daniel hope - wann darf ich klatschen? (2009)

Wann darf ich klatschen?

Hardcover edition: 256 pages
Publisher: Rowohlt, Reinbek
Language: only available in German
ISBN: 978-3-498-00665-5

Daniel Hope - Wann darf ich klatschen?

Da capo! Ein vergnüglicher und lehrreicher Blick hinter die Kulissen des klassischen Konzertbetriebs. Klassische Musik mögen viele. Aber gerade dort, wo man sie in ihrer ganzen Schönheit “live“ und authentisch erleben kann, im Konzertsaal, fühlen sich manche fremd und unbehaglich. Das liegt nicht zuletzt an überkommenen Traditionen und Ritualen, die sich dem Laien nur schwer erschließen.

Der Geiger Daniel Hope begegnet bei seinen Konzerten immer wieder vielen Fragen: Warum werden die Instrumente nach dem Oboenton gestimmt? Wieso gibt der Dirigent zu Beginn nur dem Konzertmeister die Hand? Weshalb wird mal mit, mal ohne Noten gespielt? Woher kommt der Frack als Dienstkleidung der Orchestermusiker? Was macht der Geiger, wenn ihm eine Saite reißt? Wer hat bestimmt, dass man zwischen den Sätzen einer Sinfonie nicht klatschen darf? Und was wird aus den Blumen, die am Ende überreicht werden?

Dies sind nur einige der Fragen, auf die das Buch Antworten gibt. Daniel Hope und Wolfgang Knauer laden ein zu einem vergnüglichen und lehrreichen Ausflug hinter die Kulissen des Konzertbetriebs.

--

Klassik lohnt sich für jeden. Davon ist der weltberühmte Geiger Daniel Hope zutiefst überzeugt. Und weil er weiß, dass man Mozart, Beethoven, Brahms und Co. nur dann richtig kennenlernt, wenn man sie im Konzertsaal „live“ erlebt, hat er sich zur Aufgabe gemacht, gerade jungen Leuten die Scheu vor den hehren Musentempeln und ihren manchmal geheimnisvoll wirkenden Ritualen zu nehmen.

„Man muss kein Experte sein, um die Musik genießen zu können“, beruhigt Hope alle Klassik-Einsteiger in seinem gerade veröffentlichten Wegweiser für Konzertgänger. „Das Wichtigste ist, sich voll und ganz auf die Musik einzulassen, sich auf sie zu konzentrieren und ihr aufmerksam und ohne Ablenkung zuzuhören.“

Was man darüber hinaus als Basisinformation für Konzertbesuche wissen sollte, beschreibt er in elf Kapiteln auf 250 Seiten. Die Themen reichen von A wie Auftritt bis Z wie Zugabe, die immer wieder diskutierte Streitfrage „Wann darf ich klatschen?“, die dem Buch den Titel gab, und ein Schnellkurs in Musikgeschichte inklusive.

In die Erläuterung von Konzert-Usancen, Spielregeln und Fachbegriffen lässt der 35jährige Violinist viele persönliche Erlebnisse aus seiner Solistenpraxis einfließen, erzählt von seinen Begegnungen mit berühmten Musikerkollegen und schildert seine Vorstellungen vom künftigen Konzertbetrieb. „Wir Musiker müssen dafür sorgen, dass ein neues Publikum heranwächst, damit wir nicht bald schon in leeren Sälen spielen“, sagt er mit Blick auf das zunehmende Durchschnittsalter der Konzertbesucher. „Wir brauchen  noch viel mehr neue Ideen, wie Musikaufführungen interessanter und attraktiver für junge Leute werden.“

Choose Review

Wann darf ich klatschen? / Szene Hamburg (D) / 2009

Daniel Hope ist nicht nur einer der markantesten Geiger, sondern auch ein erfolgreicher Buchautor. Jetzt landet er gleich einen doppelten Coup: Er stellt das neue Buch und sein neues Soloalbum vor.

Manchmal zum Schmunzeln, oft aber mit ernstem Hintergrund: Daniel Hope hat Publikumsfragen gesammelt und versucht, sie in seinem "Wegweiser für Konzertgänger" zu beantworten. Das Ergebnis: ein spannender Blick hinter die Kulissen des klassischen Konzertbetriebs. Wir haben mit Daniel Hope gesprochen.

DW-WORLD.DE: Wie ist die Idee zu Ihrem Buch entstanden?

Daniel Hope: Die Idee ist entstanden auf der Reise, als ich mein erstes Buch vorgestellt habe. Dabei habe ich viele Menschen kennen gelernt. Einige hatten großes Interesse an Literatur, waren aber noch nie in einem Konzert. Da kamen die spannendsten Fragen auf. Ein Mann sagte mir eines Abends: "Ich liebe Musik, ich höre zu Hause gerne Musik, am liebsten auf CD, ich möchte auch gern in ein Konzert, aber es gibt da so viel, das mich stört. Und vor allem weiß ich nie, wann ich klatschen soll." Das Publikum hat gelacht und ich auch. Ich fand das sehr charmant und wollte sofort eine Antwort geben, aber dann habe ich gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist. Ich musste selber darüber nachdenken.

Oft wird man böse angeguckt, wenn man im Konzert an der falschen Stelle klatscht. Zum Beispiel zwischen den Sätzen. Was ist denn Ihre Meinung dazu, gibt es da ein Ja oder ein Nein?

Ich finde, dass es da kein Ja und Nein gibt. Ich habe in dem Buch "Wann darf ich klatschen?" auch versucht, die Geschichte des Applaudierens kurz zu schildern. Lange war es gang und gebe, zwischen den Sätzen zu klatschen, zum Beispiel zu Beethovens Zeit oder in der Barockzeit. Ich finde, nach einem Satz, der sehr "bravoura" ist, energisch und toll gespielt, ist einen Applaus absolut angebracht. Und ich weiß, dass viele meiner Kollegen die Meinung teilen. Man gibt alles, was man kann, dieser Satz ist vorbei und das ganze Publikum applaudiert. Das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl für einen Musiker.

Denken Sie, wenn jemand das Buch gelesen hat: "Der hat dann auch den Leitfaden an der Hand, um mich als Künstler besser zu verstehen?"

Ja! Das auf jeden Fall, es ist ein sehr persönlicher Blick hinter die Kulissen. Man sieht einen Solisten, der kommt auf die Bühne und spielt sein Konzert. Aber die Frage ist: Was hat er gerade gemacht, bevor er auf die Bühne kam? Warum schmunzelt er? Oder: Er ist sehr spät gekommen, wir haben gewartet, warum? Weil zum Beispiel seine Kleidung, die er am Abend davor im Hotelzimmer aufgehängt hat, geklaut worden ist. Jemand musste erstmal rausgehen und ihm einen neuen Frack besorgen. Ich habe einfach versucht, ein paar Momente zu schildern.

Sie stellen in Ihrem Buch auch die Frage: Was darf ein Konzert kosten? Ist das ein Feilschen darum, ob es mehr kosten darf als eine Kinokarte oder um bewusst zu machen, was ein Konzert tatsächlich wert ist?

Was ein Konzert wert ist, ist eine sehr schwierige Frage. Ich finde nicht, dass Konzerte unbedingt umsonst sein müssen, aber sie dürfen nicht übertrieben sein. Ich höre von jungen Leuten oft: Klassik ist zu teuer, da geh ich nicht hin. Klassik kann teuer sein, ist es aber nicht unbedingt. Wenn man ein bisschen recherchiert, findet man auch günstige klassische Konzerte.

Ihr Buch trägt den Untertitel  "Wegweiser für Konzertgänger". An wen wendet es sich?

Das Buch habe ich bewusst einen Wegweiser für Konzertgänger genannt. Wir sind alle Konzertgänger. Wir gehen ja auch in unsere eigenen Konzerte. Das heißt, das Buch ist nicht nur für Leute, die zum ersten Mal ins Konzert gehen, sondern auch für erfahrene Konzertbesucher, die mehr Information wünschen. Die Industrie wird angesprochen, die Schallplattenindustrie, die Konzertveranstalter und Honorarfragen, eben alles, was zum Musikbetrieb gehört.

Das Gespräch führte Julia Kaiser
Redaktion: Gudrun Stegen

Wann darf man im Konzert klatschen? / bild.de (D) / 2009

Was soll ich anziehen?

Bei Premieren-Feiern kommen die Damen meist im Abendkleid, die Herren im Smoking oder dunklen Anzug. Für einen normalen Opern- oder Konzertbesuch gibt es keinen bestimmten Dresscode. Viele Besucher machen sich aber fein: Kleid oder Kostüm für die Dame, Anzug für den Herren. In Berlin sind die Gäste oft legerer gekleidet, zum Beispiel mit Jeans und Sakko. Shorts, T-Shirts und Turnschuhe sind nichts für Oper oder klassisches Konzert, aber für Open-Air-Abende.

Wie bereite ich mich vor?

Wenn möglich, sollte man die Stücke, die aufgeführt werden, vorher von einer CD gehört haben, um einen Eindruck von der Musik zu haben. Informationen über den Komponisten gibt es oft in beigefügten Booklets. Es macht Sinn, sich vor Oper oder Konzert anzusehen, wer der Komponist war, was für ein Typ, wie er lebte, welche Probleme er hatte. Außerdem werden oft vor Konzert oder Oper Einführungsveranstaltungen angeboten, bei denen Musikwissenschaftler, Dirigenten oder andere Beteiligte die Musik und die Hintergründe erklären. Wichtig: Rechtzeitig losfahren, eine halbe Stunde im Theater einplanen, um einen Blick ins Programmheft zu werfen. Auch darin gibt es viele Informationen zum Stück.

Wo sitze ich am besten?

Das kommt darauf an, wen man sehen möchte: Will man Geiger oder Klavierspieler direkt vor sich haben, empfiehlt sich ein Platz auf der linken Parkettseite. Auf den Mittelplätzen im vorderen Parkett und im ersten Rang hat man ungehinderte Sicht auf die Bühne und meist auch das optimale Klangerlebnis. Aber natürlich zahlt man dafür auch die höchsten Preise. Je weiter Sie nach außen gehen, desto verzerrter kann der Klang werden. Generell gilt: Je größer und opulenter besetzt das Ensemble, desto größer das Klangvolumen, das den Saal füllt – und desto besser hört man auch noch hoch oben auf den billigeren Plätzen.

Darf ich ein Getränk mit in den Saal nehmen?

Essen und trinken während der Vorstellung sind tabu! Früher wurde im Publikum fröhlich getrunken, geraucht oder sogar geplaudert wurde – aber das ist vorbei. Alle Aufmerksamkeit soll der Musik und dem Spiel und Gesang der Künstler gelten.

Was tun, wenn ich husten muss?

Husten stört Publikum und Musiker. Wenn Sie stark husten müssen, verlassen Sie besser den Saal. Gut: Ein Hustenbonbon sicherheitshalber in der Tasche zu haben – aber ohne knisterndes Papier. Wer stark erkältet ist, sollte den Konzert- oder Opernbesuch besser verschieben.

Was bedeuten die Armbewegungen des Dirigenten?

Sie lenken und steuern das Orchester und die Sänger, geben Einsätze und Signale, regeln Tempo und Balance, treiben an und dämpfen. Der Dirigent ist wie ein Kapitän, der den Kurs des Schiffes festlegt und während der Fahrt die einzelnen Manöver bestimmt.

Meist hält der Dirigent einen Stab in der rechten Hand, mit ihm gibt er Tempo, Taktart und Dynamik an. Weite Bewegungen verlangen einen lauten Ton, kleine einen leisen. Die linke Hand ist mehr fürs Modellieren zuständig, liefert Anweisungen zur Intensität des Ausdrucks.

Wann darf ich klatschen?

Eine alte Streitfrage, auf die es keine einheitliche Antwort gibt: Der Begrüßungsapplaus zum Auftritt der Künstler und der Beifall am Ende eines Stücks oder eines Aktes in der Oper sind allgemein üblich. Über das Klatschen zwischen einzelnen Sätzen oder nach einer Arie gehen die Meinungen auseinander. Viele Musiker freuen sich, wenn sie auch zwischendurch anerkennenden Beifall erhalten; manche Zuhörer fühlen sich dadurch allerdings gestört. Wenn Sie sichergehen möchten, nicht durch alleiniges Klatschen aufzufallen, dann klatschen Sie am besten am Ende – und dafür laut und lange.

Darf ich zwischendurch „Buh!“ rufen?

Das Publikum in südlichen Ländern, vor allem in den Opernhäusern, hat da keine Hemmungen. Bei uns spart man sich das „Buh“ meist für den Schluss auf. Aber unter Künstlern gilt: Wer sich über spontanen Szenenapplaus freut, der muss auch das Gegenteil akzeptieren.

Und hier klatschen Sie richtig! / Hamburger Abendblatt (D) / 2009

Liegen die Hürden für den Einstieg in den Live-Genuss klassischer Musik zu hoch? Der Star-Geiger hilft Einsteigern, sich im Konzertsaal wohlzufühlen.

Hamburg. Klassische Konzerte sind die Sorgenkinder der Kulturveranstalter. Der Altersdurchschnitt des Publikums steigt, Nachwuchs bleibt aus, mancher sieht den klassischen Konzertbetrieb schon aussterben.

Aber wäre das so bedauerlich angesichts immer mehr und perfekterer Aufnahmen? Daniel Hope meint: ja. Natürlich ist der südafrikanisch-britische Geiger, ein international gefragter Solist, parteiisch: „Klassische Musik live ist das Größte", sagt er, „nichts sonst setzt in einem einzigen Moment so viele Glückshormone frei."

Hope hat die Initiative ergriffen. Während sich Veranstalter und Kulturschaffende überall den Kopf über „coole Locations" und neue Konzertformen zerbrechen, nimmt er den Blickwinkel des potenziellen Hörers ein. „Wann darf ich klatschen?" heißt sein Plädoyer, das er mithilfe des Hamburger Autors Wolfgang Knauer verfasst hat. Gestern stand Hope auf dem Programm des Harbour Front Literaturfestivals - mit einer Lesung, dem Lautenisten Stefan Maass und Auszügen aus seiner CD, die wie das Buch am Freitag erscheint.

Am Tag vor der Lesung sitzt er im Café Leonar am Grindel, seinem Lieblingscafé in Hamburg. Auch wer ihn bislang nur auf der Bühne erlebt hat, erkennt ihn gleich am rötlichen Schopf und den Augen, die sofort Kontakt aufnehmen. Die Gewandtheit seines Auftretens, das Tweedjackett und sein erstaunlich flüssiges Deutsch verraten den Weltenbürger. Auf die Idee, das Buch zu schreiben, kam Hope während einer Lesereise mit seinem ersten Buch „Familienstücke": „Da traf ich Leute, die Musik lieben, aber nicht ins Konzert gehen. Das war für mich etwas ganz Neues. Einmal hat sich ein Mann gemeldet und gesagt, er hört gern CDs, aber ins Konzert traut er sich nicht. Da habe ich gedacht: Wie kann man den Menschen dieses Gefühl nehmen?"

Was man kennt, muss man nicht fürchten. Deshalb hat Hope eine kurze, amüsante und treffende Einführung in den klassischen Konzertbetrieb geschrieben. Er beschreibt den Ablauf eines Konzerts, lädt zu einem kurzen Ausflug in die Musikgeschichte ein und erklärt, woher die so unverständlich wirkenden, starren Regeln kommen, die so viele von einem Konzertbesuch abhalten.

Die sind nämlich nicht gottgegeben. Zu Mozarts Zeiten unterhielt man sich während einer Aufführung zwanglos, verließ den Saal, lachte und speiste. Die Musik war zur Unterhaltung des Adels da. Erst mit dem Aufkommen des bürgerlichen Sinfoniekonzerts im 19. Jahrhundert begann man, streng in Reihe zu sitzen und andächtig zu lauschen.

Weil sich diese Benimmregeln in Deutschland bis heute gehalten haben, fühlt sich mancher als Eindringling in einem elitären Kreis von Abonnenten, die lieber unter sich bleiben möchten. Beifall zur falschen Zeit kann einem das Kopfschütteln von Hunderten eintragen - und so ein Erlebnis kann einen Konzertneuling umgehend aus dem Weihetempel der Musik verscheuchen. Auch wollen viele Hörer nicht stundenlang stillsitzen, sondern wie bei einem Rockkonzert Gefühle körperlich ausdrücken. Und dann der vermutete Dresscode!

Dass Konzertkarten teurer als Kinokarten sind, lässt Hope dagegen nur halb gelten: „Ein Fußballspiel oder ein Rockkonzert können viel mehr kosten!" Ernster nimmt er die kurze Aufmerksamkeitsspanne einer Generation, die mit Musikstücken im Clipformat aufgewachsen ist.

An der Musik selbst liegt's nicht, dass Konzerte wenig junges Publikum anlocken, hat Hope bei seinen Feldstudien herausgefunden: Die fänden die Hörer von „ganz okay" bis „saugeil". Das ist doch die Hauptsache.

Verena Fischer-Zernin, Hamburger Abendblatt