und angefangen zu recherchieren. Welche Stücke könnte man für eine sphärische CD verwenden? Schnell hatte ich ungefähr 3500 zusammen und mir war klar, dass das niemals auf eine CD passt. Also habe ich alles verworfen und mir einen neuen Ansatz überlegt.

Und zwar?
Ich habe darüber nachgedacht, ob es möglich wäre, in relativer kurzer Zeit Komponisten zu beauftragen, etwas zu schreiben. Dann habe ich mich hingesetzt, mir Komponisten angehört und die ersten Anfragen gestartet. Und plötzlich war da die Idee einer Reise mit kürzeren Stücke, Mosaiksteinchen quasi. Zusätzliche habe ich dann Stücke genommen, die es schon gab und von denen ich das Gefühl hatte, sie treffen die Idee von außerweltlicher Musik. Das ist natürlich immer eine ganz persönliche Idee. Es mag Leute geben, die sagen, das alles hat mit Sphärenmusik nichts zu tun. Für mich hat es das.

Was war für Sie besonders wichtig bei der Konzeption des Albums?
Die Dramaturgie. Wie ein Stück ins andere übergeht, wie die Tonart ist, wie es sich verändert. Ich versuche, den Hörer dazu zu bringen, dass er auf diese Reise mitgeht. So habe ich alles über lange, lange Zeit immer wieder zusammengepuzzelt.

Haben Sie aus der Beschäftigung mit diesem Thema auch eine persönliche Erkenntnis gezogen?
Der Kern dieses ganzen Prinzips ist für mich folgender: Was Musik ist, kann man nicht messen, nicht beschreiben. Die Emotionen, die sie aus den Leuten herauskitzelt. Dennoch, so die mathematische Aussage, ist die Schwingung berechenbar. Dieser Gegensatz fasziniert mich. Und er zeigt mir, dass die Musik über allem steht.

Am Wochenende spielen Sie gemeinsam mit dem Orchester Jakobsplatz aus München. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
Ich bin schon vor einiger Zeit auf dieses Orchester aufmerksam geworden, weil die Programme, die es gemacht hat, in meinen Augen sehr spannend waren. Und ich habe nach einem Orchester gesucht, das Zeit und Lust hätte, das Projekt zu machen. Dann haben wir das zusammen geprobt und im März in München zum ersten Mal gespielt. Das hat große Freude gemacht. Und daraus ist die Idee einer weiteren Aufführung gekommen.

Wie würden Sie das Orchester beschreiben?
Ich finde, der Zugang zum Repertoire ist etwas, was das Orchester ausmacht. Der Chefdirigent Daniel Grossmann macht das in meinen Augen sehr gut, indem er verschiedene Musikepochen miteinander kombiniert und natürlich auch indem er das Repertoire mit dem Jüdischen verbindet. Außerdem finde ich, dass es ein sehr energiegeladenes Ensemble ist, das aus sehr guten Musikern besteht. Solche Kammerorchester mag ich einfach gerne, mit denen man offen kommunizieren kann.

Haben Sie eigentlich schon einmal in der Stadthalle Germering gespielt?
Nein, noch nie. Es ist immer schön, nach so langer Zeit – ich stehe seit 25 Jahren auf der Bühne – noch eine neue Stadt entdecken zu dürfen, eine neue Halle, ein neues Publikum. Das ist wunderbar. Es gefällt mir, dass ich mit 40 Jahren sozusagen noch mein Debüt geben kann.

Aber bestimmt haben Sie sich schon umgehört, wie die Akustik ist.
Ich habe tatsächlich schon seit langem immer wieder von diesem Saal gehört. Die Leute haben ihn mir sehr ans Herz gelegt, nur leider hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit dort zu spielen. Deswegen freue ich mich sehr auf das Konzert.



2012


Der Druck auf junge Künstler wächst
Lëtzebuerger Journal, Luxemburg, 21.06.2012

Star-Violinist Daniel Hope im “Journal” Gespräch

Artikel

Festival international de musique Rencontre avec Daniel Hope – Soliste et chef d’orchestre
DNA.fr, 05.07.2012

Le chef d’orchestre Daniel Hope participait hier pour la 3 e fois au festival international de musique de Colmar
Au 2 e jour du festival international de musique, le Britannique Daniel Hope dirigeait l’orchestre de chambre de Stuttgart, hier soir, à l’église St-Matthieu. Réputé être un des meilleurs violonistes du monde, il se produisait également en tant que soliste.
Le musicien présente sa vision de la musique et du festival, auquel il participe pour la troisième fois. Sa première apparition au festival colmarien date de 1993, lors de l’hommage à Yehudi Menuhin, il avait 19 ans.
Pourquoi avez-vous tenu à participer à ce festival hommage à Karl Münchinger ?
http://www.dna.fr/edition-de-colmar/2012/07/05/soliste-et-chef-de-orchestre
J’ai accepté l’invitation, d’abord parce que c’est un festival que j’adore. C’est une telle expérience en tant que musicien. Il y a une combinaison entre le lieu magique, les bons musiciens et le sérieux de la programmation.
Ensuite l’hommage à Karl Münchinger me touche car j’ai déjà joué de nombreuses fois avec l’orchestre de chambre de Stuttgart (Ndlr : orchestre créé en 1945 par Karl Münchinger, et dirigé par lui-même jusqu’en 1988).

Aviez-vous déjà eu l’occasion d’entendre Münchinger en direct ?
Malheureusement non, je ne l’ai entendu que sur CD. Mais certains des musiciens de l’orchestre de chambre de Stuttgart en font partie depuis 30 ans et connaissaient Münchinger. Et ils m’ont raconté tellement d’histoire sur lui que j’ai l’impression de le connaître.
Pour ce concert, vous étiez chef d’orchestre mais également soliste.Comment est-ce que vous arrivez à combiner les deux en même temps ?
En fait je n’étais pas chef d’orchestre à proprement dit. Je n’avais pas de baguette, juste mon violon et mon archer, et je dirigeais avec mon violon. On joue tous ensemble. On communique beaucoup avec les yeux, mais surtout avec les oreilles. Et puis on est plus rapprochés les uns des autres.

Comme une fontaine de jouvence
Pendant le festival, vous jouez les morceaux de compositeurs réputés comme Bach, Mendelssohn ou encore Vivaldi, en hommage à un autre musicien qui les a joués. Est-ce qu’il reste de la place pour votre touche personnelle ?
C’est vrai qu’il s’agit de la musique de compositeurs extraordinaires. Elle existe depuis 200 ou 300 ans mais malgré tout, on peut toujours la redécouvrir, il y a parfois des surprises.
C’est un peu comme une fontaine de jouvence, qui fournit toujours de nouvelles inspirations. Par exemple à l’époque de Bach, les morceaux se jouaient plus lentement, avec des gros sons, très romantiques. Aujourd’hui la façon de jouer est différente, plus rapide et légère. Mais ce n’est pas moins bien. En musique il n’y a pas de bien ou de mal, seulement des regards différents.

Die erste Geige
Mercedes Magazin , 15.07.2012

Daniel Hope ist ein begnadeter Violinist mit missionarischem Eifer: Als Musiker,
Autor und auch als künstlerischer Leiter der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern
setzt er sich dafür ein, den Menschen die klassische Musik näherzubringen.

Interview: susanne benda   LINK



2011


History’s most influential violinist?
Time Out, 02.03.2011

Le violon romantique de Daniel Hope
Le Soir, Belgium, 16.03.2011

Daniel Hope et le violoniste du moment.

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Le Violon romantique de Daniel Hope
Le Soir, 16.03.2011

Entretien Daniel Hope est le violoniste du moment. Il accompagne l’Orchestre national de Belgique en tournée en Allemagne. Il consacre un album à Joseph Joachim. Et il joue ces vendredi et dimanche à Bruxelles.

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Il a reçu le Prix Caecilia pour son enregistrement de la version originale du concerto pour violon de Mendelssohn. Il publie un CD consacré à la personnalité de Joseph Joachim (DG). Il accompagne l’Orchestre national de Belgique (ONB) dans sa tournée allemande en avril. Et il joue le concerto de Max Bruch à Bruxelles ce week-end. Le violoniste Daniel Hope est le musicien du moment.

Votre parcours est très original.
J’aime faire des choses très différentes. C’est vrai que je ne suis pas le prototype des élèves de Zakhar Bron, mais j’ai pour lui une profonde gratitude car il a, comme personne, la capacité de vous ouvrir aux contraintes physiques et techniques qui vous attendent dans votre carrière. Et ensuite, j’ai joué six ans et demi avec le Beaux Arts Trio dont j’ai été le dernier violoniste : une cohabitation quotidienne avec Haydn, Beethoven, Schubert, Brahms et le bonheur de faire de la musique de chambre avec Menahem Pressler.

Pourquoi consacrez-vous un disque entier à Joachim ?
Parce que c’est un immense violoniste et un visionnaire. À une époque où triomphent les acrobaties à la Paganini, Joachim, lui, s’intéresse aux sonates de Bach. Il programme des concerts inédits : Bach au violon, Beethoven ou Brahms au piano, des sonates pour les deux instruments et, ensuite, un quatuor à cordes. C’est la musique à l’état pur

Est-il vraiment l’homme des grands classiques ?
Dès ses débuts. À 12 ans, il joue le concerto de Beethoven avec Mendelssohn à Londres. Il côtoie tout ce que l’Allemagne compte de compositeurs et, à un moment, choisi Brahms et Schumann par rapport à Liszt et Wagner. Et il inspirera quasiment tous les grands concertos : ceux de Brahms, mais aussi ceux de Dvorak ou de Max Bruch. Mais c’était aussi le premier grand soliste romantique : non pas au sens de l’exubérance fatale d’un ténébreux ravagé mais comme l’expression la plus intense de ce que l’on a de plus fort en soi.

Joachim effectuait ses propres transcriptions, notamment des « Danses hongroises » de Brahms.
Joachim adorait réaliser des transcriptions : je trouvais donc normal de lui en offrir une dans ce disque d’hommage. J’ai donc transcrit un lied de Schubert. Jeune, j’écoutais en boucle son enregistrement de trois Danses hongroises de Brahms. Mais pour ce disque, j’ai préféré un accompagnement de cordes parce que je trouve que l’on y retrouve davantage l’esprit hongrois qu’avec le seul piano. Joachim se sentait profondément hongrois. Au seuil de la mort, il a demandé qu’on lui joue des czardas.

Quand on entend votre attaque du premier concerto de Bruch, on est frappé par le souffle et le sens de grande ligne de votre interprétation. C’est cela l’héritage de Joachim ?
Bruch ouvre un grand champ de vision. Dès son entrée, le violon crée les fondements de la pièce et on le suit dans la ferveur, sachant que l’on a besoin d’espace. La grande ligne soutient tout l’édifice. Vous ne savez pas encore où conduit ce chemin mais vous percevez que vous allez au-devant de découvertes. Je trouve cela fascinant. On sait que Joachim a participé de très prêt à l’écriture violonistique de ce concerto, comme ce fut également le cas pour Dvorak et Brahms.

C’est ce concerto que vous allez jouer en tournée avec l’ONB. Connaissez-vous l’orchestre ?
Je n’ai jamais joué avec lui mais je le connais bien car j’étais dans le jury de l’épreuve finale du Concours Reine Elisabeth et j’ai été impressionné par leur concentration et leur endurance. Ce fut un superbe travail.

Romantik begeistert die Jugend
Düsseldorfer WZ, 09.04.2011

Der Violinist Daniel Hope widmet sich dem Musiker Joseph Joachim und findet ihn modern.

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Eine Welt ohne Klassik wäre tödlich
Aargauer Zeitung, 28.04.2011

Intervew alässlich derKonzerttournee in der Schwez im April 2011

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Musik ist stärker als Worte
Hannoversche Allgemeine, 08.09.2011

Wie klingt der 11. September? Ein Gespräch mit dem Geiger Daniel Hope überverstummte Komponisten, zukünftige Komponisten und Joseph Joachim in Hannover.

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Musik ist stärker als Worte
Hannoversche Allgemeine, 08.09.2011

Wie klingt der 11. September? Ein Gespräch mit dem Geiger Daniel Hope überverstummte Komponisten, zukünftige Komponisten und Joseph Joachim in Hannover.

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Mecklenburg-Vorpommern Festival and its memorial concert for the victims of 9/11
BBC / Classical-Music.com, 08.09.2011

The violinist and artistic director of the Mecklenburg-Vorpommern Festival (Festival MV) talks about this year’s programme and its memorial concert for the victims of 9/11

Violinist Daniel Hope met the director of Festival MV when he was just eight years old. Since then, Hope has been one of the festival’s prize-winners and closely connected with the event throughout its 22-year history. Now in his first year as artistic director, Hope talks to us about this year’s festival and the 9/11 memorial concert he’s programmed on 10 September.

Tell us how you first became involved in the festival.
I’ve been connected with the festival now for almost 20 years and I was one of the first artists to start playing here when it started. The province of Mecklenburg is in the former East Germany, which at the time of the first festival was just recovering after the collapse of Communism, and I’ve seen it grow to the most extraordinary heights. I was a prize-winner and one of the young artists in the early days, and my involvement grew until one day they asked me if I’d consider taking on the position of artistic director.

Was the decision to take on the role an easy one?
I love the opportunity of inviting friends and colleagues to perform and creating programmes, whether I’m a part of that in terms of performance or whether I just get to listen. I am performing at Festival MV but I try not to programme myself too much because I don’t think it’s the job of a music director to be always on the stage. But the festival did want me to have a musical presence as well as a programming one.

You’ve overseen the 124 concerts for this year’s programme – including a remembrance concert for the victims of the 9/11 terrorist attacks. How did you go about choosing the music for that concert?
It was quite a challenge because something like that demands music which is solemn, but at the same time the choice of music needed to have some kind of significance. The first piece that came to mind was Strauss’s Metamorphosen because it’s a work that’s about war, destruction and it touches people very deeply. For the rest of the programme I asked the other musicians (from the New York-based Ensemble ACJW) to come up with solo pieces and they chose Stravinsky’s Elegy for Viola, a piece by a young American composer, Adam Schoenberg, called Ayudame and I will play the Kaddisch, by Ravel, which is the Jewish prayer for the dead. The Rabbi of the province, a man called William Wolffe, will be speaking at the concert as well. He’s almost 90 and was born in Germany but escaped the Nazis and fled to Holland and then Hendon. He’s back in Germany now and I thought he was the ideal figurehead for the concert.

What about the future?
I will certainly be working as the festival’s artistic director for the next three years and we’re discussing things after that. The people of the province are so proud of the festival and we feel we’ve really accomplished so much here, so I’m certainly staying around.

Interview by Elizabeth Davis

Wie klingt der 11. September?
Hannoversche Allgemeine, 08.09.2011

Interview mit Daniel Hope

„Musik ist stärker als Worte“: Ein Gespräch mit dem Geiger Daniel Hope über verstummte Komponisten, zukünftige Sinfonien und die therapeutische Wirkung von Musik.

Herr Hope, Sie veranstalten bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern ein Gedenkkonzert zum 11. September. Wie kann Musik auf so ein Ereignis reagieren?

Wir haben Künstler aus New York eingeladen, die zum „Academy“-Programm der Carnegie Hall gehören. Die Musiker werden auch berichten, wie sie den Tag damals erlebt haben und was er für sie bedeutet. Ich denke aber, dass der stärkere Eindruck von der Musik kommen wird. Denn so bewegend viele Reden sein werden: Ich habe es oft erlebt, dass in dem Moment, in dem die Musik anfängt, alles andere in den Hintergrund tritt. Musik hat mehr Kraft als das gesprochene Wort. So war es beispielsweise, als ich ein Konzert in Dachau für 500 Überlebende des Konzentrationslagers gespielt habe. Erst als wir gespielt haben, kamen die Emotionen der Menschen richtig hoch. Musik trifft einen direkt, unabhängig davon, was gesagt wird.

Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts haben großen Einfluss auf die Kunst gehabt. Die Musik hat sich nach dem Krieg radikal verändert. Glauben Sie, dass 9/11 auch ein künstlerischer Wendepunkt ist?

Ich denke, dass dieser Schock, der noch immer so tief sitzt, die Psyche nicht nur der Amerikaner verändert hat. Und was die Psyche verändert, verändert auch die Kunst. Ob man hier aber schon jetzt direkte Verbindungen zum 11. September herstellen kann, weiß ich nicht. Aber wenn man als Kind etwas Schreckliches erlebt, hat das oft gravierende Folgen: Den Werken der Musiker, die in den kommenden 20 Jahren Sinfonien schreiben, wird man das anhören.

Sie haben oft musikalische Projekte zu historischen Tragödien initiiert. Glauben Sie, dass Musik eine Art therapeutische Wirkung haben kann?

Es geht nicht nur um Schockerlebnisse. Ich versuche auch, die historische Erinnerung wachzuhalten. Sei es die Reichspogromnacht oder die Musik von Theresienstadt – es geht darum, Stimmen von Komponisten und Menschen erklingen zu lassen, die umgekommen sind. Fast die gesamte tschechische Musikwelt ist ja damals ausgelöscht worden. Und das hat für die Musikgeschichte entscheidende Folgen gehabt. Wir haben auf der einen Seite Webern und Schönberg, die einen fundamentalen Richtungswechsel eingeschlagen haben. Was aber gefehlt hat, ist die Musik von Komponisten wie Erwin Schulhoff oder Gideon Klein, die eine eigene tonale Stimme hatten.

Das heißt, die Musikgeschichte hätte Ihrer Meinung nach ganz anders ausgesehen, wenn einige Komponisten den Holocaust überlebt hätten?

Das ist zumindest mein Gefühl. Wenn ich mir überlege, was allein aus Klein hätte werden können, der mit Anfang 20 umgekommen ist, dann bin ich sicher, dass wir eine parallele tonale zeitgenössische Musikentwicklung hätten. Viele Komponisten kommen jetzt im 21. Jahrhundert zurück zur Tonalität.

Und die meisten davon kommen ausgerechnet aus Amerika…

Das war tatsächlich lange der Fall, aber wenn ich jetzt die wirklich jungen europäischen Komponisten beobachte, dann sehe ich auch dort einen Hang zur Tonalität. Ich finde es faszinierend, dass es gerade jetzt passiert. Es ist eine spannende Zeit.

Das klingt sehr optimistisch: Oft heißt es ja, die klassische Musik wäre vom Aussterben bedroht.

Ich denke, es gibt immer noch sehr, sehr viele Menschen, die klassische Musik hören wollen. Man muss sie aber so zugänglich machen, damit jemand, der noch keinen Zugang zur Klassik hat, es versteht. Dabei darf man aber niemals auf höchste Qualität verzichten. Es geht darum, die Ernsthaftigkeit der klassischen Musik und der Botschaften eines Komponisten so ernsthaft und zeitgemäß wie möglich rüberzubringen.

Wie kann man das erreichen?

Man muss dort beginnen, wo man etwas verändern kann. Es ist schon ein Anfang, wenn ein Lehrer mit seiner Schulklasse singt, wenn ein Laienchor eine eigene kleine Serie in der Kirche veranstaltet und so weiter. Es geht um die eigene Initiative. Ich habe aber überhaupt keine Zweifel, dass sich die klassische Musik halten wird, das hat sie schon länger als 500 Jahre getan. Man braucht jetzt trotzdem Menschen mit Ideen, die dieses Erbe weitergeben.

Sie selbst haben genug Ideen. Ein Projekt beschäftigt sich etwa mit dem Geiger Joseph Joachim. Der hat lange in Hannover gewirkt…

Als er dort ankam, hatte er gerade in Weimar mit Liszt gebrochen. Die Musikwelt war danach eine andere: Aus diesem Grund gibt es kein Violinkonzert von Liszt und keins von Wagner. In seinen Hannover-Jahren hat Joachim auch angefangen, selbst zu komponieren. Deshalb verbinde ich Hannover und Joachim sehr stark miteinander – die Stadt hat ihn beflügelt. Ich weiß, dass es dort heute den Violinwettbewerb mit seinem Namen gibt, aber meines Erachtens könnte es in Hannover noch viel mehr geben, denn Joachims Einfluss ist nicht zu unterschätzen.

Interview: Stefan Arndt

Daniel Hope wurde 1974 im südafrikanischen Durban geboren und ist einer der führenden Geiger seiner Generation. Er gehörte zum legendären Beaux Arts Trio und wurde für seine Einspielungen bislang viermal mit dem Klassik-Echo ausgezeichnet. Er veröffentlichte unter anderem das Buch „Wann darf ich klatschen?“ – eine Art Gebrauchsanweisung für Konzertbesuche. Hope entwickelt immer wieder ungewöhnliche Konzertformate wie etwa sein „Kristallnacht-Projekt“. Er ist seit diesem Jahr künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Das 9/11-Konzert ist am 10. September in Schwerin zu erleben.



2010


Barock ist fetzig und revolutionär
Schleswig Holstein am Sonntag, 28.02.2010

Barock ist sein Thema, nicht die latente Steifheit des Protestantischen, sondern das Lustvolle und Unterhaltsame, das diese musikalische Ära zu bieten hat “air-A Baroque Journey” nennt der Stargeiger Daniel Hope sein aktuelles Programm mit künstlerischen Höhepunkten von Händel über Telemann bis Pachelbel und Falconieri…

Der englische Gentleman vom Kap
Münchener Abendzeitung, 10.03.2010

Der Geiger Daniel Hope über Vivaldi, Vibrato und seine Leidenschaft für den Fußball
Er ist der geborene Vermittler und ein exzellenter Geiger dazu. Im Herbst hat Daniel Hope ein Buch für Konzert-Anfänger veröffentlicht. Nun kommt er mit einem Barock-Programm ins Prinzregententheater. Begleitet wird er vom Zürcher Kammerorchester….

“Konzerte für Kinder sind das Allerschönste”
Zeit Online, 14.09.2010

Von Corina Kolbe

Der Stargeiger Daniel Hope möchte Jugendlichen die Klassik näher bringen. Warum das in einer digitalen Welt wichtig ist und wie cool Bach ist, erzählt er im Interview.

ZEIT ONLINE: Herr Hope, In Axel Brüggemanns Jugendbuch Wie Krach zu Musik wird. Die etwas andere Musikgeschichte beschreiben Sie sehr einfühlsam Ihr Instrument. Was fasziniert Sie an der Geige?

Daniel Hope: Der singende Klang, der einer menschlichen Stimme sehr nahe kommt. Er kann mich beruhigen und im nächsten Moment aufrütteln. Als Musiker kann ich mit der Geige genau das ausdrücken, was ich fühle. Die Vielfalt und die Brillanz des Klangs haben mich immer fasziniert.

ZEIT ONLINE: Als Sie ihr erstes Instrument bekamen, waren Sie wahrscheinlich nicht mehr zu bremsen.

Hope: Mein Enthusiasmus war riesig, allerdings muss es am Anfang grauenvoll geklungen haben. Bis man einen Ton richtig spielen kann, vergehen oft Monate. Zu meinem ersten Unterricht fällt mir eine kleine Anekdote ein. Die Lehrerin wollte mich eigentlich noch nicht als Schüler annehmen, weil ich zu jung war. Da hatte ich bei ihr aber schon all die kleinen Geigen an der Wand gesehen und bekam augenblicklich einen Wutanfall. Um mich zu beruhigen, gab mir die Lehrerin schließlich ein Instrument in die Hand. Ich habe einfach drauflosgespielt. In dem Moment hatte ich das erreicht, was ich wollte.

ZEIT ONLINE: Sie engagieren sich auch für Initiativen, die möglichst viele Menschen an Musik heranführen wollen. Was hat Sie besonders dazu motiviert?

Hope: Konzerte für Kinder sind für mich das Allerschönste. Beim Savannah Music Festival in den USA geben wir 20.000 Kindern die Möglichkeit, kostenlos Konzerte zu hören. Wir holen sie auch auf die Bühne, wo sie bei Proben mitdirigieren können und mitten unter den Musikern sitzen. Sie erleben also unmittelbar, wie es sich anfühlt, Teil eines Orchesters zu sein. Man sieht ihnen die Begeisterung an, das finde ich fantastisch. Wir Künstler müssen auf eine verständliche Art vermitteln können, was das Besondere an Musik ist.

ZEIT ONLINE: Kinder bewegen sich oft spontan zu klassischer Musik, während Erwachsene im Konzert still sitzen. In früheren Zeiten war das anders.

Hope: Denken Sie nur an die Barockzeit, da wurde oft zu Musik getanzt. Die Geige wurde früher auf Volksfesten gespielt und galt sogar als subversives Instrument. Erst seit etwa 150 Jahren wird uns erklärt, dass wir in Konzerten ruhig und andächtig sein müssen. Junge Leute haben dagegen noch keine Hemmungen, auch zu klassischer Musik zu tanzen und mit dem Fuß zu wippen. Sie empfinden eine Gigue von Bach als sehr lebendig.

ZEIT ONLINE: Was hat Ihrer Ansicht nach dazu geführt, dass sich unsere Gesellschaft so weit von klassischer Musik entfernt hat?

ZEIT ONLINE: Sie engagieren sich auch für Initiativen, die möglichst viele Menschen an Musik heranführen wollen. Was hat Sie besonders dazu motiviert?

Hope: Konzerte für Kinder sind für mich das Allerschönste. Beim Savannah Music Festival in den USA geben wir 20.000 Kindern die Möglichkeit, kostenlos Konzerte zu hören. Wir holen sie auch auf die Bühne, wo sie bei Proben mitdirigieren können und mitten unter den Musikern sitzen. Sie erleben also unmittelbar, wie es sich anfühlt, Teil eines Orchesters zu sein. Man sieht ihnen die Begeisterung an, das finde ich fantastisch. Wir Künstler müssen auf eine verständliche Art vermitteln können, was das Besondere an Musik ist.

ZEIT ONLINE: Kinder bewegen sich oft spontan zu klassischer Musik, während Erwachsene im Konzert still sitzen. In früheren Zeiten war das anders.

Hope: Denken Sie nur an die Barockzeit, da wurde oft zu Musik getanzt. Die Geige wurde früher auf Volksfesten gespielt und galt sogar als subversives Instrument. Erst seit etwa 150 Jahren wird uns erklärt, dass wir in Konzerten ruhig und andächtig sein müssen. Junge Leute haben dagegen noch keine Hemmungen, auch zu klassischer Musik zu tanzen und mit dem Fuß zu wippen. Sie empfinden eine Gigue von Bach als sehr lebendig.

ZEIT ONLINE: Was hat Ihrer Ansicht nach dazu geführt, dass sich unsere Gesellschaft so weit von klassischer Musik entfernt hat?

ZEIT ONLINE: Musik ist in unserem Alltag durch neue Technologien ständig verfügbar. Wie hat das unser Hören verändert?

Hope: Ich glaube, wir können uns allgemein nicht mehr so gut konzentrieren wie früher. Das wirkt sich nicht nur auf unser Hören aus. Wenn wir in ein klassisches Konzert gehen und uns ganz auf die Musik einlassen, können wir endlich einmal abschalten von einer Welt, die pausenlos online ist. Ein Streichquartett von Beethoven gibt uns die Chance, unseren Alltag vorübergehend zu verlassen und frei zu atmen.



2009


Daniel Hope spielt bei den Audi Sommerkonzerten
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2009

Ingolstadt – Er ist beinahe so leger gekleidet wie seine jungen Zuhörer. Weiße Turnschuhe, ausgewaschene Bluejeans. Gerade mal das schwarze Hemd und das Jacket lassen den großen klassischen Violinisten erahnen, der auf den Bühnen dieser Welt zu Hause ist. Daniel Hope sitzt 35 Lehrlingen der Firma Audi gegenüber in einem Konferenzraum des Bildungszentrums der Autofirma. Hope soll den Azubis klassische Musik näher bringen. „Rhapsody in school“ heißt das bundesweite Projekt, das das Unternehmen als Begleitprogramm seiner Sommerkonzerte vergangenen Dienstag nach Ingolstadt geholt hat.

Die jungen Leute werden bei Audi zum Kfz-Mechatroniker und zum Industriekaufmann ausgebildet. Manche erlernen einen IT-Beruf, einige studieren an der Fachhochschule. Der 20-jährige Lothar Bauer hätte an diesem Mittag normalerweise Stromlaufpläne erstellt, erzählt er. Anne Satzke, ebenfalls 20, hätte eine Klimaanlage reparieren müssen. Stattdessen ist Musik angesagt. Hope spielt zur Einstimmung eine Bach-Suite auf seiner Geige. Bach habe so viel komponiert, dass man 100 Jahre brauchen würde, um alle Stücke abzuschreiben, sagt der Violinist. Und nebenbei habe er auch noch 13 Kinder gezeugt. Die Auszubildenden lachen. Hope hat das Eis schon nach wenigen Minuten gebrochen. Er spiele auch andere Musik, sagt er und stimmt ein indisches Stück von Ravi Shankar an. „Eine Art Rhapsodie, eine Improvisation, ein ganz anderer Charakter”, erklärt er. Plötzlich schließt Hope seine Augen und füllt den Raum mit einem schnellen Tongewirbel. Lothar Bauer schaut gebannt auf die Finger des Musikers, die anders als bei der getragenen Bach-Suite raue, wilde Klänge erzeugen. „Mich überrascht total, dass so etwas auf einer Geige möglich ist“, sagt er. Was Hope eigentlich von Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ halte, will ein junger Mann mit blondem, hochstehendem Haar wissen. „Die Idee ist witzig“, sagt Hope. Nur blieben die meisten Künstler eben One-Hit-Wonder. Generell sei er der Popmusik gegenüber sehr offen. Viele klassische Künstler hätten Angst vor Pop, weil sie sich nicht damit auseinandersetzten. Das sei schade, denn die Klassik könne vom Pop viel lernen. Von Sting, den er schon als Kind bewundert habe, gebe es zum Beispiel ein tolles Klassik-Album.

Hope spricht mit leichtem englischen Akzent. Er wurde 1974 in Südafrika geboren, wuchs in London auf und lebt heute in Hamburg. Die Fragen der Azubis beantwortet der Musiker mit den rötlichen Haaren und der hohen, schon etwas kahlen Stirn sehr humorvoll. Er sucht den Kontakt zu jungen Menschen. Jemand fragt, wie er den Unterschied zwischen Pop und Klassik sehe. Wie Champagner und Rotwein, antwortet Hope. „Champagner wirkt sofort. Aber am nächsten Tag erinnert man sich nicht mehr an viel.“ Beim Rotwein sei das anders. „Er wirkt erst nach und nach, aber wenn es ein edler Tropfen war denke ich noch ein Jahr später daran.“ Die Azubis sind auf das Treffen mit dem Musiker gut vorbereitet. Zwar hören sie in ihrer Freizeit eher Rock, HipHop oder Reggae. Einige von ihnen spielen jedoch ein Instrument oder besuchen zumindest an Weihnachten ein klassisches Konzert, erzählen sie. Die Fragen an Hope gehen den jungen Leuten während einer vollen Stunde nicht aus. Sie wollen ganz genau wissen, was im Kopf des Geigers vorgeht. Etwa ob er sich beim Improvisieren wirklich jedes Mal etwas Neues einfallen lasse. Es gebe einige feste Punkte, bei denen er „lande“ , sagt Hope, dazwischen spiele er jedoch frei. Der Musiker ist dafür bekannt, immer wieder in andere Stilrichtungen einzutauchen. Hope hat bereits mit indischen Sitar- und Tabla-Spielern gearbeitet und mit Stewart Copeland, früher Schlagzeuger der Band The Police.

Klassik sei für junge Leute wichtig, sagt Hope. „Sie stimuliert etwas, das die Seele aufbaut.“ In ihrem Alter könnten die Azubis noch an der Phantasie arbeiten, ihre Sinne entfalten. Wenn man erst einmal voll im Berufsleben mit all dem Stress stecke, sei das schwieriger. Den Austausch mit dem jungen Publikum findet Hope auch für sich interessant. So könne er direkt erfahren, wie seine Musik bei den Hörern ankommt. Auch wenn sie sich nicht zum ersten Mal mit Klassik befasst haben – so persönlich haben die Azubis einen Klassikstar noch nie kennengelernt. Am Abend wollen sie fast vollzählig ins Konzert gehen, wenn der Geiger mit dem Chamber Orchestra of Europe im Ingolstädter Festsaal auftritt. Hope hat an diesem Tag viele neue, junge Fans gewonnen.

Wann darf man im Konzert klatschen?
bild.de, 19.09.2009

Was soll ich anziehen?

Bei Premieren-Feiern kommen die Damen meist im Abendkleid, die Herren im Smoking oder dunklen Anzug. Für einen normalen Opern- oder Konzertbesuch gibt es keinen bestimmten Dresscode. Viele Besucher machen sich aber fein: Kleid oder Kostüm für die Dame, Anzug für den Herren. In Berlin sind die Gäste oft legerer gekleidet, zum Beispiel mit Jeans und Sakko. Shorts, T-Shirts und Turnschuhe sind nichts für Oper oder klassisches Konzert, aber für Open-Air-Abende.

Wie bereite ich mich vor?

Wenn möglich, sollte man die Stücke, die aufgeführt werden, vorher von einer CD gehört haben, um einen Eindruck von der Musik zu haben. Informationen über den Komponisten gibt es oft in beigefügten Booklets. Es macht Sinn, sich vor Oper oder Konzert anzusehen, wer der Komponist war, was für ein Typ, wie er lebte, welche Probleme er hatte. Außerdem werden oft vor Konzert oder Oper Einführungsveranstaltungen angeboten, bei denen Musikwissenschaftler, Dirigenten oder andere Beteiligte die Musik und die Hintergründe erklären. Wichtig: Rechtzeitig losfahren, eine halbe Stunde im Theater einplanen, um einen Blick ins Programmheft zu werfen. Auch darin gibt es viele Informationen zum Stück.

Wo sitze ich am besten?

Das kommt darauf an, wen man sehen möchte: Will man Geiger oder Klavierspieler direkt vor sich haben, empfiehlt sich ein Platz auf der linken Parkettseite. Auf den Mittelplätzen im vorderen Parkett und im ersten Rang hat man ungehinderte Sicht auf die Bühne und meist auch das optimale Klangerlebnis. Aber natürlich zahlt man dafür auch die höchsten Preise. Je weiter Sie nach außen gehen, desto verzerrter kann der Klang werden. Generell gilt: Je größer und opulenter besetzt das Ensemble, desto größer das Klangvolumen, das den Saal füllt – und desto besser hört man auch noch hoch oben auf den billigeren Plätzen.

Darf ich ein Getränk mit in den Saal nehmen?

Essen und trinken während der Vorstellung sind tabu! Früher wurde im Publikum fröhlich getrunken, geraucht oder sogar geplaudert wurde – aber das ist vorbei. Alle Aufmerksamkeit soll der Musik und dem Spiel und Gesang der Künstler gelten.

Was tun, wenn ich husten muss?

Husten stört Publikum und Musiker. Wenn Sie stark husten müssen, verlassen Sie besser den Saal. Gut: Ein Hustenbonbon sicherheitshalber in der Tasche zu haben – aber ohne knisterndes Papier. Wer stark erkältet ist, sollte den Konzert- oder Opernbesuch besser verschieben.

Was bedeuten die Armbewegungen des Dirigenten?

Sie lenken und steuern das Orchester und die Sänger, geben Einsätze und Signale, regeln Tempo und Balance, treiben an und dämpfen. Der Dirigent ist wie ein Kapitän, der den Kurs des Schiffes festlegt und während der Fahrt die einzelnen Manöver bestimmt.

Meist hält der Dirigent einen Stab in der rechten Hand, mit ihm gibt er Tempo, Taktart und Dynamik an. Weite Bewegungen verlangen einen lauten Ton, kleine einen leisen. Die linke Hand ist mehr fürs Modellieren zuständig, liefert Anweisungen zur Intensität des Ausdrucks.

Wann darf ich klatschen?

Eine alte Streitfrage, auf die es keine einheitliche Antwort gibt: Der Begrüßungsapplaus zum Auftritt der Künstler und der Beifall am Ende eines Stücks oder eines Aktes in der Oper sind allgemein üblich. Über das Klatschen zwischen einzelnen Sätzen oder nach einer Arie gehen die Meinungen auseinander. Viele Musiker freuen sich, wenn sie auch zwischendurch anerkennenden Beifall erhalten; manche Zuhörer fühlen sich dadurch allerdings gestört. Wenn Sie sichergehen möchten, nicht durch alleiniges Klatschen aufzufallen, dann klatschen Sie am besten am Ende – und dafür laut und lange.

Darf ich zwischendurch „Buh!“ rufen?

Das Publikum in südlichen Ländern, vor allem in den Opernhäusern, hat da keine Hemmungen. Bei uns spart man sich das „Buh“ meist für den Schluss auf. Aber unter Künstlern gilt: Wer sich über spontanen Szenenapplaus freut, der muss auch das Gegenteil akzeptieren.

Ich zische zurück
Szene Hamburg, 25.09.2009

Daniel Hope liebt klassische Musik. Und da er möchte, dass es möglichst vielen Menschen ebenso geht, hat der berühmte Geiger einen Wegweise für Konzertgänger geschrieben, in dem auch Fragen geklärt werden wie …

Mit vielen starken Saiten
Welt am Sonntag, 28.09.2009

Daniel Hope ist einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation. Heute gastiert er in Hamburg

Geigenvirtuosen drehen dem Publikum nie den Rücken zu. Normalerweise. Als das Barockorchester Concerto Köln beim Kempen Musik Festival 2001 Beethovens Violinkonzert aufführte, war nichts normal: Das Ensemble musizierte im Stehen, ohne Dirigent. Der Solist Daniel Hope, er hatte seine Geige zwecks Anpassung an den Barockklang ausnahmsweise mit Darmsaiten bezogen, spielte beim Anfangstutti mit dem Rücken zum Auditorium. Erst drei Minuten später drehte er sich um und begann mit den Solo-Oktaven.

Zart und fest, fahl und farbenfroh wechselt sein Ton von leise zu laut, von stark timbriert zu inbrünstig zitternd. Er kann geigend Katastrophen erzeugen und delikate Erlösungen, Wohlklang und Wahrheit. Nach Ende des ersten Satzes platzte – offenbar wird bei Daniel Hope auch dem Publikum immer ganz unnormal – begeisterter Beifall in die Stille.

Dem Ausnahmemusiker Hope steht der ganz große internationale Durchbruch allerdings noch bevor. Mit vier begann er Violine zu spielen. Der Zwölfjährige geigte Bartoks Duos im deutschen Fernsehen mit Yehudi Menuhin. Seitdem gilt er hier zu Lande als Menuhins Meisterschüler.

„Falsch“, sagt der heute 27-Jährige und schüttelt lächelnd die rote Mähne. „Meine Mutter war eine von Menuhins Sekretärinnen, sie hatte mich als Baby bei Proben, Konzerten und Reisen immer dabei. Meine ersten Erinnerungen an Musik verbinde ich also mit ihm.“ Aber Daniels Lehrer war Menuhin nie. Im Gegenteil. „Als ich sechs war“, erzählt Hope, teilte ihm mein Vater mit, dass ich Geiger werden wollte. Er sagte nur: „Der Arme“.

Der ließ sich indes nicht entmutigen. „Ich studierte und übte wie blöde“, sagt er. Als er mit 17 bei seinem Lehrer Zakhar Bron in Lübeck gerade gelernt hatte, wie man geigerisch Farben erzeugt („Damals habe ich wirklich gemerkt, was es heißt, Geiger zu sein“), bat ihn Menuhin, ihm vorzuspielen. „Ich habe vier Stunden für ihn gespielt“, erinnert sich Hope. „Er war überrascht und betroffen.“ Das war 1996. Der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit: Hope war der Solist. Der alte Mann dirigierte.

So war es auch bei Menuhins letztem Konzert im März 1999 in Düsseldorf, vier Tage, bevor der große Musiker an einer Lungenentzündung starb. Mit ihm, meint der junge Geiger traurig, sei der „letzte Löwe des vergangenen Jahrhunderts“ gegangen. „Es ist ehrenvoll, aber auch schrecklich, wenn man Teil des Endes von etwas ist, das eigentlich nie zu Ende gehen sollte.“

Es gab fünf oder sechs solcher Löwen. Heute ist der Markt randvoll mit ehrgeizig-perfekten Virtuosen. „Es ist heute leichter, den Karriere- Anfang zu schaffen“, meint Hope. „Aber sehr schwer, sich zu halten.“ Der große Geiger Jascha Haifetz tourte noch sechs Wochen durch Japan und gab an die 50 Konzerte. „Wir dagegen können, wenn wir durchhalten, jeden Tag in jedem Land auftreten, heute Tokio, morgen Melbourne, übermorgen London – und überall müssen wir auf die Minute in Hochform sein, egal wie wir gerade drauf sind.“

Anders als die Giganten der Vergangenheit sieht Daniel Hope ein Existenzproblem für heutige Geiger: „Was wird 2020 sein?“, fragt er sich manchmal. „Welche Art Orchester wird es noch geben? Werden die Platten- Labels bleiben oder wird alles übers Internet laufen?“ Einige seiner Konzerte wurden bereits im Internet übertragen. „Die Verbindung war noch schlecht, die Bilder wacklig“, meint er. „Aber das wird sich ändern.“

Übers Internet informiert er sich auch in Minuten über Werke, die ihn interessieren. Das ganz besonders Unnormale an Daniel Hope ist nämlich, dass er es „sturzlangweilig“ findet, „150 Mal pro Saison immer wieder die drei Bs zu spielen“. Auch auf seinen ersten drei CDs (bei Nymbus Records) fehlen sie, die Konzerte von Beethoven, Bruch oder Brahms. „So viel Musik wird heute gedankenlos gemacht. Ich muss einen persönlichen Bezug haben zu den Sachen, die ich spiele, muss sie lieben, das hört man dann.“

Er hat darum schon den alten Menuhin dazu bewogen, mit ihm zwar auch Konventionelles wie Mendelssohn, Tschaikowsky oder Brahms zu spielen. Aber eben auch Schnittke, Takemitsu oder Gubaidulina – oder sogar gänzlich Unbekannte wie den Amerikaner Lowell Liebermann.

Daniel Hope hat bei all seiner wunderbaren Unnormalität nichts Messianisches. Auf seiner Homepage im Internet findet man auch Wein- Tipps; er liebt besonders teure Riojas. Statt mit den für Geiger obligatorischen täglichen Dehnübungen lockert er seinen Bogenarm mit Badminton, Squash oder Tennis: „Ich mag alles, was mit Schläger gespielt wird.“ Wenn er mit Freunden Fußball spielt, ist er der geborene Mittelstürmer. „Das liegt mir im Blut“, lacht er. „Auch bei der Arbeit bin ich oft viel zu stürmisch.“

Seit er in Lübeck bei Zakhar Bron studierte, hat er seine Liebe zu Hamburg entdeckt. Aber nicht allein Alster, Kunsthalle oder Oper faszinieren den Londoner an der „kleineren Ausgabe von Weltstadt“ – seine schöne blonde Freundin, sie ist Kontrabassistin, lebt hier. Und ergo verbringt er von den monatlich vier Tagen, die er nicht irgendwo in der Welt konzertiert, zwei an der Themse und zwei in der Hansestadt. Sein Deutsch ist perfekt. „Ich war gezwungen, es zu lernen“, sagt er und lacht. „Die Hamburger sprechen zwar alle Englisch. Aber nicht gern.“

Konzert: Heute, 20 Uhr, Liebermann Studio des NDR.
Mit Brandauer auf Tour 1974 in Südafrika geboren, musste Daniel Hope mit seiner Familie bereits als sechs Monate altes Baby nach London emigrieren, weil der Vater als Schriftsteller Anti-Apartheid-Positionen vertreten hatte. Hope besitzt allerdings bis heute einen irischen Pass, da sein Vater aus Irland stammt. Als einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation nimmt er sich vorwiegend ungewöhnlichen Repertoires und neuer Präsentationsformen an. Im kommenden Sommer geht er mit Klaus Maria Brandauer und einem jungen Spitzenensemble mit Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ auf Tournee.

Von Stefan Siegert

Alle Rechte vorbehalten. (c) Die Welt, 2001

Wann darf ich im Konzert klatschen?
Westfalenpost, 01.10.2009

Der Geiger Daniel Hope erzählt im WESTFALENPOST-Interview von Freud und Leid des alltäglichen Musikbetriebes …

Subversive Saiten
Rheinischer Merkur, 09.10.2009

DANIEL HOPE – Der Geiger über gefürchtete Fiedler,
gottesfürchtige Komponisten und furchtbare Konzerte…

In Wahrheit ist Rock reaktionär
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2009

Der Universalmusiker Sting und der Geigenvirtuose Daniel Hope über musikalische Missverständnisse und die Perfektion der Stille


Foto: Holde Schneider

FRAGE: Herr Hope, Sie wollen die Klassik populär machen. Sie, Sting, suchen Inspiration für den Pop in der Klassik – gerade haben Sie ein Album in der Tradition von Schuberts “Winterreise” aufgenommen. Was ist Klassik: etwa die Mutter aller Musik?

Sting:
ANTWORT: Das habe ich auch einmal gedacht. Inzwischen glaube ich aber, dass die Wurzel der Musik im Folk liegt. Folk und Pop gehören zur gleichen Familie, die Klassik hat vielleicht dieselbe DNA – aber sie funktioniert anders.

Hope:
ANTWORT: Na ja, die Klassik hat sich auch aus der Folkmusik heraus entwickelt. Das beste Beispiel ist die Geige: Vor vielen hundert Jahren galt sie noch als Teufelsinstrument und animierte die Menschen zum wilden Tanz. Letztlich hat Sting aber recht: Jede Musik greift auf die Folkmusik zurück. Auf eine Musik, die von Menschen für Menschen gemacht wurde. Ihre Aufgabe war die Direktheit der Emotion.

FRAGE: Direktheit würde man heute allerdings eher der Popmusik zuordnen. Klassik dagegen windet sich in Tiefen, um einer übergeordneten Wahrheit auf den Grund zu kommen, oder?

Sting:
ANTWORT: Sie stellen die Frage nach der Authentizität der Musik. Ich glaube, dass es in unserer postmodernen Welt ein grundsätzliches Problem jeder Kunst ist, authentisch zu sein. Was ist schon wahr? Nichts mehr! Alles hat einen doppelten Boden. Und ich gelange allmählich zu der Überzeugung, dass nichts mehr authentisch ist – auch nicht die Musik.

Hope:
ANTWORT: Da würde ich widersprechen. Ich habe mein ganzes Leben mit der Klassik verbracht – und meine Erfahrung ist, dass sie mich noch immer tief berührt. Für mich ist die Musik in einer Zeit, in der so vieles Schein ist, eine letzte Konstante von Authentizität. Sowohl der Pop als auch die Klassik können uns ein Gefühl von dem geben, was sich jenseits der Dinglichkeit abspielt. Die Wahrhaftigkeit deiner Musik liegt für mich in deinem Umgang mit Rhythmus.

Sting:
ANTWORT: Tatsächlich ist der Rhythmus für mich eine Frage der Ambivalenz. Sie stellt die Wahrheit unserer Gegenwart in Frage. Das Gehirn lässt sich auf eine Komposition ein, und in dem Moment, in dem es sich an einen Rhythmus oder eine Melodie gewöhnt, ist es spannend, in eine ganz andere Richtung zu steuern.

FRAGE: Sie meinen den kalkulierten Bruch der Form? Für die Klassik scheint der Klang immer eine Form zu brauchen, wohingegen der Rock daran arbeitet, bestehende Formen zu sprengen . . .

Sting:
ANTWORT: Der Rock trägt doch nur noch die Kostümierung der Rebellion. In Wahrheit ist er zutiefst konservativ – fast schon reaktionär. Es ist unmöglich, den Rock zu verändern – ich habe das selbst ja immer wieder versucht. Ein klassischer Musiker wie Strawinsky ist sicherlich revolutionärer gewesen als der Rock ‘n’ Roll oder der ebenfalls festgefahrene Heavy Metal.

FRAGE: Vielleicht ist es ein Problem des Rocks, dass die Revolution in ihm eine Normalität ist.

Sting:
ANTWORT: Die Frage ist, wo geht es hin? Ich weiß es nicht! Unsere Geschichte ist an einem Punkt der unendlichen Erneuerung angekommen. Wir leben in einer Zeit, in der niemand vorhersagen kann, wie wir in fünf Jahren leben. Diese Entwicklung kann nur in der Aufwertung des Einzigartigen münden. Aber ich habe keine Idee, was dieses Einzigartige sein könnte.

Hope:
ANTWORT: Findet die Popmusik darauf keine Antwort? Wohin geht sie?

Sting:
ANTWORT: Sie geht nirgendwohin. In einer bewegten Welt wird sie immer statischer.

FRAGE: Dann müsste die Klassik in dieser Zeit doch eine willkommene Konstante sein.

Hope:
ANTWORT: Das ist sie ja auch. Es ist interessant zu beobachten, dass die Klassik mehr Anhänger gewinnt. In dem Moment, an dem wir gegen eine Wand laufen, schauen wir noch einmal zurück – und das ist großartig.

Sting:
ANTWORT: Ich stimme dir vollkommen zu. In einer chaotischen Zeit brauchen wir Fixpunkte. Und die Klassik kann sie uns geben. Ich glaube, dass die Krise des Pops letztlich auch die Krise des Zuhörers ist. Die meisten jungen Leute, die Pop oder Rock hören, sind wohlfeile Akkorde gewöhnt, Terzen oder Quinten. Das ist aber die Harmonik von Kinderliedern. Diese Musik spricht nur einen Teil des Gehirns an. Der Teil, der Missklänge und musikalische Reibungen verarbeitet, bleibt unterentwickelt. Das Problem ist, dass viele Zuhörer durch die Konvention so lange abgestumpft wurden, dass sie komplexe Musik gar nicht mehr wahrnehmen können. Jazz oder Klassik sind für viele keine Musik mehr, sondern komplizierte akustische Signale, die sie nicht verstehen. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Hörfähigkeit meiner Zuhörer und damit die andere Seite ihrer Gehirne zu entwickeln.

FRAGE: Wenn man Ihre Gedanken konsequent zu Ende denkt, wäre die Stille vielleicht die beste Musik in einer lauten Zeit.

Sting:
ANTWORT: Stille ist die perfekte Musik. Und letztlich machen wir Musiker ja nichts anderes, als ein Ornament der Stille zu schaffen. Ich bin sicher, dass wir aus der Stille kommen und der Stille gerade wieder sehr sehnsuchtsvoll entgegenstreben. Da fällt mir ein, wie überrascht ich war, als ich den Anfang der Fünften Sinfonie von Beethoven angeschaut habe: Die Sinfonie beginnt nicht auf Eins, sondern mit – Stille. Das Orchester spielt auf den ersten Schlag nicht! Mich hat das an Miles Davis erinnert, bei dem auch wichtiger ist, was er nicht spielt, als das, was er spielt. Das Gelaber ist der Tod, die Stille muss das Ziel sein.

FRAGE: Herr Hope, ist es ein Irrtum, dass Klassik-Künstler noch immer denken, Pop sei den Menschen näher als Beethoven?

Hope:
ANTWORT: Das ist leider der Fall, denn wir haben unsere eigenen Wurzeln aus dem Auge verloren. Sting hat ja recht: Der Kern der Klassik ist die Revolution. Beethoven ist das beste Beispiel. Es ist absurd, dass wir der Klassik heute einen plüschigen Tempel bauen.

Sting:
ANTWORT: Aber diese Mauer bröckelt. Ich habe festgestellt, dass viele junge Klassik-Musiker vom Pop lernen wollen – und ich genieße es, von ihnen zu lernen. Wenn die Klassik etwas vom Pop lernen kann, dann ist es nicht die glänzende Vermarktung, sondern die Fähigkeit zur Spontaneität. Euer Problem ist, dass ihr im Schatten von Giganten aufwachst. Warum soll man noch komponieren, wenn man Bach, Beethoven und Schostakowitsch spielt? Meine Helden waren die Beatles, die kannten nur vier Akkorde! Da musste ich keine große Angst haben.

Hope:
ANTWORT: Natürlich spielen wir immer im Schatten der Legenden. Das führt dazu, dass wir keine Songwriter sind. Wir spielen nicht unsere eigenen Noten, sondern interpretieren Dinge, die alle großen Geiger schon einmal interpretiert haben. Wir haben leider vergessen, klassische Musik aus unserer Zeit zu spielen.

Sting:
ANTWORT: Dieses Problem existiert auch im Pop. Wer schreibt denn noch eigene Songs? Es gibt sieben Archetypen von Popsongs, und einen von denen sucht man sich aus. Aber wer macht etwas Neues? Niemand!

FRAGE: Klassisch bedeutet ja auch: zeitlos. Was wird in, sagen wir, hundert Jahren klassisch sein? Sting oder Stockhausen?

Hope:
ANTWORT: Ich hoffe, dass einige der klassischen Gegenwartskünstler die Chance haben, klassisch zu werden. Aber Popstars können auch klassisch sein. Sting hat sicherlich eine gute Chance. Warum ein Großteil der Popmusik eher nicht klassisch wird, liegt für mich daran, dass ich bei den meisten Künstlern, die ich höre, nicht einmal ins Zuhören komme – sie laufen nebenbei. Doch das Zuhören ist eines der wichtigsten Kriterien dafür, ob etwas klassisch sein wird.

FRAGE: Sind Sie ein Klassiker, Sting?

Sting:
ANTWORT: Ich frage mich, ob Bach sich je überlegt hat, ob er 2009 klassisch sein würde, oder ob es eher sein Problem war, jeden Sonntag eine Messe fertig zu komponieren.

Hope:
ANTWORT: Aber warum berührt Bach unsere Nerven noch heute?

Sting:
ANTWORT: Ich schaue mir jeden Morgen eines seiner Stücke an, spiele eine Partita und komme mir vor, als würde ich mit dem Meister persönlich dasitzen. Was ist es, das diese Faszination ausübt? Die Vorstellung seines Intellekts? Nein! Er hatte so viele Kinder, hat im Kaffeehaus gespielt . . .

Hope:
ANTWORT: Er wurde sogar angegriffen, weil er in einem Gottesdienst gesoffen hat. Einmal hat er einem Musiker auf die Schnauze gehauen, weil ihm sein Spiel nicht gefiel.

Sting:
ANTWORT: Er war ein Genie der Struktur, seine Musik war eine Kathedrale! Und vielleicht beschäftigt er uns noch immer, weil wir sein Geheimnis nicht lüften können.

Hope:
ANTWORT: Bach bewegt! Aber wie ist das denn nun: Kann Musik die Welt verändern?

Sting:
ANTWORT: Sorry, ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht. Aber es wäre schon toll, wenn das so wäre, oder? Musik kreiert auf jeden Fall Emotionen – und das ist ein Anfang der Weltveränderung. Was denkst du?

Hope:
ANTWORT: Ich glaube, dass Musik einen Menschen verändern kann. Und sie übt einen Einfluss auf die Menschen aus.

FRAGE: Haben Sie die Menschen durch Ihre Musik beeinflusst?

Hope:
ANTWORT: Als ich vor 500 AuschwitzÜberlebenden gespielt habe, hat mich das auf jeden Fall verändert. Ich habe die Macht der Musik gespürt. Ob andere durch meine Musik verändert wurden? Ich weiß es nicht.

Sting:
ANTWORT: Ich habe für Amnesty International in Chile und Argentinien gespielt – an Orten mit repressiven Systemen. Auch wenn das größenwahnsinnig klingt: Ja, in diesen Momenten habe ich den Eindruck gehabt, durch Musik die Welt verändern zu können. Allein bei dem Gedanken, dass ich vor jungen Leuten spiele, die morgen zur politischen Klasse gehören. Vielleicht konnte ich die Saat von Freiheit und Schönheit bei ihnen säen. Natürlich kann Musik auch das Gegenteil bewirken, sie kann Hass und Krieg provozieren. Musik ist ja nicht per Definition gut.

Mit Sting und Daniel Hope sprach Axel Brüggemann.



2008


Daniel Hope and Berlin’s Yellow Lounge
The Guardian, 09.01.2008

Cool young clubbers in Berlin are flocking to a night with a twist: all the music is classical, and orchestras play live. Helen Pidd larges it at Yellow Lounge…

Nur die Musik hat überlebt
Bonner General-Anzeiger, 27.08.2008

Der Geiger Daniel Hope, der im September beim Beethovenfest und heute Abend mit dem Beaux Arts Trio in Rolandseck gastiert, über Komponisten in Theresienstadt und seinem Mentor Yehudi Menuhin

Gleich zweimal gastiert Daniel Hope in der nächsten Zeit in der Region. Heute Abend gibt er als Geiger des Beaux Arts Trios einen Kammermusikabend im ausverkauften Bahnhof Rolandseck. Am 20. September stellt er unter anderem mit dem Schauspieler Ulrich Matthes sein Programm „Musik war Hoffnung“ mit Kompositionen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt im Rahmen des Beethovenfests vor. Mit Hope sprach Bernhard Hartmann.

GA: Sie nennen Ihre Programm „Musik war Hoffnung“. Drückt die Musik aus dem Konzentrationslager Theresienstadt wirklich Hoffnung aus oder vielleicht doch eher Trauer und Resignation?

DANIEL HOPE: Wenn man die Geschichte der Komponisten kennt, entsteht natürlich beim Hören eine große Trauer und Melancholie. Ohne dieses Wissen ist es jedoch anders. Das Streichtrio von Gideon Klein habe ich einmal zufällig im Autoradio gehört, ohne vorher die Ansage mitbekommen zu haben. lch war beeindruckt von der Stärke und der Energie dieses Stückes. Erst hinterher habe ich erfahren. was das war. Ich kannte den Namen Gideon Klein nicht und habe dann angefangen zu recherchieren. Im Nachhinein, mit dem Wissen um das tragische Schicksal des Komponisten, verändert sich das Gefühl für diese Musik. Die Musik der Komponisten aus Theresienstadt, sei es von Klein, Hans Krása oder Erwin Schulhoff, besitzt eine unglaubliche Kraft. Und diese Kraft ist alles andere ist als sentimental. Ich finde es ganz erstaunlich, dass diese Männer unter solch extremen Lebensumständen dazu in der Lage waren, so großartige Werke zu erschaffen.

GA: Sie haben sich ja intensiv mit den Biografien dieser Komponisten beschäftigt. Wie fließt das in Ihre Interpretationen ein. wenn sie etwa von Schulhoff die Sonate für Violine solo spielen?

HOPE: Für mich ist es unmöglich, nachdem ich von den Umständen weiß, wie die Werke entstanden sind, mich völlig davon zu lösen. Gerade an einem solchen Abend, an dem zusätzlich Texte gelesen werden, die das verdeutlichen. ist das einfach eine sehr emotionale Geschichte. Dafür kann ich garantieren. Die Musik und die Texte, die um diese Musik herum entstanden sind, vermitteln einerseits einen tragischen Abend, andererseits aber auch einen hoffnungsvollen. Weil diese Musik letztendlich überlebt hat, auch wenn die Komponisten sterben mussten.

GA: Yehudi Menuhin ist ihr wichtigster Mentor gewesen. Er hat sich bereits unmittelbar nach dem Krieg für die Versöhnung eingesetzt, während viele andere jüdische Musiker wie Isaac Stern oder Artur Rubinstein nie mehr in Deutschland auftreten wollten. Hallen Sie jemals Zweifel, ob Menuhins Haltung wirklich die richtige war?

HOPE: Die Haltung von Menuhin zu kommentieren, ist sehr schwierig. Man müsste sich auch in diese Zeit hineinversetzen. Das kann ich und das darf ich auch nicht machen. Ich kann es nur als Beobachter aus dem 21. Jahrhundert tun. Und da muss ich sagen, dass dazu unglaublich viel Mut gehörte. Ich kann auch verstehen, warum er das gemacht hat. Er sagte damals, dass sein Deutschland dasjenige von Mendelssohn und von Goethe sei und nicht das von Hitler. Gerade weil es so grauenvoll war, was damals passiert ist, musste man schnellstmöglich handeln, um eine Versöhnung in Gang zu bringen. Zum Teil ist das sicher ein bisschen naiv gewesen. Natürlich erntete er Kritik von vielen Seiten. Menuhin war jemand, der immer versucht hat, die Hand zu reichen. Wenn man das in unseren heutigen Kontext überträgt, folge ich ihm. Ich versuche, Verständigung zu fördern. Als ich Zusammen mit Menuhin in Deutschland aufgetreten bin, habe ich immer wieder den Satz gehört: „Danke, dass Sie zu uns zurückgekommen sind.“ Oder: „Danke, dass Sie uns Mendelssohn zurückgebracht haben.“ Das hatte schon eine unglaubliche Wirkung in Deutschland.

GA: In Ihrem Buch „Familienstücke“, aus dem Sie am Tag nach dem Konzert auch lesen werden, spielt die Zeit des Nationalsozialismus ebenfalls eine zentrale Rolle. Hat Ihre eigene Familiengeschichte das Interesse an der Musik aus Theresienstadt befördert?

HOPE: Ich beschäftige mich mit dieser Thematik schon seit mehr als zehn Jahren. Das Buch hat da nicht so einen großen Einfluss speziell auf diese Thematik gehabt. Ich habe mehr über mich selbst erfahren, welche „Mischung“ ich bin. Und hier hat mich vor allem die Verbindung zur jüdischen Seite interessiert, von der ich vorher nicht so viel wusste. Das Thema war bei mir als Kind nie präsent. Erst als ich meine Familiengeschichte zurückverfolgt habe, sozusagen bis zum ersten Rabbiner von Potsdam, da habe ich gesehen, wie umfassend diese Religion in meinen Wurzel ist.

GA: Sie sind derzeit mit dem Beaux Arts Trio auf Abschiedstour. Dann löst sich dieses Ensemble nach mehr als einem halben Jahrhundert auf. Was haben Ihnen die fünf Jahre bedeutet, in denen Sie an der Seite des Pianisten Menahem Pressler, der von der Gründung an dabei war, Geige gespielt haben?

HOPE: Allein Pressler kennen zu dürfen, gehört zu den glücklichsten Fügungen meines Lebens. Einem solchen Musiker, der sich 70 Jahre mit den großen Klassikern auseinandergesetzt hat, zuzuhören, geschweige mit ihm auf der Bühne zu sein und zu spielen, ist ein unglaubliches Glück und eine Freude für mich. Wir haben in den sechs Jahren fast 400 Konzerte auf der ganzen Welt gespielt.

GA: Werden Sie auf irgendeine Weise, vielleicht mit einer komplett neuen Klaviertrio-Besetzung, die Tradition des Beaux Arts Trios fortsetzen?

HOPE: Nein. Für mich ist es nicht Möglich, mir ein Beaux Arts Trio ohne Menahem Pressler vorzustellen. Wir sind nur seine Wegbegleiter, aber für mich ist das Beaux Arts Trio noch immer die Besetzung mit Menahem Pressler, dem Cellisten Bernard Greenhouse und dem Geiger lsidor Cohen. Nachdem ich sechs Jahre in einem festen Ensemble war, möchte ich jetzt erst einmal meine anderen Kammermusikprojekte, die in der Besetzung flexibler sind, ausleben.

GA: Ihr Repertoire reicht von Vivaldi bis zu Uraufführungen neuer Musik. Sie treten als Solist wie als Kammermusiker, dirigieren sogar und machen gemeinsame Projekte mit Popmusikern wie dem Police-Schlagzeuger Stewart Copeland. Wie bringt man das alles unter einen Hut?

HOPE: Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich bin einfach besessen von Musik! Musik infiziert jeden Tag meines Lebens.

Zur Person
Daniel Hope kam 1974 in Durban (Südafrika) zur Welt. Ein halbes Jahr später zog die Familie zunächst nach Paris, dann nach London, wo Daniels Mutter Eleanor von Yehudi Menuhin als Sekretärin und später als Managerin engagiert wurde. Zu Daniel Hopes wichtigsten Lehrern zählen Sheila Nelson. Itzhak Rashkovsky und Zakhar Bron. Seit 1985 bis zu Menuhins letztem öffentlichen Auftritt 1999 in der Düsseldorfer Tonhalle, wo Hope unter dessen musikalischer Leitung Alfred Schnittkes Violinkonzert spielte, arbeitete er regelmäßig mit seinem Mentor zusammen. Hope wirkte bei Anne Sofie von Otters Album „Theresienstadt“ mit, das Musik jüdischer Komponisten aus dem Konzentrationslager vorstellt. Zuletzt veröffentlichte er, ebenfalls bei der Deutschen Grammophon, ein Album mit Konzerten von Antonio Vivaldi.

ga

Wenn jemand klatschen möchte, dann sollte er es tun
klassik.com, 10.10.2008

Daniel Hope gehört zu den profiliertesten Geigern der Welt. Der Engländer mit südafrikanischen, deutschen und irischen Wurzeln begeistert Kritik und Publikum gleichermaßen durch raffinierte Interpretationen und durchdachte Konzertformen, die oft über die Klassik weit hinausgehen. Thomas Vitzthum sprach mit Daniel Hope während einer kleinen Konzertreise durch Italien über Vivaldi und Mozart, Raschelnde Zuhörer, Zivilcourage und den Abschied des Beaux Arts Trios.

Ach, Italien, Herr Hope Sie haben es gut!

Allerdings, es ist ein tolles Erlebnis hier in Mantua Vivaldi zu spielen. Vor allem in einem Saal, den Mozart seinerzeit eröffnet hat. Wir spielen im Angesicht einer Büste von Mozart. Früher war das hier ein anatomisches Theater, die Studenten konnten von den Rängen auf den Professor schauen, der dort Leichen obduziert hat. Dann wurde es umgebaut und Mozart hat dort ein Konzert dirigiert, das vier Stunden gedauert hat. Das muten wir unserem Publikum nicht zu (lacht).

Vivaldi hat Mozart wohl nicht gespielt. Der rote Priester gilt manchen ja als Vielschreiber und ziemlicher Langweiler.

Das kann ich nicht verstehen. Ich bin verrückt nach Vivaldi. Gerade in Italien Vivaldi zu spielen, ist etwas ganz besonderes. Gestern Abend bin ich lange durch die Stadt gewandert. Orte, an denen Komponisten gewirkt haben, kennen zu lernen, ihre Atmosphäre und Aura aufzunehmen, wirkt sich positiv auf meine Interpretationen aus. Venedig etwa feuert meine Vorstellung beim Spielen eines Vivaldi-Konzerts an, das Wasser, die alten Palazzi, die Brücken, der Geruch – gerade in den italienischen Städten kann man sich leicht in die Vergangenheit zurückversetzen. Aber auch wenn ich das Violinkonzert von Alban Berg spiele, denke ich mich in seine Wohnung in Wien, die noch heute erhalten ist. All diese Impressionen gehen in mein Spiel ein, dadurch wird etwas schwer zu Beschreibendes ausgelöst. Es fühlt sich echter an.

Wie ist das italienische Publikum?

Fantastisch. Kein Publikum reagiert so unmittelbar, wenn es ihm gefallen hat oder auch wenn es ihm nicht gefallen hat. Am Ende eines Satzes gibt es oft spontan Applaus…

…wofür man ja hierzulande als Dummkopf ausgezischt wird…

…und das ist sehr schade. Ich merke genau, wenn jemand aus Versehen oder aus Überzeugung zwischen den Sätzen klatscht. Wenn das aus Überzeugung passiert, ist das für mich ein wunderbares Gefühl. In früheren Jahrhunderten war das doch normal, hatten Konzerte mehr den Charakter eines Jazz-Events.

Vermissen Sie Direktheit?

Manchmal Ja. Ich kann doch niemandem verbieten, seine Emotionen zu zeigen. Wenn jemand klatschen möchte, dann sollte er es tun.

Besser Applaus als das Zwischen-den-Sätzen-Gehuste.

Es geht noch schlimmer. Das langsame Auswickeln von Hustenbonbons ist entsetzlich, aber alles wird vom Läuten von Handys getoppt. Einmal habe ich ein Konzert wegen Störung abgebrochen. Es war in New York, ich trat mit dem Beaux Arts Trio auf. In der ersten Reihe saß ein Herr und war offensichtlich mit seinem Sitz nicht zufrieden. Wir spielten schon. Plötzlich stand er auf und beschwerte sich laut, schließlich habe er viel Geld bezahlt. Ich bat ihn dann, den Saal zu verlassen oder sich endlich wieder hinzusetzen. Er ging und das ganze Publikum hat laut applaudiert. Ich merke genau, wenn ich ein Publikum habe oder eben nicht. Und das faszinierende ist, dass es oft nur einer Sekunde bedarf, um diesen Kontakt zu gewinnen oder komplett zu verlieren.

Am 26. Oktober spielen Sie mit dem Konzerthausorchester Mozarts G-Dur-Konzert. Haben Sie auch den Eindruck, dass sich die Musik der Komponisten vor Beethoven aus den Konzertsälen zurückzieht?

Es kommt sehr darauf an, wo man hinsieht. In den USA sind die Klassiker noch sehr präsent. In Europa werden sie nicht mehr so häufig gespielt wie früher. Bach etwa scheint heute nur noch den Ensembles der historischen Aufführungspraxis zu gehören. Kaum ein modernes Orchester spielt das noch. Ein Stück weit gilt das auch schon für Mozart. In der vergangenen Woche hat das Orchester der Metropolitan Opera ein Bach-Stück gespielt. Die Presse hat lange darüber geschrieben, wie ungewöhnlich es sei, wieder einmal Bach von einem Symphonieorchester zu hören. Das ist eine Mode. Das wird sich wieder ändern.

Muss man als Interpret die Aufführungspraxis der Mozart-Zeit kennen?

Ich glaube, es gibt Musiker und Geiger, die so viel zu sagen haben, dass sie seine Werke auch ohne dieses Wissen vollgültig spielen können. Für mich gilt, dass ich möglichst viel wissen will, nicht nur über Mozart, sondern auch darüber, wie er von anderen vor mir gespielt wurde.

Hat sich ihr Mentor Yehudi Menuhin viele Gedanken über die Artikulation der Mozart-Zeit gemacht?

Nein, darum ging es nicht. Kaum einer hat Mozart individueller gestaltet als er. Wenn er gespielt hat, ging es um Menuhin, da war sein unglaublicher Klang und Ausdrucksgehalt. Heute denken wir die Komponisten und ihre Stücke immer aus ihrer Zeit heraus. Das macht die Interpretationen aber manchmal leider austauschbar. Bei Heifetz, bei Menuhin oder Milstein brauche ich dagegen nur zwei Töne zu hören und weiß, wer der Interpret ist. Ich habe gerade Menuhins Aufnahme des G-Dur-Konzerts aus den 30ern gehört. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der die ersten fünf Töne des Violinsolos im langsamen Satz so spielt wie er. Man könnte sagen, das ist zu romantisch oder es passt angeblich nicht zu Mozart. Aber das ist mir egal, denn wie es gespielt ist, ist es zum Weinen schön. Das ist ehrlicher und natürlicher als das Spiel anderer, die mit Absicht davon absehen etwas zu machen, was nicht in ein Regelwerk passt. Es kann doch nicht sein, dass Jahrhunderte von Musikern falsch gespielt haben.

Wie haben Sie Menuhin kennen gelernt?

Unbewusst schon mit sechs Monaten. Ich bin ihm quasi in den Schoß gefallen. Meine Eltern sind aus Südafrika geflüchtet, weil mein Vater Anti-Apartheid-Schriftsteller ist. Da war ich ein halbes Jahr alt. Sie gingen nach England und weil das Geld knapp wurde, suchte sich meine Mutter einen Job. Durch Zufall kam sie über eine Teilzeitagentur an den Posten als Sekretärin bei Menuhin. Sie sollte das eigentlich bloß ein halbes Jahr machen, daraus wurden aber 26 Jahre. Die ersten sieben Jahre hat sie mich jeden Tag in sein Haus mitgebracht, ich bin mit ihm groß geworden. Er hat sich als mein musikalischer Großvater verstanden.

Haben Sie noch einen Bezug zu Südafrika?

Ich fühle mich überhaupt nicht als Südafrikaner. Für mich ist es nicht entscheidend, wo jemand geboren wurde, sondern wo sich jemand zuhause fühlt. Ich bin Engländer und dazu Europäer, auch kulturell. Meine Familie hatte aus verschiedenen Gründen Europa verlassen, meine jüdische Hälfte kam aus Deutschland, meine katholische Seite aus Irland. Sie sind alle nach Südafrika geflüchtet, aber im Herzen doch Europäer geblieben. Südafrika war eine Teilzeitheimat für ihre Seelen. Deshalb war die Rückkehr nach Europa auch eine Art Heimkehr. Aber ich verfolge genau, was in Südafrika passiert. Das Land hat riesige Probleme. Ich bin schockiert, wie Politiker dort über das Drama Aids reden, es herunterspielen. Dabei ruiniert Aids die ganze Gesellschaft in diesem wunderschönen Land.

Viele Künstler haben Südafrika während der Apartheid boykottiert, würden Sie im Iran auftreten?

Das ist eine spannende Frage, die mir noch nie gestellt wurde (überlegt lange). Ich würde keine offizielle Einladung durch den Präsidenten annehmen. Wenn ich dort auftreten würde, dann würde ich versuchen ein Zeichen zu setzen, ich würde jüdische, sowie iranische Musik aufs Programm setzen. Wenn ein Land sagt, dass Israel nicht das Recht hat zu existieren, dann ist das eine inakzeptable Äußerung. Man würde mich wahrscheinlich verhaften, bevor ich die Bühne betrete.

Sie sind katholisch getauft und praktizierender Protestant. Wie wichtig sind Ihnen Ihre jüdischen Wurzeln?

Sehr, sehr wichtig. Diese Wurzeln reichen zurück bis zum ersten Rabbiner von Potsdam. Für mich gehört das Judentum zu mir und zu meiner Musik. Die Geschichte meiner Familie hat mich tief bewegt und ich versuche das auch in den Konzerten zu zeigen. Am 9. November veranstalte ich im Flughafen Tempelhof ein Benefizkonzert anlässlich des 70. Jahrestags der Reichsprogromnacht. Diese Nacht hat meine Familie direkt betroffen. Danach haben sie alles verloren, vor allem haben sie gemerkt, dass sie falsch waren. Meine Urgroßväter Clemens Klein und Wilhelm Valentin waren lange begeisterte Anhänger der Nazis und das obwohl sie Juden waren. Beide waren getaufte Christen, fühlten sich als Deutsche, kämpften im 1. Weltkrieg und waren hoch dekoriert. Doch spätestens ab dem 9. November hat Clemens Klein gemerkt, dass ihn keiner mehr will. Er hat das nicht verwunden und sich einige Monate später das Leben genommen. Er konnte es nicht ertragen Deutschland zu verlassen und alles aufzugeben. Das Konzert ist mir deshalb sehr wichtig und das gerade in Tempelhof.

Was bedeutet der Ort?

Er ist auf Grund seiner Architektur eine Erinnerung an die Nazi-Zeit, aber es ist auch der Ort der Luftbrücke, ein Ort der Zivilcourage. Einen besseren Erinnerungsort gibt es gar nicht in Berlin. Dass der Flughafen nun geschlossen wird, ist ein großes Drama. Das ist ein Markenzeichen für Berlin.

Gibt es so etwas wie Normalität im Umgang mit dem Judentum in Deutschland?

Nein, ich fürchte nicht. Wenn man allein an die vielen Sicherheitsvorkehrungen denkt, die immer noch nötig sind. Aber als Musiker will ich doch zur Normalität beitragen. Ich kann mich da an ein prägendes Erlebnis erinnern. Es war 1996, da gaben Yehudi Menuhin und ich ein Konzert in Wunsiedel. Dort liegt der Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess auf dem Friedhof und jedes Jahr Ende August findet ein von Neonazis veranstalteter Gedenkmarsch statt. Die Stadt konnte lange nichts dagegen machen. Nun, ausgerechnet am Tag unseres Konzerts war es wieder soweit und der Bürgermeister kam zu Menuhin entschuldigte sich dafür und meinte, dass es wohl besser sei, das Konzert abzusagen, weil am Ende noch die Neonazis kommen könnten, um es zu stören. Menuhin sagte: Nur über meine Leiche. Dieses Konzert findet statt. Wenn sie kommen wollen, sollen sie kommen. Im Gegenteil machen sie die Türen weit auf. Und wir haben das Konzert gespielt. Das hat mich sehr bewegt.

Sie waren nun einige Jahre Mitglied des Beaux Arts Trios. Gerade haben Sie Ihre Abschiedstournee gegeben. Was ist in Ihnen vorgegangen?

Es war ein wahnsinnig emotionaler Abschied. Aber die Tournee ging ein Jahr lang, das erste Konzert war wohl das schwerste. Nach 80 Konzerten bekam ich es besser in Griff, obwohl sich die Gefühle des jeweiligen Publikums ja immer wieder sehr stark äußerten.

Ich stelle mir das kurios vor, ein Mitte 30-Jähriger auf Abschiedstournee…

…(lacht), genau, vor allem in Amerika kamen Leute und fragten mich ratlos, was ich denn nun für den Rest meines Lebens tun werde. Sogar Menahem Pressler, immerhin weit über 80, hat im nächsten Jahr über 100 Konzerte. Auch wir beide werden weiterhin zusammenspielen. Aber für die Leute war das dennoch wie die Beerdigung von uns drei Musikern. Auch ich bin mit dem Beaux Arts Trio groß geworden, ein Leben ohne ist schon sehr seltsam.

Gab es die Überlegung, das Trio ohne Menahem Pressler mit einem neuen Pianisten weiterzuführen?

Ja, aber da habe ich mich dagegen gewehrt. Pressler sagte, dass er uns das Beaux Arts Trio irgendwann gerne überlassen hätte. Aber meiner Meinung nach hätte das nicht funktioniert, denn für mich ist Pressler die schillernde Persönlichkeit des Beaux Art Trios, mehr als alle Streicher, die in den Jahren mit ihm gespielt haben. Ich habe mich immer ein wenig wie ein Gast gefühlt, ganz dabei, aber gleichzeitig sehr geehrt, Teil dieses legendären Ensembles zu sein. Im Nachhinein bin ich über diese Form des Abschieds dankbar, es fühlt sich richtig an.

Wie gut kennen Sie das Konzerthausorchester, mit dem Sie am 26. Oktober spielen werden?

Sehr gut, ich habe in den vergangenen Jahren sicher sechsmal mit ihnen gespielt. Ich mag auch diesen neuen alten Saal extrem gerne. Immerhin steht er auf dem Grundstück, wo schon Paganini aufgetreten ist. Die ganze Ecke der Stadt mag ich und wohne dort auch immer, wenn ich in Berlin bin. Mich erinnert das immer an eine sehr wichtige Phase meines Lebens. Ich habe vor Jahren mit dem Orchester Schumanns Violinkonzert gespielt und während dieser Tage das Haus meiner Urgroßeltern in Berlin wieder besucht. So habe ich begonnen, mich mit den deutschen Wurzeln meiner Familie zu beschäftigen.

Vor dem Konzert können die Zuhörer im Konzerthaus frühstücken. Ich könnte mir vorstellen, dass ihnen so eine kulinarische Musikvermittlung gefällt…

…(lacht). Ich finde das toll. Alles, was Publikum und Musiker zusammen bringt, ist gut. Was gibt es schöneres als gut zu essen und dann gute Musik zu hören, so sollte jeder Morgen anfangen.

Klassikstars engagieren sich gegen das Vergessen
Die Welt, 11.10.2008

Den 9. November würdig zu begehen, ist eines der größten Probleme der deutschen Gedächtniskultur. Nicht etwa, weil auf dieses Datum gleich vier Großereignisse fallen: die Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918, der 1923 niedergeschlagene Putsch von Hitler und Ludendorff in München, die Pogromnacht von 1938 und die Öffnung der Berliner Mauer 1989. Nein, allein die Vorgänge von 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht machen den 9. November zu einem äußerst schwierigen Gedenktag.

Denn die damaligen Ereignisse sind nicht entrückt in eine unwiederholbare Vergangenheit. „Es gibt in der ganzen Welt Rassismus und rassistische Sprüche, die nicht akzeptabel sind”, sagt Daniel Hope. „Jeder muss für sich überlegen, wie er darauf reagiert, was er dagegen tun kann.” Sein Engagement gegen das Vergessen und für Zivilcourage findet am 9. November 2008 einen neuen Höhepunkt im Benefizkonzert aus Anlass der 70. Wiederkehr dieses furchtbaren Tages. Bereits der Titel deutet an, dass es hier um mehr geht als eine Gedenkfeier: „Tu was!” nennt Hope das Konzert. Als Schirmherr fungiert Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Die Idee dazu verdankt sich einem Zufall. Hope suchte am Flughafen Singapur nach Urlaubslektüre, stieß aber auf Martin Gilberts Buch „Kristallnacht” – und verschlang es in zwei Stunden. „Ich war total schockiert über das Ausmaß der Gewalt, die 1938 unter den Augen der internationalen Presse zum Ausbruch gekommen war, über die vielen Augenzeugen, die einfach nur zugesehen und nichts getan haben.”

Binnen weniger Wochen stellten Hope und einige Helfer das Benefizkonzert im Flughafen Tempelhof auf die Beine. Er fragte Freunde, ob sie ohne Gage daran teilnehmen würden, und erhielt positive Antworten, unter anderen von Sol Gabetta, Thomas Quasthoff, Till Brönner, Max Raabe und Klaus Maria Brandauer. Die Einnahmen kommen der Freya von Moltke Stiftung zugute, die alljährlich 5000 Jugendliche aus Ost- und Westeuropa in Kreisau zusammenführt, einem Zentrum des Widerstands gegen Hitler. Helmuth James von Moltke versammelte auf dem schlesischen Gut bürgerliche Intellektuelle um sich, die Deutschlands künftige Rolle in einem demokratischen Europa planten. Moltke wurde Anfang 1945 in Plötzensee ermordet, seine Witwe Freya ging zunächst nach Südafrika, dann in die USA. Dort lernte sie eine Großtante von Daniel Hope kennen. Der britische Geiger mit deutschen Großeltern hat also auch eine fast familiäre Beziehung zur Familie Moltke.

Insofern ist er prädestiniert für ein Gedenkkonzert wie das am 9. November in Tempelhof. Den Ort wählte er mit Bedacht, der Flughafen symbolisiert sowohl nazistische Architektur wie die Freiheit Berlins. Hope bedient sich auch des problematischen Begriffs „Kristallnacht“, der eigentlich die Pogrome als eine Art Silvestervergnügen interpretiert. Vorsichtshalber fragte er bei der Jüdischen Gemeinde an, die fand nichts einzuwenden.

„Auch Menahem Pressler verwendet diese Bezeichnung”, so Hope. Der legendäre Gründer des Beaux Arts Trios hatte als 15-jähriger die Pogromnacht in Leipzig erlebt, er konnte mit seiner Familie im letzten Moment aus Deutschland fliehen. Der Auftritt des mittlerweile 85-jährigen Pressler dürfte der Höhepunkt des Konzerts werden.

Ein musikalischer Nachtflug in die Vergangenheit
mz-web.de, 13.10.2008

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn sich die ältere Dame am Fenster der Dahlemer Villa damals freundlicher verhalten hätte. Vielleicht hätte Daniel Hope dann für den kommenden Sonntag ein Konzert in New York angenommen oder in Wien, in Amsterdam oder London. Überall dort wird der Geiger in den kommenden Monaten zu Gast sein. Doch am 9. November hat er nun die Abflughalle des eben erst stillgelegten Airports in Berlin-Tempelhof für ein Konzert mit Freunden gebucht, mit denen er unter dem Motto “Tu was!” an den 70. Jahrestag der Pogromnacht erinnern will.

Zwei Wochen vor dem großen Auftritt sitzt Daniel Hope – nach einer Mozart-Matinee im Berliner Konzerthaus – bei Lutter & Wegner. Das Restaurant am Gendarmenmarkt ist als Altberliner Institution die perfekte Kulisse für ein Gespräch, das weit hinter das Leben des 34-Jährigen zurückreicht. Sein jüdischer Ururgroßvater Julius Valentin betrieb mit dem späteren AEG-Gründer Emil Rathenau in der Chausseestraße eine Maschinenfabrik, die Nachkommen lebten wohlhabend in einer Vorort-Villa – bis sie 1935 von den Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen wurden.

Warum Daniel Hope auch irische Wurzeln hat und 1974 in Südafrika geboren wurde, aber in London aufwuchs, ist in seinem Buch „Familienstücke” nachzulesen – ebenso wie die Geschichte seiner Spurensuche, die mit dem abweisenden „Verschwinden Sie!” und dem zugeschlagenen Fenster am einstigen Besitz der Familie begonnen hatte. Warum er als getaufter Katholik und praktizierender Protestant nun an das Schicksal deutscher Juden erinnert, erzählt er selbst.

Auf einer Konzerttournee nach Asien suchte er im Mai dieses Jahres nach Flugzeug-Lektüre – und fand ein Buch des Historikers Martin Gilbert, der die Ereignisse vom 9. November 1938 akribisch rekonstruierte. Nachdem Hope – der als Mitglied des Beaux Arts Trios in dem Pianisten Menahem Pressler einen Augenzeugen der Zerstörungen kennengelernt hatte – auf den runden Jahrestag des Geschehens aufmerksam wurde, entschloss er sich zum Handeln.

Binnen weniger Wochen hatte er nicht nur Weltstars wie den Bassbariton Thomas Quasthoff und die Cellistin Sol Gabetta, die Pianistin Heléne Grimaud und den Schauspieler Klaus Maria Brandauer, die Band Polarkreis 18 und den Trompeter Till Brönner gewonnen. Er hatte in Tempelhof zudem den Rahmen für sein spektakuläres Vorhaben gefunden – und in Außenminister Frank-Walter Steinmeier den passenden Schirmherrn.

So zupackend ist der Weltbürger Daniel Hope immer – egal, ob er mit Brandauer ein Programm zur Erinnerung an den Theologen Dietrich Bonhoeffer konzipiert oder mit einem Streich-Trio und dem Sprecher Ulrich Matthes als Sprecher an „Verbotene Musik” erinnert. Dabei könnte er sich längst auf sein klassisches Repertoire sowie sein Management verlassen und ansonsten sein Leben genießen. Warum tut er das alles? „Eben weil ich dabei mein Leben genieße”, sagt er lachend. “Gute Musik mit guten Freunden für einen guten Zweck – was gibt es Schöneres?”

Es ist, als spräche in diesem Moment auch sein „musikalischer Großvater” Yehudi Menuhin, bei dem Daniel Hope die Kindheit und die erste Ausbildung genoss, während seine Mutter als Sekretärin für den Star arbeitete. Ihm verdankt er zudem seine Liebe zu Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen Violinkonzert das erste Stück war, das Daniel Hope hörte und später selbst spielte. Unlängst hat er mit der Aufnahme der Urfassung seinen vierten Echo-Klassik-Award gewonnen. Und was wird er selbst am Sonntag in Tempelhof spielen? Ganz klar: Mendelssohn! Weil er ein jüdischer Komponist war, der tief im deutschen Erbe wurzelt – und weil seine Musik einfach unmittelbar zu Herzen geht.

Geiger Daniel Hope im Gespräch über populäre und unpopuläre Musik
Berliner Zeitung, 16.10.2008

Daniel Hope ist einer der vielseitigsten und besten Geiger seiner Generation. 1974 in Südafrika geboren, nahm er seinen ersten Unterricht mit 4 Jahren und trat im Alter von elf zum ersten Mal mit Yehudi Menuhin auf, Beginn einer langen Partnerschaft. Er war Mitglied des Beaux Arts Trio und ist Künstlerischer Direktor beim Savannah Music Festival, wo er regelmäßig Werke junger Komponisten in Auftrag gibt. Für Aufsehen sorgte 2007 sein Buch „Familienstücke”, in dem er die Geschichte seiner irisch-deutsch-jüdischen Familie erzählt.

Herr Hope, spielen Sie gerne Hits?

Wie meinen Sie das?

Ich meine die üblichen Verdächtigen, Dauerbrenner der Klassik wie Mozart, Tschaikowsky, Vivaldi.

Der größte Hit für die Geige sind natürlich die „Vier Jahreszeiten”, es gibt kein anderes Violinkonzert, das sich so gut verkauft und so sehr gewünscht wird. Danach kommt das erste Violinkonzert von Max Bruch, was zum Beispiel in den Charts von Classic FM immer weit vorne ist. Ja, wenn Sie das meinen: Ich spiele die „Vier Jahreszeiten” gerne und genauso auch das Violinkonzert von Bruch. Andererseits denke ich: Man kann auch Hits machen. Man kann Musik spielen, die nicht so bekannt, aber trotzdem genial ist und auch mit dieser Musik viel bewegen.

Ist Ihnen das schon mal gelungen, einen Hit zu machen?

Nicht nur mir. Viele Künstler haben Musik gespielt, die sie als wichtig und toll empfunden haben und die beim Publikum großen Erfolg hatte. Das ist auch schon ein Hit. Es muss sich ja nicht gleich zigtausendmal verkaufen. Dabei spielen auch die Medien eine Rolle, insbesondere der Rundfunk. Wenn die das unterstützen, kann es dieses Hit-Phänomen auch geben. Das war zum Beispiel der Fall bei Henryk Góreckis dritter Symphonie (ein Auftragswerk des SWR), die wurde ein unglaublicher Hit. Oder die Sarabande aus der Cembalo-Suite von Händel, die für Cello bearbeitet und dann in einer Werbung für Levi’s-Jeans gespielt wurde – das hat sich auch millionenfach verkauft.

Sie haben gerade eine CD mit Vivaldi-Konzerten aufgenommen, von denen keines so populär geworden ist wie die „Vier Jahreszeiten”. Lässt sich das musikalisch begründen?

Nein. Natürlich sind die „Vier Jahreszeiten” geniale Werke, sie sind brillant geschrieben und berühren ein Publikum – das braucht man für einen Hit. Aber ich behaupte, wenn genügend Geiger auch die anderen Vivaldi-Konzerte spielen und aufnehmen würden, unterstützt durch ein breites Medium, würde man sehr schnell auch andere Hits haben. Man sieht das zum Beispiel bei der Händel-Arie „Lascia la spina”, die Cecilia Bartoli vor ein paar Jahren eingespielt hat. Die gibt es seit 300 Jahren – plötzlich wurde sie zu einer weltweiten Sensation.

Wenn ein Konzertveranstalter nun das Tschaikowsky-Konzert oder Mendelssohn E-Moll auf Ihr Programm setzen will, sagen Sie dann sofort Ja – oder versuchen Sie, ein anderes Werk vorzuschlagen, das noch nicht diese Popularität hat?

Es gibt Veranstalter, die sagen: „Wir hätten gerne ein großes, romantisches Violinkonzert. Wie wäre es zum Beispiel mit Bruch?” – Klar, es gibt ja drei Violinkonzerte von Bruch, und oft kann ich einen Veranstalter überreden, eins der weniger bekannten zu machen. Im Programmheft steht dann trotzdem „Bruch-Violinkonzert”, und die Leute wollen es auch hören. Man schafft es natürlich nicht bei allen. Manchmal wollen Veranstalter einfach das Mendelssohn-Konzert haben. Weil es ja auch ein Ereignis ist, diese tolle Musik zu hören. Und wie könnte ich da dagegen sein? Das wäre einfach falsch.

Sie vergeben regelmäßig Kompositionsaufträge – wie werden die finanziert?

Manchmal bezahle ich das privat, manchmal wird es auch durch mein Festival in den USA finanziert. Beim Savannah Music Festival haben wir ein Budget für so etwas. Oder ich versuche, Stiftungen und Banken zu überreden.

Bekommen die Komponisten von Ihnen bestimmte Vorgaben?

Nein, das wäre doch blöd von mir. Ich frage natürlich nach der Dauer und der Besetzung. Klar, wenn so ein Stück 60 Minuten geht, mit 15 Posaunen, muss man schon fragen, ob das realisierbar ist. Ich will das ja nicht nur ein einziges Mal spielen. Aber musikalisch, also in welchem Stil einer etwas komponiert, da würde ich mich nie einmischen – das ist doch kein Wunschkonzert.

Schreiben die beauftragten Komponisten heute mehr atonale oder tonale Musik?

Früher war es mehr atonal, aber inzwischen gibt es eine Tendenz, davon weg zu kommen. Es gibt eine ganz neue Generation von fantastischen, jungen Komponisten, Leute wie Thomas Adès, Mark-Anthony Turnage, oder Magnus Lindberg – diese Musik kann man zwar nicht unbedingt als tonal bezeichnen, aber atonal ist sie auch nicht. Sie hat eine Sprache, die sehr dynamisch ist, die einen direkt trifft. Das ist für mich wichtig.

Mögen Sie eigentlich die Atmosphäre eines Konzertsaals, die Distanz zum Publikum?

Ich bin lieber nah an den Hörern. Als ich das erste Mal bei der „Yellow Lounge” in einem Berliner Club aufgetreten bin, da hatten wir 300 bis 400 Leute, alle um die 20, die standen um uns herum, saßen unter dem Klavier und überall – ich persönlich finde das ganz toll. Es ist ja auch so, dass zum Beispiel Vivaldis Musik für solche Ereignisse geschaffen wurde, für Abendessen oder Hofkonzerte, Musik war Bewegung, das war lebendig. Das hat nicht in starrer Konzertsaal-Atmosphäre stattgefunden, wo erst jemand spielt und danach wird applaudiert.

Haben Sie mal Straßenmusik gemacht?

Ja, früher als Student habe ich oft in London auf der Straße gespielt, an Weihnachten auf der Bond Street. Da konnte man eine Menge Geld verdienen. Gerade an Weihnachten waren die Leute sehr großzügig.

Haben Sie viele Hits gespielt?

Ja, meistens die gängigen Sachen. Aber nicht nur – es ist erstaunlich, womit man die Leute ablenken kann. Natürlich muss man eine gewisse Balance halten, aber ich denke, die Leute, die auf der Straße vorbeigehen, die wollen einfach nur schöne Musik hören. Und wenn Sie mich fragen: Für mich ist jedes Stück von Bach oder Vivaldi schöne Musik.

Und wenn Sie heute Straßenmusiker hören, bleiben Sie stehen?

Wenn die gut sind, klar. Und wenn sie wirklich gut sind, gebe ich auch ein bisschen Geld.

Hope’s “Kristallnacht“ Tempelhof Concert to recall Nazi rampage
bloomberg.com, 13.11.2008

Shop windows were smashed, 200 synagogues were destroyed, and some 30,000 Jews were deported. People were murdered, businesses and homes ransacked. “Kristallnacht“, one of the most shameful events in German history, hardly seems an event to celebrate. But when British violinist Daniel Hope realized that this year marks the 70th anniversary of the Nov. 9-10 “Night of Broken Glass“ he resolved to organize a concert in Berlin.

“I think celebration is the wrong word“, he said in an interview last month. “It’s a commemoration. I’m not planning a party. But there needs to be some kind of event to mark the 70th anniversary of one of the most significant days in terms of hatred against the Jews that Germany has witnessed. Because it was from that day everything went downhill.“

Hope, at 34 one of the most strong-minded and individual violinists on the international solo circuit, was at Singapore airport in May when he found historian Martin Gilbert’s book “Kristallnacht: Prelude to Destruction“. He took it with him on a beach holiday, read it in two hours, and resolved to take action. What disturbed him most about Gilbert’s book, he said, was the fact that although war had not yet begun, so many witnesses remained passive observers. “The international press was still in Germany“, Hope said. “The New York Times and the London Times were reporting. And there are calm, chilling eyewitness accounts of large groups standing in the streets watching as Jews were beaten up and dragged from their apartments.“

Symbolic Setting

Hope has titled his concert “Tu was!“ or “Do something!“ and chosen the unusual venue of Berlin’s Tempelhof airport, a place notable not only for its striking Nazi architecture but also for its seminal role in the lifesaving airlifts during the 1948-49 Berlin Blockade.

For the concert, Hope has assembled a lineup which includes actor Klaus Maria Brandauer, pianist Helene Grimaud, singers Max Raabe and Thomas Quasthoff, popular artists Patrice and Polarkreis 18, and 84-year-old pianist Menahem Pressler, himself a victim and survivor of Kristallnacht.

Proceeds of the concert will be donated to the Freya von Moltke Foundation, which supports a center for international understanding in Kreisau, now in Poland. Freya von Moltke is the widow of Helmuth James Graf von Moltke, a leading anti-Nazi intellectual who was executed for treason in 1945. The two fought for the Resistance during World War II from their Kreisau base. She escaped to the U.S. via South Africa, where she became friends with Hope’s great-aunt.

Quixotic venture

Planning and financing an event of this magnitude in five months was a quixotic venture in an industry which generally plans five years in advance. “People often tell me that I’m mad, because I come up with projects which seem to be not possible“, said Hope, laughing. “That just fires me up even more. This is a significant date for me, 70 years at this time means that it’s possibly one of the last commemorations where survivors can be there. To be here together, in a united Berlin, in a new century, that’s an amazing thing.“

Hope, with his tousled red hair, towering physique, and aura of intensity, sips a coffee in the shabby cafe at Tempelhof. The airport, which hunches over its ambivalent past with a moth-eaten grandeur, will close two weeks after our interview but Hope has persuaded its new owner to rent him the space. A host of sponsors, including Germany’s Foreign Ministry, Daimler AG, Bayerische Motoren Werke AG and Hyatt Corp., are backing the event.

Polished Shoes

For now, our interview is still punctuated by forlorn flight announcements and the ring of a few pairs of polished shoes making the long journey through the cavernous departure hall. Berlin at the time was the center of Nazi Germany, and today it is the new future“, says Hope, who was born in South Africa, travels on an Irish passport, and lives in Amsterdam with his German wife. “It matters enormously to me. I have always felt a connection to Berlin.“

That link is more than mere sentiment. Hope’s grandparents and great-grandparents came from Berlin. As Jews, they were forced to flee, some dying along the way. The Dahlem villa of his great-grandfather, a steel magnate, was confiscated by the German foreign office, which still owns it today. The house was, at various times, a Jewish school and a Nazi center for cryptography, and now houses the German Archaeological Institute. Hope’s book about the house, “Familienstuecke: Eine Spurensuche“ or “Family Album: Following the Trail“ was published in German last year.

Comfortable Hindsight

“I have to say that I don’t know any other country as open about its past as Germany is“, Hope said. “That’s something I salute. I don’t know what I would have done back in 1938. I would like to have opened my mouth and shouted. But I can’t know that. It’s easy to sit here with the comfort of hindsight and make judgments. “This is about looking forward“, he said. “Every day we have racism, every day there are neo-Nazis, in many countries we have a rising far right, and people who don’t tolerate the views of others. This is about what we can do to try and make things a little better.“

“Music has an incredible power, because no matter what language you speak, you will respond to it. You can’t change the world, but you can change minds. I’m a great believer in dialogue. If you can persuade three people to start talking, that’s already a start.“

A new context for the Holocaust
Newsweek, 15.11.2008

With far-right anti-immigrant parties strengthening in Austria, and growing opposition to the mosques and minarets shooting up from Berlin to Cologne, xenophobia is in the air in Europe. Pending job losses from the financial fallout may soon make matters worse. That’s why, when violinist Daniel Hope got the idea of hosting a 70th anniversary concert for Kristallnacht in Berlin, he wanted it to be more than a remembrance of the Holocaust and World War II. “It’s also about now, about violence against foreigners and any kind of racism,” he said. “We’re at a time, in an unstable atmosphere, where we can’t afford to be looking away and watching again.”

“Tu Was!”, or “Do Something!”, which takes place Nov. 9 at the recently closed Tempelhof Airport of Nazi pride and Berlin Airlift fame, pays homage to the infamous Night of Broken Glass in 1938 when Nazis destroyed thousands of Jewish homes, businesses and synagogues, and deported 30,000 to concentration camps, in a prelude to the Holocaust. Joining the Emmy-nominated Hope – a South Africa-born, London-raised musician who studied under Yehudi Menuhin and won Britain’s 2004 Young Artist of the Year among other accolades – is a star-studded cast that includes legendary German actor Klaus Maria Brandauer (“Mephisto”), cabaret celebrity Max Raabe and the Beaux Arts Trio pianist Menahem Pressler, who himself witnessed Kristallnacht as a 15-year-old boy in Berlin. Blending music with readings, video and discussion, the multi-genre performance features songs by the so-called “Entarte” composers of the 1930s whom the Nazis deemed degenerate and subsequently destroyed.

In the current context of tensions over Europe’s Muslim population, the concert takes on an added significance. “Germany has accepted its role within this 20th century nightmare. Daniel is only able to do this concert because Germany is so open to examining its past,” said John Axelrod, the conductor of the Lucerne Symphony Orchestra who similarly played a concert at Auschwitz last year to raise awareness about the risks of racism and xenophobia. “It’s not just about Jews and Germans. It’s about Jews and Arabs. Americans and Arabs. Germans and Muslims. Americans and Russians. Music has a humanitarian purpose; it has the ability to resonate in the souls of all people regardless of culture, language or borders,” he added.

The concert, which boasts an eclectic range of jazz, rock, classical and other genres, may mark a turning point for German-Jewish relations. That, at least, is what Hope hopes. But for the grandson of German Jews who fled Berlin before the war, most important is that it serves as “a catalyst to jumpstart people’s feelings so they start thinking, start acting, so that they don’t sit by ever again and watch while unacceptable things happen.” 70 years after Kristallnacht, with tensions mounting between Europe and its Muslims, Berlin is the ideal venue for this show. It is the place where it all began.

Concert to mark 70s since Nazi pogrom
Herald Tribune, 16.11.2008

BERLIN: The question troubles officials, academics and rabbis alike: how to commemorate a night of terrible carnage and fear that became known as “Kristallnacht,” or “Night of the Broken Glass”?

It vexed British star violinist Daniel Hope six months ago, and slowly an idea unfolded: a concert of world-class classical, pop and jazz musicians donating their time and energy to honor the victims and send a message of hope for civil courage. The concert takes place Sunday night on the 70th anniversary of the of the Nazi-incited mass riots that left more than 91 Jews dead, damaged more than 1,000 synagogues and left some 7,500 Jewish businesses ransacked and looted.

The idea was sparked by a book that Hope happened upon in a Singapore airport bookshop detailing the organized destruction of Jewish lives, property and history across Germany that began Nov. 9, 1938, and lasted two days. “It became very clear to me that I had not really grasped the full horror of Kristallnacht,” Hope, 34, told The Associated Press. “I thought it was just about smashed glass. I hadn’t realized on that day there had been so much carnage.” After reading the book, Hope, who lives in Amsterdam, Netherlands, began making calls to find out what kinds of events were planned in Germany to mark the anniversary. “I was amazed to find out that there was nothing. Nothing other than the official ceremony,” he said.

Within three months, Hope had secured support for his concert from German Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier. “Something just had to be done,” said Hope, who has German Jewish roots.

Hermann Simon, the director of Berlin’s restored, gold-domed Neue Synagogue, firmly believes acts of commemoration are crucial to preventing a repeat of the destruction that gutted the city’s landmark, central Jewish house of worship. Yet he acknowledges the how remains a challenge. “It’s difficult to know how to commemorate a day of tragedy,” Simon said. “We have to find a way, we need a new approach, but what is the right way?”

German children begin learning in the middle-school years about the Nazis’ attempt to destroy European Jewry that effectively began with Kristallnacht and culminated in the systematic murder of 6 million Jews by 1945. Some 30,000 Jewish men and boys were arrested in the Kristallnacht pogrom and sent to concentration camps.

One of the most effective teaching tools is survivor testimony. Yet these special teachers are slowly dying out, taking with them their unique ability to make history “real” for future generations.

A main commemoration ceremony attended by Chancellor Angela Merkel and Charlotte Knobloch, head of the Central Council of Jews in Germany – herself a Kristallnacht survivor – is to be held on Sunday in a restored Berlin synagogue. Other cities and Jewish communities across the country also have plans to mark the day.

Yet some worry that these events fail to reach younger generations. “There are speeches and exhibitions, but we have to think about how to make the young people learn,” Simon said. “We need something new, something thrilling. Knowing that traditional concert halls would be long booked out, Hope sought a more interesting space and on Sunday night will play the first-ever concert in the former departure area of Berlin’s recently closed Tempelhof Airport He has commitments from a dozen leading artists, ranging from 83-year-old German-born pianist Menahem Pressler, who lived through Kristallnacht, to chart-topping pop group Polarkreis 18, to big band crooner Max Raabe.

All proceeds will go toward the Freya von Moltke Foundation to promote international exchange in Krzyzowa, Poland – formerly in Germany and the site of the Kreisau Circle that resisted the Nazis.

“I’m thrilled that we can commemorate and remember the victims of one of the most horrendous acts in world history,” Hope said. “It is a wonderful chance for everybody to think about things, about the situation we are in, to keep talking about things….not doing something is the worst thing anyone can do.”

Kristallnacht anniversary: Hope comes to Berlin’s Tempelhof
The Guardian, 21.11.2008

It is an enduring symbol of the Nazi regime and once Europe’s largest airport – so what do you do with the empty relic of Berlin’s Tempelhof? British violinist Daniel Hope thinks he may have the answer. Tomorrow evening, Hope will fill the airport – which was closed just 10 days ago – with some of the world’s world-renowned musicians and actors to mark the 70th anniversary of Kristallnacht, one of the most monumental acts of racism Europe has ever witnessed.

Inspired by a book on the subject by British historian Martin Gilbert, Hope resolved to observe the occasion in the best way he knew: music. “It’s a commemoration, not a party, which is not to say it won’t be a fulfilling experience”, he told guardian.co.uk. Tempelhof, he said, came to mind as being a highly appropriate location for his Tu Was! (Act) concert, given its controversial history. “It’s a potent symbol, being both a Nazi-era building and, with its inextricable link to the legendary airlift after the war, a unique act of civil courage,” said Hope, whose own family was forced to flee Nazi Berlin.

The 35-year old, who is ranked one of the world’s leading solo violinists, quickly gathered an impressive crowd. Among them will be German bass baritone Thomas Quasthoff, pianist Helene Grimaud, the actor Klaus Maria Brandauer, pop artists Patrice and Polarkreis 18; and – arguably the most impressive figure of all – pianist Menahem Pressler, 84, himself a Kristallnacht survivor. Foreign minister Frank Walter Steinmeier agreed to act as patron to the project, which helped Hope to persuade airport authorities to let him use the departures lounge and fill it with seating for a paying audience of 800. Profits will go to the Freya von Moltke Foundation, a centre for international understanding, in Poland.

Menahem Pressler said he was delighted with the idea. “Daniel is sweet man and when he asked me if I’d take part, I reorganised my schedule to do so,” he said to guardian.co.uk yesterday. Pressler, who founded the Beaux Arts Trio chamber ensemble before disbanding it earlier this year, Kristallnacht remains an integral part of his personal history.

The state-sanctioned violence, which took place on the nights of November 8 and 9 1938, led to Pressler’s family fleeing their home in Magdeburg. Four months later they arrived in Palestine, a day before war broke out. While the pianist’s immediate family were saved from the Holocaust, his grandparents, numerous uncles, aunts and cousins perished in the concentration camps. “That night is certainly something to remember,” he said. “It obviously reminds me of the horrific persecution, but in a way, being able to take part in the concert makes me feel very, very fortunate. I had the luck to go to Israel, which saved my life, while many others didn’t and still now, at the age of 84, I’m relishing music more than ever.” It was, Pressler said, partially the suffering he experienced that made him the acclaimed musician he has become. “You get wrinkles not just on your face, but also in your heart – they reflect your experience, your suffering and your pleasure. I learned the depths of my emotions through music and channelled them into music making. I doubt I’d have become the pianist I am if I’d stayed in Magdeburg.”

The evening’s programme largely reflects the cultural riches of Germany, including music by the great composers who were banned or misused, artists whose works were considered degenerate or composers who were persecuted and murdered. Thomas Quasthoff will perform Four Serious Songs by Johannes Brahms, while Argentine-born cellist Sol Gabetta will play a work by Ernest Bloch, the Swiss composer who was inspired by Jewish liturgical and folk music. Hélène Grimaud, as famous for her love of wolves as her musical abilities, will play works by JS Bach, while Max Raabe, who has made a huge name for himself as a singer of songs from the 1920s and 30s, will revive some of the popular music from the Weimar Republic. Hope himself has opted for Lieder by Felix Mendelssohn-Bartholdy. A musician close to Hope’s heart, Mendelssohn was banned by the Nazis, who ordered linen covers to be sewn over his scores and stamped them with a warning that they were not to be played. The highlight of the evening, however, is set to be Pressler’s performance of Beethoven’s penultimate Sonata No. 31 in A-flat Major, Op. 110. He chose it, he said, because it was the piece of music which helped give expression to his experience.

“It has everything,” Pressler says. “It has idealism, it has hedonism, it has regret and it has something that builds like a fugue and at the very end – something very rare in Beethoven’s last sonatas – it ends triumphantly.”

“It says: ‘yes – my life was worth living’. That’s what I feel.”



2007


When good musicianship is no longer enough
The Telegraph, 02.02.2007

“Today’s classical musicians need to be plugged in to technology“, says Adam Sweeting News that the gifted British violinist Daniel Hope has signed a recording contract with Deutsche Grammophon, with the Mendelssohn Violin Concerto lined up as his first release, is an encouraging omen for classical listeners weary of being fobbed off with thinly-disguised pop music.

Daniel Hope: ‘You’ve got to be really plugged in to technology’

Nevertheless, despite his impeccable classical credentials – which include bar-raising recordings of Bach, Berg, Britten and Shostakovich – it’s Hope’s musical range and ambition which make him especially desirable.

His 2004 album East Meets West (for Warner Classics) picked up a gauntlet thrown down 40 years ago by Yehudi Menuhin and Ravi Shankar, when they recorded the West Meets East album together. Where Menuhin’s playing still sounded like Menuhin, Hope studied with Shankar’s disciple, Gaurav Mazumdar, and dramatically remodelled his technique to approximate an authentic Indian sound.

In 2002 he became the youngest ever member of the Beaux Arts Trio, the vintage Rolls-Royce of chamber ensembles, but he also pursues music-drama projects with actors Klaus Maria Brandauer and Mia Farrow, has collaborated with jazz vocalist Bobby McFerrin and former Police drummer Stewart Copeland, and has forged close links with contemporary composers including Turnage, Penderecki and Gubaidulina.

Following in the footsteps of his father, novelist Christopher Hope, he will also be publishing his own book, The Music of Time, to coincide with his DG debut. You might say he’s a man of parts.

“Just being a good musician is no longer enough,“ points out Matthew Cosgrove, who brought Hope aboard in his role as Deutsche Grammophon’s vice-president of A&R. Cosgrove knew exactly what he was taking on, because he had previously signed Hope to Warner Classics.

“Preaching to the converted in concert halls is fine if that’s all you want, but if you want to be bigger and spread the word further, then you’ve got to be really plugged in to modern technology and media.“

“We need to understand that classical music is part of people’s entertainment mix, so we have to learn from pop music, from computer games, from online newspapers – everyone’s having to adapt to get their message across. Daniel is one of classical music’s most persuasive exponents and ambassadors.“

A handful of other artists display similarly chameleonic abilities – for instance the off-roading cellist Yo-Yo Ma, violinist Joshua Bell or buccaneering baritone Bryn Terfel. But, as Cosgrove suggests, the biggest challenge facing classical music is to embrace new technology, and to do so profitably.

The concept of downloading has finally dawned on the major classical recording labels – Sony BMG have announced that Yo-Yo Ma’s new album Appassionato is the first Sony Masterworks release to “sell more digital copies than CDs in its first week“, for instance – but the digital revolution is being hindered by a rash of shootings in the foot.

Last year Warner Classics wowed the industry by creating a download site for its entire catalogue. Sadly, the company instantly restored the clever-dumb balance by abandoning all plans for new recordings. Universal Classics & Jazz has just launched its own online store, but – as with Warner Classics – downloads are only available in rights-protected Windows Media Audio format and can’t play on iPods, which account for a vast proportion of digital music players sold.

Yet with boldness and lateral thought, the digital era could still prove to be the salvation of the classical industry. Classical downloads enjoyed a sales surge in 2006, and fresh opportunities are there for the taking.

“Downloading could be a fantastic tool to promote young artists,” argues James Jolly, editor-in-chief of Gramophone magazine. “I said to EMI Classics, ‘Why don’t you scrap your Debut series [one-off CD recordings by new artists] and migrate it to the net?’

“They could put them up on the EMI site, but as part of the deal customers would have to provide feedback about the recordings. The more feedback you provide, maybe the cheaper your next download becomes. This sort of thinking goes on in the pop world all the time.”

It goes on in the independent classical labels, too. If the big companies can’t drag themselves out of first gear, they’ll soon find themselves out of the race altogether.

Daniel Hope’s recording of the Mendelssohn Violin Concerto will be released by DG in the autumn.

Savannah Music Festival Interview: Daniel Hope
Connect Savannah, 30.03.2007

One of the world’s most in-demand concert violinists, Daniel Hope has also served as associate artistic director of the Savannah Music Festival since 2004.

At 32, the energetic young performer represents the fresher, busier, more global face of classical music’s future. Born in South Africa, raised in the U.K., currently residing in the Netherlands and helping manage a music festival in the southern U.S., Hope also tours constantly all over the world, playing in a variety of genres from classical to Indian to jazz — while still finding time to follow the cricket scores.

Hope spoke with us recently from his home in Amsterdam, as he finished up a German tour and prepared to come stateside for the Savannah Music Festival, in which he will make several concert appearances of his own.

The single most ambitious event in this year’s Festival is Bach’s St. Matthew Passion. What was the genesis behind bringing that to town?

Daniel Hope: I met Martin Haselböck, who directs the Musica Angelica, four or five years ago when we played a Mendelssohn concerto together. I found in him the most extraordinary musician. The sound he’s able to get from a period instrument ensemble is amazing. I’m fascinated by the way he develops phrases and makes the music sing. When I heard he was doing this tour of the Matthew Passion, I got in touch and asked if we could find a way to get this to Savannah.

With two period orchestras and a large choral ensemble, it’s a massive undertaking. How did you and Director Rob Gibson decide the Festival could handle the logistics?

Daniel Hope: It’s not a natural choice for a city like this. It’s usually only seen in major American cities, so I was very keen to have it come here so people here can have a chance to hear one of the great masterpieces of Bach. I put the idea to Rob, and he didn’t need much convincing. He has for a long time admired Martin, and like all of us he loves the Matthew Passion. He went back to the board and his personal team and found out how it could work. I was thrilled they decided to do it.

It’s obviously a risk to have this kind of big-scale event put on. But I maintain that it really helps to give a face to the Festival when you have certain key events that happen throughout. It’s important to the Festival to have these kinds of things that are unique. It’s all very well to program a complete cycle of Beethoven string quartets. But by bringing in special events that are hard to find even in major cities in the U.S., it will help propel the Festival to another level, to reinforce the fact that people who come to the Festival are able to really enjoy seeing something special.

On the other end of the spectrum, people seem to really love the intimate chamber music concerts in the Telfair.

Daniel Hope: I’m still getting feedback via my website about how pleased so many people are to have chamber music back in Savannah. I’m very keen to establish a corps of players to continue to chamber music in Savannah.

With violist Philip Dukes and Josephine Knight, a great cellist, those are two key players we already have. And of course I’m pleased for a number of reasons that my wife Annika can come play bass. It gives us a chance to see each other and also to play some music together. We met playing music, that’s what connected us. We also have a number of great American artists we want to continue to spotlight. One of course is Benny Kim, not only a great musician and violinist but a great guy to have around. Then there’s Sebastian Knauer, Kristian Bezuidenhout, Mark Padmore, David Winkel, Wu Han and many many more…

These are all close friends of mine, and I think if people like each other and enjoy spending time together, that comes across in performances. What I think is important is to give a face to chamber music. Not necessarily the same players every time, but a stable group of veteran players that the audience will recognize. And all the musicians I’ve selected are all incredibly communicative people. Music is about communication, and we want more people to realize that an evening of chamber music is one of the finest art forms you can have.

In this year’s finale you’re soloing in the Brahms Violin Concerto with the Atlanta Symphony Orchestra, who accompanied Andre Watts in last year’s Festival. Is the plan for the ASO to have a yearly presence?

Daniel Hope: I’m very much hoping it’s a relationship that will continue. First of all, because it’s important to have the major orchestra in the state actually associated with the Festival. It makes a very important statement. And it’s great also for the ASO to be getting out of Atlanta and making in Savannah what I would hope to be a regular stop. I know Rob is very keen on that as well.

How did you decide on the Brahms?

Daniel Hope: It was a combination of consultation with the orchestra and with Mr. Spano, the ASO’s fine director. The Brahms concerto is one of the greatest works for violin ever written. It’s up there with the Beethoven and Mendelssohn concertos. It’s a monumental piece, full of passion, with some of the greatest melodies ever written. We certainly wanted to offer a popular piece as well as a great piece. We become spoiled as violinists, because there are so many wonderful works written for the instrument. But this in particular seemed to me to be a really great romantic work by Brahms to offer. There are a lot of romantic works throughout this year’s Festival, actually. So in a sense having the Brahms at the very end will be a fitting statement.

Brahms seems to be consistently underrated.

Daniel Hope: I’m not so sure about that. I would say there’s probably a big difference between the audience in Europe and the U.S. Certainly in Europe, Brahms is very appreciated and remains one of the composers best rooted in tradition. I think perhaps in the States there may be  less of that. If anyone is hesitant about the value of the Brahms concerto, all you have to do is listen to that opening melody. It gets me every time. And the second movement has this amazing oboe solo, itself with one of the most beautiful melodies. A lot of violinists in the day, including the great Spanish virtuoso Sarasate, refused to play the Brahms concerto. He said, “How can you expect me to stand around and watch the oboe player steal the show?” Of course, the violin is an essential part of the piece, but there is definitely the sense that he’s a part of the orchestra.

Doomsayers have long predicted the demise of classical music, but musicians such as yourself seem to be in extraordinarily high demand. Is the problem as bad as it’s been portrayed?

Daniel Hope: We have this wonderful audience now for classical music, and we need and rely upon that audience, but where the classical music industry is not paying enough attention is to the audience of tomorrow. That is a worry.  I think we certainly do have a problem in terms of audiences which, to be frank, are not getting younger.

As classical musicians we’re lucky enough to have a full cultural life offered to us so we can play every day of the year. In many concert halls in Europe, it used to be that people had to sometimes stand in line for tickets for hours. Now we see that the same halls may be 50-70 percent full.

There are phenomena out there that are different, like in Holland where I live, where the Amsterdam Concertgebouw has something like a 98 percent attendance record, often doing 5 or 6 concerts a day. There are scores of young people in their audiences.

It gets back to education in classical music. In many parts of Europe, the schools teach classical music and attendance at concerts is compulsory. At school concerts often you’ll see some of the very youngest kids actually sitting amongst the players while they’re playing. They learn what classical music is about firsthand, up close.
But if we don’t address that issue in the next 10 or 15 years we will be facing a problem. The predicted death of classical music is often overdramatized, but I certainly believe we can’t afford to be complacent about that.

What specifically is the Festival doing to address this?

Daniel Hope: One of the first things Rob Gibson said to me was, “We have to have children’s concerts. We have to offer free events.” I’ve agreed to take part in a children’s concert, and I insist all of my friends that come to the Festival appear in that concert. And they all do and they do it with pleasure. These free events are very, very important — I don’t think that people who don’t have the funds to afford a classical music concert should be excluded. The Savannah Music Festival 2007 will educate some 20,000 children. In these concerts we’ll often ask how many kids are taking strings or playing an instrument, and scores of hands go up. It’s a great thing to see.

Daniel Hope performs in various concerts in the Savannah Music Festival, including the Sensations chamber music series in the Telfair and the Brahms Violin Concerto with the Atlanta Symphony Orchestra at 3 p.m. April 1 in the Lucas Theatre.

For tix and info go to www.savannahmusicfestival.org

By Jim Morekis

Der besessene Geiger
Berliner Morgenpost, 04.08.2007

Daniel Hope spielt bei den Jüdischen Kulturtagen und veröffentlicht seine Biografie

Was hört eigentlich ein Stargeiger im Radio, während er sein Auto durch den Straßenverkehr steuert? Daniel Hope wusste es einmal selber nicht. Aber die Musik aus dem Autoradio fesselte ihn derart, dass er extra an den Straßenrand fuhr und anhielt. “Ich wollte keinesfalls die Absage verpassen”, erinnert er sich. Dann kam die Auflösung: Es handelte sich um ein Streichtrio des Komponisten Gideon Klein. Hope ging es wie den meisten, die den Namen hören – er hatte keine Ahnung, wer das ist. “Aber seine Musik hatte so viel innere Energie”, sagt der 33-Jährige. “Jedenfalls habe ich angefangen, im Internet zu recherchieren. Ich wollte einfach mehr wissen über diese Geschichte.”

Das Ergebnis seiner persönlichen Erkundungen ist am 6. September einer der Höhepunkte der Jüdischen Kulturtage in Berlin. Der Geiger wird gemeinsam mit Philip Dukes (Viola), Josephine Knight (Cello) und Schauspieler Gustav Peter Wöhler “Verbotene Musik” aus Theresienstadt wieder beleben. Es handelt sich dabei um Streichtrios von Gideon Klein, Erwin Schulhoff und Hans Krása. Kleins Streichtrio wurde neun Tage vor seinem Abtransport nach Auschwitz vollendet. Auch die beiden anderen Komponisten haben den Naziterror nicht überlebt. Hope hält es für ungeheuerlich, dass diese bedeutenden Komponisten beinahe von der Musikgeschichte vergessen worden wären. Deshalb hat er sich eingereiht in eine Riege aus Musikforschern und Interpreten, die seit Jahren versucht, deren Musik wieder im Markt zu platzieren. Denn nur wer gespielt wird, lebt im Bewusstsein der Menschen weiter.

Ein getriebener Mendelssohn

Hope ist zweifellos das, was man gut im Geschäft nennt. Der britische Geiger gehört zur jüngeren Virtuosen-Generation, die ein wenig verrückt in ihren Projekten und zugleich seriös in ihren künstlerischen Ansprüchen sind. Der kommende September ist sein großer Monat, denn dann erscheint sein erstes Album bei der Deutschen Grammophon. Der neue Exklusiv-Künstler spielt Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, darunter natürlich das populäre Violinkonzert op. 64. Aber selbst bei dem Standardwerk hat ihn gemeinsam mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock wieder die Besessenheit erfasst: Die beiden Musiker wälzten vorhandene Partituren und entschieden sich schließlich für den Urtext, jene Fassung, die nicht die vom Geiger Ferdinand David geforderten virtuosen Glättungen enthält. “Bei der Einspielung haben die Unterschiede selbst die Musiker im Orchester irritiert”, erzählt Hope. Wenn beispielsweise eine allen vertraute Dur-Wendung plötzlich im Moll auftaucht. Auch ist das Allegro im ersten Satz bei Hope noch einen Zacken schneller geworden. Mendelssohn wirkt insgesamt vorantreibender, aber auch getriebener. “Die meisten Leute sehen in Mendelssohn zuerst den Romantiker”, erklärt Hope: “Aber für mich steht er den Klassikern näher.”

Womöglich verbindet Hope und Mendelssohn sogar mehr als nur das übliche Komponisten-Interpreten-Verhältnis? Mendelssohn war nach außen hin der strahlende, der gemachte Mann, innerlich aber ein ewiger Selbstzweifler.

Hope fühlt sich ihm auch biografisch nahe, einer seiner jüdischen Berliner Vorfahren war ein Mendelssohn-Anhänger, hat er herausgefunden. In einem anderen Zweig ist Hope verwandt mit der Familie von Carl Friedrich Zelter, der die Sing-Akademie zu Berlin zur großen Blüte brachte und dessen Schüler Felix Mendelssohn Bartholdy war.

Auf Spurensuche in Berlin

Mit der Detailbesessenheit von Genealogen hat Hope die Autobiografie zusammengestellt: Das Buch “Familienstücke” erscheint ebenfalls im September (Rowohlt, 318 Seiten). Darin ist er seinen irischen, südafrikanischen, seinen berlinischen, aber auch seinen musikalischen Spuren – seine Mutter begann als Sekretärin beim Stargeiger Yehudi Menuhin – in die Vergangenheit gefolgt. Seine Lebensgeschichte lässt er aber in Berlin beginnen – als er in Dahlem die großbürgerliche Villa seiner Urgroßeltern besuchen will und zunächst abgewiesen wird.

Ob das Buch ein Stück Psychotherapie ist?, will ich wissen. Hope lacht. Ein wenig schon, meint er, aber er habe es für sich und für seine Familie geschrieben. Und dann wird er ernsthafter. “Ich habe durchaus auch einiges an mir selbst verstanden”, sagt er. Zum Beispiel hat er erfahren, dass es in seiner Familie schon immer Workaholics gab. Besessene eben…

Von Volker Blech

Gespenster der Vergangenheit
Berliner Morgenpost, 29.08.2007

Daniel Hope wird auf den Bühnen der Welt gefeiert. Seit Jahren beschäftigt sich der Stargeiger auch mit seiner Familiengeschichte. Die Spurensuche führte nach Berlin

Der gebürtige Südafrikaner wuchs in England auf, besitzt einen irischen Pass und lebt in Amsterdam. „Aber meine eigentliche, meine spirituelle Heimat ist Berlin“, erklärt der international gefragte Geiger Daniel Hope. In den letzten Jahren hat sich der dreifache Echo-Klassik-Preisträger intensiv mit der Geschichte seiner Vorfahren befasst. „Familienstücke. Eine Spurensuche“ heißt sein Buch, das am 21. September bei Rowohlt erscheint und gleichzeitig auch als Hörbuch auf vier CDs herauskommt.

„Meine Familiengeschichte spiegelt repräsentativ wider, was im 20. Jahrhundert passiert ist“, meint Daniel Hope. Sein irischer Urgroßvater wanderte als mittelloser Abenteurer nach Südafrika aus, wo er es bis zum Hotelbesitzer und Bürgermeister brachte. Hopes Ahnen mütterlicherseits sind jüdische Fabrikanten. Die Urgroßmutter wuchs wohl behütet in einer Dahlemer Villa auf, in der große Gesellschaften gegeben wurden und jedes Kind im Park zwischen Schwimmbad und Tennisplatz auf seinem eigenen Pferd ritt. Früh wurde die Familie von den Nazis enteignet. Nach Angriffen von Schlägertrupps entschloss sie sich 1935 zur Flucht nach Südafrika. Aus der Berliner Grande Dame wurde eine Näherin, die später eine Hühnerfarm bewirtschaftete, um ihre Kinder durchzubringen. Daniel Hope wollte die „Gespenster der Vergangenheit“, über die in seiner Familie nicht viel geredet wurde, unbedingt kennen lernen. Er ist ein neugieriger Künstler mit einem ungewöhnlich weiten Horizont. Vielleicht, weil er einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend in Yehudi Menuhins Wohnzimmer verbrachte. Seine Mutter war die Managerin des Jahrhundertgeigers und brachte ihren kleinen Sohn täglich zur Arbeit mit. Früh beeindruckten ihn die Anekdoten des Cellisten Mstislaw Rostropowitsch, die Jazzgeige von Stéphane Grappelli und Ravi Shankar, der indische Sitar-Spieler, der in seinen bunten Gewändern im Lotossitz auf dem Fußboden saß.

Der Geiger interessiert sich nicht nur für klassische Werke, sondern auch für Jazz und indische Musik. Er liebt Neue Musik und hat Mendelssohns beliebtes Violinkonzert gerade in der Urtextfassung eingespielt. Mit Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer und Mia Farrow hat er sich musikalisch-literarische Projekte ausgedacht. 130 Konzerte gibt er jährlich als Solist und mit dem Beaux Arts Trio zwischen New York, Tokio, Wien und London. Zwischendurch hat er im Internet oder im Telefonbuch entfernte Verwandte aufgetrieben. Jedes Mal, wenn er in Berlin ein Konzert gab, ging er auch auf Spurensuche.
Das Gebäude der „Valentin Röhren und Eisen GmbH“, das seiner Familie gehörte, existiert noch in der Kreuzberger Großbeerenstraße. In der Dahlemer Villa fand er noch eine Truhe und einen Schrank seiner Urgroßeltern, auch ein Fenster mit dem Familienwappen. Drei Jahre lang war in dem Haus eine jüdische Privatschule untergebracht, dann wurde es von Reichsaußenminister Ribbentrop okkupiert. Viele kriegswichtige Entscheidungen wurden dort getroffen. Neue Chiffriermethoden hat man hier entwickelt und fremde Nachrichten entziffert. Heute ist das Auswärtige Amt noch immer Eigentümer: Es hat die Eurasien-Abteilung des Archäologischen Instituts in der Villa untergebracht.

Daniel Hope hat sein Buch auf Deutsch geschrieben. „Es ist doch ein deutsches Thema“, sagt der Musiker. Die Sprache spricht er perfekt, seit er in Lübeck studiert und eine deutsche Kontrabassistin geheiratet hat. Bei seiner Suche ist er nicht nur auf Opfer gestoßen, sondern auch auf einen Großcousin, der sich an einen Kindergeburtstag erinnerte, zu dem sein Patenonkel Adolf Hitler Sandkuchen mitbrachte. Und auf die Großeltern, die zu seiner großen Enttäuschung in Südafrika zu Unterstützern des Apartheid-Regimes wurden.

Schon als Kind, als er zum ersten Mal in Berlin war, spürte er deutlich: Hier liegen seine Wurzeln. „Ich fühle mich extrem wohl. Auch deshalb, weil man hier – anders als in Österreich – offen über die Vergangenheit diskutiert.“

von Martina Helmig

Der Geniestreicher
Süddeutsche Zeitung, 01.09.2007

Daniel Hope wuchs im Haus eines legendären Geigenvirtuosen auf. Dort lernte er, wie man die Welt der Klassik erobern kann: mit eigenem Stil.

Alles wäre ganz anders gekommen, wenn Daniel Hopes Mutter damals die Stelle beim Erzbischof von Canterbury angenommen hätte. Stattdessen wurde sie Privatsekretärin von Yehudi Menuhin. Wenn der kleine Daniel seine Mutter besuchte, wanderte er durch eine Villa, in der die Bilder berühmter Geiger an den Wänden hingen und Menuhins Stradivari offen herumlag – wenn sie nicht, was wahrscheinlicher war, unter dem Kinn des Besitzers klemmte. Musik, große Musik, war in diesem Haus so allgegenwärtig wie die Luft zum Atmen. »Bis zum Alter von sieben Jahren kam ich fast jeden Tag dorthin«, erzählt Daniel Hope. Die Besuche haben nachhaltige Wirkung gehabt.

Inzwischen ist Daniel Hope einer der markantesten Geiger seiner Generation. Dreimal in Folge hat er den Echo gewonnen, den wichtigsten deutschen Klassik-Preis. Die Zeit nannte ihn »fantastisch«, die Times feierte seine »Leidenschaft und Intelligenz«. Nach einem Dutzend CDs für andere Labels erscheint Mitte September sein erstes Album bei der Deutschen Grammophon, eine Aufnahme von Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-Moll. Die angesehene Firma hat große Erwartungen an Hope; sie sieht in dem 33-jährigen Rotschopf einen jener schwer zu findenden Charismatiker, dessen Wirkung über den begrenzten Hörerkreis der Klassik hinausreicht. Bekannt ist er schon – nun soll er ein Star werden.

Viel muss zusammenkommen – Begabung, Glück, Arbeitseifer – um sich in diesem engen Markt absetzen zu können. Forscht man nach, wie es Hope gelang, kommt man irgendwann wieder in jener Villa in Nord-London an, in welcher der einzigartige Ton von Yehudi Menuhin durch die Räume hallte. Obwohl Daniel Hope in den Neunzigern mehr als sechzig Konzerte mit Menuhin spielte, war er kein Schüler des 1999 verstorbenen Meisters. Was er von ihm mitbekam, war nicht der Fingersatz beim Geigenspiel, sondern eher die Herzensbildung, aus der heraus ausdrucksstarke Musik überhaupt erst entstehen kann.

In Menuhins Haus saß an einem Abend der Cellist Rostropowitsch auf dem Sofa, am nächsten der indische Sitar-Virtuose Ravi Shankar; es wurde über Musik und Philosophie diskutiert, über Yoga und den Weltfrieden. »Besonders Menuhins Originalität und Spontanität haben mich immer wieder inspiriert«, erzählt Hope. Außerdem erkannte Hope am Beispiel Menuhins, der nach frühen Erfolgen als Wunderkind in eine Schaffenskrise geraten war, wie wichtig in der klassischen Musik der Zusammenklang von technischen Fähigkeiten und interpretatorischen Ideen ist. »Meine Empfindung für die Musik war schon da, als ich als kleines Kind mit dem Geigenspiel angefangen habe«, erzählt er. »Mit 15 habe ich jedoch gemerkt, dass ich weit entfernt war vom technischen Niveau anderer 15-Jähriger. Ich musste dann extrem hart an der Technik arbeiten.«

Dabei war Hope jedoch bewusst, dass Virtuosität kein echtes Distinktionsmerkmal mehr ist in einer Zeit, in der die Musikhochschulen so viele technisch exzellente Geiger entlassen wie nie zuvor. »Es geht doch vor allem darum, was man zu sagen hat«, erklärt er. »Wir spielen Stücke von Bach, von Beethoven, von Mendelssohn, die schon unglaublich oft gespielt wurden. Was gibt es, das ich persönlich dazu beitragen kann? An dieser Idee arbeitet man ein ganzes Leben lang.«

Tatsächlich liegt hier Hopes große Stärke. Gleichermaßen von Empfindung und intellektueller Neugier geleitet, kann er auch bekannte Stücke immer wieder auf zeitgemäße, überraschende Weise interpretieren. Bachs Violinkonzerte in E-Dur und a-Moll spielte Hope in einer ungewohnt energiegeladenen Version und für Mendelssohns Violinkonzert, das nun bei der Deutschen Grammophon erscheint, sichtete er sämtliche Versionen der Partitur und griff schließlich auf die noch nie zuvor aufgenommene Urfassung zurück.

Hope beherrscht das klassische Repertoire, verfügt jedoch über einen musikalischen Verstand, der der Tatsache Rechnung trägt, dass die Klassik irgendwann nicht mehr überlebensfähig sein wird, wenn sie nur aus entrückten Virtuosen besteht, welche den Alten Meistern huldigen. So findet Hope in vielen Bereichen Anregungen: Er hat zahlreiche Stücke zeitgenössischer Komponisten aufgeführt, getreu dem Vorbild seines Mentors Menuhin mit indischen Musikern gespielt und schon mit Stewart Copeland und Andy Summers von Police gejammt. »Sting hat sogar Menuhins Haus in London gekauft«, erzählt er. »Das Haus, in dem ich groß geworden bin.«

Wie um zu bezeugen, dass der Klassik-Star von heute mehr sein muss als ein exzellenter Musiker, hat Hope nun noch ein Buch geschrieben. In Familienstücke, das Ende September bei Rowohlt erscheint, geht es um die Geschichte seiner verzweigten Sippe und um den alten Stammsitz der Familie, eine Villa in Berlin-Dahlem, welche die Urgroßeltern in der Nazi-Zeit verlassen mussten; danach zog dort Hitlers Außenminister Ribbentrop ein.

Unberechenbar wie Billardkugeln haben sich die Mitglieder seiner Familie quer durch die Zeiten und Kontinente bewegt, Zufälle zogen weitreichende Wirkungen nach sich, wie zum Beispiel jene Kettenreaktion, die sich ergab, als Daniel Hopes Eltern kurz nach seiner Geburt wegen der Apartheid-Politik aus Südafrika nach England emigrierten, wo seine Mutter dann, als das Geld knapp wurde, zwei Stellenangebote bekam: bei einem Bischof – und bei einem Geiger…

Von Johannes Waechter

Getrieben vom Wissenwollen
Berliner Zeitung, 06.09.2007

Verbotene Musik: Der Geiger Daniel Hope gibt heute ein Konzert bei den Jüdischen Kulturtagen

In Berlin hat man dieses Jahr zuletzt am 16. Januar bemerken können, was für ein Künstler gegenwärtig in dem 33-jährigen Geiger Daniel Hope heranreift. Er trat im Kammermusiksaal der Philharmonie mit dem Beaux Arts Trio auf und wischte alles weg, womit Musiker – welcher Generation auch immer – gern das „Heutige“ und „Aktuelle“ der kompositorischen Überlieferung Europas herausstellen möchten: druckvolles Spiel, Draufgängertum, fesche Sportlichkeit im Auftreten. Bei Hope dagegen heißt Musizieren mehr und mehr: still sein; ein Sprechen zulassen, das von anderswoher kommt; das einem nicht nur Angenehmes sagt; das einen zwingt, sich vom Neongeflacker des Aktuellen wegzudrehen und das eigene Hören und Denken neu zu fokussieren.

Hope engagiert sich für die Musik des Russland-Deutschen Alfred Schnittke (1934-1998), auch für Dmitrij Schostakowitsch (dessen Violinkonzerte er im vergangenen Jahr mit Schostakowitschs Sohn Maxim als Dirigent aufnahm). Darin – und in seinem Furor, über das bloß Geigerische hinauszukommen – schlägt Hope immer mehr den Weg einer Existenz ein, die der lettisch-jüdische Geiger Gidon Kremer (Jahrgang 1947) in den vergangenen Jahrzehnten bereits vorgelebt hat. Und so wie Kremer mit dem Buch „Kindheitssplitter“ sich an eine literarische Archäologie seiner Persönlichkeit wagte, unternimmt jetzt auch Hope mit dem Ende September (bei Rowohlt) erscheinenden Buch „Familienstücke“ eine Spurensuche.

Hope wurde 1974 in Durban (Südafrika) geboren. Väterlicherseits stammt er von irischen Exilanten ab, die deren Armut dorthin trieb. Mütterlicherseits hat er deutsche Wurzeln: Die Familien Valentin und Klein waren Juden aus Berlin, die der Rassenhass der Nationalsozialisten nach Afrika gehen ließ. Julius Valentin hatte im Berlin der Kaiserzeit eine Stahl- und Röhrenfabrik, deren Teilhaber Emil Rathenau war, der Vater des späteren deutschen Außenministers Walther Rathenau. Die Kontakte zur kaiserlichen Familie waren eng, fast freundschaftlich. Clemens Klein hingegen gehörte 1918 zur außerparlamentarischen Opposition von rechts, scharte sich um den Flottenadmiral Tirpitz, um Deutschland aus den Wirren von Krieg und Revolution zu retten, notfalls auch gegen den Kaiser. Er begründete die Deutschnationale Volkspartei mit, begrüßte 1933 den Machtantritt Hitlers und nahm sich im April 1939 das Leben, als er merkte: Dieses Deutschland will ihn nicht – weil er Jude und nicht Deutscher war.

Diese Trennung zwischen Juden und Deutschen schuf erst der Nationalsozialismus mit solchem Nachdruck. Wer Hopes Buch liest, merkt einmal mehr, wie tragisch verzwirnt das Schicksal der Deutschen mit jenem der Juden war und ist. Der Holocaust wird immer unbegreiflicher und rätselhafter, wenn einem – wie in diesem Buch – die weitgehend gelungene Integration der Juden im alten Preußen (das in dieser Frage einer der fortschrittlichsten Staaten Europas war) vor Augen geführt wird.

Hope treibt das Wissenwollen und das Vergnügen an der eigenen Recherche: Surfen im Internet, Zeitzeugengespräche, Besuche in Archiven und Bibliotheken. Auch für sein Konzert „Verbotene Musik – Musik aus Theresienstadt“, das er heute Abend in der neu eröffneten Synagoge in der Berliner Rykestraße bei den Jüdischen Kulturtagen gibt, ist er viel gereist, hat eine Menge gelesen und sich mit Überlebenden des Konzentrationslagers getroffen: mit Zuzana Justman etwa oder mit dem Geiger Thomas Mandl.

In Theresienstadt, heute Terezin, 60 Kilometer nördlich von Prag, wurde ab Herbst 1941 von der SS ein Ghetto für etwa 60 000 Juden eingerichtet. Um die internationale Öffentlichkeit über die eigentlichen Motive dieser Maßnahme zu täuschen, förderte man das kulturelle Leben im Lager mit Nachdruck, ließ Konzerte, Opern- und Schauspielaufführungen zu, durch die sich auch das Internationale Rotkreuz-Komitee bei seinem Besuch am 23. Juni 1944 täuschen ließ. Im gleichen Jahr wurde der jüdische Komiker und Lagerhäftling Kurt Gerron gezwungen, den Film „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ zu drehen und Theresienstadt damit propagandistisch zu verherrlichen.

Es gab feine, hoch kultivierte Musiker in Theresienstadt und in anderen Gefängnissen der damals besetzten Tschechoslowakei, starke kompositorische Begabungen waren darunter. Fast alle starben entweder an den Folgen der Haft, oder sie wurden ermordet.

Vor wenigen Wochen erschien bei der Deutschen Grammophon eine neue CD mit Musik aus Theresienstadt, an der neben Daniel Hope auch die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, der Bariton Christian Gerhaher und der Pianist Bengt Forsberg beteiligt sind.

Bei dem Konzert heute Abend führt Daniel Hope gemeinsam mit Philip Dukes und Josephine Knight Streichtrios von Gideon Klein, Erwin Schulhoff und Hans Krasa auf. Klein etwa – ein charismatischer Pianist, der bei seiner Ankunft in Theresienstadt erst 21 Jahre alt war – wird von der Überlebenden Charlotte Opfermann so beschrieben: „Gideon war phantastisch, ein unheimlich schöner Mensch – in jeder Beziehung, musikalisch, physisch, persönlich – eine Figur wie aus der romantischen Literatur entstiegen“. Neun Tage, nachdem Klein sein heute zu hörendes Streichtrio (von mährischer Volksmusik, Bartók und Strawinsky inspiriert) fertiggestellt hatte, wurde er nach Auschwitz deportiert. Ein Duo für Violine und Violoncello blieb unvollendet. Hans Krasa, durch seine Kinderoper “Brundibar” bis heute berühmt, wurde 1944 unmittelbar nach seiner Ankunft in Auschwitz vergast. Erwin Schulhoff, Schüler von Max Reger und Claude Debussy, starb im Gefängnis von Wülzburg bei Weißenberg.

An sie alle wird heute ab 20 Uhr Gustav Peter Wöhler durch Lesungen von Texten erinnern. Daniel Hope liebt diese Form der Darbietung , weil es ihm manchmal nicht reicht zu sagen: „Die Musik spricht für sich.“

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Jüdische Kulturtage in Berlin

Do, 6. September

18 Uhr, Kunststiftung Poll: Vernissage zur Ausstellung „Krieg und Gewalt – Götz Loepelmann“

20 Uhr, Synagoge Rykestraße 53: Musik aus Theresienstadt (Kammerkonzert mit Daniel Hope u. a.)

von Jan Brachmann

Wir sind alle Preussen
Vanity Fair, 30.09.2007

Daniel Hope ist einer der besten Geiger der Welt. Der Brite lebt in Amsterdam und hat Berliner Vorfahren. Als Juden mussten sie vor Hitler fliehen, obwohl einer von ihnen die Nazis sogar unterstützte. Jetzt hat Hope ein Buch über seine deutschen Wurzeln geschrieben.

von Jan Brachmann



2006


Hope springs eternal
Connect Savannah, 01.03.2006

An interview with Daniel Hope, associate artistic director of the Savannah Music Festival

Most of us lead busy lives and don’t have the luxury of closely following classical music.

But whether you’re an aficionado or not, one thing you should know is that having Daniel Hope serve as associate artistic director of the Savannah Music Festival is a big, big deal.

It’s like Kobe Bryant running a basketball camp at the Islands YMCA, or George Clooney managing the Savannah Film Festival or Kanye West organizing an open-mic night at the Sentient Bean.

Really — it’s that big a deal. He may move in smaller circles, but Daniel Hope is just as hot and in-demand in his field as the above-mentioned names are in theirs.

The youngest-ever member of the renowned Beaux Arts Trio, with whom he tours often, the violinist received two Grammy nominations in 2005.

As a musician, Hope breathes new life into old standards. As a prolific and award-winning composer, he combines deep respect for form with an almost childlike whimsy — as well as daring to bring new works into some often staid environments.

Since Executive & Artistic Director Rob Gibson brought Hope onboard in 2004, the Savannah Music Festival has become a major playground for this gifted artist. Indeed, many of his works have seen their world premieres at the festival.

Hope specializes in conceptual, collaborative efforts with other performers. These works often combine words with music, such as “War and Pieces“ and “Mozart Unplugged!” with Oscar-winning actor Klaus Maria Brandauer; “An Audience with Beethoven” with Mia Farrow; “Forbidden Not Forgotten“ with chamber music and poetry from the Theresienstadt Ghetto; and “Music To Die For!“, a play written by his father, prize-winning novelist Christopher Hope, who was an early critic of apartheid in Daniel’s native country of South Africa.

Despite his comparatively young age of 32, Hope has deep roots. After appearing on British TV playing Shostakovich at age ten, Hope was invited by the violin legend Yehudi Menuhin to perform on German TV. It was the beginning of a long association with the great Menuhin. Hope’s homage to his mentor was the award-winning 2004 CD East meets West, a collaboration with sitarist Gaurav Mazumdar in the mode of Menuhin’s own historic collaboration with Ravi Shankar in the ‘60s.


We spoke to Hope by cellphone, as he waited in LAX for a flight taking him to yet another concert.



Connect Savannah: First off, I have to ask if many classical musicians have the same incredibly hectic touring schedule you do.



Daniel Hope: Some of us do, some don’t. But it’s certainly been pretty crazy these days. It’s been wonderfully diverse. There are so many different types of things going on, different styles, whether it be world music or other forms. Life is certainly not boring.

Connect Savannah: I’m intrigued by the symbiosis you’ve been able to achieve with the Savannah Music Festival. In addition to performing your work and the work of others at the festival, you also have a key management role. How does all that work, exactly?



Daniel Hope: One is thrilled but at the same time terrified! I have the privilege this year of playing with Edgar Meyer and with his colleagues. For me they’re some of the greatest musicians on the planet, and it’s an incredible opportunity to take part and work with these guys. I have such an incredible respect for the music they do, and also who they are and how they play. I’m thrilled with the way these guys perform together and that they agreed to let me come on board for just a few numbers. Edgar Meyer has the most versatile, brilliant mind. And the music is new to me. I’ve known the music, but never played it before. So I’ve been studying now for weeks and months.

Then there’s The Soldier’s Tale program — it’s so much a human tale of morality, like all the old fables. I’m thrilled we have one of most exciting young stage directors, Jonathan Moore, who’s done many things with the Royal Shakespeare Company and opera houses across Europe. It’s music theatre, I guess you’d call it. It’s a tremendous challenge. It’s full of jazz, ragtime, a most incredible range of music.



Connect Savannah: How do you plan and manage the festival’s mix of musical styles?



Daniel Hope: Well, we have the great fortune of Rob Gibson’s experience in jazz. The jazz word is his oyster, and he’s got fantastic connections there. And of course I’m lucky enough in the classical world to have a lot of world-wide contacts because I travel so much.

We have all these radical brainstorms and thrash out ideas together. But all that is useless unless you have an audience who can take it in. We need the audience just as much as we need the music. That’s part of whether these projects succeed. That’s what Savannah’s about.



Connect Savannah: Tell us more about how you and Rob initially got together to work on the festival.



Daniel Hope: Rob contacted me first. I got an e-mail from him — I guess this was late 2003 or early 2004. Rob had been to a concert of mine in Atlanta and I guess he liked it. He said he was leaving the Lincoln Center in New York and going back to Savannah and creating a new festival. He asked if I would come help on the classical side. I was intrigued by the way he wrote the e-mail. So I called him and we had conversation and basically hit it off straight away on the phone. I got the real sense that here was someone really worth talking to.

So I came in to do concerts in 2004 as more of an artist-in-residence. It was a trial for me, and a trial for the audience to see how we got on with each other. It was an unusual way to start.

With “An Audience With Beethoven,“ for example, we wrote the script for that, and there was a cancellation. Mia Farrow was able to get here on short notice. That says a lot about this festival — that we were able to pull off that sort of spontaneous coming-together of two different worlds.

That first year I did a number of concerts in that role as artist-in-residence. And in, 2005 Rob asked me to take on more formal role.

Connect Savannah: Describe for us the progress of the Festival since you first came onboard in 2004.



Daniel Hope: It’s really grown from the last two years, in the kinds of things we’ve been doing and the risks we’ve been taking. You never know if it’s going to work or gel. There can be the most exciting results that stem from that. We’re always looking for fascinating projects to challenge the audience. I’m thrilled to see the reaction from Savannah audiences, how open they are, and how willing to listen to new styles.

We’ve got a long way to go. But it’s amazing what’s been accomplished so far, in the profile of the festival. So many people all over the world are starting to write about it and talk about it. Now we’re at a point of seeing what are the things that work and what are the things we’d like to do better. But overall I’d have to say that participating in the festival is as exciting as the first time, and my intentions are to keep doing it.



Connect Savannah: Where do you see the festival in five years?



Daniel Hope: We want to keep it, in a sense, small. Not “small“ by any measurement, but in producing very high quality in a limited period of time. That’s extremely important as far as I’m concerned. I just don’t see it turning into some gigantic festival. I see it as cutting-edge, providing world-class music, dance, drama, and fine arts across the board. Producing crossover that matters, crossover with quality — not things thrown together. You need real quality to ignite the audience. And I’m happy with the way it’s sort of slowly consolidating.



Connect Savannah: You mention dance. Many people say they want the Savannah Music Festival to feature more dance.



Daniel Hope: Personally I would love to see more dance at the festival. It’s a question of the right venue. I for one would love doing it, but I’m not 100 percent convinced we have the right venue for dance. There are so many great venues and alternative venues — and alternative venuing is important. It’s important to get people out and into venues they wouldn’t necessarily associate with the concept. All of that helps the festival, and I’d love to see dance come in a big way. It’s a fundamental part of art and music.

Then of course, it’s always about planning and how many openings we have and the budget and so forth. Luckily, that’s not my department — it’s Rob’s headache (laughs). I get to just work on the creative side.

Connect Savannah: How much of a role has the Savannah Music Festival’s location played in its success?



Daniel Hope: I’ve played in literally hundreds of festivals all over the world. I’ve seen some wonderful festivals, major festivals from Salzburg to Ravinia. And I have to say something’s completely unique in Savannah. To have such a mixture of styles at such a high level is pretty much unique. I’d like to see that transport, but it will take some time. Word of mouth is spreading and we’re getting feedback. I’d say the next five years is crucial to get that word out.

Savannah has become a very special place for me. When Rob contacted me, I didn’t know much about Savannah apart from that sort of Gone With the Wind thing and Midnight in the Garden of Good and Evil. But now I’ve spent a lot of time there and it’s taken on a very special place for me. I’m very happy to be a part of something in that location. It’s a very unique town, and you have something very special in this festival.



In addition to his role as assistant artistic director, Daniel Hope performs in the Savannah Music Festival in the following ensemble concerts:



March 22, 5:30 & 7:30 p.m., Telfair –

Beethoven: Piano Quartet in E-flat Major; De Falla: Seven Popular Spanish Folk Songs for Violin and Guitar; Piano Quintet in A Major, Op. 81



March 26, 5:30 & 7:30 p.m., Telfair –
Mozart: String Quintet in C Major, 
K515 Brahms: String Quintet No. 2 in G Major, Op. 111

March 28, 5:30 & 7:30 p.m., Telfair —
Schubert: Auf dem Strom
Schubert: Octet, D803



March 31, 7:30 p.m., Lucas Theatre –

Sam Bush, Mike Marshall, Edgar Meyer with special guest Daniel Hope



April 1, 7:30 p.m., Telfair –

Katia and Marielle Labeque, Daniel Hope and Friends



April 2, 3 p.m., Lucas Theatre –
Stravinsky: L’histoire du Soldat (The Soldier’s Tale), Jonathan Moore, Director

For tickets and schedule, go to www.savannahmusicfestival.org

by Jim Reed

Melancholisch bis zur Verstörung
Welt am Sonntag, 12.03.2006

Daniel Hope – Hemmungslos, überschwenglich und eigenwillig: Daniel Hope ist der neue Star unter den Violinisten und setzt den ersten Höhepunkt im Schostakowitsch-Jahr

Wenn Daniel Hope Geige spielt, schließt er gern die Augen. Er stehe dann irgendwie „neben sich“, so als sehe er im Geist seine Kunst aus einer anderen Perspektive, erzählt er. Das sei kein Blick auf ein Griffbrett, vier kleine Saiten und vier flinke Finger. Vielmehr fühle er sich dann als außenstehender Beobachter aus einer Art Zwischenwelt. Nur in technisch anspruchsvollen Passagen komme er kurz in die Realität zurück, um sich der handwerklichen Substanz seiner Töne zu vergewissern.

Das hört sich erst mal abgehoben an, aber so bodenständig wie der 32jährige Brite im wirklichen Leben auftritt, wäre es auch ein Wunder, wenn er für seine Musik nicht noch eine andere Welt erschaffen müßte.

Daniel Hope und das Londoner BBC Symphony Orchestra haben vor kurzem die beiden Violinkonzerte von Dmitri Schostakowitsch eingespielt, mit dessen Sohn Maxim am Dirigentenpult. So umwerfend wie diese CD geworden ist, setzt Hope damit das erste nachhaltige Zeichen im Schostakowitsch-Jahr 2006.

Der komponierende Sowjetkritiker hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Bei aller Mozart-Hysterie (jetzt) und Schumann-Andacht (demnächst) wird das gelegentlich schon mal vergessen.

Glücklicherweise versucht Hope gar nicht erst, in äußerlichen Extremen wie Tempo oder Dynamik andere in den Schatten zu stellen. Sondern er spielt Schostakowitsch, wie es aus ihm herausströmt: hemmungslos, überschwenglich, manchmal sogar fiebrig, aber immer eigenwillig… spannend bleibt es bis zur letzten Sekunde. Um Hope zu folgen, muß man seine Interpretationen immer als ein Ganzes annehmen. Denn erst dann entfalten sie eine eigene und faszinierende Kraft.

Es erschließt sich ein Spannungsbogen, der die Extreme zwischen Garstigkeit, Melancholie und Verstörung in Schostakowitschs Partitur deutlich macht… Wer sich dem aussetzt, sollte es mit voller Hingabe tun und zu emotionalen Achterbahnfahrten bereit sein.

Ohne Geige in der Hand ist Hope dagegen ein sehr unkomplizierter Zeitgenosse. Allüren sind ihm fremd. Für Foto und Interview in einem Pariser Hotel nimmt er sich viel Zeit und lädt alle Umstehenden gleich zu einem Kaffee ein. Keine Selbstverständlichkeit für jemanden, der Abend für Abend von Tausenden Menschen gefeiert wird, und dem die internationale Musikkritik eine glänzende Zukunft prophezeit.

Hope sitzt mit einem Lächeln am Tisch, redet gern über seine Musik und den Klassik-Betrieb – in perfektem Deutsch. Daß der Brite das so gut kann, liegt nicht zuletzt an seiner deutschen Frau. Auch ein Teil seiner Großeltern kam aus Deutschland. Von denen hat er das rotblonde Haar geerbt, und nicht von den irischen Vorfahren des Vaters.

Nur einmal an diesem Nachmittag entwickelt sich in seinem sonst so besonnenen Redefluß ein Hauch von Rage. „Merke ich im Konzert, daß sich meine Mitmusiker nicht richtig reinhängen – dann könnte ich explodieren!“ Wenn man sich beispielsweise anhört, mit welcher Intensität, ja Impulsivität Daniel Hope die Kadenz in Schostakowitschs erstem Violinkonzert angeht, glaubt man ihm das aufs Wort. Er ist offensichtlich ein Mann, der die Konflikte dieser Welt lieber mit Musik als mit Worten austrägt.

Daß er überhaupt Geiger geworden ist, war nicht zuletzt ein Zufall. Denn als die Eltern kurz nach seiner Geburt in die Metropole London zogen, wurde seine Mutter Sekretärin – bei Yehudi Menuhin. Hier lauschte der kleine Daniel, wenn Gäste wie der Sitar-Großmeister Ravi Shankar oder der Jazz-Geiger Stephane Grapelli im Wohnzimmer spielten. Die perfekte musikalische Früherziehung, auch wenn Menuhin von seinen ersten Versuchen an der Geige wenig begeistert war. Doch das änderte sich. Hope studierte an der renommierten London Royal Academy of Music und wurde Meisterschüler bei der russischen Lehrer-Legende Zakhar Bron. Nicht zuletzt ihm verdankt er seinen Zugang zu Schostakowitsch.

So unverfänglich der Gentlemen Hope auch daherkommt – was musikalische Belange angeht, ist er stur und unduldsam. Das war anfangs nicht immer hilfreich. Eine große Plattenfirma fragte an, ob er für sein Debüt nicht einen der üblichen Verdächtigen wie Bruch oder Beethoven aufnehmen wolle. Hope lehnte ab. „Ich mache keine Aufnahmen – nur damit man sie später einfach unter B einordnen kann. Ich verfolge immer ein bestimmtes Konzept!“ Er ging zum kleinen Label Nimbus, daß keine Probleme mit seinen unkonventionellen Programmen hatte. So fanden sich auf seiner ersten CD nicht vielgespielte Klassiker, sondern die unbequemen Neutöner Takemitsu und Schnittke.

Hope blieb sich auch treu, als später der finanzkräftige Warner-Konzern an ihn herantrat. Der willigte ein, als Hope ihm die wenig massentauglichen Berg und Britten vorschlug. Offensichtlich verkaufte man auch davon genug, um Hope jährlich ein paar Tantiemen auszuzahlen und seine neuen Ideen zu finanzieren, die unter anderem zum äußerst gelungenen Projekt „East meets West“ letztes Jahr führten.

Ganz nebenbei ist Hope auch noch erster Geiger beim weltberühmten Beaux Arts Trio. Auch das geschah zufällig. Sein Vorgänger erlitt kurz vor einer bereits gebuchten Europa-Tournee einen Unfall und konnte fortan nicht mehr spielen. Die Agentur hielt Krisensitzung. Hope machte gerade Ferien, da fragte die Chefin an: „Ich sagte ihr: ‘Geben Sie mir zehn Minuten zum Nachdenken.’ Sie sagte: ‘Sie haben drei!’ Zehn Tage später waren wir auf Tournee. Mir hat es Spaß gemacht – und den anderen beiden offensichtlich auch.“

Wie es sich für einen jungen Solisten seiner Güte gehört, ist Hope gerade auf Welt-Tournee. An diesem Abend wird er im Radio-France-Konzertsaal bezeichnenderweise Bernsteins wenig bekannte Serenade spielen. Nicht nur das Publikum, auch das Orchester feiert ihn.

Hope hat die Noten zu den Menschen sprechen lassen und Augenblicke der Magie erzeugt. Mehr kann man sich von einem Musiker nicht wünschen.
*Daniel Hope: „Schostakowitsch Violinkonzerte 1 &
2, Romanze aus ‘Die Hornisse’“ erscheint Freitag den 17.März bei Warner Classics;



Konzerte: 18. und 19.3, Philharmonie Dresden; 17.Mai bei den Festspiele Mecklenburg Vorpommern; 21.Juni im Konzerthaus Berlin.
726337, WELT , 12.03.06; Words: 956, NO: 46240107

Ein Querkopf stürmt die Konzertsäle
Berliner Morgenpost, 30.06.2006

Stargeiger Daniel Hope sprengt mit seinen Programmen alle Konventionen

Immer neugierig, immer auf der Suche. Wenn Daniel Hope nicht als Geigenstar zwischen New York und Tokio unterwegs ist, ertüftelt er spannende musikalisch-literarische Projekte, sucht im Internet nach vergessenen Komponisten, gibt neue Werke in Auftrag oder schreibt an seinem Buch. Der verrückte Querkopf spielt mit dem Beaux Arts Trio und Bobby McFerrin, engagiert sich für Jazz und indische Musik. Seit Jahren hält er die Musikwelt in Atem, weil er immer wieder für eine Überraschung gut ist.

Ein quirliges Nervenbündel? Keineswegs. Der britische Rotschopf mit Berliner Wurzeln strahlt im Gespräch viel freundliche Gelassenheit, Humor und Nachdenklichkeit aus. Sympathisch und offen ist er geblieben, auch wenn der 31jährige als einer der hoffnungsvollsten Sterne am hektischen Saitenhimmel gehandelt wird. Heute feiert er mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester den 80. Geburtstag des Komponisten Hans Werner Henze.

In der Neuen Musik fühlt er sich zu Hause. Dabei war ihm mit fünfzehn die zeitgenössische Musik noch völlig fremd. Bei einem Meisterkurs hörte er die erste Violinsonate von Alfred Schnittke. Sie überfiel ihn wie eine alles überrollende Klanglawine. Er kopierte die Noten und löcherte seinen Lehrer über Wochen und Monate, bis er das Stück einstudieren durfte. Eines Tages klingelte er bei dem Komponisten in Hamburg an der Haustür – Beginn einer langen Freundschaft.

Eine große Plattenfirma schlug dem Hochbegabten vor, seine Debüt-CD mit Beethoven, Brahms oder einem der anderen üblichen Verdächtigen herauszubringen. Hope lehnte ab und nahm lieber seine Lieblinge Schnittke, Takemitsu und Weill bei einer kleinen Firma auf. Inzwischen hat man sich in den Chefetagen des konservativen Musikbusineß damit abgefunden, daß der unglaubliche Mister Hope jeden Programmrahmen sprengt und mit seinen Außenseiterprojekten die internationale Preise einstreicht. Mit Schauspielstars wie Klaus Maria Brandauer und Mia Farrow gestaltet der Sohn des Schriftstellers Christopher Hope Themenabende. „Die Verbindung zwischen Lesung und Musik fand ich früher oft langweilig. Erst durch Brandauer erfuhr ich, wie eine Kunst die andere befruchten kann.

Als Kind tollte Daniel Hope durch Yehudi Menuhins Londoner Wohnhaus. Seine Mutter war Privatsekretärin des großen Geigers und durfte ihren Sohn jeden Tag mit in den kinderfreundlichen Haushalt bringen. So lernte der kleine Daniel nicht nur Menuhins Enkel als Spielkameraden kennen, sondern auch Ravi Shankar in seinen farbenfrohen, indischen Gewändern, Stéphane Grappelli mit seiner Jazzgeige und den russischen Cello-Altmeister Mstislav Rostropowitsch. Bis zu Menuhins Tod 1999 gab Hope etwa 60 Konzerte mit ihm. Die technische Perfektion hat er allerdings von seinem großen Lehrer Zaghar Bron: „Er hat mich wie ein Sparringspartner immer hochgepusht. Danach habe ich mich oft gefühlt, als hätte ich zehn Runden mit Mike Tyson geboxt.“

Daß Hope fast akzentfrei deutsch spricht, liegt vor allem an seiner deutschen Frau, die er während seines Studiums in Lübeck kennenlernte. Aber auch an seiner Familiengeschichte, über die er gerade ein Buch schreibt. Es ist die spannende Story einer Fabrikantendynastie, die vor den Nazis aus Berlin nach Südafrika fliehen mußte. Das alte Wohnhaus in der Dahlemer Podbielskiallee steht noch. Der Geiger wurde in Südafrika geboren, wuchs in London auf und lebt heute als Weltstar in Amsterdam. Berlin ist mindestens seine zweite Heimatstadt. „Vielleicht auch meine erste, meine eigentliche“, überlegt er.

Von Martina Helmig

Aus der Berliner Morgenpost vom 21. Juni 2006

Gegen den Strich
Rheinischer Merkur, 30.09.2006

DANIEL HOPE – Der Violinvirtuose über Neue Musik, alte Saiten und kuschelige Klassik

Er ist weder Wunderkind noch Teufelskerl, sondern Entdecker und Vermittler. Jetzt erforscht er einen Musikrevolutionär: Johann Sebastian Bach.

Rheinischer Merkur:
Wenn Sie Johann Sebastian Bach treffen könnten, was würden Sie ihn fragen?

Daniel Hope:
Ich hätte es sehr schwer, überhaupt ein Wort herauszubringen. Denn ich stände vor dem größten Meister der Musik, den es je gab. Er ist der modernste von allen. Seine Musik ist so lebendig, so erfinderisch wie keine andere. Wenn ich doch eine Frage formulieren könnte, dann die, wie er seine Musik gern hätte, was dahintersteckt, wie ich was interpretieren sollte.

Rheinischer Merkur:
Sie spielen auf Ihrer neuen CD Bachs Violinkonzerte so, als seien sie Neue Musik..

Daniel Hope:
Ja, genau. Bach ist Neue Musik, er ist zeitgenössisch. Er hat die Musik revolutioniert. Jedesmal, wenn ich zurück zu Bach komme, bin ich erstaunt. Bachs Musik kann so viele verschiedene Interpretationen tolerieren, von der historischen Aufführungspraxis bis zu Glenn Gould ist alles möglich.

Rheinischer Merkur:
Stichwort historische Aufführungspraxis. Halten Sie die Diskussion, zum Beispiel über Darmsaiten, für fruchtbar?

Daniel Hope:
Diskussionen sind immer fruchtbar, aber Fanatismus kann ich nicht ausstehen. Wir haben inzwischen sehr viel Wissen über die Aufführungspraxis vergangener Jahrhunderte. Wir müssen entscheiden, was wir davon mitnehmen und was wir an der modernen Aufführungspraxis schätzen. Ich halte eine Kombination für das Beste, die sogenannte historisch informierte Aufführungspraxis. Ich habe es sehr genossen, mit dem Concerto Köln auf Darmsaiten zu spielen und dadurch sehr viel über mein Instrument gelernt. Auf dieses Wissen möchte ich nicht verzichten. Für die Bach-Aufnahme habe ich trotzdem moderne Saiten genommen, weil ich ein Geiger bin, der im 21. Jahrhundert lebt.

Rheinischer Merkur:
Das 5. Brandenburgische Konzert ist das erste populäre Werk, das Sie aufgenommen haben. Ihre früheren CDs haben Sie eher unbekannten Stücken gewidmet. Warum haben Sie so lange gewartet?

Daniel Hope:
Die Mainstream-Stücke habe ich in Konzerten immer gespielt. Aber eine CD ist für die Ewigkeit. Ich habe mit Bachs Meis – terwerken gelebt, seit ich sieben Jahre bin. Ich brauchte die Zeit, um zu sagen: Das ist jetzt in mir so herangereift, dass ich es aufnehmen kann.

Rheinischer Merkur:
Ist bei einem Stück, von dem es mehrere hundert verschiedene Einspielungen gibt, der Interpret wichtiger als das Werk?

Daniel Hope:
Wenn man sich den Klassikmarkt anschaut, muss man sagen: ja. Das ist jedoch eine Überschätzung des Künstlers. Der Interpret vermittelt zwischen dem Komponisten und dem Publikum. Interpreten sind dafür verantwortlich, dass Musik lebendig bleibt. Ich halte mich nicht für wichtiger als das Werk. Bach und Vivaldi, das sind Giganten, Interpreten sind Mittelsmänner.

Rheinischer Merkur:
Warum hat es die Musik unserer Zeit so schwer?

Daniel Hope:
Weil es nicht reicht, ein modernes Stück nur vorzuspielen. Man muss als Interpret bereit sein, ein Stück zu erklären, und wenn es nur zwei, drei Sätze sind. Dann hört ein Publikum ganz anders zu. Das heißt nicht, dass die Leute das Stück sofort lieben, aber sie werden zumindest nicht abgeschreckt. Viele junge Komponisten haben verstanden, dass es nicht reicht, tolle Musik zu schreiben, sondern dass man auch in den Medien als Vermittler präsent sein muss.

Rheinischer Merkur:
Wer wird von den heute lebenden Komponisten in 100 Jahren in die Liga von Beethoven, Brahms, Schubert aufgestiegen sein?

Daniel Hope:
Ich möchte keine Namen nennen, aber einige haben eine sehr große Zukunft. Sehen Sie sich an, wie lange Schostakowitsch gebraucht hat, um akzeptiert zu werden. Heute wird er in der ganzen Welt gespielt. Man darf allerdings nicht vergessen: Die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ist ganz anders als die vorherige. Beethoven, Brahms, Schubert – das ist sehr tonale Musik, die man sich gut anhören kann, auch ohne Vorbildung. Das funktioniert mit Neuer Musik nicht.

Rheinischer Merkur:
Steckt das Tonale im Menschen oder ist es ein Ergebnis der Erziehung?

Daniel Hope:
Das Tonale liegt in der Natur des Singens, eine Melodie ist wichtig. In den Sechziger-, Siebziger-, Achtzigerjahren waren Melodien bei den Komponisten verpönt, es ging um die intellektuelle Analyse. Aktuelle Komponisten wie Thomas Adès oder Mark- Anthony Turnage schreiben große lyrische Melodien, aber auf ihre sehr spezielle Art und Weise.

Rheinischer Merkur:
Sie spielen beim Beethovenfest das Stück „Horizont Architektur Kern“ von HP Platz , eine Uraufführung. Laut Pressetext geht es darum, den „Blick für eine Entwicklung zu weiten, die letztlich aus dem Konzertsaal führt.“ Was heißt das?

Daniel Hope:
Was meinen Solopart anbetrifft, so sehe ich ein hochinteressantes Stück, sehr diszipliniert strukturiert und voller Klangvorstellungen. HP Platz hat, wie er mir sagte, mich als Geiger ausgewählt, weil er an meinem Spiel die Vielseitigkeit des Klanges mag. Ich sehe in dem Stück eine Botschaft des Klanges. Ich werde der Geige nicht nur die üblichen Töne entlocken, sondern zum Beispiel auf dem Steg spielen.

Rheinischer Merkur:
Wann ist das Konzert gelungen? Wenn es mehr als die Uraufführung gibt?

Daniel Hope:
Man hofft immer, dass es mehrere Aufführungen gibt. Doch wenn man merkt, dass die Musik sich überträgt, wenn sie Empathie beim Publikum hervorruft, dann kann auch eine einzige Aufführung ein Erfolg sein. Ob es ein kommerzieller Erfolg wird, hängt oft vom Zufall ab. Wer hätte gedacht, dass Goreckis Dritte Sinfonie millionenfach verkauft würde? Er war ein Komponist, der jahrzehntelang ohne kommerziellen Erfolg sehr komplizierte Orchesterwerke geschrieben hat. Plötzlich greift ein Werbespot eine Stelle aus seiner Sinfonie heraus – und wegen dieser Sekunden wird das ganze Stück zum Bestseller.

Rheinischer Merkur:
Wären Sie enttäuscht, wenn Ihr langsamer Satz des Violinkonzertes in a-Moll von Bach auf einer Kuschelklassik-CD landen würde?

Daniel Hope:
Nein. Das ist Vermarktung. Ich kann mich darüber nicht aufregen. Es ist großartige Musik, und wenn die Leute das eben auf einer Kuschelklassik-CD hören möchten, dann sollen sie das tun. Das war doch zu Bachs, Beethovens und Mozarts Zeiten nicht anders. Auch da wurden nur wenige Werke vollständig gespielt, es wurde zwischen den Stücken oder währenddessen gegessen, getrunken, gefeiert.

Rheinischer Merkur:
Wird es das bürgerliche Konzert, bei dem man zwei Stunden andachtsvoll lauscht, in 20 Jahren noch geben?

Daniel Hope:
Wenn wir Interpreten nichts für das Publikum von morgen tun, werden klassische Konzerte aussterben. Im Moment kommen bei Festivals kürzere Konzerte ohne Pause sehr gut an. Aber wie ein Abend im Einzelnen abläuft, finde ich nicht so wichtig. Ich mag komische Konzerte, ich mag seltsame Kombinationen aus verschiedenen Künsten. Hauptsache, es gibt Live-Musik auf höchstem Niveau.

von Christiane Florin

Auf der ständigen Suche nach Musik
Concerti Magazin, 30.12.2006

Welche Inspirationsquellen dem Geiger Daniel Hope, der im Dezember als Mitglied des Beaux Arts Trios in der Laeiszhalle auftritt, am wichtigsten sind, erzählt er bei einem englischen Frühstück in einem Hamburger Café.

concerti:
Herr Hope, Sie sind es gewohnt, mit Legenden zu arbeiten – erst Yehudi Menuhin, mit dem Sie in 60 Konzerten auftraten, jetzt als Mitglied des Beaux Arts Trios mit Menahem Pressler. Was kann man als junger Musiker von solchen Persönlichkeiten lernen?

Daniel Hope:
Zwischen Pressler und Menuhin sind riesige Unterschiede. Was Pressler angeht – bei ihm ist jedes Konzert, jede Probe, jedes Mal wenn er sich an ein Klavier setzt eine neue Inspiration. Es ist wunderbar zu beobachten, wie er die Töne und die Musik aufsaugt und weiter gibt. Man ist Teil eines Entstehungsprozesses und die Musik ist bei ihm genauso frisch, als wäre er 25. Es gibt selten Musiker, die im positiven Sinne so von Musik besessen sind wir Pressler. Bei ihm geht es nicht allein um das Konzert, es geht vielmehr um die Beschäftigung mit Musik, um das Proben. Das ist beim Beaux Arts Trio sehr intensiv, obwohl wir uns immer seltener für Konzerte treffen. Wenn wir aber auf Tournee sind, ist die Zeit unglaublich intensiv angefüllt mit sehr vielen Proben, Diskussionen über Musik und schließlich den Konzerten selbst. Pressler erfindet sich dabei immer wieder neu. Obwohl er einen Beethoven, Schubert oder Haydn vielleicht schon zum fünftausendsten Mal spielt, ist es bei jeder Probe so, als ob er zum ersten Mal diese Noten anschauen würde. Das habe ich noch nie bei einem Musiker gesehen.

concerti:
Ist das eine außergewöhnliche, genialische Begabung…

Daniel Hope:
Genau das ist es. Man wird fast verrückt, weil man sich sagt, man hat als Trio eine Interpretation zusammen erarbeitet aber es ist trotzdem nicht genug. „Es ist nicht genug“ ist ein typischer Satz von Pressler. Er wird von Musik nie satt. Es ist wunderbar, dass sich jemand von Musik so inspirieren lassen kann. Und das mit 83. Was Menuhin betrifft – er hat überall die Leute allein durch seine Erscheinung schon begeistert. Es ist kein großes Geheimnis, dass er viel zu lang gespielt hat, was wirklich schade war, denn für mich war er der größte Geiger überhaupt. Wenn man seine frühen Aufnahmen anhört, seine Paganini-Aufnahme mit Monteux, seinen Elgar mit Elgar, seinen Bartók mit Furtwängler, dann hört man sein erstaunliches Talent und seine große Begabung, an die zu seiner Zeit niemand herangekommen ist. Es macht mich wütend, wenn Leute meiner Generation sagen, er sei kein guter Geiger gewesen, denn die haben ihn einfach nicht erlebt. Auch wenn er gegen Ende technische Probleme hatte, trotzdem gab es in jedem Konzert Momente, die unvergleichlich waren und die ich nie vergessen werde. Ein paar Takte in einer Sonate oder ein Satz hier und da – das gehört für mich zu den größten musikalischen Momenten meines Lebens.

concerti:
Ist es nicht generell so, dass diese wenigen magischen Momente, das Wesentliche eines Konzert- oder Musikerlebnisses ausmachen und ist ein Menuhin nicht so sehr Botschafter der Musik gewesen, dass es wert war, auch die technischen Mängel in Kauf zu nehmen?

Daniel Hope:
Absolut. Das ist der Grund, wieso man das macht. Man spielt nicht, um reich zu werden oder weil es einem gefällt, ein Bild von sich in einer schönen Zeitschrift zu haben. Man tut es, weil man denkt, etwas über Musik zu sagen zu haben. Komponisten wie Beethoven, Brahms, Schubert oder Schnittke kann man nicht das Wasser reichen. Aber man ist überzeugt, dass man etwas zu sagen hat über diese Musik und als eine Art Medium zwischen dieser Musik und den Menschen fungiert. Wenn das gelingt und man die Zuhörer auf irgendeine Art und Weise zu berühren vermag, dann hat man fast eine Pflicht, das auch zu tun. So hat es Menuhin getan und so tut es Pressler. Da spielen technische Mängel für mich absolut keine Rolle. Ein Publikum, das in ein Konzert von Menuhin gegangen ist, kam, um ihn zu sehen und zu hören. Und sie haben diese magischen Mo-mente erleben dürfen.

concerti:
Gibt es für Sie andere Kollegen, die eine mit Menuhin oder Pressler vergleichbare Führungsrolle einnehmen, oder ist das eine Sache, die mit dieser Generationen verloren geht?

Daniel Hope:
Teils, teils. Es gibt schon etwas ganz besonderes an dieser alten Generation. Wenn man das Glück hat, einen Menuhin, Pressler, Badura-Skoda oder anderen großen Musiker dieser Generation zu erleben, ist man ganz nah an einer Art Quelle angekommen. Der erste Geiger des Beaux Arts Trios, Daniel Guilet, war einer der besten Freunde von Ravel. Wenn man das Klaviertrio von Ravel spielt und Pressler berichtet, was ihm Guilet dazu gesagt hat, dann ist es, als ob Ravel neben einem säße. Mit Menuhin gab es diese Verbindung zu Brahms, denn Menuhin hat bei George Enescu studiert, der wiederum mit Brahms dessen Violinkonzert einstudiert hat. Sicher ist das ein wichtiger Bestandteil dieser Generation der „großen Löwen“, wie man sie nennt und die leider allmählich ausstirbt. Trotzdem, was die heutige Zeit betrifft, es gibt viele phantastische Künstler, die etwas zu sagen haben. Ob man sie miteinander vergleichen kann, das weiß ich nicht. Wenn man die Generation anschaut, die jünger ist als ich, wenn man in die Konservatorien und Musikhochschulen geht, dann findet man dort große Talente. Ob wir jedoch die Individualität solcher Persönlichkeiten wie Pressler, Menuhin, Klemperer, Furtwängler, Toscanini etc. wieder bekommen, das weiß ich, ehrlich gesagt, nicht.

concerti:
Sie beschäftigen sich intensiv mit zeitgenössischer Musik und suchen den direkten Kontakt zu den Komponisten – liegt darin für Sie eine Kernaufgabe für Musiker, eine solche Brücke als Informationstransport über die Zeiten hinweg herzustellen?

Daniel Hope:
Für mich ist es das A und O. Ich habe nicht die Möglichkeit, einen Beethoven oder Brahms zu befragen, so gern ich das täte. Wenn man einen guten zeitgenössischen Komponisten, der viel zu sagen hat, befragen kann und dabei zusehen darf, wie ein Stück entsteht, dann versteht man auch viel mehr über ein Brahms-Konzert. György Kurtág habe ich z.B. über das Trio kennen gelernt, denn er hat für uns ein Stück geschrieben und auch mit uns gearbeitet. Das war faszinierend. Noch faszinierender aber war, mit ihm über Beethoven zu sprechen. Ich würde behaupten, Menahem Pressler kennt diese Trios ganz gut. Als Kurtág uns jedoch einen Unterricht über ein Beethoven-Klaviertrio gab, war es, als ob wir alle, Pressler inklusive, wie Schüler wären. Ich muss sagen, das gehörte zu den spannendsten zweieinhalb Stunden meines Lebens. Das, was ein Komponist über einen anderen Komponisten sagen kann, das geht weit über das hinaus, was ein Lehrer oder ein Pianist oder ein Pädagoge sagen würde. Das war ein Komponisten-Bezug, den Kurtág gefunden hatte, er hat über die Musik-Sprache als Komponist gesprochen. Er besitzt eine exzellente Kenntnis vom Streicherspiel, vom Klavier, vom Klang – es war, als ob er unsere Ohren weit aufgemacht hätte. Pressler war gleichzeitig schockiert und begeistert, denn er sagte, es wäre für ihn gewesen, wie wenn er das Stück zum ersten Mal gehört hätte. Wie gesagt, das versucht er immer zu tun, und diesmal hat ihm jemand anderes das so vor Augen geführt – es war faszinierend.

concerti:
Sie haben sich im Aufnahmestudio bisher nicht an die großen Violinkonzerte von Beethoven, Brahms und Konsorten herangewagt – was hält Sie davon ab?

Daniel Hope:
Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen dem, was man im Konzertsaal spielt und spielen soll und dem, was man aufnimmt. Die großen Violinkonzerte von Beethoven, Brahms, Mendelssohn, Tschaikowsky oder Schumann sind für uns Geiger das Fundament unseres Repertoires. Auf der Bühne habe ich mich sehr intensiv mit diesen Werken beschäftigt. Als die erste Anfrage kam, eine Aufnahme zu machen, habe ich mir den Katalog angeschaut und nicht nur gesehen, wie viele Aufnahmen es von diesen großen Konzerten gibt, sondern vor allem, wer sie alles aufgenommen hat. Menuhin, Heifetz, Oistrach, Busch, Szeryng, Perlman, Zukerman, Mutter, immer mit hervorragenden Orchestern und legendären Dirigenten. Schnell wurde mir klar, dass ich mich fragen musste, ob ich bereit bin, mich für die Ewigkeit festzulegen, denn darum geht es im Endeffekt. Beim ersten Angebot für eine Aufnahme, da war ich Anfang 20 und einfach noch nicht so weit, das Violinkonzert von Brahms aufzunehmen, denn wahrscheinlich wird es das einzige Mal sein, dass ich es in meinem Leben aufnehmen kann. Da ich mich zu der Zeit intensiv mit zeitgenössischer Musik beschäftigte, dachte ich mir, eine Aufnahme zu machen, die sich um meinen persönlichen Zugang dreht und zudem zu versuchen, eine Beziehung herzustellen zwischen den Stücken, die man aufnimmt und eine Geschichte zu erzählen. Ich wollte einfach Musik spielen von Komponisten, von denen ich weiß, was sie haben wollen. Natürlich muss man eine eigene Interpretation aufbauen, trotzdem war mir dieser persönliche Kontakt zu den Komponisten Schnittke und Takemitsu, deren Werke ich schließlich bei meiner Debüt-CD zusammen mit dem Konzert von Kurt Weill aufnahm, sehr wichtig. Erst haben alle den Kopf geschüttelt und gesagt, das Album wird sich sowieso nicht verkaufen. Doch es wurde ein großer Erfolg und hat sich sehr gut verkauft. Meine kleine englische Plattenfirma nimbus records war begeistert und hat gesagt, okay, was machen wir als nächstes? Ein Rezital-Programm mit Schnittke, Pärt und Penderecki war meine Antwort. Das war eine ähnliche Geschichte und wurde ein vergleichbarer Erfolg. Ab diesem Moment war mir auch klar, dass es auch Platz in dieser Welt gibt, ein Konzept zu präsentieren.

concerti:
Kann das auch ein Weg sein, ein neues Publikum zu erreichen?

Daniel Hope:
Man kann ein neues Publikum nur dadurch erreichen, indem man vor allem zu den sehr jungen Menschen einen Zugang sucht. Da der Musikunterricht in den Schulen immer mehr gestrichen wird, wissen die jungen Leute gar nicht mehr, was ein Instrument, was ein Satz oder eine Saite ist. Die haben einfach überhaupt keine Ahnung. Ich habe das deutlich gemerkt, als ich neulich bei dem Projekt „Rhapsody in School“ mitgemacht habe, das der Pianist Lars Vogt initiiert hat. Bei diesem Projekt geht es darum, Kinder und Jugendliche „anzustecken“ und an die Musik heranzuführen. Die Musiker sind alle Freunde von Lars Vogt und gehen in der Stadt, in der sie gerade auftreten in eine Schule. Ich habe das kürzlich in Berlin in einer Schule gemacht und wurde mit 90 bis 100 Schülern im Alter von 5 bis 9 Jahren konfrontiert. Da merkte ich schnell, dass die offensichtlich viel mehr Ahnung von „50 Cent“ (ein amerikanischer Rap-Musiker, Anm. d. Red.) haben, als von Mozart. Wenn es darum ging, eine Melodie zu singen, dann haben sie alle Pop-Melodien gesungen, nicht etwa Melodien von Bach, Mozart oder Beethoven. Nach eineinhalb Stunden Spielen, Singen und Tanzen konnten sie eine Gigue von Bach anhören und sagen: „Hey, das war ganz cool!“ Ich erwarte nicht, dass die sofort nachhause gehen und zu ihren Eltern sagen: „Lass uns eine Bach-Platte kaufen.“ Wenn sie aber zumindest die Möglichkeit haben, zu sehen, dass es auch andere Musik auf der Welt gibt, dass es Musik gibt, die einen berühren kann, dass durch klassische Musik andere Emotionen erweckt werden können als durch Pop, wenn sie lernen, auch einmal eine zeitlang still zu sitzen und etwas, das länger dauert als ein Lied, ruhig anzuhören, dann ist das schon ein Erfolg. Der Erfolg der Popmusik liegt sicherlich auch darin, dass unsere Konzentrationsfähigkeit heutzutage so abgenommen hat. Es gibt viele Pop-Künstler, die etwas zu sagen haben und viele andere, die musikalisch nichts zu sagen haben.

concerti:
Sie kennen sich anscheinend sehr gut bei der Pop-Musik aus…

Daniel Hope:
Ja, ich kenne die Pop-Musik sehr gut. Man sollte sie nicht unterschätzen, ihr aber auch nicht zuviel Bedeutung geben, denn es ist eine einfache Musik. Was nicht, heißt dass sie nicht großartig sein kann. Ob die Beatles, Jimi Hendrix oder Sting, es gibt Meilensteine auch in der Pop-Musik. Man darf die Pop-Musik nicht unter den Teppich kehren, denn erstens gibt es eine riesige Anhängerschaft und zweitens muss man verstehen, wieso die Pop-Musik so beliebt ist. Das liegt vor allem daran, weil sie so zugänglich ist, kurz und einfach zu verstehen. Die klassische Musik soll nicht so sein wie Pop, auch nicht so erfolgreich. Unsere Aufgabe heute ist es, den Zugang zur klassischen Musik zu erhalten und uns nicht vom Publikum zu entfernen. Das ältere Publikum ist uns Gott sei Dank erhalten geblieben, aber über die neuen Generationen müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen, denn sie sind nicht nachgekommen.

concerti:
Sie haben sich viel mit indischer Musik beschäftigt, inwiefern befruchten und verändern solche Crossover-Erfahrungen Ihr Geigen-Spiel?

Daniel Hope:
Das sind zwei Fragen. Ja, es verändert unglaublich das Spiel. Welche Auswirkungen das darauf hat, wie man Brahms spielt, ist eine andere Frage. Die Musik von Ravi Shankar hat für mich keine direkte Auswirkung auf meine Interpretation klassischer Werke. Indem man sein Spiel verändert, spielt man Brahms dennoch anders, ohne dass das Spiel direkt anders ist. Was mir solche Grenzüberschreitungen vor allem bringen, sind Energie und Inspiration. Sich mit einem Musiker einer anderen Kultur auseinander zu setzen, der sowohl musikalisch wie linguistisch eine andere Sprache sprich und trotz aller Unterschiede festzustellen, dass man letztlich doch dieselbe Sprache spricht, wenn also dieser „Cross-Over“ im Sinne einer echten „Grenzüberschreitung“ gelingt, man sich verständigt und einen gemeinsamen Weg findet, musikalische Kulturen zu verbinden, dann ist man danach ein anderer Mensch, ein anderer Musiker. Alles, was man über die Jahre aufsaugt, ob es von Shankar , Menuhin oder anderen ist, bewegt sich in einem und man fängt an, damit zu arbeiten. Es ist sehr schwer zu sagen, wie sich solche Erfahrungen auf Brahms auswirken. Man ist aber für die Musik offen, das ist im Endeffekt das Entscheidende, das definiert uns.

concerti:
Ist das für einen Musiker der heutigen Zeit eine Grundbedingung, sich diese Inspirationsquellen, die ein Pressler vielleicht noch selbstverständlicher aus sich selbst heraus zu entwickeln vermag, in solchen musikalischen Grenzerfahrungen zu suchen?

Daniel Hope:
Ich kann da nur für mich sprechen. Egal welche Musik ich höre, es gibt immer wieder Punkte, die mich reizen. Deswegen bin ich ständig auf der Suche nach Musik. Musik lässt uns nicht los, überall ist Musik, aber irgendwann hört man etwas, das einen mitreißt. Ob das heute notwendig ist, sich auf diese Weise mit Musik zu beschäftigen – ich weiß es nicht. Ich würde jedem raten, sich der Musik zu öffnen. Ich bin gegen jede Art von Fundamentalismus. Gerade, was Musik angeht, sollte man für alles offen sein. Nur dann können wir verstehen, was wir hier tun.

concerti:
Herr Hope, wir danken Ihnen für das Gespräch.

von Gregor Burgenmeister



2005


Meetings with remarkable men
The Independent, 03.01.2005

In the beginning – 1967, to be precise – Yehudi Menuhin made a record named West Meets East with the sitar-master Ravi Shankar, during London’s rush of love for the sounds of Rajasthan. Three decades later, Nigel Kennedy released East Meets East, in homage to that initial foray by the violinist who was his mentor. Now, a young violinist named Daniel Hope has put out a record called East Meets West and brought the story full circle.

Garlanded last year with Classical Brit and Gramophone awards, the 30-year-old Hope is one of nature’s explorers. It’s thanks to his championing that the true version of Berg’s “love-code” concerto is now in the shops, and that a noble but forgotten work by the British composer John Foulds is back in the repertoire. And, since Hope’s collaborators include mavericks such as Uri Caine and Bobby McFerrin, it’s no surprise to find him teaming up with Ravi Shankar; what does surprise is the extent to which he has transformed his style in the process. Menuhin’s playing retained its characteristic sheen on that original record with Shankar; Hope has managed to shed all traces of his Western training, and replaced it with an authentically Indian sound.

Moreover, with its additional pieces of Orientalism by Western composers, East Meets West – Shankar jokingly suggested they call it West Eats Meat – represents an epic musical journey that was entirely Hope’s idea. Now seems the moment to catch this shooting star and see what makes him tick. The answer, I find, lies in a remarkable succession of father figures.

His actual father – the South African novelist Christopher Hope – played little part in this musical story, but his indirect influence was crucial. Exiled to London and strapped for cash after publishing a book that the apartheid regime hated, Hope senior sent his wife out to work, and she landed a job as Yehudi Menuhin’s secretary. “As my father needed peace and quiet to write, she took me with her,” says Hope junior. “And Menuhin loved having children around. Every day of my first four years was spent in his house, and all my memories are of what I saw there, and the people who came to visit – the politicians, the Stéphane Grappellis, the Shankars. All that ignited a spark.”

His manner is bright and eager, and you sense the drive that was clearly there from the start. When he was three, he says, he announced to his parents that he was going to become a violinist. “Their reaction was complete and utter shock. And when my father told Menuhin, he simply replied: ‘Poor chap.’ He was very discouraging – he basically washed his hands of me. The last thing he wanted was to get involved.”

Hope persuaded his parents to take him to a local violin teacher, Sheila Nelson, but she was rather discouraging too. “Her first comment was: ‘He’s too small. Come back in a couple of years.’ Yet hanging on the walls all round were tiny violins. I had the most incredible tantrum in front of her, so to quieten me she took one down and said, ‘Here you are. I’m not making any promises, but we’ll try.’ And I just grabbed it – and the moment I had it in my hands, I knew that was my future.”

When he was eight, though his parents were against it, he decided to go to the Menuhin school. “Menuhin himself didn’t comment. I guess he just thought I’d grow out of this obsession.” His parents’ doubts about the school proved justified. “The problem was that it had a blanket rule for all students, whether eight or 18 – everyone had to practise a set amount each day. That worked brilliantly for some people, but not for me. So at nine I decided to leave.”

You yourself decided? “Yes. From the age of four I’ve basically run my own life. I’ve always known within a few minutes whether something I’ve done is good or not.” The one positive legacy he took from the Menuhin school was a tutorial invitation from a Russian-Israeli teacher named Felix Andrievsky, who also taught at the Royal College of Music. “And thus began my induction into the Russian way of playing, which is in a way how I play now.”

What is that way? He thinks for a moment, then gives a short lecture. “It’s an approach to the violin, and to the way sound is produced on it. Russian musicians all have the ability to create a certain type of sound, using a certain kind of pressure on the bow, with a certain hand position that is unique to them. This started from the time of the great Leopold Auer, and continued with gods like David Oistrakh and Leonid Kogan – extraordinary musicians. And there’s an approach to colour which goes with that – many layers of colour. I’d been used to playing loud and soft, and then somebody tells you there are five types of loud and five types of soft, and between them an enormous spectrum. And it’s all done technically, yet the goal is an aesthetic one.”

At 16, Hope met another Russian violin teacher, named Grigory Zhislin, who broadened his horizons further. “Felix’s way was to talk, but Grigory’s was to play. And with his right arm and hand he was able to create a hundred times more colour than I’d even then thought possible. By tilting the bow, by a variety of tricks with the right hand, he unlocked something else. I was in a state of shock.”

Hope uses that same phrase to describe his reaction to his coeval Maxim Vengerov’s Wigmore debut that year. “That was one of the greatest experiences I’d ever had – to hear this 16-year-old boy playing the Bach Chaconne amazingly, as his opening piece. I knew he’d been taught by Zakhar Bron – and I knew I had to go and study with him.”

He did, and became addicted to his style of teaching. “It was totally different from my other Russian tutors, but it had the same thread. Bron is like a sports coach, with a big presence and big voice, who holds up an enormous mirror in front of you – exaggerating what you’re doing. He doesn’t let a single phrase pass without comment. A lesson with him is like going 10 rounds with Mike Tyson. You just feel shattered.”

All his other tutorial relationships had ended with an angry cut-off: “With most Russian teachers, when you leave, the drawbridge comes up – they think you’ve rejected them. After three failed relationships, I decided not to have that break with Bron. So I still sometimes go back to him.”

Menuhin, too, had heard about Bron, and one day he rang Hope to ask how he was getting on. “So I went and played for him, and he was absolutely horrified.” Why? “Because I’d taken it all so seriously. He was genuinely shocked – he never thought my violin-playing would be anything serious – yet I’d gone on and done it. He realised that during all those years the violin had meant absolutely everything to me. He became very emotional, and asked me to play more, so I played the first Schnittke sonata, which he didn’t know, and then he said, keep going, so I did the Mendelssohn, the Bach Chaconne. Three hours later he stood up and said, ‘I had no idea, and I’m so happy. Would you like to play for me regularly?’

“When I said I’d love to, he said, ‘I can go one better than that – would you like to play concertos with me conducting?’ So we started with the Mendelssohn, and eventually we did 60 concerts together, up till his final one in Düsseldorf – he died three days later. But I was so happy it had all worked out like this. Because I hadn’t learnt from him as a teacher but as a colleague who knew those pieces probably better than anybody else in the world.”

East Meets West begins and ends with ragas by Ravi Shankar, which Hope’s liner-note describes as being “In memoriam Yehudi Menuhin” (which is right, since they were composed for him). But first – after two years’ retraining, sitting cross-legged on the floor with Shankar’s anointed successor, Gaurav Mazumdar – Hope had to get the Indian master’s blessing. “I wanted to play to convince him, and for almost three hours he listened with his wife and daughter and a student. When I’d finished I asked if he would permit me to take it into the studio, and he agreed. But he also said that – much as he admired Yehudi’s playing – they’d never had time to do it as he wished, and he wanted me to remedy a few faults. He gave me a detailed list – things to do with the way one uses the bow and a very sparing use of vibrato. He wanted a pure sound.”

Next week, Daniel Hope will premiere a John Casken piece at the Barbican, and the week after that he’ll be helping the Beaux Arts Trio celebrate their 50th anniversary at the Wigmore Hall. When I ask how on earth he came to join that august ensemble, I get another strange tale, involving a suddenly incapacitated player in New York, a call on Hope’s mobile as he left the stage in Brussels, and a hurried but searching audition…

Daniel Hope, Barbican, London EC2 (020-7638 8891) 15 January, and Wigmore Hall, London W1 (020-7935 2141) 27 January. ‘East Meets West’ and ‘Foulds: Mirage’ are on the Warner label

Michael Church meets a rising star

Music Minstrel – Daniel Hope’s Eclectic Universe
Muso, 02.03.2005

It’s a grey December afternoon when violinist Daniel Hope bounds down the stairs of his Amsterdam apartment to greet me. He’s dressed in casual trousers and an open-neck shirt, his mane of blazing red hair swept back aristocratically.

The word ‘leonine’ springs to mind and somehow it seems appropriate not just for his physical presence. Hope’s prize male in the pride of British string players, one whose appetite for artistic journeying has led him across musical savannahs as diverse as Indian ragas and contemporary concertos. There’s something of the big cat’s wanderlust in him, too, a sense of musical curiosity that’s almost ferocious. Yet personally he’s a pussy-cat, softly-spoken, gracious and generous with his time and ideas.

It’s some of those qualities that marked him out at the 2004 Classical Brit Awards, where he was named young artist of the year. At an event formerly famed for celebrating crossover crooners, Hope’s success was a quiet triumph of musical substance over superficial style.

A man with impeccable artistic credentials, until then he’d been a relatively minor name in the UK. Known to the concert-going and record-buying cognoscenti, he’d eschewed the classical party circuit, concentrating instead on what he does best – playing great violin.

The results – beautiful and focused playing, coupled with an adventurous sense of programming – make Hope out as one of the great prospects in British music. Yet he may never have held a violin at all if it hadn’t been for a extraordinary life story that yourneys from the dehumanising world of apartheid South Africa to genteel north London.

Hope’s father Christopher, an award-winning novelist and poet, was a vociferous critic of the Pretoria regime and was placed under house arrest for his anti-government views. In 1974, when Daniel was six months old, his parents left almost everything behind and fled to England.

“We have a history of travelling in our family“, Hope smiles ironically. “My mother’s family was expelled by the Nazis in the 1930s and my father’s family were Irish. Dad had the particular stress of seeing his books banned in South Africa. There was really no choice but to leave“.

Forced to find a job to help the family survive, his mother Eleanor applied for three secretarial posts. One was to work for a stockbroker, another to help the Archbishop of Canterbury and the third to assist legendary violinist Yehudi Menuhin. With the threat of deportation hanging over them, Mrs. Hope got the Menuhin job.

“My earliest memories are of growing up in Highgate and while I had it good I know now that there were times when my parents did not know where the next meal was coming from,“ he recalls. “I can remember Mum getting the Menuhin job as the last hope. It’s one of those tweaks of fate that is almost bizarre – especially as my parents were not musical. But Mum knew of Menuhin and remembered him coming to South Africa. And although my father is not a musician he is a great music lover.“

For the next few years, Hope grew up in the shadow of Menuhin although there was little musical contact with him.

“On a personal level Menuhin was always very warm but musically there was very little contact, until I was 16,“ Hope points out. “It was a curious thing. I would be playing with his grandchildren and Ravi Shankar or Mstislav Rostropovich would walk in. And I was very much on the outside while Menuhin was omnipresent in our lives“.

Menuhin’s impact on his secretary’s son was immediate: “I remember going to concerts in the early 1970s and I can remember grabbing two knitting needles and imitating the violin. I guess it must have sparked something.“

It was evident to Hope’s parents that their son had a talent so they sought out a local instructor. Serendipitously, one of the country’s top teachers of children – Sheila Nelson – lived around the corner from the family’s Highgate home.

“It was Sheila who was responsible for the violin becoming something really serious for me,“ Hope points out. “I had just turned four and I can remember everything about that first lesson. I was in Sheila’s living room and saw all these violins hanging on the wall and I went absolutely awol.“

What Nelson imparted in her lessons Hope says he carries with him to this day: “If I look at pictures of myself at three, I had exactly the same position and bow hold then as now. I still carry certain rhymes in my head that Sheila taught us to help remember notes and other musical elements. She was so great at organising our minds about music. For instance, we would sing notes and I would learn to improvise as well. I had no inhibitions about learning. I remember later going into incredible detail about music, about the phrasing, everything.“

Hope’s musical appetite even then was voracious and at the age of 10 he found himself on national TV alongside double bassist Gary Karr. They’d first met at Menuhin’s Gstaad Festival in Switzerland, when Hope had been turning pages for Karr’s pianist.

Determined to pursue a professional career in music, Hope went on to study with Itzhak Rashkovsky, Felix Andrievsky and Grigory Zhislin at the Royal College of Music. A pupil at Highgate School in London, from 1992 to 1998 he was a student of the great Russian teacher Zakhar Bron (Maxim Vengerov’s mentor) in Hamburg. He also graduated from the Royal Academy of Music in London, where he holds the DipRAM and ARAM.

It was Hope’s studies in Germany that piqued Menuhin’s curiosity about his young acquaintance, whom he realised was now seriously committed to his instrument. It was the start of a lasting friendship, Hope even played at what was to be Menuhin’s final public concert.

The Menuhin influence is reflected in Hope’s musical curiosity and intellectual probing. Like Menuhin, Hope has a strong interest in contemporary music and in reaching out to new audiences. He’s even paid tribute to one of Menuhin’s legendary ventures in his recent Warner Classics recording East meets West. In a re-imagining of Menuhin’s 1960 musical explorations with sitarrist Ravi Shankar, Hope performs with sitarrist and Shankar disciple Gaurav Mazumdar as well as tabla player Asok Chakraborty.

The rest of the musical journey emcompasses gypsy and folk music but the highlight is the world-premiere recording of Alfred Schnittke’s Sonata 1955, a piece unknown until it was unearthed by chance.

Hope’s relationship with Schnittke – he was entrusted with the 1955 sonata by the composer’s widow, Irina, and has edited the violin part for a Sikorski edition – was one of the most important of the violinist’s life. A a teenage student in Hamburg, Hope developed a fascination for the Russian giant’s music. In another stroke of good fortune, Hope discovered Schnittke lived near him in Hamburg and decided to pay him a visit. It led to a friendship that was to last until Schnittke’s death in 1998.

Hope’s been equally supportive of the next generation of composers and has actively commissioned new works. Jan Müller-Wieland’s violin concerto Ballad of Ariel is a strong case in point, premiered by Hope in Berlin in 2002. He is “particularly proud“ of a piece by young British composer Huw Watkins:
“He wrote a quintet based on Schubert’s “Trout“ Quintet and it’s a stunning piece.“ Hope is also delighted with a new violin concerto commissioned from Roxanna Panufnik. He will premiere the work in March at the Savannah Music Festival, of which he recently became associate artistic director.

“Roxanna’s violin concerto is called Abraham and it’s a totally different style. She has a real feel for lyricism – that’s something that interests me in contemporary music. It also helps if there’s a rhythmicality; that’s what drew me to the music of Schnittke and of Britten.“

Hope gives short shrift to those who avoid modern music.

“If you really can’t play it then OK but a lot of people use that excuse as a cop-out,“ he moans. “That’s something I do not accept. A lot of people are just not experimental enough. Young composers need to have people of their own age who can tell them what they think of their work. There’s enough great music out there, which can be interpreted by young artists today. And it’s not an excuse to say audiences don’t like it. I often give a three – or four-minute introduction to a modern piece. Ninety-nine per cent of people thank you for that – it’s like giving them a little map of the piece. As a result, I’ve had very warm reactions to very abstract pieces. Most composers appreciate it, too. You can’t expect an audience just to take what you give them. If Menachem Pressler can sit down and learn a piece by Mark-Anthony Turnage, younger musicians have no excuse.“

The reference to Pressler, pianist with the legendary Beaux Arts Trio, flags up one of the most significant musical relationships in Hope’s life.

“I was playing in Brussels at the Palais de Beaux Arts, coincidentally enough, when I had a call from one of my European agents who asked me what piano trios I could play,“ Hope recalls. “She rattled off a list that started with the complete Beethoven trios and went through Schubert, Mozart, Schnittke and Brahms. It transpired the Beaux Arts Trio was looking for a violinist to join on a tour. “But,“ my agent said, “it’s next week!“ It was 17 February 2002. I was still in shock but the first thing I said was, “I’m free.“

Hope finished his Brussels concerts, went to a local music shop to buy all necessary music and – after calling assorted friends and acquiantances for advice – flew to Basel to meet Beaux Arts cellist Antonio Meneses.

“The Schubert E flat trio was the most difficult piece I had ever seen in my life,“ Hope laughs, “but I met this most wonderful cellist, with this amazing background and so much experience with Karajan. For two days, we went through everything – bowings, fingerings, everything. He called Menachem Pressler and I then flew to Lisbon where we rehearsed for nine hours a day for two days.“

“Just to get through a tour you have to be able to get on with people“, Hope points out pragmatically. “I was dazzled by Pressler and I had all these names to live up to – but you also have to play your own instrument in your own way. We did the tour and it was a different programme every night. We got to the final concert – at the Musikverein in Vienna – and Menachem took me to one side and said that the next month the trio had a 15-concert tour of the US but that it was only with two programmes.“

“I explained that I had lots of my own projects that I wasn’t prepared to give up but Menachem explained that the trio now plays 60-70 concerts a year in block tour, twice in Europe and twice in the US. “If you’re clever enough to organise your diary“, he hinted… that was an enormous incentive so I decided to stay.“

Hope was determined to reflect his and Pressler’s age difference (half a century separates them) in the ensemble’s programming: “I felt that if I was going to join the trio, was there not some chance to explore some modern repertoire for the trio ? Having a third of a trio that’s so interested in new music, can we not look at commissioning some composers ?“

Hope has since commissioned works by György Kurtág, Turnage and Müller-Wieland to mark the Beaux Arts ‘ 50th anniversary this year. There’s also a new piano trio by Uri Caine, who also makes an appearance at the 2005 Savannah Festival.

Savannah is typical of Hope’s musical inquisitiveness, as he makes clear: “What I’m trying to do with Savannah is bring over a European tradition but I don’t want to make it a European festival. I think it’s nice – and important – to look further than the natural boundaries you have. There are some very strong voices in American contemporary music, particularly in jazz and some elements of rock. There are some very interesting developments over there.“

“Take the music of John Adams, for instance, whose violin concerto I love, Hope enthuses. “His music is a very healthy continuation of the minimalist movement. It’s the sort of music that’s going to survive. Minimalism had a huge impact but in a sense it’s done. I really think people are going to come back to melody. If you can mix the melodic side of the American school and the theory and emotional content of the European tradition, it will be interesting to see what comes out of that.“

“All you can do if you start to combine different styles or cultures is be a serious and respectful as you can, to be as loyal as you can to the practises, whether it’s gypsy music or Bach. I think you can do whatever you want, but do not dabble. You have to find a way of qualifying it and to be wholly versed in it. It’s the discipline that’s required of you.“

No doubt it’s just such a committed attitude that has attracted some of the stellar names in the arts to collaborate with Hope on his own projects. He’s gained particular acclaim in German-speaking territories for his collaboration with Oscar-winning actor Klaus Maria Brandauer, performing Stravinsky’s The Soldier’s Tale.

“I had admired Klaus Maria Brandauer ever since I saw the film Mephisto. Pianist Lars Vogt is a friend of mine and had worked with Brandauer but it’s almost impossible to get hold of the man! Five months after contacting him I’ heard nothing. Then one day I got home to a message from him saying he was interested in my ideas. I rang him back and went straight to Vienna to see him. We had the most raucous evening in a Chinese restaurant and ended up with about six projects that we wanted to do. That’s what led to our project War and Pieces, where we perform The Soldier’s Tale and a transcription by Müller-Wieland of Beethoven’s Egmont Overture for the same instrumentation.“

With such a busy life – not to mention a burgeoning recording schedule for Warner Classics – it’s a wonder the violinist has time for private life. But last summer he tied the knot with his long-term partner Annika Pigorsch, a double bass player with the Radio Symphony Orchestra in Amsterdam.

“We first met at the Schleswig-Holstein Music Festival in 1992,“ Hope explains. “We were in the same masterclass – I was with Zakhar Bron and she was with Ludwig Streicher. We met in a Schubert “Trout“ Quintet and it has remained “our“ piece. We married at the Schloß Schönbronn in Vienna. The wedding, unsurprisingly, featured some high-profile guests playing lots of music by Bach – but we had a soul and funk band for the party!“

Married life is “why Amsterdam is where I base myself“, says Hope, “but home is basically a suitcase. I’m lucky if I’m here for four or five days a month. But it is an incredible charmed life I have – to play with the sorts of people I play with or at a festival where you and your friends can be creative.“

“At Savannah, I get to meet some of the greatest jazz artists because the festival’s founder established the Jazz at Lincoln Center series. To be involved in those sorts of projects is a wonderful thing. And as an artist you never know how long it’s going to last so I’m grateful for every record that comes out and I keep playing on.“

“But then I could never do only one thing,“ he muses. “We were always on the move as a family and life has always been like that. I guess if I was a book I’d be Gulliver’s Travels!“

by Paul Cutts

© Muso Magazine 2005, all rights reserved

Herr Schnittke saß auf dem Sofa und schaute Fernsehen
Classix Zeitschrift, 29.03.2005

„Das westliche Notensystem ist eindimensional, indische Musik hingegen von einer ungeheuren Vielfalt.“ Sagt Daniel Hope, einer der aufregendsten Geiger seiner Generation. Er arbeitet mit Ravi Shankars Meisterschüler Gaurav Mazumdar zusammen und konzipiert mit Klaus Maria Brandauer Literatur-/Musik-Projekte. Was treibt ihn an? „Eine Überdosis an Neugier!“ Mit seiner neuen CD „East meets West“ will der neugierige Brite nun den westlichen Hörern den Zugang zum Osten öffnen.

classix:
Ist Crossover in der Klassik nicht ein ausgetretener Pfad?

Daniel Hope:
Meine Idee bei dieser Aufnahme war, den historischen Weg der Geige nachzuzeichnen. Ihre Ursprünge liegen im Fernen Osten. Von dort ist sie nach Westeuropa gekommen, hat sich hier zu einem zentralen Instrument in der klassischen Musik entwickelt und ist dann als westliches Instrument wieder in den Osten zurückgekehrt – um einen festen Platz in der indischen Musik zu finden.

classix:
Was fasziniert Sie an der Kultur des Ostens?

Daniel Hope:
Wenn ich mich mit der indischen Musik beschäftige, bin ich immer wieder erstaunt, wie eindimensional unser westliches System der Notation und Notenwiedergabe ist. Es gibt dort eine ungeheure Vielfalt, etwa durch die Mikrotöne, die hochkomplexen Rhythmen oder die spezielle Bedeutung eines jeden Tons. Als feststehende Tonskala in der klassischen indischen Musik hat jede Raga ihre eigene Geschichte und wird zu einer bestimmten Tageszeit gespielt. Insgesamt sind das fast 6000 Ragas, hinter denen meist eine Erzählung oder religiöse Geschichte steht – und all diese Ragas haben die indischen Musiker im Kopf! Als eindimensionaler westlicher Musiker bin ich da immer wieder sprachlos.

classix:
Ihre erste Begegnung mit dieser Musik liegt inzwischen mehr als 25 Jahre zurück.

Daniel Hope:
Ja, ich hatte das große Glück, quasi im Hause Yehudi Menuhins aufzuwachsen, wo meine Mutter als Sekretärin arbeitete. Eines Tages kam Ravi Shankar für ein gemeinsames Projekt zu Menuhin, packte seine Sitar aus, die beiden setzten sich auf den Boden und begannen für mehrere Stunden miteinander diese unglaubliche und wirklich packende Musik zu spielen. Das war mein erster Eindruck – und der blieb auch bestehen. Ich war damals vier Jahre alt, ein prägendes Erlebnis für mein Leben.

classix:
Und das hat bei Ihnen den Wunsch zur Nachahmung geweckt…

Daniel Hope:
Angefangen, ernsthaft über indische Musik nachzudenken, habe ich mit 13 oder 14 Jahren – aber erst mit 25 habe ich mich an dieses Projekt getraut. Und die Entstehung war dann wiederum ein langer Prozess. Denn meinen Vorschlag an Ravi Shankar, sein altes Projekt mit Menuhin neu zu beleben, konnte er aufgrund eines Herzinfarktes nicht umsetzen. Stattdessen hat er mir seinen Meisterschüler Gaurav Mazumdar vermittelt, der mich zweieinhalb Jahre in der indischen Musik unterrichtet hat. Erst danach haben wir die ersten Konzerte gespielt und uns an die Aufnahme gewagt.

classix:
Die Komponisten des Abendlandes tun sich schwer mit musikalischen Einflüssen aus anderen Kulturkreisen. Woran liegt das?

Daniel Hope:
Viele Komponisten haben eine gewisse Hemmung gegenüber fremden Kulturen – ja, sie fühlen sich bedroht von Musik aus anderen Ländern, weil sie diese nicht sofort verstehen. So bleibt ihnen das Wesen dieser Musik nicht nur unbekannt, sondern erscheint ihnen auch ohne Richtung und nicht kontrollierbar.

classix:

Musiker aus dem Osten haben da weit weniger Berührungsängste, wie die zahlreichen Talente aus Japan und China zeigen.

Daniel Hope:
Deren Mentalität ist eine ganz andere. So wie sie im Berufsalltag geradezu besessen von ihrer Arbeit sind, konzentrieren sich die jungen Musiker einzig und allein auf ihr Instrument und nehmen dafür auch eine gewisse Art von Drill in Kauf.

classix:

Eine Mentalität, der in Westeuropa eher mit Skepsis oder Unverständnis begegnet wird.

Daniel Hope:

Um es ins Politische zu übertragen: Diesen Punkt des Nichtverstehens haben wir hinsichtlich der Kulturen längst erreicht. Und in der Musik droht sicher die Gefahr, dass man sich nicht mehr verstehen wird, weil neben dem fehlenden Kontakt auch gar keine Bereitschaft zur Verständigung vorhanden ist.

classix:

Gibt es in der Kultur des Ostens eine größere Offenheit?

Daniel Hope:

Musik spielt in Asien traditionell eine wichtige Rolle. In Indien etwa repräsentieren die Ragas auch Götter und besitzen religiöse Funktionen. Musik dient dort nicht nur zur Unterhaltung oder als Hobby, sondern ist ein ganz wesentlicher Teil der Alltagskultur. Jeder Junge auf der Straße kann Hunderte von Ragas singen. Hier hingegen wird in den Schulen immer weniger Musik unterrichtet – und die Popmusik der westlichen Jugend schlägt keine Brücken zwischen Musik, Glauben und Alltagsleben wie in Indien.

classix:

Alfred Schnittke war einer der wenigen Komponisten, die Brücken zur östlichen Musik geschlagen haben. Auf Ihrer aktuellen CD spielen Sie auch seine Musik.

Daniel Hope:

Schnittke hat mich einfach von der ersten Minute an gefesselt. Ich war damals noch sehr unerfahren in puncto zeitgenössischer Musik und hatte meine Vorurteile. Doch als ich seine erste Sonate hörte, war ich einfach überwältigt von ihrer Kraft und Emotion, von der Kompromisslosigkeit seiner Werke.



classix:

Sie haben sogar seine Bekanntschaft gesucht – auf einem eher ungewöhnlichen Weg.



Daniel Hope:

Ja, ich bin eines Abends bei ihm in Hamburg vorbeigegangen und habe einfach geklingelt! Ich hatte eine Liveaufnahme eines Konzerts dabei, bei dem ich einige seiner Werke gespielt hatte. Seine Frau öffnete die Tür und er bat mich herein, obwohl er mich nicht kannte… Wenn ich heute darüber nachdenke, wird mir noch im Nachhinein schlecht ob meiner damaligen Frechheit.

classix:

Warum dieser „Überfall“?

Daniel Hope:

Mein Ziel war, ihn irgendwie kennen zu lernen, denn ich wollte wissen, wie man seine Musik zu interpretieren habe. Ich hatte seine Werke schon von vielen Musikern gehört und mit anderen Kollegen wie Gidon Kremer darüber gesprochen, aber das war mir nicht genug. Wahrscheinlich war ich besessen von der Idee, ihn zu treffen. Den Live-Mitschnitt hatte ich als „Beweismaterial“ mitgenommen, um zu zeigen, dass ich seine Musik tatsächlich spielte – nicht dass er dächte, ich sei verrückt! Und plötzlich stand ich in der Wohnung und Herr Schnittke saß auf dem Sofa und schaute Fernsehen. Es war absurd!

classix:
Eher kurios verlief auch Ihr Weg ins berühmte Beaux Arts Trio.

Daniel Hope:
Vor einer großen Tournee fiel deren langjähriger Geiger Young Uck Kim aus. Pianist und Gründer Menahem Pressler wollte die Konzerte schon absagen. Da hat ihm seine Agentur, die auch mich in Deutschland vertritt, den Vorschlag gemacht, es doch mit mir als Einspringer zu versuchen. Unmöglich, hat Pressler gesagt – und dann doch einem Versuch zugestimmt. Drei Tage vor dem ersten Konzert haben wir uns getroffen, jeden Tag 10 Stunden gearbeitet. Im Ergebnis war es vielleicht nicht das Beaux Arts Trio, das man kannte, aber das Beste, was sich in der Kürze auf die Beine stellen ließ.

classix:

Wie schwer ist es für einen jungen Künstler, sich gegenüber so einer Legende zu behaupten?

Daniel Hope:

Am Anfang war es unglaublich schwierig. Ich bin aufgewachsen mit den Aufnahmen des Beaux Arts Trios und hatte einen ungeheuren Respekt, allein schon durch Presslers Präsenz. Und das Trio ist – gerade in den USA – wirklich eine Institution. Da musste ich sehen, wo ich blieb, um nicht alles aus der Balance zu bringen. Aber ich bin mit solch einer Wärme und Offenheit aufgenommen worden, dass wir jetzt, nach bald drei Jahren, zu einer absoluten Einheit gewachsen sind.

classix:
Was lernt der junge Hope vom weisen Pressler?

Daniel Hope:

Wahnsinnig wichtig für mich ist seine Verbindung zur Musikgeschichte: über seine ersten Mitstreiter gab es Beziehungen zu Ravel und Fauré – das reicht also fast bis an Brahms heran. Das sind Kontakte, von denen man als junger Musiker nur träumen kann. Zudem ist Presslers ernsthafter Zugang zu den Werken einfach beispielhaft für einen Musiker. Auch auf Stücke, die er zigmal in seinem Leben gespielt hat, bereitet er sich immer wieder vor, als seien sie neu für ihn. Das zu erleben ist unbezahlbar.

classix:

Und wo kann der erfahrene Pianist von dem jungen Geiger profitieren?

Daniel Hope:

Was sollte ein Mensch, der alles kann und erreicht hat, noch lernen? Ich weiß es nicht… Vielleicht den Zugang zur zeitgenössischen Musik, mit der Pressler sich recht wenig beschäftigt hat. Durch meinen Kontakt mit vielen modernen Komponisten eröffnen sich ihm vielleicht andere Wege, sich einem Stück zu nähern, er bekommt eine andere Perspektive. Durch mein Spiel bringe ich auch einen anderen Ton ins Trio. Pressler ist einen sehr lyrischen, satten Streicherklang gewohnt – von mir indes und dem Cellisten Antonio Meneses bekommt er das Gegenteil, einen sehr schlanken, dezenten Ton.

classix:

Woher rührt Ihr Engagement für die Moderne?

Daniel Hope:

Ich finde es unglaublich spannend, unmittelbar mit dem Komponisten zusammenarbeiten zu können. Manchmal wünschte ich mir, mit Mozart oder Beethoven kommunizieren zu können und sie zu fragen, was sie wirklich mit ihren Stücken wollten. Wenn ich heute mit Komponisten über ihre Werke spreche, eröffnet mir das ganz andere Möglichkeiten. Als ich jüngst zusammen mit John Casken sein Violinkonzert erarbeitet habe, glich das dem Spiel in einem Duo. Ohne seinen Input hätte ich dieses Stück nicht spielen können: Ich hätte vielleicht Töne wiedergegeben, aber sie hätten nichts bedeutet




Biografie
„Nachwuchskünstler des Jahres“, „Klassischer Künstler 2001“, Classical Brit Award 2004: Zahlreich sind die Preise, die Daniel Hope (31) in seiner jungen Karriere schon gesammelt hat. Ein Ausnahmekünstler, der im Hause Yehudi Menuhins aufwuchs, ohne jemals der Schüler des großen Geigers gewesen zu sein. Und doch spielten sie später zusammen: Hope als Solist, Menuhin als Dirigent. Seit 2002 ist Hope festes Mitglied des berühmten Beaux Arts Trios. Er lebt in Amsterdam und Hamburg und ist mit einer hanseatischen Kontrabassistin verheiratet: „Ich liebe die deutsche Sprache, die Literatur – und die Musik sowieso.“

von Christoph Forsthoff

Daniel Hope – vom Notenumblätterer zu einem eigenwilligen Violin-Star
Die Welt, 01.04.2005

„Der Arme!“ So soll Yehudi Menuhin ausgerufen haben, als er vom Wunsch des kleinen Daniel (vier) erfuhr, Violine zu lernen. Menuhin hielt nicht viel von Wunderkindern, er war selbst eines gewesen. Heute, 27 Jahre später, ist Daniel Hope der wohl produktivste CD-Geiger seiner Generation. Menuhin hat sich geirrt.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der kleine Daniel Hope war der Sohn von Menuhins Sekretärin. Die ersten Kindheitserinnerungen von Daniel Hope: Ravi Shankar sitzt im Wohnzimmer auf dem Teppich, Menuhin kreuzt die Beine im Lotussitz, Jazz-Geiger Stephane Grappelli schenkt Whiskey ein. Viele Jahre danach ereilte Menuhin der Erkenntnisschock: Im Schatten seiner selbst, unbeobachtet und nicht ernst genommen, war da ein Weltklassemusiker herangereift. „Menuhin wollte die Welt retten“, sagt Daniel Hope über sein Vorbild, „und ließ darüber manches Talent unsanft fallen.“

Das Schicksal des schockgeförderten, rasch wieder abstürzenden Shooting-Stars blieb Hope so erspart. Gerettet hat er sich langsam – und aus eigener Kraft. Mit Konzept-Alben wie „Forbidden Music“ (von internierten Komponisten wie Schulhoff, Krasa, Klein), Uraufführungen von Schnittke und seiner neuen CD „East meets West“. Mit diesem Familien-Crossover, bei dem Ravi Shankar ebenso vertreten ist wie Ravel, de Falla und Bartók, zeigt sich Hope als Neudenker und origineller Querläufer der Klassik. Daniel Hope präsentiert sie als eine Art zeitüberschreitende Weltmusik, als Folkore-Echo, als sublimen Volksmusik-Relaunch.

Am Küchentisch seiner Wohnung in Amsterdam explodiert der Rotschopf vor Ideenreichtum und Erzählfreude. Mit Mia Farrow habe er eben beim Savannah Music Festival einen Beethoven-Abend improvisiert – und die Ex-Ehefrau Woody Allens als Beethovens Haushälterin auftreten lassen. Das Violin-Kernrepertoire spielt er in jährlich 130 Konzerten weltweit – und hat es durch Brittens Violinkonzert (auch auf CD) jüngst bereichert. Damit geht er in diesem Monat auf Deutschlandtournee.

Hope erfindet neue Programme, schreibt Booklet-Texte und „googelt“ nach verlorenen Stücken. Seit 2002 ist er, ganz nebenbei, auch noch Primarius beim berühmten Beaux Art Trio. Hope ist ein Unermüdlicher, rastlos Umherfahrender. Seine Heimat sieht er in der russisch-jüdischen Geigenschule – in der Nachfolge von David Oistrach.

Dabei stammt die Familie eigentlich aus Berlin. Der Urgroßvater besaß eine (von den Nazis konfiszierte) Metallfabrik in der Kreuzberger Großbeerenstraße. Die Großeltern flohen 1933 nach Südafrika. Hier wurde der Großvater zum Unterstützer ausgerechnet des Apartheidregimes. Der Vater, Schriftsteller Christopher Hope, mußte das Land verlassen. Die Großeltern blieben – eine Familienodyssee. In London fand die Familie schließlich ein Zuhause und den Job bei Yehudi Menuhin.

Daniel Hopes vorurteilslose Neugier ist Spiegel dieser Familiengeschichte. Belustigt erzählt er, wie er bei einem Besuch der Familienvilla in der Dahlemer Podbielskiallee mißtrauisch von den Berlinern beäugt worden sei. Hope kann darüber nur lachen. Er, der bei Menuhins Musikfestival in Gstaad nicht als Musiker, sondern als Umblätterer debütierte, ist dünkelfrei offen geblieben. Ein Anti-Star, den man dafür bewundern darf, daß er mit Ideen und Konzepten im ansonsten auf Stars fixierten Klassikbetrieb reüssiert hat. Man muß gut sein, um das zu schaffen.

Mit Daniel Hope erscheint der zur Zeit intelligenteste Weltenpendler jetzt massiv auch am CD-Markt. Innerhalb eines halben Jahres hat Hope fünf CDs aufgenommen. Allen voran die großartig langsame Erstaufnahme des Violinkonzertes von Alban Berg (in der um fünfzig Korrekturen bereinigten Originalfassung). Sie ist sinnlicher, trauriger, schöner als alle vor ihr – und präsentiert im Beiprogramm das hier erstmals prominent besetzte Britten-Konzert. Hope hat mit schlank-kühlem Ton den Engländer John Foulds wiederentdeckt und bereitet die Uraufführung eines neuen Trios von György Kurtág vor. „Ich muß entdecken, anders kann ich nicht“, meint er.

Musikalisch „durch Tränen lachen“, das findet er besonders gut – und hört es bei Vorbildern wie Rubinstein, Horowitz, Heifetz heraus. „Der Kern des jüdischen Musizierens war immer schon Melancholie“, meint er. Und verbindet mit Ravels ungarisierender „Tzigane“ prompt strukturelle Klarheit. Er injiziert Ravi Shankars Geigen-Ragas westliche Emotionen und findet in Schnittkes neu entdeckter „Sonate 1955“ Spuren von Schostakowitsch. Das alles kann man auf seiner neuen CD „East meets West“ nachhören. Hope hat das altbacken-ausgediente Crossover durch ein lustiges All-over-the-Place ersetzt. Es war höchste Zeit dafür.

Termine:
28. April Lörrach,
29. April Dachau,
13. Mai Hof,
2.,3. und 5.Juni Kozerthaus Berlin

von Kai Luehrs-Kaiser

Britain’s top violinist
BBC Music Magazine, 28.05.2005

The brilliant young violinist is already recognised as one of today’s greats. He tells us about his rapid rise.

Daniel Hope has two particular gifts: one, is the gift of music; two, is the gift of the stranger who knocks at the palace door and is greeted with open arms. He has other more prosaic gifts, such as dreaming up ideas (easy) and bringing them to the market place (difficult); and tackling each new project with a rare enthusiasm and thoroughness.

Take one of his recent CDs, East Meets West. Here, for the first time since the 1960s, Ravi Shankar’s music composed for Yehudi Menuhin can be heard again, laboriously reconstructed by Hope from Menuhin’s idiosyncratic jottings. That on its own would have provided enough marketing interest. Not for Hope. The ‘West’ of the album’s title is, in part, represented by Ravel’s Tzigane. ‘On the cover of each copy of the music it says “for violin and piano or piano-luthéal”’, Hope points out. ‘I was intrigued about the piano-luthéal. I learnt that Ravel had developed this instrument with an engineer and that the only surviving one had been destroyed in a fire in the ‘60s in a museum. Then I found a Dutch piano technician who had found the plans and reconstructed it in Utrecht. I tracked him down, rang him and I asked him if it was true he had built a luthéal and he said yes. I said could I come round and he said yes, so I went to visit him and he demonstrated it and I couldn’t believe what he was able to achieve. So I said could we use it for the recording and he said yes.’ That’s how Hope operates. The results, by the way, are a revelation. The luthéal, sounding like a combination of cimbalom, fortepiano and harp, brings a palette of colours to Tzigane only matched by the orchestral score.

The luthéal story is, as we shall see, typical of Hope’s insatiably inquisitive mind. He will be thirty this year. It looks like being a busy one. The evening before we met in London, he had played the Sibelius concerto in Düsseldorf. After that, he had driven back to his home in Amsterdam which he shares with his wife, Annika Pigorsch, a double-bass player in the Netherlands Radio Symphony Orchestra. 8.00 flight from Schiphol for our photo shoot and interview. Fly back home. Fly to Berlin 36 hours later to promote the East Meets West album, just released in Germany. Concert of music from East Meets West in the evening. Fly back to Düsseldorf (again) next day, collect car, drive to Eindhoven to meet Menahem Pressler to begin a tour playing the complete Beethoven piano and violin sonatas. They started playing them in New York over a period of three years. Now it’s Europe’s turn.

In one way, it’s an unlikely combination: a young British violinist, not yet a household name, and the octogenarian Pressler, one third of the most famous trio in the world (and its only founding member still playing). It is even more unlikely – risky even – that a young British violinist with a burgeoning solo career should want to become the violinist of a trio, even one as distinguished as the Beaux Arts. How did it come about? ‘By a very curious coincidence, I was playing at the Palais des Beaux Arts in Brussels when I got a call asking if I would stand in for Young Uck Kim the Trio’s violinist who had to have an operation and couldn’t do a tour. By another strange coincidence, I had three free weeks due to a recording project being cancelled. It just slotted in. On the other hand I had the most extraordinary amount of music to learn – the complete Beethoven Piano Trios, for example, the Schubert E flat, Haydn, Mozart, Brahms, Schnittke – every night a different programme and in some of the most important venues in Europe, including the Concertgebouw and the Musikverein, Vienna. Most of my colleagues said “You’re crazy!”. Very few people said “What a chance!”.’

Later, the offer came to become a permanent member of the Trio with Pressler and cellist Antonio Meneses. For the first two tours, Hope admits, it was a question of just fitting in, which he did almost instinctively. ‘There’s a tremendous weight of history there. The very first violinist of the Trio, Daniel Guilet was a very close friend of Ravel’s. So when you’re playing the Ravel Piano Trio, for example, you’re playing with Pressler who has worked with a man who went on tour with Ravel! So you have to be pretty sure of your facts if you’re going to start questioning. At the same time, the wonderful thing about Pressler is that he’s so open to suggestions because he approaches every work from a new standpoint every time.’ Open, too, to contemporary music. Now, due largely to Hope, there are a number of commissions for the Trio, from Mark-Anthony Turnage, György Kurtág and Uri Caine the jazz pianist, to Jan Müller-Wieland (whose Schlaflied the Trio premiered at the Wigmore Hall in January this year), and the American Alexandra Dubois.

How Hope came to take up the violin is a good story involving the history of his immediate family, an alliance that resembles the Montagues and Capulets. Hope’s mother comes from a distinguished Prussian family of powerful industrialists. His maternal great-grandfather was a vastly wealthy steel magnate in Berlin. Despite being Christian and proudly pro-German, he was deemed by the Third Reich to be non-German because of his Jewish connections and distant Jewish ancestry. In 1936, the whole family was uprooted, more or less overnight, the factories were confiscated, and the house commandeered by the Gestapo, turned first into a brothel and then into a hospital. Though great-grandfather did not survive the journey, the family sold everything to get out of Germany, and took the first boat they could. It happened to be going to South Africa. Hope’s maternal grandfather, one of Max Reinhardt’s lighting assistants, escaped in 1938. He, too, came from Berlin where, by a strange coincidence, he lived one street away from his maternal grandmother. The two met for the first time in South Africa. Ironically, though having been persecuted by the Nazis, the grandfather became an apologist for the apartheid regime, creating the Anglo-German Flying Club and a little colony of similarly sympathetic Germans.

The paternal side of Hope’s family were politically active Irish Catholics and all members of Sinn Fein. His great-grandfather ran away from home to escape further abuse at the hands of his parents, jumped on a boat and landed in South Africa. His son became an South African fighter pilot in the Second World War and died fighting the Germans. His widow remarried a South African named Hope. Their son, Daniel’s father, is the award-winning novelist and poet Christopher Hope who became a vociferous anti-apartheid activist. His books were banned; he was held under house arrest; finally, in 1974, he was offered an exit visa on condition that he never returned to the country. It was an offer Hope and his wife Eleanor could not refuse. They left almost everything behind and fled first to Paris, then London with Jasper, aged five, and Daniel, just six months old. Money was scarce, but Eleanor was a highly qualified secretary with shorthand and six languages at her command. She applied for many jobs when, with the threat of deportation hanging over them, three posts presented themselves: secretary to a stockbroker, another to the Archbishop of Canterbury and a third as assistant to the violinist Yehudi Menuhin. She didn’t get the first two, but she did get the last. The Hopes took a flat in Highgate, London, paid for by the Church of England, to be near the Menuhins. It developed into a life-changing relationship for both families. A few years later, Mrs Hope became Lord Menuhin’s manager. It was a position she held for twenty-five years until his death.

And that is how Durban-born Daniel Hope came to spend much of the first four years of his life crawling round the floor of the home of one of the world’s most revered musicians: the parade of famous names, the constant music, the international elite of the musical and political worlds. It was almost bound to spark something, but whilst almost every member of Hope’s family had some creative streak, be it as artist, photographer, writer or stage designer, there was no one with any musical talent. Another knock at the palace door: ‘I came up with this crazy idea at the age of three of becoming a violinist and we found that just round the corner from us in Highgate lived Sheila Nelson, probably the greatest ever music teacher of children.’ Though his parents were convinced it was a fad, Hope was given his first violin when he was three-and-a-half. At eight., he decided to go to the Menuhin School – Hope seems always to have made his own life choices – but a year later, finding it uncongenial, decided to leave. The Menuhin School, however, led to lessons with the Russian-Israeli teacher Felix Andrievsky who also taught at the Royal College of Music. This was Hope’s introduction to the Russian school of violin playing, which continued with further lessons from Itzhak Rashkovsky and Grigory Zhislin.

At the age of ten, Hope appeared on British television playing Shostakovich with the double bassist, Gary Karr. The following year he was invited by Yehudi Menuhin to perform Bartok Duos for German television. It was some years later that Menuhin and Hope began regularly appearing together, but this was the beginning of a long association that culminated in over sixty concerts, including Lord Menuhin’s final concert, on 7 March 1999 at the Tonhalle in Düsseldorf. By then, Hope had completed his studies with the last of the four Russian violin teachers who shaped his playing – Zakhar Bron, student of David Oistrakh and the mentor of Maxim Vengerov and Vadim Repin. ‘The reason I am now the way I am and the way I play now,’ states Hope, ‘is thanks to Zhakar Bron.’

There will, unsurprisingly, be no Hope recording of The Four Seasons – ‘I do indeed play them and they’re great fun to perform, but I just don’t see the point of recording the eightieth version’. His first CD, for Nimbus, came out in 1999 and set the pattern for those that have followed: Schnittke, Takemitsu and Kurt Weill concertos with the English Symphony Orchestra. A debut album without any standard repertoire. Against the odds, it attracted a huge amount of interest and sold well. So what next? ‘Well, I did the same, this time with piano. I took Schnittke again, Penderecki, Arvo Part and Shostakovich, and I tried to tell a story with these pieces, where there was a connection between them and where the composers knew each other.’ While a student in Hamburg, Hope discovered that he lived near Schnittke’s home. Another knock on the palace door: The visit he made led to a friendship that lasted till the composer’s death in 1998. His widow entrusted Hope with the premiere of Schnittke’s 1955 Sonata. And another: Hope’s admiration for the Austrian actor Klaus Maria Brandauer led him to contact the elusive Oscar-winner, suggesting a collaboration. Five months later, Brandauer contacted Hope, they met up and their project War and Pieces, which includes Stravinsky’s The Soldier’s Tale, has been acclaimed throughout German-speaking territories.

Hope is hungry for information and anxious to get to the urtext of a piece. The Berg Concerto was a case in point, and yet another knock on the palace door. ‘I was asked to perform the work and started to research it. I contacted the Berg Foundation and asked them if they could tell me anything at all about its history. They asked me if I knew that a revised version was being prepared. I said no. It was by Douglas Jarman, they said, a professor in Manchester – this was back in 1995 – here’s his number, why don’t you give him a ring? So I rang him and told him I was learning the work. Would it be possible for me to have a look at his new version? He said “of course” and sent me a list of 150 changes to the score rectifying errors made by the copyist and which had gone unnoticed for nearly sixty years. Now this was staggering in a work in which every note has a significance – there’s a code running through the whole piece which is linked to musical terminology and to events in Berg’s life. So my next question was “may I give the new version its world premiere”? And they wrote back and said yes!’

Nearly a decade later, Hope achieved his dream of recording the Berg with the Britten Concerto. It was nominated for a Grammy earlier this year. More connections: not only did Britten attend the premiere of the Berg (in Barcelona in 1936) but the younger man’s work can be said to be both an hommage to and deeply influenced by the Berg. Hope’s latest release is a Mozart recording with Sir Roger Norrington, the pianist Sebastian Knauer and the Camerata Salzburg. Of course, being Hope the programme is unexpected. Apart from Knauer in one of the composer’s least played piano concertos, there is the charming little G major sonata, K379 which, it is said, Mozart tossed off in hour, and Philip Whilby’s recent completion of the Double Concerto for violin and piano (K.App.56 / K315f for the musicologists among you). I urge you to hear it. After that, another world premiere: John Fould’s Apotheosis – in memoriam Joseph Joachim with the City of Birmingham Symphony Orchestra conducted by Sakari Oramo.

The next few months look equally exhausting for the indefatigable Hope. By the time you read this he will have premiered Abraham, Roxanna Panufnik’s new violin concerto, at the Savannah Music Festival for which Hope is associate artistic director; here, he will also have played with the Beaux Arts the new work by Uri Caine. Then there’s the Ligeti Concerto (in Sweden), the 60th anniversary of the liberation of the Dachau Concentration Camp (in Dachau), John Casken’s Violin Concerto (in Manchester), and further performances of the complete Beethoven Sonatas with Pressler. At the end of May, Hope will give another world premiere – the Violin Concerto No.4 by Hans Cox – before performances of Schumann’s Violin Concerto (of which Menuhin gave the American premiere, albeit in his revised version) and the 50th anniversary celebrations of the Beaux Arts at the Feldkirch and Ravinia Festivals.

With his two particular gifts, it doesn’t take any gift of prophecy to predict that Hope is destined for a glittering and important career. Hopefully, he’ll still be playing and surprising us fifty years hence, when he’ll be the same age as Menahem Pressler is now.

  • / 1974 Born, Durban, South Africa
  • / 1974 Meets Yehudi Menuhin
  • / 1977 First violin
  • / 1984 Studies with Itzhak Rashkovsky, Felix Andrievsky and Grigory Zhislin at the Royal College of Music
  • / 1992-98 Student of Zhakar Bron
  • / 1998 Graduates from the Royal Academy of Music
  • / 2001 Classical Performer 2001 (Evening Standard)
  • / 2002 17 January receives call to help out the Beaux Arts Trio
  • / 2004 Young Artist of the Year (Classical Brit Awards)
  • / 2004 Wins the ECHO Klassik Prize
  • / 2004 Berg/Britten CD wins ‘Deutsche Schallplatten’ Prize
  • / 2005 Nominated for two Grammies

By Jeremy Nicholas

© JEREMY NICHOLAS, BBC MUSIC MAGAZINE 2005, All rights reserved

Zirkusmusik hat mich nie interessiert
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2005

Zirkusmusik hat mich nie interessiert. Mehr als nur die kugelsicheren Klassiker spielen: Der britische Geiger Daniel Hope ist an die Spitze gelangt…

Der Einspringer
Berliner Morgenpost, 30.11.2005

Der britische Geiger Daniel Hopeist ein Ausnahmekünstler, der imHause Yehudi Menuhins aufwuchs, ohne jemals sein Schüler gewesen zu sein. Hopes künstlerische Neugier stieß auch bei Menahem Pressler, Nestor des Beaux Arts Trios, auf solch offene Ohren, daß der 31-Jährige mittlerweile seit drei Jahren Mitglied des berühmten…



2004


The day Menuhin said sorry
The Daily Telegraph, 27.05.2004

Last night, violinist Daniel Hope won Best Young Performer at the Classical Brits. He talks to Peter Culshaw about growing up around the inspirational – and infuriating – Yehudi Menuhin.
by Peter Culshaw

The young violinist Daniel Hope is being touted as one of the most exciting British instrumentalists to emerge for many years. The Boston Globe went so far as to suggest that he might be the most important string player since Jacqueline du Pre. His recent record of Berg and Britten violin concertos, hardly the easiest of listens, was record of the week in nearly all the broadsheets, and last night he won a Classical Brit award for best young classical performer of the year at a glossy event at the Albert Hall.

He explains to me, when I meet him in New York before a concert of the revered Beaux Arts Trio (of which he is the youngest ever member) that he owes much of his success to being brought up in the household of Yehudi Menuhin. Hope’s mother was successively his secretary, agent and then manager.

In fact, it was an unlikely twist of fate that his mother ended up working for Menuhin at all . “It was just complete luck. She had three interviews that day. One was to work for the Archbishop of Canterbury, one was for a stockbroker and one was for Menuhin. She didn’t get the first two, so she went to the other one. I’m absolutely sure I wouldn’t have become a musician if that hadn’t happened.“

Surrounded by “the most beautiful music“ from infancy, it was not entirely surprising that Hope, now 29, announced at the age of three that he wanted to be a violinist. “Apparently, I kicked and shouted until they gave in and arranged some lessons, although they thought it was a crazy whim. My mother wanted me to do anything else – at one point she suggested I might become a plumber.“

Menuhin himself also thought his enthusiasm was nothing serious, as Hope explains. “It took many years for him to change his opinion. It was only when I started studying with Zakhar Bron, whom Menuhin admired a lot, that he started to get interested. When I was 16 he asked me to come and play for him, having not heard me for perhaps six years.“ Menuhin, he says, apologised for ignoring him and suggested they work together. “I think it was a mixture of shock and, I think, pride as well. When he said we could work together I thought he meant take some lessons, but he wanted me to perform some concertos, which we took on tour. It was unbelievable.“

And how did he find Menuhin as a person? “He was generous, warm-hearted and original. Not to mention infuriating. He had opinions on everything from electric cars to world peace.“

Hope’s next major project is an album called East Meets West, which will include compositions by Ravi Shankar that were performed originally by Mehuhin in the 1960s. While Hope is too young to recall their original recordings, he was there when the two men met and performed subsequently, often when Menuhin was in Switzerland for the summer.

“It was quite a sight to see them performing sitting on the lawn in full dress with the mountains in the background. I have never forgotten listening to the music they made“.

Hope is keen to assure me East Meets West is no cross-over gimmick, but something he has prepared for over a considerable period.

“I’d asked Menuhin whether he would mind if someone did this music again and he said, on the contrary, but you are really going to have to work at it. I ended up doing a crash course in Indian music for two and a half years.“

The demos of the album suggest an effective interplay of idioms, particularly between the sitar of Gaurav Mazumdar (whom Shankar recommended) and Hope’s sinuous violin. The rest of the album features other cultural collisions between the orient and the West – from Ravel’s gypsy Tzigane to Bartok’s Romanian folk dances.

A curiosity of the album is the reintroduction of an instrument developed by Ravel in the 1920s called the lutheal: “It’s a bizarre-looking thing halfway between a typewriter and an organ which is attached to the strings of a piano and enables you to get unbelievable sounds that you would never normally get on a piano – from harp sounds to something between a harpsichord and a fortepiano.“

Hope’s own violin-playing also shows a mixture of styles – there’s a lyricism reminiscent of Menuhin but also a more passionate, Russian-tinged element that he got from his teachers Felix Andrievsky at the Royal College and Zakhar Bron. “Bron was a student of David Oistrakh, who to me was the god of violinists. I became fascinated by that approach to playing that goes back to a very old tradition in Russia.“

A characteristic of Hope’s is a love of an idea or intellectual concept as a peg for a recording, which he enjoys researching. An earlier disc, Forbidden, Not Forgotten, featured music composed by the doomed musicians in the Theresienstadt ghetto in the Second World War. He has experimented with music and the spoken word, having set a play of his father’s to music and recently produced and written the text for an evening of Beethoven that included Mia Farrow as the composer’s maid.

What next? The Four Seasons, perhaps? “I play it in concert, but can’t see any point in recording it.“ This is his chance, I tell him, to dethrone Nigel Kennedy, that other Menuhin protege. “I wouldn’t want to do that. I mean, I have a lot of respect for the things he’s done, like the Walton Concerto.

“On the other hand,“ he says, “he may have become trapped in his punk persona. And I certainly can’t see any point in doing the Four Seasons twice.”

He tells me that, every time he gets in a cab in London with his violin, the driver asks him if he knows Kennedy. “But hats off to him. He’s an extremely talented fiddle player.“

So it may not be duelling violins at dawn just yet, but would Hope like Kennedy’s level of fame? “I’m happy if I can play Beethoven one day and something like Ravi Shankar’s music the next.“

Daniel Hope’s recording of the Berg and Britten violin concertos is on Warner Classics. “East Meet West“ will be released in September. The Beaux Arts Trio plays at the Bath Assembly Rooms on June 6.

Die betörende Macht großer Vorbilder
Die Presse, 25.08.2004

Der Geiger Daniel Hope über seine tönende Krabbelstube, Yehudi Menuhin und die Macht des Zufalls.

Zimmer 446. Ein Probenraum im Großen Festspielhaus in Salzburg. Daniel Hope und Pianist Sebastian Knauer haben die letzte Probe vor dem Debüt beendet. Neben Beethovens Kreutzer-Sonate und Brahms’ d-Moll Sonate stehen Alfred Schnittkes erste Violinsonate und Ausschnitte aus György Kurtágs „Zeichen, Spiele und Botschaften“ auf dem Programm. „Panische Angst und tierische Freude. Salzburg ist ein Olymp“, beschreibt der britische Geiger südafrikanischer Herkunft seine Gefühle vor dem Konzert: „Das ist etwas, wovon man träumt. Salzburg, die Mozartstadt, ist – mit Wien – die Stadt, wo die Musik ihre Wurzeln hat.“

Hope (29) kam in Durban, Südafrika, zur Welt. Der Vater, Schriftsteller Christopher Hope, engagierte sich gegen das Apartheid-Regime. Seine Bücher wurden verboten. Die vierköpfige Familie musste flüchten. Daniel war sechs Monate alt. Zuerst nach Frankreich und schließlich nach Großbritannien. „Das ist das Fundament meiner Geschichte“, erzählt der Musiker, „daraus haben sich so viele entscheidende Zufälle ergeben.“

Der erste Zufall: Ohne feste Anstellung, ohne Geld, die Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen, sah es aus, als ob die Familie weiterziehen müsste. Am Tag vor der Ausreise aus Großbritannien hatte die Mutter drei Vorstellungsgespräche. Sie bewarb sich als Sekretärin beim Bischof von London, bei einem Börsenmakler und bei Yehudi Menuhin. „Bei Menuhin hat es geklappt.“ Die Mutter nahm den einjährigen Daniel zur Arbeit mit. „Ich war ständig von Musik umgeben“, so Hope: „Ob Stephane Grappelli oder Mstislav Rostropowitsch – täglich kam jemand, immer wurde musiziert.“ Mit dreieinhalb erklärte der Bub, er wolle Geige spielen. „Meine Eltern waren überfordert. Menuhins erste Reaktion war: ,Der Arme!’“

Der zweite Zufall: Sheila Nelson – damals eine Nachbarin, die unterrichtete, heute eine der wichtigsten Kinderpädagoginnen Englands – festigte Hopes Freude an der Musik: „Sie hat mich das Kommunizieren und das Improvisieren mit Musik gelehrt.“

Das Üben war trotzdem hart. Das zeigte sich einige Jahre später an der Menuhin- Schule. Das Internatsleben setzte dem Achtjährigen arg zu. „Das Beste war, dass ich den russischen Geiger Felix Andrievsky getroffen habe. Ich wusste, bei dem will ich studieren.“ Mit einer Sondergenehmigung wechselte Hope an die Londoner Royal Academy of Music. „Spricht man von der russischen Schule, denkt man immer nur an einen großen saftigen Ton. Aber es gibt auch die Art, ohne Vibrato zu spielen. Man spricht von der ,note blanche’. So habe ich gelernt, auf der Geige Farben zu erzeugen.“

David Oistrach wurde das große Vorbild. „Man sagt, Jascha Heifetz sei der König unter den Geigern. Aber Oistrach ist der Kaiser“, so Hope ehrfurchtsvoll. Die russische Geigenschule ist dem Briten musikalische Heimat. Bei Zakha Bron, Lehrer von Maxim Vengerov und Vadim Repin, bekam er den letzten Schliff. „Menuhin rief mich an. Er fragte, ob ich ihm nicht vorspielen wolle. Bei seinem Festival in Gstaad habe ich mich über über drei Stunden durch die Geigenliteratur gespielt. Er war fassungslos.“

Es folgte eine intensive Zusammenarbeit, die bis zum letzten Konzert, das Menuhin drei Tage vor seinem Tod im März 1999 gab, andauerte. „Sein Tod war ein Schock. Durch meine Mutter war er ein Familienmitglied. Er nannte sich meinen musikalischen Großvater. Er fehlte mir natürlich als Ratgeber.“

Eine Lücke, die wieder der Zufall schloss. 2002 suchte das Beaux Arts Trio einen Geiger, der kurzfristig für eine Tournee einspringen könnte. „14 Konzerte in 16 Tagen, ich hatte die meisten Werke noch nie gespielt, und ich hatte 10 Tage zur Vorbereitung“, erzählt Hope, noch heute schaudernd. Das Wagnis hat sich gelohnt. Heute ist Hope ständiges Mitglied des Trios. Menahem Pressler, Pianist und Gründungsmitglied des Ensembles, das 2005 sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, hat die Rolle des musikalischen Ratgebers übernommen.

Bei seinen Programmen braucht der junge Brite keinen Rat. Der persönliche Zugang und die musikalische Verbindung sind der Schlüssel. Zum Salzburger Programm erläutert er noch abschließend: „Kurtág und Schnittke sind beide wie eine Zeitbombe, die wahnsinnig lange ruhig ist, dynamisch kaum hörbar, bis es zur Explosion kommt.“

von Petra Haiderer

Hope rises
Billboard Magazine, 25.09.2004

British violinist Daniel Hope’s star just keeps rising. On Sept. 14, Warner Classics released his cross-cultural “East Meets West“ disc, featuring the world-premiere recording of Schnittke’s 1955 Violin Sonata, as well as the music of Ravel, de Falla, Bartok and Ravi Shankar. Along with his solo career, Hope is now a member of the famed Beaux Arts Trio (Classical Score, Aug. 14, 2004), which on the same date releases the Dvorak and Mendelssohn Piano Trios (also on Warner).

“We’re co-promoting these two releases,“ says Adam Crane, manager of classics and jazz for Warner Strategic Marketing Group. “Our sales team will target the world-music market as well as classical, and we’ll focus on online media as well as doing radio buys.“

by Anastasia Tsioulcas

Roaming the Planet Wirelessly, Young Artist Erases Boundaries
New York Observer, 13.10.2004

When two players of different age, nationality and temperament join forces to make music together, achieving true intimacy can be a struggle. In the case of Daniel Hope, a 29-year-old English violinist, and Menahem Pressler, an 80-year-old American pianist of Israeli upbringing, the struggle is inspiring—or so it seemed the other night when the two men opened a program of chamber music at the MetropolitanMuseumwith Beethoven’s Sonata in A minor, Opus 23. The work is often scorned as Beethoven lite—a cat-and-mouse game between the two instruments that seldom rises above sweet geniality. But with a cat like Mr. Pressler at the keyboard and a mouse like Mr. Hope on the fiddle, the game was exhilarating.

Mr. Pressler, a round cherub of a man, has been the spark plug of the world’s most celebrated chamber threesome, the Beaux Arts Trio, for half a century. (The group, whose only surviving original member is Mr. Pressler, is currently celebrating its 50th anniversary with an international tour that includes two more concerts at the Met, on Dec. 10, 2004, and April 1, 2005.) His playing—muscular, direct, bursting with expression—harks back to that of the legendary virtuoso Ferruccio Busoni, who taught Mr. Pressler’s teachers. As he enters his ninth decade, he’s still a pianist of irrepressible élan whose life has been fiercely committed to keeping vibrant the trio music of the classical mainstream—Mozart, Beethoven, Schubert, Mendelssohn, Brahms and so on. He’s a pedagogue with international clout, the éminence grise of the piano department at the Indiana University’s Music School, jurist at countless piano competitions and a formidable soloist in his own right.

A lanky, freckled fellow with a lion’s mane of red hair, Mr. Hope is in the forefront of a new breed of young musicians who roam wirelessly in a world without borders. He’s equally at home with Schumann, Schnittke and Shankar. The latter two are represented on the violinist’s new multinational album for Warner Classics, East Meets West, which finds rich common ground among the Russian and Indian composers—and also takes in Ravel, de Falla and Bartók.)

Mr. Hope loves good rock. He commissions unknown composers to write pieces for him. He maintains a Web site (www.danielhope.com) that’s a model of friendly self-promotion. He’s a global boy-next-door. Two years ago, he joined the Beaux Arts Trio as an emergency fill-in for an injured Young Uck Kim. When Kim didn’t return, he stayed on, supplementing a fast-rising solo and recording career with the trio’s 60 concerts a year. The Beaux Arts, with its unprecedented age spread between violinist and pianist (in the middle is the superb Brazilian cellist Antonio Meneses), has never been better, as they showed later in the program with a sensationally spooky performance of Beethoven’s “Ghost“ Trio in D major.

What Mr. Hope and Mr. Pressler demonstrated during the violin and piano sonata wasn’t so much chemistry as curiosity—a delight in each other’s differences. Where the older man was bold to the point of aggression, the younger man was delicate almost to a fault. Both got their point across. If Mr. Pressler seemed determined to project the game into the listeners’ laps, Mr. Hope asked that we savor its fleeting reflectiveness… but they were on the same journey, energized by the sheer joy of crossing generations and making some kind of music together. After the concert, when I congratulated Mr. Pressler on the astonishing vigor of his playing, his face broke out in a grin. “It’s Daniel,“ he said “He has made me young again.“

A few days later, I met Mr. Hope at a press conference held to announce plans for the 2005 season (March 18-April 3) of a remarkable music festival in Savannah, Ga. (www.savannahmusicfestival.org) of which the young violinist is the associate artistic director. The executive and artistic director, Rob Gibson, laid out a program, much of it chosen by Mr. Hope. Consider the blend of styles and periods: a violin concerto entitled Abraham that entwines the music of Christianity, Judaism and Islam, by the young Polish composer Roxanna Panufnik; a new work by the jazz pianist and composer Uri Caine for the Beaux Arts Trio; mainstream classical symphonic, choral and chamber works; music from Bali; blues and bluegrass; an 80th-birthday celebration of the jazz giant James Moody; American marching-band music. This is classical music breaking out of its ivory tower with a vengeance.

Which is exactly how Mr. Hope described his mission over lunch: “I see the Savannah festival as a great contemporary Schubertiade—a real exchange of ideas and people.”

Where, I asked, did he acquire his love of boundary hopping? “It’s in my genes,“ he said, smiling. “I was born in South Africa, where I lived until my father“—that’s Christopher Hope, author of A Separate Development, Kruger’s Alp, The Hottentot Room and other novels—“was forced to leave after he wrote what was considered a seditious poem, ‘Learning to Fly,’ attacking apartheid. He was all-Irish—my great-great grandfather had settled in the Cape. My mother’s family were Christians with a Jewish heritage. They were a wealthy family in Berlin until they were uprooted to South Africa in the 1930’s. During the war, their mansion was turned into a brothel.“

Mr. Hope told me that he was 6 months old when his family left South Africa to resettle in London. “We were about to run out of money when my mother got a job as secretary to [the violinist] Yehudi Menuhin. A few years later, she became his manager, which she did for 30 years. I grew up playing with Menuhin’s grandchildren, and though I wasn’t encouraged by him, I fell in love with the violin when I was 3 and a half. I immediately tried to imitate playing the instrument with a pair of knitting needles.“

Menuhin—who died in 1999—had been the most celebrated violin prodigy of the last century. He first listened to Daniel play when he was 9. “I wasn’t good, but I had a lot of energy and I loved music. Menuhin didn’t think I was special until I turned 16. After that we became very close, and during the last eight years of his life, he conducted me in 60 concerts all over Europe. He taught me incredibly valuable things: not just about different fingerings and how to work a phrase, but also about how to create on the spur of the moment—to ‘conjure up your soul,’ as he put it. Menuhin was always in perfect equilibrium with himself, and toward the end of his life he liked to say that he saw himself as an airplane, becoming lighter as he flew higher and higher. He wanted to see everything; he was always open to new things, to other people’s point of view. That’s how I am. My ears have always been everywhere. I’ll never shut them off.“

by Charles Michener

O Lucky Man, British violinist Daniel Hope has the music world on a string
Strings Magazine, 28.10.2004

Destiny—or just plain luck—plus a lot of talent and a searching intellect has helped the young British violinist Daniel Hope make a relatively effortless rise to the top of the violin world.

Or so it would seem.

One thing is clear: Hope collects new accolades at an impressive rate. In May, he won a coveted Classical Brit Award for best young classical performer of the year; in March, his recent Berg/Britten CD, his Warner Classics debut, won a Deutsche Schallplatten award and wowed the critics (“I do not think I have heard a finer account of the Berg Concerto,“ wrote one); and, two years ago, he became the newest member—and the youngest member ever—of the venerable Beaux Arts Trio.

I catch up with the congenial Hope, 30, a day before he’s due to play with the Trio in the Bath Music Festival in southwest England. It’s a lovely June afternoon and the sun is shining brightly as we sit at a wooden table underneath an umbrella in the extensive gardens behind the Royal Crescent Hotel. Bird calls and the gentle clatter of waiters moving plates punctuate our conversation. The red-haired Hope is dressed casually and his manner is equally relaxed; he laughs frequently and uninhibitedly.

If Hollywood ever decides to make a movie about Hope, his terrific back-story will be irresistible. His novelist father, Christopher Hope, was a critic of the apartheid regime in South Africa and was placed under house arrest for his dissident political views. In 1974 the family, including six-month-old Daniel, fled to England. Getting established as a writer in a new country took Daniel’s father some time, so his mother, Eleanor, began looking for work as a secretary. “She had three job interviews on the day we were to go back [the day before the family’s visas were to expire]: One was for the Archbishop of Canterbury, one was for a stockbroker, and one for Yehudi Menuhin,“ he recounts.

She took the job with Menuhin, eventually becoming his manager. Hope laughs when I suggest that but for the success of that last interview, he may well have ended up as a stockbroker: “My mother always says that’s what I could have done!“

The family moved to Highgate in north London to be near the Menuhin household. Daniel grew up playing with the Menuhin grandchildren, and seeing (and hearing) such musical visitors as Ravi Shankar, Stéphane Grappelli, and Mstislav Rostropovich. In this kind of environment, it was hardly surprising when at age four he announced his intention of becoming a violinist: “I knew that was it, absolutely, and nobody was going to tell me to the contrary.“

Menuhin, however, did not encourage this passion at first. “He was very much at arm’s length in regards to my wanting to play the violin,“ Hope says. “He’d never really taken a great interest in it and did his best to keep a distance—quite a significant distance.“

Hope began his violin study with Sheila Nelson, one of the UK’s most prominent teachers of young children—she, of course, just happened to live near the family home. Hope remembers his lessons with her fondly. “One of my best memories was something we did from the age of four called ‘Cowboy Chorus,’ which is where we all stood in a circle and she would play a theme,“ he says. “And you would take the same theme, in the same key, and improvise and pass it on to your neighbor. That was just amazing training, because it got rid of all inhibitions of playing.“

At age 10, Hope achieved instant fame through his appearance on British television with classical bassist Gary Karr. They’d met at the Menuhin Festival in Gstaad, Switzerland, where Hope was turning pages for Karr’s pianist. “What do you do?“ Karr asked the young Hope one day.

“I play the fiddle,“ Hope replied.

“All right, let’s hear it.“

Hope ended up playing with Karr in the great bassist’s own arrangement of Shostakovich’s two violin duos, which they later performed on TV.

After studying with Itzhak Rashkovsky and Felix Andrievsky, Hope came to David Oistrakh student Zakhar Bron, who would have a major influence on his playing. (Bron was also Maxim Vengerov’s teacher.) Of his six years with Bron, Hope says, “It was the most incredible, rewarding, hard-working, infuriating, exasperating time.“

Unlike many teachers, Bron demonstrated on his own violin, producing what Hope describes as “an amazing, huge sound. The two of us would play together and people would run away screaming.“

Bron was an impeccable, and critical, judge of technique.

“I found the most rewarding times with him were when I gave as much as I got and questioned what he was doing,“ Hope recalls. “Because once he got over the shock of somebody who’d dare to actually ask a question, you saw the brilliance of his mind.“

Around the same time, the then-16-year-old Hope reconnected with Menuhin: “Menuhin was very curious about Bron and admired him. He also wanted to hear me—he probably hadn’t heard me properly in about ten years. I think he was quite shocked that I had actually taken the violin seriously and that it wasn’t just a childish whim.“

From this moment until Menuhin’s death in 1999, the two became close, frequently playing together in concert.

Menuhin figures prominently in articles written about Hope, and it’s easy to see parallels between the intellectually voracious Menuhin and Hope. Despite the Menuhin legacy, and with an impressive international career already established, it appears that Hope may be ready to find a new perspective about the role his mentor has in his life.

As a teenager, Hope became fascinated with the music of Russian composer Alfred Schnittke, who, in yet another stroke of luck, happened to live around the corner from him in Hamburg. The 16-year-old Hope decided to pay a visit. “I don’t think I’d have the audacity to do that now,“ Hope laughs. He found Schnittke in a receptive mood and got to know him, later becoming the liaison when the Royal Academy of Music decided to put on a festival for Schnittke’s 60th birthday in 1994.

Hope has since recorded much of Schnittke’s music for violin.

Hope’s penchant for finding points of congruence—and for linking past and present—is demonstrated on his latest CD, East Meets West, in which he revisits Menuhin’s famous 1960s collaboration with Indian sitar player Ravi Shankar. When he decided to tackle the music, he contacted Shankar for his blessing. The Indian master gave him the name of one his best pupils, Gaurav Mazumdar.

It was, by Hope’s account, a challenging time. “I spent the first nine months just getting to grips with the rhythmical aspects of Indian music,“ he says.

Sitting cross-legged on the floor in South Indian fiddle style also took some getting used to. “The problem is standing up at the end,“ he explains. “After you play for a couple of hours, your legs fall asleep!“

The technique is substantially different from that used by Western classical players, as Hope discovered. “You’ve only got this much of the bow [he indicates about a third of the bow] that you can really use,“ he says, “the way you use it changes completely. You have a different point of contact.“

Playing the Shankar pieces got him thinking about “the connections between Indian music and Western music and the bridges between them. Then I came across this extraordinary instrument that Ravel designed, the luthéal.“

The luthéal, which Hope describes as “a cross between a typewriter and an organ in brass,“ attaches to a piano. Ravel’s Tzigane was specially written for the instrument. “We played Tzigane with the luthéal and I saw the kinds of things Ravel had achieved in color: the overtones, the natural harmonics, the harp sound, the flute sound, the cimbalom sound. It’s really extraordinary.“

From the cimbalom sounds of the luthéal it was a short leap to including Bartók’s Romanian Folk Dances, and from Ravel but a stroll to the Impressionist-like Sonata Op. 8 (1954–55) by Schnittke, which was given its world premiere by Hope. This lovely, gentle work, written shortly after Stalin’s death in the Soviet Union when French music was forbidden, lay neglected in a drawer for decades.

Championing forgotten music of the past is another Hope specialty. Last year he made a disc devoted to the music of three Theresienstadt concentration camp composers, Gideon Klein, Erwin Schulhoff, and Hans Krasa (he interviewed concentration camp survivors for the booklet notes). In 1995, as he was learning the Berg Violin Concerto, he phoned the Alban Berg Center in Vienna and found out that the British Berg scholar Douglas Jarman was preparing a new edition of the concerto. Berg, who died before his concerto was performed, never saw the proofs and as a result the standard edition contains many copyist errors—including a missing octave leap at the start of the second movement—that Jarman’s scholarship has gone some way toward rectifying. Hope gave the world premiere of the new edition and recorded it last year, along with the Britten concerto.

Hope has participated in several spoken-word projects—he is the son of a novelist, after all. With German actor Klaus Maria Brandauer and a crack chamber orchestra, he performed Stravinsky’s The Soldier’s Tale. Brandauer took all the speaking parts, directed, and insisted that Hope both play and conduct. Says Hope, “[Brandauer] doesn’t really have musical training and there are several bits in the piece where the actor has to speak in rhythm together with instruments, so I had to give him a nod with my head and my eyes. But we found a way of conveying signals to each other, which is really fun, and actually I think the piece is better without a conductor.

“Musicians have a lot to learn from actors about presentation.“

Until two years ago, it would have seemed that Hope was heading for the life of an international soloist, albeit one with an interest in trying new things. But then, in another twist of fate, he was asked to step in as a last-minute replacement for the Beaux Arts Trio’s ailing violinist Young Uck Kim on a European tour.

Hope still seems amazed by the turn of events.

“Nobody believes this story but it’s true: I was playing at the Palace of the Beaux Arts in Brussels on the 17th of January, 2002. I was playing the Prokofiev Second Violin Concerto and I walked outside, backstage, with the ‘Beaux Arts’ sign within view, and my mobile phone rang. It was my agent, and she said, ‘What piano trios do you play?’“

Several minutes of grilling later, Hope discovered what he was being offered. “At first, I thought it was a joke,“ he says. “I couldn’t even grasp the concept of what that meant. But the amazing thing was that [after returning to London] I discovered I had five weeks free because Nimbus Records had gone bankrupt [the company is now back in business] and I had two recording projects cancelled at the last minute.“

He got back on a plane to Brussels to meet and work with Beaux Arts cellist Antonio Meneses. The two hit it off. The next step was a plane to Lisbon for rehearsals with the 80-year-old living legend and the trio’s founder, pianist Menahem Pressler, for the 14-day tour. “It was a punishing tour,“ Hope recalls. “Literally every day we were flying somewhere, rehearsing a new program for another night, and that night playing some of the greatest literature written for the trio.“

Young Uck Kim’s poor health ultimately forced him to bow out of the trio, paving the way for Hope’s permanent installment in the violinist’s chair. Pressler and Meneses reassured him the trio’s schedule would allow him to continue his other work, and he was able to wrest a commitment for the inclusion of more contemporary music on the trio’s programs. Alongside Beethoven, Schubert, Brahms, and other staples of the trio’s repertoire, audiences can expect to hear new works from prominent Hungarian composer György Kurtág, British composer Mark-Anthony Turnage, and others.

Listening to the Beaux Arts in concert in the humid Bath Assembly Rooms on the evening after our first interview, I’m struck by the effortless communication among three players despite the wide difference in their ages. A Haydn trio is well-received, as is the Schubert B flat Trio, but it is Shostakovich’s Trio, No. 2, that electrifies the audience—even though Hope breaks a string in the first movement.

As I watch the trio, I find myself thinking that in choosing Hope, a young man very conscious of his musical heritage, Pressler has passed on the Beaux Arts legacy. It’s a legacy of which Hope is clearly aware.

“That’s something that’s very emotional, to still be part of that,“ he says. “To play the Ravel trio with Pressler and for him to talk about the way that Ravel describes the opening—it’s a direct link to the past, in the same way that Menuhin, if you asked him why he did a certain bowing in the Brahms Concerto, he’d say, ‘Well, I know Enescu played it because Brahms liked it that way.’ You realize we’re one step away from that.“

His respect for the past does extend to his 1769 Gagliano violin, though you might have some doubts from the way he’s blithely tossing it in the air in the photo on the back of his Berg/Britten disc.

Not to worry: That’s a stunt violin.

The Beaux Arts Trio tours the United States September 27-October 12; and from December 7–14, 2004.

Selected Discography

For his third recording for Warner Classics, due in early 2005, Daniel Hope joins forces with German pianist Sebastian Knauer on Mozart’s Concerto for Violin, Piano, and Orchestra, in the completion by British musicologist and Mozart specialist, Dr. Philip Wilby. Hope and Knauer also have recorded chamber music by Mozart on the same disc. They will be joined by Sir Roger Norrington and the Camerata Salzburg. The recording is being produced by John West, who also produced Hope’s award-winning disc of Berg and Britten concertos. In addition, the Beaux Arts Trio has just released a new recording of piano trios, celebrating its 50th anniversary. The disc features Dvorák’s “Dumky“ trio and the Mendelssohn D-minor trio, the first works ever recorded by the Beaux Arts.

Meanwhile, Hope springs eternal on these other noteworthy recordings:

East Meets West. Hope revisits the legendary Menuhin/Shankar collaboration with Gaurav Mazumdar, Asok Chakraborty, Gilda Sebastian, and Sebastian Knauer. (Warner Classics, 2564613292)

Berg: Violin Concerto; Britten: Violin Concerto. BBC Symphony Orchestra conducted by Paul Watkins. (Warner Classics, 2564602912)

Forbidden Music. Music by Klein, Krasa, Schulhoff, and Ravel with Philip Dukes, viola, and Paul Watkins, cello. (Nimbus, NI5702)

Daniel Hope Plays Schnittke, Takemitsu and Weill. English Symphony Orchestra conducted by William Boughton. (Nimbus, NI5582)

Shostakovich, Penderecki, Pärt, Schnittke Violin Sonatas. (Nimbus, NI5631)

What Daniel Hope Plays
Daniel Hope’s violin is a 1769 Gennaro Gagliano. He uses a Dominique Peccatte bow and Pirastro Olive strings.

Excerpted from Strings magazine, October 2004, No. 122.

By Inge Kjemtrup



2003


Hope Springs Eternal
Billboard Magazine, 26.04.2003

Two short years ago, the young British violinist Daniel Hope seemed on the brink of a major breakthrough in the U.S. Hope already enjoyed tremendous acclaim abroad on the strengths of a busy concert schedule and two critically acclaimed recordings on Nimbus, one of the U.K.’s most respected independent labels.

In spring 2001, Allegro, Nimbus’ American distributor, mounted an aggressive campaign for Hope’s third disc, a sumptuous pairing of sonatas by Elgar and Walton. Unfortunately, things soon took a turn for the worse: Nimbus succumbed to market pressures and internal difficulties, ceasing operation and entering receivership in October 2001.

At the risk of cliché, however, it quickly proved unwise to give up Hope. The violinist joined the venerable Beaux Arts Trio in 2002, embarking upon a series of concert tours that brought still greater worldwide attention, particularly in the U.S. Hope made his American orchestral debut with the Detroit Symphony Orchestra in March and returned this month for a Beaux Arts tour that concludes with dates in New York (April 18-19), Philadelphia (April 25), and Rockville, Md. (April 26-27). In May, the recently rejuvenated Nimbus will at last issue Hope’s latest CD, which features chamber music by Gideon Klein, Hans Krasa, and Erwin Schulhoff, much of it composed in the Theresienstadt internment camp during World War II.

“The first time I heard this music, it was Klein’s String Trio,“ Hope says. “I was so taken by it; it has such an amazing spirit. I didn’t know the background or history, and I tried to place it: There are elements of Bartok, Stravinsky, and Janacek, yet it’s very distinctive.“ Joined by violist Philip Dukes and cellist Paul Watkins, Hope recorded the trio, as well as solo and duo works by Krasa and Schulhoff, both of whom also perished at the hands of the Nazis. Hope concluded the disc with his own solo arrangement of Ravel’s Kaddish, a setting of a traditional Hebrew liturgical chant. (Adding to the considerable gravity of the recording, the sessions were interrupted by the tragic events of Sept. 11, 2001.)

In writing the notes for the disc, Hope sought out Theresienstadt survivors to provide firsthand testimony of both the hardships and the flourishing of art that took place side by side in that camp. He plans to present the music in a live setting next season to ensure it reaches new audiences, much as conductor James Conlon has done in recent weeks (Classical Score, Billboard, March 29).

Meanwhile, Hope’s future plans also include a number of recording projects for other labels. Next year, the Beaux Arts Trio will mark its 50th anniversary by recording the complete Schubert piano trios for Philips. On his own, the violinist will record the concertos of Berg and Britten with the BBC Symphony Orchestra for Warner Classics next year. With such a marked upturn in his activities worldwide, there’s no doubt that Hope has arrived at last!

By Steve Smith

Hope For The Opressed
Gramphone Magazine, 28.10.2003

In the unimaginable hell of a Nazi Concentration camp, composers still found a reason to write music. Now violinist Daniel Hope wants it to be heard, reports Peter Quantrill.

October 16, 1944. Gideon Klein is being shoved aboard a train that will take him to his death. (‘Is there anything sadder than a train that leaves on time?’ asked Primo Levi.) He has left behind the manuscript of a string trio, his latest work, at the ghetto of Theresienstadt (Terezín, in today’s Czech Republic) where he has been confined for the past three years. In just as many months he will be dead.

July 25, 2003. Daniel Hope is sitting in a Manhattan apartment, talking about Klein and two others, Hans Krása and Ervin Schulhoff, who boarded different trains but met the same fate. ‘I think about those times a lot,’ says the young violinist.

‘Forbidden Music’ is the result of those thoughts: a new disc from Nimbus on which Hope is joined by violist Philip Dukes and cellist Paul Watkins. This, though, was Hope’s project long before he sat in front of a microphone. It was Hope who contacted and interviewed survivors of Theresienstadt before writing the disc’s booklet notes. And it is Hope’s eloquent violin that seals the musical memory of a powerful recording with a solo performance of Ravel’s Kaddish, the Jewish prayer for the dead. But if the personal traumas behind the music and the monumental Gothic lettering on the disc’s cover cast looming shadows, they are comprehensively banished by the music. This may be forbidden music, but it’s certainly not forbidding. “I think that’s probably the most extraordinary thing in all of this,” remarks Hope. “This is doomed music, but it’s not in any way sentimental; Klein’s String Trio has this incredible lyric quality. These composers’ artistic minds and temperaments were not at all challenged by circumstances.”

Decca’s groundbreaking series of ‘Entartete Musik’ has already made listeners familiar with the creative ferment which built and found its expression under the pressure of confinement within Theresienstadt’s fortress walls. The resulting wave of interest in composers like Klein, Krása and Pavel Haas no doubt accounted for the broadcast of Klein’s String Trio that Hope heard late one night, driving home after a concert, that led him to investigate this repertoire in the first place. At the same time, the focus on the camp’s unique cultural activity – established and promoted by a short-lived form of self-rule – has perhaps overshadowed the appalling conditions endured by 60,000 Czech Jews in a garrison built to house 6,000 soldiers. In his research, Hope discovered ‘a curious paradox: this terrible place, these terrible conditions and yet you had this redeeming grace that kept people sane. Some of the composers did actually say that had they not been at Theresienstadt they would not have composed so well or in that way. I just think that they were thrown into a situation that no-one could imagine and they made the best they could out of it.’

Twenty years later, on the other side of the Iron Curtain, and composers found themselves oppressed and in fear of their lives once more – and Hope wants to tell their stories too. Not just through the works of Shostakovich and Prokofiev, who, as Hope puts it, “found ways around the repression”, but those who “just hit the wall and carried on writing what they wanted to” – like Edison Denisov, Galina Ustvolskaya and Nikolai Korndorf. London audiences heard all these names and more at ‘Fifty Years after Stalin’, an absorbing discovery day on the South Bank in March. Hope contributed the world première of an early – and subversively French-sounding – violin sonata by Alfred Schnittke and some pithy insights at a round-table discussion before bringing the day to a restful close with Korndorf’s spare and haunting trio, 0 Brother, where art thou?

This kind of contextual event gets Hope excited. “I’ve always been interested in themes. I think you can put absolutely anything together if you give enough explanation to the audience or the record buyer. And audiences expect it now, especially in the US. There are fantastic fiddle players that come on with a Bach chaconne and finish with Wienawski or something, but that’s never been me: I want to get to the core behind everything.”

Hope plans to enthuse the concert goers of next year’s Savannah Music Festival, in Georgia, USA, where he has become artistic consultant. He’d certainly like to record some more of it for Nimbus, but he’s wary of announcing anything definite – and with good reason. ‘Forbidden Music’ was recorded over two years ago – the recording dates of September 10-12, 2001 give the idea of music composed ‘in time of war’ a further contextual edge – but it had to be shelved when Nimbus went into receivership. “The most frustrating feeling for any artist,” is how Hope describes the unexpected impasse, “when you’ve done all this work.” Nimbus’s recovery is heralded by the release of ‘Forbidden Music’, but in any case, Hope continues, “The age of real record contracts is dead – you don’t know if the company is going to go belly up the next day. Nowadays the business is all about single deals – and actually, I think that’s quite healthy, because you assess each project for what it’s going to be. This idea of having one record company that sticks with you for 20 years is over. Of course it helps to have distribution, but if you’re active and you’re able to use the internet and get your product out there, you can do an enormous amount of it on your own.”

Fighting talk – and Hope has got ‘out there’, not just with his own www.danielhope.com , but with a new association with Warner Classics. Two months ago he dragged the BBC Symphony Orchestra away from their stifling summer residence that is the Royal Albert Hall during the BBC Proms season, into the studio for the violin concertos by Berg and Britten. But isn’t Hope edging dangerously close to the mainstream, even – dare it be said – core repertoire? Not a bit of it. When he started to learn the Berg in 1996, Hope phoned the Alban Berg Institute in Vienna to find out more about the musical and personal stories that swirl beneath the composer’s adieu. They put him in touch with Berg scholar Douglas Jarman, who was making a new edition of the concerto: Hope gave Jarman’s version its first performance, and now its first recording, and he still can’t believe how history has turned the piece his way.

“Because Berg died before the first performance, he never got to check the proofs. And the copyist who made the printed edition made lots and lots of mistakes, and until now, no one bothered to compare the edition with the manuscript. There are over fifty changes. And of course in this kind of serial music, it might be a note here and a note there. But the “secret” programme to Berg’s concerto is so dense that if you’re not actually following it to the letter then what’s the point?”

Hope asked his friend and chamber music partner Paul Watkins to conduct him through Berg’s maze: a decision the BBC SO were doubtless happy with, given the seven years Watkins spent in the 1990s as the orchestra’s principal cellist. Some readers may not be familiar with Watkins’s work on the podium, but Hope is unequivocal in his assessment of his colleague: “One of the most irritatingly talented musicians I have ever worked with.” He was also keen to have an all-British team to record Britten’s concerted memorial to victims of the Spanish Civil War. As for future projects with Warner, Hope is confident; “We want to do unknown repertoire, and we want to do 20th-century composers. I’m not going to play Piazzolla, I’m not going to put on a wet tee-shirt and I’m certainly not going to record the Four Seasons.” And Amen to that.

By Peter Quantrill

© Gramophone Magazine, October 2003, All rights reserved

Auf neuen Pfaden
crescendo das klassikmagazin, 29.10.2003

Der Geiger Daniel Hope von Katharina Honke

Mit zehn Jahren trat der britische Geiger Daniel Hope zum ersten Mal im Fernsehen auf. Seitdem hat er mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammengearbeitet, vom Alte-Musik-Spezialisten Concerto Köln bis zu Bobby McFerrin. Mit Yehudi Menuhin trat er in über 60 Konzerten auf. 2002 wurde er Mitglied im legendären Beaux Arts Trio.

Crescendo: Sie gelten als ein Geiger, der im 20. Jahrhundert zu Hause ist.Welche Bedeutung hat für Sie Neue Musik?

Hope: Ich versuche immer, einen Zugang zur Musik zu finden. Neue Musik ist für mich die Musik, die ich fühle, die ich versuche zu verstehen und die mich auf jeden Fall berühren muss. Eben genau das tut die Musik von Alfred Schnittke und Alban Berg.

Crescendo: Macht es das einfacher, wenn man sich so wie Sie auf Pfaden bewegt, auf denen sich andere Musiker nicht bewegen? Wenn Anne-Sophie Mutter Beethoven spielt, dann richtet sich das Augenmerk wie selbstverständlich auf sie. Wenn jemand Schnittke spielt, achtet man vielleicht mehr auf das Werk und weniger auf den Interpreten?

Hope: Ja und das ist das Schöne dabei. Sicherlich gibt es große grandiose Interpreten, die diese Stücke spielen, doch die Zeiten haben sich geändert, heute wird man nicht sofort erkannt. Grund dafür sind sicherlich die fantastischen Aufnahmemöglichkeiten, die es damals noch nicht gab. Ich finde,dass eine Aufführung wirklich hervorragend ist, wenn im Endeffekt die Essenz der Musik nachwirkt, selbst wenn die Kritik den Interpreten sehr lobt.

Crescendo: Sie setzen sich ja sehr intensiv im Voraus mit der Musik auseinander, die sie spielen werden, sprechen dabei auch häufig mit den zeitgenössischen Komponisten über ihre Werke. Hilft Ihnen das später bei der Interpretation der Stücke?

Hope: Es kommt ganz auf den Komponisten an. Man hat nicht mehr die Möglichkeit, Beethoven nach seinen Kompositionen zu fragen, doch jungen Komponisten kann man etwas vorspielen, und meistens habe ich da positive Erfahrungen gemacht. So gibt es auf der einen Seite Komponisten, die wirklich jeden Ton hören. Zum Beispiel Jan Müller-Wieland, ein Komponist, den ich sehr schätze. Er hat ein Konzert für mich geschrieben, und wir haben lange daran gearbeitet.

Beim ersten Durchlauf habe ich dann manche Stellen minimal anders gespielt, als er es notiert hatte, und er hat es sofort gehört. Das ist wirklich erfrischend. Es gibt auch Komponisten, die bemerken gar keine Fehler. Bei manchen war ich sehr gespannt, ob sie die Abweichungen im Spiel erkennen, doch es kam keine Reaktion. Durch diesen Prozess lerne ich viel, sowohl über die Musik als auch darüber, was ein Komponist hört. Sie hören anders als die Musiker.

Crescendo: Sie haben sehr viel mit Yehudi Menuhin gearbeitet. Ich habe aber gelesen, dass Sie David Oistrach für den größten Geiger des 20. Jahrhunderts halten…?

Hope: Ja, aber ich glaube, Menuhin hätte das Gleiche gesagt! Dazu muss ich sagen, dass in den ersten 15 Jahren meines Lebens mein musikalisches Verhältnis zu Menuhin schwierig war. Er war überhaupt nicht dafür, dass ich Geiger werden wollte, hat es absolut nicht ernst genommen. Erst als ich bei Zakhar Bron studierte, da wurde er neugierig. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Mal für ihn gespielt. Ich denke, dass er schockiert war, als er nun sah, dass ich ernsthaft Geige spielen wollte, und dann tat ihm sein Desinteresse in der Vergangenheit leid. Direkt im Anschluss machte er mir das Angebot, mit ihm gemeinsam Konzerte zu geben. 60 Mal standen wir zusammen auf der Bühne. Darüber könnte ich stundenlang erzählen. Um es kurz zu sagen: Allein dafür hat es sich gelohnt, 15 Jahre zu warten. Ich hätte 50 Jahre gewartet, um das erleben zu dürfen. Im Nachhinein ist es auch gut, dass ich erst meinen eigenen Weg gehen musste, dabei

„Komponisten hören anders als Musiker“

die Möglichkeit hatte, die russische Schule kennenzulernen, die ich für hervorragend halte. Bei Menuhin gab es später dann pure Inspiration, und das war das Beste, was er überhaupt geben konnte.

Crescendo: Auf Ihrer Repertoireliste fehlen die Bachsonaten…

Hope: Bach ist das Schwierigste überhaupt. Ich habe großes Interesse an der historischen Aufführungspraxis, gleichzeitig aber auch großen Respekt davor. Bach ist ein Ziel für mich, das in weiter Ferne liegt, dem ich mich aber irgendwann voll widmen möchte. Doch es ist wie mit der Bibel und dem Everest. Es ist etwas, das ich gern eines Tages tun möchte. Jetzt traue ich mich noch nicht.

Crescendo: Sie bekamen das Angebot, mit dem Beaux Arts Trio zu spielen. Das ist vermutlich eine Herausforderung gewesen, zu der man nicht hätte nein sagen können.

Hope: Man hätte nein sagen können, doch die Begegnung mit Menahem Pressler war so überwältigend. Am Anfang kam alles für mich sehr überraschend, da ich einfach eingesprungen bin, um eine Tournee zu retten. Ich habe nicht gedacht, dass es zu einer weiteren Zusammenarbeit führen würde und meine Kollegen, glaube ich, haben es auch nicht gedacht. Doch die Kontakte zu Pressler und Antonio Meneses, die Möglichkeit, die großen Komponisten regelmäßig zu spielen und zu analysieren, das war eine große Chance – im Nachhinein kann ich bestimmt sagen, dass man da nicht nein sagen sollte, da darf man nicht nein sagen.

Crescendo: War es eigentlich wirklich nur Zufall, dass sie auf Sie gestoßen sind?

Hope: Absolut. Die Generalvertretung vom Beaux Arts Trio hat meine deutsche Vertretung. Pressler sagte „dammned luck“, ein schöner amerikanischer Ausdruck, der alles sagt. Zudem suchten sie nicht nur einen Geiger, sondern auch jemanden, der verrückt genug war, um 14 Konzerte in 16 Tagen zu spielen, u.a. die gesamten Beethoven-Klaviertrios. Ich habe es gewagt, und als die Tournee vorbei war kam das Angebot, als festes Mitglied im Ensemble zu spielen. Da habe ich nicht gezögert.



2002


British newcomer cherish harmonious fit
Palm Beach Daily News, 13.03.2002

Daniel Hope is a rising star in Europe, but less well-known in the United States. London’s Evening Standard named him Classical Performer of 2001. A review in The Independent in London advised readers to “remember the name.“ The 28-year-old violinist has acquired a reputation for championing contemporary composers such as Alfred Schnittke, Arvo Part and Toru Takemitsu. He has cut three records of 20th-century music.

Hope and the other trio members, pianist-founder Menahem Pressler, 78, and cellist Antonio Meneses, 44, will perform 7:30 tonight at the Henry Morrison Flagler Museum.

The trio, founded in 1955, focuses on the standard repertoire, with occasional forays into new work. It has recorded the entire piano trio repertory. The group performs more than 100 concerts a year, including annual series at the Metropolitan Museum of Art in New York and the Library of Congress in Washington, D.C. Hope received the call from the trio Jan. 17, less than three weeks before the first performance of a European tour.

The group wanted Hope to play with them for that tour, an American tour and summer festivals stretching into July. “I thought long and hard about it,“ Hope said recently from Bloomington, Ind., where he was performing with the trio. “I thought the chance to work with such wonderful musicians at so many great venues across Europe and the United States would be too good to miss.“ Hope had a gap in his schedule because a recording project that was to have taken up most of February fell through when Nimbus Records ran into financial problems. He canceled or rescheduled other commitments. “People were understanding, because it was such a terrific opportunity,“ he said.

The violinist has performed a couple of times in the United States, but this is his first American tour. Most of Hope’s performing has been as a soloist, although he has done some chamber-music concerts with his group, the London International Quintet, and has worked on other ensemble projects. What recommended him to the trio was his dedication to music, Pressler said. “He is what the Beaux Arts Trio cherishes — everything he does is done in the service of the music. It’s beautiful how he fitted himself to us.“

Although Hope’s recordings have been of contemporary music, he includes more familiar pieces in his concerts. “Every violinist has had to play the standard repertoire,“ he said. “They should not get away with not playing that music.“ Hope’s first step after rearranging his professional schedule was to cancel all his social engagements. “I practiced like hell,“ he said. “It’s one thing to play these kinds of works. It’s another thing to play them with the Beaux Arts Trio and with only a couple weeks’ notice.“ On Jan. 27, he met Meneses in Germany to go over the string portions of the repertoire. On Feb. 2, he and Meneses met Pressler in Lisbon, where they rehearsed seven to eight hours a day until their first concert on Feb. 5. “I learned so much from the rehearsals and the concerts,“ the violinist said. “That hasn’t happened to me before. The concerts became extensions of the rehearsals, not just something one puts together quickly. It’s a real eye-opener.“

At the Flagler, the trio will play Robert Schumann’s Trio No. 1 in D minor and Ludwig van Beethoven’s Trio in B-flat major, the Archduke. “I don’t think anyone needs to explain the Archduke,“ Pressler said. “That’s the HOPE I don’t think anyone needs to explain the Archduke,“ Pressler said. “That’s the Mount Everest — the highest emotionally and technically you can go as a trio.“ The Schumann piece “is one of the most passionate and underplayed works,“ he said. “It needs to be heard.“ Pressler said the trio should know whether Kim can rejoin them by the time the American tour ends Monday, March 25. If the verdict is no, the trio will probably ask Hope to remain. “If there is a need or a chance, I think he will stay,“ Pressler said. Hope said he has not made up his mind what he would do. “It’s a huge decision,“ he said… “Until now, most of the things I’ve done have been solo or ad hoc chamber things. The Beaux Arts Trio is such an established chamber body. I would need to see how that would fit in with the rest of my career. “For now,“ the important thing is to see how these concerts go and hope for the best.“

By JAN SJOSTROM

(c) 2002 The Philadelphia Inquirer. All rights reserved.

A violinist’s ‘mission impossible’
Philadelphia Inquirer, 20.03.2002

Hope can arrive in the least-expected forms.

The venerable Beaux Arts Trio has long been a haven for some of the world’s greatest violinists and cellists; they’ve come and gone for 45 years under the considered guidance of veteran pianist Menahem Pressler. Then, days before touring, a new violinist was needed when the group’s regular player, Young Uck Kim, suffered the recurrence of an old neck injury.

Given the intensive nature of playing chamber music – chemistry is everything – this was the musical counterpart to an emergency liver transplant. Daniel Hope, who stepped in and will perform with the trio tonight at the Kimmel Center for the Performing Arts, calls it “my mission impossible.“

“I was first contacted on the 17th of January, and the first concert was on the 5th of February,“ the 28-year-old British violinist said from his hotel in Bloomington, Ind., where the trio rehearses. “There was an enormous variety of repertoire. There was the complete Beethoven piano trios, Haydn, Mozart and Schnittke. By an enormous stroke of luck, I had most of February reserved for a recording that was canceled.“

On the surface, the match couldn’t be more odd. Though not well known in the United States, Hope is one of Europe’s most enterprising young violinists, big on cutting-edge repertoire and innovative programs involving music and literature. Imagewise, he could pass for a descendant of Britain’s popular punk/classical violinist Nigel Kennedy – though with infinitely better hygiene – with composer names spelled out in graffiti on his album covers. Considering that the Beaux Arts Trio existed for decades before Hope was even born, would the two be mentioned in the same sentence – much less occupy the same stage – in less-than-emergency circumstances?

Only because Hope and the Beaux Arts Trio share the same management did they connect at all.

“It can be hard to find a mutual language,“ Pressler said. “I can tell you that we played two-thirds of a Beethoven [piano trio] cycle just now in Geneva, and – I hate to use the word – it was a triumph.“

One explanation for this chemistry: Hope finds something refreshingly radical in recordings of great violinists of the past. He’s inspired, in other words, by those whom pianist Pressler, who is 79 this year, grew up listening to. Maybe that’s why Pressler’s reputation for toughness hasn’t been Hope’s experience with him.

“He [Pressler] knows exactly what he wants and knows what he wants to do,“ the violinist said. “We didn’t waste time with pleasantries. We got straight down to work – and boy did we work. [With cellist Antonio Meneses], it’s three totally different versions of music making, yet there’s a connecting line going through it. If everybody does what they want, the boat is going to sink.“

Hope has a history of trafficking with strong minds. Even before attending and graduating from the Royal Academy of Music in London, Hope played, at age 11, Bartok’s violin duos with the legendary Yehudi Menuhin. The association lasted over 60 concerts, ending only in Menuhin’s final performance in 1999 in Düsseldorf. Hope’s Web site, www.danielhope.com, is full of photos of him with musical titans such as Mstislav Rostropovich and Yuri Bashmet.

His father, Christopher Hope, is an acclaimed novelist; his most recent, Heaven Forbid, came out last month published by Macmillan. And then there’s his great-aunt, Marlene Maertens, whom he frequently visited after she fled Germany and settled in Philadelphia, where she lived until her death in 1987. He particularly remembers meals at the now-closed Old Original Bookbinder’s, which auntie would start with Diet Coke and end, incongruously, with lemon meringue pie.

“Her wartime work for German refugees was recognized by the German government… with the result that in Philadelphia she became known as Frau Deutschland,“ he recalls. “She lived on a small pension from the Germans.“ And she still found money to send to Hope’s father when he was struggling to write his first novel.

Such regular visits to Philadelphia may resume if he stays on with the Beaux Arts Trio, which has been presented here by the Philadelphia Chamber Music Society every season since 1986. Whether that happens has to do with Kim’s injury and Hope’s availability. Kim is recovering, but playing concerts every night on tour – which concerto soloists don’t have to cope with – “can be a strain [on old injuries],“ Pressler says.

Since the trio’s 80 concerts per season tend to be clustered rather than dispersed, Hope could conceivably continue outside activities, which include his U.S. orchestral debut next season in Detroit. “It’s doable planning-wise,“ he says. “I’d have to see what happens. I have a lot of projects to do.“

(c) 2002 The Philadelphia Inquirer. All rights reserved.

Hope and glory
Time Out New York, 21.03.2002

British violin sensation Daniel Hope makes an overdue return to New York with the Beaux Arts Trio

Over coffee at a Lincoln Center-area cafe last summer, violinist Daniel Hope detailed his ambitious upcoming plans with relish. One of the most highly respected young musicians in Europe, Hope had just released a gorgeous new disc of violin sonatas by Elgar and Walton, and one concept that flew across the table was a new recording project featuring music by composers who had been interned by the Nazis in the Theresienstadt ghetto prior to their execution. He also enthused about a chamber music series he would be presenting at a New York art gallery in September, his first performances here since the Young Concert Artists competition at the 92nd Street Y in 1992.

Unfortunately, things didn’t turn out as planned. The performances, originally scheduled September 14-16, were postponed well before the unthinkable events of that week. Soon afterward, just as sessions for the Theresienstadt disc were completed, Nimbus, the respected British independent label to which Hope was signed, went out of business.

Luckily, Hope didn’t have to wait long for a change of fortune. In January 02, the 27-year-old violinist received an invitation to join the Beaux Arts Trio — an American chamber-music institution for almost five decades — for a spring tour of Europe and the U.S., filling in for the injured Young Uck Kirn. The tour brings Hope to the Metropolitan Museum of Art on Friday 22nd March, to perform Schumann’s Trio in D minor and Schubert’s Trio in E-flat.

“ I got the call on the 17th of January, and the first concert was on the 5th of February,” Hope recalls, on the phone from a tour stop in Miami. “I can’t imagine anything more crazy than doing this on such short notice with this kind of a group: Every chamber musician knows the legendary Philips recordings of the Beaux Arts Trio. Some people felt I was mad, but I think I’d have been mad not to do it!”

Though he is still best known for recording 20th-century music – which provided opportunities to work closely with such composers as Takemitsu, Schnittke and Penderecki – Hope has played standard repertoire ever since beginning his violin studies at age four. He has enjoyed an active performance in Europe and Asia for more than a decade, collaborating with leading musicians and orchestras as well as actor Klaus Maria Brandauer and jazz pianist Uri Caine. The invitation to work with the Beaux Arts Trio arose because they share a European booking agent— though it didn’t hurt that the young violinist had previously performed Schnittke’s Piano Trio, a difficult work that the group was scheduled to play during the European leg of the tour. Hope flew to Basel to work on particulars of technique with cellist Antonio Meneses; the two then joined pianist Menahem Pressler in Lisbon for two grueling days of rehearsal prior to embarking on the tour of Europe’s most prestigious venues. “It was a different program almost every night,” Hope says. “We did the complete Beethoven piano trios, Schnittke, Schumann, Mozart and Haydn, all in the space of ten concerts. The nice thing about the American tour is that we have only two programs, so we’re able to establish continuity and play the same pieces every night.”

After the Beaux Arts tour is completed, Hope still intends to present the New York concert series he’d been planning last summer at some point in the not-too-distant future. He recently heard encouraging news about the fate of his Theresienstadt recording – it’s now due for release in Spring of 2003. Right now, though, the ambitious modernist is reveling in an opportunity to perform the standards with musicians he clearly reveres.

“I’ve been able to devote these weeks to the real traditional repertoire,” he says, “which I’ve always loved doing, but I’ve had a different approach to it because of all the 20th-century music that I’ve done. This way, I’m getting to focus on the vitamins of classical musicians’ diets, but to do it with the best people possible.”

By Steve Smith



2001


Komponistenlehrgut
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2001

Querstand zum hastigen Musikbetrieb: Der Geiger Daniel Hope

„Wir Interpreten haben die Aufgabe, mit allen Mitteln des Marktes diese (zeitgenössische) Musik bekannt zu machen. Ich finde es unverantwortlich, wenn Künstler sagen: Wir haben damit nichts zu tun.“ So mutig wie der 1974 geborene englische Geiger Daniel Hope, von Yehudi Menuhin gefördert und von Zakhar Bron unterrichtet, sind nicht viele Nachwuchsmusiker. Die Pianisten, Geiger, Cellisten oder Sänger, die zahlreich wie nie zuvor auf den schrumpfenden Klassikmarkt drängen, versuchen lieber, ihre Überlebenschancen mit Grenzgängen zu Filmmusik, Tango, Neuen Medien, Klassikhäppchen oder Crossover vermeintlich zu verbessern. Vielen nutzt auch dieses Zugeständnis nichts: Von Labels und Promotionfirmen als lukrative „Shooting Stars“ auf eine Umlaufbahn im überhitzten Musikbetrieb geschossen, stürzen sie oft jäh – und sind vergessen.

In seiner fast verqueren Gegenposition hat sich Hope schon erstaunlich lang gehalten. Sein Rezept klingt einfach, fast salopp: Wenn Musik nicht bloß „zugänglich“, also seicht sei, sondern schlichtweg gut, und sie entsprechend gespielt und präsentiert werde, werde sie sich durchsetzen. Von Resignation ist dieser Optimismus noch keineswegs angekränkelt, und Hope tut sein möglichstes, um sein Programm einzulösen. Ein gewisser Gradmesser sind seine bislang drei Einspielungen, für die er die Werkfolgen sorgfältig ausgewählt hat. In seiner Debüt-CD aus dem Jahr 1999 blickt er in Schlüsselwerken von Kurt Weill, Alfred Schnittke und Toru Takemitsu auf das zwanzigste Jahrhundert zurück und geht zugleich Einflüssen auf den Grund: von Jazz und Strawinskys „L’historie du soldat“ in Weills kontrastreichem Violinkonzert (1924), von Schostakowitsch auf Schnittke, vom Impressionismus, japanischer Landschaft und Andrej Tarkowskis Film „Nostalghia“ (1983) auf Takemitsus gleichnamiges meditative Stück für Violine und Streicher von 1987.

Seine zweite CD versammelt osteuropäische Musik der letzten dreißig Jahre, die sich vom russischen Übervater Schostakowitsch abzusetzen sucht. Zugleich thematisiert Hope Gegensätze – dynamisch wie stilistisch, etwa im Kontrast zwischen Schostakowitschs grandios schroffer, spieltechnisch höchst anspruchsvoller G-Dur-Sonate op. 134 und Schnittkes schmerzzerrissener dritter Sonate für Violine und Klavier (1998) einerseits und Arvo Pärts schlicht wie suggestiv gestricktem „Spiegel im Spiegel“ andererseits. Auf der jüngsten CD frönt er nun seiner Heimat. Obwohl Edward Elgar mit seinen “Enigma-Variationen” und den „Pomp and Circumstance“-Märschen auch auf dem Festland einer der populärsten englischen Komponisten ist, gehört seine Kammermusik immer noch zu den Raritäten im Musikbetrieb. Für eine gewisse Wende, zumindest auf der Schallplatte, sprechen neue, fulminante Einspielungen des Streichquartetts op. 83 und des Klavierquintetts op. 84 durch den Pianisten Ian Brown und das 1990 gegründete englische Sorrel Quartet und Hopes nicht minder ausdrucksintensive Aufnahme der Sonate für Violine und Klavier e-Moll op. 82, an der Elgar 1918 gleichzeitig mit den beiden anderen Werken arbeitete. Wie Elgars Sonate ist William Waltons Gegenstück von 1949 in seiner romantischen Grundhaltung ein musikgeschichtlicher Spätling, obschon rhythmisch und dynamisch eine gewaltige Erregung in ihr rumort.

Hope läßt also Werke so miteinander dialogisieren, daß sie sich gegenseitig im geschichtlichen Kontext erläutern. Den Eindruck von gegenwartsbezogenen Zeitpanoramen verstärkt er durch seine leger hingeplauderten Ansichten zu den eingespielten Stücken in den Beiheften. Mehr aufführungspraktische Erfahrungsberichte oder Gefühlsmitteilungen als Einblicke in die Werkarchitektur, ziehen sie den Hörer gerade auf diese unprätentiöse Art unmittelbar in die Musik der jüngsten Vergangenheit hinein. Zudem teilt der Künstler seine Begegnungen mit den Komponisten Pärt, Penderecki, Schnittke und Takemitsu so erfrischend offenherzig mit, daß sie in den Prozeß der Wiedergaben eingehen, ihn so gleichsam autorisieren. Besonders aufschlußreich ist dieser Werkstatt- Rapport bei Schnittkes erster Violinsonate (in der Kammerorchesterfassung von 1967) durch die Diskussion mit dem Komponisten über den Einsatz von Cembalo oder Klavier und bei Schnittkes Concerto grosso Nummer 6 wegen der Diskrepanzen zwischen Druckfassung und Schnittkes handschriftlicher Partitur.

Es ist also Hopes Absicht, gerade scheinbar unbequeme Musik dem Hörer nahezu bringen, den Abstand zwischen traditioneller Hörerwartung und unkonventioneller Werkaussage zu verringern. Dies gilt auch für die kommunikativen Wiedergaben. Das Handwerk funktioniert bei Hope so selbstverständlich perfekt, reaktionsrasch und geistesgegenwärtig, daß es fast zur Nebensache wird im Dienst von Stil und Ausdruck. Der ganz persönliche Einsatz des Künstlers ist überall zu spüren – ob Hope Weills Violinkonzert rasant auflädt, Takemitsus Klangmeditation in feinster Farbfächerung Innenspannung gibt, Schostakowitschs Sonate op. 134 katastrophisch zuspitzt, Schnittkes dritte Violinsonate risikoreich auf Messers Schneide setzt oder Elgars Sonate impulsiv aufglühen läßt. In solchem Enthusiasmus ist Hope einig mit seinem ebenso anpassungsfähigen wie eigenständigen Londoner Klavierpartner Simon Mulligan (Jahrgang 1972), der auch als Komponist für Film und Fernsehen und in seinem eigenen Jazzquartett hervorgetreten ist.

Hope, der einen irischen Paß und Zweitwohnsitz in Hamburg hat, möchte als überzeugter Europäer auch anspruchsvolle Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen – (noch) ohne Zugeständnisse an popularisierende Marktstrategien. Ob er seinen kreativen Außenseiterstatus auf dem immer engeren Markt durchhält, muß die Zukunft zeigen. Einstweilen plant er für das Menuhin-Festival in Gstaad im August ein „magisches musikalisches Theaterstück“ rund um Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“, ergänzt durch Musik und Texte über Krieg und Frieden, dargeboten von dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer und sieben jungen Musikern aus sechs Nationen.

ELLEN KOHLHAAS

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main, 2001

Mit vielen starken Saiten
Welt am Sonntag, 09.12.2001

Daniel Hope ist einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation. Heute gastiert er in Hamburg

Geigenvirtuosen drehen dem Publikum nie den Rücken zu. Normalerweise. Als das Barockorchester Concerto Köln beim Kempen Musik Festival 2001 Beethovens Violinkonzert aufführte, war nichts normal: Das Ensemble musizierte im Stehen, ohne Dirigent. Der Solist Daniel Hope, er hatte seine Geige zwecks Anpassung an den Barockklang ausnahmsweise mit Darmsaiten bezogen, spielte beim Anfangstutti mit dem Rücken zum Auditorium. Erst drei Minuten später drehte er sich um und begann mit den Solo-Oktaven.

Zart und fest, fahl und farbenfroh wechselt sein Ton von leise zu laut, von stark timbriert zu inbrünstig zitternd. Er kann geigend Katastrophen erzeugen und delikate Erlösungen, Wohlklang und Wahrheit. Nach Ende des ersten Satzes platzte – offenbar wird bei Daniel Hope auch dem Publikum immer ganz unnormal – begeisterter Beifall in die Stille.

Dem Ausnahmemusiker Hope steht der ganz große internationale Durchbruch allerdings noch bevor. Mit vier begann er Violine zu spielen. Der Zwölfjährige geigte Bartoks Duos im deutschen Fernsehen mit Yehudi Menuhin. Seitdem gilt er hier zu Lande als Menuhins Meisterschüler.

„Falsch“, sagt der heute 27-Jährige und schüttelt lächelnd die rote Mähne. “Meine Mutter war eine von Menuhins Sekretärinnen, sie hatte mich als Baby bei Proben, Konzerten und Reisen immer dabei. Meine ersten Erinnerungen an Musik verbinde ich also mit ihm.” Aber Daniels Lehrer war Menuhin nie. Im Gegenteil. „Als ich sechs war“, erzählt Hope, „teilte ihm mein Vater mit, dass ich Geiger werden wollte. Er sagte nur: ,Der Arme’“.

Der ließ sich indes nicht entmutigen. „Ich studierte und übte wie blöde“, sagt er. Als er mit 17 bei seinem Lehrer Zakhar Bron in Lübeck gerade gelernt hatte, wie man geigerisch Farben erzeugt („Damals habe ich wirklich gemerkt, was es heißt, Geiger zu sein“), bat ihn Menuhin, ihm vorzuspielen. „Ich habe vier Stunden für ihn gespielt“, erinnert sich Hope. „Er war überrascht und betroffen.“ Das war 1996. Der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit: Hope war der Solist. Der alte Mann dirigierte.

So war es auch bei Menuhins letztem Konzert im März 1999 in Düsseldorf, vier Tage, bevor der große Musiker an einer Lungenentzündung starb. Mit ihm, meint der junge Geiger traurig, sei der „letzte Löwe des vergangenen Jahrhunderts“ gegangen. „Es ist ehrenvoll, aber auch schrecklich, wenn man Teil des Endes von etwas ist, das eigentlich nie zu Ende gehen sollte.“

Es gab fünf oder sechs solcher Löwen. Heute ist der Markt randvoll mit ehrgeizig-perfekten Virtuosen. „Es ist heute leichter, den Karriere- Anfang zu schaffen“, meint Hope. „Aber sehr schwer, sich zu halten.“ Der große Geiger Jascha Haifetz tourte noch sechs Wochen durch Japan und gab an die 50 Konzerte. „Wir dagegen können, wenn wir durchhalten, jeden Tag in jedem Land auftreten, heute Tokio, morgen Melbourne, übermorgen London – und überall müssen wir auf die Minute in Hochform sein, egal wie wir gerade drauf sind.“

Anders als die Giganten der Vergangenheit sieht Daniel Hope ein Existenzproblem für heutige Geiger: „Was wird 2020 sein?“, fragt er sich manchmal. „Welche Art Orchester wird es noch geben? Werden die Platten- Labels bleiben oder wird alles übers Internet laufen?“ Einige seiner Konzerte wurden bereits im Internet übertragen. „Die Verbindung war noch schlecht, die Bilder wacklig“, meint er. „Aber das wird sich ändern.“

Übers Internet informiert er sich auch in Minuten über Werke, die ihn interessieren. Das ganz besonders Unnormale an Daniel Hope ist nämlich, dass er es „sturzlangweilig“ findet, „150 Mal pro Saison immer wieder die drei Bs zu spielen“. Auch auf seinen ersten drei CDs (bei Nymbus Records) fehlen sie, die Konzerte von Beethoven, Bruch oder Brahms. „So viel Musik wird heute gedankenlos gemacht. Ich muss einen persönlichen Bezug haben zu den Sachen, die ich spiele, muss sie lieben, das hört man dann.“

Er hat darum schon den alten Menuhin dazu bewogen, mit ihm zwar auch Konventionelles wie Mendelssohn, Tschaikowsky oder Brahms zu spielen. Aber eben auch Schnittke, Takemitsu oder Gubaidulina – oder sogar gänzlich Unbekannte wie den Amerikaner Lowell Liebermann.

Daniel Hope hat bei all seiner wunderbaren Unnormalität nichts Messianisches. Auf seiner Homepage im Internet findet man auch Wein- Tipps; er liebt besonders teure Riojas. Statt mit den für Geiger obligatorischen täglichen Dehnübungen lockert er seinen Bogenarm mit Badminton, Squash oder Tennis: „Ich mag alles, was mit Schläger gespielt wird.“ Wenn er mit Freunden Fußball spielt, ist er der geborene Mittelstürmer. „Das liegt mir im Blut“, lacht er. „Auch bei der Arbeit bin ich oft viel zu stürmisch.“

Seit er in Lübeck bei Zakhar Bron studierte, hat er seine Liebe zu Hamburg entdeckt. Aber nicht allein Alster, Kunsthalle oder Oper faszinieren den Londoner an der „kleineren Ausgabe von Weltstadt“ – seine schöne blonde Freundin, sie ist Kontrabassistin, lebt hier. Und ergo verbringt er von den monatlich vier Tagen, die er nicht irgendwo in der Welt konzertiert, zwei an der Themse und zwei in der Hansestadt. Sein Deutsch ist perfekt. „Ich war gezwungen, es zu lernen“, sagt er und lacht. „Die Hamburger sprechen zwar alle Englisch. Aber nicht gern.“

Konzert: Heute, 20 Uhr, Liebermann Studio des NDR.
Mit Brandauer auf Tour

1974 in Südafrika geboren, musste Daniel Hope mit seiner Familie bereits als sechs Monate altes Baby nach London emigrieren, weil der Vater als Schriftsteller Anti-Apartheid-Positionen vertreten hatte. Hope besitzt allerdings bis heute einen irischen Pass, da sein Vater aus Irland stammt. Als einer der viel versprechendsten Geiger seiner Generation nimmt er sich vorwiegend ungewöhnlichen Repertoires und neuer Präsentationsformen an. Im kommenden Sommer geht er mit Klaus Maria Brandauer und einem jungen Spitzenensemble mit Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ auf Tournee.

Von Stefan Siegert

Alle Rechte vorbehalten. (c) Die Welt, 2001



2000


Cricket und Neue Musik
Rondo, 28.02.2000

Der junge Geiger Daniel Hope ist in einer beneidenswerten Lage: Er kennt viele der Komponisten, deren Werke er spielt, persönlich.
Von Thomas Schulz

Herr Hope, viele Interpreten sagen: Lasst mich in Ruhe mit zeitgenössischer Musik. Meist mit der Begründung, diese Musik spreche nur den Verstand an, nicht die Seele. Warum spielen Sie so viel Neue Musik?

Daniel Hope: (lacht) Solche Aussagen sind Unsinn. Wir müssen uns mit der Musik unserer Zeit beschäftigen. Wie Beethoven zu seiner Zeit modern war, komponieren Schnittke oder Turnage die Musik von heute. Wir Interpreten haben die Aufgabe, mit allen Mitteln des Marktes diese Musik bekannt zu machen. Ich finde es unverantwortlich, wenn Künstler sagen: Wir haben damit nichts zu tun.

Es wird in letzter Zeit viel darüber geredet, dass neue Musik „zugänglich“ sein solle. Was hat man darunter zu verstehen?
Ich finde das Wort „zugänglich“ ziemlich schrecklich, was Musik betrifft. Es gibt schlechte und gute Musik, und wenn sie gut ist und gut gespielt wird, wird sie hoffentlich Erfolg haben. Aber Komponisten, die Musik ausschließlich zu dem Zweck schreiben, dass das Publikum sie sofort versteht, die gehören nicht zu unserem Bereich. Es mag ruhig Crossover und dergleichen geben, aber Komponisten sollten vor allem schreiben, um auszudrücken, was sie fühlen. Wir haben heute die Geduld verloren und sind nicht mehr bereit, mehr als nur kurze Ausschnitte eines Werks konzentriert anzuhören. Aber da geht es eben auch um die Präsentation. Und das ist unsere Aufgabe als Interpreten.

Auf Ihrer neuen CD spielen Sie Werke von Schostakowitsch, Schnittke, Penderecki und Pärt. Was hat es mit dieser Kombination auf sich?
Es ist Musik aus Osteuropa der letzten dreißig Jahre. Es fängt an mit der Violinsonate von Schostakowitsch, 1969 geschrieben, ein unglaublich großes und dunkles Werk. Er hat dieses Stück für David Oistrach geschrieben, der für mich der größte Geiger dieses Jahrhunderts ist. Durch meinen Lehrer Zakhar Bron habe ich das Glück, noch ein wenig an dieser Tradition teilzuhaben. Schnittke, Penderecki und Pärt haben direkten Bezug zu Schostakowitsch. Deshalb war es mir sehr wichtig, seine Sonate zu spielen; auf der anderen Seite hatte ich unglaubliche Angst, weil die größte Einspielung von Oistrach stammt. Deshalb habe ich lange überlegt, ob ich es wagen dürfte, dieses Stück aufzunehmen.

Sie kannten Alfred Schnittke persönlich. Was war er für ein Mensch?
Er war ein hoch intelligenter, empfindsamer Mensch, auch sehr freundlich. Als ich eines Tages, mit siebzehn oder achtzehn, ohne Anmeldung an seiner Tür geklingelt habe, hat er mich empfangen — und er war sehr nett und zuvorkommend. Leider hat er schon zwei Schlaganfälle gehabt und war nicht mehr in allerbester Verfassung. Ich weiß noch, wie wir über seine Werke gesprochen haben, und es war traurig zu sehen, dass er sich manchmal nicht direkt an diese Stücke erinnern konnte. Auf der anderen Seite war er voller Leben. Einmal hat er mich im Konzert gehört — das war für mich das größte Erlebnis. Schnittkes dritte Sonate, das Stück, das ich auf meiner CD spiele, entstand 1994, ungefähr zu der Zeit, als ich ihn kennen lernte. Insofern ist das für mich eine sehr persönliche Angelegenheit.

Und was bedeutet Ihnen Schnittkes Musik?
Erstens ist sie technisch brillant geschrieben. Zweitens wirkt Schnittkes Musik emotional für mich wie eine Bombe, eine Zeitbombe. Sie hat diese unglaublichen Extreme, von beinahe banal bis unglaublich gewaltsam. Und diese Momente kommen immer völlig überraschend, man weiß vorher nie, wann es soweit ist. Eine sehr spannende Musik voller Gegensätze. Das ist übrigens auch ein Thema meiner CD: Gegensätze. Das Stück von Arvo Pärt ist extrem simpel und damit das genaue Gegenteil von Schostakowitsch und Schnittke.

Kennen Sie Part und Penderecki auch näher?
Penderecki habe ich getroffen, bevor ich sein Stück aufgenommen habe; es war mir sehr wichtig, dass er meine Interpretation hört, bevor ich es einspiele. Er war zufrieden und ich konnte beruhigt ins Studio gehen. Mit Pärt hat es vor der Aufnahme leider nicht geklappt, weil er zu beschäftigt war. Aber als ich die ersten Takes hatte, bin ich nach Berlin gefahren, um sie ihm vorzuspielen, und er hat mir noch wichtige Anregungen gegeben.

Ich darf vermuten, dass Sie außer Musik andere Interessen haben…
(lacht) Ich spiele sehr gerne Tennis, laufe gerne Ski – alles Sachen, die man als Geiger eigentlich nicht machen sollte. Als Engländer liebe ich natürlich besonders Cricket…

… das Spiel, das bei uns kein Mensch versteht…
Überhaupt keiner! (lacht) Es gibt eine Mannschaft die Neville Marriner aufgestellt hat. Er lädt junge Künstler ein, in dieser Mannschaft zu spielen, und dann gibt es ein Turnier gegen die Mitglieder der Konzertagentur Harold Holt. Ich bin eingeladen im Sommer mitzuspielen, und freue mich schon, ein paar Bälle gegen die Holts zu werfen.

Sie betreiben auch eine eigene Website…
Als junger Künstler muss man modern sein. Und einer dieser Wege ist das Internet, man kann die ganze Welt erreichen und ist immer aktuell. Man kann mich direkt über diese Seite erreichen (www.danielhope.com). Sie erzählt auch ein bisschen über meine Musik; ich habe einen Artikel über Schnittke geschrieben, der da zu finden ist.

Thomas Schulz

Alle Rechte vorbehalten. (c) Rondo, 2000

High Hope
Amazon.co.uk, 28.05.2000

By Warwick Thompson
An Interview with Daniel Hope

Will the real Daniel Hope please stand up? On listening to this powerfully exciting young violinist’s recordings of contemporary music (recently released to universal critical acclaim and gratifying commercial success) it is hard to believe that he is just one player, so dramatic is his approach. It is as if he combines three or four very different musical personalities in one performer, and the result is that his playing teems with an almost Shakespearean sense of variety. He was born in London in 1974, and at an early age began studying at the Menuhin school, where he established an important relationship with Yehudi Menuhin which was to last until the latter’s death. (Menuhin once signed a photograph of the two of them “with love from your musical grandfather”.) His recordings have so far concentrated on the music and musical influences of Alfred Schnittke.

Amazon.co.uk: What is it about Schnittke’s music that attracts you?

Daniel Hope: It’s like a time bomb ticking and waiting to explode. One thing he taught me was always to keep a sense of tension, of suspense — to make the most of any moment without giving it all away too soon.

Amazon.co.uk: The reviews of both discs have all commented on the fascinating and successful combination of unlikely pieces.

Hope: On the second disc (Shostakovich Violin Sonata, Schnittke Violin Sonata No.3a and shorter works by Pärt and Penderecki) the pieces represent works by some of the composers Schnittke saw as his influences. And they were surprising choices. Penderecki is much more overtly romantic, and Pärt is completely different again; deconstructive, abstract. But they all shed light on Schnittke’s music, on the different sides of his personality. I think just before he died, he was about to discover a whole new style, less magpie-ish, less serial. But I’ve done two big explorations of him now and I think it’s time for a break.

Amazon.co.uk: When you were just 18, you turned up unannounced at the notoriously reclusive Schnittke’s apartment to discuss his work, and thus established an important musical relationship with him. It seems remarkably self-assured and resourceful. Is that how you approach music as well?

Hope: I have a kind of stamina that won’t accept defeat–whether it’s tracking down a piece of music, or solving a musical problem, it becomes a burning passion. My mind goes into overdrive. But of course, there are never enough hours in the day to do everything.

Amazon.co.uk: Have you had to sacrifice anything to music?

Hope: I’ve been playing continuously since I was four, so of course some things have had to go–but they were never as important as what I really wanted to do.

Amazon.co.uk: You have written that Yehudi Menuhin was your greatest inspiration. How did he inspire you?

Hope: One very important thing he gave me is the feeling of being connected to the past. He had been taught by violinists who had worked with Brahms, it made me feel I was only two generations away from Brahms myself. He had also worked with Bruno Walter and Toscanini–I felt the weight of his legacy. And in the last years of his life he began working with young children from broken homes, and violent backgrounds. He believed that by teaching them music–not necessarily an instrument–but dance, or rhythm–he could point them away from violence. Perhaps he was naïve, but actually the results were very encouraging. The world of music is poorer without him.

Amazon.co.uk: Has playing contemporary music had an effect on your approach to the romantic and classical repertoire?

Hope: In contemporary music you are more or less free to do what you want. The first debt is to be exact to the composer’s markings, but you are not confined by a school of playing like, say, baroque period practice. You can experiment more. You can then apply that approach to playing romantic music– and add the possibilities into your musical repertoire. For example, where Schnittke asks for a particularly bleak effect without vibrato–this can also be used when playing Bach.

Amazon.co.uk: You’re now based in Hamburg. Do you miss London?

Hope: I love London and like it all the more when I go back to visit my brother, and for the sports–I’m a big, big sports fan! But the trek to Heathrow makes travelling more difficult, and there is so much work on the continent for young artists. Also the Germans seem to have a romantic and quaint view of the English–a sort of drinking-tea-and-eating-After-Eights view–so I’m treated rather favourably.



1999


Hoffnung nach Menuhin
Fono Forum, 28.05.1999

Ein Portrait von Jörg Hillebrand

» Schon in frühester Kindheit lernte er Yehudi Menuhin kennen, als Elfjähriger trat er gemeinsam mit ihm im Fersehen auf, und am 7. März 1999 war er der Solist in jenem denkwürdigen Düsseldorfer Konzert, das Menuhins letztes sein sollte. Gut gerüstet durch die Zuwendung des Mentors und ein Studium bei Zakhar Bron steht der britische Geiger Daniel Hope, dessen CD-Debüt soeben erschien, nunmehr am Beginn einer vielversprechenden Laufbahn. «

Früh und zufällig kreuzten sich ihre Wege: Kurz nachdem Daniel Hope 1974 Südafrika als Sohn eines Schriftstellers und Regimekritikers das Licht der Welt erblickt hatte, beantragten seine Eltern in England Asyl. Dort bewarb sich die Mutter, die bis zu diesem Zeitpunkt nie etwas mit Musik zu tun gehabt hatte, auf eine Annonce als Sekretärin bei Yehudi Menuhin und bekam den Job. Sechs Monate des Jahres 1975 verbrachte sie im schweizerischen Gstaad, der Sommeresidenz des Geigers. Daniel mußte mit, und so war es unvermeidlich, daß er mit Menuhin in Kontakt kam. „Er hat immer gesagt, ich sei ihm in den Schoß gefallen“, erinnert er sich an die gleichsam familiäre Atmosphäre, die zwischen ihnen herrschte. Gleichwohl unternahm Hope seine ersten violinistischen Gehversuche im Alter von vier Jahren unabhängig von dem berühmten Bekannten: „Er fand es sehr schön, daß ich Geige spielte, aber mehr war da nicht, und ich sollte erst einmal meinen eigenen Weg finden und wissen, ob ich es auch wirklich wollte. Mit acht Jahren bin ich dann in sein Londoner Internat gegangen, was leider nicht die beste Entscheidung war – nicht wegen der Schule, sondern weil es einfach zu früh für mich war.“

Ausgerechnet in dem Moment, als Hope das Internat wieder verließ, wurde Menuhin, auf die Fähigkeiten des Hochbegabten aufmerksam und lud ihn zu gemeinsamen Konzerten in Deutschland ein, in welchem Zusammenhang auch der besagte Fernsehauftritt stattfand. „Er begann, mir ein bißchen über die Schulter zu gucken und meine Fortschritte zu fördern“, berichtet Hope. Regelmäßigen Unterricht erhielt er von seinem Mentor erst ab dem Zeitpunkt, da er anfing, als Solist mit Menuhin zusammenzuarbeiten. Das war 1991. Ein Jahr später nahm er parallel dazu sein Studium bei dem Oistrach-Schüler Zakhar Bron auf – Konflikte waren vorprogrammiert: „Von Menuhin“, sagt Hope, „habe ich gelernt, wie man den Ton produziert, wie man mit Farben spielt. Sein Prinzip basiert auf sehr viel Bogen. Das ist genau das Gegenteil von Zakhar Brons Klangideal. Ich schätze beide Aurfassungen und mußte irgendwie eine eigene Richtung finden, weil ich vor Bron als Lehrer genauso viel Respekt habe wie vor Menuhin. Ich verdanke Bron fast alles an meinem Spiel, denn er hat es von Grund auf umgekrempelt. Wir haben ganz von vorne angefangen. Die russische Schule, die von Oistrach ausgeht, ist meiner Meinung nach die umfassendste. Bron ist fast wie ein Sport-Trainer. Man ist nach dem Unterricht immer völlig fertig, aber auch völlig sauber. Es ist ein sehr, sehr harter, aber erfolgreicher Prozeß.“

Ein Aspekt verdeutlicht exemplarisch Hopes Position zwischen zwei Stühlen: das Portamento, von Menuhin geliebt und meisterhaft beherrscht, von Bron kategorisch abgelehnt. „Das war der eine Punkt,“ erzählt er, „an dem ich manchmal mit Menuhin Probleme hatte, weil er, am Anfang wenigstens, darauf bestand, daß man fast jede Phrase mit Portamenri gestaltete. In romantischen Stücken war das nicht so ein Problem, aber bei Mozart oder Bach. Das Problem war, daß die Portamenti, die er haben wollte, nur er ausführen konnte, weil er Menuhin war, und wenn man eine Aufnahme von Menuhins Mozart hört, weiß man sofort, daß es Menuhin ist – wegen dieser Portamenti. Nur er konnte sie geschmackvoll spielen. Wenn jemand das nachmacht, hört man erstens, daß er versucht, wie Menuhin zu spielen, was sowieso niemand schafft, und zweitens paßt es auch nicht in seinen eigenen Stil. Insofern hatten wir oft ziemlich lebhafte Diskussionen über dieses Thema.“

Wichtiger noch als alle musikalischen Anregungen und tausend Tricks aus acht Jahrzehnten Bühnenerfahrung war für Hope Menuhins menschliches Vermächtnis, sein Respekt gegenüber dem Komponisten und seinem Werk, der in einer beispielhaften Bescheidenheit wurzelte. „Als er einmal darum gebeten wurde,“ erinnert sich Hope, „einen Grundsatz seines Lebens als Geiger, Musiker und Mensch zu formulieren, hat er gesagt; „ I know my place“. Das fand ich erstaunlich, daß jemand, der so wahnsinnig viel geschafft hat, trotzdem sagt: „Ich weiß, wo ich hingehöre“, und ich glaube, diese Bescheidenheit – daß ein Künstler sich völlig seiner Kunst aufopfern muß – hat er mir vermittelt. Und an noch einen Ausspruch von ihm erinnere ich mich. Er sagte, daß, wenn man etwas wirklich liebt, man dies jeden Tag tun müsse. Ein Vogel könne nie sagen: „Heute bin ich müde. Ich werde heute nicht fliegen. Das war Menuhin für mich.“

Ungefahr 60 Konzerte gaben sie gemeinsam, die großen Werke für Geige und Orchester, quer durch alle Epochen, von barock bis zeitgenössich. Das erste war 1991, das Konzert von Felix Mendelssohn Bartholdy: „Das war eine ganz große Hürde für mich, denn es war eines von Menuhins Paradestücken. Er ist berühmt dafür, nicht nur, weil er es so phantastisch gespielt hat, sondern auch, weil er nach dem Krieg mit Mendelssohn nach Deutschland zurückgekehrt ist. Es war natürlich sehr schwierig, das mit ihm zu spielen, aber er war unglaublich herzlich und hat mir sehr viele Tips gegeben. Ich besitze noch die Stimme, in die er seine Fingersätze und Notizen geschrieben hat, und jedesmal, wenn ich dieses Stück spiele, komme ich darauf zurück.“

Der letzte gemeinsame Aurtritt war zugleich Menuhins letzter überhaupt: Am 7. März 1999 spielte Hope in der Düsseldorfer Tonhalle die erste Sonate von Alfred Schnittke, Menuhin begleitete mit der Sinfonia Varsovia. Hope über den Dirigenten Menuhin: „Er verfügte zwar nicht immer über eine ausgefeilte Technik, aber er hatte eine genaue Vorstellung von dem, was er erreichen wollte, und es war ihm möglich, dies zu zeigen durch Sprache und durch Emotionen. Ich habe gelernt, seine Zeichen zu verstehen. Wenn er mich während eines Konzertes angeschaut hat, wußte ich, was falsch war, was er mir mit diesem Blick bedeuten wollte.“

Künstlerisch wird Daniel Hope das Loch, das sich nach dem plötzlichen Tod des Freundes vor ihm auftut, überwinden können. Dafür bürgt nicht nur die mittlerweile abgeschlossene Ausbildung bei Zakhar Bron, sondern auch die Tatsache, daß er im Netzwerk des internationalen Musikbetrieb längst Fuß gefaßt hat. Er arbeitete bereits mit Dirigenten wie Rostropovitch, Kent Nagano, Jeffrey Täte, Michel Plasson, Alexander Lazarev, Philippe Entremont und Hans Graf zusammen und spielte u. a. mit den Rundfunksinfonieorchestern aus Berlin, Wien, Madrid und Leipzig, dem Philharmonia und dem Royal Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden, dem Orchestre National du Capitole de Toulouse oder dem Orchestre de Chambre de Lausanne.

Das Programm seiner jüngst veröffentlichten Debüt-CD reflektiert einen wichtigen Schwerpunkt seiner interpretatorischen Tätigkeit: die Hinwendung zu und Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten. Zu Alfred Schnittke pflegte Hope, der seinen Zweitwohnsitz in Hamburg hat und fließend deutsch spricht, eine Art nachbarschaftlicher Beziehung. Gemeinsam überarbeiteten sie die Instrumentation seiner ersten Sonate dahingehend, daß der Cembalist gegen Ende des zweiten Satzes zu einem Flügel hinüberwechselt, um einen bestimmten Klangeffekt mit von Hand abgedämpften Saiten zu ermöglichen sowie eine bessere Balance mit der Geige zu gewährleisten. Toru Takemitsu lernte Hope 1995 in Gstaad kennen, als er dessen „Nostalghia“, ein einsätziges, dem Filmregisseur Andrei Tarkovskij gewidmetes Werk für Violine und Streicher, mit William Boughton und dem English Symphony Orchestra aufführte. Wenige Tage nachdem der Komponist ihre Darstellung gehört und als gänzlich seinen Vorstellungen entsprechend autorisiert hatte, nahmen sie es im Konzertsaal der Nimbus Foundation auf.

Hope steht noch mit mehreren anderen Komponisten in Kontakt: Cristöbal Halffter besucht er jedes Jahr auf seinem Schloß in Spanien und spielt auf seinem kleinen Festival. Mit Mitgliedern des von ihm gegründeten London International Quintet, das 1998 mit dem Ensemblepreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet wurde, wird Hope ein Klavierquartett von Jan Müller-Wieland aus der Taufe heben. Und das Huddersfield Festival für zeitgenössische Musik hat ihn gebeten, einen Kompositionsauftrag zu vergeben. Sein Wunschkandidat wäre HK Gruber, dessen zweites Konzert er letztes Jahr im Wiener Musikverein aufführte und der ihm damals spontan versprach, ein Werk für ihn zu schreiben.

Doch wird Grubers Terminkalender ein Einlösen dieses Versprechens wohl in näherer Zukunft nicht zulassen, so daß die Suche andauert. Eine zweite Platte soll möglichst noch in diesem Sommer aufgenommen werden. Fest steht bisher nur, daß es sich um ein Recital handeln wird. „Aber ich überlege,“ so Hope weiter, „nicht nur mit Klavier zu musizieren, sondern auch mit anderen Instrumenten, weil ich wegkommen möchte von dieser Standardvorstellung von einem Recital. Was das Programm betrifft, so verhandele ich zur Zeit noch intensiv mit Nimbus. Es gibt so viel Repertoire, das ich gerne aufnehmen möchte, auch so viel zeitgenössisches. Die Reaktion der englischen Presse auf mein Debüt war sehr positiv: Champion der zeitgenössischen Geige’ hat man mich da schon genannt. Solchen Komplimenten muß ich natürlich irgendwie gerecht werden.“

Aktuelle Informationen über Daniel Hope im Internet unter: www.danielhope.com

Alle Rechte vorbehalten. (c) Fono Forum, Mai 1999

Hope for the future
Gramophone Magazine, 28.05.1999

Michael Quinn meets up-and-coming violinist Daniel Hope

Daniel Hope first encountered Schnittke’s music at the age of 15. Now 24, he describes his subsequent and continuing relationship with the late Russian’s oeuvre as “a love-affair“. Not surprising, then, to find he has chosen two Schnittke works – the early Sonata for Violin and Chamber Orchestra and the late Concerto Grosso No. 6 – as the bedrock repertoire of his debut album for Nimbus.

“It is music of extraordinary passion written with extraordinary velocity, power and contrast. Listen to the Sonata, which starts out with a bleak, almost bland and pathetic sound world and then, at the flick of a switch, despite being deeply anti-romantic, explodes into amazing energy and passion. Just glorious stuff!“

At 15, it was, Hope remembers, “a tremendously affective piece; brilliant, wild, passionate. I’d never heard anything like it; it completely grabbed me. It was only later when I started looking at what was beneath its surface that I began to really appreciate it was much more than that.“

More than enough for the now older but still youthful violinist to regard the Schnittke of the early 1960s (when the original version of the Sonata was written), as being “way ahead of his Soviet contemporaries in terms of his musical ideas, certainly on a par with what was happening elsewhere in Europe.“ That may be less true of the 1967 orchestral version but Hope still considers Schnittke’s use of a harpsichord in the piece a radical rather than reactionary gesture.

“It was such a serialist piece in its original version – very dry, very angular – but the harpsichord’s anachronistic quality turns it into a more exciting work and led him, harmonically speaking at least, to go a step further, particularly in the third and fourth movements.“ For the recording, Hope substituted a modern piano for the harpsichord in those concluding movements, having first consulted the composer. “We tried it, he liked it, that was the end of the argument for me.“

The Concerto Grosso No. 6, a sparser, more concentrated piece than its title might imply, shows how far Schnittke had travelled musically in the intervening quarter of a century. Composed in 1993, during Hope’s four-year-long friendship with Schnittke, it was a work he also wanted to do for reasons other than the purely musical, his longtime accompanist, Simon Mulligan, being one of them. “I wanted him to be heard and the first violin-free movement of the Concerto certainly gives him that opportunity.“

The problem both men share with the William Boughton-led English Symphony Orchestra is, he admits, ‘how to interpret the music once you’ve learned how to play it. That’s a different matter altogether. You’re very free to do whatever you want; experiment with colours, play it romantically (which Schnittke wouldn’t have liked) or totally non-vibrato, totally dry. He leaves it up to you a lot of the time.

This generosity encouraged Hope to think more freely about what other works to include on the disc. Recorded in 1995, Takemitsu’s Nostalghia, a wistful tribute to the Russian film director, Tarkovsky – “and a very similar sound world harmonically and emotionally to the Berg Concerto“ – seemed an obvious choice, the decision to include Kurt Weill’s jazz-tempered Op.12 Concerto less so. ‘Having had three “heavy“ works, why not do something completely different? Its inclusion was deliberately perverse.

Not quite as perverse as Hope cheekily suggests, however. (He’s clearly too musically erudite and intuitive for reckless self-indulgence.) ‘The way the violin interacts with different instruments in it is a central “theme“ of the disc. For people to sit down and listen to Schnittke you have to make it open. Not “accessible“, that’s an awful word. You have to identify and be clear about certain aspects of the music because not everybody is going to have the inclination or the patience to sit and persevere if they don’t initially understand it. If things come out of it that maybe motivate people to listen to what they wouldn’t otherwise, then that’s a victory. Not for me, but for contemporary music.

Clearly a star for the future of the future!

© Gramophone, May 1999

He is young and “very British“
Klassik Radio, 25.06.1999

Daniel Hope…

“He always used to say that I fell into his lap“, says Hope of his mentor, Yehudi Menuhin. At the age of eleven the two musicians performed together for television; from 1991 onwards the violin instruction intensified. Hope misses his teacher and friend.

He knows, however, how much he learned from Menuhin, and attempts to convey this in his own concerts – and on his Debut CD, recently released by NIMBUS with works by Weill, Schnittke and Takemitsu. A sensational entrance into such a saturated CD market, so full of “easy listening“.

In interview Hope is as positive a character as his name suggests … one asks oneself: why are there such constant complaints about the lack of young talent able to carry on the work of “legends“ such as Menuhin.

They do exist. There is Hope. We have HOPE!